December 3rd, 2014

Trust # 169 (Dezember/Januar) is out now!

Posted in news by Dolf

Ab sofort ist das TRUST # 169 erhältlich, bei Deinem Lieblingsplattenladen oder Mailorder sowie im gutsortierten Bahnhofsbuchhandel.

Der Inhalt diesmal:
Interviews mit Mantar, Bad Omen, einem der Macher des Bildblogs, Inside Artzine und Schwule Nuttenbullen.

Wie gewohnt gibts natürlich ehrliche Reviews von Platten, Zines und Büchern sowie ausgesuchte Tourtermine, geile Konzertfotos und oberschlaue Kolumnen – das Ganze als graphisches Gesamtkunstwerk.

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December 20th, 2014

Soulside – Saint Vitus 2014

Posted in video by jörg

http://unartignyc.com
http://www.facebook.com/UnartigOfficial

December 10th, 2014

Dancing In The Dark Records (#105, 04-2004)

Posted in interview by Jan

Kaffeekränzchen mit Dancing In The Dark Records…

Wer häufig – auch ausserhalb seiner oder ihrer Heimatstadt – auf Konzerte geht, kennt das Phänomen sicher: Es ist fast egal, wo man wie weit hinfährt, es gibt ein paar Nasen, die einem mit grosser Wahrscheinlichkeit über den Weg laufen. Und nicht selten kommt es vor, dass diese Nasen mehr machen, als auf Konzerte zu gehen und Platten zu kaufen. Und wenn die Nasen dann auch noch richtig nett sind, dann ist das eigentlich schon ein guter Anlass sich mal mit ihnen zu unterhalten – zumal wenn sie auch einiges zu erzählen haben…

December 10th, 2014

Rocket from the crypt (#74, 02-1999)

Posted in interview by Jan

Die beste Partyband seitdem die Fleshtones ihre Bläser verbannt haben, genau das sind Rocket From The Crypt. Und da ich zu den glücklichen Menschen zähle, die diese phantastische Band in diesem Jahr schon zweimal sehen konnten, beschloß ich beim zweiten Mal mit Andrea ein bißchen mit Sänger Speedo zu quatschen und zu schauen, was seit dem letzten Trust-Interview 1996 passiert ist.

December 8th, 2014

Vaccination Records (#73, 12-1998)

Posted in interview by Jan

VACCINATION RECORDS. Das Label-Portrait

Viel wird ja zur Zeit über ein behauptetes Ende von Rockmusik geredet. Meistens dummes Zeug. Als ob leere Clubs nicht auch deswegen nicht voll würden, weil die Leute weniger Geld haben. Als ob nicht noch jedesmal nur ein paar Jahre nach dem nun schon häufiger annoncierten Ableben irgendwer die Nekrologe Lügen gestraft hätte, ohne daß dafür nun unbedingt das sprichwörtliche Rad buchstäblich hätte neu erfunden werden müssen.

Führende Zeitgeistliche der Gegenwart, zu einem nicht geringen Prozentsatz unterhalten von einer Kölner Zeitschrift zu populärer Kultur, können sich unterdessen – wonne-trunken theoretische Tanzschritte vollführend – angesichts elektronischer Lebensaspekte gerade noch für ein paar durchgedrehte Amerikaner erwärmen, die wiederum größtenteils bei Skin Graft in Chicago veröffentlichen. In Kalifornien entwickeln derweil ein paar Herrschaften eine Taktik, um das zu besorgen, was fälschlich immer wieder als bereits Faktum behauptet wird. Ihr Ziel: Das Ende der Rockmusik. Ihre Methode:

ROCK AGAINST ROCK

December 8th, 2014

K-LINE (#105, 04-2004)

Posted in interview by Jan

Es gibt ständig Bands innerhalb der so genannten Alternativ-Szene, die heimlich oder ganz offensichtlich versuchen, groß zu werden, die sich den aktuellsten Trends anpassen und davon träumen, dass der dicke A&R Mann vom McMajor-Label einen Vertrag unter ihre Nasen steckt. In Großbritannien wie in anderen Ländern gibt es genug Bands, die davon ihre musikalische Entwicklung abhängig machen, mit dem Ergebnis, dass viele gleich und homogen klingen, deren Kreativität zum Opfer der Scheuklappen-Perspektive „Stars“ zu werden wird. All style but no substance.

Man kann jedoch erleichtert aufatmen, denn es gibt noch Bands, die sich ihre eigenen Wege bahnen, ihre Musik aus einer Mischung aus Einflüssen und Erfindungsreichtum spielen – scheiß egal, welche Trends zur Zeit im Mainstream angesagt sind. Genau wie K-LINE aus London, deren erstes, neulich auf dem Boss Tuneage Label, erschienenes Album ständig bei mir zu Hause läuft. Mit ex-Members von u.a. THE STUPIDS, SINK, BAD DRESS SENSE, DONE LYING DOWN, TOAST, GRAND CENTRAL, BIG RAY, FREELOADER und HOMOGENIUS. Es war höchste Zeit, den Jungs in der Band ein paar Fragen zu stellen. Das folgende Interview wurde mit Ed Wenn und Paul Duncan per Email geführt.


December 7th, 2014

Southern Lord Records (#105, 04-2004)

Posted in interview by Jan

Home Of Probot: Southern Lord Records

Dieser Tage erschien ein Album, das Furore machte: Dave Grohl, der nach seinem Einsatz bei Queens Of the Stone Age gleich ein weiteres Mal seine dullen Foo Fighters vergessen ließ, hatte einen Haufen alter Helden zu einem munteren Ringelpitz mit Anfassen geladen. Cronos (Venom), Max Cavalera (Sepultura, Soulfly), Lee Dorrian (Napalm Death, Cathedral), Lemmy (Motörhead), Snake (Voivod), King Diamond, Kurt Brecht (DRI), Mike Dean (COC), Wino (Obsessed, Saint Vitus etc.), Tom G. Warrior (Celtic Frost) und Eric Wagner (Trouble) liehen Grohl ihre Stimme.

Für jeden komponierte Grohl ein Stück, spielte es ein und ließ seine großen Helden dazu machen. Grohl und Genossen gelang es dabei glatt, die Energie des Untergrund-Metal der späten Achtziger in eine zeitgenössische Form zu übertragen. Kein NuMetal-Gekasper, sondern gut abgehangenes Schwermetall in Perfektion.


December 7th, 2014

PENDIKEL (#73, 12-1998)

Posted in interview by Jan

Der 30. Oktober 1998 ist ein unverschämt kalter Tag. Nicht selten regnet es auch, was dem an diesem Tag eingeweihten neuen Foyer des Bremer Schlachthofs urplötzlich einen Sinn zu geben vermag. Schön ist es trotzdem nicht, dieses Foyer. Am Abend sollen No Means No spielen (sie tun es schließlich auch).

