Dezember 31st, 2025

Scream (#224, 2924)

Posted in interview by Jan

Scream aus Washington D.C. schrieben Punkgeschichte. 1983 erschien ihr HC-Debütalbum „Still Screaming“ auf Dischord Records das mit „Came Without Warning“ sofort losbricht und die spielerische Genialität der Band bereits erkennen lässt. Denn hier stimmt einfach alles, die Gitarren und Basslinien überschneiden sich, der Schlagzeuger Kent Stax, der am 20.09.2023 an Krebs verstorben ist, wirbelt wild und furios auf seinem Schlagzeug und Pete Stahl singt melodisch und messerscharf. Beeinflusst von den Bad Brains gibt es mit „American Justice“, „Hygiene“ und „Amerarockers“ auch drei Reggaelastige Songs zu hören. Ihr nächstes und meines Erachtens bestes Album „This Side Up“ besitzt zwar nicht mehr ganz die aufgebrachte Wut seines Vorgängers, ist dafür aber noch viel melodischer.
Songs wie „Bet You Never Thought“, „This Side Up“, „Show and tell me baby“ oder „I look when you walk“ duften für mich nach einem ewig, langen Sommer voller Selbstbestimmung und Freiheit. Ihr drittes Album „Banging the Drum“ fiel etwas ruhiger und verspielter aus und setzt mehr auf die ausgereiften musikalischen Fähigkeiten der einzelnen Musiker. Wegen der ruhigeren Gangart kam „Banging the Drum“ damals in den Reviews nicht so gut weg. Ich liebe das Album trotzdem, insbesondere den Übersong „Choke Word“ von dem es ein sehr mitreißendes Video von Tribal Area gab wo Dave Grohl wie ein Berserker ins Schlagzeug schlug. Auf ihrem nächsten Album „No More Censorship“ war dann auch Dave Grohl ihr Schlagzeuger, in seinen Biographien berichtete er auch ausführlich und authentisch über seine Zeit bei Scream.

Ich mag das Album, auch wenn es für viele zu metallisch ausgefallen ist. Mit ihrem vorerst letzten Werk „Fumble“ wurde ich jedoch auch nicht mehr warm und die Platte schaffte es vielleicht gerade fünfmal auf meinen Plattenteller. 2011 erschien die vielversprechende und wirklich gute 10“ „Complete Control Sessions“, wo Scream nochmals in gebündelter und komprimierter Energie alles gaben was sie seit jeher auszeichnete.

Danach war leider lange Zeit Sendepause bis im November 2023 das Album „DC Special“ veröffentlicht wurde, das mit 18 Songs in einer Stunde Spielzeit eine breitgefächerte Songauswahl besitzt. 12 Songs befinden sich auf Vinyl und 6 weitere Stücke im Download oder der CD-Version. „DC Special“ gefällt mir nicht ganz so gut wie „Complete Control Sessions“, aber dennoch vereinnahmen mich Scream wieder erneut, den Scream klingen immer noch nach sich selbst, besitzen immer noch diese großartigen Melodien, die ergreifende Gesangsstimme von Pete Stahl und seine guten persönlichen oder politischen Songtexte.

Auf „DC Special“ sind zahlreiche Gastmusiker, hauptsächlich aus Washington DC zu hören, wie z.B. Mark Cisneros, Joe Lally, Dave Grohl, Amy Pickering, Ian MacKaye, Amanda MacKaye oder Brian Baker – um nur ein paar wenige zu nennen. Diese breite Ansammlung verschiedener Gastmusiker macht „D.C. Special“ auch zu ihrem bis dato abwechslungsreichsten Album. Neben Punk und Hardcore kommen auch Reggae, Metal oder traditionellere Spielarten zum Vorschein. In dem Interview befragte ich Pete Stahl nicht nur nach ihrem neuen Album, sondern es ging auch um die bewegte Zeit in den 80ern als sie durch Europa tourten, über die kurzweilige Band Wool wo Pete ebenfalls mitwirkte. Es gab einiges zum Fragen, aber lest am besten selbst…

Lasst uns doch erstmal auf eure Ursprünge eingehen. Wie kam es einst zur Bandgründung von SCREAM? Was war für euch der Antrieb, die Motivation?
Scream sind zu High School Zeiten entstanden als Skeeter Enoch Thompson, Franz und Kent Stax auch noch in anderen Bands aktiv waren. Eines Tages luden sie mich bei einer Bandprobe als Sänger ein und der Stein kam ins Rollen. Wir alle waren kleine Kiffer-Kids und sind schon immer sehr musikbegeistert gewesen, also haben wir uns zusammengetan und eine Band gegründet. Wir wollten in unserer Nachbarschaft etwas bewegen. Alle spielten die gleiche Art von Musik und wir wollten etwas anderes machen.

