Dezember 31st, 2025

REARVIEW RHONDA (#229, 20242025)

Posted in interview by Jan

REARVIEW RHONDA entdeckte ich ganz klassisch über das MaximumRocknroll-Zine bzw. über deren noch bestehende Webseite, wo ich in den Tonträgerbesprechungen nach wie vor auf einige Bands aufmerksam werde, die mir das dato kein Begriff waren. Und die aus Bloomington, Indiana stammenden Rearview Rhonda sind wiederrum auch ein klassisches Beispiel dafür, dass die beachtlich und überraschend guten Bands nicht automatisch aus den Metropolen stammen müssen und das die Punk oder Garagerockbewegung auch in der Provinz lebendig, intensiv und aktiv ist. Ihre Songschreiberin und Sängerin Stefanie hat eine coole, kraftvolle Stimme, die einen sofort an Kathlen Hanna von Bikini Beach erinnern lässt. Seitdem lief ihr zuletzt erschienenes Album „Glutton for Bad Energy“ schon etliche Male. Letztendlich war ich von Rearview Rhonda so überzeugt, dass es zu einem Interview kam. Die einzelnen Bandmitglieder beantworteten innerhalb ein paar weniger Tage meine Fragen.

Wie kam es 2019 zu eurer Bandgründung und für was steht der Name REARVIEW RHONDA?
Stefanie: 2019 schrieb ich die ersten Songs von Rearview Rhonda. Der erste Song, den ich geschrieben habe war „Zombie Eyes“. Ich entwickelte die Basslinie, dann den Text und die Gesangsmelodie. Am Anfang habe ich mit ein paar Freunden Musik gemacht, wo ich in Jamsessions meine ersten Gitarrenarrangements ausarbeitete. Die meisten Songs der ersten EP wurden im Zeitraum 2019-2020 geschrieben. Erst im Herbst 2021 lernte ich Ty kennen, der anfing Schlagzeug zu spielen und Tommy mitbrachte, der auf den ersten beiden EPs Gitarre spielte. Der Name der Band geht nicht auf mein Konto. Eine Freundin, mit der ich zusammen Musik gemacht habe, hat mir geholfen einige der ersten Songs zu schreiben, und sie hat den Namen erfunden. Sie hat mir aber nie verraten, wie sie auf Rearview Rhonda gekommen ist.

Ihr stammt aus Bloomington, Indiana, als außenstehender Europäer hört sich das für mich eher nach Hinterland und Provinz an. Vielleicht irre ich mich und es ist auch völlig egal, den ich supporte sehr gerne kleinere, provinzielle Bands die meines Erachtens zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Denn der Horizont liegt oftmals zu sehr auf den Metropolen und den üblichen, gängigen Plattenlabels. Ich habe euch ganz klassisch über ein Review im MaximumRocknroll-Fanzine entdeckt. Was ist in Bloomington angesagt? Wie groß ist die Band und Clubszene vor Ort? Und ist es schwer außerhalb von Bloomington als Band Fuß zu fassen?
Stefanie:Bloomington ist eine coole Stadt. Sie ist meiner Meinung nach das versteckte Juwel des Bundesstaates Indiana. Die lokale Band- und Musikszene war in Bloomington schon immer großartig. An jedem beliebigen Abend kann man in einen Club, einen Park oder ein All-Age-Lokal gehen und sich eine Show ansehen. In der Regel gibt es für jeden Musikgeschmack etwas zu hören. Neben lokalen Bands treten in Bloomington auch einige nationale Bands auf. Die Stadt ist Sitz der Indiana University und trägt dazu bei das mehr Kunst und Unterhaltung in die Gegend kommt. Außerhalb von Bloomington Fuß zu fassen, war jedoch schwierig. Wir haben ein paar Auftritte in der Gegend von Indianapolis, Indiana, absolviert, sind aber noch nicht über die Grenzen unserer Heimatstadt hinausgekommen. Es kommt darauf an, wen man kennt und wie man sich mit anderen Bands vernetzt. Wir hoffen, dass wir bei diesem Abenteuer in Zukunft mehr Erfolg haben werden um auch außerhalb von Indiana spielen zu können.

Wie groß ist allgemein derzeit die Punk und Garagerockszene im Mittleren Westen der USA?
Ty: Es ist schwierig, über den Mittleren Westen als Ganzes zu sprechen. Dennoch gibt es in Bloomington und Indianapolis, Indiana eine Menge Bands, auf die man gespannt sein kann, wie Negative Glow, Hyper Tensions, Cairo Jag, WIND, jfbrontosaurus, Swan Wash, Pat and the Pissers, Angel-Maker, Fantastic Shams, The Cowboys, Heavy Mother und Odd Duck.

