Burger Weekends (#232, 2025)
„Punk soll immer wild bleiben und Liebe in die Welt tragen“ – Halfway to Osnabrück: im Interview mit Carlos von den BURGER WEEKENDS
Durch Tipps und Hinweise von meinem Frankfurt-am-Main-Nachbar Charly stellte ich spätestens auf dem Puke-Fest in Münster 2024 fest, dass sich nach dem Ende der glory Lookout-Records-Days längst eine „neue“ Pop-Punkszene manifestierte. Speziell in NRW und Niedersachsen geht es ab mit den Burger Weekends (BW), The Hawaiians, The Evil O’Brians, Partysprenger Records, der „Noodle Brain“-Konzertgruppe und eben dem Puke-Fest (organisiert von Neon Bone´s singendem Schlagzeuger Lars).
Sonst gibt es noch in Europa zum Beispiel Monster Zero Records. good old school Stardumb Records in Holland und das „Raduno“-Fest in Bergamo. Speziell die BW um Trommler-Sänger Carlos haben es mir angetan, der Tausendsassa aus Osnabrück macht noch bei dem sympathischen „Monkey Business“ Fußball-Fanzine mit und erklärte auf awayfromlife.com, was es mit dem Bandnamen BW auf sich hat: „Wir hatten irgendwas mit „Weekend“ im Kopf. „Wild Weekends“ und so was. Aber da gibt es ja bereits Songs von, wie von den ZEROS… nur „Weekend“ war doch zu langweilig, also musste noch was her. Spontan kam der leckere Burger ins Gespräch und – zack – hatten wir einen neuen Namen. Eingängig und auch im Suff ist der Name gut zu merken“.
Noch ein kleines Roundup des Kosmos um den Planeten Carlos: das erste Demo der Band von Carlos mit Beppo Hawaiian von 1989 bis 1996 findet ihr auf surfinbirdrcs.bandcamp.com. Daraus entstanden dann die Sentiments, die bis 2019 existierten (daraus wurden die Saint Nudes). Parallel dazu hatte Carlos die Los Six Pack Lovers, da war er zum ersten Mal Stand-Up Drummer und Sänger. Es gab nur ein Demo auf Youtube, das der jetzige Kadavar-Drummer in Ibbenbüren aufnahm.
2009 stieg Carlos bei der sensationellen Coverband RAZOR SMILEZ und gründete 2014 mit Martin (ex-Sentiments) die BW.
Und so fuhr ich aus dem Nordsee-Husum-Urlaub straight to Osnabrookyln bzw. in die Nähe davon, derweil Charly aus Frankfurt am Main vorbeikam und wir uns somit genau in der Mitte – eben „Halfway to Osnabrück“ – trafen. Danke an Carlos, Emily und Hund Nacho für Übernachtung/Frühstück/Lift to Bahnhof!
Carlos mein Lieber, danke für deine Zeit. Ich sah euch mit den Hard-Ons in Köln 2023, da war noch euer alter Gitarrist dabei oder?
Genau, das stimmt. Damals, das war die letzte Tour mit Martin, unserem damaligen Gitarristen. Und mit ihm habe ich ja auch damals die Band gegründet, wir haben davor zusammen bei den Sentiments gespielt. Und währenddessen hatten wir auch noch eine Hardcore-Band Off The Rats und dann halt 2014 die Burger Weekends gegründet. Aus Zeitmangel und wegen Job und wie auch immer ging es nicht mehr, er hatte schon vor der Tour gesagt, dass er danach aussteigen wird. Zusammen haben wir nach einem Nachfolger gesucht, weil er gehört ja weiter zur BW-Family!
Er hat ja auch viele Songs geschrieben. Also ja, das war ja die damalige letzte Tour mit ihm. Das war ein super Abend. Du warst da und hattest mir über Charly diesen leckeren Apfelwein geschenkt, die Tüte habe ich noch! (lacht) Ausverkauftes Ding im „Sonic“ und für uns als BW war es auch der erste Sonic Ballroom-Gig gewesen. Das hat ja endlich mal geklappt, nachdem wir da immer nie einen Termin gefunden hatten, mit unseren alten Bands spielten wir da schon öfters. Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: jetzt haben wir auf jeden Fall mit Alex einen neuen Gitarristen. Ein top Typ und Freund.
Du trommelst und singst, war dann dein Vorbild Slim Jim Phantom, der Stray Cats-Standschlagzeuger bzw. Bela B.?
