Dezember 31st, 2025

Fucking Angry (#226, 2024)

Posted in interview by Jan

Detailverliebte Rotzigkeit – Interview mit Fucking Angry

Fucking Angry kommen aus Bonn, spielen einen wuchtigen Punk/Hardcore-Mix mit kämpferischen linksradikalen Texten in deutsch und englisch und stehen somit in illustrer Reihe mit Canalterror, Molotow Soda und Hammerhead. Gestartet wurde die Band 2012 von Chris (Bass) und Gabo (Drums), als beide von ihren damaligen mäßig aktiven Bandprojekten abgegessen waren. Regelmäßige Proben, Aufnahmen und Touren waren das Ziel. Mitstreiter*innen waren schnell gefunden, nachdem Beckx (Vocals) von City Of Violence und Daniel (Gitarre) von Mofabande abgeworben worden waren.
Die erste Single erschien dann auch gleich 2013 in Eigenregie, das Debüt „Dancing In The Streets“ folgte bereits 2015 und sorgte für erstes Aufsehen. Die Band machte sich dann durch regelmäßige Touren einen Namen als energiegeladener Liveact. 2016 schloss sich der Kreis und Dominik (ehemals Canalterror und Molotow Soda) kam an der 2. Gitarre dazu. So langsam nahm das Ganze noch mehr Fahrt auf und es folgte in 2019 die 7inch „Lack ab“. Fucking Angry positionieren sich immer wieder als antifaschistische, antirassistische, antinationale und antisexistische Band, machten Soliaktionen für Rojava und Solidarity At Sea und beteiligen sich an der Kampagne „Artists Against Antisemitism“.

Corona und andere Widrigkeiten erzwangen eine längere Pause, die Fucking Angry nutzten, um in aller Ruhe und ausführlich am aktuellen zweiten Album zu werkeln, am Songrwriting zu feilen und sich musikalisch breiter und vielfältiger aufzustellen. Kurz vor dem lang erwarteten Release von „…Still Fucking Angry!“, das wieder bei der wunderbaren RilRec Punkrock Family – diesmal in Koop mit Rookie Records – erscheint und das ich bereits fürs Trust #225 rezensieren konnte, traf ich die komplette Band zum ausführlichen digitalen Interview.

Hallo ihr Fünf – schön, dass ihr da seid. In wenigen Tagen ist offizieller Release von „…Still Fucking Angry!“. Wie aufgeregt seid ihr? Ist da überhaupt noch Aufregung da oder denkt ihr eher: Boah, endlich erscheint es!

Beckx: Beides!
Gabo: Ich persönlich finde es momentan überhaupt nicht greifbar. Wie du schon meintest, wir haben zwei Jahre an diesem Projekt rumgetüftelt und gemacht, und die Promophase war ja megalang. Ich hatte heute noch ein längeres Gespräch mit Tüddel von RilRec, und wir waren beide so: Ey scheiße, am Freitag kommt das Ding!
Beckx: Endlich!
Gabo: Ja, genau: Endlich! Wir haben Bock aber dann auch so: Ey, wir haben gar keine Zeit mehr, um irgendwas zu machen. Und wir mussten beiden lachen, weil wir uns die letzten sechs Monate fast täglich geschrieben haben wegen irgendeiner Kleinigkeit. Und dann gibt es so Sachen, wie… ich zeig dir das jetzt mal, weil es jetzt hier liegt. [Gabo hält nacheinander zwei verschiedene Shirts in die Kamera] Auf den letzten Metern kamen 200 Shirts, die falsch gedruckt worden sind. Die mussten wir jetzt nochmal nachdrucken lassen. So Sachen passieren dann jetzt. [Gabo und Beckx lachen.] Was gut ist: Wir als Band müssen dieses Mal nix packen – oder zumindest fast nix, nur so ein paar Sachen vorbereiten. Grand Hotel Van Cleef wird da mit RilRec und Rookie grad den Kram machen oder macht den ja auch schon. Das erleichtert das natürlich gerade, weswegen es nicht so greifbar ist für uns, dass es jetzt am nächsten Freitag soweit ist.
Daniel: Naja, also ich find es gerade schon ein bisschen hektisch. Also ich plan jetzt gerade schon noch die Woche: Wann falten wir die Tape-Einleger? Wann nummerieren wir die Schallplatten? Vielleicht machen wir das auf der Busfahrt nach Dortmund oder so? Und ich muss auch noch neue Gitarrenseiten aufziehen und solche Scherze. Das muss alles noch vor Freitag passieren.
Dominik: Außerdem haben wir ja jetzt auch länger nicht mehr live gespielt – ein halbes Jahr fast, oder? Und manche Lieder haben wir noch gar nicht live gespielt, oder?
Beckx und Daniel: Ja.
Dominik: Von daher ist es schon noch so ein bisschen kribbelig. Und besonders viel geprobt haben wir auch nicht. [lacht]
Gabo: Ja, also wie du hörst: Eigentlich gar nicht aufgeregt, aber eigentlich auch doch volle Pulle! Und es gibt doch noch einiges zu tun. Aber es ist ja bisher immer alles jut jejange, wie der Kölner sagt.

Das neue Album ist im Vergleich zum ersten Album, „Dancing In The Streets“, viel variantenreicher und ausgefeilter mit sehr sehr unterschiedlichen Songs. Wie funktioniert denn das Songwriting bei euch überhaupt?
Dominik: Es zeigt sich zunächst darin, dass wir drei verschiedene Songschreiber mit drei sehr unterschiedlichen musikalischen Backgrounds sind. Und zusammen machen wir was daraus. Wenn das Album nur eine Person geschrieben hätte, wäre das Album eben nicht so geworden.
Chris: Das hat sich auf jeden Fall total gewandelt über die 12 Jahre, die wir jetzt zusammen sind. Wir haben damals im Proberaum angefangen, da hatte ich schon einen Sack Songs dabei, und daraus ist das erste Demo entstanden. Ich glaube da hat Daniel noch einen Song dazu beigesteuert.
Daniel: Ja, zwei Songs hab ich geschrieben.
Chris: Und auf dem Album war es ähnlich.
Daniel: Da hast du fast alle Songs geschrieben.
Chris: Ja, da war ich Hauptsongwriter. Und nach dem ersten Album kam Dominik dazu. Der hat ja auch schon vorher in diversen Bands gespielt.
Daniel: Aber bei der „Lack ab“-EP waren auch noch alle von dir.
Chris: Ja, stimmt. Bei der EP waren auch alle von mir. Aber danaaaach hab ich gesagt: Ihr schreibt doch auch alle Songs, warum muss die ganze Arbeit bei mir liegen [lacht].
Daniel: Naja, das neue Album ist ja auch anders entstanden, ne. Wir haben wenig im Proberaum gemacht vorher, sondern hatten durch die Corona-Pandemie das Problem: Ups, wir können nicht mehr proben, wollen aber eigentlich was neues aufnehmen – was machen wir? Dann haben wir eben zu Hause für uns selber Songs gemacht, und die haben wir dann so ein bisschen vorproduziert. Ich hab so ein kleines Homestudio. Und dann hatten wir eine Menge Songs, jeder hat ein paar mitgebracht, und dann haben wir irgendwie geguckt: Welche sind cool oder bei welchen zumindest das Grundgerüst, und was ist damit anzufangen. Und dann haben wir die danach noch weiter gemeinsam bearbeitet. Also im Prinzip sind alle Songs durch alle Hände – oder sagen wir mal so, alle haben noch daran mitgearbeitet. Es ist nicht alles so komplett vorgegeben worden von denen, die die Songs mitgebracht haben, sondern es wurde noch etliches geändert. Und auch die Texte sind wir alle nochmal durchgegangen. Aber wir hatten nicht die Möglichkeit, die mal alle gemeinsam im Proberaum durchzuarbeiten. Denn das war alles in diesen Lockdown-Zeiten, und da mussten wir uns eben anders behelfen. Aber das hat auch eigentlich ganz gut geklappt.
Chris: Halt ein bisschen langwierig.
Daniel: Ja, hat lang gedauert, aber es hat geklappt.