Trump hat bei den letzten Wahlen besonders im Mittleren Westen seine Wahlstimmen erhalten. Inwieweit ist dieser rechtsgewandte Konservatismus in eurer Gegend verbreitet und welche Auswirkungen sind damit zu spüren?
Zac: Die Politik ist geografisch relativ berechenbar. Sie ist aber derzeit kein musikalischer Schwerpunkt für uns.

Als ich euch auf Facebook postete meinte ein Freund ob bei Rearview Rhonda Kathlen Hanna von Bikini Kill singt. Ich fand die Frage sehr gut, denn eure Sängerin Stefanie klingt doch sehr nach Kathlen Hanna in all ihrer Aufgebrachtheit und Energie. Ich würde euch stimmlich gar als gleichwertige Sängerinnen bezeichnen. Wie groß war der Einfluss von Kathlen Hanna auf Stefanie?
Stefanie: Ich liebe Kathleen Hanna und halte sie für eine Ikone. Ich bin ein Fan von Bikini Kill, Julie Ruin und Le Tigre. Die Riot-Girl-Bewegung im Allgemeinen ist eine große Inspiration für mich als Musikerin, also kann ich mir vorstellen dass da sicher ein gewisser Einfluss vorhanden ist. Ich bin mit Babes in Toyland, L7 und Bikini Kill aufgewachsen und habe später Bands wie Heavens to Betsy und Bratmobile kennen gelernt. Danke auch für das Kompliment zu meinem Gesang. Wie die meisten Leute ist es mir unangenehm, meine eigene Stimme zu hören, aber es ist schön zu hören wenn andere Leute sie in Ordnung finden.

In dem Song „After the Party“ geht es um jemandem der unerwartet verstorben ist. Was ist die Geschichte hinter dem Song?
Stefanie: „After the Party“ wurde für einen Freund von mir geschrieben, der unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben ist. Wir hatten noch am Tag vor seinem Tod auf einer Party zusammen abgehangen. Die letzte Strophe ruft immer noch tiefe Emotionen in mir hervor, wenn ich sie live singe. Als ich mich entschloss einen Song über ihn zu schreiben, hatte ich diese Punk-Basslinie in der Tasche, die ich innerhalb der Band schon längere Zeit umsetzen wollte. Ich dachte mir es wäre für den Song passend wenn er langsam und rührselig wäre. Also habe ich diese Basslinie verwendet und mit Tys und Tommys Hilfe „After the Party“ geschaffen.

Auf eurer Facebookseite heißt es: „Das Thema des Albums „Glutton for Bad Energy“ sind die Kämpfe des täglichen Lebens und die Beziehungen auf dem Weg dorthin. Schrei es raus an einem schlechten Tag, sing es an einem guten“. Was sind das allgemein für Kämpfe die ihr bei der Entstehung der Platte durchgemacht oder erlebt habt?
Zac: Ich bin mir nicht sicher ob wir mit dem Album Probleme hatten, sondern eher damit das es für uns neu war miteinander zu arbeiten und zu spielen. Stefanie und Ty spielten schon eine Weile zusammen, Greg und ich kamen im August 2022 dazu. Zwischen August und Januar haben wir die Songs geschrieben, geprobt, Auftritte gespielt und das Album aufgenommen. Das verlief alles sehr rasant und war aufregend. Diesen Prozess so schnell mit neuen Kollegen und Freunden zu durchlaufen, war und ist immer noch sehr cool. Jetzt mit Travis an Bord, können wir diese Energie beibehalten.

Mein Lieblingssong ist „Catapult“, der sich ein klein wenig von eurer LP abhebt, indem er ruhiger zu Werke geht, aber dennoch vor Intensität nur so brodelt. Für mich ist das die perfekte Blues-Punkrock-Riot Grrrl-Nummer. Von was handelt der Song?
Stefanie: Dieses Lied war vorerst nur ein Gedicht das ich geschrieben habe. Die visuellen Eindrücke um mich herum haben mich dabei sehr inspiriert. Ich dachte über die Eile des menschlichen Daseins nach und wie wir dort sein wollen, aber nicht im hier und jetzt, sondern immer auf der Suche nach etwas anderem und neuem, währenddessen wir selten zu schätzen wissen, was vor uns steht. Ich muss allerdings zugeben dass ich das Gefühl habe das dieses Lied für jeden eine andere Bedeutung haben kann und frei interpretierbar ist. Das gilt auch für mich als ich es geschrieben habe und für meine jetzigen Gefühle. Der Song gleicht eher einem Gedankensturm.

Wie sehen eure zukünftigen Pläne aus, arbeitet ihr an neuen Songs, steht eine Tour an?
Stefanie: Wir arbeiten derzeit an einigen neuen Songs und werden sie demnächst aufnehmen.
Travis: Es hat super viel Spaß gemacht an den neuen Stücken zu arbeiten. Ich bin relativ neu in der Band und Stefanie, Ty und Zac waren alle so wunderbar und freundlich. Wir sind wirklich beeindruckt, wie das neue Material zusammenkommt.

(bela)

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