Juli 22nd, 2019
โAlles war so minimalistisch gegenüber den Metal Konzerten und trotzdem hatte man nach solch einem Konzert das Gefühl, etwas ganz ganz großes erlebt zu habenโ
Interview mit CORROSIVE, Schwarzwald-Powerviolence seit 1986
Yes, the boys are back in townโฆ und das schon seit 2006. Die mächtigen CORROSIVE aus dem beschaulichen Schwarzwald, genauer gesagt aus Hardcorehausen Villingen-Schwennigen, sind seit zwei Jahren zurück, um uns den alten โPower Violenceโ/โGrindcoreโ/โNoisecoreโ der Slap-a-Ham Records Schule zu kredenzen. D.h. die hier zelebrierte Musik erinnert an die von der Band selber angegebenen Einflüsse wie SLAYER, INFEST, CROSSED OUT, frühe NAPALM DEATH. Also nur das geile, großartige Zeug und keine flachen Imitate. Die Attitüde der Band ist allerdings noch älter als der Anfang der 90er aufkommende Slap-a-ham Stil.

Juli 17th, 2019
DIE RรCKKEHR DES APOKALYPTISCHEN BILDERSTรRMERS
Seine Musik hat mich seit Mitte der 80er kontinuierlich begleitet. „NAIL“ und „HOLE“. Der Apokalyptiker mit den unzähligen Gesichtern. „IยดLL MEET YOU IN POLAND, BABY“ und „ENGLISH FAGGOT“.
Schwarzer Ritter, todessüsser Joker und Grand Arrangeur in einer Person.
FOETUS CORRUPTUS, FOETUS OVER FRISCO. Zynisch und weltabgewandt und voll von selbstzerstörerischer Energie. Der bastardisierte Sinatra, der ganze Orchester in Auflösung begriffen in den Abgrund marschieren lässt.
Ein Loner, der selten lächelt und sich in großartig-tragischen Gesten verliert. Herr CLINT RUIN alias JIM G. THIRLWELL. STEREOID MAXIMUS und MANOREXIA. Begnadeter Elektroniker, Performer und Multi-Instrumentalist. Großer Hexenmeister des strukturierten Krachs. Lange war keine Dissonanz aus seinem Musik-Laboratorium, dem „self-immolition-studio“ mehr zu vernehmen.

Juli 17th, 2019
Irgendwann im Mai drückte mir ein amerikanischer Bekannter eine Mini-CD in die Hand. „Hör dir die mal an, mit denen arbeite ich künftig“, meinte er nur – was für Musik das sein könnte, sagte er nicht. Ich war schon beim ersten Hören beeindruckt: Ich liebte diese ausschweifenden Orgel-Parts in den Songs, die für Punk viel zu lang waren. Aber es war immer noch Punk, was diese Band machte – Punk in dem Sinne, wie ihn Juno auch auf ihrer neuen Platte spielen. Nur vielleicht nicht so nachdenklich, zerbrechlich und verinnerlicht, sondern weit dekadenter, exzessiver, nicht unbedingt Lebensbejahender, aber sicherlich -genießender. „Goodnight“ hieß die CD und Pleasure Forever die Band, die seither definitiv zu meinen Favoriten gehört.

Juli 17th, 2019
Frei nach dem Motto โbesser spät als nieโ habe ich an einem sonnigen Frühlingstag im März ein kleines Interview mit Rudey, dem Gitarristen, Songwriter und Bandmitbegründer der Band ANFALL geführt โ zur aktuellen Scheibe und auch noch zu einigen anderen Dingen mehr…
Lest selbst, was der PunkROCKER aus Hannover zu sagen hat, und freut euch auf das ein oder andere nicht ganz ernstgemeinte Statement!

Juli 15th, 2019
SUPPORT YOUR LOCAL TRESENCREW: CHAINBREAKER
Chainbreaker kommen aus Potsdam und überzeugen durch schnörkelosen Hardcore, der leicht ins grindige geht, aber überraschend metalfrei und ohne dicke Eier rüberkommt. Dieser Einleitungssatz war für Daniel vom Trust, der immer die Musikbeschreibungen von Bands in den Einleitungen vermisst; also, HC der Septic Death /Siege/Heresy-Schule mit Grindcore-Einschlag aus Ostdeutschland. Ich habe den lustigen Berliner Slang (also ich finde den immer lustig) der Burschen mal so gelassen und wünsche euch viel Spass.

