Dezember 31st, 2025

Köln Report Teil II (#231, 2025)

Posted in artikel by Jan

Köln Teil II von VI: „Knüppel in dä Täsch, Schabau in dä Fläsch“
Punk-Kunst-Spaziergang durch Köln bzw. was „Wilde Malerei“ in den 80er Jahren mit Punk in Köln zu tun hat

Ruhender Verkehr, Chelsea, Mauwall, Spex, Texte zur Kunst, Mülheimer Freiheit

Gehen Sie nun ein gutes Stückchen mitten durch Köln „op de Ringe“. Das eingemauerte Auto (mit Auto-Radio noch an damals) – die Betonplastik „Ruhender Verkehr“ von Wolf Vostell aus den 60er – ist auf dem Hohenzollernring 22 in der Nähe der U-Bahnstation Rudolfplatz – gegenüber von dem Kino Filmpalast – zu bewundern. 1

Grund dafür: Ja hier Konsumkritik und so! So cool ich als Leverkusener Jung´ Vostell auch gerne finden würde: er lebte später in Spanien und sollte noch viel viel später einen Karnevalswagen im Kölner Karneval gestalten, der Briefwechsel dazu wurde in einem Buch geschildert und ich meine, dass er doch sehr selbstgefällig war, zumindest war das mein ganz persönlicher Eindruck. 
Nur wenige Gehminuten von Vostell´s Betonplastik weg liegt das Chelsea-Hotel in der Jülicher Straße 11 im Belgischen Viertel. Das Hotel ist benannt nach dem New Yorker Künstlerhotel der 60er (und nicht nach dem FC Chelsea Fussballclub, wie ein Taxifahrer neulich spekulierte, aber vielleicht ja doch!) und in diesem Hotel hing der Künstler Martin Kippenberger gerne in seiner Kölner Zeit in den 80er Jahren ab, nachdem er Ende der 70er in Berlin das S036 eröffnete.

Das Innendesign des Ladens war eine bewusste Kopie des Interieurs des Ratinger Hofs in Düsseldorf „430“. „430“ war und ist der Verkehrsverbund-Code für die Düsseldorfer Innenstadt, daher auch Östro´s 430).  Kippenbergers Stammkneipe in Berlin war die Paris-Bar in der Kantstr. 152, mal gelunzt vor Ort: Pulle Sekt 100 Eier, hmh.

Anfang der 80er mischte Kollege Kippi auch in der New Yorker (Post-) No Wave-Szene mit und er bezahlte seine Kölner Hotelmiete jedenfalls mit seinen Bildern. Es gibt dort auch die Martin Kippenberger-Suite, die architektonisch ganz interessant auf dem Dach vom Hotel Chelsea thront.

Von dem Chelsea kann man zum Mauwall in der Mauritiusstraße 10, einem kurzlebigen, gleichwohl legendären AJZ Ende der 80er bzw. Anfang der 90er, wandeln. 2

Von dort ist es ein Katzensprung zur Aachener Str. 40 – 44, wo die Spex ihren Sitz in den 80er und 90er Jahren hatte. Am Ende saßen sie in der Rolandstraße 59 in der Südstadt in der Nähe vom Chlodwigplatz, bevor sie dann nach Berlin gingen und am Ende noch als Online-Heft kurz lebten, bevor auch da die Lichter ausgingen.

Auch da in der Rolandstraße saß die tolle RIDDIM-Reggae-Zeitschrift (ich hatte mal ein Praktikumsvorstellungsgespräch bei der Spex dort). Riddim war dann auch im Piranha-Verlag genau wie die Berliner Spex, aber Riddim hat sich davon gelöst, sitzt nun in der Luxemburger Straße und erscheint immer noch (alle drei Monate).

Die Spex entstand 1980 aus der Künstlergruppe Mülheimer Freiheit. Die Maler der Mülheimer Freiheit hatten ihr Atelier in der Mülheimer Freiheit 70 am Rhein in Köln-Mülheim circa 25 Minuten mit der U-Bahn vom Rudolfplatz weg. Diese Anfang der 80er auch „Junge Wilde“, „Neue Wilde“ bzw. „Punk-Maler“ genannte Gruppe um u.a. Peter Bömmels gründeten 1980 die Spex. Wiki erwähnt folgende Vertreter dieser Kunstrichtung für Düsseldorf u.a. Moritz Reichelt, Albert Oehlen, Markus Oehlen und Martin Kippenberger und für Köln dann u.a. Peter Bömmels und Walter Dahn. 3

Um die Ecke in der Brabanter Str. 49 saß die Redaktion der „Texte zur Kunst“-Zeitschrift, die sich 1990 im Spex-Kunst-Umfeld gründete (und heute in Berlin sitzt).

