Dezember 31st, 2022

AK 47 Düsseldorf Teil II (#211, 2021)

Posted in interview by Jan

Das AK 47: Düsseldorfs Punkrockklupp No. 1 (Teil II)

Weiter geht es mit der Fortsetzung unseres Gesprächs aus der letzten Trust-Ausgabe, wir haben das Interview ziemlich genau in der Hälfte geteilt, damit man es gut lesen kann, es war zu lang „am Stück“. Ich rekapituliere kurz, was in dem Teil I des knapp zweistündigen Gesprächs mit MEYER77 und Thorsten vom AK47, einem der legendärsten und immer noch aktiven Konzertläden unserer Szene, besprochen wurde. Bislang ging es u.a. um die Aufgaben im AK wie Technik, Tür und Theke, die Waffe AK 47, die Booking-Methoden, Festgagen, Green Day, Bluttat, D.O.A., Subhumans, Gang Green, die Red House-Kneipe, Peter and the Test Tube Babies und das „This is Flingern“-Festival. Ihr findet im ersten Teil auch eine umfangreichere Einleitung, viel Spaß jetzt mit dem Teil II! Das Interview führte Jan Röhlk, der Kontakthof ist: ak47-dusseldorf.com.

Also ihr Lieben, wir haben jetzt gute 50 Minuten durch, ich hätte dann jetzt noch die interessanteren Fragen. Sollen wir ne Pause machen?
THORSTEN: Nein.
Ich kann in der Theorie fünf Stunden mit dem Ding aufnehmen! (lacht)
MEYER77: Ja, hallo? Wer setzt uns denn hier unter Druck, Jan? Das bist du doch mit deinem Kruschten. (lacht)
THORSTEN: Ganz kurz, wo wir gerade bei Flingern waren. Am Freitag, als ich beim Gnaata war, bin ich dann nach Hause, bin bei ihm über die Straße, da ist ja auf der anderen Seite der Netto, ich gehe so über die Straße, so zwischen zwei Autos, komme da auf den Netto zu, da saßen so ein paar Fuseleulen und irgend so eine Alte.
MEYER77: Nein, jetzt sag nicht, dass war Proll-Heike?
THORSTEN: Nein, ich kannte die nicht, aber sie so: „Entschuldigung, ich habe mal eine Frage. Arbeiten Sie bei der Polizei?“.
MEYER77: Halt das Maul, Alter! (lacht)
THORSTEN: Es geht ja noch weiter. Ich so: „Was ist los? Nein, auf keinen Fall.“, die dann: „Ach so, kannst du mir dann vielleicht Material klarmachen?“.
MEYER77: Das ist nicht dein Ernst.
THORSTEN: Doch, doch. Auf dem Weg dahin.
MEYER77: Sie wollte dich erst abchecken und dann wollte sie Heroin haben?! „Warten Sie, einen Moment, okay. Ich hole Ihnen mal kurz Heroin.“ Das ist unser Stadtteil.

Genial! Sagt mal, ihr so als undogmatische Linke…
THORSTEN: Das höre ich gerne, ja.
Wie legt ihr die Grenze, Stichwörter „Grauzone“ und „Sexismus“ bei Bands, die ihr bucht?
MEYER77: Lege ich ganz hoch, das Thema Grauzone wird ja bei manchen Leuten sehr locker genommen, bei uns nicht. Ja, und zu Sexismus, also jetzt mal ganz ehrlich, da kommen wir sofort zu unserem Lieblingsthema, dass wir seit Jahren ja alle haben. Wenn sich bei uns ein Schlagzeuger nackig macht, dann ist das für uns kein Sexismus, dann ist ihm einfach nur warm. Leider haben andere Läden das anders eingeführt, auch in Düsseldorf. So weit gehen wir nicht, also bei so einer Sache. Aber ganz ehrlich, bei Grauzonenbands: wir rühren nichts an, wo vorher schon der Daumen drauf lag von anderen Leuten.

Ja, aber wie entscheidet ihr das?
MEYER77: Das entscheide ich so, dass ich halt viel mitkriege. Ja, das wird dann auch besprochen. Aber es ist trotzdem so, dass wir eigentlich alle sehr politisch und alle sehr links sind und da ist das eigentlich ´ne ganz klare Sache. Solche Bands würden ja selber auch gar nicht erst anfragen.

Naja, wenn jetzt eine Böhse Onkelz-Coverband anfragen würde, im AK 47 zu spielen! (lacht)
MEYER77: Wer? Was für eine Coverband?
Eine Böhse Onkelz-Coverband. Kevin aus Frankfurt eben! (lacht)
THORSTEN: Nein!
MEYER77: Nein!
THORSTEN: Das ist eine Sache, die existiert ja gar nicht.

Oder so Oi-Bands und New York-Hardcore Bands auch.
MEYER77: Ja, also bei mir muss ich sagen, ich würde das bei keiner Musikart durchgehen lassen. Und ich würde auch sagen, bei Oi-Bands auf jeden Fall bei so was wie Perkele auch nicht.
THORSTEN: Ja, da habe ich jetzt nicht genug Hintergrund dazu, aber ich würde es aus Prinzip nicht machen.
MEYER77: Genau. Perkele definitiv nicht. Da achte ich auch mit drauf. Also wenn ich bei uns unten bin, dass solche nicht reindürfen.

Also, es wird ja wirklich schwierig, das zu entscheiden?
MEYER77: Nein, finde ich eigentlich gar nicht, weil wir so viele Leute in unserem Umfeld seit Jahrzehnten haben, die sich damit auskennen. Dass man ganz genau weiß, wenn was angefragt wird oder wen so eine Band anfragt, wen man fragen muss.
THORSTEN: Dass du von vornherein schon weißt, „Da geht die Sirene schon an“.
MEYER77: Eben, weil man dann sein Umfeld hat. Entweder habe ich schon eine Meinung. Wir haben ja auch teilweise andere Meinungen. Wenn ich sage, „die Band würde ich nicht machen, weil ich die zum Beispiel nicht mag“, dann kann es sein, dass andere das anders sehen.
THORSTEN: Paradebeispiel fand ich jetzt vor zwei oder drei Jahren das Flingern-Festival, das mit den Ruhrpottkanaken.

Sehr gutes Beispiel!
MEYER77: Habe ich übrigens eingetütet. Und es gab Theater.
THORSTEN: Nein, es gab kein Theater. Es war halt …
MEYER77: Anja wollt es nicht machen und zwei oder drei Leute wollten es canceln.
THORSTEN: Nein, nicht canceln. Anja hat nicht gesagt „canceln“, Anja wollte es nicht mischen. Sie kannte die Band aber nicht, sie hatte sich dann im Netz schlau gemacht. Und die Texte sind ja jetzt…also, ob das jetzt sexistisch ist.

