ZANN (#113 / 08-05)
Wer oder was ist ZANN (sowohl zum vorstellen als auch zu Namensklärung geeignet)?
Uwe: ZANN ist Ron (6 Saiten), Mark (Sticks), John (6 Saiten), Robert (Stimme), Uwe (4 Saiten) und gleichzeitig die Hauptperson einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft, die den Grund, warum ich/wir Musik mache/n, recht treffend beschreibt.
Da stellt sich doch die Frage nach der Geschichte und wieso Ihr Musik macht.
Uwe: Ne lass’ mal. Die Geschichte ist so kurz, die kann jeder selber lesen. Der Rest beantwortet sich dadurch.
Kennt ihr die band Mekong Delta?
xRonx: Ja, habe ich in Ostzeiten mal beim Jugend(Radio)Sender DT64 aufgenommen…
Uwe: Nein
Robert: Nein … Bin wohl zu jung – oder was?!
John: Ja, erscheint, wenn mensch bei Ebay nach “ZANN” sucht ![]()
Ich meinte nur, weil die ein Album Namens „The music of Erich Zann“ hatten. Wie alt seid Ihr denn?
Uwe: Siehst Du mal; muss ja ‘was ‘dran sein an der Geschichte. Also lesen. Gehe straff’ auf die 30 zu, verfallstechnisch gesehen.
John: Wir haben wohl alle schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, wobei ich mit 29 der älteste bin ![]()
Robert: Ich bin mit knapp 26 der jüngste, muss aber dennoch die Mutterrolle übernehmen. Manchmal ist es schon nervig, wenn dann die Kinder nicht so machen, wie sie sollen. ![]()
Seit wann gibt´s euch?
Uwe: Seit Herbst 99 als Viererformation, im Frühjahr 2000 kam dann John an der Gitarre dazu; happy ever after.
Ihr habt ja – zumindest hier in der Gegend (genauer Mittel-/unterfranken) ein fast schon fanatisches Following, wie man´s sonst eher von MÖRSER kennt – wie kommt’s?
xRonx: ??? Ist das so??? Vielleicht liegt es an der musikalischen Qualität??? Hehe…wohl am ehesten weil wir meist laut sind…ich kann mir vorstellen, dass manche Leute es honorieren, nicht die xxxte Orchid-Kopie sehen zu müssen…oder den 1000sendsten, kläglichen Versuch mid nineties Schrei-Emo neu aufleben zu lassen…
Uwe: Haben wir? Die Kids aus Würzburg, Schweinfurt vielleicht? Nette Leute. Fanatisch? Keine Ahnung.
Robert: Das waren in Schweinfurt (die Rede ist vom letztjährigen Trainspotting Fest – Anm. Sebastian) wohl alles Freunde und diese Betrunkenen Punker aus Frankreich – hahaha. Wer weiß – ich fand es war ein Spaß … Wenn die Leute sich bewegen, dann kommt auch bei uns ein besseres Feeling … Es ist einfach ein gutes Gefühl mit dem Publikum eins zu werden, deswegen spielen wir auch nicht gerne auf Bühnen!
Ihr wart ja in den USA auf Tour: War´s das erste Mal?
Uwe: Es war die zweite US-Tour. Letzten Sommer war es die Ostküste, diesen Herbst waren wir an der Westküste.
Robert: Yep – die erste Tour war mit unseren Freunden von BLAMEGAME aus Atlanta/ GA und die zweite jetzt mit TAKARU aus San Francisco/ CA (die sich nun leider aufgelöst haben). Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal und vielleicht klappt dann mal ne volle US Tour. Aber nächsten Sommer wollen wir erst einmal nach Japan mit BIRUSHANAH aus Osaka. Ich denke das all das wohl das Beste daran ist, in einer scheiße Punk/ Hardcoreband zu spielen. Auf Tour sein und Städte und Plätze zu sehen, die wir wohl ohne diese Band nie gesehen hätten (zumindest nicht so). Manchmal fällt es immer noch schwer zu glauben, wo wir schon überall waren und das es Leute gibt, die Shows für uns machen. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen!!! Danke.
Habt ihr schöne Geschichten mitgebracht?
xRonx: Ich sag nur Skinhead und Axt in Verdun…sehr lustig.
Robert: Das war aber nicht auf der Amitour – das was im Frühjahr in Frankreich. Aber Ron hat (wie er selbst zugegeben hat) nur begrenzten Speicherplatz und kann sich nichts merken
Egal, hört sich trotzdem interessant an…
Robert: Interessant war es eigentlich eher weniger. Dieser Wixer hat uns mit seiner Axt (nach dem Ron und John ihn dumm angemacht hatten — na ja, wohl doch unser Fehler. Hihi) attackiert und Uwe hätte fast seinen Arm verloren (ohne Scheiß). So war die Beifahrerscheibe im Arsch (für die Anderen hatte er zum Glück keine Kraft mehr) und wir hatten noch ne Verfolgungsjagd durch die Stadt mit Endstation Polizeiwache.
