November 27th, 2025

Posted in bücher by Dolf

Piper Verlag, Damaschkestraße 4, 10711 Berlin, www.piper.de

Von Punk oder anderer subkultureller Musik steht hier natürlich nichts drin, aber, wenn man das Buch liest, dann kann man auch nachvollziehen warum das so ist. Ganz einfach, weil es das früher unter dem Namen nicht gab, und wenn es unter anderen Bezeichnungen existierte, dann wurde es sicherlich nicht geschichtlich dokumentiert. Aber das es wohl schon immer Menschen gab die eine, wie auch immer geartete „andere“ Musik machen wollten und das auch taten, das ist durchaus vorstellbar, aber sehr wahrscheinlich nicht mehr nachweisbar. Musik-Archäologie ist sicher keine sehr populäre Wissenschaft und deshalb ist sie hier im Trust auch besonders gut aufgehoben, denn es ist auf jeden Fall auch totales archäologisches Fantum und in diesem Fall auch schon sehr nerdig – und das muss es auch sein.

Aber kommen wir zum Buch: Was super ist, das es nicht in der Vergangenheit los geht, sondern sich zurückbewegt, der Start ist im 19. Jahrhundert und geht dann in 51 Kapiteln zurück bis vor 40.000 Jahren und später. Das ist eine ziemlich lange Zeitspanne und es macht keinen Sinn das hier auch nur Ansatzweise nachzuzeichnen. All die Musikinstrumente, Hinweise und Noten die über die Jahrtausende aufgetaucht sind, meistens Leiern, Blasinstrumente und Maultrommeln, überall auf der Welt, in Gräbern oder im Schlick – hier wird einem wirklich eine „umfassende archäologische Geschichte der Musik“ geliefert. Gut, es ist sehr detailliert und dem Autor bereitet es auch Freude ausschweifend zu schreiben und differenziert zu beschreiben und ich dachte mir, ohne das Sommerloch, mit viel Zeit, wäre das vielleicht für mich nicht zu schaffen gewesen, ich schweife ab. Weiter mit dem Werk, das so viel Wissen enthält, das die Lesenden sicher nur im Moment des Lesens in der Lage sind mitzudenken – ist wie eine tolle Doku die man sich auf dem Bildschirm seiner Wahl ansieht. Aber natürlich besser, weil es ein Buch ist und man selbst der Regisseur der Bilder ist, die einem im Kopf entstehen (gut, es gibt im Buch auch noch einen Schwung Seiten mit Fotos von den Artefakten und das schadet gar nicht). Es ist auch spannend zu lesen wie dieser Rückblick in die Vergangenheit der Musik zustande kam. Natürlich ist viel Spekulation dabei, aber die gehört dazu. Und es ist ebenso auch eine „Reise durch die Geschichte der Musik“ und das hat Lawson perfekt umgesetzt. Tolle Idee und wer die Zeit und das Interesse hat, lesen. Am Ende hat mich das Buch weitergebracht als ich am Anfang dachte, da die Kombination aus Archäologie und Musik für mich neu war. Und, um es wieder mit Punk zu beenden, stellt sich die Frage, was von Punk in der näheren und fernen Zukunft noch von Menschen gefunden wird – wahrscheinlich wenig E-Gitarren, Schlagzeuge, Demo-Tapes, Schallplatten, CDs oder digital gespeicherte Musik auf Computern oder im Internet, wie sie heute dokumentiert wird. Aber wer weiß das schon und die meisten – wie die MusikantInnen damals, interessiert das eh nicht. Und sich heute Gedanken zu machen wie man Musik für Jahrtausende bewahrt – good luck. 432 Seiten, Gebunden, 26,00 Euro (dolf)

Isbn 978-3492071222

[Trust # 234 Oktober 2025]

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