Ja, so „Vorstufe“ vielleicht…
THORSTEN: Ja, ja…

Ich mag die ja auch, die Ruhrpottkanaken.
THORSTEN: Und das sind alte Freunde von mir und da habe ich auch gesagt…
MEYER77: Von uns.
THORSTEN: Ja, von uns alte Freunde. Und ich will die machen, Cem hat angefragt und die haben schon ewig nicht mehr hier gespielt.
MEYER77: 30 Jahre nicht, ach nein 28 Jahre nicht.
THORSTEN: Die hatten sich auch wieder zusammengerauft und da hatten wir auch ganz schnell einen Konsens, dass Anja gesagt hat, sie findet das jetzt nicht gut, sie würde das nicht mischen. Aber dafür haben wir den nächsten Mischer.
MEYER77: Aber dafür haben wir eine andere Band, die falsche Informationen hatte, die hat daraufhin abgesagt. So, und da muss ich sagen, diese Geschichte, bitte lest euch das alles nochmal in anderen Foren durch, weil die Geschichte ist so doof und so dumm. Die Jungs waren sogar selber noch beim Plenum im AZ Mülheim. Da hat eine mal was gesagt, da in Mülheim und da wurde sie dann gefragt: „Kennst du den Text?“ und die so „Nein, den kenne ich gar nicht“. Aber die hat dann mal was dazu gesagt. Und das war wieder so ein Klassiker. Das Diejenige, die sich beschwert hat oder die, die sich beschwert haben, einfach etwas übernommen haben, eben einfach etwas mal so in den Raum gestellt haben. Die Jungs sind selber da hin. Die sollten nämlich da spielen, ihr erstes Reunion-Konzert, glaube ich und die hatten da auch voll Bock drauf. Und auf einmal hat das AZ Mülheim gesagt, „ist nicht“. Also, da gab es auf jeden Fall Theater. Das ist genau das, was ich meine: falsche Informationen, sich aber dick machen. Und wir versuchen, gute Informationen zu holen, bevor wir uns dick machen.

Dann gibt es, so gesehen, auch kein Konzert, was ihr selber veranstaltet habt, was ihr im Nachhinein dann irgendwie bereut?
MEYER77: Ja, doch. Das ja. Musikalisch und Idioten und so weiter, aber jetzt nicht inhaltlich.

Irgendwie so: „Ach scheiße, damals habe ich die falsch eingeschätzt“, so was?
MEYER77: Doch, einmal. Das waren aber nicht wir, sondern die Hip-Hopper, unsere Hip-Hopper von der Straße. Die holten eine Band, die war sexistisch. Da, wo Volker abbrechen wollte. Aber das haben die Hip-Hopper untereinander geklärt. Das waren aber auch unsere Hip-Hopper von der Straße, mit denen haben wir ab und zu mal was gemacht. Die haben das aber selber geklärt. Da sind wir aber auch auf die Barrikaden gegangen. Weil das war richtig dicke Eier. Also, ich steh nicht auf dicke Eier-Hardcore. Wir haben ab und zu mal dicke Eier-Hardcore, aber das ist dann wieder was anderes. Aber die haben wirklich sexistische Sachen rausgeballert auf der AK-Bühne. Und die wurden auch leider nicht rausgeschmissen, aber da wurde dann der Kontakt sofort abgebrochen. Volker hat sogar noch gesagt: „Ich breche hier jetzt sofort ab, wenn die so weiter machen.“ Und die Band… leider waren unsere Hip-Hopper so naiv, die hatten mit denen auch mal selber was gemacht und kannten aber nicht die Texte. Und die Band hat hier die Texte, glaube ich, extra als Provokation gemacht. Und das war das Einzige. Aber das wir sagen, ja klar, es gab auch mal Coverversionen, warum muss man unbedingt die machen. Wir lieben Lokalmatadore, aber eben zum Beispiel Lokalmatadore covern. Das gab es auch schon, El Fisch ist ein Freund von uns, wir würden Lokalmatadore auch sofort machen.
THORSTEN: Nur, die wollen zu viel Geld.

Ihr macht das schon sehr lange und habt viele Bands kommen und gehen gesehen, und manche Bands, die ihr ganz früh gemacht habt, sind dann später total erfolgreich geworden. Sprich in Düsseldorf, um das hier mal an den Läden festzumachen: die haben vielleicht im AK angefangen, sind dann später ins Tor 3 und landen dann in der Philipshalle. Wie ist das so, wenn ihr das dann so hautnah mitbekommt? Also, melden die Bands sich dann manchmal und sagen „Ey Mann, wir können uns noch ganz genau erinnern. Ihr habt uns damals den Gig und die Chance gegeben, danke!“.
MEYER77: Nicht in dem Sinne melden.

Seid ihr manchmal auch enttäuscht von Bands?
THORSTEN: Nein. Soll jeder machen, was er will.
MEYER77: Nein. Es ist natürlich so, ich sage es ganz ehrlich: wie wir Turbonegro 1998 hatten, da wusste ich ganz genau: das war es mit Turbonegro. Ich war ab da kein Turbonegro-Fan mehr.
THORSTEN: Danach habe ich sie auch, glaube ich, nicht mehr gesehen.
MEYER77: Ich 2004 nochmal. Und es war ein Debakel in Köln. Also, ich fand es ganz schlecht. Alle fanden das super, aber da zum Beispiel wusste ich: das war es. Es gibt nur drei Bands in meinem Leben, die Kommerz waren und sind und die ich abfeiere: Motörhead, AC/DC (die aber auch nicht mehr) und ganz früher KISS (die auch nicht mehr). Aber Motörhead bis zu Lemmy´s Tod! Mein Freund in der Hölle. Ich bin auch bald da, ich komme bald, noch fünf Jahre.

Ich hoffe nicht.
MEYER77: Doch, noch fünf Jahre noch, dann langt das. Mit 60 bin ich weg.

Sag mal MEYER77, eine ganz andere Frage. Du wohnst ja jetzt nicht im AK, aber doch direkt nebenan, dat heißt im Prinzip, du lebst ja dann auch 24 Stunden sieben Tage die Woche Punkrock!
MEYER77: Das ist richtig, ja. Mein Ehemann hier aber auch.
THORSTEN: Wird nur nicht bezahlt. Das ist die Scheiße.

Wie schaltest du mal ab? Oder kommst du irgendwann runter, gelingt dir das jetzt besser?
MEYER77: Ich bin natürlich auf eine Art und Weise ruhiger geworden, natürlich auch wegen meiner Krankheit. Aber das hatten wir eben schon von wegen Thema AK 47, mit der Waffe: es wird immer schlimmer in dieser Gesellschaft. Die Gesellschaft ist so ein Arschloch und die Leute sind so dumm. Und ich habe in anderen Interviews schon gesagt: ich kämpfe immer. Egal, ob ich ruhiger werde oder nicht. Aber ich werde immer gegen Dummheit und Faschismus kämpfen. Und ich werde gar nicht ruhiger, ich reiße ja trotzdem noch viel, aber ich habe früher noch viel mehr gemacht.

Aber du hast ja deine Aquarium-Hobbys?
MEYER77: Die habe ich mir extra angeschafft wegen Corinna, also, wir haben hier renoviert. Das erste Mal nach fast zwanzig Jahren. Ich habe zum ersten Mal nach zwanzig Jahren eine Dusche eingebaut gekriegt. Ich hatte all die Jahre keine Dusche.
THORSTEN: Du hattest eine. Die hat nicht funktioniert.

Der duscht doch eh nie. (lacht)
THORSTEN: Arsch abwischen ist was für Spießer. (lacht)
MEYER77: Es ist so, ich lebe meinen Punk im Stillen, aber Punk ist immer da. Ich gehe auch so raus, wie ich jetzt hier sitze. Das heißt, ich gehe zu meinen Therapien mit Kutte. Ich gehe mit Haare hochgestellt raus und meine Kutte habe ich immer an. Ich bin kein Metaler, der sie nur am Wochenende anzieht.

