Warran (#224, 2024)
Über die Lyrik eines Obdachlosen und die Antithese zum Stoner: Waran aus Bremen im Gespräch
Die selbsternannte Crashcore-Band Waran aus Bremen hat sich sieben Jahre Zeit für ihre erste EP mit dem Titel “Zwang” gelassen. Was lange währt, wird endlich gut, könnte man sagen. Im Fall von Waran trifft das auf jeden Fall zu. Die Bandmitglieder, Ramin (Vocals), Micha (Gitarre), Ali (Bass) und Jenne (Schlagzeug), haben es geschafft, einen einzigartigen Sound zu erschaffen, der treibend und mitreißend, hart aber auch groovy ist.
Wir können sicherlich gespannt sein, wie sich die Reise von “Waran” fortsetzt. Ihre erste EP ist zweifellos ein vielversprechender Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. In einem Interview gewähren uns die Bandmitglieder einen Einblick in ihre musikalische Sozialisation, ihre Bands, den unverwechselbaren Sound von Waran und die Entstehung von „Zwang“. Von Hardcore über Funk bis hin zu persönlichen Geschichten und dem Einfluss eines obdachlosen Lyrikers – die Bandmitglieder teilen ihre Gedanken und Erfahrungen mit uns. Lest selbst.
Meine erste Frage für euch: Beschreibt eure musikalische Sozialisation jeweils in drei Worten.
Ali: Bei mir auf jeden Fall New York Hardcore, California Hardcore. Ich hatte immer eine große Liebe zu Funk und Disco. Das waren jetzt mehr als drei Worte.
Micha: Ich bin ja ein Kind der 90er. Ich habe Feuer gefangen, als der Metal groovy wurde, also als der Metal den Shuffle entdeckt hat. Genau, Metal, Hardcore, Funk. Also ich fand es da interessant, wo die harte Musik geschafft hat, groovy zu werden. Der Judgment Night-Sampler, der macht auch viel von dem, wo es mir heute noch drum geht. Das waren auch nicht drei Wörter.
Jenne: Ja, ich kann es in drei Wörtern: Lachend, weinend, schwitzend.
Ramin: Death, Thrash, Jazz. Ich bin in den 80ern mit Thrash Metal und Hardcore groß geworden.
Ali: Ich habe in den 80ern auch ganz viel Trash Metal gehört, aber dann schnell zum Punkrock und Rap übergewechselt.
Ramin: Bei mir war es immer so ein Mischmasch von beidem und mittlerweile höre ich viel Jazz.
Ali: S.O.D. hat mich zum Hardcore gebracht.
In welchen Bands wart oder seid ihr aktiv?
Ali: In meinem Fall Waran, Terra Flop und Die Stadt der Zukunft aktiv. Früher Queerfish und Saprize. Bei Chung habe ich auch mal kurz mitgespielt, darf man das nennen? Home of the Lame, so Singer-Songwriter. Und als Hired Gun bei Olli Schulz auf ein paar Touren gespielt.
Ramin: Aktiv Waran, Betastone und früher Yell, Tsunami, Micha und ich machen schon länger zusammen Musik. Paincage, da war ich auch noch dabei.
Micha: Aktiv, tatsächlich nur Waran. Das will ich aber dringend ändern. Ich hatte eigentlich immer mehrere Bands, aber die Zeit ist knapp. Genau, aber sonst von den Bremer Sachen, an die man sich noch erinnern könnte, Noisescape, Gorilla Move und Dogs Run Free, das war so Singer Songwriter-Kram, da haben wir zehn Jahre lang recht viel gemacht.
Jenne: Aktuell nur Waran und in der Vergangenheit waren Party Diktator, Chung und SwimTwoBirds an die sich der eine andere eventuell erinnern würde.
Wie würdet ihr Waran beschreiben und was macht Waran anders als andere Bands?
Ramin: Wir haben das Kind Crashcore getauft. Gab es noch nicht und es ist schwierig, das zu beschreiben.
