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	<title>TRUST FANZINE &#187; kolumne</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:11:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF 
Neulich auf einer Party, bei ca. 11° C Raumtemperatur in schnuckeliger &#8220;Alternativ Wohnen vor 15 Jahren&#8221; Atmosphäre, inclusive einem Blechfass im Hof wo die Männer reinurinieren konnten. Ich unterhalt mich also mit Zaphod &#8211; einem befreundetem Künslter (und er ist tatsächlich einer, erstens kann er was und zweitens verkauft er auch seine Kunst). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>DOLF </strong></p>
<p><em>Neulich auf einer Party, bei ca. 11° C Raumtemperatur in schnuckeliger &#8220;Alternativ Wohnen vor 15 Jahren&#8221; Atmosphäre, inclusive einem Blechfass im Hof wo die Männer reinurinieren konnten. Ich unterhalt mich also mit Zaphod &#8211; einem befreundetem Künslter (und er ist tatsächlich einer, erstens kann er was und zweitens verkauft er auch seine Kunst). Diese Klammerbemerkung musste sein, denn es gibt ja viele Leute die sich Künstler nennen, aber das ist wieder ein anderes Thema. In jedem Fall hatten wir ein total lustiges Partygespräch über das prickelende Thema Altersvorsorge. Ich erspare es mir hier in Details zu gehen. Naja, auf jeden Fall meinte er dann ob es nicht an der Zeit wäre &#8220;solche&#8221; Themen im Trust zu behandeln. Mit &#8220;solchen&#8221; meinte er eben Altervorsorge, Krankenkassenwahl, Geldanlagen, Kreditwesen, Immobilienkauf, Ivf, Versicherungsfragen und den ganzen anderen Scheiss mit dem man früher oder später teilweise kofrontiert wird, ob man will oder nicht. Naja, ich sagte ihm auf jeden Fall das ich darauf keinen Bock hätte, weil es die Leute wahrscheinlich nicht interessiert. Hab ja keine Ahnung ob nur über 35  jährige das Heft lesen oder auch viele jüngere. Und ich zumindest hätte vor 20 Jahren in meinem Lieblingsfanzine auch nicht Dinge lesen wollen mit denen ich meinen Eltern hätte imponieren können. &#8220;Alter, du bist ja ganz schön bescheuert das du deine Kohle bei der Sparkasse liegen hast, im Trust stand&#8230;&#8221; oder so ähnlich. Sollten wir dazu Bock haben, bringen wir sowas auch &#8211; oder wenn wir mehr als 15 Zuschriften bekommen das wir das machen sollen &#8211; war ein Witz, wir machen ja nicht das was die Leser wollen, sondern das was wir wollen, deshalb wird das Trust ja gelesen&#8230;&#8230;. </em> <span id="more-141"></span></p>
<p>Und sonst: Studentenprotest &#8211; für was (siehe dazu den Text in diesem oder nächsten Heft). Repolitisierung des &#8220;Punks&#8221; &#8211; welcher Punk, welche Politik. Tägliche &#8220;Horrormeldungen&#8221; über Kürzungen und andere Einschnitte ins soziale Netz. Während die Politker leben wie die Maden im Speck und die Unternehmer und die Gewerkschafter auch, neben vielen anderen. Verarschen können die andere, uns &#8211; oder zumindest mich, nicht. Ich freu mich erstmal auf zwei Bands die ich in nächster Zeit live sehen kann, welche das sind &#8211; oder waren, verrate ich vielleicht beim nächsten Mal. Immerhin cool das man sich auch noch auf gute Bands freuen kann, bei der Masse an belangloser Scheisse die einem um die Ohren gehauen wird. Ich fasse mich kurz, ist ja sonst genügend zum Lesen im Heft.<br />
dolf </p>
<p>DER ZÄRTLICHE ZYNIKER </p>
<p>Spiegel Online vom 28.12.2003: Nationalisten in Umfragen vorn: Serben wählen neues Parlament </p>
<p>Warum schreiben sie sowas eigentlich nicht, wenn hier mal wieder gewählt wird? Weil keine Serben wählen? Nein, weil es Nationalismus schließlich nur bei den anderen gibt. </p>
<p>Am Neujahrsnachmittag wehte ein scharfer Wind von Osten. Ich hatte zu wenig angezogen. Aber der Schmerz im Gesicht wäre auch dann nicht anders gewesen, unwesentlich milder vielleicht. Es tat gut, sich diesem Schmerz auszusetzen, der Kopf noch etwas schwer von der Nacht davor.<br />