Unbestritten, unbestritten. Ich frage mich halt nur, wie man dann halt auch mal ne gesunde Distanz zu Punk bekommt.
MEYER77: Nein. Kann ich nicht.
THORSTEN: Bei mir ist voll einfach. Geh zum Fußball. Ist dieselbe Scheiße, nur in einer anderen Version.
MEYER77: Wie meinst du das denn auch mit runterkommen? Weil runterkommen heißt für mich was anderes…

Na irgend so ein Unpunk-Hobby, Modelleisenbahn bauen oder so ein Schwachsinn.
MEYER77: Nein, nein, nein, nein!

Oder so ein anderes sinnloses Hobby, was halt nichts mit Punk zu tun hat.
THORSTEN: Ich habe gepuzzelt in der Corona-Phase.

Aha, das schneide ich raus, uncool! (lacht)
THORSTEN: Das darf ruhig jeder wissen.
MEYER77: Ich habe mir die Aquarien extra angeschafft, eben auch, weil ich wegen meiner Krankheit auch in Gang bleiben muss. Und dieser soziale Rückzug, den ich ganz lange hatte. Ich habe ja fast alle Freunde verloren. Weil die Freunde gesagt haben…
THORSTEN: Das stimmt ja jetzt auch nicht, „alle Freunde“!
MEYER77: Doch, fast. Doch, das war kurz davor. Komm, ich habe mich mit Olaf nochmal unterhalten. Mein Freund Olaf von den Stage Bottles, schöne Grüße! Der hat mir vor kurzem noch erzählt, dass Leute auf ihn zugekommen sind, so wie Anja und Silvio: „Wir kommen an MEYER77 nicht mehr ran.“ Und dann bin ich 2019 nochmal in die Tagesklinik gegangen und seitdem ist es bergauf gegangen.

Ja, es gab Gerüchte vor ein paar Jahren. Burnout und so.
MEYER77: Ja, aber das war ja noch ein bisschen eher. Das hatte nichts mit Burnout zu tun. Das hatte was mit, ja, wie soll man das sagen, mit Enttäuschung zu tun, mit viel Enttäuschung. Kann sein, dass da der Burnout schon im Gange war und die Krankheit. Ich habe sie ja ganz lange nicht ernst genommen. Ja, aber ich lebe Punk. Ich bin auch immer noch so, wenn eine Nazi-Oma in der Bahn über Flüchtlinge schimpft, dann pöbel ich zurück. Ich zeige der Gesellschaft jeden Tag immer noch, wie scheiße sie sind.

Du kommst ja eigentlich aus dem kühlen Norden. Wieso bist du eigentlich damals nach Düsseldorf gezogen?
MEYER77: Oh, das ist eine lange Geschichte. Also, das hatte damit zu tun, dass mein bester Freund Linus hierhergezogen ist, weil seine Freundin, meine Freundin Anja, unsere Freundin Anja, die ist schwanger geworden. Und ich hatte eine heroinabhängige Freundin damals, das war ein sehr sehr derbes Thema, mit der wollte ich eigentlich hier her.

Wir reden über Ende Achtziger?
MEYER77: Nein, wir reden von Anfang Neunziger.

Okay.
MEYER77: Und dann hat sie zum Glück mit mir Schluss gemacht. Ja, ich muss dir ganz ehrlich sagen, das ist schlimm, wenn du nur noch den anderen kontrollierst. Wenn du den Menschen davon wegwillst, du verfällst selber da drin, du gehst selber kaputt. Das ist richtig schlimm.
THORSTEN: Ob die jetzt einen geballert hat oder so?
MEYER77: Ja, das ist richtig schlimm. Dieses Kontrollieren. Und wenn sie nicht Schluss gemacht hätte… sie ist mittlerweile auch tot, schon lange. Viele sagen immer: „Wie kann man von Hamburg abhauen hierher?“ Kommt ja oft, die Frage.

Verstehe ich sogar, wobei Hamburg nie so mein Sehnsuchtsort war, aber trotzdem.
MEYER77: Ist für mich auch immer noch die schönste und geilste Stadt der Welt. Aber ich sage dir ganz ehrlich eins, es kamen ja auch immer wieder Gerüchte auf: „Der MEYER77 geht zurück nach Hamburg“. Nein.

Und du hast ja immer noch den norddeutschen Slang.
MEYER77: Natürlich habe ich ihn noch. Ganz ehrlich, es gibt einen wichtigen Grund, warum ich niemals oder ganz spät irgendwann mal nach Hamburg zurückgehe würde. Und der ist: dann freut man sich noch auf mich, wenn ich komme. Und das ist wirklich so. Wenn ich da wieder leben würde, dann wäre es Routine. Und so ist das jetzt, die Leute freuen sich noch, ich habe noch Freunde da, ich habe viele Freunde in Frankfurt, das weißt du. Ich bin bzw. wir sind mit der AU dicke befreundet.
THORSTEN: Ich kenne keine Frankfurter.
MEYER77: Wir lieben unsere Freunde in Frankfurt. Grüße!
THORSTEN: Alles Spastis. (lacht)

Sehr gut! (lacht)
MEYER77: Es ist aber so, um die Frage zu beenden: ja, ich lebe den Punk noch und viele Leute fragen mich: „Ist das nicht beschwerlich mittlerweile, immer dieses „gegen alles“ zu sein?“. Nein, ist es nicht. Weil leider die Gesellschaft und viele Leute mir ja immer wieder einen Grund bieten, rumzukacken.
THORSTEN: Mach morgens den Fernseher an, dann weißt du, warum das so ist.
MEYER77: Genau, das ist so. Und wie gesagt, die Gesellschaft, vor allen Dingen auch in Deutschland, die wird ja immer dümmer. Muss man leider so sagen. Immer dümmer und immer faschistischer.
THORSTEN: Das war sie eigentlich immer.
MEYER77: Und wenn jetzt andere Leute sagen: „Das hat jetzt ja nicht viel mit Punk zu tun“? Für mich hat das viel mit Punk zu tun, weil Punk, Politik und Fußball gehörten schon immer zusammen für mich. Darauf ist die Frage jetzt beantwortet.

Danke, super. Ich weiß, dass ihr wisst, dass die nächste Frage natürlich kommen muss.
MEYER77: Klar, ich weiß, was kommt. Jetzt kommt Andreas Frege.
THORSTEN: Lass ihn doch erst mal.
MEYER77: Stell die Thorsten. Ich muss nicht dabei sein. Ich geh mal pissen.

Passt komischerweise auch tatsächlich an Thorsten am besten, glaube ich.
THORSTEN: Dann lass mal hören.

Fränkie von den Joseph Boys hat mal in meinem Trust-Interview gesagt: „Man kann in Düsseldorf nicht punk-sozialisiert sein ohne „Hofgarten“ von den Hosen.“ Jetzt kommt MEYER77 ja eigentlich aus Norddeutschland und du bist, wie ich eben erst gepeilt hatte, Ur-Düsseldorfer, ich dachte vor dem Interview, du bist irgendwie Pott und hatte deswegen eigentlich so einen super Twist in der Frage, den ich jetzt nicht mehr habe. (lacht).
MEYER77: Seine Mutter kommt von euch.
THORSTEN: Von Frankfurt.

Ok, also, die Toten Hosen haben aber für euch auf einer Skala von eins bis zehn überhaupt gar keine Bedeutung oder?
THORSTEN: Halt, halt, halt!
MEYER77: Das stimmt so nicht. Fang du mal an, ich geh mal pissen und dann komme ich danach dazu.
THORSTEN: Wie fangen die Toten Hosen an? Mit ZK. Also, das ist das meine Sozialisation. Ich bin gebürtiger Düsseldorfer. Und unter den ersten zehn Platten, die ich damals auf Kassette hatte, war auf jeden Fall ein Tape mit ZK mit der Liveplatte und auf der anderen Seite die Studioplatte. Und dann kamen halt die ersten Hosen-Singles.

