Dezember 31st, 2025

Crime Dawg (#228, 2024)

Posted in interview by Jan

Crime Dawg ist eine echt tolle HC Band, mit denen ich unbedingt ein Interview machen musste. Da wir alle ziemlich busy waren und doch beide Seiten total Lust / Bock hatten, haben wir das Interview über E-mailverkehr umgesetzt. An eine besagten Abend bin ich auf ein Konzert gefahren welches ein guter Freund veranstaltete. Und hatte schon hier und da von Crime Dawg gehört, doch wollte ich mir das mal anschauen. Bereits einige Zeit vor dem Konzertbesuch hatte ich mir die Platte angehört und bereits schon da gedacht, uiui da ist aber was los.
Nun, ich war dann auf diesem Konzert, als ich den Saal betrat sah ich einen Mensch mit dem Rücken zum Eingang stehend. Er hatte eine College-Jacke an, auf der zu lesen war Antisocial Straight Edge. Da war bei mir alles zu spät. Ich habe gedacht what the helll, ich bin in love. Bis ich dann mal gecheckt hatte das es sich um den Sänger der Band handelte. Ich war soooo aufgeregt. Die Show ging los, ich war so mitgerissen von dem energetischem Vibe, den die Band da loslöste. Ich konnte es nicht fassen. Ich mussssss unbedingt ein Interview mit ihnen machen, mein erster Gedanke.

Und so kam es dann auch. Crime Dawg gibt es noch nicht so lange und sind was den musikalischen Bekanntheitsgrad anging noch nicht so Big. Doch die Bandmember kennt man bestimmt schon von dem ein oder anderen Bandprojekten. Dennoch ist es mir wieder mal ein großes Anliegen, diese Band durch Printmedien zu supporten. Hier ist das gute Stück. Ich hoffe ihr habt Spaß und nochmal, der Sound ist krass nice.

Der Standard: Wie habt ihr euch gefunden? Seit wann gibt es euch? Und gibt es euch auch in anderen Band-Projekten? (bei eurem Front-Mensch ist mir dies bekannt) <3 Und warum Crime Dawg?
Björn: Wir kennen uns alle schon eine ganze Weile. Ich wollte schon seit Ewigkeiten mal eine Band mit Rix und Marcel machen. Irgendwann mal so zwei lupenreine oldschool Songs gebastelt, aber irgendwie da nie mehr als eine Session bei Rix‘ Eltern im Keller draus geworden. Und vor etwa zwei Jahren hat Rix noch mal die Initiative ergriffen und mir geschrieben, dass wir jetzt eine Band machen. Habe dann lose an Riffs gearbeitet, aber es hat noch ca 1 Jahr gedauert, bis wir wirklich zum ersten Mal alle zusammen gesessen haben und der Plan Form angenommen hat. Dass wir tatsächlich mal den Proberaum verlassen und auch etwas releasen, hätte ich damals nicht gedacht. Abhängen und Musik machen stand für mich eigentlich im Vordergrund.
Jason: Uns gibt es seit Dezember 2022. Vor ca. 10 Jahren hatten wir ein kurzes Bandprojekt namens Voltage. Da waren Rix (Gitarre), André (Drums) und ich (Bass) involviert. Wir kennen uns alle schon Ewigkeiten aus der kleinen Stadt Wegberg. Ich bin des Öfteren mit Abfukk und AYS mitgefahren und hab den Merch gemacht. Nachdem Voltage aufgelöst wurde, habe ich mein ganzes Bass-Equipment verkauft, in eine Siebträgermaschine investiert und mich eher weniger aktiv in der Hardcore und Punk Szene aufgehalten. Schon 2020 (glaub ich) entstand die Idee, eine neue Band zu gründen. Zwei Jahre später haben uns zwei-, dreimal zusammengesetzt, uns einen Proberaum geklärt und geprobt.
Rix: Man hört raus, dass wir uns alle irgendwie schon seit Jahren kennen. Generell ist mir immer wichtig was mit Freunden zu machen, man verbringt dann ja super viel Zeit miteinander, das will ich dann natürlich mit guten Leuten machen und nicht irgendwelchen Fremden, nur weil die vielleicht musikalisch gut reinpassen. Mit Marcel war ich schon bei Abfukk und The Italian Stallion, mit Jason und Andre bei Voltage und mit Björn bin ich seit 25 Jahren oder so befreundet. Also war das relativ natürlich alles. Marcel kennt das Trust Publikum vermutlich am ehesten noch als Sänger von Sniffing Glue.

