Dezember 31st, 2025

STÄLÄG 13 (#228, 2024)

Posted in interview by Jan

STÄLÄG 13

Wenige Tage vor der Europa-Tour der Band im August 2024 zur Wiederveröffentlichung ihres Nardcore-Klassikers „In Control“ auf Trust Records, konnten wir uns mit Sänger Ron eingehend über die bisherige Historie der Band sowie deren Zukunftspläne unterhalten. Dabei streiften wir auch ausführlich die Geschichte der Nardcore-Szene.

Mit dem Angriff auf Polen begann Deutschland am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg. Wenige Tage später eröffnete die Wehrmacht auf dem Reichsparteitagsgelände ein Lager für Kriegsgefangene: „Stalag XIII A Nürnberg-Langwasser“. Bereits Mitte September 1939 trafen die ersten polnischen Soldaten in dem ehemaligen SA-Zeltlager ein. Rund 30 Jahre später spielte die amerikanische Fernsehserie „Hogan’s Heroes“ in einem fiktiven Kriegsgefangenenlager namens „Luft-Stalag 13“ in der Nähe von Hammelburg. Allerdings gab es außer dem Namen und dem Standort keine Ähnlichkeit mit den tatsächlichen Lagern Stalag XIII-A, -B oder -C. Wurde der Name der Band von den tatsächlichen Stalag XIII-Lagern oder von der Fernsehsendung übernommen? Und was war die Inspiration für die Wahl eines Namens, der mit Nazi-Deutschland assoziiert wird?
Ron: Die ursprüngliche Band wurde 1981 gegründet und bestand aus mir am Gesang, Karl Wenrich an der Gitarre, Kevin Lundberg am Schlagzeug und Chuck Collison am Bass. Wir hatten ein solides Set und brauchten einen Namen, da wir eine Show vor uns hatten. Es war an einem Nachmittag Ende 1981 nach dem Üben im Haus von Karls Vater und wir saßen herum, aßen Instant-Nudeln und sahen TV, während wir über mögliche Bandnamen diskutierten. Hogan’s Heroes, eine amerikanische Comedy-TV-Show über alliierte Kriegsgefangene, die in einem deutschen Kriegsgefangenenlager interniert waren, kam im Fernsehen, und während wir zusahen, erwähnten die Figuren in der Serie immer wieder Stäläg-13, und ich sagte, das klingt nach einem interessanten Namen für eine Band, und Karl und Kevin stimmten zu, und so kamen wir zu unserem Namen.

Nichts Kompliziertes und keine tiefere Bedeutung als einfach ein Name für unsere neue Band. Interessanterweise war ich immer in der Annahme, dass „Stäläg“ Kriegsgefangenenlager bedeutet, was es technisch gesehen auch tut, aber laut Wikipedia ist „Stäläg“ eine Kurzform von „Stammlager“, was wiederum die Abkürzung für Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager ist. Daher bedeutet „Stalag“ technisch gesehen einfach Hauptlager für Kriegsgefangene. Im Laufe der Jahre haben sich einige Leute gefragt, ob unser Bandname eine Anspielung auf den Neonazismus sei, was er definitiv nicht ist, es war einfach ein Name, den wir für eine Band interessant und eingängig fanden. Außerdem ist jedes Argument, dass wir irgendwie Neonazis sind, lächerlich, denn die Band, die „In Control“ aufgenommen hat, bestand aus einem afro-deutsch-amerikanischen Sänger, mexikanischen Lead- und Rhythmusgitarristen, einem jüdischen Schlagzeuger und einem Engländer am Bass. Ursprünglich erschien unser Name als „Stalag-13“, die Umlaute wurden später hinzugefügt, aber noch sehr früh in unserer Bandgeschichte. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, warum dies der Fall war, vielleicht um es deutscher erscheinen zu lassen.

Allerdings sind wir uns der Tatsache bewusst, dass der Name eine historische Bedeutung im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus hat. Aber als Teenager konzentrierten wir uns eher auf die Ironie, dass unser Name aus einer Comedy-Fernsehsendung stammt, als auf die unheimlicheren historischen Fakten, dass es sich um ein Kriegsgefangenenlager aus der Nazizeit handelt. Wir hoffen natürlich, dass sich die Menschen in Deutschland durch unsere Namenswahl nicht irritiert fühlen.

Zumindest hier in Deutschland habe ich noch nie jemanden sagen hören, Stäläg 13 habe irgendwelche Naziverbindungen.
Das ist gut! Wir sind froh, dass die Leute unseren Namen nicht missverstanden haben.

Wie von Dir eingangs erwähnt, reicht die Geschichte von Stäläg 13 bis ins Jahr 1981 zurück, als die Band in Oxnard/Kalifornien, gegründet wurde. Zusammen mit Dr. Know, Agression und Ill Repute wird Stäläg 13 wahrscheinlich als eine der prägenden Nardcore-Bands angesehen. Stäläg 13 lösten sich kurz nach ihrer 84er US-Tournee zur Promotion von „In Control“ auf, die nur Shows an der Westküste der USA in Kalifornien, Oregon und Washington State umfasste. Im Jahr 2003 ging die Originalbesetzung auf eine Westküstentournee und spielte wieder Shows. Was ist seither geschehen? Ist die Band jetzt wieder eine Vollzeit-Band?
Ja, die Band wurde ursprünglich Mitte 1981 gegründet, ich glaube Ende Juli oder August. Wie bereits erwähnt, bestand die Band ursprünglich aus mir, Karl Wenrich, Kevin Lundberg und Chuck Collison. Diese Version der Band bestand nur ein Jahr, obwohl wir 1982 ein Demo aufnahmen. Ich warf Karl und Chuck aus der Band, da sie eine Menge illegaler Substanzen konsumierten und das nicht mit meinen strikten Straight-Edge-Ansichten zusammenpasste. Ich rekrutierte Blake Cruz nach einer Diskussion mit seinem älteren Bruder Brandon Cruz von Dr. Know.

Stäläg 13 löste sich Anfang 1985 nach der Veröffentlichung von „In Control“ auf, und unsere unglückselige USA-Tournee zur Promotion von „In Control“ wurde abgebrochen, weil Blake die Band verließ, nachdem ein Streit darüber entbrannt war, dass ich Chuck Collison, den ursprünglichen Bassisten, an der Leadgitarre einsetzen wollte, nachdem wir Dave Cassillas aus der Band geworfen hatten. Im Grunde genommen spielten wir die Shows an der Westküste nur mit Chuck an der Gitarre, da Larry und John der Meinung waren, dass Chuck für die Tournee nicht bereit wäre. 2002/2003 tourten wir mit Dr. Know an der Westküste, um die Wiederveröffentlichung von “In Control“ auf Dr. Strange Records zu promoten. Im Jahr 2012 spielten wir auch auf dem Gnarmegadon-Festival in Orange County und ein paar andere Shows, darunter 2012 als Headliner beim Gilman-Projekt in Berkely. Ich bin 1988 nach Melbourne in Australien ausgewandert, wo ich die Universität besuchte, meine Frau Valeria kennenlernte und unsere fünf Töchter großzog.