Am Nachmittag treffen drei Herren in Bremen ein. Sie kommen aus Osnabrück. Zwei von ihnen haben gerade mit ihrer Band Pendikel eine Platte unter dem Titel ‘Phantasievoll (aber unpraktisch)’ veröffentlicht. Eine Platte, die zwischen großzügig aber mit Verstand dosiertem Wumms und mellotronin­fizierten Kunstrockkonstrukten in deutscher Sprache persönliche Vergangenheitsbewälti­gung betreibt.


December 3rd, 2014

22 Strategien für die erfolgreiche Gründung einer Rockband – Ian F. Svenonius

Posted in bücher by Dolf

Metrolit Verlag, Prinzenstraße 85, 10969 Berlin , www.metrolit.de

22StrategienfürdieerfolgreicheGründungeinerRockband

Das Buch erschien 2012 unter dem Titel “Supernatural Strategies for making a Rock’n’Roll Group” in den Usa bei Akashic Books und wurde bereits im Trust # 161 besprochen. Aber es ist super das man es jetzt auch auf deutsch bekommen kann, da das englische Original doch nicht so leicht zu lesen ist. Hier ein großes Lob an die ÜbersetzerIn Uta Goridis und Egbert Hörmann, die einen wirklich großartigen Job gemacht haben. (erlaube mir hier anzumerken, das einzig die Übersetzung von “suicide” mit Selbstmord mich kurz innehalten ließ, weil eben Selbsttötung der richtigere Begriff ist, aber das nur am Rande….). Auch ist diese Ausgabe die deutlich Überlegenere was die Buchqualität angeht, gebundener Textilbroschur halten die etwas mehr als 300 Seiten perfekt zusammen. Da es inhaltlich natürlich gleichgeblieben ist hier erstmal die, angepasste, Übersetzung der Besprechung aus der # 161:
Wenn du weisst – und du solltest das wissen – das der Autor bei The Make Up und The Nation of Ulysses gespielt hat, kannst du dir vielleicht vorstellen was einen erwartet – und teilweise liegst du da richtig. Das ist kein einfaches Ratgeberbuch, sondern auch ein wenig okkulte Esoterik und natürlich viel Wahrheit und Haltung. Nach einer Einleitung, Erster Teil – Wahre Geheimnisse aufgedeckt – beginnt es gleich mit einigen Séancen wo sie mit den Geistern toter Musiker (Brian Jones, Richard Berry, Mary Wells, Paul McCartney [noch am Leben], Buddy Holly, Jim Hendrix and Jim Morrison) über die Ursprünge der Rock’n’Roll-Band, wie RnR aus der amerikanischen Gang-Kultur hervorgegangen ist, der Einfluß der Black Panther und so Kram sprechen…. einiges davon macht Spass und es kommen gute Gedanken zum Vorschein: “Tatsächlich ist die moderne Rockgruppe oft eine vorhersehbare, seelenlose, alberne und ziemlich langweilige Vereinigung, die aus in Internaten erzogenen Bankierssöhnchen besteht, die sich auf der Bühne aufplustern und eine passable Nachahmung von Scheiben, die sich ein dememter Kritiker mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde. Die Gruppen werden von Jahr zu Jahr banaler.” Aber alles in allem ist das nicht so ganz meine Sache. Der zweite Teil – Übernatürliche Strategien – ist dann der Leitfaden in über 20 Kapiteln die sich mit allem beschäftigen womit sich eine Band auseinandersetzten muss: Die Urschande, Das Ziel (Die Politik erfordert weder Talent noch Intelligenz noch gutes Aussehen. Zu Beginn werden Sie nicht einmal einen Anzug benötigen. Sondern Sie einfach nur etwas “Provokatives” (kreationistisches, bigottes oder sonst wie reaktionäres) Vitriol in ein Mikrofon ab, und Sie werden Geldgeber finden, die für Fernsehauftritte, Fundraising-Events und aufgehübschte Maßkleidung sorgen. Diese Art der Berühmtheit wird dauerhafter und nachhaltiger sein als jeder Ruhm auf dem Feld der Musik. So ist jemand wie Donald Rumsfeld, ein drittklassiger Regierungsfunktionär, bei dem kein Funken Talent, Intelligenz oder Charme zu erkennen ist, eine größere internationale Celebrity als Mick Jagger, ein wahrer Heros seiner Zunft. Rumsfeld kennt man aufgrund seiner Geistesgestörtheit und seiner Arroganz in jedem Winkel Asiens, des Nahen Ostens und Afrikas, wohingegen Jagger lediglich von ein paar hundert Millionen Musikenthusiasten aus der ersten Welt bewundert wird.), Das Foto als Enthüllung, Der Bandname, Wie man die Gruppe findet, Die Bandprobe, Die Plattenaufnahme, Produzenten, Der Tourbus, Das Label, Sex, Drogen, Der Auftritt (Selbst wenn Ihre Gruppe, aus welchem Grund auch immer, hier einen Treffer landet, sind diese Hörer ein äußerst wankelmütiger Haufen. Eigentlich hören sie nur Musik, wenn sie sich ablenken wollen, oder wenn sie im Auto oder am Tresen einer Bar sitzen. Ihre künstlerische Entwicklung interessiert sie überhaupt nicht, und es ist ihnen auch egal, ob Sie in einem Song ein paar Hörner hineinmischen oder die Gruppe sich die Haare schneiden lässt. Tatsache ist, dass sie weder den Namen Ihrer Gruppe kennen, noch die Texte Ihrer Songs, und dass es sie auch nicht kümmert, wie Sie aussehen oder was Sie sonst so machen. Es sind nicht die Sorte Fans, auf die sich Ihre Gruppe spezialisieren sollte, denn sie haben nicht einen Funken jener blinden Loyalität, nach der Sie sich sehnen.), Die Vermaktung von Nostalgie, Kommunikation, Führung, Disziplin, Musikkritiker (“Heutzutage hält sich jeder für einen Kritiker” – diese Klage hört man allenthalben, was in unserer Zeit der Selbstveröffentlichungen und des elektronmagnetischen Gelabers auch nicht verwundert. Tatsächlich kommt von allen Seiten harsche Kritik, sodass von Ihrer Gruppe nichts übrig bleibt, wenn sie nicht über ein paar Abwehrstrategien verfügt. Öffentliche Kritik sollte man am besten ignorieren, denn sie ist willkürlich und oft anonym. Selbst wenn ein Name darunter steht, sind die Argumente zumeist an den Haaren herbeigezogen und ziemlich dreist. Außerdem, wer sind sie, diese Kritiker, und wer hat sie nach ihrer Meinung gefragt? Ein Kritiker ist ein Individium, das sich für eine Autorität in Geschmacksfragen hält. Das geht freilich Djs, Leuten, die ein Mixtape machen oder Musik verschenken ähnlich. Es gibt zahllose Musiker oder Szeneautoren, die ihrer Umgebung mit allen Mitteln ihre Ästhetik und Ideologie aufzwingen wollen. Die Meinung dieser Leute kann sehr aufschlussreich sein, und man sollte sie in ihrem Tun ermutigen. Sie haben einige der interessanteren Trends und Bewegungen entscheidend beeinflusst oder sogar herbeigeführt. Aber es gibt auch die Kaste der Berufskritiker, und sie verfolgen sehr viel dubiosere Ziele.) Die Aussenkommunikation, Die Verpackung. Gefolgt von einer Abschlusserklärung des Amts der Post-Physischen Rock-‘n’-Roll-Arbeiter.
Bei diesem Buch gehen die Daumen mal rauf, aber auch wieder runter. Zum Glück mehr nach oben als in die andere Richtung. Erwartungsgemäß gibt es viele Verschwörungstheorien im Svenonius-Stil, teilweise ist mir das zu “kreativ” geschrieben, aber manchen Leuten gefällt genau das. Der Kern des Buches und die Haltung dahinter sind wahr und gut. Und bitte kann ab sofort jeder nur noch Souvenierstand statt “merchtable” sagen – Lasst uns mal zum Souvenierstand gehen und gucken was für Souveniers die Band im Angebot hat.
Das war das Ende der übersetzten Rezi und ich merke das mir das mit dem Souvenierstand hier gar nicht aufgefallen ist – wurde das etwa wegübersetzt? Wie auch immer, es macht mehr Spass das Buch auf Deutsch zu lesen, weil es einfach verständlicher ist und man Ian’s bissigen Sarkasmus leichter erkennen kann. Er sagt eben sehr viele Dinge die sehr wahr sind, die aber viele Bands/Leute sicher nicht hören wollen (weil es zutreffend ist). Das Buch ist nach wie vor kein klassisches Ratgeberbuch, aber intelligente Menschen können hier viel Information rausholen und wer auf den Stil steht kann sich wirklich großartig amüsieren. Nicht unerwähnt bleiben soll abschließend das Ian Svenonius immer noch Musik macht, derzeit mit Chain & the Gang. 18.- Euro (dolf)
Isbn 978-3-8493-0091-3

