April 4th, 2014

Trust # 166 (June/July) is out now!

Posted in news by Dolf

Ab sofort ist das TRUST # 166 erhältlich, bei Deinem Lieblingsplattenladen oder Mailorder sowie im gutsortierten Bahnhofsbuchhandel.

Der Inhalt diesmal:
Omega Massif, Who can you trust Records, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Ruins of Krüger, Austin Lucas

Wie gewohnt gibts natürlich ehrliche Reviews von Platten, Zines und Büchern sowie ausgesuchte Tour/Gigtermine, geile Konzertfotos und oberschlaue Kolumnen – das Ganze als graphisches Gesamtkunstwerk.

trust_166_cover

July 2nd, 2014

Eric Drooker (# 60, 10-1996)

Posted in interview by Jan

In der Lower East Side befindet sich eine ziemlich starke und aktive alternative Szene, die sich jedoch nicht, wie größtenteils in D´land, aus der weißen männlichen Mittelschicht zusammensetzt, wobei meiner Einschätzung nach das „männlich“ auch für dort gültig ist. Nichts­desdotrotz – es gibt eine relativ große Hausbesetzer­Innenszene. Auch auf kultureller, künstlerischer Ebene läuft wesentlich mehr, als in unseren Kreisen.

Da Eric Drooker uns bei einer Vielzahl von Aktivitäten begegnete, beschlossen wir spontan, ein Interview mit ihm zu machen. Damit erklärte er sich auch gleich sehr bereitwillig einverstanden.

Die Länge des Interviews zeigt auch, daß es ihm offensichtlich sehr leicht fällt, sich zu repräsentieren und es wird auch deutlich, wie sicher er sich vieler Sachen ist. – Erschreckend sicher? Vielleicht, zumal er teilweise Sachen von sich gibt, die in keinster Weise unstrittig sind, besonders was heterosexistische Denkweisen an­geht….

Aber dieses Gespräch haben wir ja nicht geführt, um ihm schlicht ein Forum zu bieten und ihn so populärer zu machen, sondern damit wir und ihr, die ihr´s jetzt lest, mehr über den Men­schen Eric Drooker, der hinter den Bildern steckt, zu erfahren. Und er hatte ja auch viele neue Infos für uns, die sehr interessant waren. Aber lest selbst….

Vielleicht kannst du dich ja erstmal ein bißchen selbst vorstellen, erzähl einfach mal das über dich, wovon du denkst, daß es wichtig sein könnte – sowas, wie persönliche Daten und so …und dann vielleicht noch was darüber, wann und wie du angefangen hast, politi­sche Kunst zu machen.

Ja, das hat schon ganz schön lange gedauert. Geboren wurde ich 1958 in N.Y.C. in der Lower East Side in Manhattan. Das war während des Kalten Krieges, kurz bevor Kennedy gewählt wurde. Und ich habe in dieser Gegend mein ganzes Leben gelebt – 37 Jahre im gleichen 15-Block-Radius. Zur Schule bin ich auch in der Nähe gegangen – ich gehe übrigens jetzt wieder dort hin, um Musik­unterricht zu nehmen.

Zum College bin ich zur „Cooper Union“ gegangen, das ist ´ne Kunst­schule. Ich bin echt ´nen „local kid“. Habt ihr von diesen Bauern gehört, die über Generatio­nen auf ihren Farmen lebten und nicht ein einziges Mal in die nächste Stadt gingen? Ich bin so ähnlich – ich habe gar nicht richtig das Bedürfnis zu reisen – so viele Sachen kommen zu mir, ihr zum Beispiel….

Leute kommen aus der ganzen Welt, um mich zu sehen (du arro­ganter Kerl, du…) Ab und zu reise ich aber doch ein bißchen, um rum zu kommen. Ich habe 6 Monate in Amsterdam gelebt, das war inter­ressant. Egal, wo ich hinkomme, mache ich Kunst, treffe Leute und interessiere mich für die politische Situation.

Erzähl doch noch was dazu, wie und wann du anfingst, politische Kunst zu machen…

Es ist schwer zu sagen, wann es anfing- alles was ich weiß ist, daß ich mit 7 Jahren Bilder von Monstern gemalt habe, die sich die Köpfe abreißen – gewalttätige Bilder und Phantasien – solche beängstigenden Dinge – wovon ich denke, daß es auch politisch ist… Macht, Machtbeziehungen. Als ich älter wurde, be­gann ich zu verstehen, wer die Feinde sind (falls es denn Feinde gibt außer uns selbst…).

In meiner Welt ist der „bad guy“ der, der die Macht hat, der Cop, der Vermieter, der Präsi­dent….. Jetzt habe ich anstelle von riesigen Monstern Bilder von riesigen beängstigen Vermietern, Häusern, Müll, Yuppies…. Es ist also sowas wie ´ne natürliche Entwicklung. Aber ich denke, diese Tendenz zur politischen Arbeit hatte ich schon immer. In dieser Stadt habe ich schon immer die Widersprüche unserer Gesellschaft gesehen. Ich habe mitge­kriegt, wie reiche Leute in ihren tollen Autos herumkurven, während andere auf der Straße leben.

Ja, ich wuchs ja mitten­drin auf. Ich war dem allem, der Stadt… sehr früh ausgesetzt. Diese Stadt, die die Menschen so klein und minderwertig erscheinen läßt. So viel in meiner Kunst handelt genau davon – die Architektur und wie es ist, in einer Stadt zu leben, wo alles so groß ist…

Also nochmal, ich denke, daß alle Kunst politisch ist, aber ich versuche, sie sehr bewußt zu gestalten- „propaganda-artwork“, die in den Straßen ist – das hier z.B….

Das ist zur Räumung der 13th Street, oder? Kannst du dazu bitte etwas erzählen, ich denke bei uns wissen nur sehr wenige etwas darüber.

Letzten Sommer im Juni gab´s in und um die 13th Street ´ne ganze Menge Squats, in denen viele Leute lebten, ganze Familien – und die Stadt wollte sie rauswerfen, weshalb sie dann auch gleich mit einem Räumpanzer auf­kreuzten – die Cops hatten Maschinengewehre. Das war ´ne ganz neue Entwicklung – in der Vergangenheit wären sie halt gekommen und hätten dich verhaftet, vielleicht mit Gewalt – aber diesmal war´s verdammt militärisch. Es war das erste Mal seit 1968, daß ein Räum­panzer in der Nachbarschaft war.

Damals war ich 9 Jahre und ich war mit meiner Mutter draußen, da stand ein Räumpanzer, das war direkt nach Martin Luther King, sie benutzten die Panzer in der Lower East Side und in Harlem, um Unruhen zu unterdrücken. Es ist interessant, daß die Cops dachten, es sei wieder mal nötig, Kraft und Stärke zu zeigen, und das, wo die Leute sogar absolut gewalt­frei waren. Sie sangen „We shall over­come“…und die kreuzen mit Gewehren auf!!

Später habe ich dann darüber nachgedacht, wie diese Situation darzustellen wäre. Eine riesige Frau, die die Cops mit ihrer militäri­schen Ausrüstung so machtlos und dumm wie kleine Jungen oder Spielzeug erscheinen läßt, drückte das alles für mich am besten aus. Sie ist wie mother earth oder besser Louisaida, was spanisch ist für Lower East Side.

Warum drückst du die Nachbarschaft als eine Frau aus?

Für mich hat das verschiedene Gründe. Ich bin in der Nachbarschaft aufgewachsen, ich habe zu ihr ein Gefühl, als wenn sie meine Mutter wäre. Weibliche Energie mit Wärme. Außer­dem dachte ich, es sei radikaler, weil in den meisten Bildern Kraft und Stärke durch Män­ner ausgedrückt und repräsentiert wird.

Auch in der Linken, wenn wir uns z.B. „social real­ism“ anschauen – immer nur starke Frauen, die hinter den starken Männern stehen und die Sichel halten, während der Mann immer den Hammer hält. In westlicher Kunst ist es unüb­lich, Bilder von starken Frauen zu haben. Die Freiheitsstatue kommt dem wohl am nächsten. Aber sie hat ja alle ihre Klamotten an und ihre Hände sind voll mit Sachen, bei dem Bild hier ist es viel mehr eine Haltung des Widerstandes.

Bloß weil sie nackt ist? Ich kapier einfach nicht, warum sie dafür nackt sein muß…

Nicht unbedingt, weil sie nackt ist, es ist vielmehr ihre Haltung. Ursprünglich hatte ich sie mit einem Kleid gezeichnet, aber das sah etwas seltsam aus – ein riesiges Kleid… Meine damalige Freundin sagte, es sei besser, sie nackt zu malen. Ich denke auch, daß es radika­ler ist so. Sie hat nichts zu verbergen, sie schämt sich für nichts. Und es ist symbolischer für die Wahrheit, die nackte Wahrheit.