Ich kannte beide, klar, aber zu dem Zeitpunkt, als ich dass das allererste Mal gemacht habe, kam die Idee tatsächlich gar nicht daher. Ich habe 1999 mit zwei Freunden, mit dem Michi und dem Rüdi, die Los Six Pack Lovers gegründet. Das war auch eine Drei-Mann-Combo, die prinzipiell dasselbe gemacht haben wie die BW, nur in noch viel krachiger, in einer Garagen-Punk-Version. Der Bandname war auch Programm, das war alles immer so besoffen, dass es wirklich oft auch Fremdschämen beim Publikum ausgelöst hat, das können wir jetzt auch mal zugeben. (lacht)
Wir fanden es immer gut und haben auch immer noch Fans, das ist immer noch das Lustigste daran. Also, ich wollte nämlich immer gerne singen. Ich habe auch davor immer in Bands gesungen, in zwei Hardcore-Bands, zum Beispiel den Drunken Schoolboys, da waren wir tatsächlich noch Teenager in der Schule. Auf jeden Fall habe ich das mit dem Stehenschlagzeug bei Kepi Ghoulie von Groovie Ghoulies gesehen, 1998 auf der Tour. Und er hatte ja im Stehen Schlagzeug gespielt und die Bassdrum hinter sich und die mit der Hacke gespielt. Und weil ich gerne singen wollte und wir nie einen Schlagzeuger gefunden haben, war es so: „Na ja gut, dann muss ich das halt wieder übernehmen“. Wir sind ja leider hier nicht in Hamburg oder Berlin, wo man halt alle naselang Leute finden kann. Wir waren immer nur so eine Clique von ein paar Leuten, aus denen halt hundert Bands entstanden sind.
Ja, dann habe ich das dann tatsächlich auch probiert. Erste Probe gehabt, die Bassdrum hinter mich gestellt und versucht mit der Hacke, es ging aber nicht. Ich weiß nicht, wie Kepi Ghoulie das machte. Und ich habe dann gesagt, „Ich muss mich wieder nach da vorher stellen“, weil wie soll man mit der Hacke Bassdrum spielen? Das geht einfach nicht. Daher kam das, auch später dann für die BW, wir entwickelten Songs, die zu poppig für die Sentiments waren.
Martin spielte mir was vor und ich hatte direkt eine Gesangsmelodie. Wir waren zwar immer „Pop-Punk“, aber das neue war noch poppiger, ich wollte davor Richtung Dwarves oder noch rudimentärer, so Beatnik Termites, ganz simples Zeug, am Liebsten nur ein Akkord (lacht). Und viele Achteln und auf der Hi-Hat. Es wurde dann einfach ganz klassischer Pop-Punk, 90er-Jahre Lookout-Schule, sogar mit zwei Akkorden! (lacht) Das Lustige war, als wir dann halt so angefangen hatten damals mit Stehschlagzeug, als die ersten Auftritte kamen, dann war dann das Erste, dass der Soundmann gesagt hat „Ah, Bela B., ne?“.
Und dann dachten wir uns: „Ach stimmt, der macht das ja auch. Ja, hmh. Ja, jetzt wo du es sagst “ (lacht) Aber damals hat keiner von uns in den 90ern mehr Ärzte gehört. Davor schon, aber die 90er-Ärzte sind komplett an mir vorbeigegangen. Ich habe erst wieder 2004 mit denen angefangen, mit dem „Geräusch“-Album. Das weiß ich noch. Das habe ich mir aktiv auch gekauft wieder. Ich war ja noch Ende der 80er ein Kind, als die sich aufgelöst hatten. Aber bis heute kann ich die „Nach uns die Sintflut“-Platten komplett mitsingen.
Das ist bei mir genauso! Mir gefällt total euer Song „Surfin´ Girl“, ist das ne Queers-Anspielung wegen „Sidewalk Surfin´Girl“ und wo befindet sich eigentlich der schöne See aus dem Video?
Das ist der Sundermannsee, der ist da hinter unserem Haus, im Prinzip fußläufig. Na gut, ich würde jetzt nicht zehn Minuten latschen. Ich würde lieber mit dem Auto fahren. Ich bin halt zu faul. (lacht) Und das ist eben so einer der wenigen zugänglichen Seen, wo wir wirklich so nen gutes Gefühl hatten. Weil die Idee war: es muss auf jeden Fall irgendwie so groß sein, dass man, wenn man es vernünftig filmt, denken könnte, es wäre tatsächlich das Meer, wenn man dann halt so die Perspektive macht. Den Song hat Patrick geschrieben, unser Bassist.
Das ist auch seine Freundin in dem Video, ne?
Genau. Seine Freundin Swaantje ist unser „Surfing-Girl“ in dem Video. Und das war eigentlich eher eine spontane Sache, so wie eigentlich viele Sachen bei uns spontan kommen. Witzig ist, weil das einer seiner ersten Songs war, die er komplett alleine geschrieben hat. Er kam halt irgendwann mal mit der Idee an, „Ich habe hier einen Song, aber ich hätte eigentlich auch eine Gesangslinie“. Weil letzten Endes bastele ich mir dann eigentlich dann noch was zurecht. Aber da stand schon viel so vom Gesangsbereich, vielleicht siebzig Prozent.
Ich singe halt gern und mache halt viel so. Das Geile ist halt, du kannst den Gesang ja richtig nutzen, wenn du Bock hast, also wie ein Instrument. Du kannst ja alles machen. Das finde ich halt ganz geil. Gerade im Pop. Der Song kam jetzt nicht unbedingt von dem Queers-Stück „Sidewalk Surfing Girl“, aber tatsächlich sehr aus ´ner Queers-Phase, die wir damals alle hatten. Das waren großartigen Platten, die „Love Songs for the Retarded“, die „Beat off“ und die, wo „Sidewalk Surfing Girl“ drauf ist, die „Don’t Back Down“, die ist tatsächlich von Queers so der Höhepunkt, ich bin da auch totaler Fan von. Das sind auch lustigerweise alles Platten, wo ich auch ganz genau noch weiß, wo ich die alle gekauft habe.