Ich kehrte gelegentlich zwar nach Kalifornien zurück, um dort gelegentlich mit der Band zu spielen, aber ich war nicht in der Lage, meine neue Heimat zu verlassen und nach Kalifornien zurückzukehren, um weiterhin regelmäßig mit Stäläg 13 aufzutreten. Wir spielten mit Stop Breathing bei einer Show in Camarillo im Jahr 2012, und dort traf ich zum ersten Mal John Crear, der bei der bahnbrechenden Nardcore-Band der zweiten Generation der 1990er Jahre, nämlich The Missing 23rd gesungen hatte. Ich erinnere mich, dass John ganz begeistert war, mich zu treffen, da ich nach der Auflösung von Stäläg 13 im Jahr 1985 praktisch aus der Nardcore-Szene verschwunden war.

Während dieser Phase reiste ich zwei Mal nach Europa, wobei meine zweite Reise fast zwei Jahre dauerte, und dann wanderte ich im Dezember 1988 nach Australien aus. Ich war also so etwas wie der mythische Typ, der für eine der vier großen Nardcore-Bands gesungen hatte, die ein paar Jahre lang existierten, ein Album aufnahmen und dann verschwanden, und der nach Australien zog und man nie wieder von ihm hörte. Ich mochte John auf Anhieb, weil er so begeistert von Nardcore und Stäläg 13 war und als Blake mir gegenüber erwähnte, dass er die Band mit John am Gesang fortsetzen wollte, gab ich sofort meine Zustimmung, dass sie weitermachen sollten.

Und so spielten sie viele Shows und tourten ausgiebig, unter anderem 2017 in Europa und 2019 in Japan. Einerseits freute ich mich sehr für Blake und die Band, andererseits war ich aber auch etwas verbittert, denn um die Welt zu touren war eine der Visionen, die ich immer für Stäläg 13 hatte, als ich die Band 1981 gründete. Um fair zu sein: Blake fragte mich, ob ich 2017 als Sänger nach Europa reisen wolle, aber ich war dazu nicht in der Lage, da ich mich in der Endphase meiner Dissertation befand und meine Frau und ich ein neues Haus bauten, also lehnte ich das Angebot dankend ab. Die Band mit John am Gesang wurde immer besser und nahm 2021 „Fill in the Silence“ auf, eine Mischung aus neuem Material [vier neue Songs – Anmerkung der Redaktion], neu bearbeiteten Songs von unseren frühen Demos und einigen Songs, die neues Material aus dem Jahr 1984 waren und auf dem nächsten Album nach „In Control“ erscheinen sollten, das leider nie zustande kam. „Fill in the Silence“ passt musikalisch und textlich wirklich in das Pantheon von Stäläg 13.

Tatsächlich sagte John, dass er die Texte für die neuen Songs absichtlich im Stil von Stäläg 13 aus den 1980er Jahren schrieb und dabei versuchte, wie ein Teenager zu denken. Die Band spielte acht Jahre lang mit John am Mikrofon. Im Jahr 2022 beschloss er jedoch, die Band zu verlassen, vor allem, um sich anderen Projekten zu widmen, da er auch Schlagzeuger der Band Head Cut aus Ventura ist, und um mehr Zeit mit seiner kleinen Tochter zu verbringen.

Ich kam durch den Trust Records-Vertrag zur Wiederveröffentlichung von „In Control“ wieder ins Spiel: Joe Nelson trat 2022 an uns heran und wir verhandelten eine Weile, bevor wir den Vertrag unterzeichneten. Es wurde vereinbart, dass ich nach Kalifornien fliege, um Joe die Masterbänder von „In Control“ zu überbringen – ich hatte alle unsere Aufnahmen von der Skip Saylor Aufnahmesession von „In Control“ aufbewahrt und sie in den 1990er Jahren nach Australien verschiffen lassen. Da ich in Südkalifornien sein würde, fragte mich Blake, ob ich Interesse hätte, ein paar Shows zu spielen, um den Trust Records-Deal anzukündigen, also spielten wir eine große Show in meiner Heimatstadt Port Hueneme zusammen mit Dr. Know, Fang, Torena, Infirmities und Crucial Thought.

Torena und Crucial Thought sind junge, aufstrebende Nardcore-Bands und beide sind live absolut klasse, wobei man Torena auf jeden Fall im Auge behalten sollte, da sie in der Welt des Hardcores groß rauskommen werden. Wir haben auch zwei andere Shows gespielt, eine in Alex’s Bar in Long Beach, das war ein Ripper und eine coole kleine Show in El Segundo, und so bin ich zur Band zurückgekehrt. Wir spielten auch einige Shows im Juli, nämlich das Nardfest 2023, das Gutter-Fest 2023 und eine Show in San Diego. Blake hatte bereits mit der Planung der Europa-Tournee 2023 begonnen und fragte mich, ob ich mit an Bord sei, und ich sagte bereitwillig zu, da es ein Traum von mir war, mit der Band zu touren. Zu diesem Zeitpunkt, also 2023, war vereinbart, dass Stäläg 13 nie wieder ohne mich am Mikrofon spielen würden.

Wir machten eine Europar-Tournee mit Fang, die für eine obskure Band aus den 1980er Jahren sehr erfolgreich war. Wir machten auch eine Westküsten-US-Tournee im Oktober 2023, bei der es einige großartige, aber auch einige spärlich besuchte Shows gab. Aber alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Für die absehbare Zukunft bin ich also langfristig in der Band und wir haben uns darauf geeinigt, zwei Touren pro Jahr zu machen, obwohl Blake mich irgendwie zu vier Touren in diesem Jahr, d.h. 2024, überredet hat: eine Kalifornien-Tour im Juli, UK/Europa im August, Hawaii im September und Japan im Oktober.

Wir haben vor, 2025 eine Tour-Pause einzulegen, um „Holding On, Volume II“ zu schreiben und aufzunehmen, obwohl wir vielleicht ein paar Shows spielen, wenn ich in Kalifornien bin, um meinen Gesang für die kommende Platte aufzunehmen. Wir sind auf der Suche nach einem Plattenlabel, falls irgendwelche deutschen Labels interessiert sind, da es sehr teuer ist, es selbst zu machen, würden wir uns freuen, von euch zu hören. Wenn jemand Interesse daran hat, unsere neue EP „Holding On. Vol. 1“ in Europa zu vertreiben, dann meldet euch bitte bei uns über Instagram [@stalag13band – Anmerkung der Redaktion].