Micha: Ich finde es komischerweise funky. Ich würde uns eher im Hardcore und Punk als im Metal verorten. Ich finde es aus irgendeinem Grunde sehr funky, was vielleicht daran liegt, dass wir einen wahnsinnigen Wert drauf legen, auf den Punkt zu spielen und trocken und nach dem Auftritt das Bier auf zu machen. Trocken auf den Punkt. Und ich finde auch vom Sound und vom Ansatz hat das viel mit Funk zu tun. Das ist irgendwie funky. Ich habe kaum Verzerrung auf der Gitarre, auch wenn es einem nicht so vorkommt. Also wir erarbeiten uns tatsächlich alles mit spielen und giftig sein und auf den Punkt sein. Und wenn das mal nicht klappt, fehlt uns was.
Ali: Dann bei Thomann nach Verzerrern gucken.
Ramin: Ab und zu kommen Vergleiche zu Shellac, NoMeansNo, Victim Family, Minutemen.
Micha: Bands, die ich überhaupt nie gehört habe.
Ali: Ich finde diese Vergleiche immer schwierig, weil ich dann wahrscheinlich andere Dinge, die mich an der Band begeistern, bei Waran nicht wieder finde. Vielleicht geht es nur darum generell zu sagen, die konnten auch ganz gut spielen, haben Staccato gespielt, hatten einen tierischen Drummer, war auch gute Musik. Aber ich würde sagen, es ist wichtig, dass wir ein musikalischer Motor sind, der gut ineinander greift. Das ist mir wichtiger, als geiles Feedback.
Ramin: Also solche Vergleiche mit Turbostaat, das sehe ich eigentlich nicht. Vielleicht ein bisschen wegen der deutschen Texte, die sind aber auch ganz anders.
Micha: Manchen fällt nichts anderes ein.
Ali: Uns hat ja auch noch nie jemand gefragt, das ist das erste Interview!
(Alle lachen.)
Wie entstehen eure Songs?
Micha: Relativ langweilig. Ja, Waran wurde so gestartet und das haben wir bis heute beibehalten, dass ich tatsächlich zehn Demos fertig hatte, ausarrangiert, aufgenommen als Demo und dann quasi die Spuren verteilt habe. Wir haben damals gesagt, wenn wir jetzt noch mal eine Band starten, mit Mitte-Ende 40, dann kann das nicht so laufen, dass wir uns dreimal die Woche im Proberaum treffen und an Ideen herumdoktern, sondern das muss irgendwie ein bisschen konkreter sein. Wir haben gesagt: Lass uns die erst mal so spielen und dann Sachen verändern. Das heißt, wir haben bei der ersten Probe drei Songs runter gezockt. Das war ein guter Moment. Auf jeden Fall erinnere ich mich daran, dass wir die Zuhause auswendig gelernt haben.
Ali: Wir kannten uns nicht alle. Ich kannte Jens, Ramin kannte ich gar nicht. Und dann irgendwie getroffen. Tack, tack, tack.
Jenne: Es hat so los gebrettert. Und das fand ich irgendwie geil. Was zum Charakter von Waran dazu beiträgt, ist diese Energie, die sich entwickelt, so aus dem Nichts – 1234.
Micha: Und plötzlich ist da eine Energie, die wir selber gar nicht im Griff haben. Wir spielen einfach so gut zusammen, finde ich, dass sich diese Energie transportiert. Und ich glaube, ich wollte auch einfach gleich wissen, ob es klappt. Ein bisschen ökonomisch gedacht. Ich mache nach wie vor Demos von Songs und wenn wir Sachen arrangieren, dann im Anschluss. Aber erst mal spielen wir sie einfach so runter. Natürlich habe ich dabei Jens und Ali im Kopf, wenn es jetzt ums Instrumentale geht. Und natürlich bin ich nicht dogmatisch und sage: Es muss genau so! (Klopft dabei auf den Tisch.) Sondern ich liefere Ansätze und dann kann jeder gucken, wie es Bock macht. Aber das Vorgehen ist so geblieben. Die Musik kommt vorgefertigt in den Proberaum und die Texte kommen anschließend. Da hat Ramin komplett freie Hand.
