Hey Ho! Let’s Go! – 50 Jahre Punk in Hannover, Klaus Abelmann, Detlef Max, Sebastian Moock, Hollow Skai
Leuenhagen & Paris, Lister Meile 39, 30161 Hannover, www.leuenhagen-paris.de
Es gibt schlimmeres als sich auf seine alten Tage auf seine Jugend zu besinnen oder sich mit der Szene seiner Stadt der letzten 50 Jahre zu beschäftigen. Und wenn es dann auch noch so authentisch und kurzweilig rüberkommt wie in dem vorliegenden Buch. All good. Zum Glück auch wenig Überschneidung mit dem vorher erschienenen Buch „Wie der Punk nach Hannover kam“, also keine Angst vor Doppelungen. Es gibt nicht mehr oder weniger als versprochen wird. Die Geschichte des Punk in Hannover, begonnen 1976/77 bis zu letztem Jahr, 2025. Die Aufteilung ist nach Jahrzehnten, es gibt immer eine Zeitleiste mit den „wichtigsten“ Ereignissen in der Übersicht und dann einige Geschichten über Plattenlabel, Bands, Fanzines, Jugendzentren, Moden, etwas Politik….
Also alles was man sich so wünscht. Sicher werden einige argumentieren das dies oder das zu kurz kam oder zu ausführlich behandelt wurde – sollen die machen, die das wollen. Ich erspare mir das hier, obwohl es natürlich schon ein paar Menschen gab die hier fehlen und definitiv zur Szene gehörten, aber gut, man muss auch die Jahrgänge der Autoren berücksichtigen. Hier 1-2 Überschriften aus den einzelnen Jahrzehnten: 70er Zachius Lipschitz oder: Bevor der Punk nach Hannover kam, Werkstatt Odem – das Wohnzimmer der Punks; 80er Dachau Disco – das Kokettieren mit Nazi-Insignien als größte denkbare Provokation, Welcome to Hardcorehausen – die Spirit Family; 90er Big in Japan – Gigantor in Fernost, Punkfoto – die andere Datei; 20er Punkville U.S.A. – Green Day in Hannover; 2010er Silke Arp bricht – verrückter wird es nicht, Ist das noch Punk Rock; 2020er Komm mit ins Abenteuerland – die Chaostage sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr, Die Rückkehr des Bumm – das Comeback von Bärchen und den Milchbubis. Man sieht, es ist ein wilder Ritt durch die Jahrzehnte, hier und da aufgelockert durch Fotos, Flyer oder Ausrisse aus damaligen Medien. Einzig die beiden Texte am Ende zu Enesco City of Music und über die Scorpions, hätte man weglassen können. Aber Schwamm drüber. Zum Schluss dann noch einige Worte zu Menschen aus Hannover (oder nicht) die nicht mehr am leben sind (John Peel, Job Crogier, Liebfried Loch, Achim Brandau, Kerry Sperlich, Manfred Schütz und Alfred Hilsberg). Buch-, Film- und Podcastempfehlungen fehlen auch nicht, allerdings sind bei den Bücher viel zu viele Romane dabei und gute Punkfilme gibts eigentlich auch kaum, aber auch das nur eine Randnotiz. Alles in allem weiß das Buch in seiner Gesamtheit zu Überzeugen, weil man das Gefühl hat gut informiert zu sein. Außerdem ist es meist interessant zu lesen und gute Unterhaltung mit seinen vielen Anekdoten und Geschichten. Für Menschen aus Hannover, die dabei waren oder es noch sind, sowieso ein must have und alle anderen können hier auch ein paar vergnügliche Stunden mit der Geschichte des Punks in Hannover haben. Bitte setzen und Revue passieren lassen. 192 Seiten, Taschenbuch, 17,90 Euro (dolf)
Isbn 978-3945497395
[Trust # 237 April 2026]