Wann wird das Re-Release auf Trust Records erscheinen?
Die Wiederveröffentlichung von Trust war für den 6. August 2024 geplant, zeitgleich mit unserer UK/Europa-Tournee. Das einzige Extra auf der Trust-Wiederveröffentlichung von „In Control“ ist ein 22-seitiger Bericht über die Geschichte der Band, der viele nie zuvor gezeigte Fotos und Flyer, Originaltexte und das Tracking-Sheet für unser erstes Demo enthält. Blake und ich hatten darüber nachgedacht, einige der Demo-Versionen von Songs auf „In Control“ beizufügen, uns aber dagegen entschieden, da wir sie separat auf unserem eigenen oder einem anderen Label veröffentlichen wollen. Im Nachhinein wäre es aber vielleicht besser gewesen, ein paar der Demo-Versionen der Songs auch auf dem endgültigen Trust-Release zu veröffentlichen.

Ich habe noch keine Ankündigung für diese Veröffentlichung auf der Website von Trust Records gesehen. Kommt das Album noch rechtzeitig zu eurer Tour heraus oder wurde es verschoben?
Leider wird die Veröffentlichung unseres Albums auf Trust immer wieder verschoben. Zum jetzigen Zeitpunkt wird das Veröffentlichungsdatum im September sein, rechtzeitig für unsere Hawaii’an-Shows und unsere Japan-Tour im Oktober. Daher werden wir leider keine Exemplare der regulären Trust-Version von „In Control“ bei unserer bevorstehenden Europatournee dabeihaben, die am 1. August 2024, in Liverpool, England, beginnt, aber wir werden einige spezielle, nur in Europa erhältliche Ausgaben von Puke’n‘Vomit Records/Dr. Strange Records sowie Exemplare unserer neuen EP „Holding On, Vol. 1“ dabei haben. Die Trust-Wiederveröffentlichung von „In Control“ hat sich aus gutem Grund verzögert, ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber Al Barile von SSD ist sehr krank und sie wollten die Trust-Wiederveröffentlichung von „Get It Away“ verschieben, für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes mit Als Gesundheit passiert. Außerdem befindet sich das Presswerk, in dem Trust arbeitet, in der Tschechischen Republik, und der Betrieb war während der Sommerferien für einige Wochen geschlossen, was die Dinge weiter verzögerte.

Trotzdem hat Trust kürzlich ein Bild auf Instagram gepostet, auf dem ich, Blake und Joe Nelson nach einem Mittagessen in Oxnard im mexikanischen Restaurant Jalisco’s zu sehen sind und ankündigt, dass „In Control“ bald erscheinen wird. Es ist also offiziell immer noch in Arbeit und erscheint im September, aber es hat lange auf sich warten lassen. Ich denke, das Warten wird sich lohnen, denn dem Album liegt ein tolles Booklet bei, das die Geschichte der Band enthält.

Nardcore, ein Mischmasch aus den Wörtern „Hardcore“ und „Oxnard“, gilt als ein Stil des Hardcore-Punk, der in den frühen 80er Jahren in Südkalifornien entstand und seinen Ursprung in Silver Strand Beach, Oxnard und Port Hueneme hatte. Soweit ich weiß, wurde der Begriff zuerst von Ishmael Hernandez von Dr. Know und False Confession geprägt. Zu den Gründungsbands der Nardcore-Szene gehören neben Stäläg 13 auch Ill Repute, Dr. Know, False Confession, Agression, Rat Pack, Habeas Corpus, RKL und Scared Straight. Ich hatte immer das Gefühl, dass Nardcore-Bands offener für Thrash- und Crossover-Einflüsse waren als die meisten anderen Bands zu dieser Zeit. Hatte das damit zu tun, dass die Szene in Venice Beach mit Bands wie Suicidal Tendencies, Beowülf und Excel so nah war? Oder waren diese beiden Szenen völlig voneinander getrennt?
Das ist eine sehr interessante Frage. Ja, Nardcore umfasst jedes Gebiet in der 805, der lokalen Telefonvorwahl für ein großes Gebiet in Südkalifornien rund um Oxnard, einschließlich Port Hueneme, Ventura, Santa Barbara, Simi Valley, Thousand Oaks, Camarillo, Ojai, San Luis Obispo und anderen. Sogar Strife aus Thousand Oaks wird also als Nardcore-Band betrachtet. Nardcore wurde in der Tat von Ismael von Dr. Know geprägt; die Geschichte besagt, dass wir 1981 auf einer Party waren und jemand das „Hardcore ’81“-Album von DOA spielte und Ismael das Cover in die Hand nahm und sagte, wenn DOA „Hardcore“ ist, müssen wir, Bands aus Oxnard, „Nardcore“ sein.

Auch wenn das von einigen bestritten wird. Aus meiner Sicht stimme ich mit dir überein, dass wir, die Nardcore-Bands, immer offen für Metal-Einflüsse waren. Allerdings denke ich, dass es nicht unbedingt am Einfluss der Bands aus Venice lag, obwohl Venice und Oxnard eine sehr enge und freundschaftliche Beziehung zueinander hatten und Bands aus beiden Gegenden Partys und Gigs in der jeweils anderen Stadt spielten. Die frühen Stäläg 13 spielten ein paar Partys in Venice, unter anderem mit Suicidal Tendencies und Beowülf, und wir trafen uns oft bei Shows in LA. Dan Clements und ich waren befreundet und als Excel 1983 gegründet wurde, spielten wir ein paar Shows mit ihnen. Suicidal Tendencies übernachteten auch im Haus meiner Eltern in Port Hueneme, nachdem sie 1983 in Oxnard gespielt hatten und der Truck ihres Schlagzeugers Amery eine Panne hatte und sie ihr Equipment nicht nach Hause bringen konnten.

Ich denke, Nardcore-Bands waren immer offen für Metal-Einflüsse, vor allem wegen des Spielstils von Agression und der Tatsache, dass die meisten Hardcore-Punks in der 805-Region Heavy Rock und Metal mochten, vor allem Black Sabbath, Iron Maiden, Judas Priest, Motörhead, frühe Metallica, Celtic Frost, Accept, Voivod, Mercyful Fate und Venom sowie andere. Daher war es für Nardcore-Bands wie RKL und Stäläg 13 gar nicht so abwegig, Metal-Riffs und Leads in unsere Musik einzubauen. Auch Stäläg 13 hatte 1986 eine Metal-Version, die aus mir am Gesang, Larry White am Schlagzeug, Chuck Collison an der Leadgitarre, Tim Harkins an der Rhythmusgitarre und Tony Black am Bass bestand. Tony ist ein klassisch ausgebildeter Musiker, der eine Karriere als Session- und Tour-Bassist gemacht hat, und Tim Harkins wurde ein preisgekrönter Studiomischer und gewann einen Grammy Award für eine Korn-Single, wenn ich mich recht erinnere.