Wie lange hat’s gedauert? Wann habt ihr Schlagzeug und Bass aufgenommen?
Chris: 2020
Daniel und Gabo: Ne, 2021.
Chris: Nein, ich meine November 2020 hab ich meinen Bass eingespielt.
Beckx: Ich mein auch wir sind jetzt bei fast vier Jahren. Und ganz ganz am Anfang hab ich noch gescherzt: Bei unserem Tempo dauert es bestimmt fünf Jahre oder so.
Daniel: Ja, aber dann stimmt es ja. Wir haben im Frühjahr 2021 die Gitarren aufgenommen in Krefeld. Ja genau, da war auch noch richtig heftig Corona am Start. Da haben wir immer noch morgens Tests gemacht.
Chris: Ja, die Kontaktbeschränkungen und das alles.
Dominik: Und als wir dann den Gesang von Beckx aufgenommen haben, hatten wir die Songs noch nie zusammen geprobt.
Beckx: Ja, ich hatte davor nur die Demoaufnahmen geschickt bekommen und vielleicht die Spuren separat auch nochmal. Naja, das hatte ich dann zum üben. Und dann haben wir uns im Studio in Frankfurt getroffen haben das dann rausgehauen. Deswegen haben wir dann da in dem einen Studio auch nochmal nachgearbeitet. Bei Gesang geht das ja dann auch easy. Weil dann doch noch ein bisschen Power gefehlt hat oder so. War ein bisschen abenteuerlich.

Hab ich das grad richtig verstanden: Als du den Gesang eingesungen hast, hattet ihr die Songs zuvor noch nicht gemeinsam geprobt?
Beckx: Genau. Die Jungs untereinander schon. Aber zu der Zeit hab ich noch in Eisenach gewohnt, und wegen der ganzen Kontaktbeschränkungen und dem ganzen Kram, hat es einfach nicht funktioniert.
Chris: Ich war zwischenzeitlich mal mega angepisst von diesem ganzen Prozess und hab gesagt: Wenn wir nochmal wieder was aufnehmen, dann wieder alle zusammen in einem Raum, ein Wochenende reinknüppeln, EP rausbringen, fertig. Das war viel zu lang alles.
Gabo: Es hat wirklich sehr lang gedauert. Und ich kann auch Chris‘ Frustration verstehen. Aber was ich da gesehen hab: Die Songs sind deutlich vielfältiger und man kann viel mehr damit spielen – da passiert einfach mehr als beim ersten Album. Und dann war mir klar: Ey, wir müssen das anders aufnehmen, wir können da nicht einfach alle zusammen drei Tage ins Studio, das wird den Songs einfach nicht gerecht. Mit einer schlechteren Aufnahme geht soviel verloren oder wenn wir in drei Tagen alle Gitarren und alles einspielen. Also ich sah die Songs da irgendwie gar nicht. Also ich hab da gesehen, die müssen irgendwie besser aufgenommen werden, und dann müssen wir uns ein bisschen Zeit lassen und dann müssen wir uns mal überlegen, was kann noch oben drauf, was vielleicht nicht zuviel ist, aber so kleine Spielereien.
Daniel: Post Production.
Gabo: Ja schon. Einfach mal Sachen ausprobieren und rumspielen mit den Tempi und dem Sound. Ihr habt ja dann auch bei zwei Songs komplett andere Sounds genutzt, da wären wir früher gar nicht auf die Idee gekommen.
Daniel: Da hätte ich mich damals auch geweigert. [beide lachen]
Gabo: Genau! Also wegen Corona war das alles eh nicht so einfach, weswegen wir gesagt haben: Wir nehmen uns einfach den Stress raus. Das war dann auch gut, dass wir keinen Zeitdruck hatten. Der Konsens in der Band war: So lange wir live nicht spielen können, nicht auf Tour gehen können, alle Läden zu haben und wir nicht wissen, wie es mit Corona und mit den Lockdowns jetzt so weitergeht, bringt es für uns nix dieses Album rauszuhauen. Also es kamen ja total geile Punkalben in der Zeit raus, aber es hat keine*n gejuckt.
Daniel: Die sind total verpufft.

Ich fand den Einwand von Daniel eben ganz spannend, als du meintest: „Da hätt ich mich auch geweigert.“ Denn jetzt habt ja wirklich wahnsinnig viel Aufwand betrieben für das neue Album und viele Sachen ausprobiert – seien es die unterschiedlichen Stile, die ihr mit reingenommen habt, aber auch noch zusätzlich sehr viele Spielereien, die vielleicht einigen erstmal gar nicht so auffallen werden aber von euch ja ganz bewusst eingesetzt wurden. Ich hatte das Album schon vor einigen Wochen von Tüddel zugeschickt bekommen, hab es schon etliche Male gehört und entdecke bei jedem Durchlauf immer noch wieder spannende Gitarren- oder Bassläufe oder Drumparts, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Ich bin auch sehr gespannt, was ihr für Reaktionen bekommt, wenn es jetzt losgeht. Könnt ihr gern nochmal zurückmelden.
Chris: Ja, das bin ich auch. Und es ist total schön so ein Rückmeldung zu bekommen. Denn ich kann das aus Sicht eines Bassisten nur bestätigen. Also ich spiel zwar auch Gitarre, aber Daniel und Dominik sind deutlich bessere Gitarristen als ich. Ich hab selber Spaß daran, das Album zu Hören. Es macht mir Freude. Und das ist ja eigentlich schon mal ein guter Indikator, wenn man es selber gut findet, was man da aufgenommen hat und auch was die anderen in der Band aufgenommen haben.
Dominik: Finde ich auch. Ich höre auch immer noch was anderes und neues, was die anderen gespielt haben. Man achtet ja auch mehr auf seinen eigenen Teil, dass es richtig kommt und wie das klingt. Und es is ja dann auch nochmal anders, wenn man dann am Ende alles zusammen hört. Also ich finde es auch echt gut.
Daniel: Da hat der Micha auf jeden Fall extrem gute Arbeit geleistet, was das Mischen und Mastern angeht, weil man eben trotzdem alles raushören kann, auch wenn da sehr viele Layers sind. In einem anderen Studio hätte das vielleicht nicht so geklappt. Dann hätte es vielleicht nach Matsche geklungen. Das ist einfach ein richtig gute Leistung, wie er das hinbekommen hat.
Gabo: Am Anfang hab ich mit dem geschrieben und meinte: Hey, wir sind die und die Punkband und wir wollen ein Punkalbum aufnehmen, so ähnlich wie das alte so ungefähr. Und er dann so: Jaja, klar – kommt vorbei, machen wir. Und dann hat er zwei Jahre später immer noch einzelne Aufnahmespuren von uns bekommen. Der wusste einfach wirklich nicht, worauf der sich einlässt. Aber er meinte auch ganz klar: Ey, es sticht raus. Und der ist superhappy mit dem Ergebnis, und dem hat es auch Spaß gemacht. Und was ich eben schon meinte, es war total wichtig für das Album, dass auch der Sound stimmt. Nix gegen drei Tage im Studio und ein Album schnell einspielen. Das machen wir bestimmt auch nochmal. Aber für dieses Album war es jetzt glaub ich genau das Richtige.

