August 1st, 2013

Trust # 165 (April/May) is out now!

Posted in news by Dolf

Ab sofort ist das TRUST # 165 erhältlich, bei Deinem Lieblingsplattenladen oder Mailorder sowie im gutsortierten Bahnhofsbuchhandel.

Der Inhalt diesmal:
Hammerhead, X-Mist Records, Unwucht Records, Oise

Wie gewohnt gibts natürlich ehrliche Reviews von Platten, Zines und Büchern sowie ausgesuchte Tour/Gigtermine, geile Konzertfotos und oberschlaue Kolumnen – das Ganze als graphisches Gesamtkunstwerk.

trust_165_cover

April 7th, 2014

Das Geschäft mit der Musik – Ein Insiderbericht, Berthold Seliger

Posted in bücher by Dolf

Edition Tiamat, Grimmstrasse 26 , 10967 Berlin, http://www.edition-tiamat.de

DasGeschäftmitderMusik

Erfrischend, der Autor sagt wie es ist bzw. wie es schon lange läuft in dem “Musikbusiness”. Es geht nicht um Musik oder gar Kunst oder Kultur, sondern ums Geld verdienen. Das ist für den aufgeklärten Musikhörer nichts Neues und den hirnlosen Konsumenten von “Mainstream-Pop” interessiert es leider sowieso nicht. Somit wird das Buch jene, die es am dringensten benötigen würden, auch nicht erreichen – was abzusehen war. Dennoch lohnt sich das Lesen der verschiedenen Kapitel, weil der Konzertveranstalter Seliger sehr kompetent die ganze Scheiße so darstellt, wie sie eben ist: Scheiße.
Nach dem Intro geht es gleich los, zuerst bekommt die Live-Industrie ihr Fett ab. Gierige und arrogante Agenten werden heftig und zurecht kritisiert, das Riesengeschäft mit dem Ticketing wird nochmal erklärt und durchleuchtet und man kann mal wieder erkennen, wie groß das Geschäft ist und wie wenige Drahtzieher es hinter den Kulissen gibt (von den sogenannten Refundierung-Deals, wo an der Band vorbei nochmal extra verdient wird und welche in der Branche des Autors mittlerweile Usus sind, erfährt man leider nichts….). Weiter mit der Tonträgerindustrie, die den digitalen Wandel völlig verschlafen hatte, Geschäftsmodelle werden vorgestellt, blöde Indies werden ins Spiel gebracht und zurecht auch in die Mangel genommen. Und so geht es weiter, Copyright, Gema, Sponsoring, Musikjournalismus und zuguterletzt die Politik. Berthold Seliger hat zu all diesen Bereichen Gutes, Wichtiges und Richtiges zu sagen. Man erhält gebündelt nochmal all die Argumente, gut recherchiert, warum man mit dem ganzen Scheiß letztendlich nichts zu tun haben will. Detailreich beschreibt Seliger was da für eine Suppe kocht und nach dem Lesen will man von der sowieso nicht mehr kosten. Klasse! Ich könnte bestimmt 80% von dem, was da drin steht, unterschreiben. Noch dazu kommen dann ein paar generelle gesellschaftskritische Gedanken, die auch berechtig sind. Also alles gut?
Nicht ganz….. Während es Seliger immerhin noch schafft, einmal die Band Fugazi und ihren damaligen Kampf gegen Ticketmaster lobend zu erwähnen, schafft er es auch auf den gut 300 Seiten praktisch, die komplette Punk/Hardcore/DIY-Szene zu ignorieren. Das ist insbesondere ärgerlich, wenn er auf dem deutschen Musikblätterwald – zurecht – rumhackt (Kopplungsgeschäfte usw.), dabei aber einfach unerwähnt lässt, dass es eben auch Alternativen gibt. Gleiches gilt für das Netzwerk, welches in den frühern Achtzigern entstand und unabhängig von den ganzen “Agenten und Agenturen” vielen Bands ermöglichte, durch ganz Europa zu touren. Kein Wort. Gut, nicht jeder soll oder muss sich für diese Szene interessieren, aber Seliger ist ja kein fachfremder Kirmestechnoveranstalter, er arbeitet mit mehreren Protopunkmusikern…. Warum der Autor eine Alternative zu dem von ihm beschriebenen Kulturbusiness völlig außen vor läßt ist ein Rätsel (kein Wort über The Ex?) und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack von einem sonst sehr starken Buch. Über was ich noch stolperte: “Praktisch ausnahmslos entstammen die deutschen Pop-Künstler und Pop-Kulturarbeiter der besseren Mittelschicht, zum Teil der Oberschicht….” Ich weiß, dass ich nicht die einzige Ausnahme bin…. oder eben doch, weil wir uns nicht zu denen zählen.
Nun kann man darüber debattieren, wenn man das will, inwiefern “Pop” eben nur das ist, über was der Autor schreibt, oder ob da noch mehr dazugehört…. Das lass ich hier mal bleiben. Es entsteht der Eindruck, dass alle außer den kleinen Labels und Veranstaltern – zu denen der Autor selbst auch gehört – kulturverachtende Kapitalisten sind. Das kommt der Realität schon ganz nahe, dennoch fehlen die Alternativen. Und es können nicht wirklich die Ideen sein, die Seliger zur Förderung der Kultur durch den Staat vorschlägt. Über Geschmack lässt sich ja streiten, aber was die Konzeragentur Seliger für Künstler betreut und vor allem was da für Preise aufgerufen werden, teilweise mit enorm hohen Eintrittspreisen (ja ja, Kunst kostet eben….) – das scheint der Autor mit seinem Gewissen vereinen zu können.
Es scheint, Berthold Seliger meint er wäre der alleinige Erfinder der Kritik am Musikbusiness (was eigentlich nicht sein kann, dazu ist er zu schlau). Das dem nicht so ist, wissen alle anderen. Trotzdem, damit hier kein falscher Eindruck entsteht, das Buch ist gut und richtig, super recherchiert mit vielen Zahlen untermauert und jeder sollte es lesen. 18.- Euro (dolf)

Isbn 978-3-89320-180-8

[Trust # 164 Februar 2014]

April 7th, 2014

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen – Gesundheit als Erbe der Evolution, Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann

Posted in bücher by Dolf

Piper Verlag, Georgenstraße 4, 80799 München, www.piper.de

DieSteinzeitstecktunsindenKnochen

Das Buch ist nicht ganz neu (2011), wurde mir aber empfohlen und ich empfehle es gern weiter, da es aktuell ist und bleibt. Es geht hier um “einen der wichtigsten neuen Ansätze für gesunde Lebensführung – die evolutionäre Medizin”, vereinfacht gesagt: “Seit der Steinzeit hat sich unser Körper kaum mehr verändert und passt nun nicht mehr so recht zum modernen Leben. Die Folgen sind Einschränkung und Krankheit”. Das muss aber nicht sein, denn “Fast alle Krankheiten lassen sich besser verstehen – und deshalb eher vermeiden – , wenn man sie vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der evolutionären Medizin betrachtet.” Und das macht Professor Ganten (er war u.a. langjähriger Chef der Charité) mit seinen beiden Co-Autoren auf leicht verständliche und unterhaltsame Art. Das Buch ist in 15 Kapitel unterteilt, jedes einzelne beschäftigt sich mit einem Schwerpunkt, so lernen wir das unser Körper ganz und gar das Produkt seiner Entstehungsgeschichte (praktischerweise liegt auch noch eine Faltkarte bei) ist und die Ursache für Krebs letztendlich über eine Milliarde Jahre zurückliegt. Zuerst aber werden die wichtigsten Stationen der Entwicklung des Lebens nochmal aufgeführt und erklärt. Weiter geht es mit den Mikroorganismen die unseren Körper besiedeln und warum diese so wichtig sind. “Das Kreuz mit dem Kreuz” erklärt warum so viele Menschen Rückenschmerzen haben, besonders nämlich jene, die sich falsch schonen, der Mensch ist von Natur aus Läufer und nicht Sitzer, das gilt für Kinder gleichermaßen wir für ältere Menschen. Interessant auch das nachfolgende Kapitel mit dem Titel “Die ersten Monate” wo es um Schwangerschaft, Geburt und Babys geht. “Allesfresser” zeigt auf das “gesunde Ernährung” eigentlich ganz einfach ist – so erfährt man hier u.a. “Ein gesundheitlicher Nutzen des Vieltrinkens (von Wasser) konnte bislang nicht festgestellt werden.” Weiter mit der Genvielfalt und was es zu berücksichtigen gilt, das “Herz in Not”, Krebserkrankungen, die Sonne – sind weitere spannende Themen. Im Kapitel “Zähmung und Resistenz” wird aufgezeigt wie man Krankheitserreger eher domnestizieren und damit harmlos macht, statt sie zu bekämpfen. In eine ähnliche Richtung geht es auch im nächsten Abschnit über das Immunsystem. Vieles was hier drin steht ist nicht “neu”, aber zum einen ist es immer wieder gut sowas zu wiederholen und ausserdem wird hier eben von Fachleuten vieles evolutionär wissenschaftlich untermauert und erklärt und stellt damit eigentlich weithin bekannte Tatsachen (warum Mensch eigentlich keine Fremdmilch trinken sollte z.B.) auf feste Fundamente. Selten so ein lehrreiches Buch gelesen welches gleichzeitig leicht verständlich geschrieben ist und die evolutionsbiologischen Zusammenhänge erklärt sowie Hypothesen aufstellt die sehr logisch sind. “Letzendlich ist unser Körper einer Lebensweise ausgesetzt, für die er nicht geschaffen ist.” Was natürlich heisst das es gilt die Lebensweise zu ändern. Mehr Bewegung, weniger Stress, gesundes Essen. Hat man schon das ein oder andere Mal gehört, aber nach der Lektüre dieses Buchs versteht man nochmal warum das so wichtig ist. Wer meint es geht darum wieder “so zu leben wie in der Steinzeit”, hat überhaupt nichts verstanden. Super Buch, gut 300 Seiten die sich jeder leisten sollte und durch den günstigen Preis auch kann. 9,99 Euro (dolf)

Isbn 978-3-492-26398-6

[Trust # 164 Februar 2014]

April 7th, 2014

Zounds Demystified – Lyrics and Notes by Steve Lake

Posted in bücher by Dolf

Active Distribution/Bev Records, UK

ZoundsDemystified

This was a surprise, I just expected another “bandbiobook” but it is filled, apart from all those historic band info, also with some really intersting background information, like about how things worked back then at Crass Records. Also dates back to the free festival scene in the early 70ies, including Stonehenge, great stories of not so great happenings, it is also Steves autobiography. And of course you learn something about the beginning of punk in the UK from the perspective of Lake. Twenty pages of history of Zounds and punk. After that there is 39 songlyrics and to most of them Steve comments on what they mean, why it got written and such. Not only, also storys that go along of the time when Zounds played and performed them. Tourstorys from the UK and Europe, memberchanges, ups and downs…. everybody thinks Zounds was/is this diehard political anarcho-Punk band. Reading what Steve Lake says about it, they never were… and you can tell by some of the storys he tells. He is very honest and outspoken, which makes a amusing read. In the end you get a bunch of photos, graphics, flyers and pics of all the releases. A must have for every fan of Zounds, and due to the well-paced read a can have for everybody else. 150 pages, paperback. 5.- £ (dolf)

[Trust # 164 February 2014]

April 7th, 2014

Day of the Dead Tattoo Artwork Collection – Skulls, Catrinas and Culture of the Dead, Edgar Hoill

Posted in bücher by Dolf

Edition Reuss GmbH, Postfach 100142, 63701 Aschaffenburg, www.editionreuss.de

DayoftheDead

Im Jahr 2011 hat Hoill ja schonmal ein Buch zum Thema rausgebracht (Latino Art Collection), hier also nun, sozusagen, der zweite Teil der “Tattoo Artwork Collection”. Auch diesmal gibt es eigentlich kaum Tattoos zu sehen, sondern nur Vorlagen, Skizzen und andere Kunstwerke. Offensichtlich hat Edgar Hoill an diesem ganzen “El Dia de los Muerto” einen Narren gefressen, anders kann man sich diesen ganzen Band nicht erklären. “…Illustrationen und Grafiken, zeigen die künstlerische Bandbreite und die kreative Energie, die Gevatter Tod entfachen kann – spirituell, düster, ambivalent, verborgen und allgegenwärtig. Der Lächende Totenschädel: Viva la vida!” Die “Bandbreite” seh ich zwar nicht wirklich, sondern immer und immer wieder das gleiche Thema (Totenschädel, Totenschädel, Totenschädel) wiederkehrend, aber für Freunde des Genres sicherlich ein Genuß. Einleitend gibt es auch ein paar Worte (deutsch und englisch) zu der mexikanischen “Kultur des Todes” von Eberhard J. Wormer. Das ganze ist schon sehr speziell und wirklich nur absoluten Fans dieses Styles zu empfehlen, diese kommen sicher auf ihre Kosten. 144 Seiten, Hardcover, Grossformat 24,5 x 31,5 cm, mit über 200 Abbildungen geschaffen von dutzenden von Künstlern. 78.- Euro (dolf)

ISBN 978-3-943105-25-4

[Trust # 164 Februar 2014]

February 8th, 2014

Spy Rock Memories – Larry Livermore

Posted in bücher by Dolf

Don Giovanni Records, P.O. Box 628, Kingston, NJ 08528, Usa, www.dongiovannirecords.com

SpyRockMemories

I think it helps if you know who the autor was: he is a ex-greaser, post-hippie who played in the Lookouts, did Lookout magazine and co-founded Lookout Records. Apart from that he moved in the Emerald Triangle in the north of California in 1982 only to go back and forth between the urban life (in San Francisco/Berkeley) and the mountain wilderness. Back then, the area there was famous for pot growing (an probably still is, but now legally for medical use….). Larry jumps right in the reality of mountain life, with blizzards, draughts, floods, fires, bears.. you name it.

The house he got was pretty much off the grid. Livermore tells all these great storys and it is kinda “funny” (of course it is not, there is some near death experience cases) to see this “disillusioned by the Bay Area punk scene” urban guy struggling with the wild. And he struggels alot, but of course also learns quick. Be there when he starts publishing his newspaper and upsets alot of his neighbours. Witness the birth of his band the Lookouts (and its death). Learn how the label was founded and why. And how it all ended. The house on Iron Peek is sold, band, label and paper are no more and Larry lives now in Brooklyn.

If you search for alot of “dirt” from his label years, you will not find that, also, he does not name very many names. Which is no problem, since it is his story. It is a great memoir by a interesting cool guy. I remember in 1988 we did plan to go up in the mountains in order to try out the best natural drugs available, unfortunally for reasons I have forgotten, it never happend. After reading this great book I wish only more it had happend, then I had a picture in my head to accompany the reading. But the book works also without. Inspiring and fun. 240 pages, paperback. 12,99 US$ (dolf)

Isbn 978-0-9891963-0-7

[Trust # 163 December 2013]

 

February 8th, 2014

The Lotus and the Artichoke – Vegane Rezepte eines Weltreisenden, Justin P. Moore

Posted in bücher by Dolf

Ventil Verlag, Boppstr. 25, 55118 Mainz, www.ventil-verlag.de

TheLotusandtheArtichocke

Wie geil ist das denn! Das Buch (19 x 22 cm über 200 Seiten, broschiert) zeigt über 100 vegane Rezepte aus der ganzen Welt. Fast jedes Gericht ist auch fotografiert und in Farbe abgebildet, da läuft einem schon beim Blättern das Wasser im Mund zusammen. Der Autor ist “Weltreisender” (wo man das lernen kann oder wie man das finanziert, verrät das Buch leider nicht…) und hat in über 40 Ländern die besten veganen Gerichte gesammelt. Amerika, Asien, Afrika, Europa, es ist alles dabei und entsprechend sortiert. Die Rezepte sind überlegt zusammengestellt und übersichtlich präsentiert, so das es sicher auch Laien gelingen wird diese, oftmals ziemlich exotischen, Gerichte nachzukochen.

Zusätzlich gibt es noch für jeden Kontinent eine Art “Einleitung” vom Autor, wo er über seine Erfahrungen und Erlebnisse in dem jeweiligen Land berichtet und Geschichten vom Reisen und Essen zum besten gibt. Das ist kurzweilig, weil er sich auch kurz fasst. Auch gut der Text, was er so alles in der Küche hat und benötigt, von Küchenutensilien bis zu Gewürzen und anderen Vorräten. Bisher hab ich noch nichts daraus nachgekocht, kann es aber kaum erwarten bis es losgeht. Und seinen kulinarischen Horizont erweitert man damit so oder so, ich wusste bisher auch nicht was Asafoetida sein soll… du auch nicht, macht nichts, kannst es ja rausfinden! Justin P. Moore betreibt auch eine webseite mit dem gleichnamigen Namen, da kann man sich weiter anfixen lassen. Ausserdem gibt es das Buch im gleichen Verlag auch auf englisch. 19,90 Euro (dolf)

Isbn 978-e-85575-011-4

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Ab Heute Vegan – So klappt dein Umstieg

Posted in bücher by Dolf

Ventil/edition Kochen ohne Knochen, Boppstr. 25, 55118 Mainz, www.ventil-verlag.de

AbHeuteVegan

Die AutorInnen bloggen alle bei “Deutschland is(s)t vegan” und haben meist noch ihre eigenen Blogs. Somit ist es nicht weiter überraschend das dies hier ein tolles Buch für alle Einsteiger geworden ist. Kompakt, aber ausführlich genug um Leuten die noch bei Null sind alles notwendige zu vermitteln. Viele Tipps zum Thema, warum Vegan leben, ist das gesund, was man benötigt, Kosmetik, Kleidung – die ganzen Pallette. Die gut 130 Seiten kann man aber auch als schon eingestiegener Lesen, natürlich erfährt man hier nichts “neues”.

Aber man merkt das die SchreiberInnen auch keine dogmatischen VeganerInnen sind, sondern sich dessen bewusst sind das eben veganes Leben nur ein Teilaspekt des grossen Ganzen ist, was sie dann so ausdrücken: “Ein nett gemeinter “Warnhinweis” zum Schluss: Man sollte bei allem Enthusiasmus für die neu entdeckte Ernährungs- und Lebensweise nie aus den Augen verlieren, dass es auch andere Themen im Leben gibt. Natürlich kann man sich beinah aussschliesslich über den Veganismus definieren, sich Freunde und Partner gezielt danach aussuchen, keine anderen Gesprächsthemen mehr wählen.

Aber das wäre schade und ist auf Dauer sicher nicht sinnvoll – der Veganismus ist schliesslich keine Sekte. So wie man von anderen Menschen erwartet, über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sollte man auch selbst stets offen für andere Themen bleiben.” Zum Glück geht es nicht nur darum keine Tiere zu Essen, sondern auch gesund und auch ansonsten fair zu leben. Und auch der veganen Nahrungsmittelindustrie stehen sie nicht völlig unkritisch gegenüber, gut so! Schade das keine Paläo-Aspekte thematisiert werden, aber das würde bei einem Einsteiger-Buch vielleicht auch ein wenig zu weit führen.