Nach dem Buch „Punk DC“ zu Folge wurdet ihr bei euren frühen Gigs von der HC-Szene in Washington D.C. nicht positiv angenommen, weil ihr in den Vororten von D.C. gewohnt habt. Was vermutlich auf einen überschwänglichen, jugendlichen Leichtsinn zurückzuführen ist. Wie arrogant oder elitär war die frühe Szene vor Ort und wie lange hat es gebraucht bis euch jene Szene anerkannt und akzeptiert hat?
Haha. Ich denke wirklich nicht dass die Szene arrogant oder elitär war. Es waren einfach Kids die Spaß hatten und wenn Leute von außerhalb der eigenen Nachbarschaft in eine Szene kommen, gibt es immer Revierkämpfe. Später wurde mir klar dass es in den Vierteln aus denen wir kamen, einige kulturelle Unterschiede zu Washington D.C. gab. Die waren uns einen Schritt voraus, aber das war definitiv die Szene der wir uns zugehörig fühlten und wir wollten in dieser Szene als Compadres akzeptiert werden. Aber ich denke wir wurden akzeptiert als sie uns und unsere Musik kennenlernten.

Nach den Bad Brains seid ihr die zweite Band aus Washington D.C. gewesen die durch Europa tourten. Wie kam es zu der Tournee und wie hattet ihr die Szene in Europa in Erinnerung behalten? Gab es für euch Unterschiede zwischen der Szene in den USA und Europa?
Sicherlich gab es Unterschiede aber ich muss sagen dass ich mir nicht sicher bin ob die Bad Brains in Europa tourten. Ich meine mich zu erinnern dass sie im Vereinigten Königreich spielen wollten und ihnen ihre gesamte Ausrüstung gestohlen wurde. Also glaube ich dass wir vor ihnen in Europa spielten. Aber vielleicht irre ich mich auch. (Anmk: Die Bad Brains waren 1983 das erste Mal auf Europa-Tour, oder zumindest spielten sie auch ein paar Auftritte in Deutschland.) Ich weiß dass wir 1986 zum ersten Mal nach Europa kamen. Es war ein ziemlich großer Unterschied ob man in den USA oder in Europa spielte. Die USA und England waren sich insofern ähnlich, als dass es nicht viel Unterstützung von der lokalen Regierung für Veranstaltungsorte und Jugendkultur gab. Und es gab auch nicht so viel soziale Unterstützung vor Ort, also spielte man vorwiegend in Kneipen und war auf sich alleine gestellt wenn es um grundlegende Dinge wie Essen oder die Gage ging.

Ich erinnere mich an einige der ersten Shows die wir in England spielten, wir waren in einem Van unterwegs und verdienten etwa 20 Dollar und vier Packungen Chips pro Tag. Aber im restlichen Europa gab es ein Netzwerk von besetzten Häusern und selbstverwalteten Veranstaltungsorten, die von der Stadt unterstützt wurden und die wirklich alle Arten von Musik förderten, einschließlich Punk und Hardcore und auch dafür einen Raum für Konzerte boten. Das war mit Sicherheit anders als in den Vereinigten Staaten. Und mit diesen alternativen Veranstaltungsorten die Musik, Kunst, Schauspiel und Theater förderten, gab es auch eine Menge Aktivismus der von diesen Orten ausging. Es öffnete wirklich unsere Augen und wir waren stolz darauf ein Teil davon zu sein. Es hat uns auch dazu gebracht etwas zu lernen und unser Denken zu erweitern.