Bevor wir gleich auch auf die einzelnen Stile zu sprechen kommen, zu denen ich auch noch ein paar Fragen hab, würd ich gern nochmal zum Gesang zurück wollen. Ab wann wurde denn eigentlich mit dem Gesang gearbeitet? Wenn der Entstehungsprozess der Songs schon so langwierig war und ihr vor dem Studio die Songs nicht mal gemeinsam geprobt habt, hat es das nicht schwierig gemacht für dich Beckx, mit dem Gesang da dran zu arbeiten.
Beckx: Ich hatte mich da bei dem Prozess tatsächlich so ein bisschen auch rausgenommen. Denn in Thüringen festzuhängen war nicht so geil. Und ich hab da zu dem Zeitpunkt eben gesagt: Macht ihr mal, ich vertraue euch. Und dann hatte ich ja immer auch die Demoaufnahmen. Das war dann eigentlich relativ easy. Im Studio haben wir dann auch noch rumgespielt bei ein paar Songs. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ursprünglich auch geplant war, dass zum Beispiel „Hoffnungsloser Optimist“ quasi so freundlich gesungen wird, so würd ich es jetzt mal nennen. Oder ähnlich auch bei „Broken“. Und andersrum – war es bei „Dunkelheit“ oder „Zeit für Punk“, ich weiß es nicht mehr ganz genau – da hatten wir gescherzt: Wär da jetzt anderer Gesang drauf, hätte es auch ein superguter Popschlagersong werden können.
Daniel: Ja, genau. Ein paar Sachen sind einfach auch spontan noch im Studio entstanden. Die Strophe bei „Dunkelheit“ hast du erst da richtig krass reingeballert, so hatte ich das nicht erwartet.
Dominik: Ein paar Sachen hatten wir bei den Demos dann schon mal eingesungen, damit Beckx ne Orientierung hatte. Der Text war dann eben schon mal da, aber Beckx singt es dann ja sowieso anders, und das ist ja auch gut so.
Beckx: Ähnlich war es mit den Tonlagen. Ich kann weder sehr hoch noch sehr tief singen, also es ist ein bisschen langweilig, was meine Range angeht. Und dann mussten wir hin und wieder auch mal ein bisschen rumbasteln, weil es so wie es gedacht war, vielleicht nicht ganz geklappt hat. Oder es würde vielleicht schon klappen, aber mit ganz viel Rumprobiere und ganz viel Arbeit, und das funktioniert dann Live nicht so gut. Aber es soll ja auch so sein, dass man es live gut machen kann.
Chris: Wir kennen uns ja zum Glück auch schon ein bisschen, und ich schreibe meine Songs mittlerweile auch schon mit dem Hintergedanken: Wie klingt Beckx‘ Stimme darauf? Oder: Wie kann sie es am Besten singen und in welcher Lage.
Daniel: Am Besten in H-Moll [alle lachen]
Chris: Wir haben damals beim Song „Dancing in the Streets“ zum ersten mal ausprobiert, wie es klingt, wenn Beckx nicht schreit sondern klar singt. Und das hat uns allen mega gefallen. Und zum Beispiel bei „Hoffnungsloser Optimist“ war mir klar, dass kein Geschrei passt. Wir wussten noch nicht, bevor wir ins Studio gegangen sind, ob das klappen würde. Aber das ist total gut geworden – zwar von der Melodielinie her auch nicht so, wie ich es ursprünglich geschrieben habe, also auch da ist es ein bisschen anders geworden, aber durchaus cool!
Beckx: Ja, so unterschiedlich unterschiedlich wie die Songs musikalisch sind, da klappt es eben auch nicht, wenn überall der gleiche Stimm- oder Gesangstil drauf ist.
Gabo: Genau das wär ja die Gefahr gewesen, wenn wir es irgendwie in drei Tagen schnell im Studio gemacht hätten.
Daniel: Dann hätten wir eben alles so nehmen müssen. Und es hätte keine Möglichkeit gegeben, noch was zu verändern oder zu verbessern. Aber jetzt konnten wir im Nachhinein die Backgroundgesänge hier bei mir aufnehmen. Dann konnten wir damit noch viel ausprobieren. Und man hört auch nicht, dass die nicht im Superstudio aufgenommen sind.
Dominik: Das macht auch viel aus – auch wenn man es nicht auf den ersten Blick hört [lacht] – diese ganzen Kleinigkeiten. Wir haben zum Beispiel bei Beckx‘ Gesang manchmal verschiedene Sachen ausprobiert – mal rotzig, und mal halbverzerrt und mal was weiß ich. Und dann haben wir das genommen, was am Besten gepasst hat. Da waren wir uns auch meistens einig.
Gabo: Ich bin der Meinung, dass wir uns bei beidem – Musik und Texten – austauschen und gemeinsam drauf schauen. Wenn wir nen Song schreiben und irgendwer kommt mit der Skizze an, gibt da jede*r noch nen Input. Ich erinner mich, dass Daniel sehr häufig sagt: Naja, wenn wir die Akkordfolge so machen, funktioniert die nicht gut, lass uns die lieber umdrehen. Wir gehen dann eben so technisch daran. Und das Gefühl hab ich auch bei den Texten, dass da dann eben das Grundgerüst steht, aber dann jede*r nochmal drüber schaut und sagen kann: Ey, das Wort funktioniert da nicht, lass uns das bitte nochmal austauschen. Oder: Wir können was anderes aussagen, wenn wir den Satz umstellen oder da nochmal was tauschen. Also wir machen uns da schon Gedanken, aber es geht bei uns eben Hand in Hand. Und was ich oft sage: Wir haben ja nix neu erfunden, aber natürlich ist im Punk so’ne Angriffslust da. Und das Schöne ist, dass wir nicht im Radio laufen müssen oder wir kein Label im Rücken haben das sagt: Hm, ich weiß nicht, ob ihr das so sagen könnt. Sondern die Labels sagen: Ey, macht einfach, wir hören uns das hinterher an, und wenn ihr keine Scheiße verzapft, ist alles super! Das ist schön, dass wir da einfach für Gedanken, die wir haben, so einen Ausdruck finden und wir uns nicht verbiegen müssen für irgendwas.
Dominik: Ja, wir müssen ja kein Geld verdienen damit. Und was wir vielleicht an dieser Stelle auch mal sagen können, weil das nicht unwichtig ist. Wir haben die Aufnahmen für das Album erstmal komplett selbst finanziert und fertig gemacht und dann haben wir erst angefangen zu überlegen, wie wir das vertreiben können. Wir wollten also erstmal das endgültige Produkt fertig machen, damit uns da auch keine*r mehr reinreden kann. Es war schon schwer genug untereinander einig zu werden, weil natürlich alle unterschiedliche Vorstellungen haben. Aber im Endeffekt haben wir es glaub ich ganz gut hingekriegt und es sind alle zufrieden damit.

Aber gab es auch Streit? [kurzes Schweigen, dann lachen alle]
Daniel: Es ist die Frage, wie du Streit definierst.
Chris: Gestritten wurde bei jeder einzelnen Entscheidung glaub ich.

