Kim Deal (#232, 2025)
Big Fucking Deal. Zoom mit Kim Deal.
Die Leute sagen „It´s a long way to the top, if you wanna rocknroll“, aber was einem dann wieder niemand sagt ist, dass dieser Weg manchmal gute 20 Jahre dauert. Seit 2008 versuchte ich, wenn die Breeders wegen neuer Platte nach Deutschland kommen, ein Interview mit Kim Deal zu machen. Es ist schwierig!
Ende 2024 kam die Zusage für Zoom-Inti im Rahmen von zwei Berliner Pressetagen von Kim Deal, aber dann kurz vorher Absage, Kim zu sehr gejetlagt. Spontan kam Mitte April erneut kurzfristig Interview-Angebot, ich war in Minneapolis auf Urlaub, aber Zoom machte es möglich.
Danke Trustdolf für Motivation immer immer wieder, an Cara-Managerin Kim, an Kim Deal und ganz besonders an Beggars in Hamburg, BRD-Promo/Vertrieb für das Pixies-Breeders-Kim-Deal Label 4AD Records. (siehe Fussnote 1)
Ganz kurz: Kim Deal wurde 1961 in Dayton in Ohio geboren und zog Mitte der 80er nach Boston. Sie wurde die Pixies-Bassistin-auch-Sängerin. 1990 erschien das klasse Breeders Debüt „Pod“, bei denen Kim singt und Gitarre spielt. 2
1993 lösten sich die Pixies auf, die Breeders veröffentlichten 1993 die geniale „Last Splash“-Platte. 1994 gründete Kim die sensationellen The Amps und veröffentlichte das unfassbare „Love Hurts“- Coverduett mit Guided by Voices-Robert Pollard.
Das dritte Breeders-Album „Title TK“ erschien 2002 mit dem für mich Mega-Hit „The Huffer“. 2004 Reunion der Pixies, es gibt eine gute DVD-Doku zur Reuniontour plus eine tolle Doppel-live-LP vom Coachella-Gig. 2008 kam die schöne vierte Platte der Breeders, „Mountain Battles“, u.a. seit einiger Zeit mit dabei bei der Band: zwei der damaligen FEAR-Leute, Kim wohnte nun in Los Angeles. 2013 verließ Kim Deal die Pixies. Sie veröffentlichte einige hervorragende Solo-Singles. 2018 erschien die für mich eher „nur okaye“ Platte „All Nerve”.
2024 waren die Breeders wieder in Köln, wo ich sie nun zum vierten Mal nach Köln 1993, Berlin 2002 und Köln 2008 sah. Ende 2024 erschien Kim Deal´s erste Solo-LP, „Nobody loves you more“, die auf Song-Skizzen von 2011 zurückgeht. Die Platte ist toll, der Engineer war wie immer Steve Albini, noch kurz vor seinem Tod. Kim Deal lebte dann wieder in Dayton, um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter zu pflegen, diese starb 2020.
Vorhang auf für Kim Deal (bei offener Kamera). Es ist schwierig bei Zoom-Interviews, vor allen, wenn du seit Teenie-Zeiten Kim-Fan bist und erst mal auf dem Screen eine mir völlig fremde Person auftauchte, zum Glück stand da ihr Name!
Hi Cara, Jan hier, äh, bist du von 4AD Records in London?
Hey Jan, nein, ich bin Kim’s Managerin, ich bin in New York. (…)
Ah ok, dann danke, dass du Kim zuschaltest, du nimmst das auf und schickst mir das dann über Dominik-Beggars, alles klar.
Genau, so. Ich lasse euch beide dann jetzt mal alleine, gleich geht’s los…
[Kim Deal erscheint auf dem Screen]
Oh mein Gott! Hi!
Kim: Hi. Wie geht es dir?
Ähem, ich bin sehr nervös und super aufgeregt.
Ach, das wird alles gut! Ich freue mich, das ist doch großartig.
Ja, ich bin ein großer Fan von dir und so froh, dass unser Gespräch stattfindet. Hey, ich sitze gerade in Minneapolis… (lacht)
Was machst du in Minneapolis???
Ich mache hier so eine Musik-Location-Tour auf den Spuren von Hüsker Dü, alte Studios, Proberäume und so anschauen.