Ihr habt ja schon so ein bisschen was angedeutet, was euren Sound angeht. Der ist relativ clean. Effektgeräte spielen keine große Rolle. Kein Geartalk. Aber wie erschafft ihr euren charakteristischen Sound?
Micha: Der ist einfach da. Genau. Ich kann jetzt nur für mich reden. Für mich war es damals so, als ich da alleine im Proberaum stand und die ersten Songs gemacht habe. Mir ging es damals um die Antithese zum Stoner, weil damals nämlich ziemlich jede Band in Bremen Stoner gemacht hat oder Postrock und allen Gitarristen ging es nur darum wie kann ich mit unglaublich viel Bassfundament und Wumms alles wegballern und möglichst doomig alles zum Beben bringen? Und da habe ich gemerkt, mich interessiert gerade mal genau das Gegenteil. Wenig Verzerrung, kaum Bass in der Gitarre, ganz kleine Nische vom Sound. Viel Platz lassen für den echten Bass, der aber auch nicht mega heftig untenrum ballert. Also ich glaube, es findet ganz viel obenrum statt, eher in den hohen Frequenzen. Das ist so ein Geheimnis. Wir kommen uns wenig in die Quere, so frequenzmäßig und das ist auch dankbar für die Ohren und meistens auch für die Technik. Der Akzent liegt auf dem giftigen und schnellen.
Ihr habt 2023 eine erste EP rausgebracht und wenn ich das richtig verstanden habe, habt ihr euch 2016 zusammengefunden. Warum hat das so lange gedauert?
Ali: Schuld daran bin ich. Wir sind nicht ins Studio gegangen, sondern wir haben das mit Hilfe von Jens im Proberaum aufgenommen. Für mich war es auf jeden Fall zeitlich problematisch. Ich habe das ziemlich verschleppt, weil mich das auch gestresst hat, alleine in einem Raum zu sitzen und zu entscheiden, das war jetzt ein guter Take. Zwischendurch war ja auch noch Covid. Ich habe 30-mal eingespielt und dachte irgendwann, ich kann eigentlich gar nicht Bass spielen. Ich muss den ganzen Kram verkaufen oder ganz viel neu kaufen.
(Alle lachen.)
Jenne: Corona hat auf jeden Fall auch einen Teil dazu beigetragen, weil man sich nicht unbedingt treffen wollte. Das hat einen verunsichert. Soll man sich treffen, soll man es lieber nicht machen? Aber im Grunde hat es am Ende auch dazu geführt, weil wir ja nicht so viele Konzerte spielen konnten, dass wir die Aufnahmen gemacht haben.
Ali: Es hat sehr lange dauert, bis wir die Entscheidung getroffen haben: Wie nehmen wir auf, nehmen wir im eigenen Raum auf, gucken wir, ob wir dafür Geld ausgeben und wenn ja, wer hat Geld oder würde uns jemand Geld geben? Und dann Covid, Kinder, Arbeit…
Micha: Wir hatten wenig Zeit. Wir drei sind in freien Berufen. Dann die Familiensituation. Wir sind weit weg von einem festen wöchentlichen Probetermin. Das haben wir aber auch von vornherein gesagt. Waran probt dann, wenn es sein muss. Es gab auch Zeiten, wo wir neun Monate nicht geprobt haben. Das ist echt so, dieses Ökonomische, was ich schon mal meinte, was uns von Anfang an auch klar war. Lass uns das so fokussiert wie möglich machen und dann Songwriting-Phasen. Da hatten wir jetzt eine, die war am Anfang einfach riesig und da muss auch mal wieder was kommen. Wir spielen eigentlich nur noch die zwölf Songs, die wir als erstes gemacht haben. Lass uns proben, wenn Gigs anstehen.
Ali: Aber jetzt wollen wir dran bleiben.
Aber noch mal zu der EP, die ihr rausgebracht habt. Was hat es mit dem Titel Zwang auf sich?