Juli 15th, 2019
„Unknown towns are fun. That’s when and where it’s possible to imagine that everybody you meet is nice.“ (Celine)
Interview mit MYKEL BOARD
Mykel Board schreibt seit 1982 seine Kolumne im Maximum RockยดnยดRoll; es sind lange und lesenswerte eigenständige Texte, die der alte Mann aus New York da jeden Monat raushaut. Da ich mit ihm wegen seines Textes für die TRUST Sex und Musik Ausgabe im Email Kontakt war und es kurzfristig so aussah, als ob ich nach New York fahren würde (was aber nicht geklappt hat), dachte ich mir, dass ich dem guten Mann mal ein paar Fragen per Email stelle, die dann auch sehr schnell im März 2006 beantwortet worden. Viel Spass, see you on board.

Juli 15th, 2019
DIY No Bullshit pissed Off personal-political HC-Thrash:
im Gespräch mit DROPDEAD.
Die heutigen (ü) 40 Fans werden sich bestimmt noch gut an die (Konzerte der) wahnsinnigen Amis von Dropdead in den 90er erinnern. Für alle anderen hier erstmal ein paar Infos zur Band. 1989 trafen sich in Providence (im Bundesstaat Rhode Island an der amerikanischen Ostküste) Bob und Ben zum Musizieren. Daraus wurden dann Anfang1991 Dropdead. Ziel: Hardcore Thrash mit persönlichen und politischen Texten. Die Mittel: rühre Confuse, Siege, Lärm, Crass, Swans, Infest, SSD, Pandemonium, Icons of Filth, Gauze, Septic Death, Discharge und Anti-Cimex zusammen und mixe alles gut durch!

Juli 15th, 2019
Ein Abend vor Halloween irgendwo in Hamburg. Fünf gestandene Männer, die ihre gemeinsame musikalische Aktivität BOY DIVISION nennen, haben sich versammelt, um fünf Fragebögen zu beantworten, die ihnen per E-Mail zugeschickt wurden. Auf dem Tisch: Ein Aufnahmegerät samt Mikrophon. Gleich daneben: Eine Knabbertüte, die anfangs öfters empfindlich knistert. Gläser klirren. Die Stimmen: Durcheinander und zumeist nicht identifizierbar. Die Stimmung: Heizt sich auf.

Juli 15th, 2019
Mittlerweile dürfte sich so einiges herumgesprochen haben: Dass Dinosaur jr. mitsamt dem alten Schriftzug wieder da sind, mit Murph und Lou. Dass sie eine neue Platte gemacht haben. Dass diese wieder mal sehr toll und dinosaur-mäßig geworden ist (wobei sich nicht ganz so weit herumgesprochen hat, dass sie eher klingt wie die Dinosaur nach dem Auseinanderbrechen der Urbesetzung und nicht, wie irrtümlicherweise mindestens in jeder zweiten Besprechung behauptet, ganz und gar nach โBugโ oder gar โYou’re Living All Over Meโ klingt, die, wie sich wiederum begrenzter Bekanntheit erfreut, vor zwei Jahren neu aufgelegt wurden). Dass J Mascis ein schweigsamer Mensch ist.

Juli 15th, 2019
โTo the one true God above: here is my prayer – not the first you’ve heard, but the first I wrote. (not the first, but the others were a long time ago). There are two people here, and I want you to kill them. Her – she can go quietly, by disease or a blow to the base of her neck, where her necklaces close, where her garments come together, where I used to lay my face…
That’s where you oughta kill her, in that particular place. Him – just fucking kill him, I don’t care if it hurts. Yes I do, I want it to, fucking kill him but first make him cry like a woman, (no particular woman), let him hold out hope that someone or other might come then fucking kill him Fucking kill him. Kill him already, kill him. Fucking kill him, fucking kill him, Kill him already, kill himโฆ Amenโ
Ein Interview mit Bob Weston / SHELLAC
Shellac. Noise-Rock aus Chicago. Präzise. Gefährlich. Unglaublich erregend. Geil. Fies. Ein Uhrwerk. Die รberschrift der Text von dem Song โPrayer to Godโ, ein mächtiger abgefuckter Ripper vor dem Herrn, ein Schlag mit Ansage in die Weichteile und du willst immer noch mehr. Die โTerraformโ könnte man weglassen und die โItalien Greyhoundโ auch, aber den Rest brauchst du!