Diese Version der Band war eine ernstzunehmende Crossover-Metal-Version, die einige der älteren Songs wie „Black and Gray“ und „No Excuse“ spielte, allerdings mit Metal-Drumming, aber wir hatten auch einige epische Metal-Songs wie „City Wheels““ und „Into the Black“. Wir haben sogar ein fünf Songs umfassendes Demo aufgenommen, von dem Larry White noch die Master hat. Er sagte vor einiger Zeit, dass er sie auf Puke’n‘Vomit Records veröffentlichen wollte, aber das ist noch nicht geschehen. Ich würde diese Songs gerne herausbringen, also werde ich vielleicht mit Larry sprechen und sehen, ob wir diese Stücke herausbringen können.

Ich habe mich immer gefragt, warum Stäläg 13 nicht auf Mystic Records veröffentlicht haben, wo die meisten Nardcore-Bands ihre EPs und Alben herausgebracht haben. Was oder wer hat euch davor bewahrt, eure Musik durch Dough Moodys schreckliche Aufnahmen und Produktion zu ruinieren?
Nun, die knappe Antwort ist, dass wir klug waren. Ich für meinen Teil hatte gesehen, wie schlecht Mystic Ill Repute und RKL behandelt hatte. Die Aufnahmen klingen leider scheiße und es war nie Geld zu sehen, auch kein Merchandise und kaum etwas von der Platte ging an die Bands. Da wir die jüngste der vier großen Nardcore-Bands waren – die anderen drei waren, wie bereits erwähnt, Agression, Dr. Know und Ill Repute – nahmen wir unsere Platte etwa ein Jahr nach den anderen auf, und so dachte ich mir, dass wir auf keinen Fall mit diesen Idioten von Mystic aufnehmen würden.

Ursprünglich hatten wir vor, „In Control“ unabhängig zu veröffentlichen, da ich der Meinung war, dass wir es selbst machen und unser eigenes Label gründen sollten. Als jedoch Upstart an uns herantrat, entschieden wir uns, bei ihnen zu unterschreiben, da sie zustimmten, dass wir die volle Kontrolle über das Copyright der Songs behalten konnten, was einer der problematischen Punkte bei den Aufnahmen mit Mystic ist. Ill Repute zum Beispiel besitzen keinen einzigen der Songs, die sie mit Mystic aufgenommen haben. In Kalifornien kursierte damals der Witz, dass es ein Fehler war, mit Mystic aufzunehmen, und so wird das Label in Oxnard als Mystake bezeichnet.

Stäläg 13 waren auch auf der Nardcore-Compilation, die bei Mystic erschienen ist. Wurden die beiden Songs für diese Compilation, „Statistic“ und „Do It Right“ in den Mystic Studios aufgenommen?
Ja, das ist richtig, wir haben sowohl „Statistic“ als auch „Do It Right“ für die Nardcore-Compilation in den Mystic Studios aufgenommen. Ich erinnere mich, dass wir damals dachten, wir könnten zwei Songs auf ihrem Label machen, vor allem weil es die Nardcore-Compilation war, und da wir eine zentrale Gründungsband von Nardcore sind, machte es Sinn, auf dem Album zu sein, obwohl wir die Rechte überschrieben und in ihrem Studio aufgenommen hatten. Aber wenn ich mich recht erinnere, ist es ganz gut geworden. Ich habe keine Kopie des Albums mehr, wenn du eine hast, kannst du mir digitale Versionen von unseren beiden Songs schicken, da wir „Do it Right“ auf der Tour spielen wollen.

Es sind wirklich gute Songs, und das Album wurde so etwas wie „This is Boston Not LA“ oder „Flex Your Head“ und hat Oxnard als Szene wirklich auf die Hardcore-Landkarte gebracht. Jetzt haben wir neben Stäläg 13, Agression, Ill Repute und Dr. Know einige wirklich einflussreiche Bands, die aus Oxnard gekommen sind, wie Nails Deadheat, Torena, Omega Point und Pink Mist. Es ist wirklich großartig, Teil einer Szene mit einer so reichen Geschichte und einem soliden musikalischen Stammbaum zu sein. Wir haben am 12. Juli 2024 auf dem Nardfest gespielt und es war so schön, in unserer Heimatstadt auf der Bühne zu stehen und vor einem sehr dankbaren Publikum zu spielen, das unsere Klassiker von „In Control“ mitsang.

Die Nardcore-Compilation ist nicht nur fantastisch, sie gehört meiner Meinung nach auch zu einer Reihe von sehr wenigen wichtigen Compilations, die ihre jeweiligen Bands und Szenen repräsentieren.
Ja, ich stimme dir in diesem Punkt vollkommen zu. Ich war heute im „Get Heavy Podcast“ [verfügbar auf YouTube – Anmerkung der Redaktion] und wir diskutierten genau diesen Punkt, dass Nardcore eine Szene mit generationenübergreifender Langlebigkeit ist, da es Bands aus den 1980er und 1990er Jahren gibt, deren Kinder jetzt in Nardcore-Bands spielen und Ian MacKaye keine Kinder hat, die in einer DC-Hardcore-Band spielen [Ian MacKaye hat einen Sohn, der Teenager ist – Anmerkung der Redaktion]. Nardcore ist eine sehr solide und geeinte Szene mit einem starken Gemeinschaftssinn.

Nardcore hat seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound entwickelt und neben den bereits erwähnten frühen Vorreitern der Szene einige großartige Bands hervorgebracht, darunter In Control, Annihilation Time, Dead Heat, Nails, Omega Point, Pink Mist, Torena, Goner und eine ganze Reihe anderer Bands. Oxnard war ein langweiliger, beschissener Ort, um dort aufzuwachsen und viele von uns verband die gemeinsame Liebe zu Punk- und Hardcore-Musik, obwohl wir das Glück hatten, relativ nah an Los Angeles zu sein, etwa eine Stunde Fahrt nach Süden.

So konnten wir Bands wie Black Flag, X, Middle Class, Stains, Adolescents, Suicidal Tendencies, Weirdos, Dickies, TSOL, Agent Orange, Minutemen, Descendants, 45 Grave sowie eine Vielzahl nationaler und internationaler tourender Bands sehen und mit ihnen spielen, wie etwa Bad Brains, Hüsker Dü, JFA, The Misfits, Minor Threat, SSD, Government Issue, Heart Attack, Artificial Peace, Die Kreuzen, Agnostic Front, Cause For Alarm, Discharge, GBH, Anti-Nowhere League, Toy Dolls, Addicts, etc..

