März 21st, 2026

Rauch und Asche – Eine geheime Geschichte des Opiums, Amitav Ghosh

Posted in bücher by Dolf

Matthes & Seitz Berlin, Großbeerenstraße 57A, 10965 Berlin, www.matthes-seitz-berlin.de

Der indische Autor schreibt eigentlich Romane, für die er wohl sehr viel recherchiert. Hier haben wir eine Mischung aus Reisebericht, Memoir und historischen Essay das auch sehr ausführlich recherchiert ist. Das ist manchmal etwas sehr langatmig und auch mal über detailliert. Und man erfährt ebenso das die Briten ihre Gartenkunst von China geklaut haben und das auch viele indische Stoff- und Kleidungsstile von dort inspiriert sind. Auch wenn das ungern zugegeben wird. Generell geht es aber darum wie sich Niederländer, Briten und Amerikaner mit Drogenhandel, also Opium, ab dem 19. Jahrhundert die Taschen vollgestopft haben. Zuerst haben sie die armen Schlafmohnbauern in den indischen Kolonien geschröpft und dann viele Menschen in China mit Opium süchtig gemacht und dort richtig fett abkassiert und das über einen sehr langen Zeitraum.

Viele heute immer noch super reiche Familien haben ihren Reichtum auf Opiumhandel aufgebaut, nur wird darüber natürlich nicht sehr viel gesprochen. Gut, vom „Opiumkrieg“ hat man schon mal gehört, aber genaueres….. Hier wird einem das alles erzählt und es ist wirklich kaum zu glauben. An dieser Stelle jetzt in die unterschiedlichen, geschichtlichen, Details einzugehen ist praktisch unmöglich, es sind einfach zu viele. Aber soviel sei gesagt, dies alles zu wissen lohnt sich, weil man dann einfach noch mehr verstehen kann warum die Dinge jetzt so sind, wie sie sind. Und man erfährt auch das die Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen. Bis zur amerikanischen Opioid-Epidemie und dem Oxycontin-Skandal der Familie Sackler mit der Firma Purdue Pharma. Oftmals könnte man meinen, jemand hat sich das ausgedacht, aber es ist wirklich so passiert. Das hier ist keine wissenschaftliches Sachbuch, der Autor erzählt und schreibt ebenso gern (so steht hier zum Beispiel auch, das „Hipster“ die auf der Seite liegenden Opiumrauchenden genannt wurden, das ist wohl historisch nicht belegt…) oder denkt sich mal Sachen aus, wie das hier, was ich eigentlich ganz sympathisch fand: „Und da Kesri ein Sepoy (indischer Soldat) der East India Company ist, folgt daraus umgekehrt, dass die Briten, ohne es zu wissen auch Sepoys des Schlafmohns sind: Sie, die sich für die Herren über alles was sie überblicken, halten, dienen in Wirklichkeit den Zwecken eines Wesens, dessen Vitalität und Macht sie nicht anzuerkennen vermögen. Mit anderen Worten: Bei der Kolonisierung der Mohnfelder von Bihar sind die Kolonisatoren selbst kolonisiert worden – von einem nicht-menschlichen Wesen, dessen Intelligenz, Geduld und Langlebigkeit die des Menschen bei weitem übersteigt. Es ist fast so, als hätten die Ältesten des Pflanzenreichs der Menschheit ein Geschenk gemacht, nachdem sie zu dem Schluss gekommen sind, dass es besser wäre, dafür zu sorgen, dass der Homo sapiens als das unglaublich gefährliche Tier, das er ist, auf Dauer nicht überlebt – ein Geschenk, von dem sie wussten, dass es von den rücksichtslosesten und stärksten Exemplaren ebendieser Spezies benutzt werden würde, um ein Wirtschaftssystem aufzubauen, das langsam und unaufhaltsam das Ende ihrer eigenen Zivilisationen herbeiführen würde.“ Kann man mal so aufschreiben. Und wenn man dann erfährt was der chinesische Staatsmann Ku Hung-ming im Jahr 1921 an den englischen Schriftsteller W. Sornerset Maugham richtete, nämlich: „Wissen Sie, dass wir ein Experiment gewagt haben, das in der Weltgeschichte einzigartig ist? Wir haben versucht, dieses riesige Land nicht mit Gewalt, sondern mit Weisheit zu regieren. Und jahrhundertelang hatten wir damit Erfolg. Warum verachtet dann der weiße Mann den gelben? Soll ich es Ihnen sagen? Weil er das Maschinengewehr erfunden hat. Das ist eure Überlegenheit. Wir sind eine wehrlose Horde, und ihr könnt uns in die Ewigkeit pusten. Den Traum unserer Philosophen, dass die Welt durch die Macht von Recht und Ordnung regiert werden könnte, habt ihr zerschlagen. Und jetzt lehrt ihr unsere jungen Männer euer Geheimnis. Ihr habt uns eure abscheulichen Erfindungen aufgedrängt. Wisst ihr, dass wir eine Begabung für Mechanik haben? Wisst ihr nicht, dass es in diesem Land vierhundert Millionen der praktischsten und fleißigsten Menschen der Welt gibt? Glaubt Ihr wohl, dass wir lange brauchen werden, um zu lernen? Und was wird aus eurer Überlegenheit, wenn der gelbe Mann genauso gute Gewehre bauen kann wie der weiße und sie genauso gezielt abfeuert? Ihr habt euch auf das Maschinengewehr berufen, und nach dem Maschinengewehr sollt ihr beurteilt werden.“ Dann muss man sich überhaupt nicht mehr weiter wundern. Es lohnt sich auf jeden Fall das Buch zu lesen, auch wenn ich mir sicher bin das in Zukunft noch kompaktere Bücher zum Thema kommen, wenn sie denn kommen. Denn, die beteiligten, profitierenden Staaten, wollen darüber natürlich am liebsten gar nicht reden. Aber man sollte darüber reden, auch wenn es natürlich nichts ungeschehen macht. 432 Seiten, Gebunden, 28,00 Euro (dolf)

Isbn ‎ 978-3751820561

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