Oder mal anders: Um was gab es die härtesten Kämpfe und hat es trotzdem aufs Album geschafft? Und gab es auch was, worum so stark gestritten wurde, dass es nicht drauf gekommen ist?
Daniel: Also welche Songs aufs Album sollen, das waren keine schwierigen Enscheidungen, fand ich. Das ging relativ easy. Das haben wir mit einem sehr fairen Punktesystem ausgearbeitet. Da haben wir ja Pädagog*innen in der Band.[lacht]

Habt ihr ne Liste gemacht und Pünktchen geklebt?
Daniel: Ja, so ungefähr. Es war auf jeden Fall ein faires System, und dann war es relativ klar, welche Songs aufs Album kommen. Da gab es nicht soviel Streit.
Gabo: Aber um es kurz zu machen: Du hast fünf Leute in der Band mit fünf verschiedenen Musikgeschmäckern aus fünf verschiedenen Backgrounds, fünf verschiedenen Vorstellungen, wie so ein Album werden soll. Und dann find da mal ungefähr die Mitte oder find mal das Beste für den(!) Song. Also ich hab ziemlich weiße Haare bekommen, und der Prozess ist bei mir nicht spurlos vorübergegangen. Das war schon krass. Natürlich kann ich jetzt im Nach hinein drüber lachen, aber na klar gab es auch Wochen, wo ich einfach tierisch abgefuckt war. Bandintern regeln wir halt total viel über Slack, dieses Teamarbeits-Tool, dass du sicher auch kennst.
Dominik: Und das nervt total. Also das hat mich total abgefuckt. So Sachen, wie ein Song zu klingen hat, dann über Chat auszudiskutieren.
Gabo: Wir mussten irgendwie nen Weg finden, und deswegen haben wir dieses Tool auch für die Diskussionen zum Album genutzt: Ey, hier ist das neue Update, das ist die Songzeile, wie machen wir das? Es wäre im Nachhinein einfacher gewesen, sich wie jetzt kurz online zu treffen und das in 1-2 Stunden auszudiskutieren, als über Wochen im Chat.
Dominik: Haben wir dann ja auch gemacht irgendwann.
Gabo: Ja, aber es war schon auch sehr viel Reiberei bei Slack. Das war ja schon krass.
Daniel: Ich weiß aber ehrlich gesagt schon nicht mehr um was.
Dominik: Also bei mir ging es teilweise um gewisse Effekte, die mir an manchen Stellen zu viel waren.
Daniel: Ach ja, die Effekte.
Beckx: Zu modern, Dominik wollte es eher oldschool und klassisch lassen, Gabo wollte gerne ein paar Sachen ausprobieren. Und dann ging es darum, wie laut es sein darf. Und dann war es zu leise. Ich hab mir das immer so von der Seitenlinie angesehn.
Dominik: Aber wir haben immer einen guten Kompromiss gefunden. Und wir hatten die Absprache, dass bei den einzelnen Songs der jeweilige Hauptkomponist das letzte Wort hat. Das war glaub ich auch ganz gut, sonst diskutierst du dich ja auch irgendwann tot. Wir versuchen schon immer einen Konsens zu finden und sind jetzt glaub ich auch alle zufrieden, wie es geworden ist, auch wenn man dann mal sein Ego zurückstecken muss und das nicht so einfach ist.
Daniel: Das fällt ja jedem zwischendurch mal schwer.
Dominik: Jede*r will sein Instrument lauter haben.
Daniel: Ja, wie auf der Bühne.[lacht]
Gabo: Ja, na klar gab diese Diskussionen um Songs. Und später kam dann noch hinzu: Wie soll das Album heißen? Dann gab es so ein Ding – aber da haben mir glaub ich alle vertraut – wo ich dann F*cking Angry nicht mehr mit dem „*“ geschrieben hab sondern mit „u“. Aus dem ganz einfachen Grund, dass man uns bei Spotify nicht gefunden hat, wenn man da Fucking Angry mit „u“ geschrieben hat. Und das haben wir dann jetzt mit dem neuen Album auch gemacht. Wir sind da jetzt mit „u“ gelistet.
Daniel: Es gibt halt immer Hunderttausend Dinge, die besprochen werden müssen. Welche Farben zum Beispiel genutzt soll. Da hatte die Beckx zum Beispiel klare Vostellungen, welche es nicht sein darf.
Beckx: Ja, genau. Dominik meinte eben ja schon, dass wir immer versuchen einen Konsens zu finden. Aber es gibt halt schon auch die Möglichkeit, dass man auch Nogo zum Ausdruck bringen kann. Und das war für mich halt die Farbe Gelb. Das wollte ich so gar nicht. Da war ich auch sehr stur. Also es gab auch nicht so richtig viel Diskutiererei. Ich glaub Gabo hat trotzdem mal einen Entwurf gemacht zum Ausprobieren, und ich hab dann gesagt: Ich will kein Gelb!
Chris: Und jetzt passen wir doch auch mit dem Pink perfekt in die Welle von Releases – die sind irgendwie alle Pink! [lacht]
Gabo: Ja, mir ist immer wieder bei so Plakatwänden hier in Berlin aufgefallen: Ah, krass – pink sticht immer irgendwie hervor, und dann dachte ich: Ey, das probiere ich auch mal. Und ich hab dann versucht ein neues Erscheinungsbild mit was Oldschooligem zu verbinden. Und ich glaub das haben wir auch mit dem Album gemacht, dass wir oldschoolige Songs in einem neuen Soundgewand gemacht haben. Das war irgendwie die Denke dahinter, und ich steh da immer noch komplett dahinter, dass wir es pink gemacht haben. Und ganz ehrlich, wir hatten es schon vor einem Jahr fertig, und dann kamen erst Green Day und die anderen Bands, die das so gemacht haben.
Chris: Illegale Farben.
Daniel: Ohne Scheiß, mir hat exakt heute jemand geschrieben: Ey, ich lieb euer Cover voll. Ich meinte dann: Was denn genau? Und dann kam zurück: Ich steh total auf das Pink! [alle lachen]
Ist auch einfach ne sehr schicke Farb-Kombi. Kleine Anekdote: Ich hab auch eine kleine rumpelige Punkband. Mit der haben wir 2009(!) mal Aufnahmen gemacht und auf CD gepresst, und das Cover ist auch schon in schwarz-pink. Hahaha.
Daniel: Kommt halt immer gut.
Beckx: Die funktioniert einfach auch immer gut – eigentlich auch schon seit Jahren!
Chris: Also wirklich nichts an diesem Album ist zufällig entstanden, alles ist durchdacht.
Daniel: Doch, es sind Sachen zufällig entstanden, aber ich komm grad auch nicht drauf? [kurzes Schweigen]

Den andern fällt es auch nicht ein, was das war?
Gabo: Doch. Als ich zum Beispiel bei Daniel im Studio war und wir in die Songs nochmal reingehört und mit dem Keyboard rumgespielt haben. Da haben wir noch bei ein paar Songs Synthies im Hintergrund reingebastelt, die dann Fläche bilden.
Daniel: Ja, genau!!
Gabo: Das haben die anderen gar nicht gehört später, aber für uns war das voll geil, dass wir die drin haben und dann zu Micha meinten: Ey, mach das mal so, dass das geil klingt aber nicht direkt zu hören ist. Wenn du Kopfhörer auf hast, kommen die raus, weil die geben Fläche und machen das ganze Erscheinungsbild fetter, aber es fällt halt nicht auf.
Chris: Da hat früher jemand sehr viel Blink182 gehört.
Gabo: Ja, die machen das 1A so.
Daniel: Ey, den einen Synthie bei Dunkelheit, den hat keine*r von euch jetzt bisher rausgehört.
Gabo: Und sowas wär eben nicht passiert, wenn wir alle da zusammen gesessen hätten, sondern dann wär gekommen: Ne, das geht nicht. Und wir haben es einfach gemacht, weil wir dachten, dass es das runder macht. Und dann ist es einfach passiert, und es ist drauf geblieben. Das sind dann Sachen, die einfach spontan passieren.
Beckx: Und beim Interview kommt es raus! [alle lachen]
Gabo: Ey, die Platte kommt in ein paar Tagen, man kann nix mehr machen. Fertig!! [alle lachen]

