40 Jahre afas: Zwischen Bewegung und Bewahrung
afas, Münstraße 37-43, 47051 Duisburg, afas-archiv@t-online.de
Kein Buch im klassischen Sinne, aber auch kein Fanzine, hier ist wohl der Begriff Broschüre angebracht. Wie der Titel schon verrät ist sie zum 40-jährigen bestehen des „archiv für alternatives schrifttum“ erschienen und erzählt von den Anfängen des Archivs, seiner Geschichte bis in die Gegenwart und ein paar Zukunftsaussichten gibts auch. Auf über 100 A4 Seiten bekommt man einen guten Einblick, reich bebildert, in die Archivarbeit der afas und deren Probleme und man lernt die MacherInnen kennen.
Das Sammelgebiet erstreckt sich über StudentInnenbewegung, Neue Linke, antiautoritäre und alternative Bewegungen, Friedensbewegung, Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung, Musikfanzines, Literatur und so weiter. Hier mal ein aktueller Auszug aus den Materialarten und den Massen die in dem Archiv lagern: Über 11.200 Zeitschriftentitel, Über 20.000 Broschüren, Ca. 3.000 Museumsobjekte (Aufkleber, Buttons…), Ca. 6.000 Archivalineinheiten, Ca. 15.000 Plakate (davon 6500 digitalisiert), Über 6.000 Fotos und Dias sowie Ca. 50.000 Flugblätter. Wahnsinn das eine solche Einrichtung immer noch um die institutionelle Förderung kämpfen muss. Es sollte selbstverständlich sein das dieser Geschichtsschatz es genauso wie andere Geschichte verdient erhalten und gepflegt zu werden. Die Broschüre ist in fünf Hauptteile gegliedert, nach den Anfängen gibt es einen Blick in die Bestände sowie danach eine Vorstellung der Alltagsarbeit. Die beiden letzten Kapitel beschäftigen sich mit „den anderen“ Archiven (archivarische Fachwelt, Netzwerk der freien Archive) und wie die afas dort vernetzt ist, sowie die Veränderungen, unter anderem der Umzug in viel größere Räumlichkeiten. Es gibt hier allein in dieser Broschüre so viel interessantes zu entdecken, so wird zum Beispiel das Archiv des Vegetarierbundes Deutschland beleuchtet, die sich bereits 1960 in Deutschland zum Welt Vegetarier Kongress vernetzten. Es gibt viele lesenswerte Geschichten aus dem afas-Universum. Sicher nicht für jeden spannend, aber für Menschen die sich für linke, alternative Politik interessieren allemal und wenn man auch noch ein Faible für Archive hat, dann ist das natürlich ein Volltreffer. Auch interessant das es 1990 noch über 200 freie Archive gab, zu einem Workshop „Archive von unten“ in Berlin im Jahr 2003 nahmen dann immerhin noch 60 Teil. Es bleibt zu befürchten das es immer weniger werden, beziehungsweise sich die verschiedenen Bestände in großen Archiven wie dem afas sammeln. Zwar archiviert das afas auch das Trust, aber es ist eben kein „Punk-Archiv“. Das erinnert daran das auch ein solches mal geschaffen werden müsste, allerdings wahrscheinlich gleich in einer Größenordnung wovor die meisten wohl zurückschrecken würden. Aber alles andere wäre eben zu klein, aber das ist dann doch wieder ein anderes Thema. Freuen wir uns erst mal mit der afas über 4 Jahrzehnte und wünschen noch viele – geförderte – Jahrzehnte mehr. Die Broschüre hat mehr als 100 Seiten und kann direkt bei der afas, gegen Spende, bestellt werden. (dolf)
[Trust # 237 April 2026]