Oh wow, wirklich, das ist echt verdammt cool. Weißt du, meine Schwester Kelley hat in Minneapolis für eine ganze Weile gelebt. Sie hat’s total geliebt da. 3
Super! Noch eine Frage vorab: wie viel Zeit habe ich?
Zwanzig Minuten.
Verstehe, ich habe ungefähr zehn Fragen und ich hoffe, die sind nicht zu schlecht, ich gebe mein Bestes. (lacht)
Alles klar, du wirst das schon gut machen.
Ok, nochmal hallo Kim Deal, es ist mir eine große Freude, mit dir zu sprechen. 2024 war das 35-jährige Bestehen der Breeders, stimmt das? Ihr habt euch 1989 gegründet.
Ja, ich glaube, das stimmt. Oh, nee, warte, waren das nicht 35 Jahre in 2025? Also, Moment, 1990 war unser erstes Album. Das ist also DIESES Jahr, 2025, d.h. unser 35 jähriges Breeders-Jubiläum.
Oh shit, ja. Jedenfalls herzlichen Glückwunsch dazu!
Danke dir!
Ich habe die Breeders viermal live gesehen, aber dich solo noch nie, deshalb freue ich mich total auf dein erstes solo-Konzert in Deutschland, dazu gleich mehr. Wie schon gesagt, ich bin ich gerade auf einer Hüsker-Dü-Location-Tour in Minneapolis und das passt mit Hüsker Dü gut, weil du damals 1986 auf diese Anzeige in einem Boston Stadtmagazin geantwortet hast, Stichwort „Bassistin gesucht, die Hüsker Dü und Peter, Paul & Mary mag“. (lacht)
(lacht) Oh mein Gott, stimmt, ja, das ist witzig und das passt. Weißt du, damals, als es noch kein Internet gab, da waren es eben diese Stadtzeitschriften mit ziemlich persönlichen und lustigen „Musician wanted“-Anzeigen, in den großen Städten hatte man das oft, wie eben zum Beispiel in Minneapolis oder in Boston. Ich lebte da ja in Boston und es war das „Boston Phoenix“-Magazin. Und in all diesen Anzeigen hieß es immer „Drummer gesucht!
Nur mit ernsten Absichten und nem Van!“, das war dann immer so heavy, so dass man immer dachte: „Ach, komm, chill out!!“. Und dann sah ich diese eine Anzeige. Es ist auch die einzige Anzeige, auf die ich jemals geantwortet habe; da stand sowas wie „Female Harmonie-Gesang-Bassistin gesucht, Hüsker Dü, Peter Paul & Mary, please – no chops“! (lacht) 4 Ich dachte dann echt nur: „diese Jungs muss ich anrufen!“. Und so traf ich dann Charles und Joey von den Pixies.
Was sind deine Lieblingssongs von Hüsker Dü und Peter, Paul & Mary? Hast du da welche?
Oh, nee, ich müsste jetzt eine Liste aller Songs sehen, ich kann mich da nicht einfach so aus dem Gedächtnis dran erinnern. Ich würde aber sagen, der gute alte „Puff the Magic Dragon“-Song, der fällt mir gerade ein. (lacht)
Yes! (lacht). Letzte Frage zum Thema Minneapolis: ich las in meinem Reiseführer zu einem lokalen Konzertort, dass die Pixies-Reunion-Tour von 2004 in Minneapolis gestartet ist, stimmt das?
Ja! Ich erinnere mich immer noch an die Show, es war in einem kleinerem Club in Minneapolis, irgendwie begann unsere Tour aus irgendwelchen logistischen Gründen halt eben in Minneapolis. Und ich war SO nervös. Alle in der Band war sehr sehr aufgeregt. Damals war es für uns alle von den Pixies so aufregend und neu, wieder zu touren, weil wir ja überhaupt nichts mehr zusammen gemacht hatten, also, als Charles damals eben solo weitermachte.
Es war das erste Mal, dass wir eine Show in den USA mit den Pixies gespielt haben und die Leute konnten JEDES Wort zu JEDEM Song in- und auswendig, sie gingen total ab und sangen mit, von Anfang bis Ende und flippten völlig aus. Das hatten die Pixies in den Staaten so extrem noch nie erlebt. Wir waren ja immer nur diese Band, „die den einen Song über den Affen gemacht hatte!“. (lacht)
Hey, das ist aber ein sehr sehr guter Song! (lacht)
Ja, es ist ein sehr guter Song, aber wir galten halt nur als „die Band mit dem Song über diesen Affen“. 5
Zu deiner Solo-Scheibe „Nobody loves you more“ eine bescheuerte Frage: gab es noch andere Titelideen dafür, zum Beispiel „Big Fucking Deal“? (lacht)
Oh Gott, Mann, das würde ich liebend gern machen! (lacht) Ich habe solche Sachen gesehen wie „Big Deal“, das fände ich voll gut, so was zu machen.
