Wer recht hat, heilt – Eine kritische Analyse zur Alternativmedizin, Edzard Ernst
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Hier werden die richtigen Fragen gestellt beziehungsweise Gedanken gedacht: Was soll das überhaupt sein „Alternativmedizin“? Entweder es ist Medizin oder eben nicht. Und nicht wer heilt, hat recht, sondern wer belegen kann das geheilt wurde und die Therapie auch wirklich der Grund für den Behandlungserfolg ist. Das Totschlagargument „Wer heilt, hat recht“ ist nämlich, eben keines, dazu machte ich mir bereits in meiner Kolumne vor 10 Jahren (Trust # 173 August 2015) einige Gedanken: „Man sollte immer auch an sich selbst arbeiten und die Dinge die man so denkt oder von sich gibt nie als endgültig begreifen – weil man eben doch immer wieder ziemlichen unüberlegten Quatsch denkt oder von sich gibt.
So hab ich bisher immer locker gesagt: „Wer heilt hat recht“ um damit irgendwelchen ominösen Heilverfahren grünes Licht zu geben…. was ja auch richtig ist. Wenn es hilft, hilfts – deswegen haben aber die HeilerInnen oder Theorien die da dahinter stehen eben noch lange nicht „recht“ – ich wünschte mir ich hätte schon immer gesagt „Wer heilt, heilt“ das trifft es wohl besser und man gibt irgendwelchen Quacksalbern nicht aus den falschen Gründen „recht“.“ So, der Autor dieses Buches hat nochmal einen anderen Ansatz, er sagt das nur wer recht hat auch heilt. Gut, es kann schon auch sein das mal jemand heilt der nicht recht hat und das vielleicht auch gar nicht behaupten will…. aber das würde hier jetzt zu kleinteilig. Es ist auf jeden Fall gut, mit dieser Floskel abzurechnen und vom Kopf auf die Füße zu stellen. Edzard Ernst ist hervorragend dafür geeignet, denn er ist Professor am weltweit ersten Lehrstuhl für Komplementärmedizin in Exeter. Dort hat er jahrelang die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit alternativer Therapien untersucht. Er ist als Kind von einem homöopathischen Hausarzt versorgt worden, nach dem Medizinstudium hat er im ersten homöopathischen Krankenhaus Deutschlands gearbeitet, danach konventionelle klinische Ausbildung abgeschlossen, weitere Stationen waren London, Hannover, Wien und jetzt eben Exeter. Der Mann kennt sich mit Alternativmedizin aus. Wer sich schon mal mit dem Thema beschäftigt hat braucht dieses Buch sicher nicht, denn in der Sache steht nicht wirklich viel neues drin. Die meisten der alternativen Heilmethoden bringen nichts, beziehungsweise heilt eben der Placebo-Effekt, verkürzt gesagt. Wer nochmal lesen will was genau Alternativmedizin eigentlich ist, was Evidenz bedeutet und klinische Studien aussagen, den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität, Schüßler-Salze, Bach-Blüten, Anthroposophische Medizin, Osteopathie, Pflanzenheilkunde…. wird hier alles nochmals bearbeitet. Und auch die angeblich nicht vorhandenen Risiken der Alternativmedizin werden ins Licht gezogen und auch Integrative Medizin bleibt nicht unerwähnt. Ernst zieht nach jedem Abschnitt ein Fazit und – keine große Überraschung – die Alternativmedizin kommt nicht gut dabei weg. Das es dabei auch um viel Geld geht wird auch nicht verschwiegen. Aber auch hier gilt, leider, die welche an die Alternativmedizin glauben oder damit Geld verdienen, werden sehr wahrscheinlich nicht mit Fakten überzeugt werden können. Und die, welche das ganze schon durchschaut haben, brauchen das eigentlich nicht mehr. Gut, vielleicht gibt es noch ein paar die durch diese Information gerettet werden können, die sollen sich angesprochen fühlen. Buch ist gut für Menschen die sich mit dem Thema noch nicht ausführlich auseinandergesetzt haben. 156 Seiten, Broschur, 15,00 Euro (dolf)
Isbn 978-3865694348
[Trust # 235 Dezember 2025]
