Wörter und Riten aus der Ferne – Ein Abecedarium, Tobie Nathan
konstanz/university press/Wallstein Verlag, Geiststr. 11, 37073 Göttingen, www.wallstein-verlag.de
Ich dachte, hier handelt es sich um ein Buch, dass mir erklärt, woher bestimmte Begriffe, die wir hier wie selbstverständlich benutzen, kommen. Wie zum Beispiel „Tabu“ (Polynesien), „Amok“ (Malaysia, Philippinen) oder „Haschisch“ (Naher und Mittlerer Osten) zum Teil ist das auch so, aber in erster Linie wird man hier mit der Zunft der Ethnopsychoanalytiker bekannt gemacht. Also eine Wissenschaft die Ethnologie und Psychoanalyse verbindet. Das ist natürlich ein Problem, denn viele der fremden Riten sind halt nichts anderes als Glauben, aber es gibt ja auch Theologen die behaupten sich wissenschaftlich mit den von Menschen konstruierten uns hier besser bekannten Religionen zu beschäftigen.
Anfangs dachte ich, da hat sich wieder jemand was „neues“ ausgedacht um sich aus der Wissenschaft hervorzuheben. Weit gefehlt, das haben schon Menschen in den 1950er Jahren gemacht. Jetzt hier weiter zu diskutieren inwieweit das eine oder das andere Sinn macht, oder nicht, spare ich mir. Es werden also 28 Wörter aus anderen Weltgegenden vorgestellt und dazu deren Geschichte erzählt, meist handelt es sich um ziemlich, für uns, exotische Glaubensvorstellungen (u.a. „Voodoo“ aus Westafrika) mit entsprechenden Ritualen. Vieles davon ist ganz schön „fremd“ da einfach noch nie davon gehört, Beispiel gefällig? Bitteschön: „Als man in den 1980er Jahren die sexuelle Differenz als universelle Gegebenheit in Frage zu stellen begann und die ersten Anzeichen der Gendertheorie in Erscheinung traten, hat der Anthropologe Gilbert Herdt mit einem berühmt gewordenen Werk, Guardians of the Flutes, in dem er über den Initiationsritus der Knaben bei den Sambia in Neuguinea berichtete, den Westen in Erstaunen versetzt.
Wenn die Knaben der Sambia zwischen sieben und zehn Jahren das »Alter der Vernunft« erreichen, werden sie von ihrer Mutter getrennt, um ins Männerhaus zu ziehen. Über Jahre hinweg, bisweilen zwanzig Jahre lang, auf alle Fälle aber bis zu ihrer Hochzeit sind sie dort komplexen homosexuellen Riten unterworfen. In einer ersten Phase müssen sie menschliches Sperma aufnehmen, mit dem Mund, aber auch mit dem Anus; in einer zweiten Phase, wenn sie bereits zu jungen Initiierten geworden sind, müssen sie ihrerseits Sperma an die Jüngeren verteilen, während sie weiterhin Sperma von den Älteren empfangen.
Diese initiatorische Produktion von Männern stützt sich auf eine Theorie der Substanzen: Während das Mädchen von Natur aus über die Bewegung zum Leben hin verfügt, den tingu, das Menstruationsorgan, das es ohne jede menschliche Intervention zu ihrem Status als Frau führen wird, verfügen die Knaben über keinen autonomen Prozess der Reifung.“ Nicht jede Geschichte ist so ungewöhnlich, aber es geht schon sehr viel um das was man hier, fälschlicherweise, Aberglaube nennt. Hier eine kurze Übersicht: àin, Amok, Baubo, Cargo-Kulte, Dschinn, Wasser des Mannes, faamu, ghotul, Inkubation, Janitscharen, Kath, Lilith, Medium, ndoki, Poulet, Quesalid, rimorso, Sphinx, tasfih, Uterus, xenos, yamok, zdr. Natürlich ist es interessant von diesen fernen Verhaltensweisen (manche mögen es Kultur nennen) zu lesen, aber es ist halt genauso abwegig wie die hier praktizierten Glaubensströmungen – auch wenn sie in jedem Fall manchmal dem Menschen helfen können, das lässt sich auch nicht abstreiten. Wenn dein Interesse geweckt ist, schlag zu, ansonsten muss man das auch nicht lesen. Aber ich war kurzweilig unterhalten mit den Geschichten aus aller Welt. Allein zu Wissen das es, laut der Geschichte, eine Frau vor Eva gab, nämlich Lilith, die sich aber dem Mann, Adam, nicht unterwerfen wollte…. lest selbst. 172 Seiten, Gebunden, 24,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3835391833
[Trust # 235 Dezember 2025]