An den lustigsten Orten konnte man ja damals noch Platten kaufen. Die „Don´t back Down“ hab ich bei WOM in München gekauft, auf der Klassenfahrt. 35 Mark, ey, so eine Scheiße. (lacht) Also, ja, Queers, dieses ganze Umfeld ist unser Background, eben Lookout Pop-Punk, Mr. T Experience, Screeching Weasel, Green Day, besonders die ersten beiden Platten und gerade die „Kerplunk“ finde ich noch ein bisschen geiler, obwohl ich großer Fan der „1.000 Hours“-EP bin, wo halt meine absoluten Lieblingslieder von denen drauf sind. Beatnik Termites gehören da eigentlich auch rein, aber die sind ja nie eine Lookout-Band gewesen, leider unverständlich, Parasites ja auch nicht.
Das ist mit Lookout 90er Schule ein gutes Stichwort: Es war in den 90ern eine beliebte Kritik seitens HC, dass Pop-Punk so „oberflächlich“ wäre. Aber dieses „stererotypische“ gab es nun auch im HC, „Yo Brooklyn!“. Bei BW ist das aber anders: weil ihr durchaus euch auch mal positioniert, zum Beispiel bezüglich „FCK AFD“.
Genau, wir sind auch gerade dabei, das diese „FCK AFD“-Sampler-Platte bei „Schnickers“-Axel, also Partysprenger Records, erscheint. Du hast recht, das war „damals“ nicht so üblich, dass sich eine Pop-Punk-Band dann irgendwie so politisch positionierte, also in den 90ern. Es war uns aber auch wichtig, dass es klar ist, wo wir stehen. Eigentlich muss man das ja auch nicht extra betonen, weil es doch im Prinzip völlig klar ist, man merkt ja schnell, wie eine Band tickt, wenn man sich unterhält und so. Für mich gehört das alles auch automatisch zum Punk als Standard dazu.
Ich habe angefangen, mit so neun oder zehn Jahren, Punk und Hardcore zu hören von meinem älteren Bruder, der fünf Jahre älter ist als ich, ich bin jetzt 45. Und da habe ich dann für mich halt viel gelernt, auch, dass Punk mit HC zusammenpasst, Angry Samoans, Circle Jerks, das finde ich halt bis heute auch so eine exakte Punk-HC-Schnittstelle. Bei den Dead Kennedys würde ich es eigentlich im Prinzip auch sagen, weil die beides sind, weil du nicht genau sagen kannst: ist es jetzt ne Punk- oder ne HC-Band-Band.
Ich finde Hardcore aber eigentlich auch dann nur gut, wenn HC aus dem Punk kommt. Wenn er aus dem Metal kommt oder überhaupt aus dem Nichts, dann ist es meistens tatsächlich unpolitisch und scheiße. Also, ne, scheiße vielleicht nicht, aber es sagt mir dann halt nichts und gibt mir nichts. Weil HC muss einen vernünftigen Background haben und der, finde ich, kommt aus dem Punk.
Und dieser HC hat mich ja auch politisiert, speziell diese HC-Punk-Bands Ende der 80er bis vielleicht Mitte der 90er, das war ja fast alles super politisch, gerade an Hardcore-Bands, nimm Born Against, Citizens Arrest! Und was halt bei mir auch mega hängengeblieben ist, das ist neben Judge natürlich auch Minor Threat und ganz ganz besonders tatsächlich Insted, die „What We Believe“-LP auf Epitaph!
Die ist unfassbar, alles von denen liebe ich auch, das ist Straight Edge-HC, aber teils super melodisch!
Ja, das ist immer noch eine meiner absoluten Lieblings-Hardcore-Bands! An Platten dann noch einige andere, die „Bringing it Down“ und ein paar Dischord-Records-Sachen. Und deswegen, Punk und Hardcore muss politisch sein und ich finde es auch gut!
Ich muss aber nicht den ganzen Tag Polit-Punk um mich haben, weil vieles für mich gesichert ist, mir reicht es, wenn ich das dann haben will, dann habe ich Crass, Dead Kennedys und Slime. Das sind für mich die drei Größen, die mich politisiert haben. Ich finde es gut, wenn es politisch ist, aber es muss nicht jeder Song immer über irgendwas Geistreiches handeln. Es ist auch mal schön und geistreich, wenn es über die Liebe geht.
Also Party und Politik irgendwie.
Genau. Es gehört ja auch irgendwie zusammen. Weil nach der Demo willst du ja auch saufen und feiern, weil dann hast du ja auch was Gutes getan! (lacht)
Es gibt in der Meppen-Osnabrück-Ecke seit vielen Jahren total viele Ramones-Core-People, ist das dieses „in kleineren Städten hält die Szene noch zusammen“, ohne damit die „Provinz“ zu romantisieren, okay, ich komme ja aus Leverkusen, also voll die Großstadt! (lacht) Ich meine, sogar der Erfinder von diesem Begriff „Ramones-Core“ kommt auch hier aus der Gegend, Marky?