Ramin: Ich glaube, das passt ganz gut, weil der Entstehungsprozess von dieser Platte hatte sich wie Zwang angefühlt. (Alle lachen.) Wir hatten einen Grafiker und der hat uns dieses Cover vorgelegt und das passte einfach.
Ali: Ich war total neugierig. Wird das gut? Kriegen wir es auch auf Platte überhaupt so gebannt, wie uns das selber anspricht.
Micha: Also ja und vor allem auf Click. Eigentlich würde man bei uns denken, dass wir eine Band sind, die definitiv live einspielen muss. Wir haben es nicht gemacht. Wirklich nacheinander alle, was auch noch so eine Covid-Entscheidung war, weil wir eine Zeit lang auch dann wirklich nicht zusammen im Raum sein wollten und das hat tatsächlich geklappt. Da bin ich irgendwie stolz drauf, dass wir Aufnahmen in unserem eigenen Proberaum machen konnten, die so gut klingen.
Eure Texte sind sehr speziell, sie haben oft einen anklagenden Ton, würde ich behaupten. Wer schreibt die Texte und was ist die Geschichte hinter den Texten?
Ramin: Ja, die Texte stammen ursprünglich zu 80% von einem damals Obdachlosen, den ich kennengelernt habe. Und der hatte in der Fußgängerzone einen selbst kopierten Gedichtband auf Papier, ganz billig zusammen geheftet unter dem Titel „Tagebuch eines Lyrikers“, glaube ich, angeboten. Das habe ich dem damals für zwei Mark abgekauft, habe noch ein bisschen mit ihm gesprochen. Und das ist dann irgendwann in der Schublade verschwunden. Ich fand die Texte schon immer sehr, sehr interessant. Dann kam Micha 20 Jahre später und hatte die Idee mit der Band. Er meinte zu mir, vielleicht hast du Bock Deutsch zu schreien und dann hat das Klick gemacht. Dann habe ich die Texte rausgeholt und das passte super dazu. Also ich kann natürlich nicht jeden einzelnen Texte erklären, weil ich die nicht geschrieben habe, aber ich kann gut deuten, worum es geht. Der Autor war nicht zufrieden mit der allgemeinen Situation auf dieser Welt. Also sehr anklagend, negativ, sozialkritisch. Das sind nur so kurze Textfragmente. Man muss da ein bisschen basteln, teilweise muss ich auch ein bisschen dazu dichten, damit das zum Song passt und ein paar andere Songtexte, zum Beispiel Labyrinth oder Faust, habe ich selber geschrieben. Die fügen sich aber gut ein in das Schema. Das ist auch mein Ziel gewesen.
Weißt Du, was aus dem Obdachlosen geworden ist?
Ramin: Nein, weiß keiner. Ich habe gegoogelt. Ich gehe mal davon aus, dass er nicht mehr lebt. Der war damals schon über 60 und der müsste jetzt 90 sein. Ich habe nie etwas gefunden.
Jenne: Hast du den Namen von der Person?
Ramin: Da stand leider auch nichts drin, auch kein Vorname – nichts.
Jens: Wäre natürlich fantastisch, wenn der das noch hören könnte.
Micha: Wir drehen eine Arte-Doku über den Typen und dann werden wir berühmt.
(Alle lachen.)
Ali: Ein Freund aus Oldenburg hat irgendwann die Texte mitgenommen und hat gesagt, er würde gerne bei einer Obdachloseneinrichtung am Pferdemarkt nachfragen. Da ist aber wohl nichts rausgekommen.
Micha: Stell Dir vor, er ist jetzt steinreich und verklagt uns? (Alle lachen.)
Ramin: Ich gehe davon aus, dass er nicht mehr lebt. Das ist schon so lange her. Ich habe mich damals mit ihm unterhalten. Ich hatte ihn gefragt, wo er herkommt. Das weiß ich noch genau. Er hat gesagt: Von überall her. Das war ein Vagabund, der wahrscheinlich durch Europa gezogen ist. Kann ja sein, dass er jetzt in Spanien lebt.
(Alle lachen.)