Ja sorry für die behämmerte Frage!
Nein, das ist keine blöde Frage. Ich lieb’s. (lacht)
„Wish I was“ ist mein Lieblingslied von deiner Platte; wie läuft die Tour jetzt alleine eigentlich, wie sind die Konzerte so?
Die Solokonzerte laufen echt gut. Es ist das erste Mal, dass ich auf der Bühne entscheiden kann, was ich machen will. Entweder mit mehreren Gitarren oder mit nem Bass-Spieler und nem Drummer aufzutreten, halt als Trio oder eben zu viert. Und von da komme ich ja her, also aus dieser Tradition, das sind die Bands, die ich mag. Wenn man wie ich aus dem mittleren Westen aus den Siebzigern kommt, dann mag man UFO, die Schenker-Brüder, Nazareth und den ganzen Kram.
Als ich die Songs geschrieben habe, konnte ich die Blasinstrumente in meinem Kopf hören und ich sagte mir „Dies wird ein Gitarrenpart und das da hört sich für mich aber an wie für Bläser“, aber alle Teile könnten am Ende auch Gitarrenparts sein. Hauptsache, der Sound ist gut. Aber ich musste einfach die Bläser mal ausprobieren, vielleicht wäre das cool, aber ich musste dann echt überlegen, dass ich dann als Person da auf der Bühne sitze oder da stehe und eine Posaune dann live in einem Song auftaucht – Mann, willst du das wirklich tun? Willst du wirklich einen Posaunisten engagieren, echt jetzt? (lacht) Und jetzt ist es einfach so, dass wenn wir auf der Bühne stehen und die Bläser dann anfangen, dann geht einfach die Party ab. Das ist ein echter Genuss für mich.
Im Sommer spielst du in Berlin ja deinen ersten solo-Gig in Deutschland?
Genau. Ja, das wird nett, ich liebe Deutschland. Es erinnert mich an Ohio. Das Grün, die Grashügel… oh ja.
Bist du nervös wegen der Show?
Ich würde es sein, wenn wir sie nicht machen würden. Das wird schön werden. Und es ist ja dieselbe Band-Besetzung. Ich fühle, dass das richtig gut werden wird und wir freuen uns richtig auf die europäischen Shows. Yeah.
Wird es noch mehr deutsche Gigs geben als nur den in Berlin?
Ich glaube, das war’s. Ich wünschte, es wären mehr.
Bitte kommt nach Frankfurt am Main „zu mir“! (lacht)
(lacht) Ich würde das ja gut finden, es muss aber auch einfach eine Nachfrage da sein, lass es die verantwortlichen Leute wissen!
Ich habe die Breeders 2002 in Berlin gesehen, da habt ihr das tolle Fear-Cover „I love living in the city“ als Zugabe gespielt, zwei von Fear waren ja damals auch bei den Breeders. Und Mando Lopez, der damalige Bassist von Fear und den Breeders, hatte jetzt ja auch wieder ein Gastspiel auf deiner Solo-Scheibe. Vermisst du manchmal diese alten Leute im Lineup? 6
Oh ja! Ich habe Mando mehrmals solo gesehen und ich machte ja diese Seven-Inches-Serie vor einigen Jahren. Mando spielte auf „Are you mine?“ und auf „Walking with a killer“ mit. Wir haben also auch später öfters zusammen gespielt. Aber Mando war ja dann die ganze Zeit bei Morrissey in der Band! Das macht er jetzt zwar nicht mehr, aber vorher eben halt schon.
Ich bin dann extra nach Cincinnati gefahren, wo er für Morrissey zu tun hatte und wir konnten dort kurzerhand ein Studio buchen, um zum Beispiel „Are you mine?“ aufzunehmen. Das war während einer Morrissey-Tour. Und José 7 hat ja heutzutage diesen entzückenden Drum-Shop „Revival“.