Dennoch waren Scream und auch allgemein die Szene in Washington D.C. durch Dischord Records und deren Bands politisch sehr geprägt, mit Benefiz oder Protestveranstaltungen, den Revolution Summer… Für uns Europäer habt ihr jene oftmals dekonstruktive Deutsch oder UK-Punk – No Future-Haltung zu einer positiven Attitüde umgewandelt, wofür wir euch sehr dankbar waren um unseren eigenen geistigen Horizont zu beflügeln und zu erweitern. Auch wenn die Frage vielleicht als etwas schwierig erscheint – wie würdet ihr eure Lebenseinstellung umschreiben?
Zunächst einmal möchte ich mich bedanken was du über unsere Szene behauptest. Wenn man in Washington DC aufwächst, ist man von Denkmälern und Institutionen der Regierung umgeben. Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet für die Regierung, also war es Teil unserer DNA sich dessen bewusst zu sein. Ich hatte auch das Gefühl das meine Eltern bis zu einem gewissen Grad in die Politik involviert waren. Ich erinnere mich daran das sie sich in der Demokratischen Partei engagierten und es herrschte eine Menge positiver Optimismus, so dass man auch mit Hilfe der Regierung etwas verändern kann. Ich denke dass dies in Kombination mit der Inspiration durch eine Band wie die Bad Brains die über PMA sprachen, sehr einflussreich auf uns war. Meine Mutter zog alleine drei Kinder auf und obwohl wir vielleicht arm oder aus der Mittelschicht stammten, hatten wir doch das Vertrauen das wir alles erreichen können. In unserer Band herrschte eine gute kollektive, positive Stimmung, als ob alles möglich wäre. Ich habe das Gefühl das uns diese positive Energie im Umgang mit allen Höhen und Tiefen des Lebens gut getan hat. Der Versuch positiv zu bleiben wird jedoch im Alter nicht unbedingt einfacher.

Und wie denkt ihr hat sich die Szene in Washington DC von anderen Szenemetropolen in den Vereinigten Staaten unterschieden?
Ich denke DC ist daher einzigartig weil es ein Musikzentrum ist das sich über die gesamten Vereinigten Staaten ausbreitet. Das geht sogar bis in die Kolonialzeit zurück als die ersten Siedler die Volksmusik und die Fiddle-Musik mitbrachten, aus der die frühe Country-Musik entstanden ist. DC hatte also schon immer einen bodenständigen Hintergrund von den späten 1600ern bis in die 1900er Jahre, aber die Stadt wurde auch dadurch geprägt das DC die größte freie schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten hatte. Wir hatten also ein riesiges Einzugsgebiet und waren gleichzeitig die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, somit besaß Washington D.C. seine ganz eigene Atmosphäre und Kultur, als Mitte der 1950er Jahre in DC der Rock’n’Roll entstand und dann New Wave, Punk und Go-Go folgte. Go-Go ist wohl eine Eigenkreation von DC, denn wenn man sich ein paar hundert Meilen von DC entfernt in irgendeine Richtung begibt wird man wohl keine Leute finden die Go-Go Musik machen. Also wenn man DC im Kontext der Musikgeschichte betrachtet dann würde ich behaupten dass wir diese Trends gewissermaßen ablösten und die Urheber davon sind.

Wie würdet ihr im Nachhinein die Zeit von Scream während den Achtzigerjahren umschreiben?
Wir haben immer die Grenzen für unsere Szene und uns selbst verschoben. Wir lieben es Songstücke zu entwerfen und wir wollten uns musikalisch nie anpassen. Unser neues Album ist eine Fortsetzung dieser Denkweise. In den 80er Jahren haben wir einige Veränderungen durchgemacht als Harley und Dave in die Band kamen und sie darauf wieder verließen. Dadurch entstanden neue Energien und Impulse die in unserer Musik eingeflossen sind und wir wurden dadurch immer besser. Aber im Nachhinein betrachtet hätten wir uns bei dem Versuch eine Musikkarriere zu starten, vielleicht nur an eine Formel halten sollen. Denn das scheint erfolgreicher zu sein. Aber wir sind nun mal wer und was wir sind.

Die Tage kam die bittere und traurige Nachricht das euer erster Drummer Kent Stax an Krebs verstorben ist, dennoch spielt er noch auf eurem neuen Album „DC Special“. Wie stand es um seinen Gesundheitszustand während den Aufnahmen und habt ihr für Kent einen Ersatz gefunden um auf Tour gehen zu können?
Ja es waren ein paar wirklich schwermütige Wochen seit er gestorben ist und es fällt einen nach wie vor schwer zu glauben, dass er nicht mehr unter uns ist. Ich dachte und wir haben alle irgendwie gehofft dass er wieder auf die Beine kommt und eines Tages wieder mit uns spielen würde. Aber es hat leider nicht geklappt. Bei Kent wurde die Diagnose erst ein paar Monate nach den Aufnahmen des Albums festgestellt. Es gibt viele Gäste und Mitwirkende auf der Platte, aber der Kern sind ich, Franz, Enoch und Kent. Kent ist unersetzlich. Wir haben das alles schon einmal durchgemacht als Dave zur Band kam und er brachte einen anderen Stil, eine andere Stimmung und Energie in unsere Band. Das war einfach anders als zuvor. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir nicht wirklich nach einem Ersatz gesucht, sondern waren einfach im „Sub“-Modus. Wir haben gerade eine Europatournee mit Derrick Decker in Polen und Tschechien gemacht; Derrick ist von der Band Branch Manager. Und vor kurzem haben wir in Europa mit Scott Garrett gespielt und seit wir von unserer Europatournee im Sommer zurück sind spielen wir mit Jerry Busher, mit ihm spielen wir auch auf den kommenden Touren mit Soul Side.

