Tellerwissen – Verstehen, was wir essen sollten, Konstantin Linder
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Noch ein „Essensratgeber“? Na gut, bei dem Verlag, bekommt er eine Chance – na denn. Es ist wirklich immer das gleiche, was letztendlich empfohlen wird und das wird halt schon seit Jahren immer und immer wieder anders aufbereitet oder es wird halt Mist erzählt. Das ist hier etwas anders, zuerst geht es darum, warum wir überhaupt essen und was – so wird zum Beispiel die „Paläo Diät“ als das entlarvt was sie ist – nicht existent. Weiter geht es überhaupt nicht ums Essen selber, sondern der Autor (aktives Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)) erklärt wie kritisches Denken funktioniert und wie wir von uns selbst und der Außenwelt beeinflusst werden, oft ohne das zu merken.
Belief-, Confirmation-, My-Side-Bias werden vorgestellt und erklärt, ebenso Korrelation und Kausalität und auch wie Statistik und Studien funktionieren. Linder führ den Leser hinauf auf die Spitze der Evidenzpyramide, ja sogar darüber hinaus und zeigt wie wir anfangen können wissenschaftlich zu denken und es vermeiden auf unsere eigenen Denkfehler und Vorurteile hereinzufallen. Das ist tatsächlich leichter gesagt als getan, denn alle Menschen, auch Wissenschaftler, Ärzte oder Juristen und andere „unfehlbare“ Berufsgruppen, haben diese blinden Flecken, denn auch da sind nur Menschen am Werk und wir alle haben ähnliche „Hardware“. Wie wir wissen, sieht man die Fehler immer besonders gut und leicht bei den anderen. Im Prinzip ist das hier alles richtig und interessant, hat aber nicht so viel mit Essen zu tun. Also schon, natürlich kann man die Sicht auf die Ernährung durch die wissenschaftliche Perspektive, die eben nicht von den eigenen Denkfehlern getrübt ist, entsprechend verändern oder falsche Behauptungen entlarven. Aber, das mal „eben so“ zu übernehmen und verstehen ist so einfach dann eben auch nicht. Wahrscheinlich war der erste Fehler sich von dem Titel ein wenig in die Irre führen zu lassen, wobei Irre ja nicht stimmt, denn man wird ja in die Erkenntnis geführt. Zum Thema Ernährung gibt es dann auch noch allerlei Fakten, Süßstoffe, Ballaststoffe, Cholesterin, Mikro- und Makronährstoffe, Vitamine…. alles da und aus einer Sichtweise betrachtet wie sie die meisten wahrscheinlich noch nicht kennen. Etwas bedenklich ist das er die „Zuckerangst“ nehmen will, rein wissenschaftlich ist das wahrscheinlich ok, aber hier kann man auch ordentlich das falsche verstehen. Und das ist natürlich ein Problem, denn man benötigt schon sehr viel Expertise um selbst all das entsprechend einschätzen zu können, der Autor hat zunächst Sozial- und Staatswissenschaften studiert, bevor er ein weiteres Studium der medizinischen Ernährungswissenschaften aufnahm. Und hier zeigt sich auch das wissenschaftliche Distinktionsbedürfnis, im Volksmund „Klugscheißerei“, das blitzt hier auch durch, trübt aber gar nicht den Gesamteindruck. Der ist nämlich gut, auch wenn es eigentlich um was ganz anderes geht als der Titel vormacht. Auf keinen Fall ist von dem Buch abzuraten, denn im Kern ist das alles gut, wichtig und richtig, es ist halt eine andere Kombination. Ob die dir taugt, findest du am besten selbst raus. 264 Seiten, Kartoniert, 20,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3865694287
[Trust # 237 April]