Wie läuft denn eigentlich bisher der Vorverkauf, habt ihr da nen aktuellen Einblick und könnt was dazu sagen? Der läuft ja jetzt auch schon eine ganze Weile. Wann habt ihr damit gestartet?
Daniel: Nikolaus, also 6. Dezember.
Beckx: Die farbige Special-Version, die jetzt extra nur fürs Release war, die sind jetzt alle ausverkauft, oder? Und dann gab es ja noch die Übergangspressung. Bei denen weiß ich es jetzt nicht so.
Gabo: Angeblich ausverkauft. Das waren nochmal 30 in zwei Tagen. Also für uns krass gut. Wir hatten natürlich die Hoffnung, dass ein paar Dinger weggehen, aber wir konnten es nicht einschätzen. Bei der „Dancing In The Streets“ hat es damals megalange gedauert, bis Leute auf uns aufmerksam wurden. Wir hatten damals 500 Stück gepresst, und hatten keine Ahnung wie lang das wohl dauert. Und wir hatten ein Jahr später immer noch total viele, und dann kamen erst die Reviews und die Laute sind auf uns aufmerksam geworden. Wir hatten es mit RilRec damals sehr low gemacht. Jetzt sind fast 10 Jahre vergangen und mittlerweile kennt man den Namen, und es ist ja schon professioneller mit Rookie und RilRec und Grand Hotel van Cleef. Wir haben extra eine größere Promophase gemacht und haben gesagt: Ey, lass uns mal in den Vorverkauf gehen, damit wir es so’n bisschen besser abschätzen können, wie viele so weggehen, so dass wir für uns irgendwie ne Sicherheit haben. Also für unsere Verhältnisse läuft es megagut, aber wenn du andere Bands nimmst, ist es daneben kein Vergleich, ne. Also jetzt mal ganz doof, letzte Woche waren Kettcar auch von Grand Hotel auf Platz 1 der Charts, ne. Das ist ne andere Hausnummer.
Chris: Das ist aber auch keine Punkband.

Aber mal konkret: Von was für Zahlen reden wir gerade? Könnt ihr das sagen?
Gabo: Also von der neuen LP haben wir 1.000 Stück gepresst, ich glaub wir haben 200 Kassetten und 500 CDs. Dazu haben wir nochmal 500 LPs für die 3. Auflage von der „Dancing In The Streets“ nachpressen lassen. Genau Verkaufszahlen kann ich dir jetzt nicht sagen.
Dominik: 300 Stück, oder? War das nicht so?
Daniel: Die farbigen sind alle verkauft, das ist schon mal klar.
Chris: Also wir haben vor Release schon mehr verkauft als sonst in einem Jahr nach Release.
Das ist doch schon mal ne Ansage und cool, Glückwunsch!
Daniel: Ja, auf jeden Fall total cool!
Chris: Aber wie gesagt sind wir komplett in Vorleistung gegangen, und dann kommt langsam vielleicht die Kohle wieder rein.
Daniel: Ja, aber das geht ja auch erstmal alles zurück ans Label für die Ausgaben für die Pressung. Das wird ne schöne Rechnerei werden.

Aber cool, dass das so gut für euch läuft. Dann hat sich wenigstens der ganze Promo-Aufwand auch gelohnt.
Chris: Ja, es wär auch voll doof gewesen, wenn wir ein Album veröffentlichen und keine*r kriegt es mit.
Gabo: Das wär halt während Corona wahrscheinlich der Fall gewesen. Es wär dann sehr schnell verpufft. Wir haben extra die Promophase ein bisschen länger gemacht um 1-2 Monate und haben gesagt, dass wir es ein bisschen länger ziehen mit vier Videosingles und bauen das langsam auf. Aber das Ding ist ja, was man einfach nicht vergessen darf mit RilRec und Rookie: Das sind Szenelabels. Also wir machen das, was professionelle Bands mit großen Majors machen, eben in unserer Bubble. Das finde ich immer ganz spannend. Wir machen das worauf wir Bock haben, ohne diesen Druck zu haben. Sondern wir entscheiden, wie wir vorgehen.
Dominik: Ja, eben alles DIY.
Gabo: Ja, genau. Wir haben auch nicht kein Budget dafür. Wir haben einfach gemacht. Und es läuft nur, weil alle es eben DIY machen. Da ist jetzt keine Person dabei, die damit Geld verdient. Das muss man auch ganz klar sagen. Und manchmal gibt es aber auch nervige Reaktionen, weil Leute gleich denken: Oh wow, soviel Promoarbeit und die bringen jetzt ein Musik-Video raus, die wollen jetzt damit Geld machen. Und dann kommen Sellout-Vorwürfe – ans Label und an uns. Manche Leute blicken nicht, dass man professionell arbeiten kann auch in DIY-Strukturen. Und das nervt mich auch persönlich.
Daniel: Und es ist vor allem auch echt Schwachsinn, dass Leute davon ausgehen, nur weil man da ein bisschen Promotion macht, dass man dann auf einmal richtig viel Asche damit macht. Das ist ja Unsinn. Wir haben soviel Minus gemacht im Vorlauf. Und selbst wenn wir alle Platten auf einen Schlag verkaufen würden, würde trotzdem keine*r von uns davon reich werden und den Lebensunterhalt bestreiten können.
Dominik: Dann wär immer noch nicht das Minus raus.
Gabo: Genau! Wir haben das mal durchgerechnet. Wir kriegen das, was wir da jetzt reingesteckt haben, nicht raus, auch wenn wir alle Platten verkaufen. Das ist so ein Herzensding. Wir hatten ein Plus in der Bandkasse und haben gesagt: Wir stecken das jetzt da rein. Wenn wir Glück haben, rechnet sich das vielleicht in ein paar Jahren mit Live-Konzerten und Merch. Wer weiß, aber das ist nicht das Ziel. Da muss keine*r mit Plus rausgehen. Wir gehen da wirklich mit Minus raus.
Daniel: Ey, ich mein ich fänd es super nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber das wir niemals passieren. [lacht]

Voll! Und ich kann RilRec und euch voll verstehen, dass euch dass derbe ankotzt. Denn es sind ja einfach so richtig dumme Kommentare, die nur von Leuten kommen können, die von solchen Strukturen und DIY echt keinen blassen Schimmer haben. Und sich dann so einen Scheiß anhören zu müssen, dass ist einfach ärgerlich und nervt, und ich kann euch da voll verstehen.
Daniel: Genau, es nervt. Denn es ist ja einfach ’n Hobby, das viel Zeit frisst, wenn man es dann ein bisschen größer aufzieht. Aber es ist ja auch niemals das Ziel gewesen, damit Geld zu verdienen. Aber trotzdem machen wir ja die Musik, damit Leute die hören können. Wir machen die ja nicht, um die dann alleine zu Hause zu hören. Dann ist es ja schön, wenn viele Leute das mitbekommen und die die Möglichkeit haben die Musik zu hören. Ob das jetzt auf Streamingplattformen ist oder ob die sich ne Platte kaufen.
Gabo: Oder bei Saturn ne Platte klauen. Juckt uns ja nicht, sollen die doch machen.
Daniel: Oder das. Überhaupt in der heutigen Zeit davon auszugehen, dass Leute heute so easy noch mit Musik richtig Geld verdienen, ist eigentlich Unsinn, wenn man sich mal ein bisschen mit dem Geschäft auseinander gesetzt hat.
Dominik: Also wir machen ja letztlich Kunst. [lacht] Wir drücken uns selber aus, und na klar ist es gut, wenn das vielen gefällt. Aber wenn nicht, dann is halt Arschlecken.
Daniel: Ja, reich werden tut damit keine*r.