Weil Kent Stax in den späten 80er Vater wurde stieg er aus der Band aus und wurde von Dave Grohl ersetzt. Was für ein Typ Mensch war und ist Dave Grohl? Ich habe seine Biographien gelesen und fand es positiv und respektvoll von ihm, dass er auch so ausführlich über die Zeit von Scream berichtet hatte.
Dave war schon immer eine große Energiequelle. Es macht eine Menge Spaß mit ihm auf Tour zu gehen, er ist wirklich locker und super talentiert und kreativ. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist diese Art von Ruhm zu erlangen mit der er täglich zu tun hat, aber er scheint es zu schaffen mit dieser Herausforderung umzugehen, um sich selbst und seiner Herkunft treu zu bleiben und trotzdem eine große Berühmtheit zu sein. Ich glaube das er aus der DC-Punkszene kommt und bei Scream Schlagzeug spielte, hat ihm dabei geholfen zu erkennen, wie viel Glück er auf seinem Lebensweg hatte. Und ich glaube dass er dabei gerne etwas zurückgibt und andere dabei miteinbezieht.

In den 90ern wurde Punk ziemlich populär mit Green Day, Offspring… und auch Nirvana oder Foo Fighters waren hoch im Rennen, füllten die Konzertorte und verkauften Millionen von Platten. Wie habt ihr diese Zeit wahrgenommen? Gab es da einen gewissen Neid? Denn schließlich wäre dies nachvollziehbar, weil ihr kein Deut schlechter gewesen seid.
Der Erfolg dieser Bands hat auch unsere Musik und unsere Szene im Allgemeinen beleuchtet und für Erfolg und Achtung gesorgt. Natürlich will man erfolgreich sein und wir wollten vermutlich auch die Früchte dieses Erfolgs ernten um davon leben zu können, was uns aber immer schwer gefallen ist. Ich glaube es ist ganz natürlich das man manchmal frustriert ist, weil man keinen größeren Erfolg hatte.

Franz und Pete Stahl haben 1990 WOOL gegründet, die ich auch sehr geschätzt und geliebt habe. Was gibt es wissenswertes über die Band zu erzählen. In welcher Weise unterschieden sich SCREAM von WOOL?
Ich hatte immer das Gefühl das Wool eine Erweiterung dessen ist was wir mit Scream musikalisch umsetzten. Wir sind Musiker und Songschreiber und Wool war nur eine weitere Etappe auf unserer Reise als Musiker. Es ist einfach ein anderes Outfit und wir haben uns ein paar neue, schickere Hosen angezogen. Vielleicht waren die Songs textlich introspektiver, betrachtet aus einer reiferen Perspektive die durch die Höhen und Tiefen einer tourenden Band wie Scream gegangen ist um wiederrum daraus zu lernen und seine Entschlüsse zu ziehen. Wool ist eine völlig andere Gruppe als Scream, geleitet von Musikern die ihren ganz eigenen Charakter einbrachten.

WOOL existierten von 1990 – 1996 und veröffentlichten einige großartige Releases. Danach stieg Franz kurzzeitig bei den FOO FIGHTERS ein und Pete spielte bei Goatsnake, Earthlings und war auch auf diversen Desert Sessions von Josh Hommes (Queens Of The Stone Age) beteiligt. Wie war es für euch zu jener Zeit ein größeres und auch anderes Publikum anzusprechen? Und habt ihr danach noch in anderen Bands gespielt oder gesungen?
Ich hasse es wie eine kaputte, alte Schallplatte zu klingen, aber ich bin ein Sänger und ein Singer-Songwriter, also ist es einfach ein Teil von dem was ich tue und es fühlt sich nicht wirklich anders an. Was das größere Publikum angeht, so haben diese Bands wohl größere Shows gespielt um andere Künstler zu unterstützen, aber ich bin mir selber treu geblieben und drücke meine Gedanken durch Musik und Texte aus. Das ist einfach das was ich tue und es fühlt sich auch nicht grundliegend anders an. Ich mag die Herausforderung vor Leuten aufzutreten die vielleicht außerhalb meiner Komfortzone stehen und ich habe auch kein Problem damit vor einem anderen Publikum aufzutreten das mich nicht kennt, denn das schafft wiederrum neue Möglichkeiten. Und selbst wenn ich mich auf der Bühne unwohl fühle mag ich diese Energie weil sie mich zu anderen Dingen antreibt die mir zuvor fremd gewesen sind.