Genau, Marky Fanatico war das, aber der kommt tatsächlich aus dem Ruhrgebiet. Den hast du ja auch bei dem Puke-Fest in Münster 2024 kennengelernt. Lustigerweise hat er das damals – also den Begriff Ramonescore – in seinem eigenen Fanatico Fanzine aufgebracht und erfunden. Und das war, als er mit Leuten hier aus Ibbenbüren eine Pop-Punk-Band hatte, die Mahonys. Für mich ist das alles dasselbe.
Bottrop, Recklinghausen, ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Ort er jetzt wohnt. Aber aber auf jeden Fall Ruhrgebiet. Und ich kenne ihn halt damals über die Nimrods, wo er mitgespielt hat. Er hat ja bei der ersten Single und ersten EP mitgespielt.
Ach krass, wusste ich nicht! Sag mal, mit Beppo von den Hawaiians hast du lange Musik gemacht, ihr kennt euch alle, wie ist das denn, die Hawaiians waren jetzt auf Tour in Südamerika, guckt man da neidisch manchmal drauf oder gönnt man das denen? Also, das man doch so denkt „Hmh, würde ich gerne auch machen mit meiner Band, Mist!“? (lacht)
Haha, also wir würden bestimmt so etwas auch mal gerne machen im Prinzip, aber ich weiß auch, dass wir nicht wirklich die Zeit dafür hätten. Aber was viel vorrangiger ist, das ist für mich und auch für das, was wir als BW sind: wir waren immer Kumpels und das wissen die Leute auch. Das ist ja auch eines der schönen Sachen, finde ich halt, an Punk und überhaupt! Warum man auch so viel und auch so lange mitmacht. Punk ist für mich „Support and not Competition“.
Das finde ich, das ist halt so das Ding. Ich freue mich für die, es gibt nichts besseres, wenn so etwas Kumpels passiert. Aber die tun auch viel dafür. Die spielen viel live. Nehmen auch viel öfter Platten auf. Wir zum Beispiel sind da immer ein bisschen trantütiger unterwegs gewesen. Wir haben erst eine LP. Wir haben erst eine EP. Wir haben auch haufenweise Songs schon fertig. Aber wir kommen nicht dazu, die vernünftig aufzunehmen. Weil immer irgendwas ist.
Und letzten Endes spielen wir einfach auch viel lieber live. Wir werden nie eine Studio-Band, also wenn ich mir das bei anderen angucke, die dann sagen, „Wir machen jetzt ein halbes Jahr nichts, sondern nehmen nur auf“. Könnte ich gar nicht. Weil ich wüsste, ich finde eher nicht in den Drive. Ich muss irgendwo hin. Ich muss Leute treffen. Ich will irgendwie auch laut sein. Ich will nicht den ganzen Tag im Proberaum abhängen. Ich will nur proben, weil halt nächstes Wochenende die Show ist. Und wie gesagt, das finde ich halt wichtig, dieses „Support und nicht Competition“, DIY.
Das sind halt diese alten Sachen, die ich halt wichtig finde. Also, ich mache halt gerne was. Und ich unterstütze gern auch Leute, ob es jetzt nen Fanzine ist, ob es jetzt Konzertmachen ist, ob es jetzt Freunde sind, die einen fragen: „Hey, wie sieht das aus? Kannst du ein paar Konzert-Connections geben?“. Es gibt so viele Bands, wo ich das mache. Was aber keiner mitkriegt, weil wir machen das einfach unter dem Radar. Wenn mich einer fragt, klar, dann helfe ich immer. Ich weiß ja auch, wen ich fragen muss bei bestimmten Städten. Man kennt das ja selber, wenn man untereinander so connected ist.
Das freut mich, dass du jetzt echt noch diese gesunde Einstellung hast. Also ich dachte, vielleicht kriegt man dann doch so Konkurrenzgefühle. Ich finde das echt spannend, wie das unter „euch“ in diesem Pop-Punk-Szene-Gebilde ist.
Ich weiß, dass andere sowas haben. Also ich finde es eigentlich echt eher: „Mein Gott, also es geht hier nicht um ein Profi-Level!“. Das ist jetzt so mein Beispiel, weil es ist hier keiner wie die Donots, weißt du, die sind ja auch von hier. So. Also wir bewegen uns immer noch auf einem Level, wo alle glücklich sind, dass wenn du zweihundert Kilometer fährst und dann vierzig Leute kommen. Und wenn dann aber auch nur drei kommen, dann ist das halt so. Wir sind doch so eine spezielle Sparte. Also deswegen, ich finde das immer süß bei anderen Bands. (lacht)
Wir spielen ja auch viele Festivals, bei denen man mit anderen Bands aus anderen Genres zusammen spielt, die da ganz anders ran gehen. Wenn ich sehe, allein im Metalcore, die sind schon als Anfänger „Pros“, das ist unfassbar. Und gut, wenn ich jetzt bei Punk bleibe, dann gibt es halt, ich sage jetzt mal, jüngere, neuere, deutschsprachige Punkbands, die jetzt nicht Deutschpunk sind, da kriege ich das schon auch mit.