Stimmt, in Portland?
Genau, in Portland, Oregon. Er hat auch Familie. Und Richard 8, also, ich weiß gar nicht, was er heutzutage macht, er ist verwandt mit Mando und von daher kriegt man immer noch was von ihm mit.
Ich hab nur noch circa drei Fragen übrig, haben wir noch Zeit?
Yeah yeah, klar.
Wegen deiner tollen Solo-Seven-Inches-Reihe, da muss ich zugeben, also jetzt auf der großartigen LP, da landeten ja auch eben teils alte Songs in neuen Versionen drauf – mir fehlte da nur noch dieser alte Killersong von dir auf einer Solo-Single, „Beautiful Moon“, der ist so krass toll.
Oh, danke, danke! Wir spielen den Song ja live. Und Alison 9, die Cello-Spielerin, die ist dann auch live mit dabei, sie am Cello und ich an der Akustischen – wirklich hübsch.
Gab es einen Grund, den Song nicht auf das Album zu packen oder ihn nochmal irgendwie neu aufzunehmen?
Ich bemerkte schon, dass der Song gut ankommt. Also, es war ja so: auf der früheren Aufnahme zu „Are you Mine?“ fehlte ein Track, da war irgendwas schiefgelaufen. Und für „Wish I was“ hatte ich jetzt neuerdings Lyrics, also mussten diese beiden Songs doch nochmal neu aufgenommen werden.
Aber ich fand, dass das Stück „Beautiful Moon“ einfach okay so war, wie es halt war und ich fragte mich dann auch: macht es Sinn, die Leute zweimal für einen Song bezahlen zu lassen, den sie schon haben? Daher habe ich andere Songs ausgewählt, aber ich liebe es, „Beautiful Moon“ live zu spielen.
Also, ich muss beinahe echt jedes Mal weinen, wenn ich den höre, weil er so schön ist.
Du solltest mal Courtney Barnett googeln, die eine Liveversion von „Beautiful Moon“ singt. Sie macht das toll, ganz allein mit der Gitarre auf der Bühne und es klingt einfach großartig. 10
Ah, machst du nicht auch auf ihrer Platte als Gast für Backgroundgesang mit?
Ja, für ihr Album „Tell me how you really feel“, richtig.
Ok, ich freue mich auf Berlin und als totaler Breeders-Fan muss ich kurz auch mal vielen Dank sagen für das unfassbare Stück auf der „Last Splash“-Platte, „Invisible man“. Es ist so ein toller Song. Wahnsinn!
Oh, danke!
War der Text eigentlich über eine bestimmte Person oder nur eine Metapher?
Es war irgendwie… ja… schon über eine bestimmte Person. (lacht) Ein kleines bisschen! Wenn ich den Song heutzutage singe, denke ich mittlerweile auch an andere Dinge, aber eigentlich, ähem, ja, damals dachte ich schon an eine bestimmte Person, ja. (lacht).
(lacht) Verstehe. Andere Frage: hast du mal von der früheren deutschen Außenministerin Annalena Baerbock gehört?
Erzähl mir, was ist los mit ihr?
Ähem, du siehst ihr total ähnlich!
(lacht) Oh, wirklich? Ist sie eine von den Guten?
Ja, klar. Sie sieht aus wie Kim Deal! (lacht)
Ah, good girl. That’s great. (lacht)
Gibt es irgendwelche Zukunftspläne, planst du eine neue Soloplatte und wie geht es mit den Breeders weiter?
Ich muss mehr Songs schreiben. Ich bin sooo faul und prokrastiniere vor mich hin, damit muss ich mich zur Zeit herumschlagen. Aber ich muss neue Songs schreiben.
Zum Ende eine Anekdote: das erste Mal, als ich die Breeders sah, das war in Köln 1993, ich war fünfzehn, es war ausverkauft, 2000 Leute. Du kamst auf die Bühne mit nem Dosenbier, Zigarette im Mund und deiner Gitarre und die Leute in den ersten Reihen riefen dir dann zu „Rauch nicht so viel, Kim! Trink nicht so viel!“. Es war eines meiner ersten Konzerte, kurz vorher sah ich Motörhead; NIEMAND hätte sich getraut, so was Lemmy zuzurufen, weil er natürlich auch auf der Bühne geraucht hat usw.!