Auch auf veganes Tierfutter wird hingewiesen, nicht aber darauf das Haustierhaltung und vegan sich ja ausschliesst. Egal. Ein kurzweiliges Büchlein mit guten Gründen auf Fleisch, bzw. Tier zu verzichten ohne dabei nervig zu werden. Für alle die noch nicht so weit sind sehr zu empfehlen und auch ein klasse Geschenk. Broschur. 12,90 (dolf)

Isbn 978-3-95575-010-7

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Profitwahn – Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt, Christian Kreiß

Posted in bücher by Dolf

Tectum, Biegenstrasse 4, 35037 Marburg, www.tectum-verlag.de

Profitwahn

Der Autor selbst hat viele Jahre als Investmentbanker gearbeitet, er weiss also wovon er spricht. Zum Glück tut er das jetzt nicht mehr, sondern unterrichtet an einer Hochschule für Wirtschaft die hoffentlich richtigen Lehren zum Thema. Eines der Hauptprobleme erkennt Christian Kreiss natürlich richtig, nämlich der falsche Glaube an zwei Theoriegrundsätze der Mainstream-Ökonomie: Unbegrenztes Eigentum an Grund und Boden, Geldvermögen und Unternehmensvermögen ist gut und richtig, ebenso wie der Zinseszins.

Das sind für ihn die beiden Hauptübel des Wirtschaftssystems. Dies weiss er gut zu begründen und erörtet das auch verständlich. Wie auch fast alles andere, was man eigentlich schon wissen sollte, viele das aber immer noch nicht tun. Das unbegrenzte Vermögenswachstum bezeichnet Kreiss als Krebsgeschwür, welches immer Schuld dran ist wenn es wieder zu einem Einbruch kommt, so wie es schon des öfteren in der Geschichte der Menscheit zu beobachten war und dennoch lernt der Mensch daraus nicht. Das ist ziemlich interessant.

Obwohl hier sehr viel mit Zahlen gearbeitet wird, wird es auch für den Laien nicht unübersichtlich “…also superreiche Haushalte mit einem Nettovermögen von über 100 Mio. US-Dolar. Es gibt weltweit etwa 9.000 solcher Haushalte (entsprechend etwa 0,0005 % aller Menschen auf der Erde), auf die, global gesehen, etwa 8 % des Weltvermögens entfallen.” Oder auch die Zahlen zur Ungleichverteilung des Vermögens in Deutschland sind leicht zu verstehen “…hatten die reichsten 10 % der deutschen Haushalte 2007 etwa 61 % des deutschen Nettovermögens. Die ärmsten 10 % der deutschen Haushalte hatten hingegen netto Schulden, die 1,6 % des Gesamtvermögens entsprechen. Die unteren 50 % der deutschen Hauhalte zusammen, also gut 40 Mio. Menschen, hatten dannach 2007 netto praktisch kein Vermögen.

Die oberen 20 % der Deutschen, also knapp 8 Mio. Menschen hatten gut 80 % des Gesamtvermögens.” So geht das fast das ganze Buch über und man fasst sich immer und immer wieder an Kopf… das sich nichts ändert. Grade eben auch in Bezug auf die geschichtlich belegten Ereignisse (Finanzblasen der Vergangenheit) die bis ins alte Mesopotamien (2.400 v. Chr.!!!) zurückreichen. Kreiss prognostiziert auch einen Crash des Finanzsystems, welcher bald stattfinden soll, da wir uns am Ende eines 70-jährigen Wachstumszyklus befinden – wie es den schon öfter gegeben hat… ob das jetzt zwingend so kommt, bleibt abzuwarten….

Es gibt noch viel anderes interessantes und spannendes zu Erfahren (u.a. Fehlprognosen von IWF und anderen Sachverständigen, Plutokratie, Steuerbetrug und Steueroasen) Am Ende erklärt uns Christian Kreiss was seiner Meinung nach geschehen müsste um den Wahn zu beenden – Vermögenssteuer auf nicht selbst genutzten Grund und Boden und Immobilien (mit einer Freigrenze bis 2 Mio.) sowie auf Unternehmensanteile, oder gleich eine Vermögensobergrenze (hier 10 Mio Euro pro Mensch). Es scheint da draussen ja genügend “Fachleute” zu geben die verstanden haben wo das Problem ist, man fragt sich wieso die nicht zum Zug kommen um diesen Unfug (hier sei auch mal kurz die völlig irre Überproduktion erwähnt auf die er auch eingeht) mal zu beenden. Wenn du noch gute Gründe suchst, bist du bei diesem Buch richtig. Ein weiteres gutes Sachbuch welches umfassend zusammenfasst was das Problem ist. 220 Seiten, Broschur. 17,95 Euro (dolf)

Isbn 978-3828831599

[Trust # 163 Dezember 2013]

February 8th, 2014

Black Tattoo Art 2 – Modern Expressions of the Tribal, Marisa Kakoulas

Posted in bücher by Dolf

Edition Reuss, Postfach 100142, 63701 Aschaffenburg, www.editionreuss.de

BlackTattooArt2

Im ersten Band, der 2011 erschienen ist, gab es folgende Kapitel: Neotribal, Dotwork, Art Brut, Traditional Revival und Thai/Buddhist. In dem zweiten, nun vorliegenden, hat sich das ein wenig geändert: Ornamental/Neotribal, Dotwork, Celtic/Nordic, Abstract/Art Brut und Traditional Revival. Ausserdem ist auch die Liste der internationalen Künstler länger geworden, diesmal sind 75 dabei, u.a. Yann Black, Rob Deur, Goldlox, Jondix. Ansonsten ist alles beim alten, zumindest was die Aufmachung betrifft: mehr als 600 Abbildungen auf fast 450 Seiten im hochwertigen Hardcover-Einband im Grossformat (24,5 x 31,5) mit Fadenbindung.

Die Autorin schreibt eine allgemeine Einleitung und dann zu jedem Kapitel nochmal detailliert, aber immer kompakt und auf den Punkt. Zum Ende gibts wieder eine Liste mit Tattoo-Studios. Und auch diesmal alle Texte in Deutsch und Englisch. Zu sehen gibt es viele faszinierende Tattoos auf hoher Quiltät bezogen auf die Tattoo-Künstlern selbst, sowie den unterschiedlichen Fotografen, sehr detailreich. Ein Trip den sich der Tätowierinteressierte nicht entgehen lassen sollte. Hängengeblieben ist ein Tattoo von Gerhard Wiesbeck auf Seite 91, welches einen klasse 3D Effekt schafft – in diese Richtung geht noch einiges. 98.- Euro (dolf)

Isbn 978-3-943105-21-6

[Trust # 163 Dezember 2013]

 

February 8th, 2014

Basiswissen Eurokrise – Wie sie entstand und was sie für uns bedeutet, Thorsten Edler

Posted in bücher by Dolf

Tectum, Biegenstrasse 4, 35037 Marburg, www.tectum-verlag.de

BasiswissenEurokrise

Wahrscheinlich gehts mir, wie den meisten: Ich kann es nicht mehr hören! (bzw. durch die Medien kommuniziert bekommen) – Inflation, Eurokrise (“Im Grunde genommen müsste man bei der Eurokrise also eigentlich von einer “Staatsschuldenkrise” jeweils einzelner Staaten in Europa sprechen.”), Rettungsschirm, ESM, Fisikalpakt und die vielen anderen Begriffe die ständig präsent sind. Klarheit in diesen Begriffsdschungel bringt das vorliegende Buch (ca. 200 Seiten, Broschur) – glücklicherweise ist es verständlich geschrieben.

Somit erfährt der aufmerksame Leser zwar nichts neues, aber für all jene welche immer noch nicht ganz verstanden haben was da jetzt eigentlich los war, immer noch ist und noch länger bleiben wird, gibt es hier Aufklärung. Der Autor erzählt nochmal ausführlich wie es zur Krise gekommen ist und was die Ursachen waren, erklärt die ganzen Fachbegriffe, stellt viele richtige Fragen und gibt auch einige nachvollziehbare Antworten. Es werden verschiedene Szenarien durchgespielt, Lösungswege, nicht verfolgte Massnahmen und Symptome der Krise.

Edler stellt aber auch noch weitere Fragen und geht darauf ein: Geld – Zahlungsmittel ausser Kontrolle?, Quo Vadis, Banksystem?, Ist ein Euroaustritt denkbar? Zum Ende des Buches schweift der Autor ein wenig ab und beschäftigt sich mit Fragen wie: Brauchen wir überhaupt Europa?, Verändert die Eurokrise die Politik in Europa? – das ist aber halb so schlimm, weil es eben auch zum Thema passt.

Edler bleibt sachlich, auch wenn man merkt das er das alles sehr kritisch sieht und auch verstanden hat wo das Problem liegt – wegen mir hätte er sich gern noch ein wenig deutlicher gegen den ganzen Irrsinn positionieren können, was aber ja auch nicht der Zweck des Buches ist. Schön ist das er weitestgehend auf Zahlen und Statistiken verzichtet, was bei diesem Thema schon was Besonderes ist. Gutes Sachbuch. 17,95 Euro (dolf)

Isbn 978-3-8288-3158-2

[Trust # 163 Dezember 2013]

January 1st, 2014

Pusrad (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Pusrad sind eine relativ neue Hardcore Band aus Schweden. Wobei sie so neu eigentlich gar nicht sind, denn Peter (Schlagzeug) und Packe (Gitarre + Gesang) waren in der identischen Besetzung bereits in den 80ern und frühen 90ern als Raped Teenagers aktiv.

Eine Band mit Trust Vergangenheit, aber mehr dazu im folgenden Interview. Peter beantwortete meine Fragen.

Wie kam es überhaupt zur Gründung von Pusrad? Ihr habt ja die identische Besetzung wie Raped Teenagers. Warum habt ihr euch dafür entschieden, das ganze unter einem anderen Namen laufen zu lassen?

Pusrad ist nach einer Raped Teenagers Reunion im Herbst 2010 entstanden. Packe (Gitarre und Gesang) und ich haben während den Raped Teenagers Proben schnell gemerkt, dass es gut läuft und wir es ruckzuck wieder drauf hatten, schnelle Songs zu spielen. Wir hatten einfach Lust, wieder Hardcore zu machen. Seit dem Ende von Raped Teenagers 1992, hatte keiner von uns mehr in einer Hardcore Band gespielt. Also haben wir im März 2011 angefangen, zu zweit neue Songs zu schreiben. Das funktionierte auf Anhieb super.

Zu einem neuen Bandnamen kam es, weil wir uns einig waren, dass Raped Teenagers nicht wirklich passt. Pusrad sollte etwas Neues sein. Zudem finden wir den Namen Raped Teenagers mittlerweile ziemlich dämlich und wir hätten es langweilig gefunden, unsere alte Band wieder neue aufleben zu lassen. Wir hatten dann beide unabhängig voneinander die Idee, das Ganze Pusrad zu nennen. So ist der Name entstanden.

Was bedeutet Pusrad überhaupt?

Eigentlich gar nichts. Dieses Wort ist entstanden als wir den gleichnamigen Song für unsere erste 7” mit Raped Teenagers geschrieben haben.

In welchen anderen Bands habt ihr neben Raped Teenagers gespielt und seid ihr auch aktuell noch in anderen Bands aktiv?

Wir haben seit 1978 in sehr vielen unterschiedlichen Bands gespielt, wie zum Beispiel No More War, Fight Back, Para System, Herraids, Identity, Allena, Prank, Flakes und einige mehr. Aktuell spielt Packe Schlagzeug bei TV Eye, die gerade ihre Debut 7” veröffentlicht haben.

Die spielen ziemlich guten 77er Punkrock. Ich spiele Schlagzeug in einer Power Pop Band mit dem Namen Vice Versa. Und ich habe noch eine zweite Hardcore Band zusammen mit Leuten anderer schwedischer HC Bands wie Nitad und Regulations.

Hat deine zweite Hardcore Band einem Namen und habt ihr schon etwas veröffentlicht?

Nein die Band hat bisher weder einen Namen noch eine Veröffentlichung. Wir haben gerade vier Songs aufgenommen. Unser erstes Demo müsste hoffentlich im Frühjahr 2013 erscheinen.

Was ist für dich der wesentliche Unterschied zwischen Punk und Hardcore in den 80ern und heute?

Ich glaube wir sind beide nicht gerade dazu geeignet, diese Frage adäquat zu beantworten. Wir sind viel zu alt und haben mit der Szene viel zu wenig zu tun, um wirklich noch eine Ahnung davon zu haben, was heutzutage abgeht. Zumindest versuche ich, gelegentlich mir mit Hilfe von Bandcamp und Soundcloud auch neuere Bands anzuhören. Ich find es für Bands heutzutage auf der einen Seite viel leichter, auf der anderen aber auch schwieriger.

Bei dieser Flut an Bands im Internet ist es wesentlich schwieriger geworden, als Band überhaupt wahrgenommen zu werden. Es ist heute aber wesentlich einfacher, im Ausland zu touren. In den 80ern wäre es für uns undenkbar gewesen, eine US Tour auf die Beine zu stellen. Viele meiner jüngeren Freunde touren jetzt mit ihren Bands problemlos in den USA und in allen anderen möglichen Ländern.

Seid ihr überhaupt noch mit vielen Leuten in Kontakt, die ihr noch aus der Zeit mit Raped Teenagers kennt? War es dadurch einfacher eine neue Band zu starten?

Nein da bestand wenig Kontakt, zumindest was die Leute außerhalb von Schweden betrifft. Über Facebook habe ich in letzter Zeit viele alte Freunde wiedergetroffen, die ich noch von Raped Teenagers her kannte. Und viele davon sind auch immer noch interessiert und in der Musikszene aktiv.

Es mag sein, dass es für uns etwas einfacher war, Aufmerksamkeit zu bekommen, weil wir Ex-Raped Teenagers sind, aber hier in Schweden waren wir niemals eine große Band. Das Interesse an Raped Teenagers ist eigentlich erst während der letzten 10 Jahre aufgekommen.

Nervt es nicht, in jedem Review “Ex-Raped Teenagers” lesen zu müssen?

Nicht wirklich. Wir haben das ja selbst angezettelt und uns als neue Raped Teenagers betitelt, als wir mit Pusrad angefangen haben. Und wir haben uns ja nicht umsonst nach einem Raped Teenagers Song benannt. Gewisserweise führen wir also das fort, womit wir mit Raped Teenagers angefangen haben.

Die Raped Teenagers – I Kräftans Klor Flexi 7” wurde 1988 zusammen mit einer Ausgabe des Trust vertrieben. Hast du noch eine Ahnung, wie das zustande kam?

Unser damaliges Label CBR (Chicken Brain Records) hat den Kontakt hergestellt. An mehr kann ich mich da nicht erinnern.

Ok und kanntet ihr damals irgendwelche der Leute, die fürs Trust geschrieben haben?

So wirklich weiß ich das nicht mehr. Es kann gut sein, dass ich in Kontakt war. Ich habe damals sehr viele Briefe an Leute geschrieben von überall aus der Welt. Ich meine mich erinnern zu können, einige male mit Dolf in Kontakt gewesen zu sein. Ich bin mir aber nicht sicher. Haha, vielleicht kann sich Dolf besser erinnern?

Und welche Erinnerung hast du an das Trust von damals?

Ich fand das Trust damals großartig, denn es war sowas, wie das europäische Gegenstück zu Maximum Rock’n’Roll und Flipside. Das Trust hatte ein super Layout und war immer ziemlich umfangreich. Ich habe es mir damals regelmäßig gekauft, ohne überhaupt ein Wort deutsch zu verstehen.

Spielt ihr überhaupt Konzerte? Gibt es irgendwelche Pläne außerhalb von Schweden zu touren?

Nein da gibt es überhaupt keine Pläne, denn wir sind ja nur zu zweit und fanden es eigentlich auch noch nie sonderlich spannend live zu spielen. Zu proben und regelmäßig Platten zu veröffentlichen reicht uns vollkommen aus. In einer unserer letzten Proben haben wir uns über die Konzerte unterhalten, die wir damals mit Raped Teenagers gespielt haben und es waren echt nur wenige dabei, an die wir eine positive Erinnerung haben.

Haha, eigentlich war das immer ziemlich langweilig. Unsere besten Konzerte waren ein Gig mit Missbrukarna, einer mit Krunch und als wir 1988 auf dem Hultsfreds Festival gespielt haben. Es gab auch einige sehr gute kleinere Konzerte in Holland, als wir dort 1988 auf Tour waren.

In Deutschland zu spielen, war allerdings ziemlich beschissen, haha.
Ich mag ja schon schwedischen Punk und Hardcore, aber in den letzten Jahren hatte ich den Eindruck, dass die meisten schwedischen Bands nur darauf aus sind, eine Musik zu spielen, die gerade besonders angesagt und beliebt ist. Damit meine ich in erster Linie diesen ganzen retro Punk. Regulations waren ja noch gut, aber irgendwann hat es genervt.

Was ist deine Meinung zur aktuellen Szene in Schweden?

Mit dem ganzen angesagten retro Punk gebe ich dir vollkommen Recht. Natürlich sollte jeder die Musik spielen, auf die er Lust hat, aber mich persönlich öden Bands an, die ausschließlich versuchen, irgendetwas zu kopieren, weil sie meinen, dass das gerade angesagt ist. Davon mal abgesehen gibt es aktuell aber durchaus einige Bands, die es schaffen, eigenständig zu klingen und gleichzeitig von alten Bands beeinflusst sind. Mir fällt da sofort Packes Band TV Eye ein.

Die klingen zwar nach altem klassischen Punk, verleihen dem Ganzen aber ihren eigenen Touch. Bäddat För Trubbel and Red Doves sind auch zwei sehr gute aktuelle Bands. Ich habe zwar keinen sonderlich guten Überblick, was es gerade so an brauchbaren Bands gibt, aber gerade, wenn es um Hardcore geht, habe ich hier schon ewig nichts mehr gehört, was ich wirklich gut fand. Henry Fiats Open Sore habe ich sehr gemocht, aber die gibt es ja leider nicht mehr.

Eure Texte sind ja alle auf Schwedisch. Kannst du uns verraten, worüber die handeln?

Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, haha. Im Grunde sind das halt so typische Punk Texte. Ich finde, es hat aber auch ein bisschen was von sehr kurzen Gedichten.

Wird es jemals einen Pusrad Song geben, der länger als eine Minute dauert?

Haha eine sehr gute Frage. Ich bezweifel es sehr. Wenn wir jemals einen haben sollten, ist es Zeit sich aufzulösen. Nein mal ernsthaft: Wir machen uns darüber keine großen Gedanken. Es ist nicht unser Ziel, kurze Lieder zu schreiben. Wir spielen halt einfach die Songs, die wir mögen.

Manchmal packen wir noch einen Part dazu, weil wir denken, dass es Sinn macht, aber in der Regel lassen wir es, denn meistens sind wir uns darüber einig, dass es den Song nicht besser machen würde. Wir fanden es eigentlich immer schon am besten, wenn Hardcore Bands richtig kurze Songs haben.

Eure 12” hätte man bei einer Gesamtspielzeit von 6 Minuten ja eigentlich auch als 7“ veröffentlichen können. Wieso eine 12“ und keine 7“?