Ich kriege das aber auch im Pop-Band-Kontext manchmal mit und dann finde ich das dann immer ein bisschen albern, weil ich mir denke: „Mein Gott, wovon sprechen die denn? Von Plattenverkäufen? Dass jeder halt seine 300er-Auflage weg kriegt?“. Das finde ich eher süß und da machen wir uns auch off-the-record drüber lustig. (lacht)
Bei Osnabrück fallen mir noch die Angefahrenen Schulkinder ein, leben die noch?
Ja, die spielen immer noch, einmal im Jahr spielen die zwei Tage immer im Dezember hier im Haus der Jugend, das ist auch jedes Mal ausverkauft, wenn die ihre Heimspiele haben.
Krass! Hey, ich hab vorher recherchiert, in in jeder größeren Stadt existierte doch mal so ne Uralt-Deutschpunkband-Legende, aber ich kenne und finde keine aus Osnabrooklyn, gab es da keine?
Das ist eigentlich ganz lustig und ne gute Frage, denn es gab eher keine, d.h. in den 80ern, dann wiederum: da gab es für circa zwei Jahre doch eine, nämlich Pattex! Und jetzt kommt es, also, die hatten nur eine Demo und waren auf mehreren Demo-Samplern drauf, es gab hier viele gute Bands. Also, die auch wirklich gute Bandnamen hatten. Aber Pattex wären die einzigen so von wegen „Legende“, weil halt der damalige Pattex-Sänger, der ist eigentlich nicht als Pattex-Sänger bekannt – und Pattex eigentlich auch nicht, schade eigentlich – der ist nachher sehr bekannt geworden, weil er Erotik-Darsteller ist. Conny Dachs.
Wat? Gina Wild-Filme? Ähem, Recherche, viel!!! (lacht)
Haha, ja, Conny Dachs war der Sänger von Pattex, der war eben in dieser Punk-Band gewesen. Conny Dachs war Punk, „alle“ kennen ihn aber wegen seiner… „Filme“. (lacht)
Da fahre ich aus Frankfurt nach Osnabrück, um diese wichtige Info zu bekommen, geil! Wat anders noch: Stichwort „die alten Lookout-Heros“, wie ist das für dich, wenn Ben Weasel und Joe Queer manchmal so richtig dämliche Aussagen und Aktionen machen, ist das so wie mit den Ramones, Johnny als Reagan-Wähler, so „Schade, aber man muss es halt akzeptieren“?
Ja, ich finde es, ehrlich gesagt, auch immer so ein bisschen verstörend, das dann mitzukriegen, weil ich die Interviews natürlich auch gelesen habe oder teilweise halt auch so Posts im Internet. Für mich persönlich ging das los, als diese „Conservative-Punk“-Geschichte aufkam, die Homepage conservativepunk.com, wo Dave Smalley von All, DYS, Dag Nasty und Down by Law was schrieb. Down by Law, die erste Platte ist immer noch genial, muss ich sagen.
Also, er hatte da auch mal was gepostet, eine eigene Kolumne. Fand ich dann ein bisschen sehr seltsam. Das kam so nach und nach. Ich habe für mich persönlich eine eigene Erklärung dafür gefunden: der US-Punk tickt anders als der europäische und speziell der deutsche Punk-Rock, also die Szene, das ist tatsächlich so, finde ich. Die Queers haben oft hier gepennt, generell haben viele Bands schon bei uns übernachtet.
Und wenn man sich dafür interessiert, wie die so ticken, dann kriegt man das ja mit. Wir haben so oft mit Ami-Bands gespielt und dadurch, dass man selber Konzerte gemacht hat auch eben oft Bands zuhause gehabt. „Ami-Punk“ tickt einfach immer ein bisschen anders, wenn es um Politik ging. Die kommen aus diesem speziellen zwei Parteien-System und ja, aus diesen libertären Dingsbums, das ist halt eine andere Herangehensweise.
Als wir mit meiner alten Band, mit den Sentiments, mal mit Down by Law gespielt haben vor ein paar Jahren, als die wieder eine Reunion hatten, da habe ich halt Dave Smalley darauf angesprochen. Ich dachte zuerst, „geht das wohl“? Aber der ist so nett. Dann bin ich halt zu ihm hin, Backstage. Und dann haben wir uns echt eine Stunde unterhalten. Ich habe mir die Kolumne auch nochmal durchgelesen. Und ganz ernsthaft, es ging tatsächlich nur um diese Meinungsfreiheitsgeschichte. Als das veröffentlicht wurde, war es doof, speziell der Ort, wo es veröffentlicht wurde.
Damals gab es aber anscheinend nichts anderes. Und wenn ich es jetzt durchlese, dann muss ich ganz ehrlich sagen, da ist eigentlich nichts Verwerfliches dran. Ich habe es Gott sei Dank nochmal gelesen. Ich hatte es damals ganz anders abgespeichert.
Dazu noch: man freut sich ja, dass heute mehrheitlich „die Szene“ bewusster ist als wie in den „un-PC“-90ern, aber dann wiederum vermisst man manchmal auch wieder Bands mit ner gepflegten Asi-Kante oder zumindest bei mir ist das manchmal so. Man ist halt einfach ein alter Meckerheini! Ist es zu asi, will man es mehr PC, aber ist zu PC, vermisst man wieder bisschen die Asis! (lacht) Wie ist das bei dir?
