Die verdammt blutige Geschichte der Antike: ohne den ganzen langweiligen Kram – Michael Sommer & Stefan von der Lahr
Verlag C.H. Beck Wilhelmstraße 9, 80801 München, www.beck.de
Hier findet mal ein Fokus-Wechsel statt, es wird nicht nur über die „tolle“ Antike und die ganzen Heldentaten und Errungenschaften der verschiedenen Protagonisten berichtet. Sondern es wird so dargestellt wie es sehr wahrscheinlich war, ein ewiges Blutvergießen und ein Krieg der sich an den nächsten reiht. Männer die Macht und Gebiet und manchmal auch einfach nur Krieg wollen. Am Anfang hat mich die doch sehr flapsige Sprache, die hier oft aufgesetzt wirkt, etwas genervt, aber entweder hab ich mich daran gewöhnt oder das Autorenduo hat sich etwas gemäßigt. Ich hörte das von „Respektlosigkeit“ der Autoren gegenüber der Antike gesprochen wird, das sehe ich überhaupt nicht.
Vielmehr wird hier mal dieser antike Schleier gelüftet und gesagt wie es wirklich, gewesen sein könnte. Denn, ob es jetzt die normalen Geschichtsschreiber sind oder diese, sie alle müssen sich auf das Verlassen was überliefert ist und ob sich das alles genau so zugetragen hat ist nochmal eine ganz andere Frage. Mich persönlich hat die ständige Betonung auf die ganzen Schlachten und deren Brutalität nicht sonderlich angezogen, oftmals sogar eher gelangweilt, weil es eben immer der gleiche Scheiß ist. 1500 Jahre sind eine lange Zeit da gab es in den verschiedenen Gebieten massig machtgeile Männer die auf andere losgingen um zu erobern, Rückzugewinnen oder einfach zu rächen. Meist waren es Römer und Griechen, aber auch viele andere aus den zum Teil auch heute noch umkämpften Gebieten – im Prinzip hat sich wenig geändert. Das ist traurig, aber so sind wir Menschen halt. Jede Generation denkt wahrscheinlich das es sich jetzt mal grundsätzlich ändert, aber wenn man es dann historisch betrachtet ändert sich halt nichts. Und, wenn man mal so ein historisches Buch liest, egal ob jetzt der Fokus auf Blut liegt oder auf der Schönheit, dann bleibt halt nicht viel hängen, weil viel zu viele Namen, Orte und Zusammenhänge genannt werden. Hier und da kennt man natürlich die Geschichten: Odysseus, Cesaer, Achilles, etc. aber nach kurzer Zeit ist halt das meiste vergessen. Außer: Das Einzige, was wir aus der Geschichte lernen, ist Geschichte. Sonst nichts. Und natürlich das, zum Beispiel Sophokles in seiner Tragödie Antigone, schon vor 2500 Jahren wusste was Sache ist: „Viel Ungeheueres gibt es, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch.“ Trotzt allem, im „Schluss“ sagen die Autoren dann doch das man es natürlich auch anerkennen muss „das die Griechen und Römer ziemlich gut darin waren die Gesellschaft so zu organisieren das nicht andauernd Mord und Totschlag herrschten. Immerhin war Rom schlappe 700 Jahre eine Weltmacht, der keiner ihrer Nachbarn, seien es nun Germanen oder Perser, irgendwie das Wasser reichen konnte.“ Und auch sonst gab es natürlich in der Antike tolle Errungenschaften die die Menschen zum Teil noch bis heute begleiten. Wer sich für die Geschichte interessiert, bekommt hier mal eine andere Sichtweise geboten, das ist eigentlich ganz nett und erhellend, gleichzeitig aber auch nichts wirklich neues. Neu ist nur die Form wie es erzählt wird. Kann man machen, muss man aber nicht. Kleine Anekdote zum Schluss, einer der Autoren dank seinem verstorbenen Geschichtsprofessor an der Bremer Uni, dessen Sohn unser Kleingartennachbar ist – aber das hat wirklich nichts mit dem Buch oder der Antike zu tun. 364 Seiten, Gebunden, 26,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3406830754
[Trust # 237 April 2026]
