Aufstand der Zellen – Warum Krebs in unserem Körper entsteht und wie neue Therapien ihn überlisten können, Kat Arney
Verlag C.H. Beck Wilhelmstraße 9, 80801 München, www.beck.de
Warum Krebs entsteht, bleibt letztendlich unklar, aber das er entsteht, in unseren eigenen Körpern, und zwar aus den Genen, die auch für jede andere Funktion von Leben verantwortlich sind – das wird einem hier klargemacht. Ebenso vertritt die britische Autorin (das Buch erschien 2020 im Original unter dem Titel: „Rebell Cell. Cancer, Evolution and the Science of Life“) die Ansicht, dass Krebs keine Krankheit ist, die wir selbst durch unseren modernen Lebensstil über uns gebracht haben. Vielmehr finden sich tödliche Tumore in ägyptischen Mumien und sogar in Fossilien von Dinosauriern. Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass Krebs durch den modernen Lebensstil häufiger auftritt, würde ich als Laie hinzufügen.
Dennoch ist es wohl so, dass Krebs in grundlegenden Prozessen der Biologie verankert ist. Und obwohl die Krebsforschung der letzten hundert Jahre die genetischen Geheimnisse von Krebs ergründet hat und dabei revolutionäre Fortschritte gemacht hat, lief es nicht immer so, wie es hätte laufen können. So sind auch einige irreführende Erkenntnisse hängengeblieben, bei allen Beteiligten. Natürlich ist auch die Profitgier der Pharmaindustrie mitverantwortlich, dass immer nur versucht wird, den Krebs zu bekämpfen, statt die Ursachen seines Entstehens intensiver zu erforschen – aber das eine bringt eben kurzfristig mehr Gewinne als aufwändige Grundlagenforschung. Letztendlich handelt es sich um einen evolutionären Vorgang, den wir genauso wenig besiegen können wie die Klimaveränderung. Aber zum Glück ist die Forschung in den letzten Jahre in großen Schritten vorangegangen und hat gelernt sich nicht nur den Krebstumor anzusehen, sondern auch alles andere. Hier ins Detail zu gehen übersteigt meine Fähigkeiten und soviel sei gesagt: Obwohl das Buch gut lesbar ist, ist es schon sehr wissenschaftlich und man braucht sehr gute biologische und wissenschaftliche Vorkenntnisse um der Autorin überall hin folgen zu können. Muss man aber auch nicht, fand ich, denn ich denke ich habe verstanden um was es ihr geht und das war wirklich sehr erhellend. Es sollte nicht das Ziel sein, den Krebs zu bekämpfen, also schon, aber nicht mit den bisher gängigen Mitteln. Vielmehr muss man die Situation evolutionär und interdisziplinär betrachten, um dann herauszufinden welche Therapie für den Einzelnen am besten ist. Denn jeder Krebs ist anders, ist er mal im Körper, geht er in der Regel auch nicht mehr weg, kann aber vom eigenen Immunsystem zerstört werden. Oder, um eine Stelle aus dem Buch zu zitieren: „Doch so wichtig Gene und Mutationen auch sind – sie sind der Treibstoff für Krebs – jeder Organismus reagiert auf seine Umgebung, und Krebszellen bilden davon keine Ausnahme. Daher können wir Krebs vielleicht besser verstehen, ihm vorbeugen und ihn behandeln, wenn wir uns in die Denkweise von Ökologen und Evolutionsbiologen hineinversetzen und Tumoren als Populationen genetisch unterschiedlicher Individuen betrachten, die in den Lebensräumen des Körpers umherwandern und den Regeln und Launen der natürlichen Selektion unterliegen. Doch um den evolutionären Weg zu verstehen, den diese Individuen bisher gegangen sind, und um herauszufinden, wohin sie in Zukunft gehen könnten, müssen wir nicht nur ihre Gene kennen, sondern auch die Landschaften kartographieren, in denen sie leben.“ Viel mehr will ich hier als Laie zum Inhalt des Buches auch gar nicht sagen. Außer dass anscheinend Rauchen, Alkohol und Übergewicht Faktoren sind die Krebs zumindest begünstigen können – allerdings gibt es eben auch genügend Fälle, wo es nicht so ist – es ist sehr individuell. Ich könnte mir allerdings vorstellen dass bestimmte Betroffene oder Co-Betroffene, nicht wirklich gern erfahren möchten, was sie hier zu lesen bekommen, andere werden sich darüber freuen. Denn es erweitert die Sichtweise und es gibt viele neue Erkenntnisse – sodass ich sehr froh bin dieses Buch gelesen zu haben. Und wer jetzt denkt es könnte sich hier um irgendeine „Spinnerin“ handeln, nein, sie hat in Entwicklungsgenetik promoviert und über zehn Jahre für das renommierte Cancer Research UK gearbeitet. Was sie sagt, ist nicht einfach nur Meinung, sondern durch Wissenschaft belegt. Ein nicht leicht zu verdauendes, aber sehr, sehr wichtiges Buch. Letztendlich werden viele sich früher oder später mit dem Thema beschäftigen müssen, dies ist ein guter Anfang. 368 Seiten, Gebunden, 29,90 Euro (dolf)
Isbn 978-3406834035
[Trust # 236 Februar]
