März 28th, 2018

RICH KIDS ON LSD Special (Teil I in #127/2007, Teil II in #128/2008)

Posted in interview by Jan

Inhalt des Specials (erschienen in zwei Teilen in der Trust #127 (2007) und Trust #128 (2008)):

Einleitung Teil I: Rich Kids on LSD – they had music in their blood (Part I, Jan Röhlk)
– Interview mit Sharry Rose, Bomers Mutter
– Interview mit Joe Raposo (Lil´ Joe), RKL-Bassist
– My brain is burning, we´re all Rich Kids on LSD (von Schmitty / Thrasher Magazine)
– Mein schönstes Ferienerlebnis 2007 (von Micha, Diavolo Rosso, Klasse 2a, Mannheim)
– Jason, Bomer, Derrick….Rest in Piece!  (von Bas / Bratpack, die Dutch Kids on LSD)
– Interview mit Doug Moody von Mystic Records
– Interview mit Alchemy Records / Mark Deutrom
– How to divide a club-crowd into 4 different fighting parties and  getting out of this mess without having one fight! (von Archie Alert, Destiny Booking, Berlin)

Einleitung Teil II: Rich Kids on LSD – they had music in their blood (Part II, Jan Röhlk)
– Interview mit Barry D´Alive, RKL-Gitarrist
– RKL live in der Fuchsfalle 1988 (von Tøni Schifer, ex-Nastrovje Potsdam)
– Ein Abend in Bielefeld (von Helge Schreiber, Plastic Bomb Zine)
– “Mister Jason Sears” (von  Dan Sites, verantwortlich für das RKL-Artwork, Beanie Man-Logo)
– Das ist meine Religion! Ich bin nie ohne diese Platte unterwegs (von Chris, Betreiber der Tribute-Seite www.richkidsonlsd.tk)
– Long live RKL ! (von Sam, Scheisse Minelli, Aschaffenburg)
– Beautiful Feeling Part 3 (von Lars, 2004 Fotograph für das Trust-Interview mit Jason Sears)
– Interview mit Scooter von Malt Soda Records
– Jason Sears and the Mercury Legion (Bryce, Mercury Legion, San Diego)
– Once upon a time in 1984… (Fat Mike, NOFX)


Rich Kids on LSD – they had music in their blood (Part I)


Vor und nach dem Jahreswechsel von 2005 auf 2006 sind drei Mitglieder von den Rich Kids on LSD (RKL) gestorben: Trommler Derrick, der ganz alte Trommler/Bassist/auch mal Sänger Bomer und Sänger Jason Sears. RKL waren eine wahnsinnige durchbreakte Skate-Punk-Durchgeknallt-Core-Band aus Santa Barbara, Kalifornien, die es von 1983 bis 2005 gab. Für die komplette Diskografie schaue am besten in der Flex-Discografie auf fuzzlogic.com nach, dort fehlt nur das tolle und letzte Album von 1994 auf Epitaph, ”Riches to rags”. Du brauchst auf jeden Fall eine Platte der Band, da sich dort die absolute Blau-Pause, das Pionierwerk, die calfornianische Variante der ”Rock for light”, manifestiert: die RKL-Platte ”Rock´n´Roll Nightmare” – 1987 auf Alchemy Records erschienen. Mit diesem Memorial-Feature zu der Band, den alten Labels, mit Interviews und live-Erinnerungen (siehe dazu Interview von mir mit Jason Sears im Trust #107) will ich eine meiner absoluten Lieblingsbands würdigen und an die Gestorbenen erinnern.

Am Samstag, den 29.03.2008, findet eine Memorial RKL Party im Cafe Exzess in Frankfurt/Main statt mit  Bratpack (Dutch Kids on LSD), Holland, Skate-Punk (http://www.brtpck.com/) + Scheisse Minelli, Aschaffenburg, Skatepunk + DJ Al-Dente spining skate-punk from Venice over Oxnard til Kaiserslautern. Wenn ihr Jasons Familie Geld spenden wollt (eventuell durch den Kauf des T-Shirts mit dem von Dan Sites gemalten Coverbild dieser Ausgabe (sofern es nicht nur bei der Ankündigung von Dan bleibt, was zum Redaktionsschluss noch nicht klar war)), dann wendet euch an Malt Soda.

Ihr wollt nicht spenden, sondern was gewinnen? Dann beantwortet die folgenden zwei Fragen richtig und wer sich als erster bei mir per E-Mail (siehe Impressum) mit den Antworten meldet, dem schicke ich 1x die RKL DVD ”Still flailing after all these beers”, 1x die Jason Sears and Mercury Legion CD inkl. ”For those about to trip”-Tribute to RKL-Sampler und  1x die Crosstops CD inkl. Porto zu.

Frage 1:  Warum steht auf einigen 0,2 l Kölschgläsern im schönen Rheinland unter dem Eichstrich RKL?

Frage 2: Unten sind einige Textpassagen von dem Rap-Teil des RKL Songs ”Find a way” mit Slang-Englisch bzw. Personennamen fett markiert. Was bedeutet mindestens eine der Stellen auf Deutsch?

”Been working all wek long, for the man with no pay. Now listen to my story, how I found a way. To cope with life, dealing with the best. Only finding out later, the game was just a test.So I went to Taco Bell, thought I’d order a dinner. Order beef burrito, and he rolled me up a pinner, I wolfed the whole burrito, even though the beans were bitter. 10 minutes after I was rushed to the shitter. The food was so old, it must have been rusted. Called the Health Department, and the place got busted. Sing a song, a six pack, Shlitz Red Bull. I took the beer from your hand, and asked you for a pull. You Ol‘ Lilly light lipped Lex Luthor lettuce picker, been a long time, since I used a pig sticker.  Arm and Hammer always twisting Reynold’s Rap, Gimme Jimmy Z’s quick release velcro not snap. Shorts have velcro so they don’t rust, the beat’s gotten old, and our story gone astray. You can rap to machines, but Rock N Roll’s the way. I know that your on glue, and your Rhymes are just for filler. You said the Hubba’s killer, now you look like Phyllis Diller.”

Interviews, Einleitungen, Gewinnspiel, Früh Kölsch: Jan Röhlk
Layout: pj1

 

 

Interview mit Sharry Rose, Bomers Mutter
Von Malt Soda Records bekam ich die E-Mail Adresse der Mutter von Bomer. Soll ich die wirklich was fragen über ihren verstorbenen Sohn? Bin ich hier die Bild-Zeitung? Mir war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, da einfach per Mail ein paar Fragen nach Kalifornien zuschicken, hab es aber dann doch gemacht, ich Bild-Zeitungsleserpfeife…

 

Hey Sharron Rose, danke für deine Zeit, einige Fragen über deinen Sohn zu beantworten, ich wundere mich immer über die unterschiedliche Schreibweise, heißt es nun Bomer, Bomber, Bummer…?
Der Name meines Sohnes war Bomer, sein Geburtsname war Richard. Seine Schwester Lori gab ihm diesen Spitznamen nach seiner Geburt. Er war Bomer von da an.

Viele Eltern sind bestimmt “sehr  glücklich”, wenn ihr geliebtes Kind seine Mutter und seinen Vater darüber informiert, im Alter von 14 Jahren eine Punkband zu gründen… war es schwierig für dich, ihn darin zu unterstützen? Oder war es mehr so was wie “Egal was er macht, er soll’s machen?”
Ich habe ihn immer komplett in seiner Kunst und Musik unterstützt, und sehr schnell festgestellt, dass er anders, speziell war, und äußerst talentiert in sehr vielen Bereichen. Seine Mathelehrer sah voraus, dass Bomer ein großer Mathematiker werden würde. Mathematik hat viel mit Musik zu tun und er wurde anstatt dessen ein Musiker. Er war sehr intelligent in der Schule und konnte zwei Jahre überspringen. Ich habe Bomer immer unterstützt, aber darauf geachtet, dass er die Schule zu Ende macht, als er nicht mehr wollte und die schmeißen wollte.

Hast du seine Band, RKL, mal live gesehen, wie hat´s dir gefallen? Was für Musik hörst du sonst so?
Ich ging IMMER zu seinen Konzerten in San Francisco oder immer, wenn er in der Nähe von zu Hause spielte. Seine Schwester Lori und ich tanzten in den Pits, als RKL da gespielt haben, wann war das, im Whiskey in Los Angeles? Könnte das sein? Das war die einzige Show, die sich sein Vater jemals angesehen hat. In Sachen Musik, ich mag alles, besonders klassischen Rock´n´Roll und Punkrock, well, I love it all!