Juli 8th, 2019
โIch bin am ganzen Körper tätowiert โ in Hautfarbe! In Hautfarbe!โ
Im Dialog mit den JOSEPH BOYS
Es war ja so: im September 2015 brachen die Düsseldorfer JOSEPH BOYS nicht nur den Rekord am Höchst-Konsum von Backstage-Getränken im Dreikönigskeller in Frankfurt am Main – sie machten auch โnebenbeiโ noch so geile Punk-Musik, dass ich zu dem Veranstalter, ein alter Freund der Band und früherer Trust-Schreiber, nur meinte โSchade, das wird das letzte Mal sein, dass wir die Band in diesem kleinen Rahmen sehen werden, sie sind einfach zu gut!โ. Dazu stehe ich weiterhin und die Band wird einfach immer besser.

Juli 8th, 2019
โAls ihr angefangen habt, was waren eure Einflüsse, Dada und Surrealismus?
Unzufriedenheit! Ganz am Anfang stand die Unzufriedenheit. Du schaust dich nicht nach anderen Alternativen um, wenn du zufrieden bist. Das war zuerst. Auf jeden Fall dann der Existentialismus aus Europa. Sartre und Camus, das lasen wir alle und war für uns 100 Prozent eine wichtige Inspiration. Wittgenstein war Pflichtlektüre. Zen-Buddhismus war auch wichtig, ich denke, dass waren so die wichtigsten intellektuellen Einflüsse. Und natürlich ein generelles Interesse an der Musik weltweit, die neu war, indische Musik wurde gerade bekannt.โ
Im Gespräch mit Fluxus-Künstler Benjamin Patterson
Fluxus ist eine Kunstrichtung (Musik, Literatur, Videos, Malerei, Performance), die 1961 zuerst in New York entstand. Die offizielle Geburtsstunde war das Jahr 1962 in Wiesbaden. Und somit wurde 2012 das 50 jährige Fluxus-Jubiläum gefeiert. Es gab in der โZeitโ zu diesem Anlass einen guten Artikel, an dem ich mich im folgenden anlehne.

Juli 8th, 2019
MEUDIADEMORTE RECORDS
Durch viel Liebe zum Detail zeichnen sich die Platten des saarländischen Labels MEUDIADEMORTE aus, welches seit nun vier Jahren vorallem experimentelle, teils recht obskure, Musik veröffentlicht.
Labelmacher Pascal beschränkt sich nicht nur auf oftmals vorhandene ein / zwei typische Stilrichtungen bei auch kleinen Plattenfirmen, sondern released was gefällt:ย Sei es nun Noise, Post Punk, Elektronik oder auch mal poppige Sachen.

Juli 4th, 2019
Im TRUST # 186 schrieb Stone in einem Review, über die aus Köln stammenden TICS: โIhre Songs, nie über zwei Minuten lang, hibbeln nervös wie bei den Minutemen. Und handeln von den Symptomen des Lebens im entwickelten Kapitalismusโฆ Minutemen als nächstliegende Referenz nannte ich bereits, wobei manches in den Gitarren (und das punktuell eigesetzte, schön frei dahintrötende Saxophon) dann auch an Slovenly erinnert, auch die Art wie hier eher skandiert als gesungen wirdโ. MINUTEMEN! SLOVENLY! Attitüde! Saxophon! waren die vier resultierenden Schlagwörter, die meine Interesse sofort weckten.

Juli 4th, 2019
รber das Rezept für Lieblingsplatten
Interview mit Gouge Away
Wann habt ihr das letzte Mal eine Band für Euch entdeckt? Eine, die Euch umhaut. Ihr hört die Platte rauf und runter. Sie ist Euer Soundtrack, wenn Ihr in der Abenddämmerung durch die Straßen zieht. Sie bringt Euch dazu, in lauen Sommernächten viel zu schnell mit dem Fahrrad nach Hause zu rasen. Oder im Auto den Refrain mitzubrüllen und dabei die Faust zu recken. Die Texte sprechen Euch aus dem Herzen und ihr könnt einfach nicht still sitzen, wenn Ihr sie hört. Die Musik bewegt Euch. Sie trifft einen Nerv – Euren Nerv. Wann ist es Euch das letzte Mal passiert?

Juli 1st, 2019
ALICE BAG dürfte den meisten von euch bekannt sein, als Sängerin von The BAGS, die 1978 auf Dangerhouse Records, die โSurviveโ-Single und ein Jahr später auf dem Sampler โYes L.A.โ den Song โWe donยดt need the englishโ veröffentlichten. 1992 wurde aus der gleichen Aufnahmesession, für den zweiten Dangerhouse-Sampler noch der Punkrockknaller โWe will bury youโ ausgegraben.