Silvesterfeier. Diskussionen über die Studenten- und Schüler-Demos. Ein junger Mann beklagte die Umarmung der Bewegung durch die Politik, und dass keine Reibung entstünde. Kein Wunder bei den Zielen dieser Bewegung. Ein anderer junger Mann meinte, er wolle sich nicht mit den &#8220;Ideologen&#8221;, die eine Weltrevolution machen wollten, ins Boot setzen. Als ob es davon mehr als eine Handvoll gäbe.<br />
Die Studentenbewegung dieser Tage ist einerseits so egal, wie sie andererseits ein ernüchterndes Licht auf diejenigen wirft, denen man aus alter Gewohnheit anlastet, sie seien vielleicht noch eher zu gewinnen für Ziele, die hier zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu Recht verrufen sind, nimmt man als Recht hier an, was es vor allem ist: Ein gewaltsam durchgesetztes Verhältnis des gleichen Rechts für alle, was auf gar keinen Fall zu verwechseln wäre mit einer Forderung, die ich ebenfalls nicht teile: Gleicher Lohn für alle. Zum einen: &#8220;der Lohn&#8221;. Der nur dem blüht, der sich für ihn zu verdingen hat &#8211; bei Strafe des Elends. Zum anderen: &#8220;für alle&#8221; das Gleiche, das mir doch dann nur etwas brächte, wollte ich das Gleiche wie alle, das auch allen nur etwas brächte, wollten sie alle das Gleiche. Und wäre der Lohn dann auch noch groß genug, dass er allen genügte. Lohn, so lässt sich leicht feststellen, ist für den Lohnabhängigen, die Lohnabhängige nie genug. Wofür sonst noch eine Versicherungspflicht, die das Proletariat in Sippenhaftung nimmt für seine Angehörigen? Ausgenommen von der ist vor allem der, der den Lohn zahlt (wenn auch nicht immer). Der ist von der Versicherungspflicht befreit, die doch eine Errungenschaft darstellen soll. Und seltsamerweise kommt der, der von dieser süßen Pflicht befreit, in den &#8220;Genuss&#8221; von Leistungen, die einem Pflichtversicherten verwehrt bleiben. Morgenstund hat Gold im Mund. Morgenstund muss wohl privat versichert sein.<br />
Es gibt ein Sprichwort, das sagt, Ficken und Besoffensein sei des kleinen Mannes Sonnenschein. Die kleine Frau weiß trunken ein Lied davon zu trällern. Kein schönes Lied. Leicht verwaschen vielleicht in der Aussprache. Sacht schlingernd im Takt des rechten Arms, der das Bügeleisen führt, mit dem die Hemden des kleinen Mannes geplättet werden.<br />
Nichts gegen Ficken und Besoffensein! Nichts gegen Sonnenschein&#8230;<br />
Flashback: Was hatte ich mir eigentlich als junger Arrogant vorgestellt, wo ich in den Mittdreißigern stehen würde? Life&#8217;s a bitch and then you die? Wahrscheinlich wusste ich genug, um mir diese Frage nicht zu stellen, und zu wenig, um vernünftige Schlüsse daraus zu ziehen.<br />
Fragt mich neulich eine Praktikantin bei der Zeitung, für die ich ab und an Korrektur lese, was ich sonst so mache (dass von dem Job niemand leben kann, war auch ihr klar). Sie war mir schon aufgefallen: eine große Frau mit Schlaghosen, Pilzkopf und Brille. Physisch, wie ich das so gern hab. Wir also ins Raucherzimmer. Natürlich, so dachte ich, würde ich mit dieser Frau ins Bett gehen, wenn es sich ergäbe. Dann: Würde ich eigentlich wollen, dass es nicht nur das wäre, sondern jemand, der nicht nur deshalb dort mit mir wäre. Später erfahre ich, dass ich sie beeindruckt habe mit meinen Jobs, den vielen. Bräuchte ich doch nur weniger davon&#8230;<br />
Die Differenz ist klar: Um sowas gut zu finden, muss man grundsätzlich einverstanden sein mit dem gesellschaftlichen Status Quo, der bescheidenen Armut. An dieser Stelle kann ich kurz jemandem einen Wunsch erfüllen. Es könne interessant sein, was sich Mitarbeiter dieser ehrwürdigen Publikation an Platten kaufen von ihrem schmalen Taschengeld. Eine von Bob Dylan zum Beispiel. &#8220;Blood On The Tracks&#8221; namentlich. Eine auf der ein Song namens &#8220;You&#8217;re A Big Girl Now&#8221; ist. Darin heißt es:<br />