Zurück zu eurer Platte. Sicher habt ihr doch alle euren Lieblingssong auf der Platte, oder? Also einmal reihum: Nennt mir alle euren persönlichen Hit und sagt dazu warum!
Daniel: Puh, das find ich aber schwierig. Ich find viele gut.
Chris: Also bei mir ist das „Hoffnungsloser Optimist“, weil das mein persönlichster Song ist.
Beckx: Ich mag „I Killed God“ sehr gerne, weil ich den einfach auch sehr gern live perform, also ich sing den sehr gerne.
Dominik: Ja, bei mir ist es auch „I Killed God“. Das ist mein Lieblingssong, weil der für mich so’nen Dead Kennedys-Vibe hat.
Chris: Das war damals auch der Arbeitstitel – „Der Kennedys-Song“. Ich sing den live auch fast ein bisschen wie Jello Biafra. [lacht] Und man kann den auch wunderbar mit „Pol Pot“ beenden.
Dominik: Und „T.I.L.T.“ natürlich, was aber nicht mein Song sondern einer von Chris ist.
Daniel: Puh, ich find es super schwierig, mich für einen zu entscheiden.
Chris: Nimm einen von dir.
Daniel: Ach komm, dann nehm ich einen von mir. [lacht] Puh ne, weiß ich nicht. Ich find es echt schwer. Ich find „Hoffnungsloser Optimist“ ist echt ein Super-Hit, der gefällt mir auch super. Aber wenn es danach ginge, würd ich „Dunkelheit“ nehmen und würde mich da Chris anschließen, weil das mein persönlichster Song ist. Eigentlich würd ich mich aber ungern festlegen, weil es wirklich mehrere sind. Ich find eigentlich auch „Peace x Love“ total gut, weil der eben so anders ist und viel mitbringt. Aber ich find auch… Nein, ich hör auf, es werden zu viele.
Gabo: Ich find es auch total schwer, da jetzt was zu sagen. Aber ich würd auch erstmal „Peace x Love“ herausheben, weil das irgendwie ein Song war, bei dem ich irgendwie voll Bock hatte, mit Dubeffekten in ’ner Punkband rumzuspielen. Ja, ich glaub deswegen nehm ich den. Ich hätte es aber eigentlich viel interessanter gewesen, wenn du gefragt hättest, welchen Song wir am meisten hassen. [alle lachen]

Das wär die Frage danach gewesen. [alle lachen] Nein, nicht so direkt, eher nochmal Bezug nehmend auf die Frage von vorhin, ob es Streit um einen Song gab und es vielleicht sogar knirsch war, ob der rausfliegt? Denn ihr hattet ja selbst auch schon betont, dass ihr fünf Personen mit sehr unterschiedlichen Musikgeschmäckern seid. Und auf der neuen Platte gibt es jetzt einen poppigen Song, es gibt nen Streetpunk-Song, es gibt den Dub-Reggae-Song, dann das Banjo und den Sepultura-Einstieg und und und. Als ich die Platte das erste Mal komplett gehört hab, hab ich schon gedacht: Hm, das war vielleicht schon schwierig an der ein oder andern Stelle alle mitzunehmen.
Daniel: Ich weiß schon, bei welchem Song es am meisten geknirscht hat – zumindest am Schluss.
Gabo: Aber lag es am Song oder lag es an den Effekten?
Daniel: Ja, das ist eine gute Frage! [lacht] Am Song, an den Effekten oder an der Aufnahme des Songs! Aber im Endeffekt finde ich, ist es ein sehr guter Song.
Chris: Verrätst du auch, welchen Song du meinst?
Daniel: Ich weiß nicht, darf ich es verraten?

Ihr könnt ja dann immer noch entscheiden, ob ich es abdrucken soll oder nicht. Hahaha.
Daniel: Am meisten Diskussion gab es meiner Meinung nach bei „1st Day Of A Better World“.
Chris: Dem Opener, ja. Es gab die Frage, ob es überhaupt der Opener wird…
Daniel: Oder ob er vom Album geschmissen wird oder nicht. Beides.
Dominik: Wir haben den ja auch nochmal komplett umgeschrieben.
Daniel: Aber das war nicht am Anfang, sondern da war eigentlich klar: Der kommt aufs Album. Aber wie es umgesetzt und aufgenommen worden war, da gab es verschiedene Punkte, die diskutiert wurden.
Chris: Ja, beim Opener wurde sehr viel diskutiert aber auch beim Closer „Fuck You All“. Da finde ich zum Beispiel die englische Aussprache… wir können alle nicht so richtig gut englisch, und das hört man dann auch bei so’nem Song, der auf Akustik-Gitarre setzt und dann einen englischen Text hat. Ich finde das kommt nicht authentisch rüber bei uns. Also das ist meine persönliche Meinung.
Daniel: Dafür schreibst du ganz schön viele englische Songs.
Dominik: Für andere Leute ist das der ganz große Hit.
Chris: Ja, auch da ist es wieder komplett unterschiedlich.
Daniel: Also „1st Day Of A Better World“ find ich auch immer noch total super, und ich finde auch er ist super umgesetzt.
Chris: Und mir war beim Schreiben schon klar, dass das der erste Song werden muss! Denn die Textzeile am Anfang „Here we go again, still fucking angry“ war passend für ’nen Opener geschrieben schon. Und da waren aber nicht alle in der Band voll zufrieden mit. Ja, hat lang gedauert das auszudiskutieren.
Dominik: Ja, das hat irgendwie mit dem Gesang nicht so gut gepasst. Deswegen haben wir da auch die verschiedenen Gesänge. Ich glaub da singen wir alle drauf bis auf Gabo.
Chris: Ja, manche sind eben first take, und bei dem hat es einfach länger gedauert.

Für euch auch vielleicht nochmal von mir als Feedback. Mit fällt es auch super schwer diesen einen Song rauszupicken, der mir am besten gefällt, weil ich auch echt viele richtig gut finde. Sei es „Dunkelheit“, was meiner Meinung nach echt ein Hit ist oder auch „Hoffnungsloser Optimist“. Aber ich würde jetzt den Song wählen, der mich mit am meisten überrascht hat, und bei dem ich dann außerdem von mir selbst überrascht war, dass er mir so krass gut gefällt. Und das ist „Broken“. Denn eigentlich bin ich von diesem folkpunkigen Sound, den ich früher durchaus auch gern gehört hab, eigentlich schon lange weg und hör sowas eigentlich nicht mehr. Und trotzdem hat mich der Song und vor allem dieses verrückte Banjo sofort gecatcht und ich find den richtig geil.
Beckx: I love it! Ich mag das Banjo und den Song auch sehr gerne. Und als ich am Anfang gehört hab, dass da Banjo drauf kommen soll, konnt ich mir das gar nicht vorstellen muss ich sagen. Obwohl ich selber eigentlich auch gern Days N Daze und so Kram höre. Also mich erinnert das sehr daran. Ich liebe es und find es toll! Und ich mag auch den Kontrast, also dies eigentlich fröhliche von der Melodie her zu dem eigentlich nicht so fröhlichen Kontext. [Anm.: Der Song handelt von Depressionen und dem hilflosen Gefühl, diesen ausgeliefert zu sein.]

