Juli 27th, 2026

Die Neuen Propheten – Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen, Daniel Stähr

Posted in bücher by Dolf

S.Fischer Verlag, Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt, www.fischerverlage.de

Man kann es ganz kurz machen: Wirtschaftswissenschaft ist keine Wissenschaft, weil es sich beim Markt und dem derzeit herrschenden Kapitalismus nicht um Naturgesetze handelt. Somit ist es immer nur eine subjektive Vorhersage, die niemals der Realität entspricht.
Wer es aber ganz genau wissen will und sich dafür interessiert wie es soweit kommen konnte das die Wirtschaftswissenschaften nicht nur dabei scheitern ihren Teil zur Lösung der Probleme beizutragen, sondern sich sogar an der Verschleierung der Probleme beteiligen – der ist hier genau richtig. Der Autor, selbst Ökonom, geht mit seiner Zunft nicht grade zimperlich um – aus gutem Grund.

Und zurecht, denn sie sind eben für vieles mitverantwortlich und die Politik hört auf sie als wäre es eine ernstzunehmende Wissenschaft. Warum das so ist, erfahren wir hier sehr ausführlich da uns Stähr durch die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften führt und das ist meist sehr unterhaltsam zu lesen. Aber leider fragt man sich immer und immer wieder, wieso die Dinge jetzt so sind wie sie sind. In diesem Buch finden sich ein paar Antworten, unter anderem liegt es daran, das die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler auch nur Menschen sind und nach den selben Mustern funktionieren wie wir alle. Auch darauf wird eingegangen. Das man das ganze eben interdisziplinär betrachten muss und ebenso das einbeziehen anderer Wissenschaften unabdingbar ist. Man wird hier auf jeden Fall kompetent zum Thema aufgeklärt. Ayn Rand, Chicago, Keynes, Neoliberalismus, ökonomische Modelle, Milton Friedman… all das wird behandelt. Jetzt sollte klar sein ob das Buch was für dich ist oder eben nicht. Hier bringt es der Autor auch nochmal selbst gut auf den Punkt: „An dieser Stelle wiederhole ich einen Punkt, weil ich ihn für zentral halte: Märkte sind weder gut noch schlecht, sondern ein Instrument, mit dessen Hilfe sich Ressourcen verteilen lassen. Nicht mehr und nicht weniger. Gleichzeitig sind Märkte keine gott- oder naturgegebenen Institutionen, denen Gesellschaften machtlos ausgeliefert sind. Wie Märkte funktionieren, wird durch Gesetze bestimmt und kann dementsprechend auch verändert werden, wenn sich zeigt, dass sie ihre zentralen Aufgaben nicht erfüllen. Es würde der öffentlichen Debatte guttun, sich dieser schlichten Wahrheiten bewusst zu sein.“ In Trust Nr. 231 vom April 2025 hatte ich auch schon sein Buch „Die Sprache des Kapitalismus“ besprochen, das taugte auch schon sehr. So geht es hier weiter, klar, Kapitalismus-Kritik ist immer gern gesehen, aber wenn sie so fundiert ist, dann macht es eben doppelt Vergnügen. Leider wird auch dieses Buch kaum was an der Situation ändern, aber es ist dennoch gut, das es mal so kommuniziert wurde.
Interessant das er auch weiterhin gern Ökonom ist, das ist dann die „verursachte Kostenfalle“ in Kombination mit der Erfüllung des Distinktionsbedürfnisses sich durch massive – berechtigte – Kritik an der eigenen Disziplin hervorzuheben. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Gutes Buch, lohnt sich. 332 Seiten, Gebunden, 24,00 Euro (dolf)

Isbn 978-3103977288

[Trust # 238 Juni 2026]

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