Our conversation was short and sweet<br />
It nearly swept me off-a my feet.<br />
And I&#8217;m back in the rain, oh, oh,<br />
And you are on dry land.<br />
You made it there somehow<br />
You&#8217;re a big girl now. </p>
<p>Bird on the horizon, sittin&#8217; on a fence,<br />
He&#8217;s singin&#8217; his song for me at his own expense.<br />
And I&#8217;m just like that bird, oh, oh,<br />
Singin&#8217; just for you.<br />
I hope that you can hear,<br />
Hear me singin&#8217; through these tears. </p>
<p>(&#8230;)<br />
Das ist es manchmal, wie Dylan es in einem anderen Song auf dem gleichen Album singt:<br />
She lit a burner on the stove and offered me a pipe<br />
&#8220;I thought you&#8217;d never say hello,&#8221; she said<br />
&#8220;You look like the silent type.&#8221;<br />
Then she opened up a book of poems<br />
And handed it to me<br />
Written by an Italian poet<br />
From the thirteenth century.<br />
And every one of them words rang true<br />
And glowed like burnin&#8217; coal<br />
Pourin&#8217; off of every page<br />
Like it was written in my soul from me to you,<br />
Tangled up in blue.<br />
Okay, sie gab dir keinen Gedichtband von einem italienischen Dichter des 13. Jahrhunderts. Aber sie war überrascht, dass du sprachst. Und es hatte Überwindung gekostet. Und du sagtest, dass es die Schüchternheit sei, und es klang kokett, weil dich dein Handeln Lügen zu strafen schien. Und sie tippte sich leicht an die Stirn, weil sie das nicht genauso sah, aber immerhin (auf) Koketterie erkannte. Und dann noch auf ein paar Bier in die Scandia Bar und irgendwie war es wieder das selbe Ding. Sind wir so verschroben geworden über die Jahre? Ich verstehe dich, aber was ich verstehe, halte ich für dummes Zeug. Wir denken beide kurz daran, ob es nicht trotzdem geil wäre, ficken zu gehen. Und verwerfen zumindest den Gedanken soweit, dass wir beide keine größeren Anstrengungen investieren &#8211; warten, bis das Gegenüber die Entscheidung übernimmt. Was für eine Scheiße!<br />
Es gibt wichtigere Dinge. Weshalb ich mein Leben aufschreibe, beim Photographen freundliche Photos von mir anfertigen lasse, einst geschriebene Artikel photokopiere und alles zusammen an Firmen schicke, bei denen ich mich so auf Jobs bewerbe. Weshalb ich mich mit Leuten treffe, um zu sehen, ob nicht eine Zusammenarbeit gedeihlich wäre, für den Konzern und für mich. Weshalb ich hoffe, dass ich weiterhin einmal die Woche in die postindustrielle Tristesse von Farge fahre, die auch dadurch kaum weniger trist ist, dass ich diesen entlegenen Stadtteil dann und wann Fargo nenne, bin ich mal zu Späßen aufgelegt. Weshalb ich mir gerade CDs anhöre, um zu entscheiden, welche ich in den Second-Hand-Laden bringe, um mir Bargeld oder andere CDs geben zu lassen. Um mir die kaminlosen Stunden ohne Badewanne zu versüßen, in denen ich mal Gelegenheit habe, auf meinem Sofa zu liegen.<br />
Die letzten Mitbringsel neben dem erwähnten, übrigens großartigen Dylan-Album waren die ersten beiden Alben von Townes Van Zandt, &#8220;Anutha Zone&#8221; von Dr. John, &#8220;White Birch&#8221; von Codeine, &#8220;Serpent Similar&#8221; von Gastr del Sol, &#8220;On The Beach&#8221; von Neil Yound, &#8220;Electric Africa&#8221; von Manu Dibango, &#8220;Nighthawks At The Diner&#8221; von Tom Waits und ein Album von Hor, einer Band mit Greg Ginn, die von all dem Kram wohl der einzige Fehlgriff war, sieht man davon ab, dass das Dibango-Album doch stark unter dem Laswell-Sound der mittleren Achtziger leidet.<br />
Soviel dazu. </p>
<p>(stone) </p>
<p>TOM </p>