[Trust #168 Oktober 2014]

December 3rd, 2014

Grüne Lügen – Friedrich Schmidt-Bleek

Posted in bücher by Dolf

Ludwig/Heyne/Random House, Neumarkter Str. 28, 81673 München, www.ludwig-verlag.de

GrüneLügen

Der Untertitel “Nichts für die Umwelt, alles fürs Geschäft – wie Politik und Wirtschaft die Welt zugrunde richten” lässt einen erstmal denken “Und, was ist neu?” Aber der sehr lebenserfahrene Autor, er ist bereits Anfang 80, hat hier einige gute Ideen – die über die “üblichen” hinausgehen und auch viele vermeintlich “grüne” Ideen nochmal ganz anders, nämlich überhaupt nicht grün, dastehen lassen. Das die ganzen Hybrid- und Elektroautos ein Schritt in die falsche Richtung sind war ja von Anfang an klar. Das alle Ressourcen endlich sind – auch. Aber wußtest du das Sand auch eine Umweltzeitbombe ist. Oder war dir bewußt das meistens – wenn von Umweltschutz gesprochen wird – es eben nicht um den Schutz der Umwelt geht, sondern darum das es dem Menschen besser geht. Und es ist zwar so, das die meisten Umweltschutzmaßnahmen tatsächlich den Schadstoffausstoß reduzieren aber auch den Bedarf an Ressourcen erhöhen, womit die Welt immer schneller zerstört und verschmutzt wird. Schmidt-Bleek ist der Erfinder des Begriffes “ökologischer Rucksack” (in dem werden alle Ressourcen gesammelt die bei der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung eines Produktes anfallen – hier wäre es gleich interessant gewesen zu erfahren wie groß oder klein der ökologische Rucksack des vorliegenden Buches ist…) und führte eine Maßeinheit für die Bewertung der Umweltbelastung eines Produktes ein: MIPS (Material-Input pro Serviceeinheit). So werden z.B. für jedes Smartphone ca. 71 kg Natur verwendet! Der Autor erklärt warum der derzeit vorherschende nachsorgende Umweltschutz der falsche Weg ist und das bei den Ursachen angesetzt werden muss. Auch das ist so neu nicht, aber der Mann weiss was er will und deshalb gibt es ein konkretes Konzept für eine Ressourcenwende die den Wohlstand sichern und die bedrohte Ökosphäre stabilisieren soll. Ob das klappen kann? Zumindest ist Schmidt-Bleek sehr realitätsnah, wenn er zum Beispiel schreibt: “Die Ökologiesierung der Gesellschaft kann nur gelingen, wenn es sich finanziell lohnt, Ressourcen zu sparen. Nachhaltigkeit wird auf dem Markt erreicht – oder gar nicht. Wir brauchen deshalb einen Markt, der die Ressourcenwende unterstützt. Dazu bedarf es einer umfassenden Steuerreform, die mit einer ganzen Reihe von Strukturveränderungen verknüpft sein muss. Es braucht eine neue Preisarchitektur auf dem Markt, die die ökologische Bedeutung von natürlichen Ressourcen widerspiegelt. Zudem muss die Eigenhaftung von Entscheidungsträgern verbessert und verbrauchsfördernde Subventionen müssen abgeschafft werden. Die Festlegung von Indikatioren mit Bezug zur Umwelt muss Normalität, die kurzfristige Profitmaximierung darf nicht mehr gefördert werden. Wenn diese notwendigen Struktruveränderungen wirksam sind, besteh Aussicht, dass man notwendige Entwicklungen hin zur Stabilität der Ökosphäre dem Markt überlassen kann.” Und auch ansonsten hat er ganz klare Pläne (Stichwort: Faktor 10) wie das alles von statten gehen soll. Er nimmt andere Konzepte mit an Bord (Nutzen statt besitzen, Nicht neu produzieren, sondern erhalten) und erklärt warum die CO2-Vermeidungsindustrie der Umwelt schadet oder warum der BIP (Bruttoinlandsprodukt) niemals ein Indikator für Wohlstand sein kann. Auch dem immer wieder auftauchenden “Argument” das fehlendes Güterwachstum bei der Ressourcenwende die Arbeitsplätze gefährdet nimmt er den Wind aus dem Segel.
Er stellt klare Forderungen an Politik und Wirtschaft, bleibt nur zu hoffen das diese auch mal zuhört und umsetzt. Wäre Friederich Schmidt-Bleek nicht in dem Alter in dem er ist, würde ich ihm an dieser Stelle ein wenig Naivität unterstellen, von den unfähigen Politiker derartiges zu erwarten – aber er hat ja seine Erfahrung.
Im Anhang gibt es noch einige ältere Texte, auch von anderen Autoren. Wo im Prinzip das gleich nochmal steht, ist aber ganz gut um das umfangreiche Material gleich nochmal zu vertiefen oder wiederaufzufrischen. Die Tabelle am Ende zur Materialintensität ist eine gute Idee, aber leider unübersichtlich.
Er ist auch ziemlich realistisch mit seiner Planung, so schätzt er das es ca. 50 Jahre dauern wird bis das umgesetzt ist, wenn man jetzt anfängt. Ich bin gespannt und hoffe es noch erleben zu dürfen. Die 300 gebunden Seiten sind auf jeden Fall lesenswert. 19,99 Euro (dolf)
Isbn 978-3453280571

