Dezember 31st, 2025

WÜT (#227, 2024)

Posted in interview by Jan

Darf ich euch vorstellen, WÜT aus Berlin.

WÜT machen energetischen wilden Sound. Genremäßig Crust, Metal, Doom, Punk. Mit so überaus durchfließenden Vocals und Drums, Bass, Gitarrenriffs, dass Du erst einmal gar nicht weißt was da gerade passiert. WÜT traf ich in Darmstadt. Sie spielten eine DA FOMO-Konzertgruppen-Show. Spontan hatte ich sie angeschrieben, ob sie Interesse hätten kurzfristig ein Interview zu machen und was soll ich sagen, es hat geklappt. Ich bin dann also mit Aufregung und dreimal Bachblüte zum Treffen gedüst. Die Aufregung deshalb, da ich diese Band schon extrem hype.
Wir saßen zusammen in einem kleinen Raum angrenzend an der Küche somit war auch ab und an einmal Durchgangsverkehr. Das Interview ging sehr lange, ich würde sogar sagen bis halb zwei nachts. Wir haben viel über Empfindungen, Wünsche, Musik und ja, auch über Wut gesprochen. Und zumindestens kann ich schon eines sagen, egal wie böse der Sound ist, die Menschen sind ultra liebevoll und sympathisch und haben richtig Bock auf ihre Band und die Musik. Meist ist man es gewohnt, Interviews über Bands zu lesen die schon einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Aber Subkultur wäre nicht Subkultur wenn man nicht auch das Augenmerk auf tolle neue Undergroundbands legt.

Daher ist es mir auch tatsächlich ein großes Anliegen New-Bands und deren Musik präsent zu machen. Um zu zeigen das noch einiges mehr geht, als 90 Euro Konzertkarten zu zahlen für Tote Hosen oder so. Lest hier, das gute Stück!

Hello ihr vier tollen, wollen wir loslegen ?
Alle: Jaaaaaa!

Nun, dann mal eine Einstiegsfrage, damit die Leser*innen erfahren wie ihr euch gefunden habt und eure Band entstand?
Marike: Alsoooo, wir haben uns tatsächlich über verschiedene Ecken kennengelernt. Izzy und ich haben uns auf dem Girl-Noisey kennengelernt, dies ist eine härter Jam Session für FLINTA* Personen. Die wir mitorganisieren. Haben uns dann schnell zusammen connected und dann immer etwas Mucke zusammen gemacht, etwas rumprobiert und es hieß ziemlich schnell wir haben Bock auf Schreien. Doch wussten irgendwie nicht so recht und gab kein Plan wie. Doch dann hatte ich Ramon irgendwie bei OKCupid kennengelernt thihihihihi er meinte dann gleich, lass mal Band gründen. Ich dachte erst es sei ein Scherz? Da Ramon schon richtig richtig lange in irgendwelchen Bands spielte/gespielt hat. Denn Izzy und ich haben eben erst angefangen und dachten uns so, echt peinlich das kann man keinem antun. Aber dann haben wir gedacht, ok, lass mal machen. 2022 haben wir dann Ole auf dem Fluff kennengelernt. Ole hatte da schon drei Bands.
Ole: Ja,Ja zu dem Zeitpunkt.
Marike: Wir hatten ihn über einen Freund kennengelernt und hatten dann einfach nur etwas rumgearscht. “Hö, Hö, Ole, vierte Band und so“. Doch Ole, meinte dann auch ja, klar lass mal zusammen zocken. Anfänglich hatten wir nicht gewusst wer Schlagzeug spielen sollte da wir, also Ole, Ich, und Izzy uns erst einmal ohne Ramon ausprobiert hatten. Doch dann haben wir Ramon die Gitrarre in die Hand gedrückt. Und Ole war am Schlagzeug. Die Band war komplett. Somit gab es die Band dann ab der ersten Probe 2022.

Ihr hattet euch dann direkt auf anhieb zusammen wohlgefühlt?
Marike: Ja, es war sehr nett und schön.
Ramon: Haben auch direkt in den ersten zwei Proben auch schon zwei Songs geschrieben.