<p>17 Uhr und die Sonne steht am Hoechsten in der Wueste von Atacama. Auf den staubigen Strassen ist keine Bewegung zu verzeichnen. &#8220;Cristal&#8221; schmeckt halt auch im Schatten eines Innenhofes. Nach nur dreieinhalb Stunden Schlafes haben wir uns heute Morgen um viertel vor vier aus unserem Bett in San Pedro geworfen und im gemieteten Pick-Up hinauf auf 4300m Hoehe gekaempft, die EL TATIO-Geysiere zu sehen, wenn bei Sonnenaufgang der vereiste Boden aufbricht und Dampfschwaden und vereinzelte kleine Wasserfontaenen aus vulkanisch-heissen Tiefen aufsteigen. Die knapp 100km lange Piste im Konvoi mit diversen Touring-Bussen und anderen Gelaendewagen im Stockdunkeln zu nehmen, immer mit eingeschraenkter Sicht durch den aufgewirbelten Staub der Vorfahrenden auf selbstredend nicht asphaltiertem, kurvenreichen Untergrund, der teilweise von kleinen Fluesschen gekreuzt wurde, die ohne Erkenntnis ihrer Tiefe zu durchfahren waren, grenzte schon an Camel-Trophy-Tours, wurde jedoch durch das Naturspektakel am Zielort vollends entlohnt. Die Kordillieren sind so mineralsteinhaltig, dass das Licht der Sonne mit jeder Bewegung ihres Aufwaertsganges in einem anderen Farbton reflektiert wird, was teilweise halluzinogene Effekte hervorruft. In der Eile unseres Aufbruchs hatte ich bloss vergessen, mich in der Kleidung den hoehenbedingten Klimaunterschieden anzupassen. In kurzer Hose und Werder-Trikot wurde mir das bei schlagartig zufrierenden Fensterscheiben im Auto kurz nach Aufbruch zwar bewusst, ward jedoch nicht mehr zu aendern, so dass ich spaeter von einem Geysier zu naechsten rannte, um mich kurzfristig an den Wasserdampfsaeulen zu erwaermen. Auf dem Rueckweg wurde mir vorbei an zwei Lama-Herden bei Tageslich erst klar, welche Strecke wir da eigentlich gemeistert hatten. Die Angst vor Dingen waechst immer parallel zu ihrer Sichtbarkeit.<br />
Jede Region Chiles umfasst derart viele Sehenswuerdigkeiten, dass man bei limitierter Aufenthaltszeit beinahe im Laufschritt gezwungen ist, die Orte des Interesses abzuschreiten, was wiederum ueberhaupt nicht oder oftmals nur schwer mit der Langsamkeit des Landes und den ungeheuren, zurueckzulegenden Distanzen in Einklang zu bringen ist. Mehrfach haben wir im Autobus Strecken wie TEMUCO-LA SERENA, was der Entfernung zwischen Bremen und Palermo entspricht, zurueckgelegt und sind vorzugsweise spaetabends oder nachts gestartet, um nicht immer einen vollen Tag opfern zu muessen. In der Wueste waren die Distanzen wenigstens heute ueberschaubar. Von EL TATIO an den grossen, zumeist ausgetrockneten Salzsee SALAR DE ATACAMA, mit seinen bizarren, wie Korallen geformten Salzgebilden und seiner LAGUNA CHAXA, einem Flamingoreservoir unter Naturschutz stehend, und weiter und wieder hinauf in die Anden nach SOCAIRE, einem 150-Seelen-Nest, 140km entfernt von der Grenze zu Argentinien, einem gottverlassenen ehemaligen Inkaort, in dem die Bewohner heute noch von den alten Terassenfeldern und Bewaesserungskanaelen zehren, sprich, sich bis auf die Praesenz von Gameboys und Handys im Verlauf von 1500 Jahren Zivilisationsgeschichte nicht wirklich fortentwickelt haben, Bier an katholischen Sonntagen nicht ausgeschaenkt werden darf, an Werktagen aber immer billiger als Mineralwasser ist und irgendjemand gleich gegenueber der aus Vulkansteinen erbauten Kirche und ihrem aus Kaktusblaettern gefertigtem Dach, &#8220;Airon Maiden&#8221; und &#8220;Sepultura&#8221; an eine Hauswand gekrakelt hat.<br />
In TOCONAO&#8217;s einzig vorzeigbarer Alberge hingegen ist die Duschwasser-Rationierung so strikt gehalten, dass sich laut Aushang nur zwischen 16-21 Uhr gewaschen werden kann. Um 18.30 Uhr entrinnt dem aufgedrehten Wasserhahn noch immer kein Tropfen. Die Wurst eines anderen Reisenden treibt weiter ziellos in der Schuessel, ohne Aussicht auf wegspuelende Unterstuetzung des oertlichen Wasserwerks. Mir kommt der Gedanke, die ansehnliche Kaktusplantage direkt neben unserem Zimmer mit meinem Saft zu duengen. Dennoch mag ich es, verlorene Orte aufzusuchen. Wo das Telefon 15 Minuten lang klingelt und keiner abnimmt, weil alle in der Siesta abgetaucht sind. Sich Rennen und Hetzen einfach nicht auszahlt. Und wo die Bedienung fuer die Zubereitung eines einfachen Obstsalates mindestens eine halbe Stunde veranschlagt und der Fisch groesser ist, als dein groesster Heisshunger.<br />