[Trust #168 Oktober 2014]

December 3rd, 2014

War Porn – Christoph Bangert

Posted in bücher by Dolf

Kehrer Verlag, Wieblinger Weg 21, 69123 Heidelberg, www.kehrerverlag.com

WarPorn

You open up the book and it starts right away, no empty pages, imprint, etc., no regular books begin like this, but it is not a regular book – the first sentence you read is: “You were not supposed to see these images.” That should be true, what makes it worse is they are non-fictional. Those are real people and they are all dead or heavy injured. This book is not censored, not self-censored by the photographer nor by the publisher, so you have to look a some very horrific images. The author explains in a online-interview why the book is called “War Porn”: “Some people say that showing pictures from war zones is voyeurism, pornographic and dehumanizing – that is always a thought-terminating cliché. Thats why the book title is “War Porn”, to reverse that. Basically it does not matter how you call these images. Even if you attack them as warpornography, one has to look at them and acknowledge the suffering.” Some might wonder why someone would publish a book like this or why others should look at it – there is a very good reason – that is the realtiy. Still. Sure, everyone knows that war is “terrible” but if you can not stand looking at how terrible it is, you can not stand looking at realtiy. Still. This is not a book people will look forward to, but hopefully it will serve it’s purpose: Show how terrific war is and that war is still around all over the globe. People die in wars while you read this.
Another reason why Christoph Bangert published this book, his grandfather was a nazi. He wanted to join the Waffen SS but was rejected, then served as a military doctor with the Wehrmacht in Russia. He must have experienced terrible things, but whenever asked, all the storys he would tell about the war, was storys about his horse Malinki. That is not going to happen to Christoph Bangert as he explains in the last paragraph of the introduction: “Ultimatly, this book is my insurance policy for the day that my grown grandchildren ask me what wars and disasters are like. I wont’t talk about horses. I will have to pull this old book from the shelf and say, ‘This ist what it was like for me. This is what I remember. Look.’ ”
The book is 16 x 12 x 2 cm, almost 200 pages with ca. 80 coloured images, hardcover with a “open” back. Some of the pages are perforated so you need to decide if you want to open them and find out if there is even more terrible images – not always. To be honest, I expected the images to be much more cruel – there is a handfull of photos that some people really should not look at, the rest is alot of dead and bloodiness. Especially nowadays the internet can make you vomit easyier, but, that is not the point to compete on how cruel images are – that is for the perverted.
In the end you get captions of where and when the photos where taken and what they show. I dont wanna sound like a nitpicker, but a bit more then 10% of the photos are from a stampede in Baghdad (“A rumour that a suicide bomber was among the crowd of more than a million gathered at a Shiite shrine in Kadhimiya sparked mass panic.”) and a handfull are from the tsunami disaster in Indonesia/Banda Aceh. And while it can be debatable if the catastrophe in Baghdad is part of a war, that is not the case when people die in ecological disasters. This opens up another topic, what is war? Is it also war when religious fanatics armed with dynamite run into a group of other believers? Is there something like “dirty war” and “clean war”? Nothing that needs to be discussed here. In the end, it does not matter for the victims, they end up dead. Not sure why the price is so high (29,90 Euro). But that in combination of what people can expect to see might turn some off. Nonetheless a strong and important book. (dolf)
Isbn 978-3868284973

[Trust #168 Oktober 2014]

December 3rd, 2014

Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten, Matthias Weik, Mark Friedrich

Posted in bücher by Dolf

Eichborn Verlag, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln, www.eichborn.de