Somit komme ich auch zur nächsten Frage: Habt ihr innerhalb der Band irgendwelche Aufgabenverteilungen? Z.B. einer kümmert sich um das Merch, oder der andere checkt die Konzertanfragen? Oder macht jeder etwas und ihr fügt euch zusammen?
Ramon: Doch schon. Izzy macht den kompletten Merch und ohne sie hätten wir auch keinen. HAHAHA,
Izzy: Ich bin einfach die Bastel -Tante. Daher ist das für mich auch kein Stress. Alles an Graphic-Stuff habe ich selbst gemacht, es ist lediglich nur fremdgedruckt. Ich scheiter auch manchmal daran doch ich bastel solange daran rum bis man dies jemanden für 2 Euro verkaufen kann. HAHA!
Ramon: Ok gut, ich muss sagen, ich habe einen Kumpel der ein Tape-Label hat der die ersten zwei Demos gemacht hat, das haben wir nicht selbst gemacht.
Izzy: Doch ansonsten machen wir alles selbst. Bezüglich anderen Stuff wie Socialmedia, da machen die anderen mehr. Ich schmeiß ab und an mal eine Insta-Story rein.
Ole: Dadurch, das ich schon mehrere Jahre/Jahrtausendennnnnn in Bands gespielt habe und noch spiele, wie Ramon…..
Marike-Izzy: Dino
Ole: …haben wir die Sachen genutzt die wir schon hatten, somit hat es sich es auch ergeben das wir mit einer Band zusammen auf Tour gehen konnten. Marike hatte am Anfang richtig bock auf den Orga-kram. Mittlerweile sind wir ausgelaugt. HAHA
Ramon: Es ist auch ultra einfach mit dieser Band Konzerte zubekommen.

Mich freut es, das ihr so einen Lauf habt, da ich dies schon anders erlebt habe. Das man sich quasi den Fame erst erarbeiten muss. Meist auch durch Erfahrungswert, reine männliche Konzertgruppen die so Machtpositionen inne haben und entscheiden was ist cool und was nicht. Und diese auch ganz klar Flinta* Personen einschränken.
Marike: Was sind schon Frauen! (Sarkasmus on)

Als ob man ein Ticket bräuchte, um eine Subkultur oder Musikgenre toll finden zu dürfen und auch sich einbringen zu dürfen.
Alle: Ja, oh ja, das kennen wir auch und finden dies ziemlich ätzend.

Ihr macht echt schönen brachialen Sound, aber wie ist es dazu gekommen? Marike, du hast ja schon erwähnt das Izzy und du bock auf Krach/Blast Sound habt?
Marike: Wir haben tatsächlich alle einen ziemlich ähnlichen Musikgeschmack. Wir haben natürlich auch unsere Metal-Spezies. Izzy z.b. und unsere Hardcore-Spezies sowie Cruste. Ich selbst mag auch tatsächlich sehr gerne Metal-Punk und so ein stuff. Somit bringt jeder etwas mit in unseren Sound ein.
Es hat sich tatsächlich bei uns schnell zusammen gewürfelt oder?
Izzy: Meine Story ist dahingehend eine andere. Ich hatte auf meiner alten Uni einen Blog mit einer Liste an Bands die uns so inspirieren. Da war auch so ne Art Uffta-Punk. Doch dann ist es doch metaliger geworden. Auch durch Ole. Da wurde es schon etwas Black-Metal mäßiger.
Ole: Dadurch das ich anderen Bands mit unterschiedlichen Punk-Genre gespielt habe oder tue hatte ich einfach Bock auf „auf die Fresse“-Sound. Aber auch ein bißchen Crust. Wir haben dann gejamt, und somit entstand der Sound. Im Prinzip waren wir offen.
Izzy: Ich wusste auch eigentlich gar nicht wie man eigentlich so Songs kriegt. Das habe ich auch erst durch WÜT gelernt.
Marike: Ich konnte auch vorher nicht brüllen.
Krass, also Respekt. Ich bin total beeindruckt. Also soviel Fencheltee und Ingwer könnte ich nicht essen/trinken das meine Stimme wieder funktionieren würd.
Marike: Wir haben uns selbst etwas erschrocken HAHA.

Aber jetzt bin ich neugierig und möchte gerne von euch wissen was es denn mit dem Song Mordfabrik auf sich hat? Und gab es ein expliziten Auslöser, weshalb ihr das Thema behandelt? Ich verstehe um was es dort geht. Und ich verstehe auch die WÜT bezüglich der Menschen die einen angehen, weil man versucht einen achtsamen Umgang mit tierischem Leben zu gestalten.
Izzy: Ich habe den Text vorbereitet und Marike hatte ihn dann ausgearbeitet. Und ja, genauso wie du es schon sagst Mucki, ich hab einfach kein Bock mich permanent für meine Lebensweise zu rechtfertigen. Doch es kam ganz klar durch Empathie gegenüber leidenden Tieren und auch Tiere generell. Der Ausschlaggebende Punkt war auch für mich, dass ich den Film COW geschaut hatte. Das hat mich so berührt und so sad gemacht. Ich dachte nur, Oh Fuck, ich hab so richtig mit dem Tier mitgefühlt. Dieses ganz Leid und der Umgang mit Lebewesen. Ich musste einfach einen Song darüber schreiben um es auch nach außen tragen zu können. Somit auch einen Umgang damit zu finden. Ich hab mich tatsächlich auch in meine Veganer-Bubble zurückgezogen. Obwohl ich versuche, mich zurück zu ziehen werde ich dennoch oft beleidigt. Zum Glück geht es in der Punk-Szene etwas. Meist gibt es immer vegan food und das ist echt toll. Tiere sind einfach schön. Krasses Thema. Daher ist auch die Art Musik die wir machen so toll. Man kann Dinge ansprechen, die auch oft schwierig sind.
Ramon: Wir können einfach Songs machen über Dinge die uns richtig ankotzen. Das ist halt cool die Möglichkeit mit Freunden die WÜT rauszulassen und gleichzeitig was positives schafft. Das ist auch Empowernt für andere Leute, die dies evtl. genauso fühlen und sehen.