Warum der youth crew/HC-Punk Sound? Und wie ist es zu der Liebe gekommen? Und was treibt euch an?
Rix: So youth crewig finde ich das jetzt eigentlich gar nicht. Wir sind ja alle irgendwie seit Jahren im Hardcore oder Punk Umfeld umtriebig, mal hat man irgendwie mehr Bock auf punkigeren Kram, mal mehr auf Hardcore.
Jason: Jeder hat seine Ideen geäußert und wir haben alles zusammengeworfen, was uns derzeit gefällt. Dabei ist das Mixtape herausgekommen. Ich muss gestehen, dass ich sowohl beim Mixtape als auch beim neuen Release Schwierigkeiten habe, eine vernünftige Beschreibung zu finden. Ich denke, dass wir uns soundtechnisch mit dem neuen Release weiterentwickelt haben und kann absolut nicht beschreiben, in welche Richtung das Ganze geht. Mich persönlich treibt das Abhängen miteinander an. Ich finde es nach diversen Bands immer noch cool, Konzerte zu spielen, mit Freunden abzuhängen und neue Bekannte kennenzulernen.
Björn: Bei den Songs für das Demo haben wir tatsächlich erstmal versucht unseren Sound zu finden und etwas rumexperimentiert, würde ich sagen. Ich glaube zwischenzeitlich haben alle eine etwas klarere Vorstellung davon, wie wir klingen wollen. Deswegen gehen die Songs auf unserer anstehenden EP auch etwas mehr in eine einheitliche Richtung. Vielleicht etwas weniger Punk und Melodie, eher etwas aggressiver und asozialer.
Rix: Keine Ahnung, ob ich mich damit zu weit aus dem Fenster lehne, aber ich denke, das was Jason sagt treibt am Anfang doch irgendwie jeden an. Eine gute Zeit haben, mit guten Leuten abhängen und das machen, wo man selber Bock drauf hat.

Bei dem Song „i don’t like violence, i love it“ scheint ihr wohl gerne zu „tanzen“? Hat sich da schon jemand von euch einmal krass verletzt? Was ist euer „favourite move“: The Monkey, windmill, Two Step oder einfach nur der Fighter ? HAHAHA
Björn: Two step – all day, everyday. Beim „Tanzen“ bislang aber nie ernsthaft verletzt. Nur mal beim Stagedive eine Schulterverletzung zugezogen. Und vom behandelnden Orthopäden direkt auf mein Brains Shirt angesprochen worden. Die hat er in den 80ern auf ihrer Deutschland – Tour gesehen.
Rix: Ich finde so Violent Dancing Kram ja schon immer ganz geil anzusehen, und verstehe auch die Aufregung immer mal wieder um das Thema nicht so richtig. Man weiß doch in der Regel, wo man sich drauf einlässt. Also ich guck mir das gerne an, hab auch keinen Bock mir einen Tritt ins Gesicht einzufangen und stelle mich dann abseits. Aber ich kann mich da nicht drüber aufregen. Ich hätte mich auch nicht gerne von GG Allin mit Scheiße bewerfen lassen, aber darum muss man das ja nicht verbieten.
Jason: In dem Song geht es eher darum, dass viele Mitmenschen ziemlich egozentrisch geworden sind und null Rücksicht auf andere nehmen. Niemand interessiert sich für den anderen und denkt nur an sich. Versteh mich nicht falsch, keiner muss immer super rücksichtsvoll sein, aber einige Leute haben für ihr Verhalten einfach aufs Maul verdient. Marcel kann denke ich mehr dazu sagen. Ich finde aber im Zeitalter sozialer Netzwerke gewinnt der Song immer mehr an Aktualität. (Marcel leider verhindert)

In dem Song polished edge, sprecht ihr da die Pseudo-Szene „trueness“ an? Da Zeilen wie „whats more clear, your mind or your shirt“ fallen?
Rix: Hardcore und auch Punk darf für mich nicht so glatt sein. Es geht glaube ich mehr darum, dass das ganze eckig bleibt und am liebsten immer auch irgendwie räudig ist. Dann fühle ich Musik am meisten, wenn es irgendwie rotzig ist?
Björn: Es gibt wenige Sachen an der Szene, die mich so nerven wie Profilierungsdrang.