Ein weiterer Beweis das ZANN feige Säcke sind – wir waren fünf und der alleine. Leider waren unsere Schlägerfreunde von Battle Royale schon vorgefahren. Das war ein super Abschluss für eine scheiß Tour.
Lass uns mal bei der Amitour weiter machen:
Uwe: Das miserabelste Erlebnis der Tour: unser schlechter Auftritt in Tucson, AZ, und im Publikum stand, wie wir später erfahren haben, der GROUNDWORK-Sänger. Da habe ich mich echt geschämt für unsere Show. Das beste Erlebnis: durch die Wüste am nächsten Tag mit Stopps mitten im Nichts und irgendwelchen runtergekommenen Siedlungen – 1a Klischee, wunderbar. Aber eigentlich empfand ich es noch besser, die TAKARU-Leute besser kennen zu lernen und alte Bekannte in San Francisco wieder zu sehen. Ohne sie wäre nichts davon möglich gewesen – Danke!
Robert: Der vegane Schinken war für mich ein Highlight und die neuen Softdrinks – hui es war ein Spaß, auch wenn es keine Geschichten gibt, die euch begeistern würden. Es war alles gut organisiert und na ja … ein Spaß. Ich denke, es war die entspannteste Tour, die wir je hatten. Die Shows in der Bay Area waren mit unsere besten, die wir je gespielt haben. Leider war es nur zu kurz…aber ich hoffe, es war nicht das letzte Mal…
Wie kommt’s dass in den USA deutsche Bands so angesagt sind (vgl. MÖRSER, HIGHSCORE, RAMMSTEIN…)? Das ist ja noch gar nicht so lange so…
xRonx: Der teutonische Scharm? Hehe! …wie kommt’s, dass Amibands hier so angesagt sind?
Uwe: Den angeblichen Mythos um deutsche Bands kenne ich zwar, kann ihn aber nicht bestätigen. RAMMSTEIN – ok, Mainstream und viel Promotion dahinter, aber MÖRSER und HIGHSCORE? Nicht, dass ich wüsste. MÖRSER kannte eine Person mit der ich sprach. Ansonsten natürlich ACME, aber dann hört’s auf.
Robert: Ich glaube das ist wohl wie bei uns mit den ganzen Amibands, die hier immer wie “Götter” behandelt werden (kommen ja nicht umsonst 3x im Jahr hier auf Tour .. Hahahaha) und all das was man nicht hat, will man eben haben … Habe aber wieder einmal feststellen müssen, dass die Amis viel zu oberflächlich sind und da auch einmal schnell Länder und Leute durcheinander gebracht werden. Na ja … Für die ist das alles so weit weg (ok für uns auch) – aber sie kennen kaum Städte von hier (auch wenn sie immer fragen von wo du kommst und dann – oh Deutschland, meine Tante wohnt in London) und können sie fast nie geographisch einordnen, was uns aber bei vielen Städten von dort gelingt.
Ich denke, diese Oberflächlichkeit und die oft gespielte Freundlichkeit gingen mir beide Mal am meisten auf den Keks. Auch das viele politische Themen mit viel weniger Tiefgang behandelt werden. Da ist es auch ok, das z.B. Council Records einen Stapel an Links zu Nazibands haben. Wenn man sie darauf hingewiesen hat, dann war das denen meist egal und sie waren auch alle mal bei einem DEATH IN JUNE Konzert – auch wenn da komische Leute waren. Es war schon teilweise ein wenig enttäuschend.
Ansonsten weiß ich nicht, ob deutsche Bands da so wirklich angesagt sind. Die meisten Bands von hier, die ich kenne und die da waren, hatten alle ne scheiß Tour. Das hat sich zwar in den letzten Jahren gebessert, aber frag mal CHISPA/ ENFOLD oder MONOCHROME.
Nicht umsonst muss die lokale Band immer zum Schluss spielen, damit Leute bleiben. Wo ist da der Hype??!!
Klar, RAMMSTEIN war in der Aufzählung eher als Scherz gedacht, aber ich hatte tatsächlich den Eindruck, dass zumindest besagte Bands in den USA nen guten Namen haben…
Was macht ihr sonst so?
xRonx: Ich bin grad mit dem Studium fertig geworden…dipl. Ingenieur.
Uwe: Was meinst du? Neben der “Frei”Zeit? Ich studiere noch.