Stimmt das eigentlich, dass Bomer oder ein Freund von ihm in der kalifornischen Staatslotterie gewonnen hatten? Ich hatte da mal was im Internet gelesen, wie viel war es denn, was machten sie mit dem Geld?
Ja, also in Bezug auf die Lotterie, das stimmt. Bomer fragte seinen Freund, ob er nicht nach Santa Barbara kommen will, um mit ihm zusammen das zu machen. Dann “betete” Bomer, er erzählte mir, dass sein Freund die Lotterie gewinnen würde. Einige Tage später gewann er, 67,000.000 Million $$$.  Bomers Gebete waren mächtig, er war ein magischer Mensch, sehr spirituell. Er war großzügig mit seinem Anteil des Geldes und obwohl sie gut lebten, endete die Beziehung auf eine tragische Art.
Obwohl ich ihn nie persönlich kannte, habe ich immer sein Schlagzeugspiel und sein Bassspiel geliebt, ich werde ihn als einen großartigen Musiker erinnern…

Danke, Rose, für deine Zeit! Falls du noch nen Gruß an die TRUST Leser hast…
Bomer liebt euch alle und seine zuletzt und wahrscheinlich beste Musik, die er gemacht hat, wird so schnell wie möglich veröffentlicht werden! Bless you all! Sharry Rose.

 

Interview mit Joe Raposo (Lil´ Joe), RKL-Bassist
Interessanterweise ist Santa Barbara, der Herkunftsort von RKL, laut Wikipedia die ”Hauptstadt der American Riviera“ und die”teuerste Wohngegend in den USA”. Der Herkunftsort von Jason Sears (der Nachbarort Montecito im Osten der Stadt) ist ”ein Bezirk, der zu den reichsten in den USA gehört.” Ich dachte immer, New York oder so wäre am teuersten. Little Joe war nach Vince Peppard (Bassist von 1983 – 1986) der zweite Bassist von RKL ab 1987 und blieb es auch bis zum Schluss. Wer ihn je gehört hat oder live sah, der wird ihn auch nicht vergessen, sag ich einfach mal so. Positiv gemeint jetzt. Glücklicherweise antwortete er noch im Rahmen der Deadline für dieses Feature. Prost.

 

Lieber Lil´ Joe, danke für deine Zeit für dieses Interview. Wie läuft´s? Was machst du zurzeit?
Mir geht es gut und danke, dass ich bei dieser Ausgabe dabei sein kann. Zurzeit bin ich mit Musik machen und Arbeit beschäftigt. Ich bin aktuell in mehreren Bands und Projekten. Bei den Real McKenzies mache ich immer noch mit, spiele dort, nehme auf und toure mit ihnen. Wir tourten durch Europa im Frühjahr 2007 und machten eine Fat-Tour durch Kanada mit den Mad Caddies und St. Catherines und waren beim letzten Teil von der Warped-Tour an der West –Küste der USA dabei. Aktuell schreiben wir eine neue Platte und gehen Januar ins Studio, um die aufzunehmen. Dann bin ich noch in einer Band namens King City (www.kingcitysf.com) und wir haben etwas früher in diesem Jahr ein Album aufgenommen mit dem Namen “The last Siesta”.

Bei der Band sind Leute von Lagwagon (Chris Rest), RKL (Boz Rivera, ich und Chris), The Other (Boz, Rich Morin, Chris), und Hammers of Misfortune (Chewey Marzolo) dabei. Einige andere Projekte, an denen ich dieses Jahr beteiligt war, sind  Outlie (mit Leuten von Good Riddance (Sean Sellers, Lucke Pabich) und Jaws. Bei Jaws sind Leute von den Mad Caddies dabei, Carter Benson und Derick Plourde. Jaws war das letzte Projekt und die letzte Aufnahme, an der Derick vor seinem Tod beteiligt war. Rest his soul. Und das war’s jetzt erstmal in Sachen Musikbezogen, neben dem konstanten Arbeiten und Schreiben und Aufnehmen meiner eigenen Songs. Solange es die Arbeit betrifft, zurzeit arbeite ich bei Electronic Arts. Ich teste online Videospiele für ihre Homepage pogo.com. Und ich habe eine Menge mit Kunst zu tun, dass ist echt klasse, weil ich niemals genug Zeit dafür hatte wegen der Musik. 2007 habe ich das Motiv des Tour-Shirts der letzten Lagwagon-Tour gezeichnet und ich bin bald mit meinem ersten Öl-Bild fertig.

Wie kamst du eigentlich mit den Real McKenzies in Kontakt?
Ich hörte von den McKenzies über Sean Sellers. Ich sah ihn bei der Hochzeit von einem unserer Freunde und er sagte mir, dass sie einen Bassisten suchen. Ich war schon interessiert, aber dachte nicht allzu viel drüber nach.  Dann bekam ich auf der Arbeit eines Tages einen Anruf und es war Bone. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, zu den Motor Studios zu kommen und ein paar Tracks für die McKenzies aufzunehmen. Ich sagte “Hell Yeah” und wir hatten eine Superzeit! Und als sie mich fragten, ob ich Lust auf eine Europa-Tour mit ihnen habe, war ich einverstanden und seit der Zeit bin ich in der Band.

Kannst du dich an die Touren von RKL nach Deutschland und Europa erinnern, ihr wart doch dreimal hier oder?
Ja, ich kann mich an die frühen Touren erinnern, 1988 und 1989 waren die ersten. RKL war auch noch 1993 und 1996 da. Das erste Mal, als wir nach Europa gingen, übertrugen mein Vater und meine Mutter unserem Gitarristen Barry D´Live die volle Betreuung- und Verantwortungspflicht. Jeder unterschrieb das und es wurde von einem Notar verifiziert. Ich war damals 17 und wurde nach US-Standards nicht als “adult person” angesehen. Meine Eltern wollten mich nicht gehen lassen, aber ich sprach mit  meinem High School Direktor und er sprach mit ihnen  und überzeugte sie, mich gehen zu lassen. Pretty funky, weil meine Aufsichtsperson mich jeden Abend betrunken mache und mir  LSD in den Hals pumpte! But in reality, I didn’t put up much of a fight at all! Das waren großartige Zeiten. Es war eine Zeit, als europäische Türen den großartigen amerikanischen HC-Bands offen standen. Ich denke, RKL war auch jeden Fall eine der Pionierbands, die Europa den amerikanischen HC-Punk, speziell kalifornischen HC, vorgestellt haben. Those were the days.

Viele Leute – und ich auch – halten dich für einen der besten Bassisten aller Zeiten. Ich bin auch großer Fan von Phil Rudd von AC/DC, aber ok, das ist eine andere Geschichte. Was waren deine Einflüsse, als du mit dem Bass spielen begonnen hattest? Hattest du irgendwelche Vorbilder? Ich habe kürzlich Kira Roessler fürs Trust interviewt, wie sie spielt, finde ich auch super.
Oh, well, sehr vielen Dank, ich schätze das sehr. Ich liebe Black Flag und Kira Roessler ist eine großartige Bassistin. Phil Rudd mag ich auch, er ist definitiv einer der unterbewertetsten Bassisten in der Rockgeschichte. So wie auch Micheal Anthony von Van Halen. Soweit es Einflüsse betrifft, ich denke, meine frühesten Einflüsse waren John Paul Jones (Zeppelin), Geddy Lee (Rush) und Geezer Butler (Sabbath). Ich war wirklich ein kleiner Rocker, als ich aufwuchs. Als ich älter wurde, hörte ich verschiedene Art von Musik und war wirklich stark beeinflusst von Flea von Red Hot Chili Peppers, Simon Gallup von The Cure, Jaco Pastorius, Bootsy Collins, Stanley Clarke, Tony Levin und Jeff Berlin, um nur mal ein paar zu nennen. Es gibt so viele andere, aber es würde ewig dauern, die aufzuschreiben. Soweit es Punkbassisten betrifft, war mein größter Einfluss Rob Wright von No Means No. Und last but not least, Bomer. Er brachte mir so viel im Bass spielen bei. Wenn er nicht gewesen wäre, dann wäre ich nicht der Spieler, der ich heute bin.

Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus? Du lebst in Santa Barbara?
Nein, in San Mateo, in der San Francisco Bay Area. Mein Alltagsleben hängt davon ab, ob ich arbeite oder toure. Natürlich, das Leben auf Tour kannst du dir vorstellen, aber wenn ich zu Hause bin, bin ich ziemlich mellow. Zurzeit  besteht mein Leben daraus: um 7:30 morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, nach der Arbeit nach Hause kommen und Sachen machen, die mich erfreuen, wie Musik spielen, Filme gucken, Videospiele, in einer Bar mit Freunden abhängen, Quality Time mit meiner Freundin zu verbringen. Wenn es ein King City Konzert gibt, dann heißt es halt mit den Jungs live spielen. Ich wünschte, ich könnte aufregender sein, aber das ist alles.

RKL sah ich einmal in Santa Barbara 2004 und Jason sah bei meinem Interview fürs Trust zu der Zeit eigentlich gut aus (“in good shape”). Ich habe ehrlich gesagt seine Todesumstände nicht ganz gepeilt: er war in einer Drogenrehabilitationsklinik und starb da?
Na ja, das heisst ja nichts, dass er in “Good Shape“ ausah, er war es definitiv nicht.  Die Drogenabhängigkeit zerstörte seinen Körper und er litt physisch und psychologisch. Er hatte immer ein Talent dafür, seine Gefühle zu verstecken,und du konntest niemals wissen, wie er gerade fühlte, weil er immer lustig war und dich zum lachen brachte egal was los war. Er starb in Mexiko, in einer Klinik in Tijuana, in der er mit Ibogaine behandelt wurde, ein Droge, die man von einer westafrikanischen Pflanze bekommt und die helfen kann, Abhängigkeit und “Withdrawl from hard drugs” zu bekämpfen und davon gesund zu werden. Er starb von einem Gehirn-Aneurysm, das passierte, als ein Knochenstück in seinen Blutkreislauf kam von der Behandlung mit Ibogaine. Sad story, totally sucks.