DerCrashistdieLösung

Eigentlich wollte ich ja zu dem Thema keine Bücher mehr lesen geschweige denn hier besprechen. Da einer der Autoren aber Trust-Leser ist und sich seit dem letzten Buch eine freundliche Korrespondenz ergeben hat – und ich zugegebenerweise auch Neugierig war: Besonders darauf was die beiden denn nun konkret Vorschlagen wie man sein Vermögen rettet…. hier also das Ergebnis. Vorweg sei noch gesagt, das sich ihr erstes Buch (besprochen in Trust # 156 – 2012) zum Bestseller entwickelte und dieses Buch derzeit grade unter den Top Five der Spiegel-Bestseller ist…. aber das nur am Rande.
Auch hier findet wieder eine schonungslose Analyse der Finanzprobleme auf der Welt statt. Es wird erklärt warum die Verursacher der Krise die Gewinner dieser sind, weshalb Banken immer mehr wachsen damit sie sich in die “Systemrelevanz” flüchten können oder wie sie den Staat und somit die Bürger abzocken – mit anderen Worten, die Finanzindustrie hat seit dem Beginn der Krise immer noch nichts gelernt (“lernen” würde für sie ja auch keinen Sinn machen, weil es ja prima läuft wie es läuft – es wird ja immer nur gefordert das sie lernen, es wird aber nicht passieren solange sie immer und immer wieder damit durchkommen), sondern macht so weiter wie wenn nichts gewesen wäre. Weiter beschreiben die Autoren das sich Deutschland (und alle anderen Länder) in der Falle des exponentiellen Wachstums befindet. Dann beginnt eine Rundreise durch verschiedene europäische Länder und deren teils sehr spezifischen Problemen (alle sind letztendlich Pleite bzw. so hoch verschuldet das diese Schulden niemals zurückgezahlt werden können – Stichwort: Schuldenschnitt), weiter geht’s noch in die – ebenso insolvente – Usa, nach China und Japan. Weik und Friederich sind nach wie vor der festen Überzeugung das der Euro mitschuld an der Krise hat und das dieser wieder verschwinden wird bzw. muss. Dem halte ich entgegen das es letztendlich egal ist wie man das Geld nennt, sondern es viel wichtiger ist wie damit umgegangen wird, denn wenn man “richtig” damit umgeht, ist der Euro jetzt und in der Zukunft sicher eine tolle Sache. Weil viele Einzelwährungen eben auch die Finanzbranche nochmal auf andere Weise befeuern, Wechselkursschwankungen, Handel mit den verschiedenen Währungen, Wetten usw. – ganz abgesehen davon das es beim Reisen nervt…..
Im Kapitel “Enteignung, Zwangsabgaben und Inflation” wird nochmal daraufhingewiesen das dies sowieso schleichend stattfindet bzw. auch immer eine Option für Staaten in der Zukunft sein kann (von wegen Sicherheit bei Sachwerten….). Dann kommt der Teil der beschreiben soll wie man sein Vermögen schützt: Die beliebtesten Kapitalanlagen (Staatsanleihen, Aktien, Immobilien, Wertanlagen etc.) werden vorgestellt und im einzelnen wird darauf eingegangen. So warnen sie vor Geld auf der Bank (Giralgeld), Staatsanleihen, Bausparverträgen, Lebensversicherungen, Aktien und auch vor neuen Exoten wie Bitcoins. Eher empfehlen sie Bargeld im Schließfach oder im heimischen Safe zu lagern. Immobilien taugen laut ihrer Einschätzung nur wenn sie abbezahlt und selbsgenutzt sind. Wie nicht anders erwartet schneiden Gold und Silber am besten ab – auch wenn das im Kern unlogisch ist (sie beharren weiter auf dem “wahren Wert” der sogenannten Edelmetalle, obwohl dieser eben auch nicht wirklich existiert, nimmt man es genau – und, sollte es zur Ressourcenwende kommen und somit die einhergehende Umweltzerstörung beim Goldabbau eine maßgebliche Rolle spielen, wird das Metal völlig uninteressant).
Es wird noch kurz auf irgendwelche Kunstsammlungen, teure Uhren, Briefmarken und anderen Quatsch (Whiskey, Diamanten, etc.) hingewiesen – welcher natürlich alles nicht taugt. Im Gegensatz zu Sachwerten wie Streuobstwiesen, Wälder oder Ackerland und auch Investitionen in die eigene Energieversorgung (Windrad im Garten, Photovoltaikanlage auf dem Dach, Holz aus dem Wald für den Ofen). “Geheimtips”? Leider nicht. Ausser der klaren Ansage das “Rendite war gestern” dazu führen wird das alle – die Vermögen haben – einiges davon verlieren werden. Und hier wird es eben auch widersprüchlich, denn Rendite gab es zwar “gestern”, aber eben nur auf Kosten der Zukunft bzw. Menschen die arbeiten – denn, Geld hat noch nie gearbeitet und wird auch nie arbeiten, das war, ist und bleibt so. Einzig was sich änderte oder auch wieder ändern kann ist das eben nicht mehr Zins auf vorhandene Vermögen bezahlt wird – also ein Schritt in die richtige Richtung. Anders gesagt Zins und Zinseszins war und ist falsch. Am Ende gibt es dann noch ein paar alternativen zum bestehenden Finanzsystem für ein nachhaltiges Wirtschaften. Ob die taugen könnten oder nicht wird, sollten sie jemals in der Form ausprobiert werden, nur die Zukunft zeigen.
Die Autoren sollten sich mal überlegen was sie jetzt wollen, wenn sie z.B. beschreiben wie problematisch es ist das die Autoproduktion in Italien nachgelassen hat (von 1 071 969 Zulassungen im Jahr 1990 auf 388 500 im Jahr 2013) ist das aus klassischer Volkswirtschaftlicher-Sichtweise natürlich ein Problem. Wenn man aber das große Ganze sieht ist es eine positive Nachricht über einen Schritt in die richtige Richtung – nämlich weniger Produktion und in diesem Fall weniger Autos eben genau auf Kosten des Finanzsystems.
Das Buch ist gut, interessant und auch sehr verständlich geschrieben. Viele Zahlen und richtige Fakten, ein paar Einschätzungen, denen man folgen kann oder nicht, alles in allem aber empfehlenswert, wenn man nicht erwartet das einem gesagt wird wann denn der Crash kommt (das er kommt bezeichnen sie als sicher und sagen das es für alle besser wäre wenn dies früher als später geschieht) oder wie man mit SICHERHEIT sein Vermögen retten kann. Letztendlich gibt es diese Sicherheit nämlich nicht. Wenn man das erste Buch (Der größte Raubzug der Geschichte) des Autorenduos gelesen hat, muss man dieses Anschlußwerk nicht lesen – kann dies aber durchaus. Du musst dich entscheiden ob du die 19,99 Euro für dieses fast 400 Seiten starke gebundene Buch “investieren” willst. (dolf)
Isbn 978-3847905547

[Trust #168 Oktober 2014]

December 3rd, 2014

Evolution des Gewissens – Eckhart Voland, Renate Voland

Posted in bücher by Dolf

S. Hirzel Verlag, Postfach 10 10 61, 70009 Stutgart, www.hirzel.de

EvolutiondesGewissens

Normalerweise ist es ja nicht grade hilfreich wenn ein Buch, nachdem es gelesen wurde, rumliegt, bevor man die Besprechung schreibt. In diesem Fall vielleicht schon, weil mein Groll, den ich direkt nach Beendigung hatte, mittlerweile sehr stark abgemildert ist. Denn leider ist das Buch in einem unverständlichen Kauderwelsch, verursacht durch viel zu viele Fremdwörter, verfasst. Ein Thema welches vielleicht ganz interessant sein könnte wird unergründlich durch den “Stil” des Autorenpaares, das ist ziemlich unbegreiflich und auch unerklärlich. Wenn dies Lektüre für Leute im Elfenbeinturm, von Leuten von eben dort sein soll, hätte man davor warnen können (oder ist der hohe Preis für die knapp 250 gebundenen Seiten ein Hinweis?). Hin und wieder blitzt durch was die beiden gern zum Ausdruck bringen wollen – die verschiedenen Merkmale des Gewissens, Egoismus vs. Altruismus. Ein Großteil des Buchs befasst sich mit dem Eltern/Kind-Konflikt, seine Geschichte und Entwicklung wird dargestellt und was es alles bedeuten könnte…..immer mal wieder hab ich den Eindruck die Hypothesen welche die beiden aufstellen sind so an den Haaren herbeigezogen das sie sich hinter diesem Schwall aus Fremdwörtern und dieser ungelenken akademischen Ausdrucksweise verstecken wollen oder gar müssen.. aber letztendlich bleibt einem das natürlich verborgen – schade (grade noch eine sehr ausführliche Rezension im Internet gelesen, von einem der diese Sprache offensichtlich versteht – wenn man dem glauben kann, ist es vielleicht ganz gut,das man die beiden nicht versteht – aber darüber sollen sich die Fachleute streiten, wenn sie wollen). So kann ich gar nicht sagen ob und wie das Gewissen jetzt evolutionär ist oder nicht, ist es alles Theorie oder kann man sich bei bestimmten Fakten auch sicher sein. Würde das bedeuten das man auch Moral oder gar Glauben in die “Gewissens-Gene” schleusen kann? Schwer zu sagen, ich glaube nicht das es so ist.
Vielleicht übersetzt jemand das mal in “Verständlich”, dann lese ich es vielleicht nochmal. Derweil kann ich davon nur abraten und verbleibe abgesehen mit den paar Informationsfetzen die ich beim Lesen mitbekommen habe ziemlich uninformiert über das Thema. 32.- Euro (dolf)
Isbn 978-3777623764

[Trust #168 Oktober 2014]

