Juli 28th, 2021

Kultur und Politik im prekären Leben – Solidarität unter Schneeflocken, Timo Klattenhoff, Johanna Montanari, Viola Nordsieck (Hrsg.)

Posted in bücher by Dolf

Neofelis Verlag, Kuglerstr. 59, 10439 Berlin, www.neofelis-verlag.de

Nach dem Vorwort, Intro und Einleitung hinter mir sind, gebe ich nach ca. 60 Seiten auf. Ich habe mir vorgenommen, Bücher welche nicht zu verstehen sind, weil sie viel zu wissenschaftlich-akademisch verfasst sind und ein Fremdwort das andere ablöst, nicht mehr zu lesen. Ich frage ziemlich ungehalten bei einem der Autoren des Kollektivs nach (welcher mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat und meinte es wäre was für mich) ob die Texte für Professor*innen und die VG Wort geschrieben sind. Worauf er antwortete das Buch sei nicht geeignet um es von Anfang zu Ende zu lesen, das es auch Texte gebe, die nicht auf ein akademisches Publikum abzielen und ich soll doch mal die Texte von „Tine Mothes, Sarah Fartuun Heinze, Carrie McIlwain, Claudia Funke, Nello Fragner, Das Intro – Prekäres Soundgewebe und natürlich den von Tim Kegler“ lesen.

Na gut, es bestehe also noch Hoffnung, und da ich ja sicher bin das das Kollektiv nur gutes im Schilde führt kämpfe ich mich durch bis zum Ende – 375 Seiten. Es handelt sich um zwanzig Texte die sich kritisch mit dem Leben im Neoliberalismus auseinander setzen, Ziel der Autor‘innen ist es „diese zeitgenössischen Erfahrungen von Prekarität zu schildern und nachzuvollziehen, um ihre Vielfalt denkbar und erfahrbar zu machen.“ Erst auf Seite 129 befreit mich Carrie McIlwain mit dem Text zu ihrem Leben aus dem akademischen Dickicht, ein Grund aufzuatmen. Es gibt dann noch ein paar mehr Texte die auch nicht-Akademiker zu verstehen in der Lage sind. Bedenkt man das auch hier des öfteren von „Inklusion“ die Rede ist sind die Voraussetzungen für diese aber ganz schön hoch. „Die sogenannte Generation Snowflake wird in der Öffentlichkeit meist als weinerliche, selbstbezogene Peter-Pan-Fraktion dargestellt, die sich den Härten des Lebens verweigert. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.“ Ich hätte mir gewünscht mein erster „Kontakt“ mit den Schneeflocken wäre anders verlaufen, denn es ist zwar richtig das jede Schneeflocke einzigartig und schön ist und das viele Schneeflocken eine starke Lawine sein können, aber ebenso richtig ist Schnee eben nur Wasser in anderer Form. Will sagen, hier steht einiges richtiges und wichtiges drin, oftmals viel zu akademisch-wissenschaftlich. Allerdings ist wenig davon neu, geschweige den so gedacht und formuliert das man damit die Massen der Menschen erreichen könnte. Obwohl es den Autor*innen oft genau darum geht, das ist löblich, aber so klappt es eben nicht. Es scheint vielmehr das es, wie so vielen anderen Generationen und Bewegungen zuvor, darum geht das man sich selbst auch mal zum Thema äußert. Das ist geschehen. Und eine neue Forderung ist, das Mensch für die gewünschte Aufmerksamkeit, nicht unbedingt bereit ist einen Preis zu zahlen (nicht im Sinne von Geld, sondern im Sinne von etwas dafür zu tun) Das dies nicht ausreicht ist leider die bittere Wahrheit. Eine andere ist – und auch das wird an einigen Stellen der Texte sichtbar – das im Prinzip „alles“ schon vielmals gedacht, gesagt und aufgeschrieben ist, das es nicht wirklich mehr Erkenntnis braucht, sondern das es erst mal darum geht, das bereits Bekannte in Taten umzusetzen, das heißt zu handeln. Das ist das Hauptproblem. Und leider gibt das Buch hierauf auch keine Antwort. Hätte ich nach der Lektüre die Wahl, ich würde das Buch nicht nochmal lesen, es hat viel zu viel Zeit verschlungen, mir Energie geraubt und mich letztendlich kein Stück vorangebracht. Auch wenn es natürlich nicht genügend Texte zum Thema Rassismus, Kapitalismus, Sexismus, Klimakatastrophe, politischer Kultur usw. geben kann. Broschiert, 20,00 Euro (dolf)

Isbn 978-3958083219

[Trust # 208 Juni 2021]

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