Was ist eure Meinung über die Szene, Entwicklung etc? Viel Fame und wenig True?
Björn: Ich glaube, das lässt sich schwer verallgemeinern. Auf den Shows, auf die ich in der letzten Zeit so gegangen bin, hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute machen, worauf sie Bock haben. Das passt nicht immer in das Schema der Szene, wie sie z.B. 2000 bis 2010 war. Vielleicht ist es aber auch gerade etwas Gutes und mehr „true“, als damals. Insgesamt finde ich die Entwicklung der Szene zumindest hier in der Ecke (Köln/Düsseldorf) ziemlich geil. Super viele Leute, die sehr engagiert sind, Bands gründen, Shows organisieren Labels betreiben. Sehr viel DIY Spirit.

Die Kids pushen sich gegenseitig. Mehr Frauen auf Shows, sowohl vor als auch auf der Bühne. Es wird hart gemosht, ohne Rumgestresse und ohne Messageboard-Kriege im Nachgang. Es haben sich schon sehr viele Sachen sehr positiv weiterentwickelt. Man muss einfach mal schauen wie nachhaltig das möglich ist. Ein großer Nachteil ist dabei aber tatsächlich, das Gefühl, dass alle irgendwie in ihrer Bubble hängen.
Jason: Ich muss gestehen, dass ich nach meiner letzten Band Voltage sehr viel weniger Berührungspunkte mit Hardcore und Punk hatte. Ich finde es aktuell super, dass es viele neue Bands und Labels gibt. Ob alle „true“ sind, keine Ahnung. Bin ich „true“? Wahrscheinlich nicht. Ich find Leute sympathisch, die anderen Menschen und Bands offen gegenüber sind. Keinen Bock habe ich auf pseudo-elitäre Kreise.
Rix: true finde ich als Wort ja auch ganz schwierig, wer bestimmt was true ist und was nicht? Gibt es da ein Regelwerk? Wie Björn und Jason schon sagen, bei uns in der Ecke sieht man jetzt seit paar Jahren wieder viele junge Kids, die richtig Bock haben, was zu machen und das sollen die mitnehmen. Wenn die in 5 Jahren wieder weg sind, ist das schade, aber who cares. Man sieht viele Leute, die man vor 10 oder 20 Jahren auf Shows gesehen hat da heute nicht mehr. Muss ja jeder selber wissen. Wenn es sich für einen selbst heute richtig anfühlt, ist das true irgendwie.

Was bedeutet für euch ein edge life? Seid ihr alle edge?
Björn: Nicht alle von uns sind edge. Ich persönlich mochte mich angetrunken einfach nicht. Ich weiß, dass ich betrunken nervig, mich daneben benommen habe und es war mir irgendwie unangenehm. Saufen hat mir auch nichts mehr gegeben. Also mit 17 entschieden, bis zum 18ten mal nichts zu trinken. In der Zeit haben mir Shows und Straight Edge ein positives Gefühl gegeben. Vermisst habe ich mich mit 18 gefragt: Warum wieder anfangen?! Unter’m Strich ist die Entscheidung SXE zu sein aber immer eine recht persönliche mit unterschiedlichen Motiven.
Rix: Ich habe noch nie Alkohol getrunken oder irgendwelche Drogen genommen, aber hab super viele Jahre geraucht, also per Definition bin ich erst paar Jahre SE. Ich komme halt auf Rausch nicht klar, zu sehr Kontrollfreak vermutlich. Aber es bedeutet mir nicht so richtig was. Finde so “Straight Edge means I’m better than you” Gelaber aber schon auch geil, also in irgendwelchen Bandtexten feier ich sowas immer. Mir ist aber echt alles egal, was wer anders macht.
Jason: Ich bin nicht straight edge. Mir scheiß egal, wer was ist, solange mich damit niemand stresst.

Was ist eure momentane Lieblingsplatte? 
Björn: Puh, schwierig. Es kommt einfach gerade so verdammt viel gutes Zeug raus. Dead Last – Where we go from here. Bad Beat. die Demos von Face the Pain, Spiral, Chemical Threat, Preemptive Strike und Reflex. Ansonsten laufen das Weapon X Demo, Magnitude – of days renewed und Mindz Eye – True Blue bei mir gerade häufig.
Rix: Dynamite – Blow the bloody doors off, Stiff meds – hell realm, Direct threat – Endless siege, Destiny Bond – Be my vengeance. Keine Ahnung, ob es nur was Neues sein muss. Wenn man jetzt noch älteren Kram dazu nimmt, den ich irgendwie ja immer noch regelmäßig höre, nimmt die Liste kein Ende, aber ey, SSD muss ich noch sagen.