December 3rd, 2014

Blutige Strassen – Der Kampf gegen die Hells Angels, Kerrie Droban

Posted in bücher by Dolf

Hannibal Falkstrasse 25, A-6020 Innsbruck, www.hannibal-verlag.de

BlutigeStrassen

Das Buch erschien 2007 im englischen Original (Running with the Devil- The True Story of the ATF’s Infiltration of the Hells Angels). Es geht darum das die amerikanische Spezialeinheit ATF („Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives“) Undercover-Agenten einsetzt um die Biker zu unterwandern. Leider ist die ganze Geschichte ziemlich langweilig (nach)erzählt (denn die Autorin war ja nicht dabei…. hatte natürlich Akteneinsicht und mit einigen der Beteiligten auch gesprochen) und gewinnt erst an Spannung als die Agenten tatsächlich kurz davor sind Full Member zu werden. Der Weg dahin wird mit allerhand Geschichten und einer vermeintlich “rauhen” Erzählweise geschildert, welche aber letztendlich nur sehr schlicht ist und keine “Schockeffekte” hat – zumindest ich war nicht geschockt. Manchmal wird es so dargestellt das man sich nicht sicher ist wer jetzt im Grunde blöder ist, die Cops oder die Biker…. Man bekommt einen kleinen Einblick in die Welt der Outlaw Biker, welcher aber eben oftmals auch so spannend nicht ist. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Undercover Agenten gaben sich fast zwei Jahre als Mitglieder eines abtrünnigen mexikanischen Biker-Clubs aus und erlangen so das Vertrauen und den Respekt eines Arizona Chapters der Hells Angels. Das führte 2003 zu einer Razzia, bei der das ATF 50 Personen festnahm, 650 Waffen, 30.000 Schuss Munition und mehr als 100 Sprengkörper beschlagnahmte. Die meisten Klagen wegen “Verabredung zu einer Straftat” wurden abgewiesen und einige wurden wegen illegalem Drogen oder Waffenbesitz verurteilt. Das die Agenten sich bei der Aktion auf dünnem Eis bewegen und immer wieder auch in Lebensgefahr kommen können überrascht nicht wirklich. Wie sehr sie dem mentalen Stress oftmals anscheinend nicht gewachsen sind dann wiederum schon. Warum die Autorin – die eigentlich Strafverteidigerin ist – verschiedene Preise gewonnen hat ist mir ein Rätsel (ich behaupte mal das es an der Übersetzung nicht liegen kann). Das war jetzt das zweite Buch (nach Blutgeld) welches ich zum Thema las und immerhin war es etwas besser. 250 Seiten, broschiert, 19,99 Euro (dolf)
Isbn 978-3854454472

[Trust #168 Oktober 2014]

November 15th, 2014

Fugazi Nachtourbemerkungen von Ian MacKaye (#21, 01-1990)

Posted in artikel by benni

In den letzten Jahren haben Fugazi ihre alten Liveaufnahmen digital aufpoliert und zum Download bereitgestellt. Nachdem hier kürzlich die Fugazi ‘First Demo’ LP eintrudelte, haben auch wir im Archiv gewühlt. Auf der zweiten Tour waren Fugazi bekannter als noch kurz zuvor, die Konzertorte waren größer und einiges änderte sich. Ian MacKaye hielt damals für uns seine Gedanken zum Ablauf der Tour in Deutschland fest. Zeit, den alten Text zu digitalisieren:


November 1st, 2014

The Ex (#70, 06-1998)

Posted in interview by Jan

THE EX und der kurze Sommer der Anarchie.

Vor kurzem hat die holländische Band The Ex ihr Buch mit Musik mit dem Titel ‘1936’ über die spanische Revolution von 1936 (ach…) wiederveröffentlicht. Aus verschiedenen, für euch nicht sonderlich interessanten Gründen, gelangte ich in den Besitz einiger exklusiver Statements von Andy, der Gitarre bei The Ex spielt, zu dieser Veröffentlichung und anderen Themen. Diese sollen euch nicht vorenthalten werden.

October 22nd, 2014

ATARI TEENAGE RIOT (#68, 02-1998)

Posted in interview by Jan

13.11.97, 21.30 Uhr. Irgendwo in Bayern, mein Haar sitzt fest. Den Nachbarn, der wie jeden Abend komische Geräusche von sich gibt, als Akustischen Hintergrund, startet per Telephon das Interview mit Alec Empire.

October 1st, 2014

Problemfall Religion – Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik, Gerhard Czermak

Posted in bücher by Dolf

Tectum Verlag, Biegenstraße 4, 35037 Marburg, www.tectum-verlag.de

ProblemfallReligion

Hat man dieses Buch zum Thema gelesen braucht man eigentlich auch kein weiteres mehr, denn hier steht alles drin. Es steht sogar so viel mehr drin als man eigentlich zu wissen benötigt um zu erkennen das jede Religion Mist ist. Der Autor erklärt bis ins kleinste Detail die Geschichte der Religion sowie alle relevanten Probleme die damit einhergehen. Das ist meist interessant, das mal in dieser ausführlichen Form dargelegt zu bekommen, auf Dauer aber auch hin und wieder ein wenig ermüdend. Dennoch, es lohnt sich die 450 Seiten zu studieren da Czermak natürlich nicht nur erklärt wieso Religion Quatsch ist, sondern auch noch ausführt wie widersprüchlich, verlogen, in sich unstimmig und falsch die ganze Religions-Geschichte ist. Konzentriert wird sich auf die christliche Religion, aber auch die wichtigsten nicht christlichen Religionen (Buddhismus, Hinduistische Religionen in Indien, Islam und Judentum) werden ausführlich behandelt und es wird erklärt warum die Sturktur jeglichen religiösen Denkens eine Gefahr für eine friedliche Welt ist. Was man hier alles erfährt macht einen wütend, wütend darauf das es nach vielen Jahrhunderten den meisten Menschen immer noch nicht gelungen ist sich von einem der großen Menscheitsprobleme zu lösen. Warum? Weil die Kirchen es immer wieder schaffen ihre historischen sowie aktuelle Desaster (Menschenopfer, Positionierung im Nationalsozialismus und in anderen Rechtsdiktaturen, interreligiöse Feindschaften, Hexenverfolgung, Sklaverei, Völkermord, sexueller Mißbrauch usw.) unter den Teppich zu kehren. Jeder immer noch gläubige Mensch MUSS nach der Lektüre dieses Buchs seinen Glauben aufgeben, das Problem ist, das viele Gläubige das Buch nicht lesen werden und jene welche es Lesen, werden darüber schweigen – denn die Kirchen leben ja auch schon immer von der Unkenntnis ihrer Anhänger. Es gäbe Seiten zu füllen mit krassen Beispielen aus dem Buch zum Thema – aber es nähme auch kein Ende. Das Buch in solider gebundener Ausführung sollte in jedem Haushalt stehen, ein grandioses Werk das die Bezeichnung Kompendium zurecht trägt. 24,95 Euro (dolf)

[Trust # 167 August 2014]