Nardcore ist eine wirklich enge Community, die sich um ihre eigenen Leute kümmert und neue und aufstrebende Bands unterstützt. Obwohl es sich um eine historisch gesehen weit entfernte Stadt handelt, die auch von einer starken militärischen Präsenz mit zwei großen US-Marinestützpunkten in Port Hueneme und Point Mugu geprägt war, hat sie einen fruchtbaren Boden für Oxnards unzufriedene Jugend geschaffen, um sich auszudrücken und ein Ventil für Apathie zu bieten, da es sich im Allgemeinen um eine sehr positive Szene handelt.

Fred Hammer hat irgendwann die Nardcore-Compilation neu aufgelegt, und ich finde, er leistet großartige Arbeit bei der Dokumentation aller Nardcore-Bands, Fanzines und Labels.
Ich hatte gerade ein Gespräch mit Fred beim Nardfest am 12. Juli 2024. Er ist ein wirklich interessanter und unterstützender Typ, der der Szene in vielerlei Hinsicht viel zurückgibt. Er scheint wirklich alles über Nardcore im Griff zu haben. Fred ist wesentlich jünger als wir und war von 2001 bis 2002 Sänger von Annihilation Time, Fred war also noch ein sehr kleines Kind, als wir in den 1980er Jahren spielten. Ich habe Fred zum ersten Mal 2012 getroffen, als ich zum Gnarmeggadon-Festival im Observatory Theater in Santa Ana zurückkehrte.

Auf dieser Tour spielten wir auch im Gilman-Projekt in Berkely, in der Shores Bar in Oxnard Shores und im Ojai Women’s Center, wo ich Fred zum ersten Mal traf. Interessanterweise ist Fred Polizist, was seltsam unvereinbar mit Hardcore-Punk zu sein scheint, aber ich denke, das ist das Schöne am Nardcore, wir sind offen für Vielfalt.

Das ursprüngliche Label, bei dem „In Control“ erschien, Upstart Records, löste sich nach nur fünf Veröffentlichungen auf und „In Control“ war der letzte Output des Labels. Trust Records wird „In Control“ diesen Sommer wiederveröffentlichen. War es schwierig, die Originalbänder und das Artwork von Upstart Records zurückzubekommen?
Upstart wurde von einem jungen Punk namens Jorge Newbury betrieben, der das Label und den dazugehörigen Vertrieb aus der Garage seiner Eltern in Bel Air betrieb, einem sehr wohlhabenden Vorort von L.A., der an Beverly Hills angrenzt. Jorges Eltern waren wohlhabend, ich glaube, sie waren in der Unterhaltungsindustrie tätig, und sie waren wirklich nett, denn sie boten uns immer etwas zu essen oder zu trinken an, wenn wir zu Jorges Haus kamen. Jorge war ein wirklich cooler Typ und bezahlte für alles, einschließlich unserer Aufnahmezeit in den Skip Saylor Studios in West Hollywood, einem wirklich professionellen Aufnahmestudio, das schon Grammys gewonnen und in dem sogar Beyonce aufgenommen hat.

Allerdings schienen viele Leute Jorge Newbury Geld für Platten zu schulden, und er ging etwa zu der Zeit bankrott, als wir uns auflösten, da wir die letzte Band auf dem Label waren, die lucky number five. Als wir auf unserer unglücklichen Westküsten-Etappe unserer geplanten nationalen Tournee waren, die nie ganz zustande kam, ließ Jorge uns unterwegs in Plattenläden anhalten, um das ihm geschuldete Geld einzutreiben. Jorge wurde schließlich ein millionenschwerer Bauträger in Chicago, allerdings einer mit einem guten Gewissen, denn er sanierte verlassene Wohnprojekte und verkaufte sie als erschwingliche Wohnungen für Geringverdiener.

Aber nein, es war überhaupt nicht schwierig, die Masterbänder von Upstart zu bekommen, da ich bereits alles hatte, einschließlich der originalen 2,5-Zoll-Bänder und des Masterbands. Außerdem besaßen wir das volle Copyright, so dass wir Jorge nicht einmal kontaktieren mussten. Aber trotzdem ist Jorge cool, wir sind Freunde auf Facebook und chatten gelegentlich.

In den 90er Jahren hat Lost & Found Records aus Deutschland das Album von Stäläg 13 auf CD wiederveröffentlicht. Hast du irgendwelche Erinnerungen daran, wie es dazu kam?
Ich erinnere mich daran, dass Lost & Found die CD herausgegeben hat, da ein Freund mir eine E-Mail geschickt hat, um mir davon zu erzählen, aber ich habe keine Ahnung, wie der Deal zustande kam, da er nichts mit mir zu tun hatte und mich niemand deswegen kontaktiert hat. Ich habe keine Ahnung, da ich nach der Auflösung von Stäläg 13 die Verbindung zu den Jungs abgebrochen hatte, und ich war auch ziemlich wütend über die ganze Stäläg-Episode mit der Veröffentlichung von „Conviction“, das eine absolut schreckliche Platte ist, die meiner Meinung nach absolut keine Legitimität als Stäläg 13-Veröffentlichung hat.

Ich würde gerne für das Lost & Found-Release den Vertrag und die Quittung für die Zahlung sehen, da ich keinen einzigen Penny erhalten habe, obgleich ich alle Texte außer „In Control“ geschrieben habe und mir daher die hälftigen Urheberrechte, Tantiemen und Lizenzgebühren gehören. Anfangs war ich wirklich wütend über die Lost & Found-Veröffentlichung und ich erwog, rechtliche Schritte einzuleiten. Allerdings war ich gerade dabei, mein Grundstudium abzuschließen und hatte weder die Zeit noch die Energie, mich damit zu beschäftigen.

Im Nachhinein würde ich jedoch gerne das bekommen, was mir zusteht, da es sich um mein geistiges Eigentum handelt, von dem verschiedene Leute profitiert haben. Es gibt aber auch eine positive Kehrseite dieser ganzen dubiosen Episode, denn die Lost & Found-Veröffentlichung hat Stäläg 13 unter den Hardcore-Punks in Deutschland und den deutschsprachigen Teilen Europas wirklich bekannt gemacht. Trotzdem habe ich immer noch einen leicht sauren Geschmack im Mund, wenn ich an die Lost & Found-Veröffentlichung denke.

Lost & Found haben ihr Material oft in ihrem eigenen hochwertigen Studio neu gemastert, was meist viel besser klingt als die Originalveröffentlichungen. Hattest du das Gefühl, dass ihre Version von „In Control“ besser klang?
Ich habe die Lost & Found-Version nie gehört, daher kann ich dazu nichts sagen. Wie dem auch sei, „In Control“ wurde in einem Weltklasse-Studio in Hollywood aufgenommen und klang sehr professionell, daher die Langlebigkeit. Außerdem habe ich die Testpressung von Trust Records und sie ist fantastisch und klingt viel kraftvoller als die ursprüngliche Upstart-Veröffentlichung von 1984 und die Dr. Strange-Wiederveröffentlichung von 2002.