Definitiv. Das find ich auch megastark daran. Ich war da gleich sofort drin, denn der ist ja einfach mega catchy und der Gesang animiert auch sehr zum Mitsingen. Und dann im zweiten Moment hab ich erst gedacht: Hey, Moment. Krass, worum geht’s da eigentlich grad.
Chris: Ich kann ja noch einmal ein paar Hintergrundinfos zu dem Song geben. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen so einen klassischen Rancid-Song zu schreiben. Man hört es vielleicht so ein bisschen an dieser MattFreeman-mäßigen Basslinie oder an dem doch relativ simple gehaltenen Text. Das ist ja doch eigentlich relativ häufig bei Tim Armstrong der Fall, und die Texte sind nicht besonders tiefgründig. [lacht] Naja, poetisch vielleicht, aber auf ihre ganz eigene Straßen-Art und Weise. Da war eben die Idee diesen Rancid-Song zu schreiben. Und ich hab den erstmal auf Akustik-Gitarre mitm Handy aufgenommen. Und als ich mir das dann auf angehört hab, klang das so schrottig, dass es stellenweise wie ein Banjo klang. Und dann hab ich gedacht: Ok, krass – Banjo passt da ja eigentlich auch ganz gut. Das sollten wir machen. Es war also auch wieder eigentlich so ein Zufallsprodukt.
Daniel: Fand eine*r der Rezensionist*innen beim Ox auch richtig Scheiße das Banjo und hat geschrieben: Jetzt weiß man auch, dass n Banjo im Punk nix verloren hat.
Chris: Ja, Trompeten raus aus Punk.
Gabo: Als du gesagt hast: Lass uns mal n Banjo drauf machen“, dachte ich aber auch: Ey, bitte nicht! Ich hasse dieses Instrument. Ach, was heißt hassen, aber ich verbinde damit echt nicht geile Sachen so.
Chris: Redneck.
Gabo: Ja, unter anderem. Ich hab auch nie Punk gehört, wo das drin war. Und als das dann eingespielt war, musste ich sofort lachen. Dieses Solo ist so schnell und so krank irgendwie.
Daniel: Wie so Weglauf-Musik im Zeichentrick, „diddeliddeldiddeliddel…“
Gabo: Ja, und als ich nur das Banjo-Solo gehört hab, musste ich so lachen, weil ich dachte: Irre, was die Person da spielt. Und dann war für mich klar: Passt!
Dominik: Ich find auch, es ist wirklich geil gespielt – was der spielt, wie er es spielt. Das ist echt gut.

Wer hat das Banjo eigentlich eingespielt?
Dominik: Volker von Molotow Soda, meiner Ex-Band.

Der Bonner-Klüngel.
Dominik: Ja klar, is ja sowieso alles Klüngel [lacht].
Daniel: Es ist auch spannend das live umzusetzen. Wir haben es ja schon ein paar Mal live gespielt. Und es ist immer auch so ein Schock für die Leute [lacht] oder es überrascht sie, wenn die Gitarre auf einmal gar nicht mehr verzerrt ist, sondern nur noch laut und unverzerrt und dieses schnelle diddeliddeldiddeliddeli.. macht.
Beckx: Ja, vor allen Dingen weil die Single und das Video noch nicht draußen waren, als wir es die ersten Male live gespielt haben, und die Leute es noch nicht kannten. Mal sehen wie es jetzt so wird, wenn die Leute dann schon wissen: Okay, das ist jetzt der potentielle Banjo-Part.
Chris: Dann sind sie natürlich enttäuscht, dass kein Banjo auf der Bühne ist.
Beckx: Ja, maybe.

Ich fänd es auch sehr spannend, nochmal nen Rücklauf von euch zu bekommen, wie so Reaktionen bei dem Song aber auch bei einigen anderen sind. Denn ich hatte es gibt ja wie gesagt durchaus so einige Parts, bei denen puristische Nörgler*innen die Nase rümpfen und sagen: Öh, was ist das denn jetzt.
Daniel: Punkverrat!
Daniel: Ja, bin ich auch gespannt.
Dominik: Also bis jetzt waren die Rezensionen alle extrem gut. Hat mich auch überrascht. Es war irgendwie klar, dass es auch gefährlich sein kann, wenn man vom bisherigen Weg abgeht.
Daniel: Und polarisiert.
Dominik: Aber bisher können wir nicht klagen. Es haben alle abgefeiert. Obwohl ja die Punks die Konservativsten überhaupt sind und immer alles genauso haben wollen wie es schon immer war – ich selber eingeschlossen. [alle lachen]
Beckx: Das Gute ist, ab nächster Woche müssen wir nicht mehr Rätsel raten. Dann ist das Album endlich draußen, und dann werden die Leute es uns schon auf jeden Fall erzählen. Na gut, die müssen es ja auch erstmal hören und sich ihre Meinung bilden. Also ich geb denen noch ein paar Tage drauf.
Gabo: Donnerstag um 23:59 Uhr, ey – dann sind wir durch!
Beckx: Finally!

Ähnlich ist es ja bei „Dunkelheit“ als erster Single, ein richtig guter Song und krasser Hit. Aber auch da hat mich beim ersten Hören dieses Intro mit dem Sepultura-mäßige Drumsound überrascht und ich dachte: Oh, mal sehen wie das so ankommt.
Gabo: Daniel kam mit diesem Song an, also es stand so halbwegs die Strophe und der Refrain stand. Und es war halt mega ’n Ohrwurm. Und dann haben wir uns hingesetzt und überlegt, was wir daraus noch machen können. Ich bin in so’nem Reggae-Haushalt groß geworden, meine Mutter kommt aus Brasilien, und ich bin eben mit Samba-Musik aufgewachsen. Und ich war in der Grundschule in so’ner Samba-Gruppe mit fünf Freunden aus Brasilien, und wir haben auf so Festen gespielt in Bonn und Umgebung. Davon ist auch noch diese Trommel.

Ich bin mit der Idee zu Daniel gekommen und meinte: Kannste dir das vorstellen? Und seine Reaktion war sofort: Ey, lass uns doch so’n Sepultura-Intro machen. Und da war ich dann sofort dabei. Auf diese Connection von Samba-Trommeln und Punk war ich vorher nie gekommen, das waren für mich wie so zwei Welten. Und das dann zusammenzubringen fand ich mega spannend. Mir war klar, dass Leute das komisch finden würden. Aber hey, es klappt, und wir waren mega happy damit. Und ich find es sehr lustig, nach gefühlt zwanzig Jahren nochmal wieder so’ne Samba-Trommel auszupacken und da so’nen Rhythmus drauf zu spielen. Also mir hat es auf jeden Fall Spaße gemacht und ich bin mega happy das gemacht zu haben. Und es fällt auf jeden Fall auf. Ich glaub es gibt nicht so viele Punkbands – zumindest aus Deutschland – die das machen.