Wasser sollte es bis zum Morgengrauen nicht mehr geben. Der ganze Ort war fuer mehr als 12 Stunden trockengelegt. In einer Bar zeichnet mir ein Mann, der vor Jahren sein Einkommen mit Gitarrespielen in den Vergnuegungsstaetten von PUERTO MONTT bestritten hat und heute im einzigen grossen Betrieb des Ortes, einem Steinbruch, arbeitet, eine Wegbeschreibung zu einer nahegelegenen Quelle. Auf meine Frage, warum sich seine Leute dieses Wassers nicht bemaechtigt haben, zuckt er nur mit den Schultern, schiebt seine Coca Cola-Muetze in den Nacken und murmelt etwas vom Mangel an Technik. &#8220;Wenn die Gringos nicht immer dreissig Minuten duschen wuerden,&#8221;, mischt sich die fettleibige, grauhaarige Senora mit indiohaft geschnittenen Gesichtszuegen hinter der Theke ein, &#8220;wuerde fuer uns auch mehr uebrig bleiben.&#8221;<br />
Strasse hat in diesem Land eine andere Bedeutung und zieht sich besonders im Norden oftmals als schnurgerade gezogener Strich bis zum Horizont. Die Sonne flimmert auf dem Asphalt und spielt dem Auge Streiche. Aus der Ferne langsam naeherrueckende Steine und Straeucher werden ploetzlich zu Tieren, die man verwundert fixiert, bevor sie sich wieder in das verwandeln, was sie wirklich sind. Nach einigen Stunden Autofahrt kommt immer wieder das Gefuehl auf, sich auf einem unendlichen Laufband zu bewegen, Kilometer fuer Kilometer abzureissen, ohne tatsaechlich ein Ziel zu erreichen. Die Groesse und nackte Praesenz der Natur macht schwindelig und droht einen foermlich aufzusaugen. Ab und an jedoch laesst sich fuer kurze Zeit irgendeine obskure Radiostation empfangen, die die ansonsten praesente Funkstille unterbricht und mich aus meinen Traeumen reisst. &#8220;I got a girlfriend, she&#8217;s better than I&#8221;, singen die TALKING HEADS und ich muss laecheln.<br />
Gestern sind wir stundenlang an Ruinen von einst prosperierenden Salzminen vorbeigefahren, die sich Geisterstaedten gleich am Strassenrand dahinziehen. Von 1866 bis Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als der profittraechtigere Kupferabbau die Salzgewinnung abloeste, haben in der trockensten Wueste des gesamtamerikanischen Kontinents zehntausende Menschen fuer zumeist USA- oder europaeisch gefuehrte Unternehmen gelebt und gearbeitet. Als sich das Geschaeft dann nicht mehr auszahlte, wurden die Industrieanlagen von Wert demontiert und alle anderen menschlichen Spuren im Sand vergraben. Nur vereinzelte Standorte fanden unter der Aegide Pinochets eine Weiterverwendung als Lager zur Internierung Oppositioneller. Der NORTE GRANDE hat eine bewegte und auch blutige Geschichte. Die Verlierer waren, wie ueberall sonst auch, die einfachen Menschen. Vom Durchmarsch der spanischen Konquistadoren, die einem kompletten Volk eine neue und fremde Sprache, Kultur und Religion aufzwangen, ueber den fuenf Jahre waehrenden pazifischen Krieg (1879-84), an dessem Ende Chile dieses riesige Terretorium Bolivien und Peru abzwang, bis zur bis heute andauernden Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in den verschiedenen Mienen. In CHUQUICAMATA bei CALAMA hat das weltgroesste Kupferbergwerk einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Am Werkstor ist eine ueberdimensionale Anzeigetafel aufgestellt, die stets aktualisiert zwei entscheidene Informationen verkuendet: Arbeitstage ohne Unfaelle und Arbeitsstunden ohne produktionsunterbrechende Unfaelle. Immerhin wird allein an diesem Ort 17% des jaehrlichen chilenischen Gesamtexports erwirtschaftet. Dafuer muss halt in Kauf genommen werden, dass das Leitungswasser der angrenzenden Arbeitersiedlung arsenverseucht ist und zur Evakuierung der Werker gerade ein neues Wohnghetto in Calama fertiggestellt wird.<br />