Das ist, wer ich bin, ich hab´ nichts zu verbergen – wohingegen die Männer ihre Uniformen brau­chen, sie verstecken sich hinter dem Räum­panzer, hinter Helmen, sie haben all diese Sachen, um sich dahinter zu verstecken. Aber sie steht da, total verletzbar an sich, sie kon­frontiert die Männer mit sich selbst, sie müssen damit umgehen.

Solche Straßenposter habe ich mein ganzes Erwachsenenleben gemacht, das ist es, worauf ich mich konzentriere. Mir ist es wichtig, meine Kunst auf die Straße zu krie­gen, anstatt sie in Galerien oder Zeitungen einem elitären Publikum zu präsentieren. Ich mach das auch, aber die Straße ist wichtiger. So erreiche ich ein viel breiteres Publikum. In Galerien sehen´s nur die Kunstinteressierten – weiße Mittelklasse.

Straßenkunst hat den Kampf gegen die Werbung allzu schnell aufgegeben. Überall in den Straßen in Ame­rika ist Kunst, aber nur solche, die dir etwas verkaufen will. Die Cooperations wissen sehr wohl, daß die Straße der beste Ort ist für Kunst. Sie wissen, daß es viel effektiver ist, ihre Propaganda direkt auf der Straße zu haben. Riesige Joe Camels oder Michael Jacksons. Aber viele Künstler denken, das ist nicht der Platz, wo ihre Sachen hingehören.

Du hast vorhin gesagt, daß viel Leute deine Sachen in den Straßen sehen. Denkst du daß es viel Unterstützung gibt in der Lower East Side für deine Sachen, oder auch, daß so viel mehr Leute mitkriegen, was in der Nachbar

Ich denke, daß die meisten Leute in der Nach­barschaft die Sachen kennen. Die Funktion meiner Kunst isses, die Leute zu bilden, oder den Rest der Gemeinschaft zu bewegen. Es ist nämlich eine relativ kleine Gruppe von Leu­ten, die HausbesetzerInnen oder AktivistInnen sind. Aber es ist eine alternative Art der Öf­fentlichmachung von Aktionen. Sonst wird ihnen nur das negative Bild der Medien ver­mittelt.

Es ist ganz klar Propaganda-Kunst. Die Kunst, die Hitler als Propaganda auf die Straßen brachte, war auch sehr effektiv, oder was die Sowjets oder die Chinesen gemacht haben. Wißt ihr, es kann für gute und böse Zwecke genutzt werden. Aber der Punkt ist, daß es sehr effektiv ist, die Kunst auf der Straße zu haben, weil es einen Effekt hat auf das Bewußtsein der Leute. Wenn die Leute hingucken, berührt es sie unbewußt.

Also, du siehst deine Kunst als Teil des Politischen Kampfes? Politischer Kampf gegen was?

Ja, der politische Teil ist sehr wichtig, weil ich ein Aktivist bin. Es ist wichtig sich in den Kampf einzubringen. Das passiert ja sowieso die ganze Zeit, besonders in dieser Nachbar­schaft. Es hat meistens etwas zu tun mit Immobilien und Land, also wer die Gebäude, den Park kontrolliert.

Das sind die Dinge, die im Tomkin Square Park eine Rolle spielen – police brutality, Drogen. Cops, die Leute dafür verhaften, daß sie Marihuana verkaufen. Hier steht das auf derselben Ebene wie Heroin. Hauptsächlich, weil es dann einen Grund gibt, mehr Cops im Einsatz zu haben. Das heißt, daß es mehr Kriminelle gibt, wenn sie Mari­huana kriminalisieren…

Aber die andere Funktion der Kunst ist es, ein Bewußtsein aufzubauen, sowas, wie ein „spirituelles“ Bewusstsein.

Das klingt ziemlich schräg…

Ja möglich, aber mir geht´s dabei darum, einen positiveren Lebensbezug zu entwickeln. Im Gegensatz zur Werbung, die dich immer wieder wie ein kleines Arschloch fühlen läßt, dich manipulieren will – das läßt dich nicht gut fühlen mit dir selbst. Nie kannst du den Standard der Modells erfüllen, zu kleine Brüste, zu kleiner Penis…. Aber sie reden dir ein, daß du es mit Geld erreichen kannst und dann auch Liebe erfahren kannst.

Die Leute fühlen sich so demoralisiert, ihnen geht´s ja eh dreckig in dieser Gesellschaft. Es ist eine wichtige Aufgabe von Kunst, die Menschen weniger allein fühlen zu lassen, daß sie es schaffen, sich besser mit sich selbst zu fühlen, optimistischer sind, glücklicher, mehr zusam­men arbeiten. Das ist mir sogar noch wichtiger als der politische Aspekt.

Aber das hängt doch total zusammen, das läßt sich doch nicht so einfach voneinander abtrennen… Abgesehen von all dem, wovon lebst du?

Ich lebe von meiner Kunst. Ich mache Sachen für Zeitungen, Illustrationen dür die NY Times, Wallstreet Journal, viele der Main­stream-Publikationen. Ich veröffentliche auch immer noch im World War III, The Shadow und der linken Presse. Aber die zahlen ja nicht.

Um meine Miete, mein Essen und so zu bezah­len, gehe ich Kompromisse ein. Aber ich bin bereit, das zu tun, ich denke nicht, daß meine Arbeit dadurch herabgewürdigt wird. Wird ja so auch von mehr Menschen gesehen… Ande­rerseits bedeutet es natürlich auch, daß ich damit solche Publikationen unterstütze und so legitimiere – z.B., daß ich Sachen für´s Wall­street Journal mache, ist schon ´ne komische Sache.

Aber dadurch habe ich Geld, womit ich z.B. die Poster für die 13th Street finanzieren kann. Ich denke mensch sollte nicht zu ver­härmt damit umgehen. Außerdem ist mir aufgefallen, daß auch andere Radikale z.B. für´s Wall Street Journal schreiben. Und für die Bourgeosie, die Reichen ist es auch wich­tig, diesen Ideen ausgesetzt zu werden. Die treffen ja viele Entscheidungen… Ich habe wirklich nicht so ein Problem damit, aber es kommen schon öfter Vorwürfe von anderen AktivistInnen und FreundInnen.

Wo wir gerade darüber reden, daß Leute unzufrieden sind mit dem, was du tust – da war doch vor einiger Zeit diese Ausstellung mit Arbeiten von dir in Hamburg in der Roten Flora. Dort wurden ja einige deiner Arbeiten zerstört wegen sexistischer Darstellungen.

Ja, ich habe davon gehört, einige Feministin­nen sind sauer geworden, ich war aber nicht in Hamburg, habe nur Fotos gesehen. Ich fand das sehr interessant.. über das Bild hier (13th Street) werden sie wohl auch empört sein.

Naja… ich denke, es geht doch wohl darum, daß unter anderem Frauen nackt dargestellt werden, Männer aber angezogen.

Ist euch das aufgefallen?

Ja klar… (schon wieder: du arrogan­ter Kerl!!)

Mir ist aufgefallen, daß die die Beschwerden hauptsächlich von Deutschen und von Amis kamen. Sieht so aus, als wenn es sich um prüdere unterdrücktere Kulturen handelt, als z.B. Holland oder Frankreich. Mir ist aber auch aufgefallen, daß die Kritik hauptsächlich kam, weil ich Sex oder Nackt­heit zeige.

Ich habe Frauen nie in schlechter Weise dargestellt, aber allein die Tatsache, daß ich die Brust einer Frau zeige, bringt die Leute in Aufruhr, die aufgewachsen sind in dieser Kultur.

Über das 13th Street Bild habe ich auch schon Beschwerden bekommen, warum ich sie nackt zeige und daß da sexistisch sei. Aber ich sage, es ist genau das Gegenteil. Ich zeige sie, wie Frauen aussehen, das ist eine nackte Frau, nichts wofür mensch sich schämen müßte. Und sie hat eine Widerstandshaltung, es ist ein Bild der Stärke und nicht der Unterordnung. Für mich bedeutet es, die Dinge umzudrehen, das ist mein Verständnis der Dinge.

Ich denke nicht die bloße Nacktheit ist das Problem an deinen Bildern, es ist, wie ich schon vorhin gesagt habe, wohl eher die Tatsache daß immer wieder nackte Frauen und angezogene Männer auftauchen….