2011 habt ihr mit „Complete Control Sessions“ eine sehr gute 10“ veröffentlicht. Wie kam es damals zu dem kurzen Lebenszeichen und wieso habt ihr zu jener Zeit nicht noch weitere Platten veröffentlicht? Was geschah in der Zwischenzeit von „Complete Control Sessions“ und „DC Special“? Wie sieht euer Alltag aus, was macht ihr beruflich?
Nun je älter man wird desto schwieriger wird es eine Band am Laufen zu halten. Wir lebten in verschiedenen Teilen des Landes so das es nicht wirklich einfach war in den Jahren zwischen „Complete Control Sessions“ und „DC Special“ zusammenzukommen. Bis zu diesem Punkt mussten wir die Bandproben, um Auftritte oder Familienfeiern herum planen. „Complete Comtrol Sessions“ haben wir in einem Zug mit einer Reihe von Shows in Kalifornien gespielt. Wir eröffneten für ein paar Shows von Off! und spielten eine kurze Tournee an der Westküste. Das war eine gute Gelegenheit die wir genutzt haben um mit den neuen Stücken dir wir gerade gespielt haben ins Studio zu gehen. Was meinen typischen Alltag angeht – ich bin ein Geschöpf der Routine, also beginne ich den Morgen mit einem Kaffee und Gesangsübungen, Yoga und Sport und dann starte ich irgendwie in meinen Tag. Ich arbeite für andere Bands im Tourmanagement und in der Tourberatung. Ich gehe gerne wandern, arbeite an neuen Songs, lese, spiele Basketball und auch während meines Arbeitstages höre ich gerne Sport im Radio.

Kommen wir zu eurem neuen Album „DC Special“, das mich sofort wieder voll eingenommen hatte. Was war der Grund Scream zu reformieren?
Wir haben uns nicht reformiert. Wir sind wie eine Familie und wenn wir zusammenkommen, dann machen wir Musik und kreieren an neuen Songs. Und dass wir dieses Interview zwei Wochen nach dem Tod unseres Schlagzeugers geben, unterstreicht natürlich wie wichtig es für uns ist weiterhin zusammen zu sein. Wir machen das seit wir Kinder waren, es ist wichtig für uns.

„DC Special“ beginnt erst mit schnelleren Stücken, ab der Mitte werden die Songs auch etwas ruhiger und nachdenklicher. Mir gefällt diese Entwicklung sehr gut, denn ihr versucht nicht krampfhaft nach euren alten Tagen zu klingen und doch ist das eindeutig als Scream erkennbar. In welchen Zeitraum entstand das Album und wie würdet ihr es selbst umschreiben?
Wir bestehen alle aus sehr unterschiedlichen Individuen und ich denke das macht unsere Band einzigartig und zu dem was sie ist. Es freut mich und ich danke dir das du behauptest das sich „DC Special“ immer noch nach uns anhört, auch wenn die Songs vielleicht stilistisch etwas anders sind. Die Songs wurden in den letzten Jahren zu verschiedenen Zeiten geschrieben. Einen Großteil der Texte entstanden während der Pandemie. Da ich nicht arbeiten konnte hatte ich genügend Zeit um mich in meiner täglichen Routine mehr auf die Musik zu konzentrieren. Es war eine sehr kreative Zeit und ich glaube das war bei allen so. Vielleicht ist das auch ein Grund warum „DC Special“ solch ein Feuerwerk an gemeinschaftlicher Energie ist, mit jeder Menge verschiedener Einflüsse. Wir haben bei den Aufnahmen immer noch die Covid-Protokolle beobachtet und uns danach gerichtet. Wir kamen also nicht nur alle zum ersten Mal seit einer längeren Zeit wieder zusammen, sondern es war auch eine Zeit in der wir uns daran erinnerten wer wir sind und woher wir kamen.