October 1st, 2014

Hoffnung Mensch – Eine bessere Welt ist möglich, Michael Schmidt-Salomon

Posted in bücher by Dolf

Piper Verlag, Georgenstraße 4, 80799 München, www.piper.de

HoffnungMensch

Mir ist nicht ganz klar warum der Autor das in dieser Form nochmal alles aufgeschrieben bzw. zusammengetragen hat. Aber das spielt auch keine Rolle, dankbar kann man dennoch sein, weil es lohnt sich auf jeden Fall zu lesen – soviel vorweg. Hier wird nochmal die ganze interessante Geschichte der Philosophie und deren Hintergründe dargestellt, dies zu lesen ist lehrreich und keine Sekunde langweilig. Michael Schmidt-Salomon behandelt aber auch noch zahlreiche andere Themen neben der Philosophie – Religionsgeschichte, Evolution, Ästhetik, Ethik, Geschichte, Wissenschaft und aktuelle internationale Politik. Im Kern geht es um den von Julian Huxley bereits in den 60er Jahren formulierten “evolutionären Humanismus”, dessen Geschichte auch erklärt wird und weshalb diese Gedanken (viele von ihnen wurden schon vor 2000 Jahren erdacht) so wichtig sind für die Zukunft der Welt – mit den Menschen. Es ist faszinierend wieviel komprimiertes Fachwissen über die Geschichte der verschiedenen Disziplinen hier gesammelt ist – vieles war mir aus dem nicht vorhandenen Studium auch nicht bekannt. Insofern ist es besonders aufschlussreich und zum Glück auch leicht verständlich. Dieser Mix aus Geschichte und der daraus entsprungenen Ideen, vor allem aber auch deren Weiterentwicklung macht es zum Vergnügen sich Seite um Seite voranzulesen. Dieses große Gedankengebäude beschäftigt sich aber nicht nur mit der Vergangenheit, sondern natürlich auch mit den Möglichkeiten welche die Menschen haben ihre existenziellen Probleme und Bedrohungen mehr oder weniger in den Griff zu bekommen. Das hier ist ein gelungenes “Big Picture” welches – fast – alle Facetten einschließt. Natürlich gefällt einem Leser ein Buch bei dem man dem Autor in fast allem zustimmt, so ging es auch mir. Einzig bei der Einschätzung der Theorie zur Entstehung des Universums hätte ich mir ein wenig mehr Distanz oder auch Kritik gewünscht. Denn hier haben zwar die Forscher auf viele Fragen “bewiesene” Theorien als Antwort, die aber eben letztendlich nur genau das sind. Aber das nur am Rande und es schmälert die Wichtigkeit des Buches welches nach Schmidt-Salomon Aussage einen Zyklus von vier Büchern (“Manifest des evolutionären Humanismus”, “Jenseits von Gut und Böse”, “Keine Macht den Doofen”, “Hoffnung Mensch”), die grundlegendes philosophisches und naturwissenschaftliches Wissen zur Welt vermitteln, beschließt.
Mensch hat schon viel geschaffen, aber er könnte noch so viel mehr erreichen. Dieses Buch wird dabei sicherlich eine Hilfe sein. Kann man wirklich jedem empfehlen. Über 300 Seiten, gebunden. 19,99 Euro (dolf)

[Trust # 167 August 2014]

October 1st, 2014

Geplanter Verschleiss – Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können, Christian Kreiß

Posted in bücher by Dolf

Piper Verlag, Georgenstraße 4, 80799 München, www.piper.de

GeplanterVerschleiß

Gibt’s das wirklich? Bestes Beispiel ist dieses Buch, kaum hat man es durchgelesen fallen einem die einzelnen Seiten entgegen und die Schrift ist, nachdem mal eine Seite mit Licht in Berühung gekommen ist, so ausgebleicht das man sie fast nicht mehr lesen kann. Quatsch!! Dem ist natürlich nicht so, das Buch ist gebunden mit stabilem Einband und hält ein ganzes Buchleben. Leider ist das bei vielen anderen Produkten des täglichen Bedarfs nicht der Fall. Das Dinge auch mal kaputtgehen liegt in der Natur der Sache, aber die geplante Obsoleszenz (Verkürzung von Gebrauchsdauer und Produktlebenszeit) ist eben kein Mythos sondern tägliche Realität. Denn die Produzenten sorgen kontrolliert und absichtlich dafür das ihre Produkte frühzeitig kaputtgehen, damit die Konsumenten noch mehr kaufen müssen und sie damit ihren Profit steigern. Keiner gibt es zu, aber Christian Kreiß deckt auf und belegt es mit einigen (auch bekannten – Glühbirne) Beispielen, das hätten gern noch ein paar konkrete mehr sein können, in Form einer Liste oder so – ist natürlich aber auch schwierig, weil es die Firmen ja nicht zugeben. Interessant auch seine Ausführungen zur “Psychologischen Obsoleszenz – Güter, die noch ohne technische oder physische Einschränkung gebrauchsfähig sind, werden vor allem durch Marketingmaßnahmen als obsolet, überholt empfunden und vom Verbraucher ausgetauscht. Dieses Konzept wurde Maßgeblich durch den seinerzeit führenden US-Industriedesigner Brooks Steven in den 1950er-Jahren geprägt. Demnach war es das Ziel geschickten Industriedesigns, dem Verbraucher das Bedürfnis einzuträufeln, eine Sache ‘ein wenig früher, ein wenig neuer, ein wenig besser als nötig’ haben zu wollen”. Mit anderen Worten sind das die üblichen verdächtigen Opfer von Marketing. Das die Werbung (welche ja nie der Information des Konsumenten dient, sondern versucht ihn zu beeinflussen) ein Hauptproblem ist, dürfte für die meisten unserer Leser nichts neues sein (so wie ein paar andere Dinge über die der aufgeklärte Verbraucher längst Beisched wissen sollte, welche in dem Buch – zumindest für Leute die Nachdenken – etwas zu ausführlich behandelt werden), aber vielleicht eben für viele andere, die darüber nie nachdenken. Somit geht das ok. Und wenn Kreiß dann so vermeintlich “radikale” Forderungen nach Einschränkung von Werbung fordert (z.b. kompletts Werbeverbot für Produkte die von Kindern/Jugendlichen gekauft werden), so ist das bei genauerem Hinsehen eigentlich überhaupt nicht “radikal”. Sondern die jetztigen Zustände sind radikal falsch und bedürfen massiver Änderung. Natürlich bleibt auch die Lebensmittel- (hier besonders Zucker), Pharma- und Kosmetikindustrie nicht unerwähnt. Und auch wenn man schon ein kritischer Konsument ist, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht raus. Du denkst du weisst Bescheid? Es ist noch schlimmer als gedacht, es ist widerwärtig. Auch klasse wie er mal klar darlegt das der ganze Markt völlig intransparent ist (Objektive/Subjektive Information und Konsumenten-Verwirrung) und man, selbst wenn man sich bemüht, Produkte gar nicht mehr objektiv vergleichen kann. Ich bezweifle zwar das mich persönlich der geplante Verschleiß monatlich 110.- Euro kostet, aber für den Durchschnittskonsumenten mag das wohl zutreffen. Was es noch alles bedeuten könnte, würde der Betrug gestoppt, ist auch interessant: Zwei Wochen mehr Urlaub oder 35-Stunden Woche für jeden, ohne Einkommenseinbußen, weniger Müll usw. usf. Die Ursachen werden natürlich auch beleuchtet und es überrascht wenig das auch hier das Profit- und Wachstumssystem die Wurzel des Übels ist. Am Ende beschäftigt der Autor sich mit Abhilfen, der einzelne kann ein wenig machen (langlebige Produkte wählen, Reparieren, Tauschen und Wiederverwerten). Schnellstmöglich muss sich aber grundlegendes ändern: Medien und Wissenschaft dürfen nicht weiter käuflich sein und ebenso dürfen die falschen Wirtschaftswissenschaftlichen Lehren nicht weiter unterrichtet und angewandt werden. Vieles davon hat man in anderen Zusammenhängen bereits gehört, oder weiss es eben. Allerdings wissen es noch nicht alle und somit gibt’s hier gar nichts zu bemängeln. Wenn es dich stellenweise auch langweilt, sei froh – denn dann gehörst du nicht zu denen, welche noch gar nichts verstanden haben. Man sollte aber Papst Franziskus, auch wenn er die ein oder andere richtige Sache sagt, nicht zitieren ohne ihn und seine Kirche und die Religionen zu kritisieren, denn schließlich ist das – neben der derzeitigen nicht menschengerechten Wirtschaft, das andere große Problem. Fast 250 Seiten mit massig Fußnoten und einem ausführlichen Stichwortverzeichnis. Lesen. (dolf)