Was kommt dir direkt in den Sinn, wenn du dich an Jason und Bomer erinnerst?
The first thing that comes to my head is what a waste of life. Sadness also comes to my head.  Aber wenn ich damit fertig bin, über alle die Verluste und Trauer nachzudenken, dann denke ich an die guten Zeiten, die wir hatten, was für großartige Menschen sie beide waren, und wie viel Spaß wir zusammen hatten.

Wie alt warst du, als RKL begann? Die Band löste sich ein paar Mal auf, war ne zeitlang nicht aktiv, aber alles in alles, brachtet ihr über 20 Jahre lang Musik raus. Gibt es Songs, die du sehr magst und welche, die du eher nicht soo toll findest?
Ich war 13, als RKL begann. Zum ersten Mal, als ich sie hörte, war ich 15. Ich kaufe mir die Nardcore Compilation und da hörte ich RKL zum ersten Mal. Dann kaufe ich mir die “Keep laughing”. Zwei Jahre später war ich in der Band, hahaha. Verrückt! Es gibt keinen RKL-Song, den ich nicht mag. Ich mag fast alle. Es gibt einen Song, der mir hin und wieder auf die Nerven ging, Pothead. Ich mag den Song, aber den jeden Abend zu spielen, war irgendwie nervig. Er ist nicht wirklich auf meiner Top Ten-Liste. Aber es war ein Song, den wir spielen mussten, weil jeder den liebte. Das ist schon komisch, wie so was läuft.

Hey, den Rap bei “Find a way” habe ich nie geschnallt, selbst dann nicht, als ich die Lyrics dazu hatte – über was geht’s da eigentlich?
Ich denke, der Rap versucht, dir mitzuteilen how to cope with life. Dann kommt eine Situation, die in einem Taco Bell stattfindet und danach kommt eine Menge Unsinn. Alles in allem gibt’s keinen Sinn. Wenn du also in dem Text keinen Sinn gefunden hast, dann hast du ihn verstanden!

Waren die RKL-Konzerte in den USA anders als in Europa?
Ja, ganz anders. Es gab einige wenige Orte in den USA, wo wir erfolgreich waren, wie Santa Barbara, San Francisco, Seattle, Westküsten-Konzerte und in den Staaten manchmal hier und da. Aber in Europa wurden wir fast überall super angenommen. Europäische Fans schätzen uns ein wenig mehr als unsere US-Fans, das macht die Konzerte viel witziger und viel besser, weil es jede Nacht eine Menge Energie und Enthusiasmus gab.

RKL beeinflussten viele Bands, dieses ganze Melodic-Core Ding  mit Lagwagon und NOFX würde ohne RKL nie stattgefunden haben, aber es scheint, dass RKL irgendwie den heutigen Kids unbekannt bleibt und die Leute nur die von RKL beeinflussten Bands und nicht das Original kennen. Warum? Nervt dich das?
Ich denke, der Grund, warum die Kids RKL nicht kennen ist, dass wir nicht so viel tourten wie die anderen Bands und wir machten immer die falschen Karriere-Entscheidungen. Man muss raus gehen, damit die Leute auf einen aufmerksam werden. Wir konnten uns nicht zusammenreißen, konstant zu touren und Platten herauszubringen. Und dann wirst du mal von anderen Bands verdrängt  – egl ob sie stark von dir beeinflusst sind oder nicht. Wenn sie deinen Sound spielen und du bist nicht dort, um den Kids zu zeigen, dass du es zuerst gemacht hast, dann werden sie es nie mitbekommen. Eine andere Sache, ist, dass viele – nicht alle – Kids nicht wirklich wissen wollen, wer die Originale sind von der Musik, die sie gerade hören. Und die, die es wissen, mögen die Musik wirklich und das ist es, dass zählt. Es gab mal eine Zeit, in der ich sehr verbittert gegenüber den Bands war, die davon leben konnten, den Style zu spielen, den wir spielten und den wir mithalfen, als Pioniere zu etablieren, aber mit dem Alter nahm ich das mehr als ein Kompliment.

Wenn du zurückblickst, würdest du was ändern in Bezug auf RKL oder dein Leben?
Wenn ich eine Sache ändern könnte, dann würde ich echt wie ein Löwe bis zum Äußersten darum gekämpft haben, dass sich RKL nicht 1989 zum ersten Mal auflösten. Das würde ich nie zulassen!

RKL mag ich immer wegen der Musik – klar – und den Texten, hat Jason die alle geschrieben?
Am Anfang, bevor ich in der Band war, war es eine Gruppenarbeit, aber hauptsächlich Bomer und Jason als Texter. Gleiche Sache bei RocknRoll Nightmare. Bei der Riches to rags schrieb Jason die Lyrics mit einer kleinen Hilfe von uns.

Bist du noch in Kontakt mit den alten Bandenmitgliedern wie Chris Rest, Dave Raun etc.?
Ja, ich spreche jeden Tag mit Chris und sehe ihn die ganze Zeit. Hin und wieder sehe ich Dave und wir rufen uns manchmal an, um zu quatschen, was abgeht. Ich versuche immer, Lagwagon live zu sehen, wenn sie spielen. Und letztes Jahr spielten die McKenzies mit ihnen, das war lustig. Und mit Barry rede ich auch immer noch, seine Band The Crosstops tourten kürzlich mit den McKenzies. Ich liebe die Typen und werde sie für den Rest meines Lebens kennen.

Wie sollen die Leute RKL in Erinnerung behalten?
They should remember the band as a bunch of fucked up losers that played some pretty good music.

War Bomer eigentlich die treibende Kraft hinter RKL in der Anfangszeit? Doug Moody, den ich für diese Ausgabe interviewte, sagte das so…
Well, Bomer war die treibenden Kraft hinter allem, egal was, sogar einer Unterhaltung. Du konntest nicht in einem Raum sein ohne das er etwas dominiert. Dieser Aspekt von ihm pushte die Band. Aber es war jeder, der half. Jeder brachte seinen Teil in die Band ein, damit die funktionieren konnte.

Ich habe ja auch Schlumpf aus Berlin kontaktiert, hoffentlich schreibt er was – erinnerst du dich an das Konzert in Berlin für eure live Platte auf Destiny?
Ja, an das Konzert erinnere ich mich, eswar eine Menge Spaß, all die Rauchbomben da drin….Hahaha…”This one goes out to Schlumpf, cuz he’s a great dude!” Good Friend, Tribute! All that stuff! Really classic.

Weißt du, ob sich die “Riches to rags” gut verkauft hat? Ich mag das Album sehr gerne…
Ich kenne nicht die exakten Zahlen, aber ich glaube, es waren ungefähr 60.000 Einheiten. Ich bin stolz auf das Album. Es ist einige Zeit her, seit dem ich es mir angehört habe. Ich erinnere mich daran, es vor einigen Jahren gehört zu haben und es war super, diese Songs wieder zu hören. Es ist wirklich “a shame”, dass Epitaph aufgehört hat, dass Album weiter zu pressen. Jetzt ist es schwer zu finden. Ich bin sicher, es ist bei ebay irgendwo. Ich habe noch nicht mal mein Exemplar mehr, alle weggegeben, sogar von der “Greatest Hits” habe ich kein eigenes Exemplar mehr!

Was hat dich in letzter Zeit zum Lachen gebracht, was war traurig?
Bei unserem letztem King City Konzert dachte Christ Recht, dass es lustig wäre, seine Martin Akustik-Gitarre leicht über die Straße zu kicken, es endete dann damit, dass er ein GROSSESLoch in die Gitarre getreten hatte. Wir waren alle betrunken und lachten. Als wir wieder nüchtern waren und uns den Schaden ansahen, waren wir  ziemlich traurig.

Waren Drogen wirklich ein starker Bestandteil der RKL-Vergangenheit, ist da heute noch so?
Ja, Drogen war ein starker Teil von RKL. Ich meine, du kannst nicht in einer Band mit dem Namen Rich Kids on LSD sein, wenn du nicht ein bisschen nach dem Namen lebst. In dem Falle von Jason und Bomer geriet der Drogenkonsum außer Kontrolle. Wenn es um Heroin geht, dann ist das einfach eine andere Geschichte. Der Rest von uns ging nicht diesen Weg, Gott sei Dank nicht. Wenn, dann hätte es mehr Todesfälle gegeben. Heutzutage sind wir alle Gelegenheitsdrogennehmer, casual drug users. Keiner hat ein Problem mit irgendwas und wir alle wissen how to handle our partying. We are, of course, seasoned professionals!