Kim: (bricht in großes Gelächter aus)
(lacht) Und du hast die ersten Reihen so richtig schön runter gemacht, bevor die Breeders dann loslegten. Ich dachte damals: kennen die dich alle, weil warum WAGEN die es, so mit dir zu reden? Und das war irgendwie so eine Initialzündung zum Feminismus für mich, weil ich es so cool fand, wie du da total locker mit „Hey, fuck you all! Now we start!“ etc. gekontert hast.
Kim: (lacht immer noch aus vollem Hals)
In Berlin 2002 spielten Breeders dann vor gerade mal 200 Leuten, wie gehst du mit diesem Wechsel bezüglich der Popularität um?
Weißt du, das passiert einfach. Also, als die Pixies gestartet sind, war quasi niemand anwesend und die Shows waren trotzdem der Wahnsinn. Auch wenn keiner im Raum ist, dann heißt das ja nicht, dass die Show nicht gut war. Es bedeutete nie, dass es auch nur einen Gig nicht wert gewesen wäre. Und weißt du, ganz zu Beginn der Breeders-Zeit, da waren halt auch kaum Leute da. Jetzt ist es umso besser, zurückzukommen und es ist einfach toll.
Super. Und vorletzte Frage, versprochen. Dieses Interview ist ja fürs Punk-HC- Trust Fanzine, hast du eine Lieblings-Punk-Hardcore-Band?
Was hab ich?
Hast du eine Lieblings-Punk-Hardcore-Band, Minor Threat oder so?
Hm, also, ich glaube, ja, The Stooges würden da reinpassen. Ja, ich denke, die sind einer meiner Favoriten.
Super, weil die Breeders sind für mich irgendwie auch eine Punkband, aber es läuft wohl eher unter „Indie-Rock“ bzw. „Alternative“.
Ja, ich denke, „Alternative“ ist wohl der Marketing-Begriff, den die meisten Leute nennen würden. In den Staaten jedenfalls! Oder in den Magazinen, wo man mit so was Werbeanzeigen bekommt. Man kann damit sicher mehr Geld machen, wenn man „Alternative“ aufs Cover schreibt.
Es gab dieses Buch über die Geschichte von 4AD Records, mochtest du es? 11
Also, ich bin noch nicht komplett durch. Der Autor, Martin Aston, hat mich ja auch interviewt und ich habe erstmal den Index durchgesehen und geguckt, was so über mich geschrieben wird, das gefiel mir. Aber das ist ja echt ein Riesenklotz. Gefiel es denn dir?
Ja, definitiv. Wirst du jemals 4AD verlassen, du bist ja seit „immer“, seit Mitte der 80er, dort?
Oh, das weiß ich nicht. Es kommt immer drauf an, wen man dort so kennt. Es ist generell gut, wenn man die Leute beim Label halt kennt. Es gibt dort einen, den man „the new guy“ nennt, aber er arbeitet dort schon 25 Jahre! (lacht)
Auch wenn die Zeit schon abgelaufen ist, vielen Dank noch für deine tolle Rede bei der Eröffnung des „Steve-Albini-Way“ in Chicago. Du wurdest als „oldest and best friend“ von Steve angekündigt. 12
Danke danke! Jan, ich habe es wirklich genossen, mit dir zu sprechen. Hab noch viel Spaß in Minnesota!
Danke Kim Deal! Bye Bye.
Interview: Jan Röhlk
Fotos: Steve Gullick
Kontakt: kimdealmusic.com
Fussnoten:
1. 4AD bedeutet „For Ward“, es war das Stammlabel der Pixies von 1986 bis 1993 und von den The Breeders seit 1990 und auch Kims solo-LP erschien dort. Neulich schaute ich mir bei einem London-Punk-Trip die Label-Location auf der Alma Road 15 bis 19 von außen an. Kleiner als gedacht, im Prinzip nur nen Bürohaus, ich stellte mir das riesig vor. 2021 erschien der tolle „Bills & Aches & Blues (40 Years of 4AD)“-Sampler, auf dem aktuelle 4AD-Bands alte Label-Klassiker von u.a. Dead Can Dance, Bauhaus, den Pixies und Breeders coverten, sehr geil! Und der Pub um die Ecke vom Label auf der 21 Alma Road, in dem das „Surfer Rosa“-Pixies Cover entstand, existiert auch noch.