Juli 1st, 2019
โYes that’s right, punk is dead. It’s just another cheap product for the consumers head. Bubblegum rock on plastic transistors. Schoolboy sedition backed by big time promoters. CBS promote the Clash. But it ain’t for revolution, it’s just for cash. Punk became a fashion just like hippy used to be and it ain’t got a thing to do with you or me.
Movements are systems and systems kill. Movements are expressions of the public will. Punk became a movement cos we all felt lost. But the leaders sold out and now we all pay the cost. Punk narcissism was social napalm, Steve Jones started doing real harm. Preaching revolution, anarchy and change. As he sucked from the system that had given him his name.
Well I’m tired of staring through shit stained glass. Tired of staring up a superstars arse. I’ve got an arse and crap and a name. I’m just waiting for my fifteen minutes fame. Steve Jones you’re napalm. If you’re so pretty (vacant) why do you swarm? Patti Smith you’re napalm. You write with your hand but it’s Rimbaud’s arm.
And me, yes I, do I want to burn? Is there something I can learn? Do I need a business man to promote my angle? Can I resist the carrots that fame and fortune dangle? I see the velvet zippies in their bondage gear. The social elite with safety-pins in their ear. I watch and understand that it don’t mean a thing. The scorpions might attack, but the systems stole the sting.
PUNK IS DEAD. PUNK IS DEAD. PUNK IS DEAD.โ
(CRASS, 1978)

Juli 1st, 2019
Trust: Warum sind gedruckte Punk Fanzines noch wichtig?
Grace: In einer Welt, in der unsere Community und Kultur aggressiv zu einer Ware gemacht und von gigantischen Firmen als unabhängige Sache verschleiert wird, ist es wichtig, an den Formaten festzuhalten, die so lange gut für uns waren! Die Materialität von Print ist auch erstaunlich โ in fünfzig Jahren werden wir immer noch Ausgaben vom MRR und Trust zum Durchblättern haben, lange nachdem Links zu Noisey zu 404-Fehlern reduziert sind.
MAXIMUM ROCKNROLL FANZINE
Klar, es gab vor dem Maximum RocknRoll Fanzine schon gedruckte Punk-Fanzines, zum Beispiel das PUNK Magazine in New York oder das FLIPSIDE aus Los Angeles. Aber sie sind lange tot. Wer sich für gedruckte Punk-Fanzines interessiert und nicht im Gestern leben möchte, der kommt am Maximum RocknRoll (MRR) Fanzine aus San Francisco nicht vorbei.

Juli 1st, 2019
L7 (und die Grenzen des Musikjournalismus)
Die Welt befand sich in einem merkwürdigen Wartezustand. Zumindest der Teil der Welt, den es interessierte ob Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden würde oder nicht. L7 sind vielleicht nicht gerade eine Punk-Band, aber sie waren immer eine politisierte Band, die auf Dauer ihren Vorschlag Pretend we’re dead vielleicht etwas zu ernst genommen hat. Nicht als ironische Kritik an den Wünschen des Establishments, sondern als tatsächliche Handlungsmaxime. Wobei, andererseits waren sie gerade inmitten ihrer Reunion-Tour im September 2016 und wollten noch ein letztes Lebenszeichen von sich geben.

Juni 25th, 2019
von Canalterror über Molotow Soda hin zu F*cking Angry:
Interview mit Dominik S. aka Junk Punk aka Nik Nasty
Es war 1992 und wir waren mit dem Leverkusener Ski- und Surf-Club in Frankreich für zwei Wochen. Ich war 14 Jahre alt und ein Tape lief am Strand fast jeden Tag und besonders abends zum Trinken, der โFestival der Volxmusikโ-Sampler. Ami-HC kannte ich schon, aber auch dieser (Fun-) Punk hatte es uns mächtig angetan. Auf dem Sampler befindet sich als Eröffnungsstück der geniale Song โWasserleichenโ der Bonner Band Molotow Soda, mit dem hingerülpsten Unterbrecher der Messe-Zeremonie.