Weil wir unbedingt eine 12” machen wollten. Wir waren immer schon große Fans der ersten TSOL 12“ auf Posh Boy und der Black Flag – Jealous Again 12“. Das sind die besten 12“s die jemals erschienen sind und die sind auch nur 6-7 Minuten lang. Das ist einfach eine perfekte Länge, um niemals gelangweilt zu sein und so sollte das bei uns auch sein. The FU’S – Kill For Christ ist auch so ein Klassiker auf 12“, genauso wie die erste Stark Raving Mad 12“.

Gibt es im Vergleich zu euren musikalischen Anfängen als Teenager überhaupt irgendeinen Unterschied, jetzt im Alter von über 40 in einer Hardcore Band zu spielen?

Ich habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht und das einzige was mir dazu einfällt, ist, dass ich mir wünschte, als Teenager auch schon so spielen zu können, wie jetzt. Packe und ich stellen uns oft die Frage, warum wir nicht schon mit Raped Teenagers die Art von Musik gemacht haben, wie wir sie jetzt mit Pusrad spielen, denn das ist genau der Sound, wie es eigentlich schon immer hätte klingen sollen.Was auch sehr angenehm ist: Wir müssen jetzt gar nicht mehr so viel proben, wie damals als wir noch Teenager waren.

“Errare Humanum Est” ist wahrscheinlich der bisher ungewöhnlichste Pusrad Song. Habt ihr noch mehr solche langsamen Songs für die Zukunft geplant?

Ja, auf unserer demnächst erscheinenden 9 Track EP wird es auch einige langsamere Songs geben. Aber das passiert einfach und es ist nichts, was wir in irgendeiner Form planen. Wer weiß? Falls es irgendwann zu viele Bands gibt, die die gleiche Musik machen wie wir, fangen wir vielleicht an, langsame 30 Sekunden Popsongs zu schreiben.

Eure zweite 7” kam ja auf Ken Rock raus. Eine eher ungewöhnliche Veröffentlichung für das Label, das ja eher für klassischen Punkrock steht. Wie kamt ihr mit Stefan in Kontakt?

Ich habe Stefan sofort geschrieben, als wir unsere erste Probe im Jahr 2012 aufgenommen hatten. Ich habe ihn gefragt, ob er Interesse hat, die 5 Songs zu veröffentlichen, die wir aufgenommen hatten. Ihm hat es sehr gefallen und er hatte große Lust die 7” rauszubringen. So kam das zustande

Welche aktuellen Punk/Hardcore Bands findest du gut? Oder stehst du eher auf alten Kram?

Ich finde es heutzutage ziemlich schwierig, sich entweder für aktuelle oder alte Bands zu entscheiden. Ich finde es einerseits erstaunlich, wie viele Bands es aktuell gibt, andererseits gibt es natürlich auch massig alte Bands, die großartig sind. Ich entdecke auch regelmäßig noch alte Bands, von denen ich vorher noch nie was gehört habe. Ich denke tendenziell höre ich mir eher alte Bands an, aber ich versuche schon auch regelmäßig, mich mit neuen Bands zu befassen. Allerdings finde ich da vieles nicht sonderlich gut.

Wenn mich was richtig begeistert, sind es meist die alten Bands, von denen ich vorher noch nie was gehört hatte. Der alte Kram hat einfach diesen ganz speziellen frischen Sound, den es nur gab, als die Art von Musik neu war und den man heute nicht mehr imitieren kann. Es gibt aktuell zwar einige Bands, die gut klingen, aber die sind selten sehr originell, was mich schnell langweilt. Career Suicide finde ich ziemlich großartig. Das Oath waren auch Klasse, genauso wie Failures und viele andere Bands auf Youth Attack Records. Jay Reatard war bisher meine wichtigste musikalische Entdeckung im 21. Jahrhundert.

Interview: Patrick Weidemann

January 1st, 2014

Lion City Hardcore – Overthrown (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

„Network of Friends“, kein anderer Ausdruck bringt eine gewisse weltweite Verbundenheit in Teilen des Punk / Hardcore besser auf den Punkt. Egal, wie weit man sich auch von seinem zu Hause entfernt, man trifft immer wieder Menschen, die ähnlich fühlen, ähnlich denken und mit denen man sich sehr schnell auf grundlegende Gemeinsamkeiten einigen kann. Ann-Christin und ich sind in Singapur und haben keinen Plan von der Stadt, von dem Land, von dem Ort.

Aber über einen gemeinsamen Freund bekomme ich den Kontakt zu Jay. Wir treffen uns nach einem anstrengenden Tag – er Arbeit im Krankenhaus, wir Reisestrapazen und andere Luxusprobleme – abends auf ein Bier. Und was soll ich sagen, wir verstehen uns von der ersten Sekunde an.

Jay ist Gitarrist bei der singapurischen Hardcore-Band Overthrown. Mit ihm in der Band sind Yusof (Schlagzeug), Hotdog (Bass) und Jay’s jüngerer Bruder Ratchy am Gesang. Als wir im Café sitzen, arabische Spezialitäten geniessen und Säfte probieren, kommen wir schnell auf Themen wie die Szenen in Singapur oder Europa. Er erklärt, dass in Singapur fast alles mit Stompin‘ Ground in den 1980ern begann.

Sie gehören zu den Pionieren, die im Jahr 1988 anfingen als eine der ersten Hardcore-Bands in Asien.

Noch heute zählt Jay sie zu den wichtigsten Einflüssen und sie waren auch 1993 auf dem legendären Sampler „Lion City Hardcore Together At Last“ mit neun weiteren, lokalen Hardcore-Bands.

„Wir sind 1994 in die Szene gekommen“, erzählt Jay, „und Overthrown wurde dann 1996 gegründet. Unser Sound war von den bestehenden Bands kaum zu unterscheiden und wir haben sicherlich nicht irgendetwas Neues begonnen. Wir klangen halt wie eine typische 90er Jahre Hardcore-Band, die stark von Madball, Strife und Earth Crisis beeinflusst wurde. Stompin‘ Ground waren zu diesem Zeitpunkt schon eine weit progressivere Band im Vergleich zu ihren Anfängen. Verrücktere Schlagzeug-Rhythmen, mehr Gitarrensoli und groovendere Bassläufe als andere Hardcore-Bands zu der Zeit.“

Stompin‘ Ground haben 2012 ihre Single „We Set The Pace“ wiederveröffentlicht und ich erkenne kaum Parallelen zu dem wuchtigen, direkten Sound von Overthrown. Dieser erinnert tatsächlich stark an Madball.

Wir scherzen etwas, dass ihre Musik definitiv mehr nach New York oder Bosten klingt als nach Washington DC.

„Wir bevorzugen den leicht progressiveren Sound im Vergleich zu den punkigeren 80er Hardcore-Sound“, grinst Jay uns an.

„Dann ist die Frage ja einfach zu beantworten, wenn ihr zwischen Agnostic Front und Minor Threat wählen müsstet“, kontere ich.

„AF, ganz sicher!“

Das merkt man auch auf der aktuellen CD „As it is“, die mit einer Polizei-Sirene und direkt mit einem Gitarrenbrett anfängt.

Aber wir waren bei den Anfängen. Was sind in Singapur Beweggründe eine Band zu starten?

„Wir waren Musikliebhaber und Konzertbesucher. Hardcore war unsere grosse Liebe. Dabei hatten wir am Anfang gar nicht beabsichtigt live zu spielen und eigene Songs zu schreiben. Wir haben es genossen Coversongs zu spielen und nicht ernsthaft über eigene Musik nachgedacht. Die Anfänge waren also eher gemeinsames Jammen.“

Doch die Band wandelte sich und entwickelt sich weiter.

„Bis in die späten 1990er mussten wir mit ansehen, wie viele gute lokale Bands sich auflösten oder in Richtung experimentelle Musik abdrifteten. Hardcore wurde schwieriger musikalisch zu definieren und es wirkte alles irgendwie im Arsch. Für uns war es wichtig diesen alten Hardcore aufrechtzuhalten und nicht irgendeinen Subgenre-Kram, der sich zwar Hardcore nannte, für uns aber nichts damit zu tun hatte.“

Diese Veränderung besingt die Band auch im Song „Reset the Pace“ (Our Last Defense CD), wo es heisst, dass „Hardcore no longer from the heart“ sei und „some even don’t know the roots“.

Welche Veränderungen habt ihr konkret bemerkt?

„Als wir anfingen war Hardcore in Singapur schon recht weit entwickelt. Die Kids haben weltweit ihren Kram bestellt und das war sicherlich die beste Zeit für die lokale Hardcore-Szene. Auf Konzerten waren 300 bis 500 Personen. Alle trugen schon T-Shirts von US-Hardcore Bands.

„Reset the Pace“ wurde erst um 2005 geschrieben. Wir wurden da inspiriert von Stompin‘ Ground’s „We Set the Pace“ EP. Sie haben diese Single gemacht, als Hardcore noch nicht angekommen, noch nicht verankert war. Als wir „Reset the Pace“ veröffentlichten, waren die Ideen und die Identifikation mit Hardcore fast verschwunden. In der Zeit von 2004-2006 boomten Emocore, Screamo und Typen, die sich nur über den Style definierten, aber dennoch sich selbst Hardcore nannten. Hautenge Jeans, Mascara und Frauenhaarschnitte waren die Kernpunkte von dem, was deren Hardcore war. Wir hatten das Gefühl den Kids wieder beizubringen, worum es im „real hardcore“ ging.“

„Was ist denn wahrer Hardcore?“, möchte ich wissen. Hardcore ist definitiv mehr als Style, aber gerade die Emo und später Screamo Ecke haben ja auch z.B. Diskussionen um Geschlechteridentitäten und –rollenbilder in der Szene ermöglicht.

„Wahrer Hardcore bedeutet für mich vor allem die 1990er Zeit, als die Musik und der Lifestyle noch für sich selbst gesprochen haben. Eben von der Strasse kommend. Und ein Image ist nicht der Grund, ein Teil dieser Szene zu sein.“

In all den Jahren haben Overthrown erst zwei Alben veröffentlicht. Das erste in 2008 (Our Last Defense) und das zweite im Jahr 2012 (As It Is).

Dazu kommen noch ein paar Demos und EPs, doch im Vergleich zum Output einer durchschnittlichen Hardcore-Band aus Europa oder den Staaten ist das sehr wenig.

„Das stimmt. Das liegt sicherlich daran, dass wir keine Vollzeit-Band sind und nicht ausgiebig touren. Alle von uns haben Jobs, auf den unsere Priorität liegt. Die braucht es einfach, um hier zu überleben. Und ein anderes Problem ist: viele Leute wissen gar nicht, dass es Hardcore in Südostasien gibt. Wir haben hier eigentlich eine ganz annehmbare und ordentliche Szene und das Aufnehmen von Songs ist eigentlich nie das Problem.“

Die Mitglieder von Overthrown sind Krankenpfleger, Feuerwehrmänner und Facharbeiter.

Jay lacht: „Ja, das ist es, was wir in der Realität tun.“

Wie schwer ist es in einer solchen Konstellation – Familie und Freunde kommen zu den Berufen noch hinzu – auf Tour zu gehen?

Jay wiegelt ab und lässt das nicht als Entschuldigung durchgehen. „Es ist natürlich schwieriger mit Vollzeit-Jobs auf Tour zu gehen, aber es ist möglich, solange man die Leidenschaft dafür hat. Klar können wir nicht das ganze Jahr über touren. Das Maximum sind 14-Tage am Stück oder Wochenendshows. Aber das reicht voll und ganz. Viele grossartige Hardcore-Bands aus der Region können nicht einmal das tun. Die meisten spielen nur Shows in der Heimat und gehen alle Jubeljahre mal für eine handvoll Konzerte in ein Nachbarland.“

Trotz dieser Schwierigkeiten haben sich die Jungs dennoch im Jahr 2012 einen Traum erfüllt und auf einem anderen Kontinent getourt. Aus den Philippinen bin ich eher gewohnt, dass die Leute sehr gerne in den USA spielen würden, doch Overthrown waren in Europa unterwegs und spielen in 2013 gleich noch mal hier.

Warum Europa und nicht die USA?

„Wir müssen auf jeden Fall noch mal in den USA spielen. Aber den Ausschlag für Europa gab, dass viele unserer europäischen Freunde erzählten, dass sie bei ihren Touren in den USA das Gefühl hatten, die Kids dort kümmern sich wenig um ausländische Bands, während in Europa Bands von überall willkommen geheissen werden. Egal ob gross oder klein, das Level des Interesses eine Band mal auszuchecken ist in Europa definitiv höher. Der Hauptgrund nach Europa zu kommen war allerdings, dass wir dort sehr viele Freunde haben. So war es viel einfacher.“

„Wie waren denn Eure Impressionen von der Europa-Tour?“

Jay erzählt, dass er anfangs skeptisch war, wie die Kids reagieren würden. Viele Freunde hatten ihm erzählt, dass die Konzertgänger/innen in Europa sehr reserviert auf Bands reagieren. Overthrown hingegen hatten Bilder aus Youtube-Videos vor Augen, die riesige Moshpits und wildes Publikum zeigen.

Die Wahrheit lag dann irgendwo dazwischen, doch sie waren sehr zufrieden.

„Bei unseren Konzerten war eigentlich immer was los und die Kids haben getanzt“, sagt er uns.

Aber der Hauptunterschied sei vor allem die Grösse der Szene. Sogar in kleinen Orten in der Schweiz oder in Osteuropa seien immer viele Leute gekommen. In den Niederlanden haben sie sogar mit Negative Approach spielen können und bekamen ein sehr gutes Feedback von den Besucher/innen.

In Indonesien oder in den Philippinen ist die Insellage ein grosses Problem für Bands, die touren wollen. Nur wenige schaffen es im eigenen Land zu touren, von Konzerten in Nachbarländern erst gar nicht zu sprechen, weil immer Flüge gebucht werden müssen. Von Singapur kommt man über eine Brücke mit dem Bus nach Malaysia, mit Fliegern oder Booten nach Indonesien.

Zudem ist das Einkommen in dem Stadtstaat durchschnittlich höher, vergleichbar mit europäischen Staaten wie Deutschland oder Frankreich.

Jay nickt: „Wir spielen sehr häufig in Südostasien für Wochenendshows. Es ist viel einfacher, da die Ziele nicht weit und die Reisekosten viel geringer sind. Wir müssen allerdings noch nach China und in die Philippinen, aber das werden wir in Kürze nachholen. Für Japan und Korea sehe ich da keine Chancen, haha.“

Warum nicht auch nach Japan und Korea, möchte ich wissen, schliesslich hat der furchtbar-schmalzige K-Pop, also koreanischer Pop, doch Singapur und Länder wie Thailand und die Philippinen schon längst eingenommen:

„Wir sind einfach keine Amerikaner!“

In vielen asiatischen Ländern ist ein Prinzip wichtig, nie das Gesicht zu verlieren. Für Berliner-Schnodderfressen, unfreundliche Westfalen, meckernde Schwaben oder stoische Ostfriesen mag das irritierend wirken, doch diese Art vorsichtig (wenn überhaupt) Kritik zu üben, ist verbreitet und man merkt das auch in der Punk-/Hardcore-Szene. Solange niemand das Gesicht verliert, begegnet man dem/der anderen immer mit einem Minimum an Respekt.

Wobei es ja auch unter den Trust-Leser/innen einige Zartbesaitete gibt, die sich über Reviews oder Interviewfragen aufregen sollen. Nichtsdestotrotz, politische Kritik wird häufig eher vage formuliert.

Wie sieht es mit den Texten von Overthrown aus, welche Bedeutung haben sie in diesem Kontext?

„Hardcore bedeutet für mich, das Auszusprechen, was in meinen Gedanken kreist. Und auch, dass man Meinungen sagt, die andere vielleicht nicht aussprechen. Aber es stimmt auch, dass Personen in der Szene sehr sensibel reagieren können, vor allem wenn es um interne Dinge geht. Hingegen sind uns politische Texte sehr wichtig. Sie können jemanden sehr positiv beeinflussen.

Die meisten Menschen bilden sich ja nicht notwendigerweise mehr in Schulen, mit Fernsehern, Büchern, Radios oder Zeitungen weiter, weil im Mainstream nicht unbedingt die Wahrheit über politische Angelegenheiten wiedergegeben wird. Punks haben dadurch manchmal mehr Wissen und bessere Ansichten als Politiker. Also, manchmal findet sich die Wahrheit in Hardcore / Punk Musik.“

Ein wenig muss ich schmunzeln. Von wem ist noch mal das Zitat, dass sich die Wahrheit auf dem Boden eines Bierglases finden lässt?

Singapur ist – wenn man es mit Ländern wie Indonesien, den USA oder auch Deutschland vergleicht – relativ klein. Es scheint, als kenne jeder jeden. Als wir mit Jay durch die Stadt gehen, bleibt er einige Male stehen und grüsst Personen. Das erinnert mich immer an die Zeit in Münster. Jay erzählt uns die Anekdote, wie eine Exfreundin sich mal bei ihm darüber beschwert habe, dass er so viele Leute kennen würde.

Das hätte sie irgendwie genervt. Doch es ist nicht nur die kleine Szene, oder vielleicht auch nur ein paar Zufälle auf der Strasse, denn auf der anderen Seite besitzt Singapur viele verschiedene Subszenen, sei es eine lebendige Skinhead-Kultur, die sich auf die britischen Wurzeln Ende der 1970er beruft, eine Skater-Szene, eine Hardcore-Szene etc.

Wie ist es in so einer Stadt zu leben?

„Singapur ist wirklich das kleinste Land der Welt, hahaha. Daraus zu schliessen, dass wir die winzigste Szene der Welt haben, ist auch richtig. Aber wenn man mal von der Grösse absieht, haben wir viele Bands, denn fast jede/r im Mosh-Pit spielt in einer eigenen Band. Die Kids hier haben sich weiterentwickelt. Leider bleiben viele von ihnen nicht länger als zwei oder drei Jahre in der Szene. Dadurch siehst du halt immer wieder neue Gesichter, aber uns stört das nicht, denn es hält die Szene auch lebendig.

Im Moment gibt es viele grossartige alte Bands wie The Jabs, Obscure, Bloody Rejects, Gen69, The Bois, Cesspit, FullPledge Munkees, Rancour, Plainsunset, Ossuary, aber auch neue Bands wie Straight Forward, Collide, Reverse, Tipping Point, 2FOLD, Avanlanche, A Town In Fear, um nur ein paar zu nennen. Alle erwähnten Bands spielen Hardcore, Punk, Oi, Ska oder Metal/Screamo.“

„Wenn wir schon mal bei Singapur sind, was würdest du über die Stadt sagen?“

Jay lacht: „Singapore is a FINE city! „Fine“ steht dabei für beide Bedeutungen des Wortes. Du kannst bestraft werden (get a fine) für Spucken, Kaugummi kauen, Müll wegwerfen und es wartet sogar die Todesstrafe auf Drogenhandel. Es gibt sogar noch die Prügelstrafe für Vandalismus.“

Er berichtet darüber, dass in dem Land immer noch die Prügelstrafe aktiv ist und was es heisst, sie zu bekommen. Denn die Peitschenhiebe, die man erhält, sind nicht einfach wegzustecken. Viele werden schon nach einem oder zwei Schlägen ohnmächtig vor Schmerz.