Kommen wir nochmal kurz zu den Inhalten. Ihr seid ne klar politische antifaschistische Band, macht da keinen Hehl draus und bezieht schon von Beginn an in euren Texten und Aktivitäten Stellung gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Sexismus und LGBTIQ*-Feindlichkeit. Ich weiß nicht, ob ihr es überhaupt sagen könnt oder euch da so festlegen wollt, aber ich frag es trotzdem: Was ist euch das wichtigste Statement auf der Platte? Oder anders: Das war uns ein besonderes Anliegen, zu dem Thema mal ’nen Song zu machen bzw. da mal Stellung zu beziehen?
Daniel: Vielleicht ist es das, was so ein bisschen in vielen Songs drin ist: Dass man eigentlich mehr den Arsch hoch bekommen muss – selber auch und nicht nur andere Leute auch – um die Welt ein kleines bisschen mehr zu ertragen und sie vielleicht auch ein bisschen zu verbessern. Aber das ist natürlich auch ein bisschen hochgestochen – also wir sind ja nur kleine Rädchen im Getriebe. Aber das ist was, was meiner Meinung nach in einigen Liedern drin ist. Und „1st Day Of A Better World“ ist ja eigentlich so ein positives Ding und sagt, dass man jetzt mal an den Start gehen sollte. Und „Dunkelheit“ ist ja auch so, da heißt es „Euch bleibt hoffentlich noch Kraft – und dass ihr es irgendwie schafft, das zu tun, was wir tun müssten, bevor wir uns von hier verpissen“. In vielen Songs ist irgendwie so diese Botschaft.
Chris: Ganz nah am Abgrund.
Daniel: Genau: Wir sind nah am Abgrund, jetzt reißt euch mal zusammen und macht mal was – inklusive ich selber fühle mich davon angesprochen.
Beckx: Was nicht unbedingt so ein politisches Statement ist, aber vielleicht gerade deshalb finde ich es auch gut und wichtig, das wir „Broken“ drauf haben. Also ich mag den Song sehr und finde es auch von der Thematik gut. Denn das öffnet ja auch Kommunikation.
Chris: Es sind jetzt nicht so die großen politischen Slogans, aber irgendwie hat das Album ja eine Gefühlslage vor allem. Also wie gehen Menschen mit der aktuellen Situation um und mit dieser als solche empfundenen Bedrohungslage? Da geht jeder Mensch anders mit um, und manche wählen rechte Parteien. Da sind wir eben so ein Gegenbeispiel vielleicht auch.
Gabo: Ich finde aber auch – oder das ist was, worauf wir uns glaub geeinigt haben – was auch die Stärke bei dem Album ist, dass wir A) nicht wie andere Punkbands gesagt haben „Wir sind die Guten und machen es besser als alle andern“, sondern wir sind in der Scheiße mit drin, dass B) das Ganze ein persönliches Album geworden ist und wir nicht die stumpfen Parolen haben, sondern sehr viel auf dem Album erzählen, wie es uns gerade geht. Oder auch bei einem Song wie „No Fun“, wo es darum geht einen Song gegen Nazis zu machen, und das wird dann eine Geschichte, die einer aus der Band erlebt hat, um aus seiner Sicht dann zu sagen: Ey, Nazis sind scheißegefährlich – auch für uns! Ich glaub das ist irgendwie die Stärke auf dem Album, dass wir persönlich geworden sind und uns damit vielleicht auch angreifbar machen, aber das find ich viel spannender und holt mich mehr ab, als wenn ich zum hundertsten Mal einen Song gegen dies oder das machen würde.

Dann allerletzte Frage zum Abschluss: Es stehen jetzt ja die Release-Shows an und über den Sommer ja auch noch so einige andere Sachen. Ihr sollt ’n Mixtape für den Van zusammenstellen. Nennt mir doch mal pro Person 1-2 Songs, bei denen ihr jetzt gerade sagt: Das ist für mich momentan der Shit! Da häng ich voll drauf fest, und das muss da unbedingt mit drauf!
Beckx: Also ich hätte eine Spaß-Antwort. Mir fällt grad der Interpret nicht ein, aber der Song heißt „Melona Coco“. Und der lief immer mal wieder bei uns im Van, wenn wir unterwegs waren.
Chris: Das ist der Zilli. Zilli Henneberg aus Erfurt.
Beckx: Ja, der muss mit drauf.
Daniel: Boah, zwei Songs!?
Beckx: Was ich immer noch sehr gerne mag ist „Du bist so schön, wenn du hasst“ von Deutsche Laichen. Ich find den kann man auch schön mitgrölen. Und ansonsten hab ich gefühlt auch noch nie in meinem Leben Musik gehört.
Chris: Bei mir lief letzter Zeit sehr viel so Emo-Punk, passend zur Stimmung. „Drag My Body“ von Hot Water Music war sehr häufig dabei, bisschen Alkaline Trio, bisschen alles mögliche. Aber zwischendurch auch immer mal wieder die guten alten Schleimkeim. Das muss mit drauf.
Dominik: Ich hör im Moment ziemlich viel Suicide Commando, das ist ne uralte Band aus den USA. Hab ich früher viel gehört, dann Ewigkeiten nicht mehr und jetzt gerade wiederentdeckt.
Daniel: Ich guck mal kurz, was ich so in letzter Zeit gehört hab.
Dominik: Ansonsten ein Song den ich auch immer geil finde ist Amoeba von Adolescents.
Gabo: Ich glaub bei mir wär es Apsilon mit Köfte. Das ist so ein Berliner Rapper, den hab ich für mich entdeckt. Krassester Text den ich seit Monaten gehört hab auf jeden Fall. Das is’n politischer Rapper aus Kreuzberg, ganz junger Dude gerade 20 oder 22 maximal. Den Song find ich krass. Und Noah And The Loners aus England, das ist so’ne Newcomerband und alle unter 20. Die haben vor einem Monat ungefähr Ihre erste EP rausgehauen. Krass. Ich hab die zufällig hier in Berlin live gesehen vor 10 Leuten, und die haben die Bude abgerissen. Ich bin sehr gespannt, wenn das Album kommt. Da hab ich Bock drauf.
Daniel: Also, mir ist auch doch noch was eingefallen. Wir machen immer mal so’nen Plattenabend mit so einem Kumpel und der hat letztens was mitgebracht, das fand ich richtig geil: The Devil’s Blood. Das ist so Okkult-Rock-Metal oder wie man das nennen möchte. Und das andere war The Night Eternal, das ist auch sowas in der Art. Da bin ich großer Fan momentan von solchen Sachen, das geht mir ganz gut rein – so ein bisschen schlechte Stimmung aber auch gute Melodien. Sowas wie Blue Öyster Cult früher gemacht haben, bloß ein bisschen moderner und härter.
Chris: Und weil wir bald mit ihnen zusammen spielen noch Schimpfpflicht! „Wenn Alles kein Geld kosten würde, dann wäre Alles umsonst, nämlich“ – so heißt der Song.
Daniel: Also du siehst, es ist sehr unterschiedlich.

Wenn ich auch einen Song beisteuern dürfte, würd ich Sprints aus Dublin mit draufpacken. Die machen melodischen, garagigen Punkrock und sind wahnsinnig catchy. Die Platte is schon der Hammer – aber live ist es der totale Abriss. Wenn ihr die Chance habt, die mal live zu sehen, macht das! So jetzt aber muss ich wirklich mal Schluss machen. Vielen Dank an euch und viel Erfolg weiterhin. Ich bin gespannt!
Alle: Danke auch dir.

Interview und Text: Roland Brust

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