Juni 25th, 2019
S/T….psychedelischer us-Kraut-Rock
Klar kennt ihr das, das man auf einem Konzert von einer völlig unbekannten Band total überwältigt wird… eher seltener ist das Erlebnis, dass man einer Band neutral gegenübersteht, weil man mit der Musikrichtung nicht so viel anfangen kann, eventuell schon mal ein paar ältere Aufnahmen gehört hat und dann beim ersten Live-Auftritt völlig erfreut wird?

Juni 25th, 2019
CHICKS ON SPEED: On Speed, Spex and other Non-Essentials
Im Rahmen der c/o Pop lud die Intro die Elektrosensation Chicks on Speed, halb Performance Art Projekt, halb Band, ein und ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf Melissa Logan, Gründungsmitglied der Band und des gleichnamigen Labels zu interviewen. Auch wenn ihre Choreographien einstudiert wirken, ist Stagnation ein Fremdwort für die Frauen. An diesem Abend sind ebenfalls auf der Bühne zu bewundern: Alex Leslie-Murray, ebenfalls Gründungsmitglied der Gruppe, die mich auf Grund ihrer Marschiertanztechnik an Johanna Fateman von Le Tigre erinnert, und Anat, Neuzugang der trotz einem Kampf ähnelnden Auseinandersetzungen mit dem DVD-Player herzlich vom Publikum angenommen wird, da sie auch obwohl sie ihre Sticks verlegt hat es sich nicht nehmen lässt mit voller Wucht auf die Standtom einzuschlagen.

Juni 25th, 2019
Vor eineinhalb Jahren besuchte ich mit meiner Freundin, die seinerzeit in Boston lebte, ein laut Flyer äußerst unterhaltsamen Spätnachmittag versprechenden All Ages Sieben oder so Bands Event. Dieser fand glücklicherweise in einem viel zu kleinen, alten Lagerraum statt, der keine Belüftung besaß, was zusammen mit der ächzenden Hochsommerhitze zu eher unangenehmen Umständen führte, die durch einen gigantischen Sonnenbrand, dem vielleicht schlimmsten meines Lebens, weiter nach unten gezogen wurden. Unter den Bands befanden sich auch die Explosion, die dem derzeitigen Chic gemäß mit einem Rattenschwanz von schlechten Tattoos und Endsiebzigerkleindungslook wie auch einem ordentlichen Schlag des englischen Punkrocks der damaligen Jahre bewaffnet die Ecke des Raumes, wir wollenยดs mal die Bühne nennen, in Gewahrsam nahmen.

Juni 25th, 2019
The night I bombed Dresden
Schauplatz Fort Collins, Colorado. BLACK FLAG kamen da her. DESCENDENTS, ALL.
Und jetzt TANGER. Ganz was anderes. Drei junge Männer, die Verzweiflungsmomente in Glücksgefühle verwandeln können. Die auf die Ur-Formel setzen: Kraft der Musik; Schlagzeug, Bass und Gitarre als Spieleinheit. Und im Fall TANGER maximal komprimiert und zu einem Energiestrahl verdichtet, der wirklich seines gleichen sucht. Ohne Pathos, ohne die handelsüblichen Selbstdarstellungen des Rock-Zirkus wird sich auf das Wesentliche beschränkt, auf den Punkt gerockt. Erdverbunden wie ein Kettenförderer im Untertagebau greift bei diesem Trio ein Zahnrad ins andere, wird ein Schub entwickelt, der sich ungeschminkt und hässlich unter die Oberfläche frisst, bohrt und weiter vorwärtsstösst.

Juni 25th, 2019
Geographisch gesehen nimmt die Dichte an Bands, welche man im Allgemeinen so kennt, nach โOstenโ hin leider ab. Aurora aus Ungarn, Sto Zvirat und das Day After Records Umfeld aus Prag sind noch in greifbarer Nähe, zudem fliegen irgendwo bei mir noch zwei Mix Tapes von einem Kumpel aus dem lettischen Riga rum, aber dann müsste man noch etwa 15000 Kilometer weiter fliegen um in Amerika all die ach so grandiosen Ami Bands nennen zu können. Spitfire aus dem russischen St. Petersburg machen sich seit Jahren daran, diese riesige Lücke zu stopfen. Da ist es fast schon zweitrangig, dass sie erstklassigen SKA Punk spielen der den Vergleich mit den Mighty Mighty Bosstones nicht zu scheuen braucht, aber mit dem teils russischen Gesang und Ausflügen in die musikalische Tradition des Landes, nicht so ganz auf den hippen โTrans Amerika Expressโ setzen will.