Wie alt warst du da?
THORSTEN: ZK hat es da schon nicht mehr gegeben, das müsste so, ich sage einfach mal Ende 1983 gewesen sein, wo wir angefangen haben, Punks zu werden. Und dann gab es halt irgendwie, ein Kumpel hatte die CD, nee, CD gab es damals nicht, die Platte!

Blu-ray!
THORSTEN: Ja, MP3! Dann hieß es irgendwann, „Das ist die neue Band von ZK, Toten Hosen“, es gab ihre ersten Singles. Dann die erste LP, dann die zweite LP. Und fand ich sie eigentlich immer geil. Und dann bei der dritten LP… Ich weiß nicht, die Lieder sind eigentlich sogar noch gut, aber die fand ich schon scheiße produziert, so richtig glatt. Und dann fing es an, wo die langsam so über diese Wackersdorf-Schiene in den Mainstream gerutscht sind. Aber ich habe denen das eigentlich nie übel genommen, weil warum soll ich denen das übel nehmen? Mit einer Band zu arbeiten oder von einer Band zu leben ist doch besser, als irgendwie blöd zu knechten und so. Du kannst denen ja auch irgendwie keinen Verrat vorwerfen, außer, dass sie jetzt scheiß Musik machen. Und manche Sachen, die die von sich geben, das muss auch nicht sein. Aber halt in der Relation ist das immer noch einwandfrei. Würde ich so sagen.

Also, ich will die nicht verteidigen, aber auf die lasse ich nichts kommen. Und das ist jetzt auch so was, was du meintest in dem Interview mit Campino, von wegen mit dem „AK ist nicht eure Hood“. Natürlich, kann ich aber auch verstehen. Ich weiß als Beispiel, das ist jetzt auch bestimmt 15 bis 20 Jahre her, ich weiß nicht, welche Band damals im Haus der Jugend hier gespielt hat, wahrscheinlich irgendeine alte England-Punkband – und dann waren ein paar von den Hosen da, namentlich Campino, Kuddel und Andi, nein, nicht Andi, doch Andi, ist auch egal. Aber du sahst dann damals auch schon: wenn die abends auf ein Konzert gehen, dass die dann permanent einen Rattenschwanz von Fans an sich dran haben.
MEYER77: Das ist ekelhaft.
THORSTEN: Und da kann ich mir auch vorstellen, dass man sich dann so denkt: „Man will heute Abend auf ein Konzert gehen, spielt ´ne geile Band, aber!“. Die Fans waren nicht mal aufdringlich, aber es war schon krass. Ich meine, natürlich müssen die damit leben, weil diese Fans denen natürlich auch die Miete und noch einiges mehr bezahlen. Aber ich kann verstehen, dass du dann selber für dich denkst: „Gehe ich heute Abend auf ein Konzert? Habe ich da Bock drauf?“. Und dann auch wieder, du musst die ganze Zeit den netten Onkel spielen, wenn du jetzt irgendwas Falsches sagst, dann steht es sofort im Netz. Das war auch vor zig Jahren mal in dem alten Fortuna Fanzine „Comeback“ so, auch so aus den Neunzigern; da hatte sich ein Typ beschwert, dass der im Supermarkt Campino getroffen und den auf Fortuna angelabert hat. Und Campino wohl auch so: „Ja, ich weiß jetzt gar nicht, gegen wen die spielen.“ Und das war für den Fan dann natürlich der absolute Reinfall, „Ah, der macht immer auf Fortuna und dann so was“.

Ich frage natürlich auch, weil ich selber Toten Hosen-Fan bin, aber ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, der Düsseldorf und das AK irgendwie mit dieser Band verbindet.
MEYER77: Ich muss da aber auch was dazu sagen, was Thorsten eben meinte. Das haben sie hier nicht gehabt. Wenn sie hergekommen sind, hier im AK, da sind sie nicht so angesprochen worden. Das ist nämlich das, was Campino auch im Interview meinte, dass er auf guten Konzerten hier war. Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, wenn sie hier waren, dass sie bei uns nicht so viel angesprochen wurden. Weil wir nicht das typische Tote-Hosen-Klientel haben.
THORSTEN: Richtig.
MEYER77: Das hatten wir leider ab und zu, wenn wir mittlerweile argentinische Bands im AK haben. Das ist schlimm.
THORSTEN: Schöne Bands, seltsames Publikum.
MEYER77: Schöne Bands und ganz komische Hausfrauen mit Tote-Hosen-Pullover an. Also tut mir leid, aber…
THORSTEN: Zum ersten Mal ist mir dieses Phänomen aufgefallen, als hier T.V. Smith gespielt hat. Wow, das Publikum siehst du sonst über Jahre nicht mehr!

Thorsten mein Lieber, kläre uns doch mal auf, ich kann mich noch ganz gut an das damalige Zosher Fanzine von Anfang der 90er erinnern. Ich hatte es zumindest einige Male in der Hand. Es war bei den damals älteren Punks in meiner Heimatstadt Leverkusen, die fünf bis acht Jahre älter waren, legendär. Also, das war ein Fanzine aus Düsseldorf, im Prinzip von Rüdiger von Teenage Rebel Records, du hast da mitgemacht, dein Bruder Dirk und auch Willi Wucher letztendlich oder?
THORSTEN: Ja, der hat ein oder zwei Sachen mitgeschrieben. Das war halt über Rüdigers Connection. Das fand ich auch beim Zosher immer so geil, da habe ich mir heute nochmal Gedanken darüber gemacht. Das war halt so, das war ja früher so die Zeit „Hardcore gegen Punkrock“ und…

Ganz genau! Und das war ja ein eindeutiges Punkrock-Heft.
THORSTEN: Nein, eben nicht.

Nicht?
MEYER77: Es war ein eindeutiges Hardcore-Heft.
THORSTEN: Eindeutig auch nicht. Wir waren, sagen wir mal, so ein Stamm von acht bis zehn Leuten. Rob, ich, Marko, Mini-Gurke, mein Bruder, ist ja auch egal. Momo und die meisten Leute, eigentlich bis auf den Rüdiger, haben eigentlich bevorzugt Hardcore oder eben deutschsprachigen Hardcore gehört. Aber es kam halt so Punkrock rüber. Und ich habe mir überlegt, woran das lag. Das lag vielleicht daran, dass wir halt anders rüberkamen.

Ich war 1991 13. Und ihr wart da ja schon, glaube ich, 19 bzw. schon über 20?
THORSTEN: Richtig.

Wo kam der Name denn her, was heißt „Zosher“?
THORSTEN: Zoshen! (Trinkbewegung mit Bierpulle mach)

Ach nee, das heißt „saufen“?
THORSTEN: Ja, saufen. Ganz einfach. Musst du mal gucken, das war angelehnt an das Skatemagazin THRASHER, weil der Schriftzug aus denselben Lettern gesetzt war.