Wie liefen die Sommer-Tourneen in den USA und Europa bisher?
Die Kalifornien-Tour war absolut fantastisch! Der Höhepunkt der Shows in Südkalifornien war das Nardfest vor 400 Leuten in unserem Heimatort im Oxnard Performing Arts Centre. Es war großartig in Oxnard zu spielen und Kids zu haben, die die Bühne stürmten und jeden Text von „In Control“ Wort für Wort mitsangen; es gab so viel Energie und Leidenschaft, als wir die Bühne betraten, dass wir davon profitierten und eine tolle Show ablieferten.

Ich war wirklich begeistert, dass wir einige großartige Live-Fotos von der Band machen konnten und eines von mir, als ich von der PA auf die Bühne sprang. Die Leute waren wirklich begeistert und bewunderten unsere Energie und Ausdauer. Wir haben wirklich eine großartige Show hingelegt und die Leute in ganz Kalifornien haben gesagt, dass wir bei unseren Konzerten immer noch richtig Gas geben. Ein weiteres Highlight war unsere Show in der Alex’s Bar in Long Beach, wo wir mit Final Conflict und den mächtigen YDI aus Philadelphia spielten, die einfach unglaublich waren. Die Show war ausverkauft und die Menge drehte von den ersten Takten von „No Impressions“, einem neuen Song unserer neuen EP, an völlig durch.

Alle Shows in Nordkalifornien waren gleich stark, obwohl unsere Show im Ivy Room in Albany (Berkeley) Kalifornien bei weitem die herausragendste war, mit einem riesigen Moshpit und Mitsingen im ganzen Saal. Ich konnte das Mikrofon buchstäblich in jeden Teil der Menge strecken und bekam fehlerfreien Texten zu hören; es war heftig, schnell und lustig. Wir haben sogar drei Zugaben gegeben! Wir haben wirklich das Gefühl, dass die Leute es zu schätzen wissen, dass wir immer noch spielen und dass die Leute sich jetzt bewusst werden, dass wir immer noch eine ernstzunehmende Hardcore-Band sind, die eine intensive, knallharte Show abliefert, so wie wir es immer getan haben; in den Worten von Sammy Siegler sind wir keine Alte-Männer-Band, wir kommen, um intensiven, gefühlvollen, kraftvollen Hardcore zu spielen, der von unseren Texten und unserer positive mental attitude untermauert wird!
Ich denke, dass für unsere Tourneen 2025 und 2026 größere Festival-Termine für uns geplant sein werden.

Stäläg 13 gilt als eine der ersten Bands an der Westküste, die mit Straight Edge in Verbindung gebracht wurde, zusammen mit Bands wie America’s Hardcore, Justice League, Doggy Style und natürlich Unity und Uniform Choice. Wie für die damalige Zeit typisch, waren meines Wissens jedoch nicht alle Mitglieder der Band tatsächlich Straight Edge. Ich habe mich immer gefragt, warum es ein paar Jahre dauerte, bis die Straight-Edge-Idee schließlich in Kalifornien aufgegriffen wurde.
Ok, das ist ein etwas kontroverses Thema, da ich der Meinung bin, dass wir, Stäläg 13, die erste Band der Westküste waren, die Straight Edge als Konzept und Lebensstil vertrat. Allerdings waren America’s Hardcore ungefähr zur gleichen Zeit aktiv wie wir, obwohl ich gerade ein Interview mit Danny Slam [Sänger von America’s Hardcore – Anmerkung der Redaktion] aus dem No Idols Fanzine, veröffentlicht am 11. August 2019, nachgeschaut habe und sie ihre erste Show nicht vor April 1982 spielten, also waren wir definitiv vor America’s Hardcore aktiv.

Ich war das einzige Straight Edge-Mitglied von Stäläg 13, aber als Gründungsmitglied und Sprachrohr der Band fühlte ich mich als meine Band und brandmarkte uns daher als Straight Edge-Band. Ich wurde 1981 Straight Edge, kurz bevor ich Stäläg 13 gründete. Mein bester Freund während meiner Zeit in Oxnard war John Phaneuf [Sänger von Ill Repute – Anmerkung der Redaktion], John war völlig straight, hat sich aber nicht zu Straight Edge bekannt und trug nie ein X. Johns Vater war bei den US-Marines und extrem gegen Drogenkonsum, so dass John einfach zu viel Angst vor seinem Vater hatte, um jemals Drogen zu probieren.

Meine ersten anderthalb Jahre als Punk waren ein ziemlicher Drogen- und Alkoholdunst, aber mit Johns Ermutigung und Unterstützung wurde ich straight und nüchtern, was sich wie ein Rausch in mir entlud, als ich Minor Threat hörte und mich voll und ganz auf Straight Edge einließ. Da der Song „Straight Edge“ 1981 herauskam, dauerte es nicht unbedingt sehr lange, bis Straight Edge seinen Weg nach Kalifornien fand, denn ich wurde 1981 Straight Edge.

Ich bin mir allerdings bewusst, dass Straight Edge seinen Ursprung in den frühen DC-Bands Teen Idles und S.O.A. um 1979/1980 hat. Was die Verbreitung von Straight Edge an der Westküste angeht: Stäläg 13 waren die Vorreiter, gefolgt von America’s Hardcore, Justice League, Unity und dann Uniform Choice. Justice League und Stäläg 13 standen sich sehr nahe und spielten Ende 1983 und 1984 ein paar Shows zusammen. Es gibt einige wirklich gute Fotos von Stäläg 13, die auf den Stufen des Federal Building in West Los Angeles spielten, mit Mitgliedern von Justice League und der Pomona-Hardcore-Crew auf der Bühne, die mit uns Gang-Vocals sangen; es gibt ein besonders gutes Foto von Ryan Hoffman und Trevor von Justice League am Mikrofon mit mir.

Ich war auch gut mit den Brüdern Rob und Pat von Unity befreundet. Wir waren auch sehr gut mit den Jungs von America’s Hardcore befreundet, vor allem mit Danny „Slam“ McIntosh und Drew Bernstein. Wir spielten eine Reihe von Shows mit ihnen und ich kaufte Drew sogar den Dodge-Tourbus von America’s Hardcore ab, als er nach San Francisco ging, um sich Crucifix anzuschließen. Es gibt ein paar wirklich gute Fotos von uns aus dem Cathy De Grande in Hollywood, als wir 1983 mit Cause for Alarm spielten, und in der Menge sieht man ein wahres „Who is Who“ der Straight-Edge-Punks aus SoCal, darunter Ryan von Justice League, Pat Dubar von Uniform Choice und Rob und Pat von Unity. Ironischerweise kamen Uniform Choice und Stäläg 13 überhaupt nicht miteinander aus, ich bin mir nicht sicher, warum – vielleicht aufgrund von Rivalität, ich weiß es nicht; alles was ich weiß ist, dass Pat und ich nicht miteinander auskamen.