Mit einem gewissen Respekt erzählt er von einem Skinhead, der über zehn Schläge ohne Pause über sich hat ergehen lassen und dadurch zu einer Art Szene-Held wurde, dem nun alle mit Respekt begegnen.

„Dennoch, wenn man alles zusammennimmt ist es hier nicht so schlecht. Wir leben hier in einem der fortschrittlichsten Länder der Welt und auf jeden Fall in einem der saubersten. Jede/r spricht hier Englisch. Die Gesetze sind hier sehr hart, aber es macht das Land auch nett und vor allem sicherer.“

Eine sehr realistische Einschätzung.

Und die guten Seiten?

„Das wichtigste hier ist Geld, Freunde und Familie. Die besten drei Plätze Sentosa Island, Clarke Quay und die Orchard Road rund um das Rathaus.“

Als würde ihn Familie, Freunde, Overthrown und der Job als Krankenpfleger nicht genug auslasten, hat Jay Reconstrux Booking gegründet und organisiert Shows von Bands aus dem Ausland, die nach Singapur kommen. Darunter auch Acts wie Comeback Kid, No Turning Back, Sick Of It All oder Youth of Today.

Er finanziert diese Shows, die meistens Verlustgeschäfte sind, mit Konzerten von Muse oder anderen Indie-Bands, die er ebenfalls in den Stadtstaat holt. Wie ist die Unterstützung in der Szene? Das klingt doch super, oder gibt es Neider?

„Die Leute, die wissen wie Dinge funktionieren, geben ihre Unterstützung und finden nicht, dass es Sellout ist. Leute, die glauben, dass ich Geld mit den Hardcore-Shows mache, denken das Gegenteil. Einige von denen boykottieren die Shows und schreiben Stuss im Internet. Mich interessiert das relativ wenig, denn ich weiss was ich tue und solange ich die Eintrittspreise niedrig halte, denke ich, ich tue das Richtige. Einige der Leute vergleichen die Ticketpreise dann mit lokalen DIY/Punk/Crust-Shows, die natürlich nur den halben Preis nehmen müssen.

So ignorant können Menschen halt sein. Ich denke, Bands die auf Tour kommen verdienen einen ordentlichen Laden, eine Backline, Pennplätze und vernünftigen Transport. Leute, die noch nie auf Tour waren, können das nicht zu schätzen wissen. Wenn Bands danach fragen, heisst es nicht unbedingt, dass sie Rockstars sind. Diese Bands sind einmal um den Erdball gereist und man kann nicht verlangen, dass sie ihren Standard komplett aufgeben. So ist es offensichtlich, dass Ticketpreise höher sein müssen als bei regulären Shows mit lokalen Bands, da wir immer noch zusehen müssen, zumindest den Break-Even zu erlangen und mit plus minus null rauszukommen.

Auf dieser Art und Weise fühlen die Bands die Wertschätzung und die Leute auf der Show erfahren eine gute Atmosphäre. Ich würde mich schämen, wenn die Bands zurück in ihre Länder reisen und diese Szene nur mit negativen Erlebnissen in Verbindung bringen. Ich meine, sie teilen die Erfahrungen mit ihren Familien und Freunden zu Hause. Für mich gut, denn die Bands, die ich organisiert habe, sind immer zufrieden und erzählen Gutes über ihre Erlebnisse. Wenn es anders wäre, würde ich nicht so häufig Shows organisieren.“

Erst später ergänzt er, dass es natürlich auch bei den Bands Unterschiede gibt. Zum Beispiel fände er es merkwürdig, wenn Bands in Singapur nicht das lokale Essen probieren, sondern lieber zu den landesüblichen Fastfood-Ketten gehen. Oder sich darüber wundern, was es in den singapurischen Seven-Eleven-Shops an Produkten gibt. Dennoch, im Grossen und Ganzen seien seine Erfahrung durchweg positiv. Dazu passt, dass auf dem letzten Album „As it is“ viele Gastsänger zu Wort kommen.

Wie seid ihr in den Kontakt gekommen? Wie war es für euch ein Album aufzunehmen mit so vielen Bekannten der internationalen Hardcore-Szene, wie Death Before Dishonor, Restraint, Straight Forward, Shortfuse, No Turning Back, Down to Nothing oder Ling Ly Chee?“

„Einige waren für die CD geplant, andere eher zufällig. Während unseres Aufnahmeprozesses spielten einige der Bands hier und so haben wir sie einfach mal nach Gastgesang angefragt. Sie haben cool reagiert und wir haben sie die Tracks einspielen lassen, während sie hier für ihre Shows waren. Andere wiederum nahmen sie in ihrer Heimat auf und haben uns die Tonspuren per Email geschickt. Für uns ist es eine Ehre sie auf der CD zu haben und es beweist für mich auch die wahre Existenz des weltweiten Hardcore-Netzwerks.“

Schöne Schlussworte! Nach zwei netten Abenden, die wir in unterschiedlichen Locations herum gehangen und gequatscht haben, fuhren Ann und ich im Anschluss weiter nach Malaysia.

Overthrown werde ich auf jeden Fall im Sommer 2013 sehen. Wer mehr über den singapurischen Teil des Hardcore-Netzwerkes wissen will, kann sich direkt an die Band wenden: overthrown@gmail.com

Mika Reckordt

 

January 1st, 2014

THE DROPOUT PATROL (Eine Art Liebeserklärung) (#159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Es ist gewissermassen unfair, The Dropout Patrol hervorzuheben, hat deren Sängerin und Gitarristin Jana Sotzko doch auch noch dieselbe Rolle bei PETE THE PIRATE SQUID und die der Schlagzeugerin (ebenfalls inklusive Gesang) bei EX BEST FRIENDS – drei Bands, die ich aus jeweils unterschiedlichen Gründen für grossartig und, was vielleicht noch wichtiger ist, aussergewöhnlich halte.

Dennoch scheint es gerechtfertigt, dieses Projekt von ihr in den Vordergrund zu stellen, da es als Soloprojekt begann und somit wohl vordergründig mehr mit ihr zusammenhängt als die anderen beiden Bands, bei denen ich es noch ungerechter empfunden hätte die restlichen Mitglieder nicht zu Wort kommen zu lassen. Nennen wir es darum einfach provisorisch: Aus der Reihe: Menschen die in (zu?) vielen Bands spielen. Heute: Jana von Pete The Pirate Squid / Dropout Patrol / Ex Best Friends.

Kennengelernt habe ich Jana vor 7 Jahren in München bei einem Konzert von Pete The Pirate Squid, die mich wie selten eine Band begeistern konnten mit ihrem leicht verschrobenem aber niemals nervigem Frickel-Post-HC-Emo-Experimental-Screamo-Genius. Aber nicht nur musikalisch sondern auch von ihrem Auftreten auf der Bühne war mir diese Band vom ersten Wirbelwind-Schlagzeug-Beat bis zum letzten Fast-Sprechgesang und allen voraus diese gleichzeitig mutig und schüchtern wirkende (Anti-)Frontfrau, mit der ich mich in diesem Moment beschloss anzufreunden. Glücklicherweise hat das auch geklappt und ich konnte diese Band sehr bald und auch oft in rosa Häschenkostümen nach Bonn einladen und mit Jana die Nächte durchquatschen und sie sogar mal in Dresden besuchen.

Es verschlug sie dann allerdings wie so viele Menschen nach Berlin, was aber im Gegensatz zu diesen vielen anderen Menschen auch ihre Herkunftsstadt ist und gleichzeitig verschlug es dorthin meine alte Bekannte Anette, ihres Zeichens ehemaliges Mitglied der legendären xStörenfriedax, der wohl einzigen deutschen all-girl-vegan-straightedge-hardcore-Band, die es jemals gab, sowie meine eigene Band Blockshot, letztere allerdings nur für ein Konzert. Dort begegneten sich also die beiden und wir machten Witze, wie es wohl sein würde eine Band zusammen zu gründen. Wenige Zeit später entstanden dann Ex Best Friends, zwar ohne mich, aber mit dem besten DIY-Riot-Grrl-Spirit. Es rumpelte mehr als bei PTPS und das Idiom wurde auch teilweise von Englisch auf Deutsch gewechselt und es war ein Fest.

Absurderweise lernte ich The Dropout Patrol dann als letztes kennen, obwohl sie chronologisch gesehen die älteste der drei Bands sind. Ich bin geneigt die Musik als ruhig zu bezeichnen, aber eigentlich stimmt das nicht, denn sie wühlen mich viel mehr auf als die Obengenannten. Durch die melancholischen Untertöne, die zeitweise Stille und die poetischen Texte bestechen TDP durch ihre fast unglaubwürdige Authentizität und, wenn das möglich ist, finde ich Jana noch toller seitdem ich diese Band live gesehen habe, als ich es eh schon tat. Nun aber genug von mir und mehr von ihr.

Jana, du wohnst in Berlin, der grössten Stadt Deutschlands. Mensch könnte also meinen, dass dort nicht alle Bands sich aus Mitgliedern wieder anderer Bands zusammensetzen, weil die Szene doch nur aus 20 Personen besteht. Wie ist deine Einschätzung dazu? Ist auch die Grossstadt-Szene ein Dorf (vielleicht auch im Vergleich zu der Zeit, die du in Dresden ansässig warst)?

Auf Dauer mag schon der Eindruck entstehen, dass einem immer dieselben Personen musikalisch sozusagen über den Weg laufen. Ich glaube aber eher, dass das mit einem Nebeneinander von vielen kleinen Szenen zu tun hat und es leider nicht immer viele Überschneidungen gibt. Sobald man sich mal aus den gewohnten Strukturen herausbewegt, ist eigentlich nicht zu übersehen, wieviele spannende Sachen hier musikalisch passieren.

Hinzu kommt so ein gewisses unstetes Moment – es ziehen eben immer wieder Leute her und auch wieder weg, was auch nicht unbedingt an Dorfstrukturen erinnert. Dresden kann ich da gar nicht so richtig als Vergleich heranziehen – obwohl ich 4 Jahre da gewohnt habe, hatte ich nie so recht einen Anschluss an eine konkrete Szene.

Ex Best Friends ist eine All-*Girl*-Band, Pete The Pirate Squid und Dropout Patrol jeweils gemischt, war es eine Art langes Ziel von Dir in einem reinen *Frauen*projekt zu spielen, oder ist Dir das Geschlecht von Musiker_innen egal?

Ist der Songwriting-Prozess z.B. je nach Band unterschiedlich, werdet ihr anders wahrgenommen/behandelt vom Publikum, Tontechinker_innen, Veranstalter_innen, etc.?

Grundsätzlich ist mir ist das Geschlecht von Musiker_innen egal. Im Rahmen von Ex Best Friends ist es aber für mich schon spannend, mit Klischees und Vorbehalten zu spielen und nicht zuletzt auch ein bisschen den Hut zu ziehen vor den All-Girl-Bands und grossartigen Musikerinnen, die mich beeinflusst haben. Abgesehen davon mache ich einfach gerne mit den beiden Musik und bin froh, dass mich jemand am Schlagzeug rumpeln lässt. Es ist super, laut und aggressiv zu spielen und eben nicht nach putziger Mädchenband zu klingen.

Das Songwriting variiert von Band zu Band – das hat weniger mit dem Geschlecht als mit Gruppendynamik und individuellen Arbeitsweisen zu tun. Unterschiede in Behandlung und Wahrnehmung stelle ich wirklich vor allem im Live-Kontext fest. Aber natürlich hängt das auch hier damit zusammen, dass wir z.B. mit EBF v.a. von queerfeministischen Veranstalter_innen angefragt werden. „Ausziehen“ ruft da halt dankenswerterweise niemand, während das bei Pete schon passiert ist.

Du hast auch Sound Art studiert. Macht sich das gefühlt bemerkbar bei deiner Herangehensweise an’s Musikmachen oder ist das eine ganz andere, künstlerische/nicht-Band Schiene?

Es erweitert auf jeden Fall den musikalischen Horizont, sich mit Geräuschen und dem Klang an sich zu befassen, finde ich. Bei meinen Bands bringe ich aber nichts davon ein, das wäre eine irgendwie erzwungene Verbindung. Seit einigen Monaten mache ich bei einem losen Experimentalprojekt mit, bei dem ich mich in dieser Richtung komplett austoben kann: keine Songstrukturen, keine feste Instrumentierung und im Mittelpunkt stehen Klang und Improvisation – das ist auf jeden Fall ein guter Gegenpol.

Dropout Patrol haben ja einen Plattenvertrag mit Exotic Fever. Ist das eher so ein symbolischer Freundschaftsakt zwischen Dir und Katy oder wirkt sich das tatsächlich auf euren “Marktwert” in den USA aus?

Das hat viel mit meiner Freundschaft mit Katy Otto zu tun, klar. Wir sassen im Auto, sie meinte, ich soll doch mal was von Dropout Patrol vorspielen – und dann haben wir 2 Demosongs gehört und sie war irgendwie…ergriffen. Wie Menschen auf Autofahrten eben so sind. Dass sie dann angeboten hat, die Platte mit herauszubringen (ohne Vertrag übrigens) war ein Glücksfall für uns. Ich glaube nicht, dass die in den USA überhaupt wahrgenommen wird, dafür müssten wir schon dort touren. Ich habe neulich eine nach Kanada geschickt, da war ich schon erfreut, haha.

Aber im Ernst, es fühlt sich toll an, auf Exotic Fever zu sein, weil ich nicht nur Katy schätze, sondern eben auch das Label mochte, seit ich das erste Mal das 1905-Album gehört habe. Zudem haben Altin Village & Mine und Exotic Fever schon wegen Distrokram zusammengearbeitet – ein gemeinsames Release war dann einfach eine schöne Weiterentwicklung.

Weisst du immer schon im Vorhinein für wen du den nächsten Song schreiben wirst, oder werden die je nach Stimmung/Ergebnis/Idee bei Bands einsortiert? Gibt es da auch Konflikte/Konkurrenz (z.B. wer jetzt wann tourt, probt, aufnimmt etc.?)

Das war jahrelang immer eindeutig, aber wird gerade zu einem Problem. Ich schreibe ja für Pete und Dropout immer alle Texte…und hab nun auch nicht so viel zu sagen. Und auch Gitarrenparts z.B. sind in ihrer Grundform meist für beide Bands denkbar, wiewohl sich dann schon immer fix herauskristallisiert, ob das eher für die eine oder andere Band geeignet ist.

Bei Ex Best Friends schreiben wir Gott sei Dank alle Texte gemeinsam, und es gibt keine musikalischen Konflikte, weil ich eh Drums spiele. Und ja, auch zeitlich entstehen Probleme. Momentan ist für mich Dropout Patrol oberste Priorität, worunter leider die anderen Bands leiden müssen.

Du machst ja auch Musik mit ehemaligen Intimpartnern, macht das die Sache einfacher auf Grund einer Vertrauensbasis oder schwieriger auf Grund Minenfelder/Fettnäpfchen?

Sowohl als auch. Im besten Fall finde ich es schön, etwas gemeinsam zu machen, was persönliche Konflikte überdauert und die Gründe für das Scheitern einer Partnerschaft komplett ausklammert.

Diese Trennung Alltag/ Musikmachen ist nicht immer ganz leicht – was dann wiederum die Kehrseite ist. Wenn es innerhalb von Bands zu Spannungen kommt (und das passiert natürlich) warten da einfach Fettnäpfe auf Schritt und Tritt. Communication is key, wird mir da immer mal wieder geraten.

Die Geschichte will es, dass Dropout Patrol in gewisser Weise immer noch als dein Soloprojekt gehandelt wird, wie ist das für deine Mitmusiker_innen, fühlen die sich als austauschbares Beiwerk oder ist die Kollaboration die Öffnung zu deiner eigenen Seele (oder was dazwischen?)

Das frage ich mich auch. Leider steht das mit dem alten Soloprojekt im Promotext für die Platte, wir müssen da unbedingt mal drauf verzichten. Ist ja eigentlich auch eine hübsche Entstehungsgeschichte – nur irgendwann wäre es schon schön, als Band wahrgenommen zu werden.

Die aktuelle Besetzung ist ja schon eine Weile dieselbe und ich mag eigentlich nicht den Eindruck erwecken, die wäre so einfach auswechselbar. Auf der anderen Seite bleibt die Dropout-Kiste eine sehr persönliche. Ich mag es nicht, im Vordergrund zu stehen, aber das Album ist schon..naja..viel von mir, allein schon wegen der Texte. Musikalisch ist die Kollaboration unbedingt eine Öffnung und eine Bereicherung!

Ruhigere Bands haben es ja oft schwerer auf Konzerten die Aufmerksamkeit durchgängig auf sich zu ziehen und auch die eigene Spannung auszuhalten. Hast du das Gefühl du bist persönlich mehr getroffen, wenn dieses Projekt kritisiert wird, oder ist die Involviertheit bei allen drei Bands gleich?

Nein, das tut bei Dropout Patrol schon mehr weh, weil man sich so aufdröseln muss live. Es ist sehr verunsichernd, da eine ruhige Stelle zu spielen und parallel Gespräche aus dem Publikum mitzuhören. Ich bin nicht in der Lage, wie ich es z.B. bei Des Ark erlebt habe, Respekt einzufordern und die Leute zu bitten, einfach mal 3 Minuten nicht laut quatschen zu müssen…aber es schockiert mich schon manchmal. Ich würde auch selbst bei einem Konzertbesuch nicht auf die Idee kommen, mich auf den Bühnenrand zu setzen und zu diskutieren, wie mein Tag so war, während sich da jemand bemüht, ok zu spielen.

Mit Pete The Pirate Squid wart ihr ja jetzt auch in Asien. Wie hast du das erlebt, haben die Leute Zugang zu eurer Musik gefunden, was habt ihr selbst an Erkenntnissen und Erfahrungen bezüglich des z.B. Kulturbegriffs mitgenommen?

Die Tour war eine sehr intensive Erfahrung, und die Konzerte haben wahnsinnig viel Spass gemacht. Ich kann nur für mich sprechen – für mich war es in vielerlei Hinsicht erkenntnisreich. Ich war nie vorher in Asien, nie auf Tour in einem muslimischen Land und zudem einigermassen ahnungslos über die lokale Szene (lustigerweise war der BLOCKSHOT-Tourbericht eine meiner wenigen Quellen vorab).

Die Intensität der Shows und der Kontakt zu den Leuten vor Ort hat mich dann im Rückblick ziemlich ignorant fühlen lassen..es ist schon komisch, irgendwo in Malaysia mit 10 Bands an einem Abend zu spielen, von denen man nie vorher gehört hat, und dann kommt jemand und sagt „Hey, ich mag eure Split mit Soundso, und kennt ihr eigentliche meine Lieblingsband PTTRNS?“ – Die Frage mit dem Kulturbegriff verstehe ich nicht ganz…was meinst du damit?