Denkst du, dass irgendeine Version von RKL wie dieses RKL-a-loke noch mal auftreten wird?
Ich persönlich würde gerne RKL in Frieden ruhen lassen. Ich denke nicht, dass eine Reunion, ein RKL-a-oke oder ein Tribut eine gute Idee ist. Wenn es andere Leute tun, super, aber wenn es jemand der noch existierenden Mitglieder tut, dann wäre es nicht da gleiche. Deshalb mach´ es am besten gar nicht, dass ist das, was ich denke.

Hey, wir wollen eine RKL Memorial Party in Frankfurt im Exzess in 2008 machen, mit einer Skatepunk-Band und einem DJ, der den ganzen Scheiß von Suicidal bis hin zu Oxnard spielt – Lust zu kommen ?
I would love to come, will you fly me out there for it???

Hast du irgendwelche Grüsse an die Leser?
Ja, ich will mich dafür bedanken, dass mein Interview gelesen wurde und danke, dass RKL  jemanden interessiert. Bitte checkt  The McKenzies auf unser Europa-Tour 2008 und unsere Platte auf Fat Wreck, die soll im Mai 2008 kommen. Und such mal King City unter  kingcitysf.com. And have a drink for our dear departed friends and musicians Jason, Bommer and Derek.

 

 

 

 

My brain is burning, we´re all Rich Kids on LSD (von Schmitty / Thrasher Magazine)
Das Thrasher Magazine aus San Francisco ist – glaube ich – die älteste Skateboard-Zeitschrift und mit ihrem Logo, den früheren Pushead-Kolumnen und den ganzen Shots legendär geworden. Auf der Homepage von RKL gibt es sein sehr interessantes und langes Interview vom Thrasher mit Jason Sears und es ist ja auch nur logisch, dass RKL in der Skate-Szene immer sehr beliebt waren: Skate-Music für die Skate-Punks. Ob das heute noch so ist? Ich befürchte eher nein, kenne mich aber da nicht aus. Ich habe einfach mal dem Thrasher eine E-Mail geschrieben und es meldete sich Schmitty, der das Interview mit RKL auch geführt hatte.

 

Als ich jung war und begann, Punkbands zu hören, erschien es einfach vollkommen normal, dass ich aus einem totalen Skateboard-Hintergrund kam. Einer unser Lieblingsbands unserer damaligen Crew war RKL, ohne Zweifel.  Bomers Schlagzeugsound alleine war purer Wahnsinn. Später wurde ein guter Freund, Joe Raposo, Mitglied der Band und ich fuhr nach Santa Barbara, war in Dead Teds Haus, bin mit Jason Sears Skateboard gefahren und war dann Roadie für RKL, als sie im Auditorium (Anm: wahrscheinlich das Olypmic Auditorium in Los Angeles) mit den Ramones gespielt haben. Später, als sie sich reformiert haben, interviewte ich Jason für das Thrasher Magazine und wir haben über eine Stunde gesprochen, es war großartig, ihn zu all den Dingen in seinem Leben und seiner bewundernswerten Band zu befragen. Traurigerweise ist dann die Zeit für Jason und Bomer gekommen, zu gehen, und sie mussten früh gehen, aber der Einfluss und die epische Sammlung von Musik, die sie uns hinterlassen haben, wird für immer bleiben. Bis heute höre ich das ”Rock´n´Roll Nightmare” Album sehr oft….“My brain is burning, can’t you see, we’re all Rick Kids on LSD”.

 

 

 

Mein schönstes Ferienerlebnis 2007 (von Micha, Diavolo Rosso, Klasse 2a, Mannheim)

Liebes Fräulein Röhlk, ich weiß nicht so recht, wo und wie ich beginnen soll, aber aufgrund ihres Drängens und ihres auch sonst sehr dominant/ forschen Auftretens hab ich nun doch ein wenig Angst vor ihnen bekommen. Ich denk ja, dass die Geschichte mäßig spannend ist, aber sie sind die Chefin… es begab sich, dass ich mit meiner Schülerband DIAVOLO ROSSO im  Proberaum des JUZ Mannheim zugange war, als meine Mit-Musiker Durst äußerten und weil ich mangels instrumentalischer Begabung die Hände frei hatte, war klar, wer der Getränkehol-Depp ist. Oben machte grad eine Band Soundcheck, die sich als die REAL MC KENZIES  (ei wei, gar nicht meine Tasse Tee) rausstellten. Der Drummer kam mir einigermaßen bekannt vor, auf meine Anfrage stellte sich auch tatsächlich raus, dass er der damalige Drummer von DOWNCAST und GOOD  RIDDANCE war und er meinte, dass sie eh ne Söldnertruppe wären, der Gitarrist wäre der Originalgitarrist von DOA und der Basser eben Little Joe von RKL.

Unten mit den Getränken angekommen, drängten mich die anderen, den kurzen Josef die Treppe runter zu zerren und ihn an den Bass anzuschnallen, da wir sowieso ein RKL-Cover spielen (RKL ist neben POISON IDEA so ziemlich unser einziger gemeinsamer musikalischer Nenner bei Diavolo Rosso). Nach anfänglichen Skrupeln lies ich mich auf ihr Drängen ein. Der kleine Jupp war sehr freundlich und handlich obendrein und lies  sich bereitwillig mitschleifen, war sehr offen, interessiert und gesprächig, spielte er den Song mit uns und lies sich nieder, um uns zu lauschen… wat soll ich sagen? Als der den Bass in die Hand nahm und zu spielen anfing… meine Herren, was ein verdammter Gott an seinem Instrument… live noch schlimmer! Nach einer kurzweiligen halben Stunde nahmen wir alsdann Abschied  voneinander und gingen wieder getrennte Wege. Dies war mein schönstes Ferienerlebnis 2007. Bitte bitte Frau Röhlk, lassen sie Gnade in ihrer Notengebung walten, schließlich zwangen sie mich, das Erlebte hier zu Papier zu bringen!

(Anm: zwei minus, weil keine frischen Brötchen vor der Tür der Trust-Redaktion standen, bitte für die Zukunft ändern! Jan)

 

Jason, Bomer, Derrick….Rest in Piece!  (von Bas / Bratpack, die Dutch Kids on LSD)

Das erste, was ich von RKL gehört habe, war die ”Reactivate”, kein besonders guter Start. Das ist so wie wenn man das erste Mal Bad Brains hört und mit der ”God of Love” anstelle der ”Rock for Light” beginnt. Ich hatte dann erstmal 5 Jahre keinen Plan. Glücklicherwise gibts mehrere Chancen im Leben, besonders wenn man Freunde mit einem spitzen Musikgeschmack hat. Ich glaube, es ist 5 Jahre her, als mir jemand die ”Keep laughing” vorspielte in unserer Bar im Ort. Ich kaufe mir die Platte und war total umgehauen von der Geschwindigkeit, snottiness und bratish lyrics! Es war nicht nur eine gute Platte, es war eine Art persönliche Identifikation mit dem waghalsigen und unbesonnen Bild der Musik, den Texten, dem Artwork und sich selber auszudrücken.

Dann kam danach natürlich das Rock´n´Roll Nightmare und das Richies to Rags Album, der technische Stuff…. Das Problem mit vielen Bands, die sehr technisch-herausfordernd spielen ist, dass sie die Kontrolle darüber verlieren, wie man gute Songs schreibt. Aber RKL waren eine der wenigen, die großartige Songs schreiben konnten, die zugleich technisch geil waren. All ihre Platten waren der Soundtrack zu vielen wasted-Nights hier im Ort. Ganz zu schweigen von ihrem Einfluss auf den 90iger Jahre-Westcoast-Punk. Zum Beispiel betonte Fat Mike immer, dass RKL einer ihrer Haupteinflüsse gewesen sein auf den ersten NOFX-Platten. Irgendwie scheint es bei den meist-talentiertesten und einzigartigsten Musikern immer so eine seltsame Sache zu geben… sie sterben immer zu jung!

 

 

 

Interview mit Doug Moody von Mystic Records
Mystic Records, das erste Label von RKL, Zeit: Anfang / Mitte 80iger Jahre. Die Abzocker! Oder wie? Doug Moody, der recht freundlich auf der Rock´n´Roll Nightmare Platte mit einem speziellen ”No thanks and fuck off” gegrüßt wird, ist heute 78 Jahre alt. Er sagt, dass er Schallplatten seit den 40igern veröffentlichte und in den 50igern nach USA kam. Dort erreichte er 18 goldene Schallplatten (Herald/Ember/Clock). In den 60igern folgten weitere 20 Goldplatten (Mercury / Smash). In den (späten) 70igern ging es nach Kalifornia. Von da an konzentrierte sich Mystic Records auf die seventies Punk/Thrash&Bash-Bands und Skateboard Music.  500 Bands wurden aufgenommen und  veröffentlicht, Mission: ”I wanted to make a label for young voices who want to tell the world how they want to live and how they want their world…. still trying… my metier is recording and capturing emotion”. Alta, 78 Jahre!!! Keine weiteren Diskussionen mehr. Doug Moody beantwortete mir ein paar Fragen über die elektronische Post  und bitte das beachten, was er auch selbst vorab schrieb: ”Remember I am now 78 and sometimes the past is hiddealtho when I set with friends and beers we manage to cover years and we should record it.”