Ach du scheiße, genial, wat gelernt, cool!
THORSTEN: Ja, ich weiß nicht, wer im besoffenen Kopf irgendwie auf die Idee gekommen ist mit dem Namen.
MEYER77: Die schwarzen Schafe haben das so ja auch in ein Lied mitreingebracht. Wie Armin das Lied geschrieben hat, so lange ist der schon dabei. Da kommt auch die Zosher-Crew drin vor.
THORSTEN: Jedenfalls, dass man uns da eher in die Punkrock-Ecke gestellt hat, das war vielleicht, weil wir eben auch anders rüberkamen als die anderen „HC“-Leute…

Voll! Wegen Willi Wucher vielleicht.
THORSTEN: Das wir halt anders unterwegs waren. So die ganzen Hardcore-Fanzines, die du damals hattest, zum Beispiel das „Confrontation“. Es ging da über Musik und es wurde sich über Standpunkte gestritten. Aber du hast von diesen Fanzine-Machern nie irgendwie…

Persönliche Geschichten?
THORSTEN: Ja, ja, so was Erlebtes gelesen, skurrile Geschichten, einfach nur der alltägliche Wahnsinn. Das hat für die nicht existiert. Das haben wir halt, ich sage mal, als Hardcore-Punks, anders gemacht, weil wir ja im Prinzip beides waren, Punk und HC. Also, du kannst dir auch mit Turnschuhen, Karohemd und Bandana tierisch die Batterie abklemmen. Also, das hat die Leute damals verwirrt, glaube ich. Und wie gesagt, Negazione haben wir viel gehört, alles, was an HC-Punk damals aus Italien und sowieso aus Amiland kam.
MEYER77: Ja, ich habe Negazione auch ganz oft gesehen, weil sie mit den Emils auch gespielt haben.
THORSTEN: Das haben die Leute dann bei uns halt so angenommen, „Ah, das sind 77er Punks“! Aber ich habe nie irgendwie Leopardenklamotten oder Creepers gehabt.

Kommen nicht auch Silly Encores irgendwie aus dieser Blase?
THORSTEN: Nein, die waren einfach nur auf einer von den Zosher-Singles. Aber mit Silly Encores hatte ich eigentlich nie groß was zu tun. Man kannte sich, hat „Hallo“ gesagt. Aber das war nicht so eine Hood, mit der du dich irgendwann getroffen hast oder so.

Und warum hat das Zosher dann aufgehört?
THORSTEN: Das hat sich dann verlaufen. Der eine zum Beispiel hat sich dann mehr für elektronische Musik interessiert. Und das war dann halt so, da hast du auch schon bei der letzten Ausgabe mitbekommen, das war dann auch mehr so: „Wir müssen jetzt was machen“. Das hat dann Rüdiger auch ein bisschen forciert, weil bei den letzten vier Ausgaben war ja immer eine Single bei.

Naja klar. Und der wollte wahrscheinlich mit seinem Label…
THORSTEN: Ja, natürlich, ist ja auch vernünftig. Aber dann war das also so „ich will mal wieder“ und dann war auch ein Großstamm von den Leuten teilweise weggezogen oder irgendwie von der Bildfläche verschwunden. Und das war dann auch mehr eine Notausgabe. Und dann… Ach, das brauchen wir jetzt nicht weiterführen. Die paar Jahre. Hat einen fiesen Ruf eingebracht.

Für mich war das damals legendär. Danke nochmal!
MEYER77: Ich habe das Zosher ja gar nicht mehr mitgekriegt, da war ich noch nicht hier.
THORSTEN: Der Gnaata hat sich übrigens neulich drei Ausgaben noch im Internet bestellt bei eBay. Für einen Euro.
MEYER77: Und ich habe tatsächlich dann die Singles-Jahre irgendwann gekriegt. Ich habe das Zosher in den letzten Wehen mitgekriegt. Und ich habe es aber komischerweise nicht gelesen, aber ich wusste, wer da mitschreibt. Und ich hatte mit den Leuten ja dann auch zu tun. Und ich fand es einfach großartig, weil es wirklich auch ein Heft war, dass sich auch ein bisschen unterschieden hat, im Sinne von „Wir machen das, wo wir Bock drauf haben“. Und wir lassen uns nicht auf irgendwelche Schemen oder Normen ein, genau wie Dolf oder wie ihr das mit dem Trust ja auch macht.
THORSTEN: First rule ist: „Erst mal alle Leute groß ankacken“. Thomasso (Anmerkung Jan: damals beim Trust) hat uns damals, zumindest dem Armin, Scheiße in der Pizzaschachtel geschenkt. Weil, das war der erste Artikel, bei dem wir gerade so am Rumspinnen waren: was machen wir? Und irgendwie lag beim Kollegen so ein oldschool – also, das gibt es heutzutage gar nicht mehr – so ein oldschool Pornoheftchen mit dem Oberthema Urinsex rum. Und da waren damals in den Pornoheftchen ja nicht nur Bilder, da waren ja sogar noch Texte dabei. Und diesen Text hat der Robert dann einfach mal übersetzt und statt der Namen, die da im Text waren, einfach die ganze Zosher-Crew eingesetzt und so ´ne fiktive Zosher-Redaktionssitzung draus gesponnen. Und ich weiß nicht, warum, ob Thomasso das jetzt groß angepisst hat, wahrscheinlich, ich glaube, an einen von uns hat der dann einen Pizzakarton mit einem Haufen Scheiße reingesetzt.
MEYER77: War Armin beim Zosher?
THORSTEN: Der hat auch mitgemacht, ja.
MEYER77: Ach, guck mal. Das wusste ich nicht.

Weil Armin hatte ich ja auch mal für das Trust interviewt vor vielen Jahren und der hatte mir das auch erzählt, mit dieser Thomasso-Pizzakarton-Geschichte. Ich hatte es aber so im Kopf, dass Armin Thomasso die geschickt hatte, in den Achtzigern, weil Armin sauer war, dass irgendeine Platte von seinem Campary Records Label oder schwarze Schafe schlecht besprochen wurden. Ich hatte im Interview vergessen, danach zu fragen, aber er erzählte mir die Geschichte mal und ich hatte mir die so gemerkt, sicher bin ich jetzt auch nicht mehr ganz.
THORSTEN: Ach so, okay, ich habe das jetzt anders in Erinnerung. Generell fanden wir das damals richtig geil, wenn in anderen Fanzines richtig miese Kritiken kamen. Das Geilste war irgendwann mal im OX ´ne Rezension, die mit den Worten endete: „Einfach nur ab in den Ofen“. Die haben uns von oben bis unten runtergemacht. Und als letztes Wort stand: „Ab in den Ofen“. Und wir gucken so „Yes! Yes! Yes!“. Und das fehlt mir heutzutage an Fanzines manchmal, dass die weder austeilen noch einstecken können. Dass dann manche Leute sagen: „Das Fanzine hat mich aber beleidigt. Ich habe keine Lust mehr.“
MEYER77: Du hattest es ja vorhin wegen meinem Burnout und so. Es gab ja auch die Geschichte, dass mir Punker auf Facebook eine Anti-MEYER77-Seite gemacht haben. Das war übrigens einer, der Thiele, den kann ich ruhig erwähnen, der hört Nazi-Platten, das weiß ich, dem habe ich Hausverbot erteilt und den rausgeschmissen. Also, wir waren ja alle damals vor elf bis zwölf Jahren überhaupt nicht bei Facebook unterwegs, ich bin da auch heute nicht; wir hatten jedenfalls ein Konzert. Und da kamen unsere Mädels und Jungs rein: „MEYER77, was hast du schon wieder gemacht?“. Und ich so: „Wieso? Was habe ich denn gemacht?“, „Ja Alter, guck dir das hier mal an, was hier im Netz wegen dir steht“.