Rhenania 4
Wir fahren wieder zurück inne City, aber es ist traurig, sich die heutige Location Rhenania am Rhein anzuschauen, weil: es war der beste AZ-Konzertladen in Köln in den 90er, heute ist es wieder ein normales Kunsthaus am Rhein. Reiner G. Ott machte in den 90er die tolle Kölner-Punkcoverband Copyshop, heute ist er der Manager von Thees Uhlmann und vom GHVC-Label, er machte in den 90ern die tolle „Butter bei de Fische“-Konzertgrupe im Rhenania, das Out of Step Zine in Bonn, die Spermbirds-Doku und viele tolle Plättchen, danke!

Zwischenspiel Rhenania und Q-Hof
Reiner hat 2003 sehr schön die Geschichte der Kneipe Q-Hof und vom Rhenania in den 90er Jahren hier geschildert: qhof.de/historie.html. Und weil das wahrscheinlich für euch am interessantesten ist, will ich daraus mal einiges zitieren. Reiner erzählte auch mal die lustige Geschichte, dass er Ian MacKaye bei Fugazi´s Gig im Rhenania interviewen wollte, Ian ihn fragte, wie sein Fanzine hieß und er etwas verdruckst sagte „Out of step“.

Man erzählt sich zudem, dass im Rahmen der Popkomm oder des Konzertes dort Dolf einen gewissen Moses wieder sah. Also anbei nun Auszüge aus dem Klappentext von Rainer G. Ott aus dem Q-Hof-Solisampler (die Zwischenüberschriften sind von mir 2023 eingefügt). Man kann von Tomte usw. halten was man will, aber dieser Text ist gold (und von mir gekürzt an einigen Stellen)!

Q-Hof 1991
„Im Juli 1991 eröffnete der Q-hof im damals noch malerisch schönen Rheinauhafen. Das Kneipenkollektiv erschuf mit der aus Stammgästen und Thekenkräften sich konsultierenden Konzertgruppe „Butter bei de Fische“ aus dem eigentlich brachliegenden Kunsthaus Rhenania eine Idylle, wie sie Köln seit dem leider nicht mehr erleben durfte und – Hand aufs Herz – auch nicht mehr erleben wird. In den vier Jahren Rhenania war alles möglich und ist tatsächlich auch passiert. Nachdem die Weisshausstraße, der Mauritiuswall und der Bauwagenplatz Raderthal geräumt waren, erfüllte das Rhenania ungewollt die Funktion eines Autonomen Zentrums.

„AZ“ Rhenania
Zur Zeit des Umzuges, Juni 1991, war das Rhenania eigentlich wenig öffentlich genutzt. Bis dato wurde es von den Künstlern und Musikern benutzt, die zuvor im mittlerweile geräumten Stollwerk ihre Ateliers bzw. Proberäume hatten und vom Kunsthaus Rhenania e.V., dessen Mitglieder genau die selben Leute waren, verwaltet. Eine sonstige Infrastruktur war nicht vorhanden, sprich: es gab weder eine Kneipe noch fanden irgendwelche öffentlichen Veröffentlichungen statt.

In einem der vielen bis dato ungenutzten Räumlichkeiten entstand der neue Q-hof. Das Kneipenkollektiv renovierte die Räumlichkeiten und erstellte in Eigenarbeit auch alle anderen Dinge wie z.B. die große Theke, die für einen funktionierenden Kneipenbetrieb von Nöten sind. Flugs noch ein paar Kneipenspielzeuge wie Tischfußball, Billiardtisch und Flippermaschine, Sitzgelegenheiten in den Raum und das kulturelle Wohnzimmer der Autonomen und Punker für die nächsten vier Jahre war bereitet. Ab dem 01.11.1991 wurde der rege Publikumsverkehr durch unkommerzielle, liebevoll organisierte Konzerte aus dem Punk und Hardcorebereich mit angekurbelt.

Binnen kürzester Zeit war weder der Q-hof bzw. die im Nordkeller des Rhenania veranstalteten Konzerte aus der Stadt wegzudenken. Im Rhenania spielten eigentlich alle ernstzunehmenden Bands wie z.B. That´s it, Molotow Soda, Kina, Life but how to live it, Fugazi, Cologne City Rockers, Alloy, Youth Brigade, Nations on Fire, but alive, Wizo, Chumbawamba, 2bad, So much hate, No Use for a Name, Yuppicide, The Ex, DOA, Jawbreaker, Muff Potter und Snuff. Allen Bands hat es so gut gefallen, daß sie immer wieder gerne gekommen sind.