Und jetzt Disko? Was ist da los?
Marike: Das war der erste Song den wir geschrieben haben. Als es die Band noch nicht gab, haben Izzy und ich den Text zusammen geschrieben, über halb nackte Pogo-Menschen die einem die Arme ins Gesicht schleudern. Wir haben dann einmal runter geschrieben was wir dazu fühlen. Größtenteils sind es eben männlich gesprochene Personen die Räume für sich komplett einnehmen. Ich war auf einem Festival und stand vorne da ich eine bestimmte Band sehen wollte. Da ist mir eine männlich gelesene Person die definitiv mehr Mensch war, mir in mein Genick gesprungen ohne Rücksicht auf Verluste. Mich nervt es total das für andere Menschen dort kein space mehr entsteht oder nie entstand. Das Menschen die einfach still zuschauen wollen und das auch in nächster Nähe einfach nicht die Möglichkeit dazu haben.
Izzy: Ich denke an mein blaues Auge auf dem einen Festival. Es war einfach echt Scheiße, und die Angst das dich jemand von hinten anspringt war da. Mir wurde gesagt es sei Punk und würde dazu gehören, nun, dann bin ich es halt nicht. Es nervt.
Ramon: Es kommt auch oft darauf an wer spielt und das Bands auch mit Ansagen definitiv etwas bewirken können.
Izzy: Stimmt das hatten wir doch bei FLINTA* to the front. Als wir in Weimar gespielt haben, haben wir so ne Ansage gemacht. Uns geht es darum Konventionen zu brechen und haben dies dann getan.
Ramon: Dieses völlig unreflektierte, so nach dem Motto „ich schmeiß mein Shirt in die Ecke und umarme Jeden wenn ich Druck bin“. Schwierig!

Ist es euch wichtig durch eure Musik/Szene/Konzerte FLINTA+ Personen zu empowern?
Marike: Ja, absolut, zu sagen, ich stehe jetzt hier und ich darf hier sein. Es darf mein Platz sein. Da arbeiten wir auch an uns selbst. Immer auf Konzerten aufzuzeigen und zu benennen wenn einfach etwas Kacke ist. Was oft auf nervige Gegenwehr stößt. Aber ja, dann denke ich mir, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Rücksichtsvoller und emphatischer Umgang sieht anders aus. Das ist unser Ziel.
Ramon: Das soll jetzt nicht unterbinden das Leute Pogen dürfen oder so. Aber man soll einfach peilen was dich umgibt. Du bist einfach nicht alleine vor Ort.

Da bin ich eurer Meinung. Toll das ihr da eine empowernde Position einnehmt. Ist auch echt viel Verantwortung. Jetzt einmal eine Frage die nicht primär auf die Szene oder eure Musik gemünzt ist. Gibt es etwas was ihr liebt? Unabhängig was es ist!
Izzy: Ich liebe und brauche es, wenn ich unterwegs bin mit der Band. Ich finde es auch richtig geil wenn ich eine Bezugsperson habe und ich tiefe Gespräche mit ihr führen kann. Das brauche ich sehr.
Marike: Ich mag meinen Hund, nachdem die Band sich gefunden hat, hab ich den Schritt gewagt mir einen zu holen. Den liebe ich sehr. Und die Band. Ich habe mich oft nicht verstanden gefühlt, dass ich eine gewisse Art von Musik höre, dies haben viele Menschen im meinem Umfeld nicht so akzeptieren können. Und mir tut die Band so gut. Ich fühle mich verstanden. Wir sind einfach Freunde, und habe manchmal das Gefühl das es bei anderen Bands eher ein Business-Ding ist.
Ole: Bei mir ist es auch dieser Bandkontext. Musik machen und spielen gibt mir ultra viel. Und mir macht es Spaß mit der Band unterwegs zu sein. Ich sehe viele Städte und lerne so nette Menschen kennen. Denn wann erlebt man so viel coole Sachen mit Freunden
Ramon: Kann ich mich nur anschließen. Gemeinsam Musik machen. Wenn ein gemeinsames Riff kommt und alle fühlen es und die Reaktion der Leute/Publikum, dieses rumkommen mit Freunden. Ich weiß nicht wie es in der Form sonst zu veranstalten wäre. Auch bezüglich der locals die ich so nie gesehen hätte. Das bereichert mich ungemein. Natürlich gibt es noch andere Dinge die wir toll finden. Das klingt alles sehr klischeehaft. Aber es ist wirklich so.