Es gab dann zwei Facebook-Seiten irgendwann vom AK oder?
MEYER77: Ja, genau. Es wurde eine anti-Seite gemacht. Der Gnaata hat innerhalb von fünf Minuten dann einen MEYER77-Button gemalt, mit meinen Haaren durchgestrichen und wir haben das abgefeiert, dass ich eine Anti-MEYER77-Seite hatte. Dafür haben sich auch viele Leute entschuldigt, die mit auf der Seite waren. Weil der Thiele hat das ziemlich arschig gemacht. Der hat einfach seine Leute darauf eingeladen, die wussten gar nicht, worum es geht. Aber: wir haben es abgefeiert.
THORSTEN: Wenn man es jetzt pathetisch sagen wollte: „Viel Feind, viel Ehr“.
MEYER77: Ja, genau. Es gibt ja einen glühenden Spruch: „Auch schlechte Presse ist gute Presse“. So, und das Ding ist ja das: wir feiern das ja auch ab, weil wir ja wissen, dass wir ja so gar nicht sind. Das ist ja das Gute daran.
THORSTEN: Vor allem, wenn du weißt, von wem so eine Kritik kommt.
MEYER77: Genau, weil wir ja auch alles richtig machen. Das wissen wir ja damit. THORSTEN: Die anderen sind die Amöben, nicht wir.
MEYER77: Genau. Und das Gute daran ist: das hat mir auch nicht geschadet. Im Gegenteil, zu Facebook kann man dazu nur sagen: Arschloch-Facebook. Die haben vier Tage gebraucht, um die Seite zu löschen. Danach gab es dann nochmal eine Seite, die hieß dann nicht MEYER77-Arschloch-Seite, sondern einfach Anti-MEYER77-Seite. Die gab es fünf Tage später. Die wurde dann von Facebook auch wieder gelöscht.

Und ich habe mir da so eine Mühe gegeben. (lacht)
MEYER77: Aber ganz ehrlich, das ist genau das, was Thorsten eben meinte. Ich war überhaupt nicht sauer, meine Mädels und die ganzen Leute da unten waren entsetzt. Die waren traurig. Warum macht man das? Und wie hat der diesen Button gemeint? So Anti-MEYER77, da habe ich gesagt: „Wie geil ist das denn?“. Und ich sage dir ganz ehrlich, das habe ich eine Zeit lang auch für mich selber gemacht, ich mochte es nicht, dass mich jeder mag. Und dann habe ich mir Feinde geschaffen. Das habe ich zu Recht gemacht. Weil: man braucht Feinde.
THORSTEN: Ah, muss man nicht.
MEYER77: Doch, ich brauche sie. Ich brauche das. Und ich sage dir ganz ehrlich auch, es gibt so viele Arschlöcher in der Punkszene, da habe ich kein Problem mit, die anzukacken.

Ihr Lieben, ich muss auf Klo, ich mache mal kurz auf „Pause“.
MEYER77: Du machst hier den Druck. Er macht den Druck! (heiteres Lachen) Weißt du, wie oft Interviews bei mir gestartet sind? Die Hütte ist ganz oft, also echt oft, dafür genutzt worden.
Ach, das heißt, ich bin nicht der erste, bei dem es wahrscheinlich mit einem guten Interview nicht klappen wird? (lacht)
MEYER77: Der die Hütte nicht so würdigt wie alle anderen, du Arschloch.

Das ist einfach total geil hier bei dir, Mann! (lacht)
MEYER77: Ist es ja auch. Wer lebt denn heutzutage noch so? Die Wenigsten.
THORSTEN: Um die Hütte schön zu machen, sollte man erst mal das Clash-Buch aus dem Fenster werfen, du Arschloch.
MEYER77: Jetzt kommt das wieder. Weil es ist so: Ich liebe Clash, er hasst Clash.
Clash ist total geil und The Clash wird…
THORSTEN: Radikal überbewertet, ja.

(nach der Pause gings weiter) Bevor jetzt also die Frage nach euren fünf wichtigsten Bands für ein Düsseldorf-Punk-Tape kommt: ihr seid seit fast drei Jahrzehnten dabei, d.h. ihr seid alte Leute, aber immer noch cool und freundlich, auch eben zur Youth! Es ist ja manchmal mit den Altpunks so, dass alte Punker dann so ein bisschen „schnäubisch“ („von oben herab“) und „komisch“ werden. Und das die dann nicht unbedingt mit wehenden Flaggen einen 18jährigen Punker oder eine junge Punkerin aufnehmen wollen, die dann eben ankommen mit „Ich möchte bei eurem Verein mitmischen“. Wir schnitten das Thema ja schon mal an, also, wie offen ist das AK für neue und junge Punks?
THORSTEN: Da bin ich eigentlich immer für, für neue Leute, für junge Leute und für das egalitäre! Da gebe ich dir vollkommen recht, das wir dieses hochnäsige nicht haben; das kennt man ja selber von früher als kleiner Punker auch, wenn du auf die etwas Größeren gestoßen bist, die damals vielleicht auch nur einen Altersunterschied von vier oder fünf Jahren hatten, also, das waren dann halt so, sagen wir mal, „die Originale“, da denkst du dir dann auch „Wow“ und warst schon froh, wenn einer von den ganz großen sich dann zu dir herabgebeugt und mit dir geredet hat. Und deshalb habe ich mir dann vorgenommen: wenn ein kleiner Punker zu mir ankommt, dann wirst du nicht hochnäsig.

Aber auf der anderen Seite: da haben natürlich auch junge Leute auch völlig verquere Ideen, die Leute mit mehr Erfahrung nie haben würden, weil sie eben einschätzen können, was realistisch ist und was nicht.
THORSTEN: Ja sicher, das natürlich auch.
MEYER77: Ja, mir und Ille wurde mal die Frage vor über fünfzehn Jahren schon gestellt, da sind wir auf ein Konzert nach Essen gefahren, ich glaube, auf das „Punk im Pott“, ich weiß es gar nicht mehr, zu wem, doch, zu US Bombs sind wir gefahren. Und da hat uns ein kleiner Punker gefragt: „Boah, wie schafft man das, so lange dabei zu bleiben?“. Tja, wie schafft man das? Kann ich dir ganz einfach sagen. Das gibt nur zwei Sachen, das hat Ille immer früher gesagt, das habe ich immer früher gesagt, das sage ich auch heute noch: dabeibleiben und was machen. Konzerte machen, sich nicht von der Gesellschaft auf der Nase rumtanzen lassen, rumreisen, nicht stillstehen. Auch wenn man krank wird, trotzdem versuchen, wieder da rauszukommen. Das ist die Attitüde. Also und das machen wir auch noch. Und das Witzige ist ja, wir sehen es ja auch gar nicht von der anderen Seite. Wie als eine Freundin wie Agnes zu mir sagte: „Boah, du erzählst davon, du machst nur noch wenig, weißt du, wie viel du noch machst? Für mich ist das sehr viel.“
THORSTEN: Das stimmt. Wollte ich auch noch nachgetragen haben, ja. Richtiger Hinweis.
MEYER77: Das ist wirklich so. Also früher hatte ich, wenn ich den Kalender aufgehängt habe, hab ich die Force Attack-Ansagen gemacht, die Endless Summer-Ansagen oder für zehn Jahre die Leukämie-Ansagen, das war ja wirklich nen voller Kalender!
THORSTEN: Der war ja nie zuhause!
MEYER77: Ich hatte Antira-Turniere, also antifaschistische Fußballturniere, wo ich im Tor stand, mit den Lost Boys. Ich hatte richtig viel. Und jetzt hat sich das wirklich richtig reduziert, aber ich bin immer noch alle paar Wochen weg, auch wenn Corona ist. Früher war das so, ich bin alle vier Wochen weg. Ich war zum Beispiel 2019 zwölf Mal in Frankfurt, ich war teilweise alle drei Wochen in Frankfurt, das genieße ich.
THORSTEN: Bitte, hau mal ab. (lacht)
MEYER77: Kennt ihr das nicht? Das muss ich mal kurz erwähnen, dass selbst Frankfurter mich mal gefragt haben, ob ich eigentlich aus Frankfurt komme. Ernsthaft, also wirklich, weil ich so oft da bin.