Also was ich mit Kultur meinte – ein bisschen hast du das schon beantwortet – das eine geht so in die Richtung, dass immer davon ausgegangen wird, dass bestimmte Regionen eher exportieren und manche eher importieren und dann quasi in Asien vielleicht erwartet wird, dass die ganz anders klingen, oder wenn sie dann doch so klingen als Orientierung an “den Westen” wahrgenommen wird.

Der andere Teil meiner Überlegung wäre halt so in Richtung, zeigen sich an solchen Erfahrungen, also spontane durch Musik ausgelöste oder entstandene Verbindungen, dass es so was wie den Menschen an sich gibt, der z.B. Wut oder andere Stimmungen transportiert die nicht durch eine bestimmte Kultur geprägt sind, sondern universeller. Ist das klarer?

Irgendwie ist das ja auch der Punkt bei Punk/ HC: Die musikalischen Mittel sind dieselben, die Inspirationen, die Szenecodes und die Intensität der Emotionen. Insofern war der Zugang zu unserer Musik genauso leicht oder schwer wie einem Konzert in London oder Chemnitz – die Emotionen sind universal, wenn man sich darauf einlässt. Was mich beeindruckt hat, waren der Enthusiasmus und der Wille, eine Subkultur und freie Räume unter widrigen Umständen zu etablieren.

Manchmal fällt es mir ein bisschen schwer, über diese Tour zu erzählen, weil mir schon bewusst ist, dass alles von diesem weissen europäischen Blickwinkel geprägt ist, und wir im Grunde nur Touristen mit Gitarren waren, die mit grossen Augen von Show zu Show gestolpert sind. Für mich persönlich habe ich viel mitgenommen, und ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass wir das machen konnten.

Mit dem Hype um’s Nerdsein (z.b sowas wie Big Bang Theory) läuft der_die Nerd_in (also du und ich) schon Gefahr ungewollt Hipster zu sein?

Ja, vermutlich. Wiewohl mir das irgendwie egal ist: ich finde diese inflationäre Benutzung von „Hipster“ als Schimpfwort schlimm. Ich gehöre dann lieber zu den Geschmähten, als zu denen, die mit der abwertenden Verwendung des Begriffs ihre Homophobie, ihren Konservatismus, ihr Bedürfnis nach praktischen Schubladen für Leute oder was immer offenbaren. Und wenn mein Musik- oder Filmgeschmack oder meine Brille oder dein Jutebeutel für so ein Etikett reichen…dann bin ich von mir aus auch Hipster.

Aber klar ist es komplexer: als ich z.B. vor kurzem dieses Buch von Marc Greif gelesen habe, dachte ich immer: „Oh nee, aber diese Art von Hipster bin ich doch nicht, oder? Diese konsumgeilen Kids, die jeden Trend mitmachen und ganze Stadtteile zerstören? Neeeeiiiin!“ Soll heissen, die Kritik, die da immer mitschwingt, auch wenn man anfängt über Verdrängung und Kapitalismus zu reden, kann ich nachvollziehen und finde ich auch wichtig.

Wie involviert bist du beim Ruby Tuesday Music Camp und wie sieht die Zukunft aus? Habt ihr die Vision einer konstanten Etablierung so wie in den USA und vielleicht auch einer Mainstreamisierung, z.B. das Juidth Holofernes oder Annette Humpe mitmacht oder so? Wen erreicht das Camp und wen will es vielleicht noch erreichen (z.B. bezüglich Diversität)?

In den ersten beiden Jahren des Ruby Tuesday Camps war ich sowohl bei der Vorbereitung als auch beim Camp selbst involviert. Danach habe ich mich davon zurückgezogen und beobachte das aus der Ferne bzw. frage ab und an aus Interesse nach, wohin es so geht.

Meine Beobachtung ist, dass sich die Teamer_innen einer Mainstreamisierung bewusst verwehren und – ganz im Gegenteil – den Fokus klarer bestimmen, sowohl was die Zielgruppe (seit 2011 werden auch trans*- und intergeschlechtliche* Jugendliche angesprochen, statt nur von „Rockcamp für Mädchen“ zu sprechen) als auch die musikalische Ausrichtung angeht (das Camp trägt mittlerweile auch Hip Hop im Namen).

Alva Dittrich

 

January 1st, 2014

“Ihr merkt, dass ihr alt und dick werdet? 
Fahrt mehr Skateboard.” (# 159, 04-2013)

Posted in interview by jörg

Interview mit den Veranstaltern der ENDLEss GRIND SKATEBOARD Session

Der Endless Grind ist eine old-school-Skateboard-Party-Session, die seit 16 Jahren in Bremen draussen vor dem Gelände des Kulturzentrums Schlachthof stattfindet. Einst von Carsten Blurr in Neuss mit Pascal gegründet, wechselte man nach Bremen. Dort wird der Contest organisiert von Pascal vom Düsseldorfer Endless Grind Videozine und Bettina vom Schlachthof.

Der Endless Grind ist einfach wunderschön: junge und alte Freunde des Rollbrettsportes skaten den lieben langen Tag in verschiedenen Wettbewerben wie Street, Weit- und Hochsprung und Pool. Dort spielen oft Bands, 2012 zum Beispiel das grossartige Bremer Ukulele Orchester, die Surf-Klassiker coverten. Es gibt vier „Judges” (u.a. 2012 der neue Ami-Gitarrist von Tocotronic, Rick McPhail), es gibt einen Moderator (Wolfgang „Wolfgangster“), es gibt was leckeres zu essen, es läuft Punk-Musik via Vinyl-DJs, es gibt eiskaltes Bier, was braucht man mehr?! Am Ende werden die Sieger in den jeweiligen Disziplinen geehrt. Und im Anschluss ist meistens Konzert und oder Party.

2012 war überraschenderweise ein gewisser Mike Vallely anwesend. Da ich mich eher für Skaten in Verbindung mit dem Core interessierte, liess ich mich gerne aufklären, dass das einer der konsequentesten Skater im Old School Bereich ist. Er war auf Deutschland-Tour mit seiner neuen Skatefirma Elephant Brand und auf der Fashion Week in Berlin (Bright im Rahmen der Bread and Butter) und mit Neal Hendrix und Jason „the Kid“ Adams in Hamburg bei Richie Löffler. Dieser macht wiederum den deutschen Vertrieb für Elephant Brand und so ist Mike mit Richie zum Endless Grind 2012 gefahren. Für den übernächsten Tag war eine Skate-Demo (d.h. Show fahren) in Oldenburg geplant.

Auf jeden Fall, Mike V. war da und scheisse, ja, das ist eben auch der Typ, der bei Mike V and the Rats singt, die kalifornische Punkband, die als Backing Band bei der Black Flag Reunion 2003 fungierte. Mike sang dort die komplette “My War” Scheibe. Es war sehr geil, ihn bei dem Endless Grind skaten zu sehen: er fuhr im Pool und übersprang das Auto auf dem Streetgelände drei Mal extrem lässig.

Im Schatten der Hip-Quarter setzte ich mich mit Pascal und Bettina zusammen. Schaut mal vorbei, es lohnt sich! Der nächste Endless Grind findet am 29.6.2013 statt. Alle Infos, Merch und eigene EG-Skateboards gibt es bei endlessgrind punkt eu und in guten Skateshops. Werbung aus, Gespräch an.

Hallo Bettina und Pascal, willkommen zum Interview. Der Endless Grind (EG) hat nichts mit Grindcore zu tun und ist auch kein Schuh, wie ich es im Internet gelesen hatte. Woher kommt der Name, setzt der sich zusammen aus (dem Film) „Endless Summer“ und dem Skategrind?

Pascal (P): Der Name stammt aus alten Skateboard-Magazinen, ich glaube, so hiess auch ein alter Skate-Handel. Wir haben ja mit den Blurr-Konzerten im Geschwister-Scholl-Haus in Neuss in den 90er angefangen, da stand eine Minirampe davor und wir wollten skaten und Punkrock an einem Nachmittag verbinden. Carsten meinte zu mir „mach doch mal“, dann müsse er nicht alles machen, so kam das dann. Ich habe einen Namen gesucht, kopierte alles mögliche zusammen für die Poster, blätterte in alten Heften und fand dann eine gute Bezeichnung.

Was bedeutet eigentlich der Grind beim Skaten?

P: Ach klar, ihr seid ja nur ein Punk Fanzine, ihr habt ja keine Ahnung vom skaten…

Ha ha, im Skate-Core schon…

Bettina (B): Ha ha!

P: Ein Grind ist einfach das rutschen auf den Achsen, du springst auf Stein oder Metall drauf, man rutscht runter und fährt weiter, da gibt es zig Variationen.

B: Wann war das erste Mal noch mal in Neuss?

P: 1996.

2012 war es zum 16ten Mal?

P: Jein, wir zählen eigentlich erst richtig seit 1997 und 1996 war es zum ersten Mal nur in Neuss. Carsten war dann mit der Düsseldorfer Punkband Free Yourself und Kina aus Italien auf Tour, u.a. eben auch im Schlachthof Bremen.

Dort hat er doch dann dich kennengelernt oder?

B: Nee, wir kannten uns schon vorher von der Popkomm in Köln und dort hat er mir vom Endless Grind erzählt und meinte „Hey, ihr habt nen Skate-Pool am Schlachthof, wir können das doch auch mal in Bremen machen?!“ Im Sommer 1997 gab es dann zwei EG, einmal in Neuss und dann in Bremen, das hatten Carsten und ich 1996 auf der Popkomm vereinbart. Ich schlug ihm vor: OK, wir machen das zusammen hier in Bremen, du kümmerst dich um die Contests und ich um die Infrastruktur und die Finanzierung.

Wieso gibt es eigentlich nur alte Tricks?

P: Na ja, nach 16 Jahren kann man nicht nur von „Old School“ reden, der Gedanke war: Mitte der 90er war das Skaten teilweise auch schon recht vermarktet, heute noch stärker. Wir wollten das so wie früher nur mit Sponsoren aus dem Skateboardbereich machen, die uns Preise geben, aber auf den Postern sollten keine Logos sein. Und es sollte keine Stände geben, halt so, wie man das auf alten 80er Contests sehen kann: da ist ein Street-Contest, da steht nen altes Auto auf der Streetfläche, wild besprüht mit den Logos der Skate-Firmen, so wollten wir das auch machen. Und: wir wollten Skateboarding und Punk, so wie wir es mögen, wieder verbinden.

B: Der EG ist ein völlig eigenständiger Contest, der sich von den anderen abhebt. Da geht es viel um Leistung und um immer geilere Tricks zu zeigen, hier werden auch tolle Sprünge und so gezeigt, aber es geht mehr um die Vermittlung eines Lebensgefühls.

Skatepunks…

P: Ja, wobei ich schon denke, dass man das heute nicht mehr an der Musik festmachen kann. Auf der Fahrt nach Bremen merkte ich, wie wenig Punk ich zur Zeit höre. Es ist eher ein innere Einstellung.

B: Punk und HC passen aber hier in Bremen gut, bei bestimmten Stücken der DJs kommt die Energie halt immer klasse rüber und du merkst das an den Reaktionen der Fahrer und des Publikums: die Leute gehen total ab, es passt halt super zusammen. Wir kommen ja auch daher: ich mit meinem Punk-HC-Hintergrund, die Düsseldorfer Leute kommen daher und auch einige der DJs. Und manche, die auflegen, haben damit nichts tun, die lieben aber die Atmosphäre und genau das macht es ja nun auch aus.

P: Genauso ist es, aber mal ein HipHop-Song zum Beispiel ist auch sehr schön. Heute ist das halt etwas anders, was weiss ich, OFF! ist ein gutes Beispiel, bei denen kommt es einfach noch super rüber, das klappt heute noch, Punk und Energie und Skaten: nach dem 28 Sekunden Song gab es dann eine Minute Gelaber darüber, wie man Tranquilizer für Elefanten nahm, das fanden viele bei dem Konzert im Underground in Köln scheisse mit den langen Pausen, ich fand das geil, weil es dann vorne für mich ne Pause gab zum schnellen Bier einwerfen und dann geht’s wieder ab, juhu, da fühlt man sich wieder wie mit 16! Aber so etwas wie Cerebal Ballzy interessiert mich null, der Sound stimmt, aber sonst nix, da geht es nur um Klamotten und Style, die checken nicht, um was es geht…Langweilig.

OK, aber ne Jury als Bewertungskommission habt ihr ja auch?

B: Ja, aber es gibt zum Beispiel keine Startgebühren.

P: Und keine tollen Preisgelder (die man eventuell via Sponsoren einholen könnte), jeder kann fahren, wie er will, wenn einer einen geilen New School Trick macht, dann ist das natürlich auch okay, es geht mehr so um diese Verbindung Punk und Skaten… Jeder wie er eben will.

Was sind die beliebtesten alten Tricks?

P: Hochsprung gibt es nirgendwo mehr, das finde ich schön, dass es hier klappt.

B: Der Weit- und Hochsprung ist für die Zuschauer totaler Kult, bei dem sie richtig mitfiebern, wer am höchsten und am weitesten springt.

P: Du hast da das Ergebnis für alle nachvollziehbar direkt vor Augen. Was ich auch nach 24 Jahren skaten nicht kann, aber sehr gerne erlernen möchte, ist ein Hand-Plant oder Invert im Pool. Das ist ein Handstand auf einem Arm im Pool oder in der Rampe, das ist für mich total super, vielleicht, weil ich den Trick nie geschafft habe, es gibt den auch als Streetplant, eventuell hab ich einfach nicht genug Power dafür, ha ha. Auf jeden Fall ist es der Trick, den ich noch gerne lernen würde

Ich vermisse den Bones von der Telefonzelle?

P: Boneless heisst das.

Was war das noch mal gleich?

P: Da stellst du dich auf das Dach der Telefonzelle und springst runter auf das Board. Solange die Knie mitmachen, wenn man klein und jung ist. Es ist ein recht einfacher Trick, man muss nur den Mut und/oder die Stumpfheit haben.
Der Moderator beim EG war lange Zeit Achim von Quest for Rescue. Heute ist das Wolfgang aka „Wolfgangster“.

Sind Moderatoren eigentlich üblich bei Skate-Contests?

P: Ja, heute heisst das „Announcer“, glaube ich zumindest. Oh, ich hab das Bier von dir aufgemacht.

Kein Thema.

B: Achim war von Anfang an Teil der Düsseldorfer Clique, es kamen ja auch alle zusammen angereist.

P: Andi und Franky waren noch dabei von der Blurr Konzertgruppe, die hatten mit skaten nicht viel zu tun, aber sind einfach gerne mitgekommen und haben den Tag genossen, sind aber dann später nicht mehr mitgereist. Und es gab dann eben Carsten, Achim, Bettina und mich und jeder hat seine Aufgaben. Bettina regelt alles mit dem Schlachthof, bereitet alles vor, kümmert sich um die Werbung.

B: In den Anfangsjahren musste ich für den Contest und den Getränkestand Genehmigungen von der Stadt einholen, mittlerweile muss ich die nur noch über den Termin informieren. Die nächsten Nachbarn (ca. 1000 Haushalte) werden eine Woche vorher informiert, weil es lauter wird als sonst. Dann natürlich das Zelt für den Getränkestand organisieren, die ganze Technik für die Live-Band und die DJs, die Verpflegung für die Crew, Personal und Finanzierung des Contests. Dann muss das Auto für den Streetcontest ja immer besorgt werden, da machen die Schrotthändler nicht immer mit..

Häh, ich dachte, das wäre immer das gleiche?

B: Nee, kann ja nicht, weil es nach dem Streetcontest immer zerschreddert wird. Ich muss jedes Jahr ein neues Auto besorgen, ebenso die Kohle für die Werbung, die P.A., die Leute, die hier arbeiten, die Technik für die Band am Pool klarmachen.

P: Das ermöglicht uns ja auch erst, das überhaupt hier ohne Sponsoren zu machen, weil der Schlachthof uns das gestattet, der ist doch städtisch oder?

B: Nein, der Schlachthof ist eigenständig, wird aber vom Senat finanziell unterstützt.

P: Das muss man klar sehen, ich meine, ich mache das aus Spass, das war bei Carsten und Achim auch so, aber ohne den Schlachthof und die Leute, die hier arbeiten, müssten wir es mit Sponsoren machen. Du kannst sonst zum Beispiel keine Live-Band am Pool veranstalten.

Wir sind so frei, das so zu machen, wie wir das wollen, wir müssen kein grosses „Branding“ machen, wir danken den Sponsoren für die Preise, aber ihre Logos kommen nicht auf die Poster und die sind beinahe schon Sammlerobjekte. Wir kleben die Aufkleber der Sponsoren auf das Auto, in die Videoclips kommen die Logos rein und so bekommen wir von denen Klamotten, Sticker, Bierhalter und Decks. Es sieht auf dem Platz dann eben so aus, als wäre es aus den 80er… Wie in „Future Primitive“.

Deshalb lieben wir den EG ja so. Bei den Fahrern ist es altersmässig ja sehr gemischt. Wolfgang zum Beispiel ist recht betagt, viele Fahrer sind jünger, 20 oder so und…

B: Ich würde sagen, der Hauptteil ist zwischen 20 und 30 Jahren .

Für euch ist das keine Entfremdungsproblematik?


P: Nein, das Alter spielt keine Rolle. Durch meine Arbeit filme ich manchmal an Skatespots und es gibt Fahrer, die sind in erster Linie Pro(fi)s und fahren nach Leistung und manchmal gibt es alte Pros, wie zum Beispiel Thilo Nawrocki war mal hier, der ist circa 39 Jahre und hat nen Skateshop in Düsseldorf, ganz lustig nebenbei: 1991 oder 1992 war er im Skatecamp Trainer, das war ein schöner Urlaub für mich mit 15, an den er sich gar nicht mehr erinnert hatte, als ich ihn hier wieder traf, ha ha.

Oder aus Hamburg kommen auch viele gute Fahrer wie Richie oder King Cobra, Duncan Houlton, der ist früher in England für Deathbox gefahren, dann ging Deathbox in die USA und wurde Flip, eine der grössten Skatefirmen der Welt. Jetzt lebt er in Mannheim, dort machte er mit unserem „Wolfgangster“ in einem Loch von einem Pool auf einem Schrottplatz Contests, das „Mannheim Massacre, die betrachteten das immer als die kleine Schwester vom EG

Fahren jüngere besser?

B: Nee, das kann man nicht sagen, die fahren einfach einen anderen Stil.

P: Die fahren schon anders, einige fahren …man kann heute nicht mehr so scharf trennen zwischen Old und New School, die Leute fahren verschiedene Stile, ich kann jetzt Tricknamen sagen, aber das bringt euch ja nix.

Richtig.

P: Ha ha. Also, es vermischt sich alles, zumindest für mich, es gibt nur noch…

Die „One School“?

P: Jeder fährt, wie er Bock hat, seit 2000 ist das eine gute Entwicklung, ob Bowl- oder Streetcontest, jeder wie er will, ob Hobby, Profi, egal…und wenn die sich treffen, dann kann jeder mit jedem, das ist das Schöne beim Skateboard fahren.