Und Ihr müsst euch das doch auch einfach mal vorstellen: mit den nettesten Leuten die schönsten Räumlichkeiten der Stadt nutzen zu dürfen. Wie geil ist das denn? Dazu die schöne Außenterasse und – flugs einmal auf die andere Gebäudeseite stand man schon mitten im Rheinauhafen, genau über der Colorado, der Yacht der Kölner Unterweltgröße Schäfers Nas.

Drinnen wurde preiswert und lecker gegessen und danach die eine oder andere Party gefeiert. Dazu wurde rundenweise roter Genever getrunken (das klebrige Zeug ist nicht das Einzige, was heute nicht mehr geht!), Hölzchen gespielt und die ein oder andere Polonaise angeführt. Die komplette Stimmung war so positiv und nach vorne ausgerichtet, daß sich sogar ein paar unerschrockene Gesellen im Frühjahr des Jahres 1992 dazu entschlossen, ein eigenes Fußballprofiteam für die Bunte Liga zu gründen: Bum Bum Q-hof war geboren.

Vater Rhein
Nur Vater Rhein meinte es nicht immer gut mit dem Q-hof und trat in den vier Jahren am Rheinauhafen zwei mal so weit über die Ufer, daß die komplette Kneipe ausgeräumt und nach Erreichen des Normalpegelstands samt Nordkeller in Eigenarbeit renoviert werden musste. Das zu wissen ist wichtig, will man die Quälereien, die letztendlich zum Auszug aus dem Rhenania führten, in aller Konsequenz verstehen.

Durch den Ruf, den sich das Rhenania als Konzertort erarbeitet hatte und die Infrastruktur, die geschaffen worden war, kamen natürlich auch andere Veranstalter auf die Idee, dort Konzerte (oder später noch schlimmer: Parties) zu veranstalten.

Dabei ging es dann im Gegensatz zu den Butter bei de Fische-Konzerten aber nicht mehr um (Sub)Kultur, sondern einzig und allein um Kohle. Eine Motivation, die dann auch den verschlafenen Trägerhaufen namens Kunsthaus Rhenania e.V. (eben die ehemaligen Künstler und Musiker aus dem Stollwerk) auf den Plan brachte.

Mit Dollarzeichen in den Augen kam es zu haarsträubenden, kulturfreien Doppelbelegungen in Halle und Nordkeller. Eine Situation, die irgendwann untragbar wurde. Doch ließ die Q-hof/Butter bei de Fische-Crew nichts unversucht, um diese Situation irgendwie zu klären. Leider zu spät: den Vereinsmitgliedern ging es nur noch um Geld und die Tatsache, dass die ganze handwerkliche und informelle Arbeit von ganz anderen Leuten geleistet wurde, blieb konsequent außen vor.

So entschlossen sich Kneipenkollektiv und Konzertgruppe dazu, das Rhenania aus fast eigenen Stücken (mittlerweile flatterte auch Kündigung ins Haus) zu verlassen.

Die letzte Butterfahrt 1995
Doch das nicht sang- und klanglos und so wurde folgerichtig Ende Mai 1995 die letzte Butterfahrt auf die Beine gestellt: ein zweitägiges Musikfestival mit den beliebtesten Bands der vergangenen vier Jahre. Auch wenn die letzte Butterfahrt ein mehr als würdiger Abschied vom Rhenania war, sollte das nicht der letzte Abend in den heiligen Hallen bleiben, denn bis zum 18.06.1995 ging der Kneipenbetrieb weiter und drei weitere Tage später gab es die inoffizielle Abschiedsparty.

Als Rahmenprogramm gab es ein letztes Mal lecker Reiskorn Kölsch vom Fass und danach wurden die nicht mehr benötigten Kneipenutensilien wie Ventilatoren, Waschbecken usw. per amerikanischer Versteigerung unters Volk gebracht. Laut Kündigung sollte der Kneipenraum wieder im Urzustand übergeben werden.

Und – wir erinnern uns – seinerzeit gab es weder den Fußboden, die ganzen gezogenen Wände noch die Theke… also wurden diese mit Vorschlaghämmern wieder aus dem Raum entfernt. Noch heute steht ein Beutestück – ein Teil der Theke – in meinem Kinderzimmer. Euch die Berliner Mauer und mir die Rhenania Q-hof Theke.