Also, ich finde das auch alles gut, was aufkam an PC. Ich finde auch nichts von den neuen Sachen, die jetzt so aufkommen, schlecht. Im Gegenteil. Was ich dann manchmal nur denke, ist… als ob das damals so voll schlimm gewesen wäre! Es ist komisch, weil ich finde, das ist manchmal ein bisschen übertrieben. Weil es war gar nicht so krass bzw. ich hab das nie so empfunden, Stichwort Frauensichtbarkeit. Also, ich gehe jetzt davon aus, was ich kenne und wo ich herkomme.
Das ist halt Osnabrück. Und alles, was drumherum ist, der Großraum Osnabrück. Also unsere Szene. Damit beinhalte ich Rheine, Ibbenbüren, Osnabrück. Wir hatten, gerade, wenn ich von Osnabrück rede, immer einen großen Frauenanteil. Ok, die haben jetzt nicht unbedingt Bands gemacht. Aber die führten teilweise Läden. So wie jetzt das Shock Café. Es gibt Konzertgruppen, die teilweise nur von Frauen gemacht werden. So wie die Ponyhof-Konzertgruppe oder Kellerassel Booking oder neuerdings Tipsy Shrimps Konzerte, die halt in verschiedenen Locations was machen.
Auch viel im „Substanz“, halt im örtlichen AZ in Osnabrück. Und die sind ja auch schon seit hundert Jahren dabei. Also, es ist nicht so, dass, wenn es jetzt um Frauensichtbarkeit geht, dass das früher „nie“ war! Und zweitens werden mir manche Debatten oft ein bisschen zu schrill geführt. Das Schrille hast du halt nur im Internet, die ganzen Kommentarspalten, die du durchliest. Das wäre live bei nem Bierchen bestimmt anders.
Ich habe folgende These: das wurde ja viel angestoßen durch Jüngere. Es ging ja los, so vor zehn Jahren, mit dieser T-Shirt-Geschichte, also, das du es nicht ausziehen sollst. Ich verstehe das ja auch alles, wo das herkommt. Ob es jetzt Awareness ist, ob es jetzt T-Shirts ist. Ob es jetzt Frauensichtbarkeit ist, all das, was in der letzten Zeit überall verhandelt und diskutiert wird. Ich glaube manchmal, dass viele den Überblick verlieren oder ein bisschen das Augenmaß.
Und das liegt auch daran, dass das von vielen jungen Leuten angestoßen wurde, teilweise eben auch von Leuten, von denen ich – obwohl ich jetzt nicht „der Szenetyp“ bin – auch klar sagen würde: „Ey, die haben aber gar nichts mit Punk zu tun, die kommen noch nicht mal aus dem Punk und die kommen nicht mal aus dem Hardcore“! Und dass das von jungen Leuten deshalb so stark kommt, erkläre ich mir so, dass die oft einfach auch anders erzogen wurden.
Vor zwanzig Jahren, so in etwa, Anfang der Nullerjahre, da gab es diese Diskussion wegen den „Helikopter-Eltern“. Das halt Eltern Kinder total beschützen und abschirmen, die müssen in Watte einpackt werden und dürfen nichts mitbekommen, nicht zu früh Sexualkunde, „das sind ja alles zarte Seelen und so“. Und diese Kinder dieser Eltern, die sind ja jetzt alle erwachsen und die hast du jetzt hier abhängen und die können dann halt nichts ab.
Nackte Oberkörper sind gleich ganz schlimm oder zum Beispiel, wenn es um Themen wie Gewalt geht – auch wenn es nur in Büchern ist oder in Filmen! Oder auch eins meiner Lieblingsbeispiele: du bist auf einem Konzert, ausverkauft und du läufst durch den Saal, da berührt man sich natürlich mal so im Vorbeigehen, du sagst „Entschuldigung“ und dann gibt es wirklich welche, die sich hart aufregen, „Du hast mich berührt!!!“ – „Keine Ahnung, ey, ich bin hier einfach nur vorbei gelatscht“.
Und das ist manchmal ermüdend, aber ich denke mir dann aber auch auf der anderen Seite, dass jede Diskussion auch irgendwann mal ausdiskutiert ist, irgendwann hat man einen Konsens gefunden, in fünf Jahren ist das durch. Weil es kommt ja immer alles in Wellen wieder, irgendwann haben alle ihre Standpunkte bewiesen, es muss halt immer wieder alles ein bisschen neu justiert werden, sage ich jetzt mal.
Und das ist auch in Ordnung, es ist halt manchmal nur anstrengend, aber es ist gut.
Ich finde, das hast du echt sehr interessant gesagt! Letzte Frage, du hast für die Antwort jetzt eine Stunde Zeit, weil es natürlich auch ne irre Story ist! (lacht) Du spielst auch noch Schlagzeug in der tollen Punk-Coverband Razor Smilez. Letztendlich seid ihr oder „euer Höhnie“ dafür verantwortlich, dass Annette Benjamin von Hans-A-Plast wieder Musik macht, kann man das so sagen? Ich finde das so krass, dass das „eine Provinzpunkcoverband“ schaffte – und eben nicht die Hosen oder die Ärzte. Danke euch!!!