Ja das ist eine berechtigtere Kritik, aber ich bemühe mich auch, nackte Männer zu zeich­nen. Falls es doch so ist, daß ich mehr eroti­sche Bilder von Frauen habe und nicht soviele nackte Männer, so liegt das vielleicht daran, daß ich heterosexuell bin. Das ist dann einfach so, wie´s aus mir herauskommt. Ich will nicht Frauenkörper ausbeuten. Ich mache sie halt erotisch und sexy, ich denke nicht, daß daran etwas falsch ist.

Aber das ist doch genau der Punkt, die Frauen sind immer „sexy“, immer doch wieder Sex-Objekte, immer „schön“, haben Idealfiguren…

Für mich ist sie sexy, aber sie entspricht doch nicht dem gängigen Schönheitsideal. Frauen sollen diese Plastikfiguren haben, das ist genau der Grund, warum ich sie sehr stämmig gemalt habe, Frauen sollen wissen, daß es o.k. ist, so auszusehen. Aber ich höre, was du sagst, Frauen immer sexy aussehen zu lassen – könnte wirklich ein Problem sein.

Ja genau, es sind immer die Frauen, die die Sex-Rolle in deinen Bildern haben, selbst wenn der Inhalt des Bildes an sich nichts mit Sex/Sexualität zu tun hat. Es wirkt teilweise, als wenn du deine Bilder dann etwas mit Sex aufpeppst, das ist ganz schön gängig.

Hm… damit ist schwer umzugehen in der Kunst, ich denke halt sehr viel an Sex und ich denke, meine Kunst ist der Ort, wo ich damit herauskommen kann.

Aber ich will nochmal kurz zur Ausstellung in Hamburg zurück­kommen Die Sachen, die Anstoß erregt haben, waren sehrt speziell. kennt ihr die Geschichte „home“? Da kommen ein Mann und eine Frau nach Hause und haben dann Sex zusammen. Mir schien immer, daß dies nichts sexitisches ist, geschweige denn eine ungleiche Machtbe­ziehung darstellt. Es wäre ein offensichtliche Problem gewesen, wenn er sie herumziehen, schlagen oder vergewaltigen würde. Aber das ist doch gar nicht der Fall….

Es ist doch bloß eine traditionelle, gleichwertige Sex-Szene. Für mich war es interessant, daß es Leute gibt, die das als sexistisch interpretieren. Nur die Tatsache, daß es graphisch um Sex geht macht die Leute sauer. Es sit ein sehr emotionales Thema, besonders wenn du lesbisch bist und dann siehst du diese heterosexuelle Ge­schichte. Ich kann verstehen, daß homosexu­elle Leute so was schlecht fühlen läßt und sie sauer werden. Das heißt aber noch lange nicht, daß es sexistisch ist. Im schlimmsten Fall ist es ein weiteres abstoßendes heterosexuelles Bild. Es ist langweilig, es gibt das schon 1000mal, es ist ein Klischee.

Aber es hat wohl auch was damit zu tun, daß viele dich (besonders in Deutschland) als politi­schen Künstler betrachten und für viele hier hat Sex/Sexualität nichts mit Politik zu tun.

Gibt´s noch mehr Fragen zu Sex und Sexismus in meiner Arbeit? Es ist wirklich so, daß Sex und Erotik ein Schwerpunkt in meiner Arbeit ist, weil es mehr in meinem Kopf ist als Poli­tik. Dann gibt´s ja auch noch die Sexual Politic´s, der Krieg zwischen den Geschlech­tern – ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Wißt ihr, Sachen wegen denen ich emo­tionell werde, die mich bewegen, das sind die Sachen, mit denen ich mich in meinen Arbeiten auseinandersetze. Also nochmal – politisches Subjekt zu sein, wütend zu werden über politische Ungerechtigkeit….

Aber laß uns nochmal darauf zurückkom­men, daß viele deine Sachen als hochpoliti­sch betrachten…

Aber ich mache halt nicht nur politische Kunst. Die Leute sind so kompliziert, wenn´s um Politik geht. Ich denke, daß es die politische Kunst stärker macht, wenn die Leute ein vollständiges menschliches Wesen dahinter entdecken können.

Es handelt sich ja nicht um einen abgehobenen Künstler, der sich nur auf Politik eingefahren hat, nein es ist jemand, der ein ganzes Leben führt, der Musik genießt, Sex genießt, mit Tieren spielt, alles… Und mit dem Älterwerden bin ich auch offener geworden, ich male ganz andere Sachen, zusätzlich zur politischen Kunst: z.B. mythologische Themen.

Du machst ja jetzt auch A-Capella-Songs…

Ja, ich mache jetzt auch Musik, mein Inter­essenbereich ist größer geworden. Als ich jünger war, hatte ich mehr Wut, aber auch mehr Angst, und ich war mehr auf bestimmte politische Schwerpunkte konzentriert. War vielleicht zu ängstlich, um andere Bereiche zu entdecken: Dadurch, daß ich in den letzten 3 Jahren so viel mit Alan Ginsburg gearbeitet habe, ist vielleicht etwas übergesprungen.

Jedenfalls schreibe ich jetzt selber Gedichte und vertone sie auch. Da ich so viele Freunde habe, die Musik machen, ist es vielleicht auch sowas, wie ´ne natürliche Entwicklung. Es gibt so viele Eindrücke und Gefühle, die nicht durch Bilder ausgedrückt werden können, obwohl es letztlich doch um ähnliche Inhalte geht, wie bei den Bildern.

Aber Bilder sind so starr, in vielen Belangen so tot, es gibt keine Bewegung oder Entwicklung. Bilder haben sowas morbides, andererseits haben sie so viel Kraft. Aber sie können dich nicht physisch bewegen, nur emotionell. Das ist sehr kraft­voll, wenn Musik dich physisch bewegen kann und dich dazu bringt, etwas zu tun. Ich begann Musik zu machen bei politischen Aktionen, ich bin der Typ mit der Trommel, seit den letzten 5 Jahren.

Keine Ahnung, wie ich in diese Rolle hineingeraten bin. Ich machte es 1,2 Mal und merkte, daß niemand sonst es machte. Ich wollte immer die anderen animie­ren, auch Trommeln mitzubringen. Stellt euch vor – 12 Trommeln – die ganze Stadt würde zusammenfallen. Da wurde mir die Macht von Rhythmen bewußt. Wie das die Leute ermutigt und die Cops verunsichert.

Auch die Faschis­ten wissen nur allzugut, wie sehr Menschen durch Rhythmen in bestimmte Stimmungen versetzt werden können. Es ist eine Art, Leute zu beeinflussen, sie sogar zu kontrollieren. Momentan wird allles von den großen Cooperations kontrolliert, gerade auch durch diese Sachen wie Bilder und Musik. Ich ver­suche diese Mittel im kleinen Rahmen zu nutzen um alles in die andere Richtung zu bewegen.

Das klingt ja ziemlich dannach, als wenn du Menschen kontrollieren willst, als wenn´s darum geht, die Kontrolle über bestimmte Dinge, Personen zu übernehmen..

Nein, für meine eigenen Zwecke mache ich das nicht. Auf ´ne Art stimmt´s aber schon, wobei es aber eher etwas erzieherisches ist – die Leute dazu zu bringen, auf die Art zu denken, die du für wichtig hälst. In diesem Punkt bin ich den Leuten, die ich nicht mag, schon ziemlich ähnlich.

Es geht hier nicht um mein persönli­ches Teil, sondern darum, wovon ich denke, daß es menschliche Werte sind. Hitler dachte vielleicht auch, daß seine Sichtweise menschli­che Werte seien. Ich muß zugeben, daß wir uns vielleicht gar nicht so unähnlich sind.

Ich verwende die Kunst allerdings, um demokra­tischere, gleichberechtigtere Verhältnisse zu erreichen und nicht ein Szenario, wo ein patri­archaler Füherer sagt, was richtig ist, das ist ein sehr schlechter Umgang mit Dingen. Ich mache die Kunst, um die Leute eher in eine positive Richtung gehen zu lassen.

Ich wollte dich noch fragen, wie´s dir damit geht, Bilder für große Major-Label Bands, wie Faith no More zu machen? Es scheint wohl einer dieser Kompromisse zu sein, die du eingehst, um zu leben.

Ja, aber ich mache nur für mich vertretbare Sachen, wenn mir die Texte nicht passen, sage ich nein. Aber wenn die halbwegs o.k. sind und ich Geld kriege, warum nicht?

Für mich ist das schon komisch, weil ich dich aus einem sehr politischen Zusammenhang heraus kannte, und den Eindruck hatte, daß das alles sehr underground ist…und dann eins von deinen Bildern auf´m Faith No More Shirt zu sehen..