Was ist von euch jetzt noch zu erwarten? Ihr habt es gerade schon angedeutet. Eine Single und ihr wollt jetzt dranbleiben?
Ramin: Wäre wünschenswert. Ein bisschen, aber nicht noch mal sieben Jahre für eine neue Platte brauchen. Wir haben noch so ein paar Sachen, die eigentlich auch gut sind, die wir auf Platte bringen können.
Jenne: Das Gute ist, dass wir ja eine Untergrund-Band sind und hauptsächlich im Untergrund spielen. Wir spielen nicht auf großen Events oder so, außer vielleicht auf der Fusion und dem Off the Radar. Wir sind unter dem Radar, wie das einfach auch beim Off The Radar so schön war. Das Gute daran ist, dass wir auch noch überall spielen könnten, weil es noch niemand gehört hat.
Ali: Wir können noch überall hin.
Ramin: Wir haben noch alles vor uns. Da ist kein Druck. Wir haben kein Plattenlabel oder irgendjemanden, der uns irgendwie über die Schulter guckt.
Ali: Ich würde trotzdem gerne mal mit euch auf Tour gehen.
Micha: Ja. Wir waren sehr enttäuscht dieses Jahr von den Auftrittsmöglichkeiten, wie eigentlich alle kleinen Bands. Das war, glaube ich, für die meisten eins der schlimmsten Jahre, weil unglaublich viele Nachhol-Gigs die Termine blockiert haben und unglaublich viele Absagen kamen.
Jenne: Corona-Stau.
Micha: Das hören wir auch von Freunden, dass da einfach wenig ging. Da erhoffen wir uns etwas mehr im nächsten Jahr. Und auf jeden Fall muss man auch wieder Songwriting von uns erwarten.
Ali: Zwang 2.
Micha: Definitiv wieder mehr live spielen. Das war richtig mau jetzt.
Ist es eine bewusste Entscheidung, nicht groß werden zu wollen, also unterm Radar zu bleiben?
Micha: Bewusst nicht.
Jenne: Ich finde es gut, sich gar nicht in großen Sachen zu bewegen. Ich habe das mit Party Diktator ein bisschen erlebt, aber das fand ich ehrlich gesagt eigentlich eher nervig als irgendwie erbaulich. Ich finde es geil, so vor 100, 200 Leuten zu spielen. Voll den geilen Energie-Austausch zu haben. Das ist auch so meine Welt und da fühle ich mich glücklich. Nur schade, dass es natürlich nicht so einfach ist, ohne Booking an Gelegenheiten heranzukommen. Wir müssen alles selber mühsam uns ertelefonieren und da wir faul sind…
(Alle lachen.)
Ali: Das würde ich auch sagen, möglichst ebenerdiger Energieaustausch, das ist ein guter Aspekt. Das finde ich auch viel besser als bei größeren Konzerten. Ich habe mit einigen anderen Bands auch große Konzerte gespielt. Das hat auch seinen Reiz. Vor allem bei ruhigerer Musik oder so Entertainment, wie Olli Schulz es macht, ergibt das häufig Sinn, wenn da eine große Crowd ist. Man steht auf einer Bühne erhaben, aber bei so einer kleinen Band wie wir, funktioniert das ideal auf so einer kompakten Bühne, in so einem kompakten Schuhkarton.
Alle: Total!
Ali: Ich gucke mir auch selber viel lieber Konzerte auf so einem Niveau an als große Festivals. Ich war noch nie in meinem Leben zahlender Gast auf einem Festival.
Micha: Ich finde sogar unter 100 Leute voll geil.
Jenne: 70 Leute! Die geilsten Konzerte, geiler Sound, ein bisschen Bühnenshow.
Ramin: Gestern war auch wieder geil. Jens hätte auf einem Podest Schlagzeug spielen können. Da war im Prinzip genug Platz. Aber wir haben es öfter so gemacht, das Schlagzeug dann vorne aufzubauen, damit wir enger zusammenstehen und näher am Publikum dran sind. Ich möchte mit den Leuten zusammen das Ding erleben.