Ihr seid ja beide schon deutlich über 40 oder über 50, keine Ahnung…
MEYER77: Über 55, Schatz. Ich habe noch fünf zu 60.

Ich will das nochmal betonen, ich kenne natürlich nicht die ganze AK Crew, bei euch finde ich das so cool, dass ihr nicht diesen elitären arroganten „Alt-Punk“-Stil habt.
THORSTEN: Nein, braucht kein Mensch.
MEYER77: Wir hatten ja vorhin schon das Thema: so wie es in den Wald reinschreit oder eben, wie der Ton die Musik macht, weil, das gibt natürlich auch. Thema Hipster.
THORSTEN: Gutes Beispiel.
MEYER77: Chefdenker ist so eine Band, da lasse ich mich jetzt nicht zu aus, dann würden die kein gutes Licht kriegen, mache ich nicht. Aber zum Beispiel: da habe ich auch andere Sachen erlebt, und da waren es wirklich Hipster mit Bärten, die gedacht haben, sie müssen bei uns mit Flaschen werfen. Das waren keine Punker, da weiß ich ganz genau, die fahren wieder nach Hause, machen ihr spießiges Leben weiter und schämen sich dafür, dass sie im Suff Flaschen geworfen haben.
THORSTEN: Und werden dann irgendwann mal von ihrer ganz ganz wilden Jugend erzählen und du weißt genau, das war nur einmal irgendwo besoffen und das war nicht auf Mallorca, aber das war „so wild“…
MEYER77: Genau, das ist im Übrigen auch das Ding: wir können auch gut sehen, wenn wir junge Leute haben, ich kann dir sagen, wenn ich die kennenlerne, wer in zwanzig Jahren noch dabei ist und wer in drei Jahren zwei Häuser, vier Frauen und eine Millionen Euro Schulden hat. Das kann ich echt direkt sehen. Das kann ich gut einschätzen

Aber so das Durchschnittsalter von eurer Aktivist*innen-Crew ist ja schon doch eher gehoben oder?
MEYER77: Wir sind die ältesten.

Ist ja in Frankfurt beispielsweise auch so, durchschnittlich deutlich ü40, eher noch älter unter den aktiven people.
MEYER77: Vor 20 Jahren war der Sascha der jüngste.
THORSTEN: Sascha war das?
MEYER77: Oder vor 15 Jahren, mit Anfang 40 der jüngste.
THORSTEN: Ja, Sascha, Yvonne und Wencke.
MEYER77: Genau, die noch. Jetzt ist unser Durchschnittsalter 50, ja.
THORSTEN: Ja, sagen wir mal, Milena mit 38 ist, glaube ich, die jüngste und Gnaata mit 56 oder 55 der älteste.
MEYER77: Dann mit 55 komme ich, dann kommst du schon. Nein, dann kommt Anja, dann kommst du. Ja, aber ich sage dir dazu auch was. Mein Freund Monchi von Feine Sahne Fischfilet hat was Schönes mal gesagt und das stimmt auch: egal, ob sie in der AU waren, also Feine Sahne, oder ob sie bei uns waren: „Da stehen Leute“ – Originalton von Monchi – „die waren 30 Jahre eher im Gange wie wir und die stehen da immer noch“. Und wir haben im Plenum…
THORSTEN: Huch, mir läuft es wieder kalt den Rücken runter!
MEYER77: Wir haben andere Gruppen erlebt, junge Leute, die sich innerhalb von zwei Jahren zerstritten haben, Konzertgruppen, die dann nicht mehr da waren und man fährt halt hier ins AK und dann so „Ihr steht ja noch da“. Das haben wir auch bei vier fünf Bands, dass die das sagen.
THORSTEN: „Ihr seid ja immer noch hier“.
MEYER77: „Wir waren das letzte Mal vor zwanzig Jahren hier und ihr seid immer noch da“. Und das ist so ein Ding, wo viele Jugendliche heute anders sind. Wenn man es halt liebt, dann bleibt man dabei. Es ist ja auch einfach ein… naja, Hobby würde ich jetzt nicht sagen. Wie nennt sich das denn noch?
THORSTEN: „Lebenseinstellung“ ist jetzt auch zu viel.
MEYER77: Ja, auch nicht.

Leidenschaft?
MEYER77: Eine Leidenschaft, genau!
THORSTEN: Eine Passion.
MEYER77: Und bei den jungen Leuten ist das häufig anders. Wir sind mittlerweile so froh, wenn da Iro-Punker kommen, die siffig auf dem Boden sitzen. Ich bin da richtig froh drüber. Kommt mehr, ihr Deutschpunker, kommt mehr zu uns, kommt mit Dosenbier, benehmt euch kacke. Nicht zu kacke, aber kacke. Und haut auf die Pauke, weil Hipster brauchen wir nicht. Und das ist leider wirklich so, in den letzten zehn Jahren wurde das Publikum an Punks immer weniger.

Bevor wir zu dieser „Best-of-five-of-Düsseldorf-Punkbands“-Frage kommen. Die Punk-Szene in Düsselcity war schon seit den 70ern einerseits „Kunsthochschule“, Beuys usw. Und andererseits…
THORSTEN: Finde ich cool.

Und andererseits gab´s immer den Punk „von der Straße“. Jetzt würde ich so spontan sagen, ihr macht mit dem AK mehr so den „Street-Punk“, was aber natürlich auch gar nicht in der Form stimmt, Stichwort Fugazi.
THORSTEN: Wir haben aber auch schon Kunst gehabt.

Ja, ihr habt ja auch immer schon Joseph Boys gemacht, Oiro auch, d.h. ihr habt ja nie immer „nur drei Akkorde-Punk“ gemacht.
MEYER77: Wir hatten ja auch Performancekünstler, die sich nackt ausgezogen und mit Chips begossen haben und sagten, „das war jetzt Kunst“.
THORSTEN: Free Jazzer hatten wir auch mal, Paris Rubaix; absolute Profi-Musiker, die haben da unten Free Jazz gemacht und ihren scheiß Sound von Notenblättern abgelesen.

Es wurde auch von Drum´n´Bass-Partys im AK berichtet.
MEYER77: Ja, aber die haben wir nur angenommen, nicht gemacht, ganz wichtig. Ich hasse technische Musik. Bumm, Bumm, Bumm. Ja, kommt mir nicht damit, nein, mache ich nicht.
THORSTEN: Oder mit das skurrilste war auch noch in den Anfangszeiten, Dog Faced Hermans, so ein bisschen aus der The Ex-Richtung. Die haben mit Brader Muzuki zusammengespielt, einem kurdischer Liedermacher, Exilkurde, der wohnt seit Jahren in Holland. Und der macht wohl, wenn er in Holland auftritt, halt vor allem auch vor Kurden*innen, dann macht der die Hallen voll, so mit 3000 Leuten. Und hier hat der mit Dog Faced Hermans gespielt und es waren zwanzig Leute da. Er war noch mit einem Kollegen da, der hat die Sass – oder wie das Instrument heißt – gespielt und dazu halt diesen Psychopunk von Dog Faced Hermans.