Nein, überhaupt nicht. Wenn ihr das so liebt und fühlt, ist es doch echt toll. Wie ist euer Plan, wo wollt ihr hin mit der Band, Platten VÖ?
Izzy: Also wir haben letztens gemerkt das wir schon genug Songs übrig haben für ne Platte.
Ramon: Also wir haben soviel Songs für ne 12“ Platte. Tapes gibt es auf jeden Fall. Vielleicht mag uns ja jemand supporten??? HAHA Haben Bock viel live zuspielen und ne Tour zu machen.

Was wünscht ihr euch?
Izzy: Ich wünsche mir echt sehr das wir vier zusammen bleiben.
Marike: Ich schließe mich da an. Wir wachsen auch miteinander. Auch Konflikte werden recht schnell gelöst. Es geht auch nicht mehr anders, es wäre schön wenn es so bleibt. Ach und funktionierende PAs HAHA.

Seid ihr Fan-Menschen? Wen feiert ihr?
Ramon: Es ist temporär bei mir aber was mich sooo mega abholt sind Teratoma. Es ist super geil.
Ole: Die machen auch gerade ne Tour, Disrupted. Mega geil.
Marike: Exit Order die lässt mich nicht mehr los. Bei mir ist es auch oft temporär. Ach, Bad Nerves. ganz wunderbar. Es ist ein Fest.
Izzy: Die letzte Sache die ich tot gehört haben war Babsi Tollwut. Die spricht alles aus was unangenehm ist. Ich hatte auch einmal kurz Kontakt mit ihr über Insta ich war total aufgeregt.

Jetzt ein wenig Unsinn, nach der Anstrengung. Eine witzige Touranekdote die ihr auf Tour erlebt habt? Unnnnd Lieblingsfood?
Alle: HAHAHAHAHAHA
Izzy: Sommerrollen mit Erdnusssoße. Liebe.
Ole: Pizza, und Kartoffelsalat. Ach die Rotkohl-Klöße aus Chemnitz. Die machen da echt gutes Band Catering. Zu der Anekdote. (es findet einen Diskussion statt ob man die Situation mit den drugs erwähnen soll?)
Ramon: Ich habe von einem Kumpel und einer befreundete Band Magic-Cookies geschenkt bekommen, die ich vor ewigen Zeiten eingefroren hatte. Davon habe ich mir ein Stück mitgenommen da ich mich mit den anderen im der Köpi getroffen hatte. Habe gedacht, wir müssen es ausprobieren. Alle haben es eher zaghaft konsumiert. Als das Konzert zu Ende war, welches wir besuchten, habe ich Ole wieder gesehen, ging zu ihn als ich merkte das dieses Zeug langsam anfing zu wirken, Ole der an der Wand lehnte, meinte ich zu ihm „Alter merkst du es auch?“ Er hatte komplett vergessen das wir die Dinger gegessen haben.
Izzy: Ich habe es auch vergessen hahahaha.
Ramon: Ole fängt völlig unkontrolliert an zu lachen. Und ich hab mich die ganze Zeit gefragt warum er überhaupt lacht. Ole und ich haben dann auch noch mehrmals geheult hahahahaha. Izzy hat schwarz/weiß gesehen. Izzy war dann eine Zeit lang weg. Izzy wollte sich ihre Wasserflasche auffüllen in der sogenannten Pissrinne. War völlig empört warum der Typ neben ihr ins Waschbecken pinkelt. Es war für mich völlig klar das dies ein Waschbecken sei HAHAHAHAHAHAHA.

So ihr, wundervollen Menschen. Ich bin durch im Kopf und mit Fragen. Ich danke euch so sehr für dieses tolle und wirklich intensive Interview. Ich wünsche euch alles Gute. Überaus tolle Momente, die ihr zusammen weiterhin erlebt. Und freue mich definitiv sehr von euch mehr zu hören mit evtl LP? Und hoffentlich auch zu sehen. Ihr seid wirklich toll. Danke.

Interview: mucki

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