Stunden spaeter machen wir Halt in BAQUEDANO, unweit des &#8220;tropic of capricorn&#8221;. Eigentlich nur als Urinierpause gedacht, finden wir dort zufaellig das Salzmuseum &#8220;Ulmenes&#8221; in einer notduerftig zusammengeflickten Barracke. Hier hat LUIS MIGUEL SAAVEDRA, dessen Familie in drei Generationen in den Salzminen arbeitete, 6400 Alltagsgegenstaende aus den verlassenen Werken und Ansiedlungen zusammengetragen, die bei der Schliessungswelle der 50er und 60er Jahre zurueckgelassen wurden. Mit dem Fahrrad hat er damals alle Standorte abgegrast und alles aufgelesen, was in irgendeiner Weise das Andenken an diese Zeit der Arbeit helfen koennte zu bewahren. Ich wollte meinen Augen nicht trauen, so surreal wirkt diese versandete Ansammlung von Kontorbuechern und Kuechenutensilien, Arbeitsbekleidung, alten Zeitungen, Postern und Bildern, Einrichtungsgegenstaenden und Lohnstreifen unter dem einfachen Wellblechdach im schummrigen Halbdunkel auf mich. Fuer Vitrinen und eine amtlich-konservierte Praesentation fehlen dem Mann 50.000 Dollar. Geld, das die chilenische Regierung nicht bereit ist, beizusteuern, so dass Saavedra sich gezwungen sieht, in absehbarer Zeit wohl alles an einen Privatsammler verkaufen zu muessen. Mir standen die Traenen in den Augen bei dem Gedanken, dass fuer jeden wertsteigernden Dreck auf dieser Welt Unsummen verschleudert werden, sich jedoch niemand bereitfindet, ein Projekt zur Bewahrung von gelebter Geschichte zu unterstuetzen. Lediglich und ausgerechnet von der Bundesregierung sind vor einiger Zeit Filmfoerdermittel fuer die Realisierung seiner sehr sehenswerten Dokumentation &#8220;El Fantasmo Del Deserto&#8221; zur Verfuegung gestellt worden. Wer unter Euch zufaellig gerade geerbt haben sollte und einen Teil davon fuer einen guten Zweck abzweigen kann, setze sich mit Luis Miguel Saavedra &#8211; Av. Salvador Allende 601-603 &#8211; Est. Baquedano &#8211; 2 Region-Chile &#8211; Tel.: 09-1097949 in Verbindung. Ich zumindest werde, zurueck von dieser Reise, einen Brief an die deutsche Entwicklungshilfeministerin schreiben.<br />
Tom Dreyer<br />
Was mich gerade rockt:<br />
USA IS A MONSTER &#8211; zweite LP<br />
WHITEY ON THE MOON U.K. &#8211; zweite Single<br />
WILLIAM HOOKER &#8211; live in einem New Yorker Kellercafe, 04.12.03<br />
SCOTT MC CLOUD/CALLA/FIREWATEWATER &#8211; live im Bowery Ballroom, NYC, 06.12.03<br />
MAGNOLIA COMP./ARAB STRAP &#8211; live im Bowery Ballroom, NYC, 07.12.03<br />
ARAB STRAP &#8211; Live CD Version von &#8220;You shook me all night long&#8221; </p>
<p>DIETMAR </p>
<p>Ich wusste, dass Venedig ein Fehler sein würde. Aber was sollte ich tun? Der Flug war lange gebucht, um ein Sonderangebot auszunutzen; stornieren war daher nicht möglich. Und überhaupt: Wer sagt denn, dass es besser gewesen wäre, stattdessen Zuhause zu bleiben? Außerdem war ich ja noch nie in Italien, geschweige denn in Venedig. Ich, der Mensch, der schon im Iran, in Äthiopien und sonstwo in der Welt herumgereist war, hatte es noch nie geschafft, die paar hundert Kilometer in den Süden zu fahren. Die Einladung von Tom war also perfekt. Nur eben leider nicht zu dem Zeitpunkt. Immerhin war es ganz gut, dass so ziemlich jeder glaubte, dass ich einfach nur müde war. Stimmte ja auch irgendwo: Ich hatte die Tage vorher kaum geschlafen, in der Nacht vor dem Flug nach Venedig übernachteten zwei Bands bei mir, die vorher im Wild at Heart gespielt hatten, und dann fuhren wir auch noch direkt vom Flughafen in Venedig zu irgendeinem Örtchen in der Toskana, wo One Dimensional Man, Chung und Craving das erste von zwei gemeinsamen Konzerten in Italien geben sollten. Ich hatte also eine gute Begründung, müde zu sein. Nur war die nicht ganz richtig &#8211; solche Aktionen haben mir früher nämlich auch nie was ausgemacht. Warum das diesmal anders