Tja, und dann sind wir schon bei der letzten Frage!
THORSTEN: Die fünf Bands.

Richtig, jeweils eure fünf Lieblings-Düsseldorfer-Punkbands!
MEYER77: Warum müssen das eigentlich Düsseldorfer Bands sein?
THORSTEN: Weil wir hier in Düsseldorf sind, du Hirn. (lacht)

Genau! Leider bleibt nicht mehr so viel Zeit wegen meinem fucking train back.
MEYER77: Wie, nicht „so viel Zeit“, du bist doch derjenige, der hier wieder weg muss. (lacht)

Ja, jetzt halt doch mal die Fresse. (lacht)
MEYER77: Jan, wir könnten jetzt hier noch fünf oder sechs Stunden sitzen, du Arschkrampe.
THORSTEN: Ich fange mal an mit den Bands für das Tape. KFC und ZK, wegen der ganzen Konstanz in den Jahren, weil ich immer wieder auf die zurückkomme.
MEYER77: „Hurra, ich bin genormt“.
THORSTEN: Nein, das Stück von KFC, wie heißt das, ich komme nicht drauf…

Der „Putzfrauen-Song“?
THORSTEN: Nein, der „Putzfrauen-Song“ ist von ZK.

Oh shit, stimmt!
THORSTEN: Ich weiß jetzt nicht, wie der Titel von KFC heißt, dieses „Töte deinen Nachbarn“ oder… Ah! „Töte deinen Nachbarn aus reiner Sensation, es steht in deinem Horoskop“. Das ist KFC. Diese Textzeile, die ist einfach brillant. „Quäle Tiere, lass‘ sie leiden, kastriere deinen Köter und schrei Heil“. KFC ist einfach brillant an Texten, einfach nur misanthropisch.

Okay, KFC ist dabei, du erwähntest ZK?
THORSTEN: ZK, ja. Der „Putzfrauen-Song“ ist zu allgemein. „Nachtwächter Schröder“ finde ich gut.

Okay, KFC und ZK, Broilers offensichtlich nicht.
THORSTEN: Offensichtlich nicht. Einfach der Verbundenheit, weil ich sie tausend Jahre kenne: die schwarzen Schafe! Ja und dann fallen mir wahrscheinlich noch so tausend Bands ein.

Es gibt ja echt so viele gute alte und aktuelle Düsseldorfer Punk-Bands.
MEYER77: Ja, wir haben wirklich geile Bands (auch gehabt). Und ein paar fallen mir noch ein.
THORSTEN: Von den Leuten her eigentlich auch Oiro, vor allem den Carsten, weil der super viel macht. Weil das wirklich ein aktiver Typ ist. Die Musik finde ich jetzt gar nicht mal so dufte.
MEYER77: Weil man muss nicht unbedingt so dolle Racchut kopieren.
THORSTEN: Aber halt die Action, die der Typ in seinem Leben reißt: Konzerte organisieren und alles andere, das ist einfach brillant. Dann sind wir jetzt bei vier von fünf.

Wie wäre es bei dir, MEYER77? Also fünf Düsseldorfer Bands für ein ultimatives Tape.
THORSTEN: Moment, 100blumen noch!
MEYER77: Wir gleichen uns fast.
THORSTEN: Ist jetzt zwei Jahre her, wegen scheiß Corona hast du echt ein ganzes Jahr verloren. Vor zwei Jahren hab ich die in Peine auf dem Festival gesehen. Und da haben die richtig gerockt.
MEYER77: Hosen nehmen wir wieder raus.
THORSTEN: Lass sie drin.
MEYER77: Dann an neuen Bands: Powerage, sehr geiles Geballer aus Düsseldorf. Ich höre ja viel Geballer mittlerweile. Sehr geile Band, ein bisschen metallische Anleihen auch, sehr Hardcore-lastig. Wollen wir seit Jahren machen, haben wir aber immer noch nicht hingekriegt. Dann sind noch No Mayers 50 erwähnenswert. Haben wir ganz lange gehabt, regelmäßig.

Krass, die kenne ich sogar noch vom Namen. Melodic-Core oder?
THORSTEN: Die hatten doch damals mit den Schafen einen Proberaum geteilt oder?
MEYER77: Genau, die haben ganz lange bei uns immer jedes Jahr gespielt, bis vor zehn Jahren, jetzt irgendwie nicht mehr. Aber ich habe jetzt mal gesehen, die gibt es noch.
THORSTEN: Fällt mir noch ein: zählt Sniffing Glue als Düsseldorf? Dann auf jeden Fall Sniffing Glue.
MEYER77: Also, ich komme auf mehr. Denn die Marshmallow Muschis dürfen wir nicht vergessen. Unsere Freundinnen, wenn wir die jetzt vergessen hätten, dann hätten wir Ärger gekriegt.
THORSTEN: Entschuldigung.
MEYYER: Dafür hat Thorsten sogar das Cover gezeichnet. Also, wenn die das jetzt hören, dann kriegst du von Milena direkt einen Schlag in den Nacken. Also, ich würde sogar noch mehr sagen, mir fällt jetzt noch mehr ein an Düsseldorfer Bands. Ich wollte noch eine Band dazutun, weil deren Ursprung auch hier war, nämlich Supabond.

Okay, eine Frage noch wegen deiner Hamburger Herkunft, ich weiß, dass du auch Slime-Fan bist. Der beste Song von Slime?
MEYER77: Also, es gibt ja ganz viele Slime-Songs, die immer noch wie die Faust aufs Auge passen. Aber für mich war es immer, auch heute noch: „Linke Spießer“.
THORSTEN: Was wäre bei mir, weiß ich jetzt gar nicht. Irgendwas von der zweiten Platte, weil alle Leute meinen, die wäre scheiße abgemischt, ich finde die aber einfach nur geil, mit diesem furztrockenen Sound.
MEYER77: Also es gibt noch einen Song. Es gibt mehrere, aber „Iran“ würde ich auch noch sagen. Gut, „Bullenschweine“ sagt jeder zweite, aber ich würde „Linke Spießer“ nennen, weil das passt auch noch, heutzutage erst recht. Es ist wirklich so. „Etikette tötet“ natürlich auch!

Und wirklich jetzt die wichtigste Frage: was ist der beste Song von AC/DC?
MEYER77: Oh, da ist Thorsten raus!
THORSTEN: Ich überlege gerade.
MEYER77: Meiner ist tatsächlich „Sin City“.

Alter, sehr gute Wahl.
THORSTEN: Meiner wäre „Let there be Rock“ in der Version von den Hard-Ons mit Rollins.
MEYER77: „Let there be Rock“ natürlich im Original, aber ich verbinde echt immer „Sin City“ mit AC/DC.
THORSTEN: Ja stimmt, das hätte ich jetzt eigentlich von dir auch vermisst.

Okay, ich bin mit allen Fragen durch. Habt ihr noch Grüße an unser Leser*innen?
MEYER77: Ja, wir grüßen natürlich alle, die uns in den letzten Jahrzehnten unterstützt haben, die bei uns waren und uns immer noch unterstützen. Seid bei uns, kommt gerne, wir nehmen euch gerne auf, wir begrüßen euch, wenn ihr alle genauso „geisteskrank“ seid wie wir, in Anführungsstrichen.

Vielen Dank nochmal! Es war echt toll, mit euch so ausführlich zu quatschen, ich hab schon jetzt ultraviel gelernt. Long live das AK 47!

 

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