Das kommt wohl in D´land so rüber, aber hier sehen die Leute meine Sachen überall, das ist hier nicht so´n großes Ding. Aber ich kann mir vorstellen, daß es seltsam ist. Faith No More, sind die eigentlich irgendwie politisch, oder ist es bloß ´ne Rock´n´Roll Band? (Gelächter)

Ja, ich weiß es echt nicht, die Musik hat keine Bedeutung für mich. Mir kam´s aber o.k. vor. Außerdem fand ich den Gedanken gut, daß soviele diesen beängstigenden Cop auf der CD und den T-Shirts sehen würden. Es ist ein aufrührendes Bild. Es erinnert daran, daß der Cop kein freundlicher Typ ist. Er ist gefährlich, das sollen alle Leute wissen!

Das ist doch ein gutes Schlußwort, danke für´s Interview.

Unglaublich? Aber so steht es geschrieben….

Interview: Urte & Jobst

June 29th, 2014

White Lung – Saint Vitus 2014

Posted in media, video by jörg

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June 4th, 2014

Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende, Rolf Bergmeier

Posted in bücher by Dolf

Alibri Verlag, Postfach 100 361, 63739 Aschaffenburg, www.alibri.de

ChristlichabendländischeKulturEine Legende

Soviel vornweg, das Buch ist super. Es ist sehr lehrreich, der Autor ist Historiker, das erklärt warum es auch gut 400 Fußnoten gibt. Alles kommt ziemlich wissenschaftlich daher – aber interessant, nicht irgendwie schwerverständlich oder so. Die ganzen Quellen sind belegt und top recherchiert. In letzter Zeit hört man ja immer wieder Politiker, oder auch Menschen die eben in der Öffentlichkeit stehen, wie sie sich auf die “Christlich-abendländische Kultur” beziehen und welchen Einfluß diese auf unsere heutige Gesellschaft mit ihren akzeptierten Werten hat. Das ist schlicht und einfach falsch. Warum das so ist belegt Bergmeier eindrucksvoll auf 230 Seiten. Die Kirche und deshalb die christliche Religion, war dafür verantwortlich das Europa 700 Jahre lang zweigeteilt war, somit Mittelalter nur für den Norden Europas als Begriff gültig ist. “denn während das arabisch-islamische Spanien im Luxus schwelgt und mit prächtigen Bibliotheken glänzt, findet das christliche Mitteleuropa nichts dabei, das Kaiser weder lesen noch schreiben können”. Es ist wirklich erschreckend diese ganzen Infos mal so geballt vor den Latz geknallt zu bekommen. Man versteht umso besser wieso die Religion/Kirche da ist wo sie heute leider immer noch ist. Und die Wut steigert sich wenn man erkennt was dieser verdammte Glauben verhindert hat. Wo könnte unsere Gesellschaft/Kultur heute sein wenn es diese brunsdoofen geistlichen Trottel nicht gegeben hätte die über Jahrhunderte dafür sorgten das sich hier nichts weiterentwickelt und die Bevölkerung dumm bleibt. Einzig der Reichtum der Kirchen hat sich vermehrt. Das Buch ist in fünf große Kapitel aufgeteilt: “Hintergrund. Die Kultur des Mittelmeerraums im 4. bis 7. Jahrhundert”, “Arabische und mitteleuropäische Parallelwelten. Ein Vergleich”, “Nord und Süd. Lichtes und Dunkles. Eine Zusammenfassung”, “Zwölftes bis 15. Jahrundert. Stiftung und Tod” und “Christlich-abendländische Kultur? Zwischen Anspruch und Wirklichkeit”. Hier wird klar das der arabische Beitrag zu unserer Kultur verkannt wird, dafür aber die Klosterkultur verklärt wird. Denn letztendlich basiert unsere Kultur auf griechisch-römisch-arabischen Wissen und Philosopie und die Kirche hat das viele hundert Jahre nicht zugelassen… erst mit der “Aufklärung” wurde es dann ein wenig besser (dafür wurde es dann in den bisher eher toleranten arabisch-islamischen Länder immer schlimmer, weil dann da die Fundamentalisten sich durchsetzten und die religiöse Toleranz immer mehr verloren ging). Es ist ja nicht so das der islamische Glaube im Kern “besser” ist als der christliche, es sind eben beides nur blöde Glaubensgemeinschaften. Nur war die eine eben zu einer Zeit deutlich toleranter als die andere, was es aber eben auch nicht “besser” macht.
Gut, aus rein wissenschaftlicher Sicht mag es in Frage zu stellen sein ob jetzt nur allein die Kirche an dem kulturellen Stillstand Schuld hatte… aber das sollen bitte die Wissenschaftler unter sich aus machen. Für alle andere ist das hier ein prima Buch nach dessen Lektüre man sich eigentlich fragt warum die Kirche nicht endlos Reperationszahlungen zu leisten hat, für die von ihr angerichteten Schäden, welche noch bis heute wirken. Paperback, 18.- Euro (dolf)

Isbn 978-3865691644

[Trust # 165 April 2014]

June 4th, 2014

Spinfluence – The Hardcore Propaganda Manual For Controlling The Masses, Nick McFarlane

Posted in bücher by Dolf

Gingko Press, Hamburger Str. 180, 22083 Hamburg, www.gingkopress.com

Spinfluence

The text on the backcover explains the content very well: “This hardcore propaganda manual contains everything you’ll need to know about the art of spinning the truth and manipulating the masses. A glorious and insightful read for anyone interested in how to exploit people for profit or power.” Now, this is nothing new, unless it is new to you that “them” (1%) manipulate “us” (99%) all the time. If that is the case, you need to read this book, because you have a problem and need to be enlightend that it is possible to not be fooled by them. In the book instead of enlightend they probably would have used “reconnoiter” or “elucidate” and that is the only beef I have with this, there is a few too many of english words that I probably would not use in german. Or maybe my vocabulary just sucks… you might find out. The book explaines how the herd of COWS (Corporate Wage Slaves) is controlled and manipulated. But what this book really is, is a book of artwork. Every statement, information is accompanied by bold black/white/red graphics in a propaganda style. Great art, well done, goes along very well with the text. Even thou the book has +260 pages, there is not that much to read, bold text statements with small text printed below, mostly from well known sources. Perfekt mix of artwork and text. The unusual size (16,4 x 12,8 x 2 cm ) for a hardcover book makes this a mini coffeetablebook – does it? I dont know….. 14,90 Euro is not that much to keep you from finding out. (dolf)

Isbn 978-1908211118

[Trust # 165 April 2014]

June 4th, 2014

Bewegung Bewahren – Freie Archive und die Geschichte von unten, Jürgen Bacia, Cornelia Wenzel

Posted in bücher by Dolf

Archiv der Jugendkulturen Verlag, Fidicinstraße 3, 10965 Berlin, www.jugendkulturen.de

BewegungBewahren

Selten ein so interessantes Buch gelesen das dermaßen langweilig war. Ein Widerspruch? Nein, wahrscheinlich liegt es in der Natur der Sache, nämlich des Archivierens, das dies – zwar spannend sein kann, aber eben auch ein ziemlich trockenes Metier ist. Dennoch war es informativ zu lesen. Die verschiedenen Aspekte die hier beleuchtet werden: Arbeitsbedingungen in den Archiven, die soziale Lage der MitarbeiterInnen und deren Finanzierung, wie man viel mit wenig Mitteln erreichen kann, sowie die wachsende Anerkennung über die Jahre oder besser Jahrzehnte. Es stellen sich Fragen wie “was man sammeln soll”, ob und wie es sicher archiviert werden kann, immer wieder die Frage nach der Finanzierung. Dann gibt es “Berichte aus dem Innenleben” – hier berichten 10 völlig unterschiedliche freie Archive (Archiv soziale Bewegung, Der Papiertiger, Infoladen Conne Island, Archiv aktiv, Archiv iz3w, Gorleben Archiv, Archiv für alternatives Schrifttum, Spinnboden Lesbenarchiv, Archiv für Zeitgeschichte, Schwule Museum Berlin) von ihren Geschichten und Problemen. Das sich diese immer mal wieder ähneln oder überschneiden, liegt auf der Hand, macht es aber eben auch nicht abwechslungsreicher. Weitere zwei Archive (Archiv der Jugendkulturen, Archiv der deutschen Frauenbewegung) kommen zu Wort, die den großen Sprung Richtung Stiftung gewagt haben. Einfach ist auch das nicht. So gibt es auch ein paar Geschichten von Archiven die aufgegeben haben oder ihre Sammlung weitergegeben haben. Also wirklich spannend ist das nur für Leute die selber in Archiven arbeiten oder eines gründen wollen. Es ist halt viel Text und vieles wiederholt sich. Dennoch tun sich da ein paar Grundlegende Fragen auf, welche man ohne die Lektüre des Buchs vielleicht nicht so auf dem Schirm hat. Nämlich, wer wenn nicht die freien Archive, kümmert sich drum das die alternative Szene dokumentiert wird, wie kann man das am schlausten machen (also alles sammeln, oder auswählen) wie kann man das so aufbereiten das man auch Texte findet. Wie sicher ist die Verwahrung und noch viele andere Aspekte. Ein Problem ist ja, das man immer erst in der fernen Zukunft weiss, ob das was man machte richtig war und gebraucht wird… oft ist das so, aber manchmal vielleicht auch nicht. Über 250 Seiten mit vielen Abbildungen. Und obwohl das Buch letztendlich taugt, kann ich es nicht wirklich empfehlen, weil es eben zu fachbezogen ist. Toll wäre eine auf 80 Seiten verkürzte Version für nicht ArchivarInnen, die könnte man dann bedenkenlos empfehlen. So oder so, schmeisst eure Geschichte nicht weg, sondern geb es an die freien Archive. Im Buch finden sich natürlich massig Listen. Findet man aber auch Online. Gebundene Ausgabe mit farbigem Umschlag (21,6 x 21,6 x 2 cm ). 25.- Euro (dolf)

