Dieser Drang nach Härte – Über den neuen Faschismus, Eva von Redecker
S.Fischer Verlag, Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt, www.fischerverlage.de
Über ihr letztes Buch, „Bleibefreiheit“ (2023) schrieb ich unter anderem „…viel zu viel philosophischer Wortakrobatik…“ und „…ist es in Teilen zu verschachtelt…“ – dennoch hat es mir im großen und ganzen dann doch Gefallen. Das ist hier ein wenig anders, denn – natürlich hat die Autorin ihren sehr schönen und auch kreativen Schreibstil beibehalten – aber es geht hier eben um Faschismus, beziehungsweise eine Analyse seines diffusen Kerns. Das macht das ganze nicht einfacher, so sieht sie den Kern in einer „Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht“ und sie bezieht sich nicht nur auf den faschistischen Nationalsozialismus des dritten Reichs sondern will erklären warum es auf der ganzen Welt, in den verschiedensten Gebieten, diesen Rechtsruck gibt.
Obwohl natürlich „rechts“ hier eigentlich zu kurz greift, aber auch das wird im Buch wortreich erklärt. Mit vielem hat sie sicher Recht, auch wenn ihre Einschätzung von KI zu kurz greift – aber Schwamm drüber. Wer auf diese Art von Text steht, wird hier hervorragend bedient, man kann über die Sätze die sie schreibt prima nachdenken oder sich auch neue Wortschöpfungen wie „verflixung“ aneignen – oder drüber nachdenken, ob man sie sich aneignen will. Letztendlich ist mir das ganze zu intellektuell, hier wird sich durch Sprache und komplexes Nachdenken und dessen aufschreiben das Distinktionsbedürfnis abgeholt. Da spricht auch nichts dagegen, allerdings wird es dann letztendlich auch bei der Analyse nicht auf das heruntergebrochen. Nun gut, hinter dem ganzen Wort- und Gedankensalat verbirgt sich natürlich einiges dem so ist. Allerdings, leider wird auch durch dieses Buch kaum faschistisches Denken, oder gar Verhalten, vermieden werden oder entsprechende Personenkreise zum umdenken gebracht. So kann man sich fragen, für wen das Buch gemacht ist? Sollen feullitionbegeisterte Intellektuelle sich daran erfreuen? Sollen sie den Faschismus mit diesen erhellenden Gedanken zu Tode denken? Während ersteres sicher noch passieren kann, ist zweiteres leider nicht möglich. Somit kann ich nur sagen das ich mit der Autorin und dem Inhalt des Buches durchaus sympathisiere, aber es aufgrund des Stils (böse Zungen könnten ihn verquastet nennen) und akademischen Wortgebrauchs für die meisten TRUST-LeserInnen eher nicht empfehlen würde. So was finde ich ja irgendwie immer schade, aber ich muss halt auch so ehrlich sein und sagen das es nicht immer nur Freude war dieses Buch zu lesen, sondern leider auch zu oft Qual und dann verliert man eben die Lust. Ich bin mir sicher, die meisten Leute wissen an diesem Punkt schon, ob das Buch was für sie ist – oder eben eher nicht. Oder vielleicht bin ich auch nicht der richtige Rezensent? Reicht mein Schulabschluss nicht aus? Oder welchen Schulabschluss müsste man haben? Ich schweife hab, das hat das Buch nun wirklich nicht verdient. Musikalisch gesprochen kann man es wohl vereinfacht so auf den Punkt bringen: zu viel Jazz, zu wenig Punk. 272 Seiten, Gebunden, 24,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3103977240
[Trust # 239 August 2026]