B: Das erlebt man hier auch, beim EG gibt es Kids, die sind neun Jahre, dann existieren die bis zu 46 Jahre alten Fahrer…die fahren hier zusammen, nicht gegeneinander.

P: Wolfgang ist doch schon 50.

B: Ok, dann eben bis 50.

P: Der ist doch so alt wie du.

Sehr schön, Pascal!

B: Ha ha, und ja, die verbringen dann hier miteinander eine gute Zeit. Es ist auch so, dass eine Woche vor dem Contest die „Locals“ sich schon treffen, jetzt nicht zum trainieren, die tauschen Tricks aus und man spürt die Vorfreude. Es ist einfach generationsübergreifend.

P: Bettina und ich treffen uns dann am Tag vorher, wir bereiten die Preise vor, dann isst man was, trinkt das erste Bier… und dann gehe ich auf das Gelände, dort haben die Leute schon nen fettes Grinsen im Gesicht und am Tag des Contest ist alles eh scheissegal, jeder fährt, wie er Lust hat.

B: Und es wird auch egal bei welchem Wetter durchgeführt, wenn es regnet, verlegen wir das nach innen in die Kesselhalle vom Schlachthof. Bei schönen Wetter ist es natürlich angenehmer, draussen läuft Musik, das finde ich immer schön. Der EG geht ja über einen ganzen Tag, das muss man vorher organisieren, aber ich bin dann am Tag selber entspannt und fühle mich wenig unter Druck.

Was für Bands am Pool waren für euch am besten? Wie kamt ihr überhaupt auf die geile Idee, ist das auch Standard früher in den USA gewesen?

P: Es gab in den 80ern so ein Vision-Video, das hiess „Holiday Havoc“, da spielte Gang Green in der Halfpipe, das fand ich klasse und…

Aber nicht hier in der Halfpipe, wa?

P: Nee, leider nicht, das war weit vor unserer Zeit. Wir haben übrigens nur einen Bowl!

Weil im Magazinkeller von dem Schlachthof haben sie ja mal vor einigen Jahren gespielt, ja gut, das war nicht im Rahmen des EG. Auf jeden Fall fand ich das geil. Na ja, Stone und Dolf sagen da was anders.

B: Oh Gott, ja.

P: Eine live-Band am Pool ist immer geil und das gehört einfach dazu und passt, auch wegen dem Gedanken der Verbindung von Skateboarding und Punkrock, es ist immer etwas Besonderes. Die beste Erinnerung verbinde ich mit…warte, also Quest for Rescue war geil, aber ich muss da leider Cave 4 anführen, die..

Oh, die Solinger Surfband, wie geil!

P: Genau. Ich hab früher (und mache es heute noch) immer den ganzen EG gefilmt und das gab es dann als VHS zu kaufen, später als DVD, und heute stelle ich es nur noch auf unsere Homepage. Es gibt da halt die Aufnahme, wie Jörg von Cave 4 seine Gitarre hochhält und es scheint die Sonne unter seinem Arm durch. Wir haben uns dann einige Jahre später wiedergesehen und er wollte unbedingt diese Aufnahme nochmal haben, wo ihn die Sonne erleuchtet. Die Band soll im besten Falle kein reine Soundtrack-Kapelle sein, die hinten steht.

Die müssen direkt vorne dabei sein, am besten steht der Sänger auf ner Box und springt dann nach vorne in den Pool rein.

B: Die Slayer-Coverband, Hanns-Martin-Slayer, waren auch sehr geil. Und Stones Ramones-Coverband.

P: Nothing in Common haben mir sehr gefallen, vor Jahren auch die Dogtown Boys, die haben im 80er Look Skatepunk-Klassiker gecovert. Manchmal gibt es kein Konzert am Pool, aber im Anschluss im Schlachthof dann ne live Band. Vor einigen Jahren spielten die Adolescents, das war super, „Wrecking Crew“ nach dem EG zu hören. Ich habe mir die Neuauflage der ersten Platte gekauft und mir die von allen signieren lassen, das ist eine tolle Erinnerung.

Kann man damit rechnen, dass Benny hier mal auftritt?

B&P: Benny???

Ja hier, der alte Skateboard-Barde, „Skateboard uh-ha-ha“?

P: Da besteht leider kein Kontakt. Ich muss an dieser Stelle ausdrücklich den Dr. Skaterock, Florian Hofmeister, grüssen. Ein spitzen Typ und totaler Skaterock-Nerd.

Aus Würzburg ist der oder? Der hat mir Ende der 90er sensationelle Sachen getapt.

P: Genau. Der hat früher schon bei dem fantastischen Boardstein-Heft mitgeschrieben, und sich da an 80er und späterem Skatesound abgearbeitet. Jetzt hat er ein Buch publiziert, „Vintage Skateboarding“, dort ist alles versammelt, was mit skaten in den 60er und 70er zu tun hat. Eine Wahnsinnsarbeit und ein super Buch, in dem es auch natürlich viel um alte Skate-Musik aus dieser Zeit geht.

B: Er hat uns auch zwei CDs gemacht, mit Skatemusik von den 60er bis heute. Das lassen wir gerne spielen.

P: Echt netter Typ, 2002 waren wir beide bei der 20 Jahre Monster-Party in Münster. Wir sind nach Billerbeck gefahren, um dort Skate-Fotos zu schiessen, ich hab da einen FS Ollie gemacht, vielleicht 40 cm hoch, er nahm das mit einem Fischauge auf, dass sah dann so aus, als ob ich nen Ollie einen Meter hoch gemacht hätte. Arne wollte das Bild für die Boardstein verwenden, ich fand das ja ein bisschen fake, er meinte aber nur, dass das bei allen Fischaugen-Skate-Bilder so wäre, dass das ein oder zwei Meter höher ausschaut.

Eure Preise bei der Siegesehrung sind, ihr erwähnt es schon, gestiftet von Sponsoren. Wie kommt man eigentlich an Vans oder Converse ran, ist das nicht zu klein für die oder so?

B: Na ja, die haben ja nun auch ein Interesse daran, dass ihre Klamotten auf öffentlichen Contests getragen werden und so eine Veranstaltung wie unsere registrieren die schon.

Aber es gibt von denen keine Vorgaben, also, dass ihr unauffällig die Namen dauernd nennt, so „Hier spitzen Shirt von XY“?

B: Nein, aber wir bedanken uns bei Ihnen, indem wir ihre Aufkleber auf das Auto des Streetparkours stickern.

P: Bei den Videos blende ich die Logos ein, das war es, die Teilnehmer freuen sich sehr über die Preise. Wie gesagt, die Poster sind nicht „branded“. Das ist immer lustig, wenn ich früher mit meiner Band in WGs pennte und da hing ein EG Poster…

Da geht das Herz auf.

P: Genau, und man stellt dann erst fest, wie die personellen Überschneidungen sind.

B: Das Charles Bronson T-Shirt von einem früherem Contest war ja mal in einer TV-Werbung zu sehen, das war allerdings Zufall, dass der Schauspieler eben einfach Lust hatte, das Shirt anzuziehen…

P: Wir haben kein Bier mehr, ich hole mal was…

(nach einer Bierhol-Pause ging es weiter)

Pascal, erzähl doch mal von dem Weitsprung-Weltrekord 2011?

B: Hochsprung!

Stimmt, das heisst…?

P: Also, es ist kein Ollie, sondern jemand springt über die Latte und das Brett rollt unten durch und du landest dann wieder auf der Karre.

Also dem Brett.

P: Ich hab das mal gegoogelt und…

B: Karre?

P: Karre.

B: Herrlich.

P: 1,60 Meter wurden halt übersprungen, es gibt dazu nur Pseudo-Angaben im Netz und ich dachte mir, dass nichts dagegen spricht, diesen Wert als Weltrekord anzugeben. Danach gab es auf der Seite der NSA USA, also der „National Skateboarding Association“, einige Debatten, ob das von uns jetzt offiziell wäre. Jojo Schulz, ein alter Pro aus Deutschland, von Walker Skatebaords, war auch mal hier, er hat den „Jojo Walker Plant“ erfunden, ganz lustiger Typ. Auf jeden Fall haben wir uns einfach für den 1,60 Meter Hochsprung 2011 die Frechheit raus genommen, dass als Weltrekord zu benennen.

Krass, selbst Tony Alva hat so etwas nicht übersprungen oder wie?

P: Hochsprung ist im Skaten eine totale Nebendisziplin, es war nie wirklich wichtig, und es gibt keine Quellen, die das Gegenteil sagen, soweit ich weiss.

B: Wir können das auch einfach mal schreiben, das ist einfach der EG. Vielleicht sollten wir mal die Leute vom Guinness Buch der Rekorde zum 20 jährigen einladen.

P: Hau ab, das sind totale Idioten, in Düsseldorf wollte die Brause mal die längste vegetarische Wurst machen, die 101 Meter veggi Wurst, das hat letztendlich geklappt, ist alles aber super kompliziert.

Ich lese das jetzt und will dieses Jahr daran teilnehmen, muss ich mich anmelden oder wie jetzt?

B: Komm einfach vorbei, der Termin für 2013 ist der 29.6., alle Infos werden auf der Homepage veröffentlicht und stehen eh dann im Netz, es liegen Listen vor jedem Contest, der startet, aus. Einfach da eintragen, es gibt keine Startgebühr, und schon fährst du mit.

Pascal, es gab doch auch immer diese VHS-Videos, machst du das noch oder hast du dich mehr auf die EG Skateboards konzentriert?

P: 2003 war die letzte VHS, es war da schon tot und ein schöner Schuss in den Ofen, also, es wollte keiner mehr haben. 2009 habe ich noch mal ne DVD gemacht, das kannste auch vergessen, alle gucken umsonst im Netz, das ist aber nicht schlimm, das war ja eh alles Sondermüll, ha ha. Ich lade die Videos auf unsere Seite endlessgrind punkt eu hoch. Dort kann man auch die EG Skateboards kaufen. Wenn einer nen coolen Skateshop hat, melde dich, du kannst die gerne in deinem Shop vertreiben.

Was sind eure schönsten Erinnerungen in all den Jahren? Vielleicht das erste Mal in Bremen?

P: Die beste Ansage war mal, als Holger Hahn im Pool gefahren ist und er machte in seinem Run 17 Rock´n´Roll-Tricks, es kam dann die Ansage von Achim „Ich möchte auch mal was anders sehen, nicht das ganze Leben ist Rock´n´Roll“.

B: Das erste Mal hier in Bremen weiss ich gar nicht mehr speziell. Aber als Duncan hier mal fuhr und einen geilen Run zeigte, kommentierte Achim „Duncan, vielen Danken“, Achim ist echt ein geborener Moderator. Früher war es anstrengend mit einer schlechter Wettervorhersage, aber es klappt ja trotzdem, aber bei guten Wetter ist der Platz voll, die Zuschauer machen La-Ola-Wellen, sind ausgelassen, feiern, bei scheiss Wetter kommen viel weniger…Wie das halt so ist bei Open Air-Veranstaltungen.

Seht ihr das Münster Bergfest als Konkurrenz? Ist das eigentlich von Titus gemacht?

P: Das ist ja recht klein gestartet, das wurde nicht von Titus, sondern von Koloss gestartet, glaube ich. Das ist ein Skateshop/Clothing-Ding, die machen auch Boards und sitzen mit Green Hell im gleichen Laden. Dann wurde das Fest grösser und jetzt ist es ja das Volcom-Bergfest. Da sind immer einige Top Pros.

Ich war zu der Zeit letztes Jahr im Urlaub, das war ärgerlich, da spielten die US Bombs, okay, aber vor allem McRad, die hätte ich so gerne gesehen, die beste Skaterock-Band, ihre „Absence Of Sanity“ ist echt die geilste Skatepunk-Platte aller Zeiten. Der EG ist eher ein „Jedermann“-Contest, ok, in Münster kann auch noch jeder fahren, ich finde das super, was die machen. Ich wurde 2011 auch mal als Judge angefragt… Übrigens hat dieses Jahr der Wolfgangster gejudgt.

B: Coole Scheisse!

P: Aber da machte ich ja nen schicken Familienurlaub in Portugal und ich weiss auch nicht, ob ich ein guter ernsthafter Judge bin, weil da geht es ja dann schon um Preisgelder.

Generell, wie ist das in der Skateszene, hat der Kommerz alles in der Hand? Das war auch von Anfang an nie ein unkommerzielles Ding, das war ja einfach ein ganz normaler (mehr-oder-weniger-Rand) Sport in Kalifornien, was weiss ich, wie Speerwerfen…

P: Ähem…

Ja gut, du weisst, was ich meine, schon ein Profi-Sport, aber eben jetzt nicht total bekannt. Es gab dann auch das Thrasher Mag, das gibt es immer noch, aber ist schon sehr kommerziell.

P: Heute sind viele Sponsoren im Skatebereich aus dem Energy Drink- oder Mobilfunk-Bereich. Und im Zweifelsfalle war es früher auch schon kommerziell, denn wenn die Amis was machen, dann wird es kommerziell, ha ha. So gesehen: ja, Skatefirmen waren auch immer schon kommerziell, wobei es da Unterschiede gibt. Aber ist doch auch ganz cool, wenn du dein Hobby 100 Prozent so machen kannst, wie du Bock hast UND dann davon
leben kannst, das ist doch klasse.

B: Aus dem Getränkebereich haben auch wieder welche angefragt, aber das passt hier halt einfach nicht…

P: Also, im allgemeinen finde ich das gut, dass die das Geld ins Skaten rein pumpen, so dass gute Fahrer davon leben können, hier beim EG ist es aber fehl am Platze, wie Bettina schon sagte. Solange wir keine teuren Hotels und Preisgelder für die Pros bezahlen müssen, und es alles durch das Kulturzentrum klappt, dass eh seine Leute bezahlt… Da brauchen wir solche Aktionen nicht und so müssen wir nicht alles branden und geniessen eine gewisse anti-kommerzielle Freiheit.

Zum Abschluss noch: Wie seid ihr eigentlich selber zum skaten gekommen?

B: Joah, also…

Bettina, du bist ja quasi auf dem Skateboard geboren, da USA und so, nech?

B: Ha ha, genau, also, 1988 in San Francisco…

P: Du bist 1988 geboren?

B: Nein, aber da bin ich Skateboard gefahren… mit Big Mike, wie hiess die Band von ihm noch, ich komme nicht drauf (Capitol Punishment, die Red.), auf jeden Fall sind wir die Telegraph Avenue runter gerollt, ich vorne auf dem Deck, er hinter mir und schob mich an…

Du, „wir“ sagen dazu ja gepusht, wa?

B: Richtig, aber …ich kann kein Skateboard fahren, ausser die Strasse geradeaus rollern, obwohl ich schon eine Affinität zu Brettsport habe, ich snowboarde, aber skate nicht. Doch ich finde es trotzdem geil mit dem EG, das macht mir totalen Spass und da muss ich nicht selber mitfahren. Seit knapp 30 Jahren organisiere ich ja auch Konzerte, aber spiele selber kein Instrument, so kann man das auch sagen.

Guter Vergleich. Und du Pascal, du bist damals so in Dogtown mit den Z-Boys in den Pools gefahren und so?

P: Nee, das war in den 70ern, da bin ich geboren. In den 80er, in der dritten Klasse, bekam ich von einem Schulkameraden ein Plastikboard, damit bin ich einfach runter die Einfahrt gefahren, direkt schön im Gulli stecken geblieben und hab mich lang gemacht, ha ha.

Ich war damals auch noch eher im Fussballfieber. Richtig angefixt wurde ich in der fünften Klasse, da gab es in Düsseldorf-Kaiserwerth eine Halfpipe und ich hatte so ein breites Board vom Kaufhaus oder so, damit konnte ich schlecht hoch pushen, aber immerhin mit rum fahren. 1988 hatte ich mein erstes echtes Board, seitdem zähle ich auch erst.

Dein favorisierter Skater in „Dogtown Boys“?

P: Die Dokumentation oder den Spielfilm?

Huch, gibt es mehr als einen?

P: Also, Stacy Peralta machte die Dokumentation und es gibt den Hollywood-Film.

Ok, dein Lieblingsskater in dem Hollywood-Film?

P: Den Film schaute ich leider in Deutsch synchronisiert, das war grätig. Also, die Doku, wen gab es da noch mal,

Tony Alva, Stacy Peralta und…
 Jay Adams.


P: Ja, das waren aber alles Skatepros lange lange vor meiner Zeit, das war ja, wie gesagt, Mitte der 70er.

Ich hab mir die immer so vorgestellt, dass die irgendwie fürs skaten das bedeuten, was die Sex Pistols für Punk darstellen?

P: Na ja…wenn du das meinst, ha.

B: Passt doch.

P: Die drei oder fünf Helden von mir sind: Lance Mountain (mein erstes Board war auch von ihm), Mark Gonzales, Mike Vallely, Tommy Guerrero und Matt Hensley natürlich.

B: Ja, der war hier, der spielt bei Flogging Molly. Die waren hier vor kurzem im Schlachthof, da hab ich mir für Pascal Autogramme auf dem Endless Grind Poster geben lassen.

P: Ich hatte ihn auch vor zehn Jahren für den Boardstein interviewt, da musste ich mich nicht drauf vorbereiten, ich hatte eh alles parat. Seine Band ist zumindest live besser als auf Platte, aber Mann ey, der Typ ist so ein fantastischer Skater. Der Part in dem „Shackle Me Not” -Film von Ende der 80er, das ist der Wahnsinn, wie der fährt. Ich bin jetzt nicht der Ultra-Fan, aber seine Parts in dem Film kann ich mitsprechen.

Beste Suicidal Platte? Was sind eure Lieblingsplatten im Skatecore?

P: Suicidal? Ja hier „How Will I Laugh Tomorrow When I Can’t Even Smile Today“.

B: Lieblingssongs von denen? Sag mal nen paar.

Ja hier, „Possessed to skate“?

P: Nein, da muss ich intervenieren, auf jeden Fall „Pledge Your Allegiance“!

Ach Mist, stimmt ja. ST ST ST!

B: Auf jeden Fall der ganze alte Scheiss von denen.

P: Wobei McRad die super Skatescheibe aller Zeiten noch vor ST haben – und auch wenn viele mich jetzt dafür hassen werden, meine absolute Skate-Lieblingsplatte ist…

Agent Orange oder was?


P: Auch gut, aber ich wollte jetzt wirklich Eight Dayz nennen.

Wat?

P: Die erste Band von Claus Grabke, vor Thumb.

Das kommt natürlich nicht rein in das Interview, weil: Thumb hab ich mal vor CIV 1996 in Köln gesehen, unglaublich scheisse. Da gibt es doch die Geschichte, wo Al die auf einem Festival sieht; Grabke kündigt den letzten Song als Minor Threat Coverlied an und Al empört sich lautstark über den ganzen Open Air- Konzertplatz mit „DAS DÜRFT IHR NICHT!!!!“. Grossartig.

P: Seine erste Band finde ich aber spitze, „Everyday is like a new day beginning“ ist so geil.

Also kein Spermbirds „My god rides a skateboard”?


P: Ja gut, aber das nennt ja jeder, das ist ja langweilig.