Isbn 978-3943774184

[Trust # 165 April 2014]

June 4th, 2014

Beauty in Decay II – RomanyWG

Posted in bücher by Dolf

Carpetbombing Culture, 42 Swinburn Road, Darlington, Co Durham DL37TD, UK
www.carpetbombingculture.co.uk /Gingko Press, Hamburger Str. 180, 22083 Hamburg, www.gingkopress.com

BeautyinDecayII

I thought I also read part one, I was wrong…. anyway. This is a urbex book. Never heard of urbex like I did? – Urban Exploration of buildings that usually have locked doors. On the first few pages you get to explore: “summer estate, built for an Italian Count”, “lurid interior of this peacock palace…. Some Tuscan aristocrat, grown fat off successful explotation of the industrial revolution in the 19th century Italy”, “This deserted quadrangle is the site of the first ever planned Stock Exchange”, “The castle that once stood here was burned to the ground by a besieging force. Rebuilt in the 19th century the elegant salons now stand empty” and the also empty “Le Theatre des Reines”. Way more scary are the explored “Asylums” that follow, great photos of interesting architecture noble and not so noble psychatric hopitals, that have one thing in common, all empty. The deserted monsters of industrialisation are a terrible sight, but have a fascination if you look at them thru a camera. It is strange that so many great abandoned buildings are around, strange in the sense why they are not used or pulled down. The text that accompanies the great photos explains a little bit about the history and is interesting. Here and there you can spot a little graffitti and sometimes terrible damage – humans, what can you do. Author RomanyWG has tracked down a bunch of new locations to amaze viewers of Beauty in Decay II. Hardcover, 26×26 cm, many pages. 19,95 £ (dolf)

Isbn 978 1 908211 10 1

[Trust # 165 April 2014]

May 8th, 2014

Kreator (#54, 10-1995)

Posted in interview by Jan

Kreator, die Essener Trash-Metal-Institution, haben mich niemals sonderlich interessiert bis zum ’92er-Album “Renewal”, und das, obwohl ich mich im Metal musikalisch eigentlich immer mehr zu Hause fühlte als im Punk oder Hardcore. Musikalisch, wohlgemerkt, nicht ideologisch.

May 5th, 2014

Against Me! – Saint Vitus 2014 (Full Show)

Posted in video by jörg

Veröffentlicht am 04.05.2014
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May 3rd, 2014

SNFU (#53, 08-1995)

Posted in interview by Jan

Richtig schön abstoßend das Cover! Das verblichene Foto eines Kinderkopfes mit nur einem Auge und dies schön mittig plaziert. Fein! Mir ist schon klar, daß das Foto retuschiert worden ist, aber trotzdem Glückwunsch an SNFU für die Idee.

May 1st, 2014

Terrorgruppe (#53, 08-1995)

Posted in interview by Jan

Anfangs hatte ich ja echt Bedenken die TERROGRUPPE zu interviewen, kenn ich doch zwei der Mitglieder schon sehr lange und weiß das sie gerne scheiße labern – darauf hatte ich aber keinen so richtigen Bock, die kann ich auch selbst schreiben. Ich habs dann trotzdem versucht und das Ergebnis ist eigentlich ganz ok geworden – wenn man zwischen den Zeilen lesen kann wird ein jede/r verstehen worum es bei dieser Band geht.

April 7th, 2014

Das Geschäft mit der Musik – Ein Insiderbericht, Berthold Seliger

Posted in bücher by Dolf

Edition Tiamat, Grimmstrasse 26 , 10967 Berlin, http://www.edition-tiamat.de

DasGeschäftmitderMusik

Erfrischend, der Autor sagt wie es ist bzw. wie es schon lange läuft in dem “Musikbusiness”. Es geht nicht um Musik oder gar Kunst oder Kultur, sondern ums Geld verdienen. Das ist für den aufgeklärten Musikhörer nichts Neues und den hirnlosen Konsumenten von “Mainstream-Pop” interessiert es leider sowieso nicht. Somit wird das Buch jene, die es am dringensten benötigen würden, auch nicht erreichen – was abzusehen war. Dennoch lohnt sich das Lesen der verschiedenen Kapitel, weil der Konzertveranstalter Seliger sehr kompetent die ganze Scheiße so darstellt, wie sie eben ist: Scheiße.
Nach dem Intro geht es gleich los, zuerst bekommt die Live-Industrie ihr Fett ab. Gierige und arrogante Agenten werden heftig und zurecht kritisiert, das Riesengeschäft mit dem Ticketing wird nochmal erklärt und durchleuchtet und man kann mal wieder erkennen, wie groß das Geschäft ist und wie wenige Drahtzieher es hinter den Kulissen gibt (von den sogenannten Refundierung-Deals, wo an der Band vorbei nochmal extra verdient wird und welche in der Branche des Autors mittlerweile Usus sind, erfährt man leider nichts….). Weiter mit der Tonträgerindustrie, die den digitalen Wandel völlig verschlafen hatte, Geschäftsmodelle werden vorgestellt, blöde Indies werden ins Spiel gebracht und zurecht auch in die Mangel genommen. Und so geht es weiter, Copyright, Gema, Sponsoring, Musikjournalismus und zuguterletzt die Politik. Berthold Seliger hat zu all diesen Bereichen Gutes, Wichtiges und Richtiges zu sagen. Man erhält gebündelt nochmal all die Argumente, gut recherchiert, warum man mit dem ganzen Scheiß letztendlich nichts zu tun haben will. Detailreich beschreibt Seliger was da für eine Suppe kocht und nach dem Lesen will man von der sowieso nicht mehr kosten. Klasse! Ich könnte bestimmt 80% von dem, was da drin steht, unterschreiben. Noch dazu kommen dann ein paar generelle gesellschaftskritische Gedanken, die auch berechtig sind. Also alles gut?
Nicht ganz….. Während es Seliger immerhin noch schafft, einmal die Band Fugazi und ihren damaligen Kampf gegen Ticketmaster lobend zu erwähnen, schafft er es auch auf den gut 300 Seiten praktisch, die komplette Punk/Hardcore/DIY-Szene zu ignorieren. Das ist insbesondere ärgerlich, wenn er auf dem deutschen Musikblätterwald – zurecht – rumhackt (Kopplungsgeschäfte usw.), dabei aber einfach unerwähnt lässt, dass es eben auch Alternativen gibt. Gleiches gilt für das Netzwerk, welches in den frühern Achtzigern entstand und unabhängig von den ganzen “Agenten und Agenturen” vielen Bands ermöglichte, durch ganz Europa zu touren. Kein Wort. Gut, nicht jeder soll oder muss sich für diese Szene interessieren, aber Seliger ist ja kein fachfremder Kirmestechnoveranstalter, er arbeitet mit mehreren Protopunkmusikern…. Warum der Autor eine Alternative zu dem von ihm beschriebenen Kulturbusiness völlig außen vor läßt ist ein Rätsel (kein Wort über The Ex?) und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack von einem sonst sehr starken Buch. Über was ich noch stolperte: “Praktisch ausnahmslos entstammen die deutschen Pop-Künstler und Pop-Kulturarbeiter der besseren Mittelschicht, zum Teil der Oberschicht….” Ich weiß, dass ich nicht die einzige Ausnahme bin…. oder eben doch, weil wir uns nicht zu denen zählen.
Nun kann man darüber debattieren, wenn man das will, inwiefern “Pop” eben nur das ist, über was der Autor schreibt, oder ob da noch mehr dazugehört…. Das lass ich hier mal bleiben. Es entsteht der Eindruck, dass alle außer den kleinen Labels und Veranstaltern – zu denen der Autor selbst auch gehört – kulturverachtende Kapitalisten sind. Das kommt der Realität schon ganz nahe, dennoch fehlen die Alternativen. Und es können nicht wirklich die Ideen sein, die Seliger zur Förderung der Kultur durch den Staat vorschlägt. Über Geschmack lässt sich ja streiten, aber was die Konzeragentur Seliger für Künstler betreut und vor allem was da für Preise aufgerufen werden, teilweise mit enorm hohen Eintrittspreisen (ja ja, Kunst kostet eben….) – das scheint der Autor mit seinem Gewissen vereinen zu können.
Es scheint, Berthold Seliger meint er wäre der alleinige Erfinder der Kritik am Musikbusiness (was eigentlich nicht sein kann, dazu ist er zu schlau). Das dem nicht so ist, wissen alle anderen. Trotzdem, damit hier kein falscher Eindruck entsteht, das Buch ist gut und richtig, super recherchiert mit vielen Zahlen untermauert und jeder sollte es lesen. 18.- Euro (dolf)