[Trust # 167 August 2014]

October 1st, 2014

Zu Besuch Bei Freunden – Schwarwel

Posted in bücher by Dolf

Glücklicher Montag, Kochstr. 132, 04277 Leipzig, www.gluecklicher-montag.de

ZuBesuchbeiFreunden

Hier das bereits dritte Büchlein aus der Schaffensperiode 2013 (plusminus), auch in diesem Buch wird wieder das beste aus seiner täglichen Ereigniskarikatur präsentiert (die nach wie vor in verschiedenen Publikationen gedruckt wird, leider u.a. immer noch in christlichen Blättern….). Die Idee vom letzten Mal die Schlagzeilen/Meldungen passend zu seinen Karikaturen mitabzudrucken wurde beibehalten – gut. Auch ein Jahr später ist Tageskarikatur nicht einfach, wird von Schwarvel aber immernoch kritisch und meist auch humorvoll durchgezogen. Ich weiss nicht ob sein “Biss” nachgelassen hat, oder ob ich einfach einen schlechten Abend hatte, aber irgendwie fehlte mir bei den meisten Karikaturen dann doch der gute Witz oder “Biss” – muss man wohl selber rausfinden… Auch diesmal fast 100 Seiten (A5 s/w mit Farbcover, broschiert). 9,90 Euro (dolf)

[Trust # 167 August 2014]

October 1st, 2014

1000 Tattos – Henk Schiffmacher, Burkhard Riemschneider

Posted in bücher by Dolf

Taschen, Hohenzollernring 53, 50672 Köln, www.taschen.com

1000Tattos

Ein sehr kompaktes Buch (20,1 x 15,3 x 3,8 cm ) in stabiler gebundener Ausführung zur Geschichte der Tätowierung. Natürlich geht das Format zu Lasten des optischen Genußes, dafür hebt man sich keinen Bruch, wie bei anderen Prachtbänden die großformatig sind. Auf fast 550 Seiten gibt es eine Übersicht über die Geschichte der Tattoo-Kunst. Überall wird mal reingeschaut, es gibt ethnographisches Material, klassische Tattoo-Designs, Tattoos von 1900-1980 und auch ein paar japanische, die hier natürlich am wenigsten zur Geltung kommen. Dazu gibt es noch einen zusammengefaßten Text von Schiffmacher zur “Geschichte und Technik der Tätowierung”. Ich persönlich kann zwar die meist ziemliche schlechten “klassischen Tattoos” nicht mehr sehen, aber das nur am Rande. Ein kurzweiliges Buch, weil Bilder von tätowierten Menschen kann man sich ja immer ansehen und sich freuen oder wundern. Dennoch finde ich das Buch ist eher was für Einsteiger, da es letztendlich nur an der Oberfläche kratzt. Aber für günstige 14,99 Euro wird dann doch einiges geboten und man darf auch nicht viel mehr erwarten. (dolf)

[Trust # 167 Augsut 2014]

September 8th, 2014

SQUAT NEW YORK CITY (#63, 04-1997)

Posted in interview by Jan

HANG THE LANDLORD – SQUAT N.Y.C. !!!

Wahrscheinlich haben einige von Euch schon vom ABC NO RIO gehört (GO! haben ja auch ein Lied darüber) oder von den Räumungen der squats in der 13. Str., die ja in der New Yorker „Polit-Kunst“-Szene ausgiebig bebildert wurde (Eric Drooker, Peter Kuper, WORLD WAR III,…).


September 7th, 2014

Food not bombs (#63, 04-1997)

Posted in interview by Jan

An einem klaren, windigen Tag stehen einige Leute von Food Not Bombs-San Francisco vor dem Rathaus von San Francisco und verteilen kostenloses Essen an Obdachlose. Plötzlich werden sie von Polizisten eingekreist und festgenommen.

Diese Szene ist typisch für die Freiwilligen von Food Not Bombs, die als eine Hauptaktivität freies, selbstgekochtes und vegetarisches Essen an obdachlose Menschen ausgegeben. Beachtenswerte über 100 Gruppen existieren von Food Not Bombs bereits in den USA und Kanada, wo sie aber die Verpflegung von hungrigen Menschen auch mit den Bereichen Hausbesetzung, Piratenradios, Flüchtlingsunterstützung, Knastarbeit, … verknüpfen.

Wir sprachen mit dem Mitbegründer von Food Not Bombs, Keith McHenry aus San Francisco, im Rahmen seiner Europatournee im letzen Herbst in Berlin.


September 7th, 2014

Surfpunk – Dekonstruktion einer Schublade (# 64, 06-1997)

Posted in kolumne by Jan

Den habt ihr alle schon gehört. Mit dem läßt sich viel schmücken… in Mailorderkatalogen, Promozetteln, vielem mehr… sogar Sampler, zB der Zap Surfpunksampler ‘off limits’… und allen scheint die Verbindung von Wellenreiten mit Punkrock ein unumstößliches Faktum zu sein – ähnlich wie mit Skateboards (vgl. my god rides a skateboard / Spermbirds/ o.ä.) scheint dieses Sportgerät einen direkten Bezug zu einer ‘Punk’-Szene zu besitzen. Inwieweit dies stimmen kann, inwiefern dies überhaupt möglich ist – das werde ich hoffentlich hier erläutern / widerlegen können.