Genau, „wach geküsst“, sagen wir es mal so. Es war ja tatsächlich so! Also, ich bin bei Razor Smilez 2009 eingestiegen. Razor Smilez haben sich schon ein bisschen vorher gegründet, da waren sie aber nur eine Proberaumband von Leuten aus verschiedenen Bands, die halt eine reine Coverband machen. Es ist tatsächlich so, dass die Band aus den ältesten Punks der Stadt auch mit besteht.
Also die sind tatsächlich schon seit 1977 mit dabei und sind Platten-Nerds. Gerade Linde, unser Bassist, der ist eigentlich so das Herz und der Macher der Band, von ihm kommen auch die meisten Vorschläge. Der kommt halt immer mit Ideen, eben nicht immer die gängigen Punk-HC-Bands und ihre Hitsongs zu covern, sondern der kommt bis heute an, so „Hier, österreichische Punk-Band von 1977, die haben nur eine 100-Auflage 7-Inch gehabt, aber da ist dieser super Song drauf, lass den covern“. Dann spielt er uns den vor, immer auf Tape.
Und es gibt ja so viel, sogar neben den „Killed-by-Death“-Sachen gibt es ja immer noch so viele Sachen zu entdecken. Und ich denke, „wieso kennt das keine Sau“? Und darauf haben wir uns spezialisiert. Und ich habe Höhnie erst über Razor Smilez kennengelernt, aber ich kannte das Label und ihn halt über Plastic Bomb und eben jedes Jahr seinen Geburtstag in Peine, wo er das Höhnie-Fest ja immer macht. Und er kam irgendwann mal an und meinte dann zu Linde, er hätte Annette Benjamin von Hans-A-Plast durch Zufall ausfindig gemacht!
D.h. er wüsste, wo die wohnt und eben, dass es die noch gibt, dass die noch lebt! (lacht) Und sie wohnt mittlerweile in Münster. Ob wir uns das vorstellen könnten, er hätte so eine Idee, weil wir haben irgendwann mal angefangen, „Rock’n’Roll-Freitag“ zu covern, ob wir nicht mal mit der das machen könnten? Das wäre doch voll geil. Wir so: „Äh, ja, keine Ahnung, klar“.
Und dann hat Höhnie tatsächlich Annette einen Brief geschrieben. Handgeschrieben. Zwei oder drei Seiten. Irgendwie so von wegen: „Ja hier, ich war immer großer Fan“, der Aufhänger war so ein bisschen von wegen „Ich kenne eine Band aus Osnabrück“. Sie wohnt ja eben mittlerweile in Münster, was ja nebenan ist. Höhnie also so „Ich kenne eine Punk-Band und die haben auch eine Sängerin und die covern „Rock’n’Roll-Freitag“, hast du nicht mal Bock, mit denen was zusammen zu machen, so ein bisschen Hans-A-Plast zu covern?“.
Und sie hat dann tatsächlich geantwortet, irgendwie ein paar Wochen später, aber sie hat erst mal „Nee“ gesagt. So „Ja vielen Dank und so. Ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt noch jemand interessiert, vielen Dank, aber nee“. Das war 2017. Irgendwie so zweite Jahreshälfte 2017, da muss in etwa dieser Briefwechsel gewesen sein. Auf jeden Fall hat es dann bei ihr aber was ausgelöst.
Und dann hat sie sich nochmal gemeldet und gesagt: „Ja okay, wenigstens treffen könnte man sich ja“. Dann wurde dann halt über Höhnie, so über drei Ecken, dann halt die Telefon-Nummer ausgetauscht. Und dann hat sie sich bei Linde gemeldet. Linde wusste halt auch, „Die wird sie vielleicht irgendwann mal melden“, weil sie hat halt nach der Nummer gefragt. Hat dann halt tatsächlich sich gemeldet: „Wir könnten uns ja mal treffen, Höhnie hätte halt so eine Idee so, ne?“.
Es schwebte in der Luft, dann gemeinsam eventuell aufzutreten, aber wir mussten uns erst mal kennenlernen und gucken, ob das passt. Wir haben uns im Januar 2018 dann getroffen, Anfang 2018. Wir wussten ja nicht, ob wir überhaupt dann schon musizieren werden, „Aber wir können ja erst mal ein bisschen zusammensitzen und im Proberaum ein bisschen quatschen“.
Und dann hat jemand Kuchen mitgebracht und so, weil wir wussten halt nicht, wie Annette halt so ist, du hast halt von ihr auch seit dem Ende von Hans-A-Plast Mitte der 80er nichts mehr gehört und wir wussten halt nicht: was erwartet uns? Und dann kommt Annette vorbei und es hat von der ersten Sekunde an gefunkt. Sie ist sau nett, sau liebe Frau. Super. Und wir hatten natürlich, also gerade Linde und ich, ganz viele Fan-Fragen und haben erst mal über eine Stunde nur da gesessen, wir fünf und sie und uns unterhalten.
Und sie war halt ganz erstaunt, zu hören, dass halt immer noch Hans-A-Plast relevant ist in der Punk-Szene, weil sie war halt raus, schon seit Ewigkeiten, seit Mitte 80er im Prinzip. Und sie war halt ganz erstaunt, „Wie, also, wieso kennt ihr das? Wieso wird das immer noch gehört?“. Wie auch immer. Auf jeden Fall sagte sie dann: „Ja, wollen wir jetzt was machen?“. Wir dann „Ja, wir haben da was vorbereitet, also „Rock’n’Roll-Freitag“ können wir, wir haben noch zwei drei andere Stücke“.