2. Die „Pod“ zählte zu Kurt Cobain´s Lieblingsplatten, das Lineup bestand aus Kim Deal (Gitarre, Gesang), Josephine Wiggs (Bass), Britt Walford (Schlagzeug) und Tanya Donelly (Gitarre).
3. Kim Deal´s Zwillingsschwester war mit einigen Pausen auch fast immer zweite Gitarristin der Breeders, Kelley Deal macht auch eine tolle Band namens R. Ring, da erschien im Razorcake Zine aus L.A. in der Ausgabe #134 (2023) ein spitzen Interview mit auch Kelley von Kollege Daryl, der zudem 2024 einen schönen Podcast mit Kelley machte (razorcake.org/interview-podcast-with-r-ring-featuring-kelley-deal-and-mike-montgomery-by-daryl/). Anspieltipp: das unfassbare R. Ring-Misifits-Cover „Cough cool“ auf youtube.com/watch?v=-6sMLm5mjKY.
4. No chops = „ohne Talent“, „keine Frickler“, „grobschlächtige Hacker“, ihr wisst schon.
5. Gemeint ist der Pixies-Song „Monkey gone to heaven“; der tatsächlich allererste Reunionauftritt der Pixies 2004 im „Fine Line Cafe“ in Minneapolis ist auf youtu.be/pdSkCc5LoDc?si=RdYFPmzh2izVn6AY (der Coachella-Gig war später 2004).
6. Heutzutage spielen die Breeders wieder im Lineup der „Last Splash“-LP von 1993: Kim Deal (Gesang, Gitarre), Kelley Deal (Gesang, Gitarre), Jim Macpherson (Schlagzeug), Josephine Wiggs (Bass).
7. José Medeles, damaliger Breeders-Drummer.
8. Richard Presley, damals Gitarrist bei Fear und den Breeders.
9. Alison Chesley.
10. Taschentücher bereit halten: youtu.be/ARMfjSB4KBQ?si=Z-CTDTz89OwljWYN.
11. Martin Aston – Facing the Other Way: The Story of 4AD (2013). Stichwort Literatur noch: Auf der Kim Deal-Facebook-Seite (fb/kimdealmusic) werden regelmäßig neue Berichte und Interviews gepostet.
Ich sichtete auch meine interne Deal-Fan-Pressemappe, denn als bescheuerter Fan habe ich nicht nur die „Last Spash“-Platte sieben Mal auf Vinyl (1x Original-LP 1993, 3xLP schwarz Boxset, 3xLP clear Boxset), oh nein, ich sammele seit Ende der 90er Print-Interviews mit Kim Deal, danke „intro“ (die Grether Sisters waren einige Tage 2002 bei den Breeders in L.A. im Studio), „Spin“, „Spex“, „Uncut“, „Mojo“, „Visions“ und Frankfurter Rundschau! Von der mächtigen Christina Mohr gab es dort ein tolles Gespräch 2024 mit Kim auf fr.de+kim-deal-frueher-folgte-eine-typenband-auf-die-andere.
Zur solo-LP 2024 existiert auch ein ausführliches Interview auf theguardian.com+im-intrigued-by-failure-kim-deal-on-death-addiction-and-releasing-her-debut-solo-album-at-63. Im gleichen Medium erschien 2018 ein sehr deepes Gespräch („I’ve said before that misogyny is the actual backbone of the music industry, and without misogyny the music industry would crumble.“, theguardian.com+2018kim-deal-breeders-misogyny-pixies-cobain-rehab). Kim Deal war auch Titelthema in der Visions #367 (2023) zu dem Thema „Women to the front“. Letzter Tipp: es gibt auf der Breeders-Seite ein hochwertiges „Breeders-Digest“-Bandeigenes Fanzine mit „Herz-Last-Splash“-Pin + Aufkleber, lohnt.
12. „The Unveiling: Steve Albini Way-Ceremony“ auf youtube.com/live/SGOkSMws29A, Kim Deal spricht ab 26:45. 2019 im Chicago-Urlaub machte ich an der Hausnummer 2621 von der damals noch W. Belmont Avenue benannten Straße zwei Bilder von außen von Steve Albini´s Electrical Audio Studio, ergreifend, vor dem Studio zu stehen, wo so viele meiner Lieblingsplatten von ihm aufgenommen wurden, wie eben zum Beispiel The Breeders!