 

Hi Doug Moody, danke, dass du einige Fragen zu RKL hier beantworten willst – kannst du dich daran erinnern, wie die Band und Mystic in den 80iger Jahren zusammenkamen?
RKL war Bomer, er war die führende Hand und der aufrichtigste der Gruppe. Die Band wurde durch Hillary (Pute) an Mystic herangebracht, der auch Ill Repute zu uns brachte. Ill Repute wurden mir vorgestellt, als ich bei einer Radio-Show in Simi Valley war. Dort hatte ich “Week er Ten Daze” aufgenommen, die Band aus Simi Valley, die sagten, dass sie soviel Coors-Bier getrunken hatten, dass sie damit den Sohn von Adoplh Coors locker durch das College bringen konnten. Egal, auf jeden Fall, die hatten mit Touren aufgehört und ihr Bus war unter einem Haufen von Bierdosen begraben. Ich mochte den Sound von Ill Repute,  den Nardcore Sound bzw. Oxnard Hardcore, wie sie ihn selber nannten. Sie waren auf jeder Compilation drauf, die ich herausbrachte und ich machte mehrere Platten mit ihnen.

Hilary brachte sie vorbei und sie stellten mich den verschiedenen Bands wie Aggression und RKL vor. Ich selber habe persönlich RKL auf ihrer ersten Superseven-Platte aufgenommen (eine Seite sechs Minuten auf einer 33 rpm Seven Inch). Bomer war außerhalb des Studios (Mystic Sound, 6277 Selma, Hollywood) und machte da Skateboard-Tricks, die wir uns ansahen. Die Band war eine Stunde zu spät für die Aufnahme, Bomer macht plötzlichen einen Flip und brach sich das Handgelenk. Ich dachte, das wär’s mit den Aufnahmen, die Technikleute können nach Hause gehen… Ich nahm Bomer mit nach oben und wir haben sein Handgelenk mit Duct-Tape geklebt. Währenddessen kam die Band an und Bomer bittete mich, diese Session zu machen, er sagte, er wäre gut für einen Take pro Song. Ich war so beeindruckt von diesem jungen Menschen. Wie gesagt, ich selber habe diese Session aufgenommen: ich habe den Drumstick an seine Hand geklebt und wir machten die Seven Inch. Er gab mit den Drumstick als ein Andenken, wie auch die Vorderseite der Bassdrum mit RKL drauf. Ich behalte diese Andenken an einen sehr mutigen jungen Menschen.

Wie war und ist dein Eindruck von der Band damals und heute? Sahst du sie oft live, wie waren die?
Ja, ich sah die Band live in Nardcoreland und San Francisco. Ich denke, sie waren eine großartige Band mit denselben Ansichten, die ich nach dem zweiten Weltkrieg hatte, als ich ein Punk wurde,  “P eople  UN ited  K ickass”. Wir alle lasen Jean Paul Sartre und wollten die Welt verändern (Still trying). Mystic ist mein Kommentar zu der Welt, sie ist voller wütender junger Menschen, die der Welt sagen, wie sie leben und wie sie ihre Welt haben wollen. Ich mochte ihre Ansichten in den Lyrics. Sie werden auf der nächsten Mystic CD drauf sein, COPULATION TWO.

Wie endete eure Beziehung? Ich erinnere mich an mein Interview mit Jason Sears in Santa Barbara und er schien nicht so glücklich über die Beziehung zwischen RKL und Mystic zu sein, weil Mystic kein Geld zahlte. Was ist dein Eindruck davon? Was war denn damals der Konflikt und warum ”all der Hass”?
Diese Frage ist schwierig, es hängt mit vielen Leuten zusammen, die RKL beeinflusst haben, aus meiner Sicht, leider bzw.  falsch. Ich habe einen Trip nach New York mit Dr. Know und RKL finanziert. Wir wollten mit dem Erfolg von Jeff Dahl (Powertrip) gleichziehen und hatten vor, eine live-Aufnahme im CBGBs zu machen (wir machten dann Aggression). Brandon Cruz  hatte das original Line-up von Dr. Know verlassen, also machte Kyle den Gesang. Die großartige Gitarrenarbeit machte Fred Mattaquin von False Confession (eine andere Nardcore Band – ich brachte alle Nardcore Bands auf der ”Nardcore” LP/CD raus). Dr. Know wollten nicht mit den 300 anderen Bands auf Mystic assoziiert werden, deshalb gründe ich eine sperates Label
namens Ghetto Way Records und brachte sie so mit den Slimey Valley-Bands zusammen (Simi Valley – Mystic Land besteht aus Gegenden, aus denen die Bands herkommen).

Auf der Tour überzeugte Kyle RKL, dass beide Bands Mystic verlassen und sich ein Label in New York suchen sollten; das machen sie dann auch. Beide Gruppe gingen, zusammen mit unserem Großhändler Important Records…for your own distributor to steal groups from you…. you know they are lowlifes. RKL also went to Germany and sold the Mystic LP to the Destiny Records (Anm: Er schrieb Dynasty, meinte wohl aber Destiny)  for we understand an advance of $15,000. I have never sued any one for stealing from me…I  understand that Destiny was a front for Important/pinnacle distributing. RKL could not return to Germany because there was a warrant on them for Piracy…. this was put out by the German Government, not Mystic Records. Meine Meinung über Bomer habe ich nicht geändert, er war mutig und ”stood up” für seine fehlgeleiteten Freunde. Ich schuldete niemals irgendeine Gruppe auf Mystic Royalities. Sie hatten alle eine Klausel von 10 % to be paid in merchandize. Sie hatten alle viel mehr und ich finanzierte die Touren.

Santa Barbara ist  einer der schönsten Orte, wo ich je war – lebst du immer noch in Kalifornien, in Oxnard?
Eine kleine “Afternote” zu der Frage davor: Ich habe nichts mit den anderen Mitgliedern der Band zu tun, sie sind Shitheads. Bomer respektierte ich und er entschuldigte sich bei mir wegen der Schuldigkeit der Band. Ich lebe in Oceanside, Kalifornien, in der Nähe von San Diego. Ich komme aus Hollywood, da besaß ich zwei Aufnahme-Studios, Mystic West war 24 Spuren und Mystic Sound war 18 Spuren. Ich produziere seit den späten 40igern und kam in den 50igern nach USA und machte 18 oldies but goodies Bands. In den 60igern zog ich nach Kalifornien, es gab Pop rock und in den späten 70igern begann ich, Punk aufzunehmen. Einer der raren Seven Inches ist “Hey Taxi “von 1978, aus ihnen wurden Minutemen. Ich nahm 500 Punk/Skateboard-Bands auf, mit ihnen mache ich ein Statement: Free thinking.

Jasons zweijähriger Todestag ist im Januar 2008, Bomer und Derrick sind dann auch zwei Jahre tot…was für Erinnerungen bleiben für dich? Waren die Bandmitglieder wirklich so diese fucked-up-drug overdosed-Kids oder war das nur eine Attitüde?
Schwer zu beantworten, ich lebte nicht mit ihnen. Sie waren ein kurzlebiges, vorübergehendes Ereignis in meinem Leben und Bomer war der einzige, mit dem ich nach den Problemen geredet habe. Wir hatten Respekt vor den Pflichten und Wahlen des anderen und ich sprach niemals schlecht hinter seinem Rücken. Meiner Meinung nach war er zu gut für die Band. Zu viele Leute kamen in die Band, profitierten von ihnen, sucked off them.

Welche RKL-Songs magst du und warum?
Es gibt keinen der Songs, die ich nicht mag, ich werde sie am leben behalten. Sie passen in das Profil von Mystic, meinen Wunsch, Emotionen einzufangen. Mystic ist ein Statement, kein individueller Kommentar.

Was hat dich in letzter Zeit zum Lachen gebracht?
George Bush. Er macht das, was sein Vater ihm befiehlt.

Dan Sites trägt ja auch zu diesem RKL –Special bei und hoffentlich noch andere Leute, die etwas mit der Band zu tun hatten  – hast du Grüsse für sie?
Ich schätze Dan Sites Kunst sehr und wir schulden ihm eine große Menge Dankbarkeit für die Artworks, die er für uns machte. Ich gab die Rechte an Mystic T-Shirts an Gnat von Puke N Vomit, damit er Mystic und die Bands promotet. Dan kann jederzeit, wenn er es braucht, Shirts von Puke N Vomit und Platten von mir bekommen. Ich respektiere seine Arbeit und hoffe, dass er mich kontaktiert, wenn er es denn wünscht.

Was sind deine drei Lieblingsplatten aller Zeiten?
Auf Mystic? Ok, Aryan Disgrace Faggot in the Family  – Stukas over Bedrock …  wo immer sie auch sein mögen. Ill Repute -Cherokee Nation und die neue Flower Leppards – Preachers Confession CD.