Und das Geile war, das weiß ich natürlich noch: ich setze mich hinters Schlagzeug und hinter mir war halt die PA, so dass ich die Gesangsstimme direkt immer hinter mir habe. Und nachdem wir uns alle so schön lange unterhalten haben, fangen wir dann mit „Rock’n’Roll-Freitag“ an. Annette fängt dann an, zu singen, und ich denk mir so: „Krass, das ist sie wirklich“. Diese Stimme, mega.
Ich kriege echt gerade Gänsehaut! Wahnsinn!
Und das hat so Spaß gemacht. Und dann war es halt so: wir hätten theoretisch die Möglichkeit, im gleichen Sommer beim Höhnie-Fest zu spielen. Und wir haben dann tatsächlich auch im Sommer 2018 auf dem Höhnie-Fest gespielt. Es war erst mal klar, „Es ist nur eine einmalige Sache“. Wir machen nur das. Und sie wollte auch nur das. Und dann ist es einfach aus Spaß, einfach wieder mal auf der Bühne, alles laut und alles geil. Das war so ein geiler Gig. Und es hat so Spaß gemacht.
Ich fand das so irre, als ich den Gig dann auf Youtube sah. Das eben – verstehe das nicht als Kritik – ihr als Razor Smilez mit ihr aufgetreten seid, als Fans nach all den Jahren „Versenkung“. Auf dem Höhnie-Fest! Und eben nicht Annette mit den Toten Hosen wieder so ans Tageslicht gezogen wurde, das kam ja dann alles später, dass sie jetzt auch wieder Musik macht und Interviews gibt und das ist auch alles klasse, aber ihr wart halt die ersten!
Ja und es war auch witzig zu sehen, weil da haben die Schleimkeime ja auch gespielt. Viele Ostpunks waren halt auch da, Gleichlaufschwankung spielten. Und Hans-A-Plast hatten ja im Osten noch einen anderen Stellenwert, einen größeren als hier. Und da sind halt viele aus dem Osten gekommen, extra dafür. Dann kam schon so die Anfrage, „Ja hier, nächstes Jahr auf nem Festival in Halle?“. Das Witzige war ja danach, also nach dem Höhnie-Ding: Alex Schwers hat sich gemeldet.
Ruhrpott-Rodeo.
Genau. Er wollte unbedingt das Original-Line-Up haben und hat einen hohen Betrag angeboten. (lacht)
Hammer Story! Dolf erwürgt mich, wenn das hier länger wird! (lacht) Hast du noch irgendwelchen letzten Worte oder Grüße an unsere Leserschaft?
Vielen Dank erst mal fürs schöne Interview und das Interesse. Also, ich persönlich, ich bin echt geflasht. Das ist mir jetzt wichtig, du weißt, ich bin ja Jahrzehnte langer Trust-Leser schon und großer Fan. Ich liebe ja Fanzines. Das Ox, die Bombe und das Trust – das sind ja die drei großen Hefte in Deutschland, sagen wir es mal so. Und die sind total wichtig für mich, das Trust ist halt das älteste davon und weil mein älterer Bruder schon die ganzen Hefte damals gelesen hatte, ist deshalb da dann noch mehr Bezug zu euch irgendwie! (lacht) Mika von euch, den kenne ich ja auch, weil er hier aus Ostwestfalen kommt, da gab es also ein bisschen Connection! Danke! An die Leserinnen und Leser: Punk soll immer wild bleiben und Liebe in die Welt tragen! (lacht)
Trust Pop-Punk – Oi! The Interview-Nachtrag
In unserem Trust-Online-Archiv auf trust-zine.de gibt es diverse Interviews mit Pop-Punk-Bands, es war also nie so, dass „wir vom Trust nur HC hören“. Eine kleine total unvollständige Aufzählung seit Trust #1, Sommer 1986: Lookout Records (#13,1988; #183, 2017), Doughboys, Hard-Ons und The Dickies (#20, 1989, die Hard-Ons kamen nochmal in der #44 von 1994 und in der #144 von 2010 vor), Jawbreaker (#37, 1992; #49, 1994), Badtown Boys und Green Day (#47, 1994), The Muffs (#54, 1995), The Mr. T Experience (#59, 1996), Descendents (#63, 1997; #153, 2012), Teen Idols (#75, 1999), Fifteen (#79, 1999), Ben Weasel (#119, 2006), Rev. Norb von Boris The Sprinkler (#145, 2010, mit dem späteren Schlagzeuger Paul „#2“ Wanish, der heute als wahnsinniger Trommler als The Rhythm Chicken performt, sprach ich für #125 von 2007, Boris #1 und #2 schreiben auch für das Razorcake Fanzine in „L.A.“, das nicht unselten über Pop-Punk berichtet), Marc Gärtner (#170, 2015) und Sloppy Seconds (#194, 2019).
Interview: Jan
Fotos: Charly „Schalermeister“, BW live Münster 2024: jubelschuppen.de
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