Auf „DC Special“ wirken auch einige Gastmusiker mit wie Dave Grohl, Ian MacKaye. Wer ist noch alles beteiligt? Und in welcher Form trugen sie zum Gesamtsound bei „Special DC“ bei?
Auf unserem Albumcover sind alle Leute aufgelistet die an der Platte mitgewirkt haben. Es gibt einige wirklich großartige Momente auf der Platte die durch improvisierte Beiträge der einzelnen Leute entstanden sind. Zum Beispiel „The Flam“ mit Joe Lally am Bass und Mark Cisneros am Schlagzeug. Dies ist ein Song den Franz und ich skizziert hatten, aber dann haben wir ihn in Zusammenarbeit mit den beiden überarbeitet und im Studio neu eingespielt. Er wurde fast zu einem anderen Song. Das ist ein gutes Beispiel dafür wie sich die Beiträge auf den Gesamtsound auswirken.

Positiv aus dem üblichen Rahmen fällt vor allem der Song „Faces“ der schon eher im Rhythm´n´Blues beheimatet ist, von wem stammt der Gesang bei dem Song? Oder auch das wunderschöne, von Klavier umworbene „Black and White“ hat seinen Reiz. Was für Musikrichtungen hört ihr heutzutage?
Das ist eine gute Frage und ich danke dir dafür, denn „Faces“ ist ein Song der die Essenz dieses Projekts darstellt – sozusagen ein Stück Musikgeschichte durch die Geschichte der Band. Bob Berberich war der Schlagzeuger in der Band unseres Vaters, The Hangmen die Mitte der 60er Jahre existierten und einen großen Einfluss auf meinen Bruder und mich ausübten. Seine Ehefrau Martha Hull übernahm den Gesang bei dem Song. Sie sang in mehreren DC-Bands die ich mir ansah, bevor ich Scream gründete. Das hat mitunter meine Interesse an Punk und New Wave geprägt.

Der Song stammt eigentlich von The Hangmen. Wer sich das Original anhören will muss im Internet oder im Plattenladen danach suchen. Clint Walsh und Vanessa Freebairn-Smith, die verheiratet sind, fügen dieser Komposition die Franz geschrieben hat, einige schöne Akzente hinzu. Meiner Meinung nach hat „Black and White“ einige der besten Texte auf dem Album. Das Lied handelt von seiner Frau Sal Owen, die Fotografin ist. Und wie immer höre ich hauptsächlich die Bands meiner Freunde. Kürzlich habe ich mir die Platte der Hammered Hulls und die Neuauflage von Soulside, Bluebird (einer Band aus Los Angeles) gekauft. Zudem habe ich mir auch die neuen Platten von Smokey Robinson, Dickie Chicken Record von Little Feat und die neueste Platte von Willie Nelson gekauft.

Welche Themen werden auf „DC Special“ behandelt? Bestehen die Lyrics eher aus politischen oder persönlichen Eindrücken?
Es ist ein bisschen von beidem, aber was unsere Beobachtungen und Gefühle angeht würde ich sagen es tendiert mehr zum politischen. Mit dem gleichnamigen Song „DC Special“ beginnt die Platte mit einem guten, positiven Gefühl und handelt von dem Aufwachsen in der Gegend von Washington DC und den Gefühlen der Jugend und den schönen Erinnerungen an die Adoleszenz. „Hell Nah“ handelt davon in einer Band mit Brüdern und Freunden zu sein, die beobachtend in einer Ecke stehen und darüber reden was um uns herum in der Welt passiert, wie Covid, den rassistischen Mord an George Floyd oder die Folgen der Trump-Regierung. Und bei „The Flam“ geht es um das Leben in der Welt der sozialen Medien.

Steht in Zukunft eine Scream Tour an? Und können wir noch mit weiteren Scream-Songs rechnen, oder ist das nur eine kurzweilige Scream-Reformation wie 2011?
Wer weiß? Wir haben erst vor ein paar Monaten die letzten beiden Songs im Inner Ear aufgenommen. Das sind die Mp3-Bonustracks, die sich auf „DC Special“ befinden. Um die Veröffentlichung des Albums herum haben wir eine Tournee geplant. Wir touren mit Soulside eine kleine DC Special Tour an der West- und Ostküste. Und natürlich hoffen wir dass wir nächstes Jahr mit ihnen oder auch alleine nach Europa kommen können. Das ist unser Ziel.

Noch ein abschließendes Wort oder Lebensmotto:
Ich nehme die drei Worte aus unserem Song „Represent“: think, try, believe.

(bela)

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