Der wichtigste Song für euch auf eurer Platte? 
Rix: Poah, keine Ahnung, finde „Illest“ halt am geilsten.
Jason: „I don´t like violence“ würde ich sagen. Aus vorhin genannten Gründen. Gesellschaftliche Entwicklung stresst mich schon sehr.
Björn: „D.O.A.“ – damit fing alles an.

Welches war für euch der energetischste Auftritt? Und wie ist das Gefühl für euch wenn der Sound und die Lyriks bei den Leuten ankommt?
Björn: Unsere erste Show in Mönchengladbach war schon ziemlich gut. Vor allem, weil sehr viele Leute rumgekommen sind, die man zum Teil lange nicht gesehen hat. Letztendlich war Darmstadt in der Oettinger Villa aber der energetischste Auftritt. Einfach bestes Publikum. Beste Stimmung.
Rix: Wir haben ja bis jetzt eine recht überschaubare Zahl an Shows gespielt. Es gibt für mich immer zwei Shows die richtig geil sind, entweder wenn die Resonanz vom Publikum richtig gut ist und die Leute Bock haben oder genau das Gegenteil. Also Shows, wo die Leute gelangweilt sind oder einen sogar kacke finden, haben einen ganz eigenen Reiz. Generell bin ich bei dem was Björn sagt. Darmstadt hat mit der Oetinger Villa vermutlich den geilsten Laden Deutschlands für Shows, also zumindest safe top 5.

Was findet ihr richtig kacke?
Björn: AfD. Und Schnösel auf Sylt, die Kack – Parolen singen. Und Überheblichkeit. Es hat niemanden jemals schlecht getan, den Ball flach zu halten. Gilt innerhalb und außerhalb der HC Szene.
Jason: Laberbacken.
Rix: Whatsapp Gruppen Chats mit Abstand.

Mit wem würdet ihr gerne mal eine Show spielen? 
Björn: In den Staaten mit RZL DZL, Bracewar und No Warning. In Europa ist mein Wunsch-Line up: Chemical Threat, Slon, Pressure Pact, Krawl und wir. (Hi Leon, hi Guido – LFG)
Rix: Mir geht es dabei eigentlich gar nicht um die Bands, weil ich mit keiner Band ja spielen muss, um die zu sehen. Also wenn ich Bock auf ne Band habe, kann ich mir die ja auch ansehen ohne selber da auch zu spielen. Grundsätzlich spiele ich mit Bands am liebsten, wenn die auch richtig Bock haben und sich gut zerlegen, also wild sollen sie sein. Wobei ich finde fast alles was auf quality control rauskommt richtig geil, also irgendeine von den ganzen Bands.

Was ist euer Wunsch für die Band in der Zukunft? Vorhaben? 
Rix: Ich lasse das auf mich zukommen.
Björn: Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Shows spielen und die Leute zu unseren neuen Songs ape shit gehen. Aber ehrlich gesagt bin ich auch happy damit, wenn wir einfach weiter Spaß daran haben zusammen im Proberaum abzuhängen und uns gegenseitig Sprüche zu drücken. Wenn irgendwann noch eine LP dabei rumkommt und wir irgendwann mal ein paar Shows auf einem anderen Kontinent spielen, umso besser.
Rix: Wie bescheiden 😀

Und wer zu Hölle ist JayxBeez?
Rix: Legende.
Björn: Bester Typ. Dr. Benson. Der hat die fettesten Beats, den cleansten Style und zudem hoffentlich bald auch mal ein fertiges Demo mit seiner Band.

Zum Schluss, was wünscht ihr für euch selbst?
Rix: So persönlich? Keine Ahnung, eigentlich alles cool grade.
Jason: Das wir weiterhin Freude am gemeinsamen Musizieren haben.
Björn: Dass wir hoffentlich nie die Schnauze davon voll bekommen, viele Stunden unseres Lebens zusammen zu verbringen und uns gegenseitig auf den Sack zu gehen.

Das war das Interview. Ich hoffe man bekommt ein kleinen Einblick von der Band. Und hoffe ihr findet sie ebenso sympathisch wie ich. Und wenn ihr die Chance habt sie live sehen zu können. MACHT DAS!

Mucki

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