war, darüber mochte ich am liebsten nicht reden. Das Gewaltprogramm ging jedenfalls so weiter: Anderntags fuhren wir &#8211; nach vier Stunden Schlaf &#8211; nach Florenz zum Sightseeing im strömenden Regen, dann ging es zurück nach Venedig, wo wir gemeinsam mit dem Rest der Bande ein ähnliches Programm durchzogen. Der Abschluss sollte das abendliche Trust-Festival sein &#8211; nur leider zog sich dieser Abschluss bis sieben Uhr morgens hin. Und dann passierte es eben: Ich Trottel nahm ein paar rutschige Stufen auf einmal, segelte die Treppe hinunter und holte mir ein paar nette Prellungen. Aber eigentlich war ich ganz froh darüber, dass das passierte. Glücklicherweise gab es da nämlich einen Menschen (danke, Sabine!), der sich um mich kümmerte. Und wegen der äußeren Schmerzen konnte ich auch nicht mehr zurückhalten, was mich innerlich beschäftigte und was die anderen als &#8220;Müdigkeit&#8221; interpretierten. Es musste raus, es kam raus, und ein paar der Dämonen, die mich verfolgten, waren zumindest nicht mehr ganz so präsent wie zuvor, was Venedig &#8220;erträglicher&#8221; machte.<br />
Es ist schon komisch. Da haben angeblich fünf Prozent der Deutschen Depressionen, was in absoluten Zahlen vier Millionen bedeuten würde. Bei einem Fußballer wie Sebastian Deisler wird das sogar öffentlich in aller Breite diskutiert. Aber wenn es einen selber trifft, dann will man das lieber verschweigen. Geht mir ja kaum anders: Als Tom mich samstags früh fragte, was für Tabletten ich da schlucken würde, nuschelte ich ihm ein &#8220;Antidepressiva&#8221; hin &#8211; so leise, dass er es entweder nicht verstanden hat oder lieber ignorierte, weil ich darüber offensichtlich nicht reden wollte. Stattdessen lenkte ich das Thema auf die Nierensteine, die mich zweimal geplagt haben und die immer wiederkehren können. Über diese Krankheit kann ich problemlos und offen reden, über die Depressionen, die mich immer mal wieder befallen, aber nicht. Dabei ist auch das letztlich eine Krankheit, die sich behandeln und (hoffentlich) heilen lässt. Nicht darüber zu reden, heißt aber auch, sie als persönliche Schwäche anzusehen &#8211; als etwas, was dich herabsetzt gegenüber den anderen, die diese Gefühle nicht kennen. Und vielleicht ist es ein Schritt aus diesem Tunnel heraus, wenn ich damit offensiver umgehe. Wobei ich &#8211; das habe ich im Laufe der Jahre verstanden &#8211; eben immer nur in bestimmten Situationen Depressionen bekomme; in welchen, darüber rede ich auch weiterhin ungerne. Denn die Begründung sehe ich noch immer als persönliche Schwäche (auch wenn ich mir dabei sicherlich gesellschaftliche Maßstäbe aufzwängen lasse, die ich eigentlich durchschaue). Der Venedig-Besuch fiel jedenfalls in solch eine Situation, aber das war eben nicht abzusehen, als ich den Flug buchte.<br />
Jetzt, wo ich aus diesem Tunnel wieder heraus bin (was für gewöhnlich eine ziemlich lange Zeit anhält), empfinde ich es als seltsam, was da mit mir geschieht. Man hat morgens keine Lust aufzustehen. Glücklicherweise funktionierte der Arbeitsalltag problemlos &#8211; aber abends fehlt jegliches Interesse, irgendetwas zu machen. Die Mails, die bei mir aufliefen und die beantwortet werden wollten, grausten mich, genauso die CDs, die ich unter anderem fürs Trust besprechen musste (ich bin jetzt, Mitte Dezember, immer noch dabei, abzuarbeiten, was ich damals versäumte). Zu den Konzerten, die ich gebucht hatte, musste ich ja gehen, Lust hatte ich daran aber auch nicht: Ich gehöre zwar zu den Menschen, die in solchen Situationen raus müssen, die sich ablenken wollen, aber Gespräche mit wildfremden Musikern, denen man außer Small Talk nichts zu erzählen hat, gehören nicht zu dieser Art von Ablenkung. Ansonsten, an den konzertfreien Tagen, bin ich so früh ins Bett gegangen wie nie &#8211; wohl wissend, dass ich ein paar Stunden später wieder wach sein würde, mich voller Gedanken im Bett herumwälzen würde, um dann morgens nicht aufstehen zu können. Aber immerhin war so wieder ein Tag &#8220;geschafft&#8221; &#8211; vorbei wäre allerdings das bessere Wort, geschafft war nämlich nichts.<br />