Wie auch immer, das ist Schnee von gestern. Ich finde es lustig, dass die Leute uns früher die „West-Coast Minor Threat“ nannten, was ich als Kompliment auffasste, obwohl ich glaube, dass die Leute es in Wirklichkeit sarkastisch meinten. Ich habe mir neulich Uniform Choice angehört, und viele ihrer Songs klingen wie Kopien von Minor Threat-Songstrukturen. Während Stäläg 13 stark von Minor Threat und anderen Ostküsten-Hardcore-Bands beeinflusst waren, glaube ich, dass wir unsere eigene, einzigartige Version mit mehr Metal-Einflüssen hinzugefügt haben. Straight Edge wurde in Kalifornien vor allem durch Justice League und ihrer Nachfolgeband Chain of Strength populär und man kann nicht leugnen, dass Uniform Choice dazu beigetragen hat, Straight Edge als Lebensstil bei vielen Jugendlichen in Südkalifornien zu festigen.

Ich blieb konsequent Straight Edge, bis ich Anfang 20 war und während einer Rucksack-Tour durch Europa in den späten 1980er Jahren, also 1986/87, mit Straight Edge brach; allerdings nur mit Alkohol. In meinen späteren Jahren kehrte ich zu einem nüchternen Lebensstil zurück, obwohl ich nie ein schwerer Trinker war, sondern in erster Linie ein geselliger Trinker, der sich weiterhin von Zigaretten und illegalen Drogen fernhielt.

Auch habe ich mich im Laufe meines Lebens immer wieder für den Vegetarismus entschieden, mit einer Periode von bis zu acht Jahren als Vegetarier am Stück. Heutzutage bezeichne ich mich wieder als Straight Edge, aber ich betrachte es mit stoischem Blick als ein sauberes, gesundes und tierleidfreies Leben, ohne dass es eine Art unumstößliches Gelübde ist, das den eigenen Charakter in Verruf bringt, wenn man zum Beispiel im Italienurlaub ein Glas Wein trinkt. Für mich sieht das einfach nach hirnloser konservativer Konformität aus; im Grunde nach all dem, wogegen der Hardcore-Punk meiner Meinung nach war. Trotzdem gehe ich immer noch mit X zu den Konzerten.

Soweit ich weiß, waren Doggy Style nie eine Straight Edge Band. Wir haben einmal mit ihnen in Santa Barbara gespielt und sie wirkten wie ein Haufen Rockstar-Schwachköpfe. Ich mochte sie musikalisch überhaupt nicht.

Übrigens müsst ihr euren Freunden bei Trust Records sagen, dass sie eine America’s Hardcore-Diskografie herausbringen sollten. Die Compilation-Songs der Band sind so gut, und die anderen Aufnahmen von unveröffentlichten Songs, die im Internet kursieren, sind ebenfalls absolut großartig. Und sie hatten auch die besten T-Shirt-Designs!
America’s Hardcore waren eine absolut großartige Band, sowohl auf Platte als auch live. Sie haben eine außerordentlich gute Show hingelegt. Ihre Liveshows haben gerockt, Drew war ein fantastischer Gitarrist, der sich wirklich auf dem Griffbrett auskannte und solide, kraftvolle Riffs spielte und auch ein guter Songschreiber war. Aaron war ein unglaublich kraftvoller Schlagzeuger, der ihren Sound vervollständigte. Danny, am Mikrofon, war eine starke Präsenz auf der Bühne. An ihren Bassisten kann ich mich nicht mehr erinnern, obwohl ich weiß, dass ihr ursprünglicher Bassist ein Typ namens Scott Kosar war, der ein Freund von Danny war. Sie waren eine großartige Band und ich habe immer gerne mit ihnen gespielt. Ich habe mich mit Danny Mcintosh in Verbindung gesetzt, der jetzt Dr. Mcintosh ist, ein Physiker, der an einem College in Kentucky lehrt.

Du hast erwähnt, dass Du in Australien lebst und an der Universität von Melbourne in Soziologie und Jugendstudien promoviert hast. Derzeit bis Du Dozent für Erziehungswissenschaft und Soziologie am College of Arts, Business, Education, Law and IT der Victoria University, wo Du den Bachelor of Education Studies und den Bachelor of Arts unterrichtest. In unserem Vorbereitungsgespräch für dieses Interview hast Du erwähnt, dass Dein Forschungsinteresse der Soziologie der Jugend, dem sozialen Lernen, der Kriminologie und den Jugendsubkulturen gilt. Interessant ist, dass immer mehr Aktivisten aus der Hardcore-Punk-Szene eine akademische Laufbahn einschlagen und sich auch in ihrer Forschung mit Hardcore-Punk beschäftigen. So haben z.B. Konstantin Butz und Robert A. Winkler vor nicht allzu langer Zeit Wissenschaftler mit persönlichen Verbindungen zu früheren und heutigen Hardcore- und Punk-Szenen in dem Buch „Hardcore Research – Punk, Practice, Politics“ zusammengebracht, das die reiche und vielfältige Geschichte dieses subkulturellen Phänomens und seinen aktuellen Nachhall an der Schnittstelle von kultureller Praxis und akademischer Forschung auf eine ebenso aufschlussreiche wie kritische Weise beleuchtet. Hast Du in Deiner akademischen Laufbahn mit anderen aktuellen oder ehemaligen Hardcore-Punk-Aktivisten zusammengearbeitet? Und hat einer Deiner Student:innen dich jemals als den Sänger von Stäläg 13 erkannt?
Zunächst einmal danke ich dir, dass du mich mit dem Text „Hardcore Research – Punk, Practice, Politics“ von Butz und Winkler bekannt gemacht hast, denn ich bin bei meinen Literaturrecherchen nicht darauf gestoßen. Ich schätze, mein Forschungsinteresse gilt den Subkulturen, da ich meine Doktorarbeit über die Erforschung der Lerndynamik von Subkulturteilnehmern abgeschlossen habe, wobei ich mich darauf konzentrierte, wie junge Menschen Graffiti-Writer werden. Nach meiner Promotion arbeitete ich an einer Reihe von Projekten zur digitalen Kriminologie, die ich als Teil eines Forschungsteams unter der Leitung von Professor Stuart Ross an der Universität von Melbourne veröffentlichte. Mein nächstes persönliches Forschungsprojekt sollte sich jedoch auf das Skateboarding konzentrieren und die widersprüchliche Natur des Engagements lokaler Regierungen für das Skateboarding untersuchen, da es in den meisten städtischen Zentren immer noch weitgehend illegal ist und von der Öffentlichkeit oft als antisoziale Aktivität stigmatisiert wird.