Wann kommt Inhalt auf eure Webseite, ich meine, die sieht ja echt schon klasse aus, aber es ist nichts drauf …?
Es gab da mehrere wohl gesonnene Helfer und wurde jetzt von David von Independant Records übernommen. Ich denke, wir sehen bald eine Website, frag ihn dave@independantrecords.com . Ich danke dir, dass du mir gefolgt bist, einige Sichtweisen und verborgene Wahrheiten über Mystic nachzuvollziehen. Ich gab über eine halbe Millionen Dollars in sechseinhalb Jahren aus, um Mystic aufzubauen (über 80 000 im Jahr für 6,5 Jahre) und bis jetzt habe ich das nicht  zurückbekommen.  Egal, ob das mein Totempfahl wird… Meine Story, meine Wand voller Namen, deine Freiheit. Doug.

 

 

 

 

Interview mit Alchemy Records / Mark Deutrom
Mark Deutrom machte zusammen mit Victor Hayden das Label ”Alchemy Records”, damals ansässig in der Bay Area in San Francisco. Zeit: Mitte / Ende der 80iger Jahre. Auf dem Label ist  neben Klassikern wie z.B. der ersten Neurosis auch die ”Rock´n´Roll Nightmare” von RKL erschienen. Mark spielte später bei Melvins mit, machte was mit SunnO)) und lebt in Texas. Have fun!

 

Hi Mark, danke für deinen Beitrag zu diesem RKL-Feature. Erstmal bin ich an dem heutigen Leben und deinen aktuellen Projekten interessiert. Du spielst bei SunnO)) oder? Gibt es noch andere Musik-Projekte, bei denen du mitmachst?
Aktuell spiele ich nicht mit SunnO)), obwohl ich für sie in Europa und USA letztes Jahr gearbeitet hatte. Ich würde wirklich gerne ein Projekt für sie produzieren in der Zukunft, aber wer weiß, was jemals passieren wird. Ich habe einige limitierte Editionen mit überlangen ”Musique concrete” Stücken letztes Jahr raus gebracht unter dem Namen ”Gate”  und ”Iraq” und ein Streichquartett namens ”Odi Profanum Vulgus“ komponiert. Dann gibt’s noch einige Projekte, die auf den fertigen Mix warten, die ein Nachfolger zu ”The Silent Treatment” darstellen und noch ein Avantgarde-Projekt, das nur aus Perkussion und Gitarre besteht. Ich verbringe die meiste Zeit mit der Fotografie.

Du spieltest seit den 80igern doch bei den Melvins oder? Warum hast du sie eigentlich Mitte der 90iger Jahre verlassen, ist doch irgendwie ”kurios”, genau da begann doch der richtige kommerzielle Erfolg der Band oder?
Bei den Melvins spielte ich von 1993-1998 und produzierte ihre ersten zwei LPs, „Gluey Porch Treatments“ und “ Ozma“. Ich habe die Band nicht verlassen. Buzz rief mich eines Tages an und sagte, er will mich nicht mehr in der Band. Das macht er, wenn er müde wird, mit egal wem in der Band zusammenzuarbeiten. Wir arbeiteten hart und machten einige gute Platten und hatten einige großartige Tourerlebnisse mit Rush, Nine Inch Nails und Kiss.

Lebst doch noch in der Bay Area?
Ich lebe seit 1988 nicht mehr da, ich lebe in Texas.

Wie können wir uns einen normalen Tag in deinem Leben vorstellen?
Ich stehe früh auf. Gehe raus und mache Fotografien. Gehe zum Sport, vielleicht auf den Schießplatz. Lese Sifi oder Literatur über Psychologie, vielleicht gehe ich ins Kino. Trinke Wein, esse Steak. Es ist sehr gewöhnlich. Ich bin sehr viel in der Wüste und genieße die weite Leere des Westens.

Wie sieht ein fröhlicher Tag aus?
In Texas ist jeder Tag ein fröhlicher Tag.

Weißt du noch, wie RKL in dein Leben kamen? Kanntest du sie ”von der Szene” oder kamen sie zu dir?
Sie waren eine lokale Band in San Francisco und meine Band Clown Alley hatte mit ihnen ein paar Male gespielt. Ich kannte Barry und sah in bei Partys oder in Clubs. Mir waren alle irgendwie guten Bands in San Francisco bekannt und RKL war eine der besseren.Du hattest in den 80igern dein Label Alchemy Records mit einem Haufen interessanter Bands, du hast die erste Neurosis und die Rock´n´Roll Nightmare herausgebracht….Warum konnte Alchemy nicht überleben, obwohl ihr eine gutes “Bandroster” hattet?
Bei jeden Geschäft, dass pleite oder untergeht, hängt es normalerweise mit den Leuten zusammen, die das machen, oder genauer gesagt, mit den Beziehungen zwischen den Leuten, die das
machen. Alchemy war da keine Ausnahme. Mein Labelpartner, Victor Hayden, war eine extrem paranoides Individium, dessen Paranoia ihn dazu führte zu glauben, dass ich die Firma von ihm stehle. Ich kümmerte mich um den internationalen Vertrieb, produzierte alle Platten, managte das Label und bekam für alle meine Anstrengungen niemals einen Cent. Als ich auf einer geschäftlichem Reise war und davon zurückkam, fand ich heraus, das er zu jeder Band auf dem Label gegangen ist und ihnen neue Verträge angeboten hat, mit einer Firma, wo er der einzige Eigentümer war. Ich beschloss, ab diesem Zeitpunkt mit ihm nichts mehr zu tun zu haben und er stimmte einem Agreement mit mir zu, was 20 Jahre später immer noch nicht honoriert wurde. Ich glaube, er schuldet jeder Band auf dem Label noch Geld, mir inklusive. Er verärgerte eine Menge Leute.

Wie findest du die Rock´n´Roll Nightmare heute und damals? Für das Original bekommt man eine Menge auf ebay oder?
Damals war ich glücklich damit, obwohl eine Menge technischer Kompromisse gemacht werden mussten, die das Ergebnis beeinflussten. Ich habe keine Ahnung über die Ebay-Preise. Ehrlicherweise kann ich auch nicht sagen, dass ich das Album heutzutage viel höre.

Erinnerst du dich, wo das Cover mit dem Haus und dem Swimming Pool gemacht wurde?
Damit hatte ich nichts zu tun, ich vermute, dass der Name der Band nicht soo weit weg von der Realität einiger Bandmitglieder und ihren Freunden war.

Die Idee mit den Texten im Comic-Booklet ist brillant – kam Dan Sites darauf oder die Band oder Alchemy?
Die Band hatte die Idee, es war auch sehr teuer, aber ungewohnt für ein kleines Label, mit so was zu kommen. Die Leute mögen das immer noch, und ich denke, schon das Booklet alleine ist schon ein schönes Sammlerstück.
Gab Epitaph dir Geld für die Re-Release der Platte?
Weder habe ich Geld dafür bekommen noch (glaube ich) die Erwähnung als Producer.

Du warst ja der Produzent, wie lief die Produktion damals ab?
Das Studio war ein Haufen Equipment versammelt in einem Raum, nicht wirklich ein professionelles Studio. Ich glaube, es gehörte einem Freund der Band in Santa Barbara. Bomer hat sehr spezielle Ideen für die Aufnahme, er wollte es so echt wie möglich machen, ohne Hall oder irgendeine Form von Bearbeitung. Das fand ich irgendwie paradox, weil fast alles overdubt werden musste aufgrund der begrenzten Studio- und Band-Situation. Die Mikrophone waren nicht so gut, deshalb klang alles etwas dumpf für mich.

Die Monitore waren nicht akkurat und jedes Mal, wenn du das Studio betratest, klangen die Sachen anders, was an der unregulierten Stromversorgung lag. Die Band hatte keinen Bassisten, also nahm Bomer zuerst alle Schlagzeugspuren auf, und spielte dann den Bass und danach wurden dann alle Gitarren- und Gesangsteile individuell eingespielt. Das Ergebnis ist nicht soo organisch, wie ich es hoffte, und es fehlt die großartige Chemie, die die Band als live-Band hatte. Es ist eine subtile Sache, aber definitiv spürbar für mich. Wie Bomer alle Drumteile hintereinander ohne einen scratch track zu spielen (Anm: ohne sich zu verspielen?), bleibt eines der beeindruckendsten Sachen, die ich je in einem Studio gesehen habe. Er war auch ein guter Bassist.

Wenn RKL in der Version 1988 heute mit dir das noch mal aufnehmen würden mit all den neuen technischen Möglichkeiten, würde es dann ganz anders klingen?
Ich würde es so viel wie es geht live auf einem 2inch Tape aufnehmen und darauf achten, dass die Band einen Bassisten hat. Ich denke nicht, es würde besser klingen mit Digital Technik. Die Aufnahme stellt einen zeitlichen Moment der Band dar. Es ist ein akkurates Dokument. Es würde besser klingen, wenn die sie als eine Einheit oder einfach live bei einem Konzert hätten aufnehmen können. Sie waren eine großartige live Band. Da gab es keine “cut and paste”- Sachen bei ihnen.