B: Aber das ist super, „Try again”, „My god rides a skateboard“ und so weiter, das habe ich natürlich geliebt.

Allerletzte Frage: Habt ihr noch Grüsse an unsere Leser? 


P: Ihr merkt, das ihr alt und dick werdet? Fahrt mehr Skateboard.

B: Keine Ahnung, mir fällt nichts ein.

P: Oder macht Liegestütze?

B: Haha, das ist gut.

Super. Bettina, Pascal, ich danke euch für das nette Gespräch. Wir sehen uns im Sommer wieder in Bremen.

Interview: Jan Röhlk

December 4th, 2013

Die Evolution der Phantasie – Wie der Mensch zum Künstler wurde, Thomas Junker

Posted in bücher by Dolf

S.Hirzel Verlag, Birkenwaldstr. 44 70191 Stuttgart, www.hirzel.de

DieEvolutionderPhantasie

Man könnte sich von einem Buch welches auf nur 193 Seiten 378 Fussnoten aufweist abschrecken lassen – was in diesem Falle aber falsch wäre. Denn obwohl sich der Text immer wieder scharf der Grenze zur Schwerverständlichkeit bzw. akademischer Wortakrobatik nähert, überschreitet der Autor diese Grenze so gut wie nie, sondern bleibt unterhaltsam aber natürlich auch sehr sachlich. Das Buch beschreibt, warum uns Kunst begeistert, wie sie sich entwickelt hat und untersucht wie die vielen Aspekte und Formen der Kunst in der Evolution entstanden sind. Dabei erfährt man, bzw. ich, erstaunliches.

Das Kunst Teil des Selektionsvorteils und wichtig für die Partnerwahl ist, gleichzeitig gemeinsame Erlebnise aufwertet was Einzelne dazu bewegen kann sich einer Gruppe anzuschliessen um dann deren Ziele zu unterstützen – zumindest aus evolutionsbiologischer Sicht. Aus dieser wird auch klar das Kunst für den Menschen unverzichtbar war ist und sein wird. Das ist alles ziemlich spannend und kann sehr hilfreich sein wenn man mal wieder in eine Diskussion gerät wo es gilt, zu klären, was denn nun eigentlich Kunst ist, bzw. warum das eine als Kunst anerkannt wird, anderes aber nicht. Junker hat sich dazu praktisch alle Gedanken gemacht die man sich so machen kann – zuviele um sich ihrer aller zu erinnern oder gar hier wiederzugeben.

Das Inhaltsverzeichnis mit seinen fünf Kapiteln sowie zahlreichen Unterkapiteln zeigt aber gut auf mit was sich hier befasst wird. Im ersten geht’s darum “Wie wird die Kunst erklärt”, also welche Widerstände zu überrwinden sind, warum über Kunst gestritten wird und was das besondere an ihr ist, was Evolutionsbiologen zur Kunst sagen, ihr Nutzen und der Zweifel daran. “Wie funktioniert Kunst?” erklärt warum Kunst schön oder aussergewöhnlich und meist auch teuer und verschwenderisch sein muss. Warum die Wirklichkeit nicht genug ist und wir eine Sprache der Gefühle und künstlerische Talente brauchen und schätzen.

Die Elemente der Kunst und warum die so vielfältig ist und was sie uns erzählt. Es folgt ein eher kurzes Kapitel “Welches Problem soll Kunst lösen?” Hier geht es um den Selektionsvorteil der Kunst sowie das vernetzte Ganze und den neuen Superorganismus. Weiter mit “Wie ist die Kunst entstanden?” Nachdem evolutionäre Zwänge erklärt werden, wird beschrieben wie vor 4 Milliarden Jahren der Siegeszug der Kooperation begonnen hat und dann in grossen Zeitsprüngen, die immer “kleiner” werden (500 Millionen – 2 Millionen – 500 000 – 400 000 – 200 000 – 100 000 Jahren) die Entwicklung der Kunst beschrieben.

Bestimmten Anfangs nur Lust und Unlust das Verhalten, wurden unsere Vorfahren immer wählerischer, entdecken Klatsch und Tratsch, machen die Zukunft zum Teil der Gegenwart und füllen langsam das kulturelle Archiv auf. Aus dem Wissen entsteht Fremdheit und die Kunst wird immer mächtiger. Im letzten Kapitel “Wird es in Zukunft noch Kunst geben?” kommt die Kunst auf den Prüfstand, es geht um Fälschungen und Anonymität, Überfluss und den Verlust der Vielfalt und es wird abschliessend der Frage nachgegangen ob das Ende der Kunst bevorsteht.
Die Kunst ist ein unverzichtbareer Bestandteil unserer Natur.

Das leuchtet nach dem Lesen dieser fünf interessanten Kapitel ein. Dieses Zitat passt, finde ich, besonders gut hierher, weil wir hier ja auch mit genau dem selben Problem zu kämpfen haben: “In der Menschheitsgeschichte war es wahrscheinlich nie einfach, gute Nahrung und qualitativ hochwertige Kunst zu bekommen. Daran hat sich nichts geändert, der Unterschied ist nur, dass es früher schwierig war, sich dieser Dinge in einer Situation des Mangels zu versichern, und dass es nun darum geht zu erkennen, dass der Überfluss der Gegenwart eine andere Form des Mangels ist: des Mangels an Qualität und Echtheit.” Für mich hätte es auch genügt weniger ausführlich zu sein, dennoch auf jeden Fall lesenswert! 25,90 Euro (dolf)

Isbn 978-3-7776-2180-7

[Trust # 162 Oktober 2013]

 

December 4th, 2013

Alkohol – Die mächtigste Droge der Welt, Band 1 – Wolfgang P. Schwelle

Posted in bücher by Dolf

Nachtschatten Verlag, Kronengasse 11, Postfach 11, 4502 Solothurn, Schweiz, www.nachtschatten.ch

AlkoholDiemächtigsteDrogederWelt

Dies ist der erste Band einer geplanten Triologie und er beschäftigt sich mit der “Geschichte des Alkoholkonsums”, “Alkohol und Religon”, “Alkohol und Gesellschaft” sowie mit “Berühmten Trinkern”. Das erste Kapitel ist der wohl interessanteste Abschnitt des Buches, man erfährt woher das Wort Alkohol kommt, wann und warum die Menschen mit dem Alkohol trinken begonnen haben, welche Kulturen wo und wann was gesoffen haben, wie exzessiv dies teilweise war, wann der Branntwein erfunden wurde und seinen Siegeszug um die Welt begann. Und wie immer klarer wurde das Alkohol auch ganz schön viel Schaden anrichten kann, natürlich wird auch auf die Abstinenzler-Bewegung eingegangen und über die Prohibition berichtet sowie die Themen Saufen im Krieg und auf hoher See abgehandelt.

In diesem ersten Kapitel finden sich massenhaft Fakten und Wissenswertes zum Thema was einen doch immer und immer wieder staunen lässt. Weiter geht es mit dem Verhältniss von Alkohol und Religion – hier wird ebenso weit in der Vergangenheit zurückgeschaut und gecheckt wie die grössten Religionen mit dem Thema umgehen. Das kann man mal machen, besonders in der angenehmen Kürze. Das folgende Kapitel ist – logischerweise – nicht ganz so kurz, da es sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Alkohol und Gesellschaft beschäftigt. Das ist oft interessant zu lesen, driftet aber manchmal in reines statistisches Zahlenbombardement ab und wird ob der vielen Wiederholungen langweilig. Hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen, aber der Autor will ja ein allumfassendes Werk kreieren und dann muss das wohl so sein.

Es ist ja auch interssant den Alkoholkonsum im internationalen Vergleich zu betrachen, wo er wie hoch oder am höchsten ist, wo wiederum was getan wird um den Konsum einzuschränken und was für verrückte Gesetze es gibt um dies durchzusetzen. Auf der anderen Seite werden Trinkrituale aus der ganzen Welt vorgestellt, erkundet ob Jugendliche mehr zechen als Erwachsene, wie viel Promille die Etikette verträgt und was es mit dem Zuprosten/Anstossen auf sich hat.

Besonders hilfreich ist eine Liste wie man Prost in 68 Sprachen sagt. Weiter geht es mit den berühmten Trinkern, auch hier wird wieder an Anfang der Geschichte zurückgegangen. Und sie haben alle gesoffen (oder eben nicht), die Prominenten, Schriftsteller, Musiker, Komponisten, Schauspieler, Künstler, Sportler und Politiker die hier mit ihren Geschichten aufgezählt werden.

Oftmals ist das sehr unterhaltsam und auch überraschend, leider ist aber vieles auch nicht wirklich belegbar und wenn sich die Geschichten auf Hörensagen oder Vermutungen aufbauen ist das irgendwie auch langweilig. Wahrscheinlich greift hier die selbe Problematik, wenn man allumfassend sein will muss jedes recherchierte Detail aufgeführt werden, sei es auch noch so belanglos. Wer die grössten SäuferInnen der Welt waren erfährt man auch noch und das letztendlich auch manche Tiere sich betrinken.

Ein schönes Lesebuch zum Thema, sprachlich eher entspannt, vielleicht nicht so gut geeignet es an einem Stück zu lesen, sondern immer mal wieder in die unterschiedlichen Kapitel reinzusehen. Der fast 30 (!) seitige Index wiederum macht das Buch auch zum Nachschlagwerk welches immer griffbereit stehen muss, um all die Fragen zu beantworten die in geselliger, oder nüchterner, Runde so auftauchen. Ich bin auf jeden Fall schon auf die beiden Folgebände gespannt und hoffe das die sich eher auf dem Niveau des ersten Drittels dieses Buches bewegen. Beinah 400 Seiten, Paperback. 29.- Euro. (dolf)

Nachtschatten Verlag, Kronengasse 11, Postfach 11, 4502 Solothurn, Schweiz, www.nachtschatten.ch

Isbn 978-3037882696

[Trust # 162 Oktober 2013}

 

December 4th, 2013

Pump Me Up – DC subCulture of the 1980s – Roger Gastman

Posted in bücher by Dolf

R. Rock Enterprises www.rrockenterprises.com/Gingko Press, Hamburger Str. 180, 22083 Hamburg, www.gingkopress.com

PumpMeUp

While this book takes you back in time for real, it also leaves me with mixed feelings, let me tell you why, before I give you a overview. It is always great to look at old photos, flyers, cover, etc. of D.C. punk/hardcore history and read interviews with some of “the” protagonists, especially in this case since the conversations also spin off in the direction of the book, D.C. politics, and the “other” D.C./Go-Go. That part about the Go-Go is definitly interesting, and very authentic. Unfortunally there is not much content, apart from “getting your name up and get known” and “have fun at the Go-Go’s” – which is fine.

But unnecessary to cover it in such a dimension. Who needs to see dozens of photos of always the same – yes, legible – graffiti/name written on various walls? And while everybody claims that D.C. crews are not gangs – I dont really see a big difference, which gets proofed by the statements of the below mentioned gangsters, I mean crewsters…… This might be a long shot, but I have the feeling the authors have a problem to criticize anything that is “the other” D.C., (in fear of beeing called racist?) which might be understandable if one lifes in the city, but in the end makes not much sense. Sure, you can call a bunch of people who organise Go-Go’s, make music, sell and use drugs, start fights, carry guns, scrawl their name all over the city in order to “get their name up” (not necessarly all of this together!) a culture. But you can also call it what it is.

In the beginning there is three chapters: Background, Foreword and Introduction – the author tells about how this project started and how it went over the years, followed by a text from Sarah Newman where she explains that “Pump Me Up explores the landscape and the culture of this period – Go-Go, graffiti, punk, hardcore, graphic design, fine art and the heady relationships between them.” Then Gastman and Caleb Neelon go back in the narrative (to the 50/60s) of Washington D.C. and explain why there is “two washingtons” (black and white), write about the riots that followed Martin Luther Kings shooting, political issues – all pretty interesting.

As is the interview with Walter Fauntroy – a civil rights activist (and pastor…) who organised, amongst other things, the Voting Rights March in the mid 60s and now talks about the history of D.C., crack, building policy, etc. “Homelessness” is the topic of the next short chapter, followed by a interview with Ian MacKaye. Jon Lewis introduces us to Globe Posters, who where a force in printing posters for the Go-Go events. Trina Calderón presents the 9:30 club and his history followed by a interview she conducted with Cynthia Connolly. Gastman and Neelon write about D.C. Crews and what diffrences them from gangs (it can be a language thing, like one says its a “Semmel” not a “Brötchen” but means the same thing, in that case I wish it would have been explained….). Love Boat/PCP and the murder of Catherine Fuller are the next subjects – very terrible.

The next +40 pages are dedicated to Danny Hogg aka Cool “Disco” Dan who’s single life accomplishment was to tag his name all over the city (and to stay away from drugs), everywhere, for very many years. And you need to know that “The Washington D.C. tags were meant to be legible, a symbol of someone’s presence rather than artistic talent…” that is understandable, but I question why such scribble needs to be gloryfied in this dimension. You learn everything about the life of this guy from the cradle to the present. Next up to be questioned is Jeff Nelson. Then Neelon writes about the crack scourge suitable followed by the story of Marion Barry, D.C.s longyear mayor who is, outside of D.C., mainly known for getting busted for coke….. but he also did so much good for the city and the youth. We now enter the Go-Go scene, starting off with their pioneers, by Alona Wartofsky, who also explains us the history of that “Sound of the City”. Intersting.

Next up is a interview with the godfather of Go-Go – Chuck Brown. Joseph Pattisall talks to Sugar Bear and then to Wink from the Yunk Yard Band. Hip Hop, Dancers, Trouble Funk, Rare Essence are a few other articles/interviews. After this it is getting real authentic when people like Kenny Ball (Notorious Knock Out Artist), Tonya F (“I had to kick a bitch’s ass about three weeks ago! I’m still going hard. I’m still demanding my respect out here.”), RE Randy (inmate for life, gun possession, murder), Andrew Wood (“…street-level heroin selling. Which earned him 187 months of Federal prison in the fall of 1989.”), Gangster George (from the crew Ganster Chronicles) and Lisa of the World (from the female crew Lady Chronicle) are interviewed by diverse people.

A big jump to the other side, Robin Rose who “established himself in D.C.’s evolving creative scene as a fine artist and musician with the band Urban Verbs.” talks about how he experienced his time in D.C. Mark Jenkins (co founder Postive Force D.C.) is up next to talk about Punk Rock and HarDCore. At the end Rayful Edmond III (high level drug dealer) is introduced and you learn there is also a traditional graffiti scene in D.C. The +300 pages (3 x 22 x 28,8 cm, 1,8 kg, hardcover) are fatly illustrated with hundreds of photos, posters, flyers and other memorabilia. So there is plenty to look at. Authentic book, (over) documents a true culture of D.C. at that time and is certainly good to start a discussion. 44,95 US $ (dolf)

Isbn 978-1584235132

[Trust # 162 October 2013]

 

October 7th, 2013

Alk – Fast ein medizinisches Sachbuch – Simon Borowiak

Posted in bücher by Dolf

Heyne, Neumarker Str. 28, 81673 München, www.randomhouse.de/heyne

Alk

Das Buch ist nicht neu (2006), aber geeignet für alle die sich mit dem Trinken von Alkohl beschäftigen, bzw. mit Leuten zu tun haben die dies tun. Vor allem mit solchen bei denen es zum Problem wurde oder werden könnte. Da der Autor selber betroffen ist, ist es kein Buch welches mit gehobenen Zeigefinger daherkommt, ganz im Gegenteil wird sich pragmatisch auf hohem Niveau mit dem Thema Alkoholismus auseinandergesetzt. Und nicht nur, es wird in angenehm porfessioneller Art, ohne dabei in Fachsprache abzudriften, über all die Facetten berichtet, es gibt einiges zu lernen und vieles wird wieder aufgefrischt.

Wusstet Ihr zum Beispiel das das MEOS (Mikrosomales ethanol-oxidierendes System), welches normalerweise das Chef-Enzym in Sachen Alkohol – ADH (Alkoholdehydrogenas) nur unterstützt und ca. 10% der Arbeit übernimmt, bei geübten Trinkern bis zu 60% leistet und sich auch bei Abstinenz nicht mehr zurückbildet. Deswegen können trainierte Trinker mehr vertragen und fangen auch nach jahrelanger Trockenheit nicht wieder bei Null an. So wird man die ganze Zeit mit Fakten bombadiert. In 10 Kapiteln nimmt der Autor aber auch kein Blatt vor den Mund, eine Verdammung findet genausowenig statt wie eine Verherrlichung.

Besonders bei den gesundheitlichen Folgen, welche natürlich auch im Detail beschrieben werden, kann man sich schon mal überlegen ob einem das nicht dem Spass am Alkohol vergraulen kann… aber es ist gut die möglichen Nebenwirkungen zu kennen. Wenn du also schon immer mal ins Profilager wechseln wolltest oder auch nur mal checken ob du Alkoholiker bist, oder wenigstens auf dem besten Weg dorthin – hier kannst du das herausfinden. Ungewöhnlich für solch ein Buch ist auch der humorvolle Stil von Borowiak – aber durchaus passend. Das kurze Vorwort lassen wir hier mal für sich sprechen: “Wie sieht ein Rausch von innen aus? Wie funktioniert eine Entgiftung? Bin ich Alkoholiker? Und wenn ja: Muss ich jetzt in die Gosse? Fragen über Fragen, die in diesem Buch beantwortet werden.

Im Zuge einer Entwöhnungstherapie hörte ich fünf Monate lang Vorträge, liess mich von Therapeuten auseinander nehmen, diskutierte mit Mitpatienten und las mich durch einige Regalbretter Alkoholismus-Literatur. Und wurde zunehmend unwillig. Die Fachbücher waren mir zu fachlich, die Bücher von Betroffenen zu betroffen und die Bücher von Nicht-Betroffenen zu anmassend. Also beschloss ich anmassend, das ultimative Alk-Buch zu schreiben: Fachlich fundiert, aber verständlich; geschrieben von einem Betroffenen ohne Betroffenheit. Und das alles im Dienste von Aufklärung, Verständnis, Naturwissenschaft und Komik…

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Ratgebern bietet >ALKALK< ist das Buch für alle, die schon mal einen heben. Und für alle, die schon einen zuviel gehoben haben. Und für alle, die sich mit dem Thema Alkohol beschäftigen müssen. Kurz: Das Buch für Genusstrinker, Profi-Trinker, Ärzte, Therapeuten, Winzer, Angehörige, Minderjährige, Getränkelieferanten, Hirnforscher und Penner. Und damit wir uns richtig verstehen: Die Welt ist ein Jammertal, und es steht nirgendwo geschrieben, dass der Mensch den ganzen Rotz ohne kleine Hilfsmittel ertragen müsse. Ich käme auch nicht im Traum auf den Gedanken, jemandem das Recht auf Rausch abzusprechen. Sollten dergleichen Vorwürfe laut werden, weise ich sie schon jetzt zurück.