Isbn 978-3-89320-180-8

[Trust # 164 Februar 2014]

April 7th, 2014

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen – Gesundheit als Erbe der Evolution, Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann

Posted in bücher by Dolf

Piper Verlag, Georgenstraße 4, 80799 München, www.piper.de

DieSteinzeitstecktunsindenKnochen

Das Buch ist nicht ganz neu (2011), wurde mir aber empfohlen und ich empfehle es gern weiter, da es aktuell ist und bleibt. Es geht hier um “einen der wichtigsten neuen Ansätze für gesunde Lebensführung – die evolutionäre Medizin”, vereinfacht gesagt: “Seit der Steinzeit hat sich unser Körper kaum mehr verändert und passt nun nicht mehr so recht zum modernen Leben. Die Folgen sind Einschränkung und Krankheit”. Das muss aber nicht sein, denn “Fast alle Krankheiten lassen sich besser verstehen – und deshalb eher vermeiden – , wenn man sie vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der evolutionären Medizin betrachtet.” Und das macht Professor Ganten (er war u.a. langjähriger Chef der Charité) mit seinen beiden Co-Autoren auf leicht verständliche und unterhaltsame Art. Das Buch ist in 15 Kapitel unterteilt, jedes einzelne beschäftigt sich mit einem Schwerpunkt, so lernen wir das unser Körper ganz und gar das Produkt seiner Entstehungsgeschichte (praktischerweise liegt auch noch eine Faltkarte bei) ist und die Ursache für Krebs letztendlich über eine Milliarde Jahre zurückliegt. Zuerst aber werden die wichtigsten Stationen der Entwicklung des Lebens nochmal aufgeführt und erklärt. Weiter geht es mit den Mikroorganismen die unseren Körper besiedeln und warum diese so wichtig sind. “Das Kreuz mit dem Kreuz” erklärt warum so viele Menschen Rückenschmerzen haben, besonders nämlich jene, die sich falsch schonen, der Mensch ist von Natur aus Läufer und nicht Sitzer, das gilt für Kinder gleichermaßen wir für ältere Menschen. Interessant auch das nachfolgende Kapitel mit dem Titel “Die ersten Monate” wo es um Schwangerschaft, Geburt und Babys geht. “Allesfresser” zeigt auf das “gesunde Ernährung” eigentlich ganz einfach ist – so erfährt man hier u.a. “Ein gesundheitlicher Nutzen des Vieltrinkens (von Wasser) konnte bislang nicht festgestellt werden.” Weiter mit der Genvielfalt und was es zu berücksichtigen gilt, das “Herz in Not”, Krebserkrankungen, die Sonne – sind weitere spannende Themen. Im Kapitel “Zähmung und Resistenz” wird aufgezeigt wie man Krankheitserreger eher domnestizieren und damit harmlos macht, statt sie zu bekämpfen. In eine ähnliche Richtung geht es auch im nächsten Abschnit über das Immunsystem. Vieles was hier drin steht ist nicht “neu”, aber zum einen ist es immer wieder gut sowas zu wiederholen und ausserdem wird hier eben von Fachleuten vieles evolutionär wissenschaftlich untermauert und erklärt und stellt damit eigentlich weithin bekannte Tatsachen (warum Mensch eigentlich keine Fremdmilch trinken sollte z.B.) auf feste Fundamente. Selten so ein lehrreiches Buch gelesen welches gleichzeitig leicht verständlich geschrieben ist und die evolutionsbiologischen Zusammenhänge erklärt sowie Hypothesen aufstellt die sehr logisch sind. “Letzendlich ist unser Körper einer Lebensweise ausgesetzt, für die er nicht geschaffen ist.” Was natürlich heisst das es gilt die Lebensweise zu ändern. Mehr Bewegung, weniger Stress, gesundes Essen. Hat man schon das ein oder andere Mal gehört, aber nach der Lektüre dieses Buchs versteht man nochmal warum das so wichtig ist. Wer meint es geht darum wieder “so zu leben wie in der Steinzeit”, hat überhaupt nichts verstanden. Super Buch, gut 300 Seiten die sich jeder leisten sollte und durch den günstigen Preis auch kann. 9,99 Euro (dolf)

Isbn 978-3-492-26398-6

[Trust # 164 Februar 2014]

April 7th, 2014

Zounds Demystified – Lyrics and Notes by Steve Lake

Posted in bücher by Dolf

Active Distribution/Bev Records, UK

ZoundsDemystified

This was a surprise, I just expected another “bandbiobook” but it is filled, apart from all those historic band info, also with some really intersting background information, like about how things worked back then at Crass Records. Also dates back to the free festival scene in the early 70ies, including Stonehenge, great stories of not so great happenings, it is also Steves autobiography. And of course you learn something about the beginning of punk in the UK from the perspective of Lake. Twenty pages of history of Zounds and punk. After that there is 39 songlyrics and to most of them Steve comments on what they mean, why it got written and such. Not only, also storys that go along of the time when Zounds played and performed them. Tourstorys from the UK and Europe, memberchanges, ups and downs…. everybody thinks Zounds was/is this diehard political anarcho-Punk band. Reading what Steve Lake says about it, they never were… and you can tell by some of the storys he tells. He is very honest and outspoken, which makes a amusing read. In the end you get a bunch of photos, graphics, flyers and pics of all the releases. A must have for every fan of Zounds, and due to the well-paced read a can have for everybody else. 150 pages, paperback. 5.- £ (dolf)

[Trust # 164 February 2014]

April 7th, 2014

Day of the Dead Tattoo Artwork Collection – Skulls, Catrinas and Culture of the Dead, Edgar Hoill

Posted in bücher by Dolf

Edition Reuss GmbH, Postfach 100142, 63701 Aschaffenburg, www.editionreuss.de

DayoftheDead

Im Jahr 2011 hat Hoill ja schonmal ein Buch zum Thema rausgebracht (Latino Art Collection), hier also nun, sozusagen, der zweite Teil der “Tattoo Artwork Collection”. Auch diesmal gibt es eigentlich kaum Tattoos zu sehen, sondern nur Vorlagen, Skizzen und andere Kunstwerke. Offensichtlich hat Edgar Hoill an diesem ganzen “El Dia de los Muerto” einen Narren gefressen, anders kann man sich diesen ganzen Band nicht erklären. “…Illustrationen und Grafiken, zeigen die künstlerische Bandbreite und die kreative Energie, die Gevatter Tod entfachen kann – spirituell, düster, ambivalent, verborgen und allgegenwärtig. Der Lächende Totenschädel: Viva la vida!” Die “Bandbreite” seh ich zwar nicht wirklich, sondern immer und immer wieder das gleiche Thema (Totenschädel, Totenschädel, Totenschädel) wiederkehrend, aber für Freunde des Genres sicherlich ein Genuß. Einleitend gibt es auch ein paar Worte (deutsch und englisch) zu der mexikanischen “Kultur des Todes” von Eberhard J. Wormer. Das ganze ist schon sehr speziell und wirklich nur absoluten Fans dieses Styles zu empfehlen, diese kommen sicher auf ihre Kosten. 144 Seiten, Hardcover, Grossformat 24,5 x 31,5 cm, mit über 200 Abbildungen geschaffen von dutzenden von Künstlern. 78.- Euro (dolf)

ISBN 978-3-943105-25-4

[Trust # 164 Februar 2014]

February 8th, 2014

Spy Rock Memories – Larry Livermore

Posted in bücher by Dolf

Don Giovanni Records, P.O. Box 628, Kingston, NJ 08528, Usa, www.dongiovannirecords.com

SpyRockMemories

I think it helps if you know who the autor was: he is a ex-greaser, post-hippie who played in the Lookouts, did Lookout magazine and co-founded Lookout Records. Apart from that he moved in the Emerald Triangle in the north of California in 1982 only to go back and forth between the urban life (in San Francisco/Berkeley) and the mountain wilderness. Back then, the area there was famous for pot growing (an probably still is, but now legally for medical use….). Larry jumps right in the reality of mountain life, with blizzards, draughts, floods, fires, bears.. you name it.