Ende Rhenania 1995
Im Rhenania selbst versuchte der Künstlerverein, eine eigene Kneipe aufzumachen, was kläglich scheiterte und es fand noch die eine oder andere Party oder auch noch diverse Konzerte statt, doch nichts war mehr wie vorher. Keine wirkliche Woche später, am 29.06.1995, wurde der dritte Q-hof der Zeitrechnung eröffnet, in der Limburger Strasse 29, direkt in Ringnähe am Friesenplatz.

Klar war, daß dort ein komplett neues Ladenkonzept entstehen würde. Keine Konzerte und somit auch kein Ersatz-AZ mehr. Stattdessen erfüllt der Q-hof, nachdem er im Rhenania so was wie das Abbild einer Idylle war, in der unmittelbaren Nähe der unerträglichen Ringe (die mich im Übrigen immer mehr an die Hamburger Reeperbahn erinnern) heutzutage eher die Funktion einer Oase: inmitten der gestörten Ringbesucher normales Kneipenleben erleben. 5

Butter bei de Fische
Aus denen wurde in Anlehnung an die große Rhenaniaabschiedssause relativ schnell die Veranstaltungsgruppe Butterfahrt-Konzerte, die zunächst im Tunnels am Karthäuserwall das große Erbe antrat. Doch irgendwann war auch die – u.a. nach kürzen Ausflügen zurück ins Rhenania – am Ende und machte Platz für die Jungs und Mädels der befreundeten K-town MoshCrew und Lucha Amada“. 6
Danke Reiner G. Ott!

Die mächtige „Butter bei de Fische“-Konzertgruppe kam sogar mit zwanzig Leuten mal zu uns Provinzlingen ins Jugendzentrum Bunker, weil wir dort Graue Zellen aus Rendsburg zwei Male veranstaltet haben, so lernte man die alle mal us Köln kennen. Reiner hatte auch Kontakt zu einer Kulturgruppe in der JVA Ossendorf in Köln (wo einige der RAF-Leute in den 70er Jahren einsassen).

Dort spielten Lunchbox. Reiner beschrieb das Konzert fürs Out of Step inklusive Adresse der Konzertgruppe und so spielte dann unsere Band John Hillerman (gegründet 1995, too dumb to quit!) auch 1999 in der JVA Köln-Ossendorf.

Leider bzw. natürlich durfte man kein Bier hereinnehmen. Unser bestbesuchtes Konzert mit 200 Leuten (alle wegen Drogendelikten drin, soweit ich mich erinnere, wir spielten jetzt nicht vor Mördern oder so) – na gut, die durften ja auch nicht weg! Ich weiß noch, dass ich Reiner auf Gästeliste setze, aber er leider nicht konnte.

Well, dass, was das Rhenania in den 90er war, das ist heute sicherlich das AZ Köln, wobei mir die butter-Crew immer etwas durchgeknaller und spaßiger vorkam, aber das ist nur mein oberflächlicher Eindruck von meinen AZ-Besuchen in den letzten Jahren. Ich meine, allein der Name, so kann man sich wahrscheinlich 2023ff nicht mehr als Konzertgruppe in AJZs nennen, vegan und so (kleiner Scherz, ok!).

Text: Prinz Jan „Young“ der II.
Bilder: Netz.

Fussnoten:

1 Vgl. ksta.de/koeln/koeln-kuenstler-wolf-vostell-betonierte-sein-auto-ein-130113.

2 Napalm Death und NOFX hatten dort ihre ersten BRD-Gigs Ende der 80er.

3 Zu Markus Oehlen, dem Bruder von Albert Oehlen, schreibt das Ox noch sehr interessantes, Vgl. „Malerei und Punk in den Achtziger Jahren“ auf https://kurzelinks.de/z0qs: „Markus Oehlen gehörte zum engen Umfeld des Ratinger Hofs in Düsseldorf und war quasi in deren damaliger Hausband Charley´s Girls aktiv, zusammen mit dem späteren Fehlfarben-Sänger Peter Hein sowie den Nachfolgebands Mittagspause („Herrenreiter“), zu deren Erstbesetzung auch Gabi Delgado-López von DAF zählte, und eben den Fehlfarben. Markus Oehlen wirkte darüber hinaus, hauptsächlich als Schlagzeuger, bei den nicht weniger Kult-behafteten Musikprojekten Flying Klassenfeind (gemeinsam mit der halben Spex-Redaktionsbelegschaft in Gestalt von Michael Ruff, den Brüdern Detlef und Diedrich Diederichsen sowie Jörg Gülden), den Vielleichtors, Nachdenkliche Wehrpflichtigen, Red Krayola (hier unter anderem mit David Thomas von Pere Ubu) und Van Oehlen mit. Die Musik – auch im weiten Dunstkreis von LoFi, New Wave und Avantgarde angesiedelt – reflektierte unmittelbar seine Sichtweise auf die Malerei“.
Diedrichsen zockte ja auch noch bei Die Zimmermänner mit, danke Bela für den Tipp! Ich las neulich in einem Buch die Info, das Chrislo Haas von DAF (Simon Reynolds führte in seinem Buch „Futuromania“ (2023) den Sound von DAF auf die Quellen Beuys und die „Neuen Wilden“ zurück), Der Plan, Minus Delta T und Liaisons Dangereuses auch bei Charleys Girls spielte, aber ich finde dazu keine Belege. Haas starb 2004 in Berlin, er wohnte in der Reichenberger Straße 99 über einer vierer WG aus u.a. Exil-Leverkusenern. Das weiß ich, weil ich in dieser vierer WG wohnte und ihm einige Male im Treppenhaus begegnete, er war immer sehr nett und immer recht „fröhlich“ mit Flasche in Hand gestimmt, „Ihr hört Punk was, ich hab oben auch Platten von den Ramones, wenn ihr mal vorbeikommen wollt“. Dazu kam es leider nie, er starb mit 47 Jahren in seiner Wohnung an einem Kreislaufkollaps infolge übermäßigen Alkoholkonsums. Aus der Jungle World erfuhr ich erst, wer dieser Mensch eigentlich war, er hat nie von seinen ganzen Bands erzählt. RIP!

4 Und für unsere Fußball-Fans in der Leserschaft noch eine sehr wichtige Information: ich weiß es nicht 100 Prozentig, aber ich bin mir fast sicher, dass Leverkusen die schlechtesten und schlimmsten Fangesänge der ganzen Welt hat, wie ich circa alle zehn Jahre im Stadion überprüfen kann: „Ihr steht auf Schwänze, wir stehen auf Busen, wir sind die Jungs von Bayer Leverkusen“, dann „Ihr seid Kölner, asoziale Kölner, ihr schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission“ und noch in den 80er auf „Yellow submarine“ und den damaligen FC-Köln-Torwart Bodo Illgner gemünzt „Bodo Illgner ist homosexuell – schwul!“.
Ich hab es immer gewusst, dass es im Fußball einfach nur um schönen Sport und Fairness geht und alle Beteiligten echte Lichtgestalten – auch für Kinder – sind! Das allerschlimmste Lied im ganzen Rheinland ist komischerweise nicht von Cotzbrocken, sondern die oder eine der Bayer-04-Hymnen, Stichwort „Bayer 04, wir stehen zu dir, du hast uns schon so viel gegeben, darum sind wir so gerne hier BAYER….!“. Dat kriegste halt automatisch mit, wenn du als Kind im Rheinland 1978ff. aufwächst und in Köln in den 90er studierst, ob du es willst oder ob du es nicht willst und auch dafür möchte ich mich recht herzlich bedanken, lieber Willy Millowitsch, dat kriegste einfach nicht aus dir mehr raus! Tja, Köln, et is halt nen Jefühl, dat kannse nich erklären, Junge!

5 Den Q-Hof gibt es leider gar nicht mehr, der Nachfolger Qlosterstüffje ist in Ehrenfeld auf der Venloer Str. 221 und natürlich auch sehr toll, als Trust-Trio legten wir dort mal auf mit Schippy, Stone und icke. Ich war selber auf diversen von Reiner erwähnten Rhenania-Gigs wie Yuppicide, Neurosis, Lagwagon oder Nations on Fire und im O-Hof in der zweiten Version.

6 Lucha Amada waren klasse, die brachten sehr viele südamerikanische Bands nach Köln, als das noch niemand richtig machte. Die K-Town-Moshcrew gibt es leider auch nicht mehr und die legendären Tunnels, wo ich Ende der 90er das Köln-Abschiedskonzert von KINA aus Italien vor 500 Leuten sah, sind leider auch Geschichte.
So auch das Between. Das Underground in Ehrenfeld (schöner Supermarkt, seufz!). Die Goth-Kneipe Lalic beim Rathenauplatz. Das AZ Eichamt. Die Kölner Spochthalle. Aber es gibt natürlich ganz viele aktuelle tolle Kneipen, mehr dazu in Teil V.

Köln Teil 1: https://www.trust-zine.de/koeln-report-i-228-2024/
Köln Teil 2: https://www.trust-zine.de/koeln-report-teil-ii-231-2025/
Köln Teil 3: https://www.trust-zine.de/koeln-report-iii-234-2025/

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