Andererseits ist Skateboarding heute eine olympische Sportart, und junge Menschen können als Profi-Skater ein lukratives Einkommen erzielen. Ich möchte diese Spannungen erforschen und auf den Ergebnissen meiner Doktorarbeit aufbauen, die sich mit der Art und Weise befasst, wie junge Menschen Skateboarding erleben, sich damit auseinandersetzen und es erlernen. Als wir jedoch die Europa-Tournee 2023 planten, kam mir die Idee, zu untersuchen, was es bedeutet, Mitglied einer Subkultur zu sein, wenn man älter wird, als ich Any Bennetts und Paul Hodkinsons Buch „Ageing and Youth Cultures“ las, das 2012 veröffentlicht wurde.

Ich dachte mir, dass ich als Punk in den Fünfzigern, der immer noch aktives Mitglied einer tourenden Hardcore-Punk-Band ist, genau das erlebe, und so beschloss ich, einen Bericht über meine fortwährende Teilnahme an der Hardcore-Punk-Szene zu schreiben, der durch eine ethnografische Erkundung der verschiedenen Tourneen von Stäläg 13 ergänzt wird, indem ich Konzerte beobachte und halbstrukturierte Interviews mit alternden Punks im Alter von 40+ Jahren führe, die ich auf den Shows rekrutiert habe. Die meisten meiner Interviews habe ich per Zoom oder Telefon geführt, da es sich als schwierig erwies, Interviews auf der Tournee zu führen.

Bislang habe ich in meiner akademischen Laufbahn noch nicht mit anderen aktuellen oder ehemaligen Hardcore-Punk-Aktivist:innen zusammengearbeitet. Allerdings bin ich Mitglied des britischen Punk Scholars Network und der Themengruppe Music Subcultures der Australian Sociological Association, die beide Mitglieder haben, die auf unterschiedliche Weise in der Punk- und Hardcore-Szene aktiv waren. Ich habe mein aktuelles Projekt auch mit Professor Andy Bennett besprochen, der ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich stammt und Bassist in einer englischen Punkband aus Kent/England, war. Andy unterstützt mein Projekt zum alternden Punk sehr, da der ursprüngliche Schwerpunkt dieses Forschungsgebiets, als er und Paul „Ageing and Youth Cultures“ veröffentlichten, damals nicht wirklich zum Tragen kam, und zwölf Jahre später ist es an der Zeit, sich erneut damit zu befassen, was mit subkulturellen Teilnehmern passiert, wenn sie altern.

Ich bin sehr daran interessiert, meine Forschungsarbeit zu Punk und Hardcore fortzusetzen. Wie du erwähnst, gibt es mehrere Punks und Hardcore-Kids, die in die akademische Welt eintreten, und ich erwäge, ein Buch mit dem vorläufigen Titel „From Punk to Professor“ zu schreiben, das über Interviews mit promovierten Punks berichtet, die in der akademischen Welt arbeiten, um zu untersuchen, welchen Einfluss die Punk-/Hardcore-Subkultur auf ihre akademische Berufswahl hatte. Wenn Hardcore-Punks 40+ an meinem aktuellen Forschungsprojekt über alternde Punks teilnehmen möchten, schickt mir bitte eine E-Mail [ronbaird4@gmail.com – Anmerkung der Redaktion].

Ich kann dann ein Informationsblatt für Teilnehmer:innen schicken und ein Zoom- oder Telefoninterview arrangieren. Wenn jemand an einer Zusammenarbeit in einem Hardcore-Punk-Forschungsprojekt interessiert ist, kann er:sie sich unter der gleichen E-Mail-Adresse bei mir melden. Aber wenn ich eine Klasse über Jugendsubkulturen unterrichte, bitte ich sie immer, zu erraten, in welcher Subkultur ich als junger Mensch involviert war, und einige Student:innen werden mich googeln und die Nardcore-Szene kennen und von Stäläg 13 gehört haben und ziemlich begeistert sein, dass ich der Sänger bin. Während meines Studiums wussten ein paar meiner jüngeren Freunde, die auf Punk standen, von Stäläg 13 und waren ziemlich begeistert, mit mir abzuhängen. Einmal war ich im Fitness-Studio an der Universität von Melbourne und ich hatte diesen Typen ein paar Mal im Fitnessstudio gesehen und er hatte verschiedene Hardcore- und Straight Edge-Tattoos und ich beschloss, ihn anzusprechen und sagte, dass ich früher in einer Hardcore-Band gesungen habe.

Es stellte sich heraus, dass er aus Deutschland kam und in Melbourne seinen Doktor in Chemie machte, und als er fragte, in welcher Band ich sang und ich Stäläg 13 sagte, flippte er aus und schüttelte mir etwa zwanzig Minuten lang die Hand und stellte mir alle möglichen Fragen, und er sagte zu mir: „Für einen normalen Menschen ist das, als würde man Mick Jagger treffen“, worüber ich ziemlich glücklich war, da er mich mit einem legendären Sänger gleichsetzte, und es war schön, diese Anerkennung als Vorreiter des West-Coast-Straight-Edge-Hardcore zu erhalten.

Akademiker zu sein, schien mir die punkigste Karriere zu sein, die ich wählen konnte, da sie immer noch einigermaßen autonom ist, deine Forschung DIY ist und du immer noch Autoritäten in Frage stellen und der Macht die Wahrheit sagen kannst, indem du deine Forschungsergebnisse in Zeitschriftenartikeln, anderen Publikationen, Vorträgen und Konferenzpräsentationen veröffentlichst, anstatt durch deine Texte.

Ich danke dir für dieses Gespräch. Möchtest du noch etwas hinzufügen?
Vielen Dank für die Gelegenheit, im Trust interviewt zu werden, es ist eine echte Ehre. Ich möchte mich auch bei allen deutschen Punk- und Hardcore-Leuten bedanken, die uns über die Jahre hinweg unterstützt haben und weiterhin an uns glauben und zu unseren Shows kommen. Es ist immer ein Vergnügen, in Deutschland zu spielen, da das Publikum sehr überschwänglich und dankbar für unsere Shows ist.

Wie unser Gitarrist Blake zu sagen pflegt: „Wir sind Fans der Fans“ und wir spielen weiter, weil die Leute immer noch gerne zu uns abrocken und unsere Botschaft der Positivität hören, und das ist es, was unsere neuen Songs auf „Holding On, Vol. 1“ verkörpern – eine Botschaft der Resilienz, denn das Leben ist im Allgemeinen eine Reihe von Rückschlägen, Negativität und Hindernissen, die man mit Stärke, Leidenschaft und einer positiven mentalen Einstellung überwinden muss. Wir hoffen, dass wir weiterhin live spielen und diesen Sinn für persönliche Ziele haben können. Wir hoffen, euch in naher Zukunft bei einem Konzert zu sehen.

Interview und Fotos: Christian Unsinn

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