Jeder Mensch sollte das verbriefte Recht auf Ekstase, Entrückung und Verzückung haben. Aber er sollte auch über die möglichen Nebenwirkungen informiert sein. Im übrigen wünsche ich mir, dass dieses Buch der Völkerverständigung zwischen Trinkern und Nichttrinkern dienen möge.” Das Buch ist sicher nur für Leute geeignet die wirklich offen mit dem Thema umgehen, denn klar ist ja, das nicht nur der “Penner” in der Gossse der Alkoholiker ist, sondern es beim Alkoholismus einige Gesetzmässigkeiten gibt, welche aber von Trinker zu Trinker verschieden sind.

Wer also schon immer mal mehr über den Rausch, das Ausnüchtern, den Kater, den Entzug – Delir und Krampf, wissen wollte und sich auch nicht scheut mal ein paar interessante Einblicke in das Endstadium zu bekommen. Therapie, Psychatrie, Entgiftung, Rückfall. Der ist hier auf jeden Fall richtig. Oder anders gesagt, ich kann das Buch wirklich empfehlen. Fast 200 Seiten Paperback für wirklich günstige 7,95 Euro, da bleibt auch noch genügend über für ein paar Drinks. (dolf)

Isbn 978 3 453 60048 5

[Trust # 161 August 2013]

 

October 7th, 2013

Barred For Life – How Black Flag’s Iconic Logo Became Punk Rock’s Secret Handshake – Stewart Dean Ebersole

Posted in bücher by Dolf

PM Press, P.O. Box 23912, Oakland, CA 94623, Usa, www.pmress.org

Barred_For_Life_Cover

What a great idea/project: Travel the world (well, the USA and a little of Europe), visit people who have tattoed Black Flag’s logo, the bars, take a photo and have them given a short statement why they did it, what they think about the band, a funny story, whatever is on their mind. Spice it up with “interviews” that dont read like interviews, (because you only see the answer and some short roundups that dont read like questions), but more like “memorys” of these involved people: Dez Cadena, Glen E. Friedman, Ron Reyes, Keith Morris, Rick Spellman, Chuck Dukowski, Kira Roessler and Edward Colver. Almost all those text give a very good picture of what happend to Black Flag from the perspective of the individual, too bad Ginn and Rollins where not ready to contribute…..

Complete it with your own story, how you grew up, got in touch with Punk Rock / Hardcore, your thoughts about – of course Black Flag, among others, what you thought about when they changed, how you became a adult, kinda droped out and ended up doing the book. More then 320 pages with almost 400 hundred shots of people who have the bars tattooed, big, small, good, bad, old, young, on various spots, male, female… it is all there, alot to look at – in black and white and amusing to read. Obviously not everybody has something great or intelligent to say, but that is not the point. It is about the people (there are barely any “famous” people in here) and their bars and their relation to the logo and the band. Not more, not less.

I love the cut and paste looking layout, but suggest you read Ebersole’s writings in one piece, not page by page, interrupted by the peoples statements, you might loose track. Since his remarks are a bit excessive, here and there, especially when he talks about the logo and its meaning for the world or the scene at least… I have a feeling that is a bit over the top, but I might be wrong – who knows. In other words, parts of the design make it hard to read the authors writing. But this does not smaller the great effort and the years that went into “doing” this book, resulting in a couple of fun hours for the reader. I have to quote one statement here, from Townsend “Sned” Sulivan, Age: 46 from Atlanta, GA whos occupation is: Martial Arts Instructor.

His favorite Blag Flack singer is Dez Cadena, his favorite Song is Room 12 and he likes the Damaged album the most (all people involved get to name their fav’s). “I was at a Black Flag show, and during the show somebody spit on Henry Rollins. Henry stopped the band and demanded to know who spit on him, saying, ‘I am going to beat up whoever spit on me after the show.’ He talked alot of shit. After the show me and my friend waited for him. He backed down – said that the threats were all just part of the stage act.” This should be a hardcover book, not paperback. Therefore it is not expensive. 24,95 US $ (dolf)

Isbn 978 1 60486 394 9

[Trust # 161 August 2013]

October 7th, 2013

Supernatural Strategies for making a Rock’n'Roll Group – Ian F. Svenonius

Posted in bücher by Dolf

Akashic Books, PO Box 1456, New York, NY10009, Usa, www.akashicbooks.com

Supernatural

If you know – and you should – that the author played in The Make Up and The Nation of Ulysses you might imagine what to expect – and you are partly right. This is not only a instructional guide, but also to some extent occult esoterica and of course alot of truth and attitude, all packed in a not so easy to read textbook. After a Introduction, Part I – True Secrets Revealed – starts off with a couple of séances talking to a few ghosts of dead musicians (Brian Jones, Richard Berry, Mary Wells, Paul McCartney [not dead], Buddy Holly, Jim Hendrix and Jim Morrison) about orgins of the group, how RnR emerged from American gang culture, the influence of Black Phanters and such…..

parts of it is fun and some good thoughts, quote: “Indeed, the modern variety of rock groups is often a predictable, soulless, silly, and quite boring entity, comprised of boarding school bankers’ sons, parading about onstage and playing a passable pastiche of some wrongheads critic’s desert island discs. The groups they cite as influences become more banal every year.” but largly not my cup of tea. Part II – Supernatural Strategies for making a Rock’n'Roll Group – is the “how-to” guide in 20 chapters that deal with everything a band has to deal with: Initial Disgrace, Determining Goals (Politics don’t require talent, intelligence, or good looks.

In the beginning, you won’t even need to own a suit. Just announce some “provocative” (creationist, bigoted, or otherwise reactionary) vitriol into a microphone, and you’ll attract financial backers who will arrange televison appearances, fundraising events and bespoke finery. Your notoriety will be more long lasting and more pervasive than any fame you could achieve in music. Truly, someone like Donald Rumsfeld, a mediocre government functionary with no discernible talent, intelligence, or charm, is a greater international celebrity than rocker Mick Jagger, who has reached the apex of his craft. Rumsfeld, despite being a has-been, is known in every corner of Asia, the Middle East, and Africa for his insanity and arrogance, while Jagger is admired by a mere couple hundred million music enthusiasts, huddled mostly in the first world.), Photo as unveiling, Group Name, Finding the Group, Practice and Rehearsal, Recording, Producer, Van, Label, Sex, Drugs, Performance (However, this audience – even if they are snared by your group, for whatever reason – are a fickle bunch who dont’t acutally listen to music exept as a distraction whilst out in the car or at the bar.

They don’t care about the narrative you create from record to record, or that you added horns to this song, or that the whole group cut their hair. In fact, they won’t notice your name, your lyrics, what you look like, or much of anything about you. They are not the sort of fans the group should seek out, as they display non of the blind loyalty it craves.), Manufacturing Nostalgia, Communication, Leadership, Discipline, Critics (“Everyone’s a critic” is a common complaint, and one that certainly resonates in the modern era of self-publishing and electromagnetic commentary. And, indeed, there is fierce criticism from all quarters, which will bedevil your group if you let it.

But public criticism is best ignored, as it’s arbitrary and often anonymous. Even when it bears a signature, the ideas are usually clueless and quite audacious. After all, who are these critics and who asked them anyway? A critic is one who believes that his or her opinion should be a guide to other people’s taste. This is normal. It is the impetus behind deejaying, mix tapes, records as gifts, and so on. There are many musician or scenester writers who want desperately to steer their milieu in a way that suits their aesthetic or ideology. These people’s ideas on groups and records can be valueable and should be encouraged. They have helped shape – and even invent – some of the more interesting trends and movements of the group era.

But there is also an industry of establishment critics who write judgments on music, whose purpose is more sinister.) Communicating with those outside of the Group, Packaging and the Diminishing Meaning of the Group. Followed by a Closing Statement from the Bureau of Postphysical Rock’n'Roll Workers. This is a thumbs up, thumbs down book, fortunally the up outbalances the down. Of course there is lots of conspiracy theorys, very Svenonius-style, a bit too much of creative writing for my taste, but I do know that some people enjoy exactly that. The core of the book and the attitude are good and true. There is also a few illustartions in this 250 page paperback. And from now on everybody please say “souvenierstand” instead of “merchtable”… Lets go to the souvenierstand and see what kind of souveniers the band has to offer. 14,95 US $ (dolf)

Isbn 978 1 61775 130 1

[Trust # 161 August 2013]

October 7th, 2013

Slime – Deutschland muss sterben – Daniel Ryser

Posted in bücher by Dolf

Heyne Hardcore, Neumarkter Str. 28, 81673 München, www.heyne-hardcore.de

Slime

schonungslos offenes Portrait dieser Hamburger Punk-Legende, welches dem Autor völlig geglückt ist, sicher auch durch die interessanten Menschen die er bei der Recherche traf. Da sind zum einen Mal natürlich alle Bandmitglieder, zum anderen aber auch Leute aus ihrem Umfeld oder einfach Szenemenschen die damals und zum Teil auch noch heute dabei waren. Sie alle kommen zu Wort und nehmen kein Blatt vor den Mund. Das ist total ehrlich und so kann sich der Leser ein sehr genaues Bild über die Geschichte der Band sowie deren MusikerInnen bilden. Mehr kann man von so einem Buch eigentlich nicht erwarten.

Aber es geht noch weiter, denn neben der Bandgeschichte erfährt man auch viel über die Geschichte des Punk im Deutschland und im besondern in Hamburg. Es geht um Fussball, Politik und Saufen, das ganze beginnt 1979 und endet in der kürzlich vergangenen Gegenwart. Man kann viel über die Band lernen und sich wundern: Bandmitglieder die nicht miteinander sprechen, völlig unterschiedliche Positionen innerhalb der Band und dennoch kommen sie immer und immer wieder zusammen. Widersprüchliches wird zum Hauptbegleiter durch die Geschichte.

Das ganze locker geschrieben, leicht wegzulesen, unterhaltend aber nicht oberflächlich, läuft rein wie ein Bier. Man könnte jetzt hier die einzelnen Charaktere analysieren, sich drüber aufregen das Sänger Dirk eigentlich nur ein Proll ist der halt gern feiert, sich prügelte aber trotz seines Fussballfanatismuses dann doch irgendwie links und auch punk ist. Muss man aber nicht, man kann Fragen ob die Band sich mit dem Buch einen Gefallen getan hat oder ob sie einfach so ist wie sie ist. Sicherlich waren sie eine der radikalsten Bands – aber ist radikal auch automatisch richtig? Das kann jeder Leser für sich selbst Entscheiden. Ohne wenn und aber waren Slime eine sehr wichtige Band, ob sie das immer noch sind, bleibt abzuwarten.

Derweil ist dieses Buch hier jedem zu empfehlen der sich für Slime oder auch die Geschichte von Punk interessiert. Beinah 300 Seiten aufgelockert durch viele Fotos, mit massig Originalzitaten und allem was so ein Buch benötigt. St. Pauli, Schanzenviertel, Hafenstrasse, RAF, Demos, Strassenschlachten, Indizierung, Touranekdoten und persönliches, persönliches, persönliches. 19,99 Euro (dolf)

Isbn 978-3-453-67653-4

[Trust # 161 August 2013]

October 7th, 2013

Hard Art – DC 1979

Posted in bücher by Dolf

Akashic Books, PO Box 1456, New York, NY10009, Usa, www.akashicbooks.com

HardArt

The reason why this book existst starts with a coincedent and it should not be the only one. In 1979 Lucian Perkins sits in the bar of D.C. Space when he heard loud music from the room above. At that time his internship at the Washington Post has just been extended for six month, he went upstairs and saw a large room that was filled with alot of kids, many of them underaged – among them the 14 year old Alec MacKaye – the band playing was the Bad Brains. Perkins talked to their singer H.R. after the concert and that was the start of him documenting the early DC Punk scene.

He went to four more concerts to take pictures and approached the Metro Editor at the Washington Post to run a story on the DC punk scene. He said no, a few month later the Sunday magazine would run the story. Fast forward to 1995 when Lucian Perkins (who is meanwhile a Purlitzer-Prize winning photojournalist) hires Lely Constantinople to organise his extensive photographic collection, negative by negative. On some of the negatives she recognized Alec MacKaye her then boyfriend (now husband), there you go.

The project was born but it took until now until it was finnished – there is also a exhibition. Documented are: Bad Brains and Trenchmouth playing a ‘Rock against Racism’ at the Valley Green Housing Complex on Sept. 9. 1979; Bad Brains and The Slickee Boys at Hard Art Gallery on Sept. 15. 1979; D.O.A., Tru Fax & the Insaniacs and Brick Bats (Trenchmouth) at Madams Organ Artist’s Cooperative 1 on Nov. 11.1979; Bad Brains, Trenchmouth and The Teen Idles at Madams Organ Artist’s Cooperative 2 on Jan. 25. 1980. The 100 pages harcover book features great shots, not only of the bands, but also the audience. Lukily Perkins was not only focusing on the musicians but also the crowd, the first punks of DC.

Very few of the photos have beenn published before, but the majority have never been published before. Alex MacKaye writes a nice narrative to the happenings back then, so you get a good picture of what was going on at these gigs. Here is a short quote that can be said for almost every new generation of punks/youth: “Old-head rebels tried to offer guidance, to make themselves relevant and turn the new wave on to some of the stuff they had been inspired by – and were soundly ignored, in general. Some of them took the rejection kind of hard. Their revolution had become, in spite of itself, an academy. It was measured and dispensed using the metrics of midcentury philosophers.

Punks thought that because they didn’t read those books, their ideas were fresh – maybe not, maybe so, but their ideas where coming from a place of emotional honesty, irrepressible in the face of intellectualism.” All photos are b/w and capture the atmosphere from those early concerts and a bunch of them are classics. At the end there is a essay by Henry Rollins on The Teen Idles, explaining how intensive and commited it was back then. A great document for the DC scene. Probably not a must have, but a great addition to every book shelf. I enjoyed reading and looking at the long lost photos. 23,95 US $ (dolf)

Isbn 978 1 61775 167 7

[Trust # 161 Augsut 2013]

 

October 7th, 2013

Cool Aussehen – Mode & Jugendkulturen – Diana Weis

Posted in bücher by Dolf

Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, Fidicinstrasse 3, 10965 Berlin, www.jugendkulturen.de

CoolAussehen

Auf über 200 grossformatigen (+A4) Seiten gibt es über 20 Essays und Interviews von ebensovielen AutorInnen zum Thema. Los geht’s mit einer kurzen Einleitung der Herausgeberin, und sie erzählt auch noch gleich die Historie der “Schwarzen Lederjacke” von den 50ern bis in die Gegenwart – Basiswissen für jeden Rebellen, sozusagen.

Gefolgt von der Geschichte der Marken “Ben Sherman, Dr. Martens und Fred Perry”, sowie “Bomberjacke”, “Mods”, “Punk”, “Dandy”, “Modeprotest in der DDR”, “Popper”, “Jugendmode im Film”, “Die Kutte”, “Piercing”, “Riot Grrrls”, “Lolitas”, “Vogueing”, “Techno”, “Picaldi-Stil”, “Skinny Jeans”, “Preppiness”, “Palästinensertuch”, “Selbstdarstellung von Jugendlichen”, “DJ Sarasa” und dem Macher von “Dandy Diary” sowie abschliessend “Die Jungen sehen alt aus”.

Das ist eine ganze Menge Stoff und obwohl viel mit Fussnoten (welche in einer unmöglichen Schriftart/grösse kaum zu entziffern sind) gearbeitet wird ist es zum grossen Teil nicht zu akademisch verfasst. Zum einen lesen sich die meisten Essays gut und sind auch spannend, ausserdem ist das ganze Buch sehr reich bebildert und alles andere als eine Bleiwüste. Manche der Themen find ich jetzt nicht so spannend, am langweiligsten vielleicht der Beitrag über “Lolitas”, nicht das mich “Vogueing” mehr interessieren würde, aber das hatte wenigstens noch inhaltlich was zu bieten. Bei einigen der anderen Themen kann man gut schmunzeln oder aber auch hin und wieder doch noch was lernen.

Jugendliche werden das zwar blöd finden, manche zumindest, ich fand es aber ganz gelungen. Interessant auch die Aussage der Schweizer Künstler Rico & Michael: “Diese Oberflächlichkeit macht wahrscheinlich den wichtigsten Punkt aus, der die Elterngeneration beunruhigt, weil sie ihn am wenigsten nachvollziehen können. Sie sind kulturell so geprägt, dass man hinter dem Erscheinungsbild von Dingen oder Menschen nach einem tieferen Sinn suchen muss. Dabei ist die Oberfläche schon Bedeutung genug.

Das Arbeiten Jugendlicher am Selbstbild kann so durchaus auch zur rebellischen Haltung werden.” Das erklärt auf jeden Fall die Position einiger Jugendlicher, versucht sie gar zu entschuldigen bzw. zu erklären, letztendlich ist es doch aber so, das es eben keine wirklich rebellische Haltung ist wenn man nur an seiner Oberfläche arbeitet.. anderseits wird ja auch gesungen “my rebellion is love”, insofern liegt es dann wohl am Individium was wie läuft – mittlerweile ist ja alles möglich, auch das unmögliche. Ich finde Oberfläche zu wenig. Das Buch ist Hardcover und jetzt muss es endlich von meinem Schreibtisch weil ich den Typen da auf dem Cover nicht mehr sehen kann…… 36.- Euro (dolf)

Isbn 978-3-943774-00-9

[Trust # 161 August 2013]

 

October 7th, 2013

Hrvst: Youth

Posted in bücher by Dolf

Averse, Schlesische Str. 26, Aufgang CIV, 10997 Berlin
www.averse-publishing.com

HrvstYouth

Originally this was planned to be published in fall 2010, but it took them until now to finnish the second book with the same concept “One Issue One Topic” in this case: Youth. This time there is contributions from 35 people (musicians, artists) from around the world, well USA and Europe that is mainly. Like last time, every author has a small “about me” text, a ID photo and another photo selected. Most of it is short stories, but also some photos. The storys range from, “why did I read this” to “good point” and everything inbetween.

Storys from the youth, fucking shit up, beeing unhappy, misunderstood, haveing a great time – of course everybody has their individual way to write about youth. Unfortunally there was no eye opener among the texts. Not sure how the editors (Thiele/Thauer) select their contributers, but maybe that can be finetuned – or uptuned. Almost 250 pages starting with a intro, at the end there is contacts to all the contributers. Paperback. Limited to 700 copies. Lets see what their next topic is. 12.- Euro (dolf)

Isbn 978 3 9418 93 05 4

[Trust # 161 August 2013]

October 7th, 2013

die ärzte Songbook – für Ukulele

Posted in bücher by Dolf

DieÄrzteSongbuchUkulele

 

 

 

 

 

 

 

Bosworth Music GmbH, Dorotheenstr. 3, 10117 Berlin, http://www.bosworth.de

Kürzlich ist ja schonmal ein aktuallisiertes Songbook erschienen, hier jetzt ein ebenso aktuelles nur eben für Ukulele. In bewährter Form mit Texten und allem was man benötigit um die Ärzte-Songs auf dem kleinen viersaitigen Instrument nachzuspielen.

Ein Vorwort von Bela gibt’s auch. Ansonsten: Hardcover in Holzoptik. Format 105 x 170 über 300 Seiten. 14,95 Euro (dolf)

Isbn 978 3 865 43 758 7

[Trust # 161 August 2013]