Ali: Gerade im Zusammenspiel ist mir auch wichtig, dass ich viel direkten Sound kriege. Klar kann man das mit einem guten Soundmenschen und einen guten Monitormix auch erreichen. Aber das ist dann schon professionell. Wir haben ja im Moment keine Soundcrew, die mit uns mitkommen kann. Und dann bin ich Fan davon mich ganz nah an Jens zu stellen. Ich brauch die direkte Verbindung, die Bassdrum zu spüren, weil der Boden wackelt, ist mir viel wichtiger als zu sehen, da stehen 5.000 Leute und irgendwo hinter mir steht Jens.
Jenne: Halloooooo! (Winkt. Alle lachen.)
Micha: Ich glaube auch, wir überraschen ganz gern die Leute. Das gelingt uns, glaube ich, relativ häufig, dass wir Leute überraschen und uns gut darin gefallen. Wir bewegen uns gerne in diesem unterschätzten Bereich. Lieber so als andersrum. Fand ich immer total geil. Wo dann zu hören ist: “Krass, ihr müsstet eigentlich….” und dann kommt immer irgendwas noch hinten dran Aber zu wissen: Warum eigentlich? Wir müssen gar nichts.
Ramin: Das war auch am Anfang ganz oft so, wenn du dann das Publikum gesehen hast. Die meisten hatten so ein Grinsen im Gesicht. Das fand ich immer so klasse, weil die dann so ein bisschen verdutzt waren.
Das klingt super. Ich hoffe, dass die nächste Veröffentlichung nicht sieben Jahre dauert.
Ali: Für mich ist es viel angenehmer, kleinere Konzerte zu spielen, wo man mehr spürt. Ich kann viel entspannter spielen, als wenn ich denke, dass ich die nächsten Monate oder Jahre davon leben muss und ich darf nichts verkacken.
Micha: Die, die sowas veranstalten, sterben, glaube ich, langsam aus. Das sind Überzeugungstäter, die diese kleinen Läden und kleinen Bühnen am Laufen halten, mit ganz viel Herzblut und dabei auch häufig draufzahlen. Das ist sehr bitter, dass man merkt, die gibt es gar nicht mehr so oft und wenn sie aufhören, kommt niemand 20-jähriges nach, der dann Bock drauf hat, eine kleine Bühne überregional zu betreiben.
Gibt es Bands, die ihr den LeserInnen abschließend noch ans Herz legen würdet, die ihr gerade gut findet?
Jenne: Auf jeden Fall.
Ramin: Kleinere Bands?
Ja! Gerne!
Ramin: Ich finde die Bremer Szene aktuell sehr interessant. Da passiert viel.
Ali: Nenn doch mal paar Namen. Ich finde Zahn ganz gut, aber die sind auch nicht mehr so wirklich klein. Die haben gerade die zweite Platte auf den Weg gebracht. Die sind top! Und kürzlich war ich hier bei so einem kleinen Event und da haben Kanaan gespielt. Die kannte ich gar nicht vorher. Aus Norwegen. Die fand ich tierisch geil. Überhaupt nicht die Genres, die ich sonst höre. Jazz Rock oder so? Keine Ahnung. Der Drummer spielt jetzt bei Motorpsycho oder so. (Alle lachen.) Und dann noch Bugbear aus Köln.
Jenne: Ich finde Maulgruppe auch geil!
Micha: NI aus Lyon und Yass aus Freiburg.
Ramin: Ali und ich feiern Crisix aus Spanien momentan ab. Aber auch alte Helden wie Suicidal Tendencies usw. stehen bei mir noch hoch im Kurs.
Ali: Stimmt.
Jenne: Fluid to Gas! Unsere Freunde aus Bonn, Köln, aber die sind schon bekannter.
Ali: Tolle Bands.
Jenne: Spark Unit.
Ich bedanke mich für das Interview. Gibt es noch irgendetwas, was ihr noch loswerden möchtet?
Jenne: Kap Hoooorn!
(Alle lachen.)
Ali: Das wolltest Du loswerden?
Interview: Claude Müller
Kontakt: https://www.waran-bremen.de