The house he got was pretty much off the grid. Livermore tells all these great storys and it is kinda “funny” (of course it is not, there is some near death experience cases) to see this “disillusioned by the Bay Area punk scene” urban guy struggling with the wild. And he struggels alot, but of course also learns quick. Be there when he starts publishing his newspaper and upsets alot of his neighbours. Witness the birth of his band the Lookouts (and its death). Learn how the label was founded and why. And how it all ended. The house on Iron Peek is sold, band, label and paper are no more and Larry lives now in Brooklyn.

If you search for alot of “dirt” from his label years, you will not find that, also, he does not name very many names. Which is no problem, since it is his story. It is a great memoir by a interesting cool guy. I remember in 1988 we did plan to go up in the mountains in order to try out the best natural drugs available, unfortunally for reasons I have forgotten, it never happend. After reading this great book I wish only more it had happend, then I had a picture in my head to accompany the reading. But the book works also without. Inspiring and fun. 240 pages, paperback. 12,99 US$ (dolf)

Isbn 978-0-9891963-0-7

[Trust # 163 December 2013]

 

February 8th, 2014

The Lotus and the Artichoke – Vegane Rezepte eines Weltreisenden, Justin P. Moore

Posted in bücher by Dolf

Ventil Verlag, Boppstr. 25, 55118 Mainz, www.ventil-verlag.de

TheLotusandtheArtichocke

Wie geil ist das denn! Das Buch (19 x 22 cm über 200 Seiten, broschiert) zeigt über 100 vegane Rezepte aus der ganzen Welt. Fast jedes Gericht ist auch fotografiert und in Farbe abgebildet, da läuft einem schon beim Blättern das Wasser im Mund zusammen. Der Autor ist “Weltreisender” (wo man das lernen kann oder wie man das finanziert, verrät das Buch leider nicht…) und hat in über 40 Ländern die besten veganen Gerichte gesammelt. Amerika, Asien, Afrika, Europa, es ist alles dabei und entsprechend sortiert. Die Rezepte sind überlegt zusammengestellt und übersichtlich präsentiert, so das es sicher auch Laien gelingen wird diese, oftmals ziemlich exotischen, Gerichte nachzukochen.

Zusätzlich gibt es noch für jeden Kontinent eine Art “Einleitung” vom Autor, wo er über seine Erfahrungen und Erlebnisse in dem jeweiligen Land berichtet und Geschichten vom Reisen und Essen zum besten gibt. Das ist kurzweilig, weil er sich auch kurz fasst. Auch gut der Text, was er so alles in der Küche hat und benötigt, von Küchenutensilien bis zu Gewürzen und anderen Vorräten. Bisher hab ich noch nichts daraus nachgekocht, kann es aber kaum erwarten bis es losgeht. Und seinen kulinarischen Horizont erweitert man damit so oder so, ich wusste bisher auch nicht was Asafoetida sein soll… du auch nicht, macht nichts, kannst es ja rausfinden! Justin P. Moore betreibt auch eine webseite mit dem gleichnamigen Namen, da kann man sich weiter anfixen lassen. Ausserdem gibt es das Buch im gleichen Verlag auch auf englisch. 19,90 Euro (dolf)

Isbn 978-e-85575-011-4

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Ab Heute Vegan – So klappt dein Umstieg

Posted in bücher by Dolf

Ventil/edition Kochen ohne Knochen, Boppstr. 25, 55118 Mainz, www.ventil-verlag.de

AbHeuteVegan

Die AutorInnen bloggen alle bei “Deutschland is(s)t vegan” und haben meist noch ihre eigenen Blogs. Somit ist es nicht weiter überraschend das dies hier ein tolles Buch für alle Einsteiger geworden ist. Kompakt, aber ausführlich genug um Leuten die noch bei Null sind alles notwendige zu vermitteln. Viele Tipps zum Thema, warum Vegan leben, ist das gesund, was man benötigt, Kosmetik, Kleidung – die ganzen Pallette. Die gut 130 Seiten kann man aber auch als schon eingestiegener Lesen, natürlich erfährt man hier nichts “neues”.

Aber man merkt das die SchreiberInnen auch keine dogmatischen VeganerInnen sind, sondern sich dessen bewusst sind das eben veganes Leben nur ein Teilaspekt des grossen Ganzen ist, was sie dann so ausdrücken: “Ein nett gemeinter “Warnhinweis” zum Schluss: Man sollte bei allem Enthusiasmus für die neu entdeckte Ernährungs- und Lebensweise nie aus den Augen verlieren, dass es auch andere Themen im Leben gibt. Natürlich kann man sich beinah aussschliesslich über den Veganismus definieren, sich Freunde und Partner gezielt danach aussuchen, keine anderen Gesprächsthemen mehr wählen.

Aber das wäre schade und ist auf Dauer sicher nicht sinnvoll – der Veganismus ist schliesslich keine Sekte. So wie man von anderen Menschen erwartet, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sollte man auch selbst stets offen für andere Themen bleiben.” Zum Glück geht es nicht nur darum keine Tiere zu Essen, sondern auch gesund und auch ansonsten fair zu leben. Und auch der veganen Nahrungsmittelindustrie stehen sie nicht völlig unkritisch gegenüber, gut so! Schade das keine Paläo-Aspekte thematisiert werden, aber das würde bei einem Einsteiger-Buch vielleicht auch ein wenig zu weit führen.

Auch auf veganes Tierfutter wird hingewiesen, nicht aber darauf das Haustierhaltung und vegan sich ja ausschliesst. Egal. Ein kurzweiliges Büchlein mit guten Gründen auf Fleisch, bzw. Tier zu verzichten ohne dabei nervig zu werden. Für alle die noch nicht so weit sind sehr zu empfehlen und auch ein klasse Geschenk. Broschur. 12,90 (dolf)

Isbn 978-3-95575-010-7

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Profitwahn – Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt, Christian Kreiß

Posted in bücher by Dolf

Tectum, Biegenstrasse 4, 35037 Marburg, www.tectum-verlag.de

Profitwahn

Der Autor selbst hat viele Jahre als Investmentbanker gearbeitet, er weiss also wovon er spricht. Zum Glück tut er das jetzt nicht mehr, sondern unterrichtet an einer Hochschule für Wirtschaft die hoffentlich richtigen Lehren zum Thema. Eines der Hauptprobleme erkennt Christian Kreiss natürlich richtig, nämlich der falsche Glaube an zwei Theoriegrundsätze der Mainstream-Ökonomie: Unbegrenztes Eigentum an Grund und Boden, Geldvermögen und Unternehmensvermögen ist gut und richtig, ebenso wie der Zinseszins.

Das sind für ihn die beiden Hauptübel des Wirtschaftssystems. Dies weiss er gut zu begründen und erörtet das auch verständlich. Wie auch fast alles andere, was man eigentlich schon wissen sollte, viele das aber immer noch nicht tun. Das unbegrenzte Vermögenswachstum bezeichnet Kreiss als Krebsgeschwür, welches immer Schuld dran ist wenn es wieder zu einem Einbruch kommt, so wie es schon des öfteren in der Geschichte der Menscheit zu beobachten war und dennoch lernt der Mensch daraus nicht. Das ist ziemlich interessant.