Die Melvins sind auch in der Dankesliste erwähnt, gab es damals eine Art Bandfreundschaft zwischen RKL und Melvins?
Ich würde nicht sagen, dass es eine große Freundschaft gab, eher eine Art gegenseitigen Respektbekundung. Bomer lieh Dale sein Schlagzeug für die Aufnahme von „Gluey Porch Treatments“, das könnte ein Grund dafür sein

Gab es einen Punkt, an dem Kontakt zwischen dir und der Band mehr und mehr abnahm?
Nachdem ich Alchemy 1987 verließ, hatte ich mit ihnen oder mit dem Label keinen Kontakt mehr.

Ich habe online einen Nachruf auf die verstorbenen Bandmitglieder gelesen, verfasst von dem Gitarristen Barry, dort sagt er, dass nach der Enttäuschung der Band mit Mystic sie auf Alchemy landeten, was auch “another fluke of a label” war. Warum, was gab’s für Probleme?
Mystic Records in Los Angeles war notorious for not accounting to or paying Bands, als ich in den frühen 80igern dort lebte und ich erinnere mich, mit RKL darüber gesprochen zu haben. Ich denke, Alchemy hatte das Potential für eine wirklich gute Firma. Wir hatten Vertriebe, die an uns geglaubt hatten. Wir konnten gute Bands finden und haben gute Platten herausgebracht und sind ehrlich mit den Bands umgegangen. Alchemy zerbrach, weil mein Geschäftspartner unter der Einbildung gelitten hatte, dass ich versuchte, ihm das Label wegzunehmen.

Was kommt dir direkt in den Sinn, wenn du an die Band denkst? Wie erinnerst du dich an Jason und Bomer als Menschen?
Jason und Bomer waren großartige Typen, ehrlich, aufrichtig und sehr hart und ”dedicated” arbeitende Menschen für ihre Band. Wir hatten eine gute Zeit, als wir die Platte machten und
hofften auf ihren Erfolg. RKL war die Art von Bands, die eine USA-Tour in einem Van für 75 $ pro Nacht machen würden. Sie probten viel und klangen so, wie sie geklungen haben. Die Sache, die mich bei ihnen anzog, war, dass sie mehr wie eine progressive Band klangen, die konstant ihren persönlichen Sound entwickelt, anstelle von damaligen Trends beeinflusst zu sein. Ich denke, sie hatten Elemente von Rush und Jethro Tull in der Arbeit an ihrem Sound und das interessierte mich.

Ich denke, du sahst die damals oft live, wie waren die damals?
Sie waren eine sehr gute live Band und nahmen ihre Sache ernst, und machten es so gut, wie sie nur konnten.

Ich persönlich denke mir immer, dass man bei dem Job als Plattenlabelbesitzer – egal wie DIY man es auch macht – irgendwie immer der Arsch ist. Wenn mansich mal sehr oberflächlich das anschaut, dann gibt’s doch über fast jedes Punklabel Geschichten, wie das Label seine Bands abgerippt hat: SST und deren Bands, Alternative Tentacles und die Dead Kennedys, Lookout und Screeching Weasel, Touch and Go und Butthole Surfers, Taang und…okay, da wird es bestimmt irgendwas mit Taang geben. Wahrscheinlich ist das einzige Label, über das nichts mit Band ripoff geredet wird, Dischord. Als ex-Label-Eigentümer, was meinst du dazu?
Das Label ist nur so gut, wie die Person, mit der du persönlich zu tun hast und nur, wenn diese Person bereit ist, direkt Verantwortung für sein eigenes Verhalten zu übernehmen. Ich hatte damals ein klares Bewusstsein mit jeder Band, mit der ich arbeitete. Ich persönlich machte den Job so gut, wie ich konnte, ich bin selber Musiker und behandelte die Leute so, wie ich selber behandelt werden wollte. Jeder kann Fehler machen, aber versteckte Agendas sind noch mal was anderes. Die Leute sind für ihre eigenen Aktionen verantwortlich, egal, was sie machen und das ist es auch schon. Ich denke nicht, dass die Leute in Plattenlabels schlechter sind wie Kellner in Cafes. Welche Art von Mensch hast du vor dir? Das ist alles, was wichtig ist.

Ist Mark Deutrom eigentlich dein echter Name und falls  nicht, was bedeutet er?
Es ist mein echter Name, er kommt aus den Niederlanden.

Was waren deine drei Lieblingsplatten, als du ein Teenager warst?
Birds of Fire von Mahavishnu Orchestra, Bridge of Sighs von Robin Trower, Man Who Sold The World von David Bowie .

Was sind sie jetzt?
Schubert Piano Sonatas von Mitsuko Uchida, Too Wild Too Long von George Jones, Verdi: Macbeth von Sinopoli.

Hast du einen Lieblingsbassisten?
Obwohl ich als Bassist bekannt bin, war ich eigentlich viel länger Gitarrist. Egal, so weit es Bassisten betrifft, denke ich, dass John Deacon von Queen sehr unterbewertet wird.  Geezer Butler ist großartig. Scott LaFaro, Charlie Haden, Eddie Gomez, Dave Holland on standup. Es gibt einige großartige da draußen.

Was betrübte dich in der letzten Zeit?

Kürzlich sah ich einen Film über den Fotographen Edward Burtynsky in China, „Manufactured Landscapes“. Wie unmenschlich es dort zuging und wie das Land ruiniert wird, war unermesslich. We are all doomed.

AC/DC oder KISS?
ZZ Top.

Hast du einen guten Witz, den du in der letzten Zeit gehört hast und uns erzählen willst?
Q: What does a drummer say when he walks up to a microphone?
A: Welcome to McDonalds. May I take your order?

 

 

 

 

 

 

How to divide a club-crowd into 4 different fighting parties and  getting out of this mess without having one fight! (von Archie Alert, Destiny Booking, Berlin)

Im September 1993 sollte ich mit den „Rich Kids on LSD“ in Funktion des Tourmanagers auf Skandinavien-Tour gehen. Die Tour fand nach einer Europa-Tourpause von 4 Wochen statt, in der die Band in Spanien ihren damaligen Sänger und früheren Drummer Bomer durch Jason Sears,  den ursprünglichen Sänger, welcher spontan eingeflogen wurde, ersetzte. Ich war sehr froh, diesen irren Typen wieder zu treffen. Unser erster gemeinsamer Gig führte uns nach Ahus und die Band  verwandelte den kleinen Club wie in alten Tagen in ein Tollhaus. Nicht nur live auf der Bühne, sondern RKL verstanden es auch auf ihre unverwechselbare Art, vor und natürlich auch nach der Show alle Anwesenden auf Trap zu bringen.

Ein zu einer Band gewordener Katalysator. Am nächsten Tag mussten wir früh raus, um auf die  Autofähre von Dänemark nach Oslo zu bekommen, wo der nächste Gig  sein sollte. Wir stellten uns auf eine lange 8 stündige, langweilige  Überfahrt  ein. Alles begann recht gemächlich! Ein Teil der Band schlief auf  irgendwelchen Couchen und Bänken auf dem Schiff verteilt. Jason schlich ständig hinter 2 älteren Damen her, welche sich an den  “Einarmigen Banditen“ vergnügten. Ich beobachtete ihn dabei und auf  meine Frage hin, ob er plane diese beiden Omis zu überfallen, schüttelte er ruhig den Kopf und lächelte verschmitzt. Irgendwann schlug er zu! Die Damen verließen einen der Spielautomaten, vor dem  sie schon ca. eine Stunde verbrachten, Jason übernahm das satt gefütterte Gerät und schmiss 1, 2, 3 Münzen hinterher und  Zack….. Alarm….Jackpott!

Mit ca. 10 000 Kronen Gewinn verließ Jason den Spielautomaten, wir  versammelten uns alle im Casino-Bereich mit den Black Jack und Poker- Tischen und der Bar. Jason warf die Kohle auf einen Tisch und bestellte Mixdrinks und  Essen für alle. Er verteilte einen Teil des Geldes unter denjenigen, welche an den Kartentischen spielen wollten und bestand darauf das, der Rest für Drinks investiert wurde. Die Überfahrt war gerettet,  die Band samt Crew komplett besoffen, als wir das Schiff in Oslo  verließen und natürlich hatten alle das Geld an den Kartentischen  wieder verloren. In Oslo sollten wir im selbstverwalteten Kulturzentrum „Blitz“  spielen. Ein sehr „PC“ geführtes Haus. Uns blühten Reis mit  Scheiß, Schwabbel-Tofu und staubtrockene Grünkernbratlinge. Für degenerierte US-Boys wie RKL  ein unerträglicher Gedanke. Der Entschluss stand fest, sich noch schnell vor Soundcheck mit  „Schottenfrass“ der Marke „Mc Donalds“ einzudecken. Ich wies die Jungs darauf hin, dass es zu Diskussionen kommen könnte, wenn wir mit  den Macky D. Tüten in den Club marschieren würden, bekam von Jason allerdings kurz und knapp zu hören, dass ich genau dieses Verhalten  unter „Punk“ zu verstehen hätte und ich sollte mir keine Sorgen machen.

