Yacht oder Nicht Yacht – Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen, Evan Osnos
C.H. Beck, Wilhelmstraße 9, 80801 München, www.beck.de
Der Autor ist seit fast zwei Jahrzehnten angestellter Journalist beim New Yorker, die hier zusammengefassten Essays sind in der Zeit von 2017 – 2024 ebendort erschienen. Nach einer Einleitung gibt es drei Themenblöcke, mit jeweils drei Texten, es geht darum wie man sein Geld ausgibt, behält oder es auch wieder verliert. Die Texte sind nicht chronologisch sondern thematisch geordnet. Da Osnos Zugang zu diesen Milliardären hat (er ist selbst in Greenwich/Connecticut aufgewachsen, wo sehr viele Überreiche leben) sprechen sie mit ihm und so bekommt man allerhand Informationen aus erster Hand. Denn einerseits protzen einige von ihnen natürlich gern mit dem was sie haben, andererseits sind diese Menschen aber gern unter sich und schotten sich ab.
Während im ersten Teil noch allerhand interessantes und unglaubliches für den Leser bereit liegt, baut das Buch, beziehungsweise die inhaltliche Qualität, langsam ab und liest sich dann im dritten Teil fast schon wie eine Räuberpistole. Es könnte auch sein, das es am Thema liegt und man als Leser einfach auf Dauer die Schnauze voll hat von dem Mist den diese Leute hier betreiben. Im ersten Teil geht es um Superyachten, was diese Kosten und warum man sie hat, so sagt ihm ein CEO aus dem Silicon Valley das der Reiz von Booten unter anderem darin liegt das sie den größten Teil des überschüssigen Kapitals absorbieren können. Weiter mit „Preppern“ auf einem ganz anderen Niveau, nämlich wie sich die Überreichen auf den Weltuntergang vorbereiten und entweder in Neuseeland riesige Grundstücke kaufen und entsprechend bebauen, oder aber in unterirdische Bunkeranlagen die von Bergbauingenieuren geplant werden investieren – hier ließe sich die Liste von Absurditäten beinah endlos fortführen. Abschließend wird erzählt welche Popstars bei welchen Feierlichkeiten, für welche Gagen, privat auftreten. Früher wäre das oftmals undenkbar gewesen, da sich aber auch für die Popstars das Geschäft geändert hat, machen es die meisten, das ist auch aus Sicht des Musikmarktes interessant, sofern man sich dafür interessiert. Soweit der wirklich interessante und gut unterhaltenden erste Teil. Im zweiten Teil geht es los mit „Kann Mark Zuckerberg Facebook reparieren, bevor es die Demokratie kaputt macht?“ auch hier liest man gerne, wird an Dinge erinnert die schon vor einigen Jahren geschehen sind, aber merkt das sich auch auf andere Dinge konzentriert wird in Richtung Politik, was erst mal auch nicht schlecht ist. Dann weiter mit der „Greenwich Rebellion“ wo es um die Superreichen von eben dort geht, das ist schon sehr speziell. Im letzten Unterkapitel „Die Regeln der herrschenden Klasse“ wird die ein oder andere Biografie angesetzt und irgendwie verliert man den Faden. Und das dann völlig im letzten Teil, wo zuerst die Leinwanderscheinung Zach Horwitz und seine Machenschaften vorgestellt werden, dann der chinesischen Milliardär Guo Wengui, der eventuell für seinen landeseigenen oder auch den amerikanischen Geheimdienst arbeitet. Am Ende werden Menschen porträtiert, die wegen Wirtschaftskriminalität verurteilt wurden und beschrieben wie diese wieder versuchen zurecht zu kommen. Gut, wer auf solche Storys steht, kommt hier sicher auf seine Kosten, denn es ist prima recherchiert und auch amüsant geschrieben. Ich fühlte mich nur bis ungefähr der Hälfte des Buches abgeholt, der Rest war nicht mein Stoff. Deshalb gibts hier auch keine Empfehlung, was aber nicht heißt das es sich nicht lohnt, besonders eben die ersten beiden Teile, zu lesen. Denn was hier an Unmoralischer, krimineller Gier der Super- und Überreichen gezeigt wird, ist auch nicht neu, lässt einen aber mal wieder im Strahl kotzen. 315 Seiten, Paperback, 20,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3406844003
[Trust # 238 Juni 2026]