Obwohl hier sehr viel mit Zahlen gearbeitet wird, wird es auch für den Laien nicht unübersichtlich “…also superreiche Haushalte mit einem Nettovermögen von über 100 Mio. US-Dolar. Es gibt weltweit etwa 9.000 solcher Haushalte (entsprechend etwa 0,0005 % aller Menschen auf der Erde), auf die, global gesehen, etwa 8 % des Weltvermögens entfallen.” Oder auch die Zahlen zur Ungleichverteilung des Vermögens in Deutschland sind leicht zu verstehen “…hatten die reichsten 10 % der deutschen Haushalte 2007 etwa 61 % des deutschen Nettovermögens. Die ärmsten 10 % der deutschen Haushalte hatten hingegen netto Schulden, die 1,6 % des Gesamtvermögens entsprechen. Die unteren 50 % der deutschen Hauhalte zusammen, also gut 40 Mio. Menschen, hatten dannach 2007 netto praktisch kein Vermögen.

Die oberen 20 % der Deutschen, also knapp 8 Mio. Menschen hatten gut 80 % des Gesamtvermögens.” So geht das fast das ganze Buch über und man fasst sich immer und immer wieder an Kopf… das sich nichts ändert. Grade eben auch in Bezug auf die geschichtlich belegten Ereignisse (Finanzblasen der Vergangenheit) die bis ins alte Mesopotamien (2.400 v. Chr.!!!) zurückreichen. Kreiss prognostiziert auch einen Crash des Finanzsystems, welcher bald stattfinden soll, da wir uns am Ende eines 70-jährigen Wachstumszyklus befinden – wie es den schon öfter gegeben hat… ob das jetzt zwingend so kommt, bleibt abzuwarten….

Es gibt noch viel anderes interessantes und spannendes zu Erfahren (u.a. Fehlprognosen von IWF und anderen Sachverständigen, Plutokratie, Steuerbetrug und Steueroasen) Am Ende erklärt uns Christian Kreiss was seiner Meinung nach geschehen müsste um den Wahn zu beenden – Vermögenssteuer auf nicht selbst genutzten Grund und Boden und Immobilien (mit einer Freigrenze bis 2 Mio.) sowie auf Unternehmensanteile, oder gleich eine Vermögensobergrenze (hier 10 Mio Euro pro Mensch). Es scheint da draussen ja genügend “Fachleute” zu geben die verstanden haben wo das Problem ist, man fragt sich wieso die nicht zum Zug kommen um diesen Unfug (hier sei auch mal kurz die völlig irre Überproduktion erwähnt auf die er auch eingeht) mal zu beenden. Wenn du noch gute Gründe suchst, bist du bei diesem Buch richtig. Ein weiteres gutes Sachbuch welches umfassend zusammenfasst was das Problem ist. 220 Seiten, Broschur. 17,95 Euro (dolf)

Isbn 978-3828831599

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Black Tattoo Art 2 – Modern Expressions of the Tribal, Marisa Kakoulas

Posted in bücher by Dolf

Edition Reuss, Postfach 100142, 63701 Aschaffenburg, www.editionreuss.de

BlackTattooArt2

Im ersten Band, der 2011 erschienen ist, gab es folgende Kapitel: Neotribal, Dotwork, Art Brut, Traditional Revival und Thai/Buddhist. In dem zweiten, nun vorliegenden, hat sich das ein wenig geändert: Ornamental/Neotribal, Dotwork, Celtic/Nordic, Abstract/Art Brut und Traditional Revival. Ausserdem ist auch die Liste der internationalen Künstler länger geworden, diesmal sind 75 dabei, u.a. Yann Black, Rob Deur, Goldlox, Jondix. Ansonsten ist alles beim alten, zumindest was die Aufmachung betrifft: mehr als 600 Abbildungen auf fast 450 Seiten im hochwertigen Hardcover-Einband im Grossformat (24,5 x 31,5) mit Fadenbindung.

Die Autorin schreibt eine allgemeine Einleitung und dann zu jedem Kapitel nochmal detailliert, aber immer kompakt und auf den Punkt. Zum Ende gibts wieder eine Liste mit Tattoo-Studios. Und auch diesmal alle Texte in Deutsch und Englisch. Zu sehen gibt es viele faszinierende Tattoos auf hoher Quiltät bezogen auf die Tattoo-Künstlern selbst, sowie den unterschiedlichen Fotografen, sehr detailreich. Ein Trip den sich der Tätowierinteressierte nicht entgehen lassen sollte. Hängengeblieben ist ein Tattoo von Gerhard Wiesbeck auf Seite 91, welches einen klasse 3D Effekt schafft – in diese Richtung geht noch einiges. 98.- Euro (dolf)

Isbn 978-3-943105-21-6

[Trust # 163 Dezember 2013]

 

February 8th, 2014

Basiswissen Eurokrise – Wie sie entstand und was sie für uns bedeutet, Thorsten Edler

Posted in bücher by Dolf

Tectum, Biegenstrasse 4, 35037 Marburg, www.tectum-verlag.de

BasiswissenEurokrise

Wahrscheinlich gehts mir, wie den meisten: Ich kann es nicht mehr hören! (bzw. durch die Medien kommuniziert bekommen) – Inflation, Eurokrise (“Im Grunde genommen müsste man bei der Eurokrise also eigentlich von einer “Staatsschuldenkrise” jeweils einzelner Staaten in Europa sprechen.”), Rettungsschirm, ESM, Fisikalpakt und die vielen anderen Begriffe die ständig präsent sind. Klarheit in diesen Begriffsdschungel bringt das vorliegende Buch (ca. 200 Seiten, Broschur) – glücklicherweise ist es verständlich geschrieben.

Somit erfährt der aufmerksame Leser zwar nichts neues, aber für all jene welche immer noch nicht ganz verstanden haben was da jetzt eigentlich los war, immer noch ist und noch länger bleiben wird, gibt es hier Aufklärung. Der Autor erzählt nochmal ausführlich wie es zur Krise gekommen ist und was die Ursachen waren, erklärt die ganzen Fachbegriffe, stellt viele richtige Fragen und gibt auch einige nachvollziehbare Antworten. Es werden verschiedene Szenarien durchgespielt, Lösungswege, nicht verfolgte Massnahmen und Symptome der Krise.

Edler stellt aber auch noch weitere Fragen und geht darauf ein: Geld – Zahlungsmittel ausser Kontrolle?, Quo Vadis, Banksystem?, Ist ein Euroaustritt denkbar? Zum Ende des Buches schweift der Autor ein wenig ab und beschäftigt sich mit Fragen wie: Brauchen wir überhaupt Europa?, Verändert die Eurokrise die Politik in Europa? – das ist aber halb so schlimm, weil es eben auch zum Thema passt.

Edler bleibt sachlich, auch wenn man merkt das er das alles sehr kritisch sieht und auch verstanden hat wo das Problem liegt – wegen mir hätte er sich gern noch ein wenig deutlicher gegen den ganzen Irrsinn positionieren können, was aber ja auch nicht der Zweck des Buches ist. Schön ist das er weitestgehend auf Zahlen und Statistiken verzichtet, was bei diesem Thema schon was Besonderes ist. Gutes Sachbuch. 17,95 Euro (dolf)

Isbn 978-3-8288-3158-2

[Trust # 163 Dezember 2013]

January 1st, 2014

Pusrad (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Pusrad sind eine relativ neue Hardcore Band aus Schweden. Wobei sie so neu eigentlich gar nicht sind, denn Peter (Schlagzeug) und Packe (Gitarre + Gesang) waren in der identischen Besetzung bereits in den 80ern und frühen 90ern als Raped Teenagers aktiv.

January 1st, 2014

Lion City Hardcore – Overthrown (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

„Network of Friends“, kein anderer Ausdruck bringt eine gewisse weltweite Verbundenheit in Teilen des Punk / Hardcore besser auf den Punkt. Egal, wie weit man sich auch von seinem zu Hause entfernt, man trifft immer wieder Menschen, die ähnlich fühlen, ähnlich denken und mit denen man sich sehr schnell auf grundlegende Gemeinsamkeiten einigen kann. Ann-Christin und ich sind in Singapur und haben keinen Plan von der Stadt, von dem Land, von dem Ort.

January 1st, 2014

THE DROPOUT PATROL (Eine Art Liebeserklärung) (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Es ist gewissermassen unfair, The Dropout Patrol hervorzuheben, hat deren Sängerin und Gitarristin Jana Sotzko doch auch noch dieselbe Rolle bei PETE THE PIRATE SQUID und die der Schlagzeugerin (ebenfalls inklusive Gesang) bei EX BEST FRIENDS – drei Bands, die ich aus jeweils unterschiedlichen Gründen für grossartig und, was vielleicht noch wichtiger ist, aussergewöhnlich halte.

January 1st, 2014

“Ihr merkt, dass ihr alt und dick werdet? 
Fahrt mehr Skateboard.” (# 159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Interview mit den Veranstaltern der ENDLEss GRIND SKATEBOARD Session