Januar 30th, 2026

Black History – Die vergessene Geschichte Afrikas, Amat Levin

Posted in bücher by Dolf

Verlag C.H.Beck, Wilhelmstr. 9, 80801 München, www.chbeck.de

Der Autor ist ein schwedisch-gambischer Journalist, Schriftsteller und Podcaster (Black History Unveiled), die Originalausgabe erschien 2022 in Schweden (Svart Historia bei Natur & Kultur). Am Ende des Buches schreibt er, seine Hoffnung ist vor allen Dingen „dass es junge Afro-Europäer angeregt hat, ihr Erbe zu erforschen und mehr über ihre Geschichte zu lernen.“ Aber natürlich können auch Menschen die selbst nicht Farbig sind, aus diesem Buch eine ganze Menge lernen, denn Wissen ist ja fast immer bereichernd. Aber kommen wir zum Inhalt des Buches, das erst mal in vier Überkapitel aufgeteilt ist. Die beschäftigen sich mit der Geschichte der Menschen in Afrika vor dem atlantischen Sklavenhandels, währenddessen und mit dem hinterher stattfindenden Kolonialismus sowie der hart erkauften Freiheit danach.

Außerdem ist hinter jedem Unterkapitel eine Liste mit weiteren Texten/Büchern zum weiterlesen, für alle die Lust bekommen haben sich noch eingehender mit der Thematik zu beschäftigen. Hier der gut beschreibende Klappentext: „Für Historiker war Afrika lange «kein geschichtlicher Weltteil» (Hegel). Ethnologen interessierten sich für Afrika, weil sie hier «ursprüngliche» Zivilisationsstufen zu erkennen meinten. Solche Ansichten werden heute kaum noch offen vertreten, leben aber in der Fixierung auf schriftliche Geschichtsquellen fort. Amat Levin rückt demgegenüber so konsequent wie nie zuvor die Geschichte der Schwarzen Menschen und Völker in den Vordergrund und damit die Ereignisse und Kulturen, die meist vergessen werden. Mit untrüglichem Gespür für vielsagende Details und einprägsame Geschichten erzählt er die Geschichte Afrikas von den Hochkulturen in Nubien, Aksum oder Südafrika, in Äthiopien, Mali oder Groß-Simbabwe über die Epoche der Unterwerfung und Versklavung bis hin zum Freiheitskampf in der Karibik, dem Widerstand von Angela Davis und Sister Rosetta Tharpe, der Patin des Rock’n’Roll. Eine souveräne «Black History» aus afrikanischer Sicht mit dem Mut, nicht alles zu erwähnen und dafür Unzähliges neu zu entdecken.“
Wobei es sich hier nicht um einen Erzählstrang handelt, sondern eben um ein Mosaik aus Geschichten, die aber natürlich alle miteinander verwoben sind. Außerdem helfen sie dabei, das es immer kurzweilig bleibt, weil die einzelnen Teile eben nicht so lang sind. Die zweiundzwanzig Geschichten des ersten Kapitels fand ich persönlich am faszinierendsten da hier viel bisher unbekanntes mitgeteilt wird. Interessantes über die indigene Bevölkerung Afrikas (San, Khoikhoi, Kusch, Zandsch…), wie ein Sklave Herrscher über Ägypten wird, über Schwarze Heilige, wie sich der Islam verbreitete und die Sklaverei in der muslimischen Welt. Alles sehr spannend und vieles davon auch, für mich, neu. Im zweiten Teil gibt es sogar noch ein Unterkapitel mehr und auch hier gibt es vieles neues zu entdecken und man bekommt die Grausamkeiten des Sklavenhandels nochmal detailliert vorgeführt. Anhand der verschiedenen Geschichten lernt man auch wohin die Sklaven überall gebracht wurden. Denn wenn an Sklaverei gedacht wird, dann meist ja an die Menschen die in die USA verfrachtet wurden, aber natürlich wurden auch sehr viele nach Südamerika und in die Karibik verschifft (einhergehend mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gegenüber den Einheimischen oder eben den dazu gezogenen, der auch heute noch existiert). Einige der Geschichten handeln auch von einzelnen Personen und ihrer Rolle in der Geschichte: Gaspar Yanga, Yasuke: Der erste Schwarze Samurai, Nzinga: Die Mutter Angolas, Nanny of the Maroons…. Es sind zu viele tolle Geschichten um sie hier zu erwähnen. Im dritten Teil „Die Abschaffung der Sklaverei und der Einzug des Kolonialismus“ könnte man meinen das vieles „besser“ wird, dem ist aber nur zum Teil so. Denn die Ungerechtigkeiten gehen weiter und man lernt während der ganzen Zeit wie hier der Boden für etwas geschaffen wurde, das bis in die Gegenwart dafür sorgt das in weiten Teilen des afrikanischen Kontinents bis heute kein Frieden einkehrt. Und nicht nur dort, hier wird auch erklärt warum Haiti jetzt so ist, wie es ist – interessant gruselig. Im letzten Teil gibt es dann nochmal zweiundzwanzig Geschichten über schwarze Persönlichkeiten aus Kultur und Politik. Bei fast 80 Unterkapiteln ist es kaum möglich auch nur annähernd darauf einzugehen und sie sind alle lesenswert. Tolles Buch mit Rückblick auf die noch relativ unbekannte Geschichte Afrikas, auf die Schrecken der Sklaverei und die damit einhergehende Schaffung von Problematiken die bis heute nachwirken. Und für alle die denken: „das ist weit weg und geht mich nichts an“ die sollten sich im klaren drüber sein, das es trotz der Entfernung uns alle sehr wohl betrifft. Ob wir das wollen, oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Tolles Buch das bildet und gleichzeitig, auf hohem Niveau, unterhält. 528 Seiten, Gebunden, 32,00 Euro (dolf)

Isbn ‎ 978-3406834783
[Trust # 235 Dezember 2025]

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