Robert: Mmh … Ich versuch mein Leben in Gang zu halten. Ab und an geh ich zur Uni, arbeite in einem lokalen Skateshop und expandiere gerade mit meinem Mailorder / Label “Adagio830″ und versuche immer noch ein kleines Bollwerk gegen die Grossen zu bilden und das D.I.Y. auf der eigenen Fahne auch in Ehre zu halten, da mir das immer noch genauso wichtig ist wie vor 10 Jahren. Sicher gibt es Dinge, die sich verändert haben über die Jahre und ich habe auch weniger Zeit als früher für all den Kram, aber ich will mir treu bleiben. Das heißt auch, dass ich hinter 99% der Platten stehen kann – also musikalisch und textlich….
Langweilig ist mir auf jeden Fall nicht – habe nur kalte Füße.
Ansonsten geht alles seinen Gang und ich hoffe ich kann die Art und Weise zu leben so lange wie möglich fortsetzen, auch wenn ich manchmal Anfälle von Depressionen habe und alles hinwerfen will. Wenn zum Beispiel sich mal wieder die Rechnungen stapeln und es einfach nicht vorwärts geht … Aber im Moment kann ich mir auch nicht so recht vorstellen, jeden Tag von 9 bis 5 zu arbeiten. Ich gebe mein bestes.
Ach ja, und PS2 kann einem den Winter auch versüßen. Hahaha
John: Also ich habe vor ein paar Jahren mein Diplom in Geophysik gemacht, bin seitdem noch immatrikuliert und halte ich mich mit diversen Nebenjobs über Wasser und mache mit meinem Bruder Buttons (www.flossbros.com) (ein klein bisschen Werbung darf schon mal sein
)!
Eigentlich nur gegen Bezahlung … ![]()
Einer von Euch veranstaltet doch auch Konzerte, oder?
Robert: Ja, ich mache ab und an Konzerte. Im Moment halte ich das aber leider auf Sparflamme. Ich habe in letzter Zeit oft gemerkt, dass ich nicht mehr mit ganzem Herzen dabei bin. Ich habe mich ausgebrannt und übersättigt gefühlt. Es fällt mir zwar schwer komplett aufzuhören, da es im Moment weniger gibt was mich umhaut. So beschränke ich es darauf, Konzerte für Freunde zu machen und Bands die ich extrem mag. Vielleicht wird es mal wieder mehr, aber im Moment sind Zeit und Enthusiasmus weniger vorhanden als früher :-/
Habt ihr ein Problem damit, im MRR als westdeutsche Band bezeichnet worden zu sein?
xRonx :…Nö, ist mir eigentlich egal…interessiert eh niemanden ob Ost oder West…
Uwe: Ist doch egal, so was macht eine Band nicht besser oder schlechter. Wahrscheinlich einfach ein Kommunikationsfehler.
Robert: Die Oberflächlichkeit der Amerikaner – hahaha. Aber im Endeffekt ist es auch mir egal. Herkunft sollte eigentlich unwichtig sein, da es die Musik nicht wirklich schlechter oder besser macht. Obwohl bei Italien, da ist das so eine Sache… hahahahaha
John: Ist mir egal! Es ist aber wohl nicht egal, ob mensch aus Deutschland kommt oder aus den USA. sonst wäre der Hype einiger drittklassiger Amibands hier wohl nicht zu erklären!
Wie kam es eigentlich zu dem Interview?
John: Keine Ahnung!?!
Robert: Josh von TAKARU arbeitet ab und an für das MAXIMUMROCK´NROLL und er dachte wohl, wir haben etwas zu sagen und er so fragte er ob wir Lust hatten ein Interview zu machen, was letztendlich nur wir beide geführt haben.
Zum Abschluss: die Gartenpartyfrage. Stellt euch vor, Ihr feiert eine Gertenparty und Ihr habt die Möglichkeit drei Bands / Musiker Eurer Wahl einzuladen. Der Clou: Leichen willkommen, also aufgelöste Bands und tote Musiker sind kein Problem. Wer rockt bei ZANN den Garten?
John: Mmmhhh.. habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht! Ich sage mal das sollten dann Bands sein, die ich bisher leider nicht sehen konnte, bzw. nicht mehr sehen kann! Ich hätte wohl gern SUNNY DAY REAL ESTATE gesehen. Sind aber leider nie nach Europa gekommen!
…dann WAXWING und noch ELLIOTT SMITH oder TOM LOMACCHIO!
xRonx: Das ist leicht…JOY DIVISION, BORN AGAINST und zum Abschluss, wenn’s schon dunkel ist…VIC BONDI solo mit seiner Gitarre…
Geil!
Robert: Es gibt so einige. Ich hätte gerne BRUCE SPRINGSTEEN zu seinen „Greetings from Ashbury Park“ Zeiten, JOHNNY CASH wäre auch dufte. MOSS ICON und BORN AGAINST wären auch ein spaß. Dazu noch RITES OF SPRING, GRAY MATTER und SLANT6 … und zum Schluss müssen GEHENNA spielen, wenn die Leute nicht gehen wollen … hahahaha.
Interview: Sebastian Wiedemann
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