Diese Sorgen waren allerdings berechtigt und ich war bis zum  Auftritt der Band damit beschäftigt, eine zutiefst beleidigte  Küchencrew zu beruhigen und von der Band fern zu halten. Die Vorband der „Rich Kids on LSD“ an diesem Abend war irgendeine der zahlreichen norwegischen Straight-Edge-HC-Truppen und die brachten  ihre S.E.-HC Anhänger mit. Die Band war grottenlangweilig und die  S.E. Fans feierten sie stereotyp ab, wie sich´s halt gehört. Noch anwesend waren eine Gruppe von ca. 100 Altpunkern und „Crusties“ , eine kleine Gruppe von bulligen Polit-Kampflesben und ein großer  Haufen Skatekids mit NOFX und Lagwagon-Shirts. Der Laden war brechend voll. Im Keller befand sich ein Ton-Studio und der Betreiber, ein  großer RKL Fan, hatte alles verkabelt und wollte den Gig mehrspurig  mitschneiden, um sich und die Band hinterher mit den Aufzeichnungen beschenken zu können. Der Gig startete. Ich beobachte das Schauspiel vom Mixplatz aus neben  unserem Sound-Techniker, Adam Schwarz. Zunächst war „business as  usual“ angesagt, die Band spielte sich warm, die Leute tanzten sich warm und Adam schraubte den Sound langsam zu einer kompakten, tighten  Einheit zusammen.

Hin und wieder ließ Jason abwertende Bemerkungen über die Vorband und ihre Fans ab. Er verstehe diesen ganzen S.E.  Quatsch nicht, könne nicht jeder so leben wie er wolle, ohne dass ein anderer ihm sein Moralverständnis vorpredigt etc… Das Publikum teilte sich langsam in zwei Lager. Die S.E. Kids und Kampflesben auf  der einen Seite und die Altpunks und Skatekids auf der anderen. Ab und zu entbrannten kleine Rangeleien im Publikum. Auch dies  kommentierte Jason mit Unverständnis und beschimpfte die Streithähne! Besonders die Altpunks und Crusties verstanden Jasons Reaktion diesbezüglich nicht und bildeten eine eigene Gruppe mit  Aggressionspotential gegen den Rest. Nachdem Jason dann über einen der Skatekid kotzte, mit der  Bemerkung, NOFX wären nur ein billiger Abklatsch von RKL, hatte Jason so ziemlich alle anwesenden Parteien gegen sich. Nur ein paar „Die-Hard Fans“ feierten noch, der Rest stand bedröppelt im Zuschauerraum herum. Adam und ich brachen vor Lachen hinter dem Pult zusammen und der  Aufnahmeleiter im Kellerstudio brach die Aufnahme ab und quittierte Adam via Intercom die weitere Gefolgschaft der Band! Der Gig ging langsam zu Ende, Zugaben gab die Band an diesem Tag  nicht.

Jason setzte sich unmittelbar nach der Show an einen Tisch in  der Blitzkneipe, um wieder zu sich zu kommen. Das frische Bier, welches er sich am Tresen bestellte, wurde ihm verweigert. Die Gruppe Kampflesben, welche ihn umringte und mit Sexismusvorwürfen eindeckte,  brachte er mit folgendem Satz augenblicklich zur Ruhe: „Was zum  Teufel wollt ihr von mir, ich bin schwul, Homosexuell, ein Arschficker, Fruitcake, eine Schwuchtel wo verdammt noch mal ist euer Problem?“ Die Lesben verließen unverrichteter Dinge und sehr nachdenklich gestimmt den Club. Ich fand einen netten Menschen, der uns frisches  Bier bestellte und der Veranstalter, welcher uns für den Auftritt  kein Geld geben wollte, lies sich nach Androhung roher Gewalt doch noch dazu überreden, uns die vereinbarte Gage auszubezahlen. Wir schliefen bei einem guten Freund, Steve von “Disorder“. Ein  langer, sehr ereignisreicher und unvergesslicher Tag mit RKL und vor allem Jason Sears ging zu Ende. Der Mann ist in den Himmel gekommen, keine Frage!

 

 

Rich Kids on LSD – they had music in their blood (Part II)

Nachdem es im ersten Teil meines RKL-Memorial-Features (Trust # 127, Dezember 2007 / Januar 2008) hauptsächlich um die Entstehungs- und Hochzeit der Band – die 80iger Jahre – ging, geht es im zweiten und letzten Teil um die 90iger Jahre und danach. Erstmal noch die Auflösung des Gewinnspiels aus der letzten Ausgabe: RKL steht für “Ruhr Kristall Glas AG – Immer das richtige Glas!”, also eine Glas-Firma, die aber nicht mehr existiert. Trotzdem findet sich immer noch auf einigen 0,2 l Kölschgläsern unter dem Eichstrich die Aufschrift RKL…Und die Slang-Begriffe aus dem Song “Find a way” bedeuteten folgendes: “Pinner” ist ein Joint, ”Ol‘ Lilly light lipped Lex Luthor lettuce picker” bedeutet weißlippige Frau (abschätzend gemeint), ”pig sticker” heisst, einen Polizisten zu verletzten und ”Phyllis Diller” ist eine alte Ami-Komödiantin. Danke an Todd Taylor für die Entschlüsselung, Gratulation nach Oberhausen zu dem Gewinner!

Ach so, im Slam # 34 ist eine DVD-Beilage am Start, wo der schöner RKL-Song ”Blocked out” und der tolle Real McKenzies –Track ”Put that bitch off the money” – beides gefilmt von der nun wieder aktiven Tribal Area Video-Zine-Crew – dabei ist, gefilmt in Bielefeld und in Oberhausen. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese DVD noch nachzubestellen. Zu RKL im Internet gibt’s noch folgende Links nachzureichen: rkl.com, myspace.com/richkidsonl (das ist die offizielle), maltsoda.com, myspace.com/maltsoda, www.mercurylegion.com, myspace.com/mercurylegion,  http://www.myspace.com/testicleg  (Testicle G-Posse), www.richkidsonlsd.tk  (deutsche Tribute Seite), http://listen.to/rkl (englische Tribute Seite), http://www.myspace.com/dedted  (Ded Teds myspace-Seite), http://www.myspace.com/superleon (Chris Rests myspace-Seite ).

Viel Spaß nun mit Barry D´Live, Töni, Scheisse Minelli, Dan Sites, Chris, Lars, Malt Soda Records, Bryce und Fat Mike.

Und kommt vorbei zu RKL Memorial Party, Sa, 29.3.2008, Cafe Exzess, Frankfurt/Main, spielen werden BRATPACK (Dutch Kids on LSD, Holland) + SCHEISSE MINELLI (Aschaffenburg), 2x Skate-Punk mit RKL Covers…

Interviews, Chesterfield-Zigaretten, Doppelkinn: Jan

 

Interview mit Barry D´Alive, RKL-Gitarrist
Barry D´alive spielt heute bei der Trucker-Punkband The Crosstops aus San Francisco, und ich finde die genial: in Frankfurt und in Berlin gesehen, 4-5 Typen Ü30, die Country – Punk spielen. Barry spielte seit Mitte der 80iger Gitarre bei RKL, war bei den Aufnahmen zu der “Rock´n´Roll Nightmare” und der “Riches to rags” dabei und stieg nach der Japan-Tour 1996 aus. Bei der RKL Version 2000 spielte dann Chris Flippin von Lagwagon Gitarre für ihn. Barry ist für die RKL-DVD “Still flailing after all these beers” verantwortlich und wusste auch was zu dem Hiphop-“Seitenprojekt” von RKL, die “Testicle G and the Feel my nutes Posse”, zu berichten…

Hi Barry, wie läufts aktuell, wie geht’s den Crosstops und dir selber?
Die Dinge sind ok. Crosstops machten eine neue CD und wir tourten durch Europa im Frühling. Die Tour hatte ein schreckliches Booking, aber wir machten das Beste draus und konnten Spaß haben und hoffentlich einen guten Eindruck hinterlassen. Wir suchen immer noch nach einem Label für die neue CD, versuchen es aber auch nicht zu hart….den Labels geht’s dieser Tage halt nicht gut.

Spielst du bei dem RKL-o-ke im Dezember beim Malt Soda Bash in San Francisco mit? Wer soll denn da singen?
Das wird nicht stattfinden. Wir haben uns entschlossen, es zu lassen und nicht wieder es unter Stress zu versuchen. Wir hätten das RKL-o-ke damals machen sollen, als wir es hätten machen sollen.

Wenn du dir noch mal die exzellente RKL-DVD anschaust, bist du immer noch damit zufrieden? Ich mag die sehr, war bestimmt viel Arbeit oder?
Ja, es war viel Arbeit. Wenn ich zurück schaue, dann

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