So führte diese Phase diesmal zu einem Bruch in meiner Biografie, wie vorherige Depressionen sie nicht verursacht hätten. Was allerdings daran liegen dürfte, dass ich vorher eigentlich ansonsten zufrieden war mit meinem Leben, dass ich in der Musik und den Konzerten den Halt fand, den ich zwischendurch verloren hatte. Diesmal aber nicht. 2003 war kein gutes Jahr, für niemanden im Musik-&#8221;Geschäft&#8221;. Für viele ist es sicher tatsächlich nur ein Geschäft, die haben sich dann entweder was anderes gesucht oder sind immer noch arbeitslos. Für mich war die Musik immer das, was ich als Ausgleich zu meinem Job gemacht habe. Um nicht völlig im Alltag verschluckt zu werden, vielleicht auch, um etwas zu haben, was mich von anderen Menschen in meinem Alter absetzt. Und plötzlich läuft das Ganze nicht mehr. Ich will gar nicht von dem Geld reden, das ich 2003 draufgezahlt habe, sondern viel mehr von den viel zu wenigen Shows, die ich als persönliche Highlights verbuche. Viele waren das nicht: Paper Chase auf alle Fälle, Isis auch, Daniel Johnston, die Lonely Kings und noch ein paar mehr. Dafür musste ich mich mit Bands wie Standstill oder Piebald herumärgern, die plötzlich gar nicht mehr so nett drauf waren wie früher mal, sondern lieber ihr Geschäft sahen. Von einer anderen, größeren Band möchte ich da lieber schweigen. Und es gab Booker, die ihre Bands schon in einer Reihe mit den ganz großen &#8220;Acts&#8221; sehen wollten und sich dementsprechend verhielten. Auch gut: Sollen die sich eben künftig mit den entsprechenden kommerziellen Veranstaltern rumschlagen und sich von &#8220;unserer&#8221; Infrastruktur fernhalten.<br />
Aber für mich persönlich muss ich nun erst einmal entscheiden, wie es weitergeht. Jetzt, Mitte Dezember, ist die Konzertsaison noch nicht so lange beendet, noch gefällt es mir, die erste Season von &#8220;Twin Peaks&#8221; an zwei Abenden zu schauen und &#8220;Underworld&#8221; von Don de Lillo mit seinen knapp tausend Seiten in ein paar Tagen durchzulesen. Und wo ich sonst selbst sonntags früh aufstand, mich an den Rechner setzte und arbeite, schlafe ich nun lieber mal bis Mittag &#8211; Erholung, die ich mir sonst nie gönnte, aber die ich offensichtlich gebraucht hätte. Wenn dieses Heft erscheint, mag das alles anders sein, dann gab es auch ein paar Shows, auf die ich mich jetzt schon freue. Ich hoffe also, dass ich jetzt vor allem eins lerne: Häufiger &#8220;Nein&#8221; zu sagen, um mich auf ein paar wenige Shows zu konzentrieren; mehr Freiräume zu schaffen, um Dinge zu tun, die ich abseits von Arbeitsalltag und Musik auch noch schaffen möchte. Und mich um meine Gesundheit zu kümmern, damit sich solch ein Herbst nicht noch einmal wiederholt. </p>
<p>dietmar </p>
<p>Hier läuft zurzeit:<br />
Psycho-Path &#8211; &#8216;Désinvoltura&#8217; CD<br />
A Frames &#8211; &#8216;2&#8242; CD<br />
Disco Ensemble &#8211; &#8216;Viper Ethics&#8217; CD<br />
90 Day Men &#8211; &#8216;Panda Park&#8217; CD<br />
&#8216;Twin Peaks&#8217; &#8211; DVDs</p>
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		<title>#105 / 04-04</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:12:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF 
ICH GLAUB ICH KOTZ so hieß nicht nur die Kolumne vom ehemaligen Mitstreiter Tomasso, so geht es auch mir, täglich, immer öfter. Stündlich, sozusagen. Und damit meine ich jetzt gar nicht die Scheisse die täglich durch die Nachrichtenkanäle gespült wird, von den andauernden Attentaten geistig umnachteter religiöser Fanatiker bis zu der Verschwendung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>DOLF </strong></p>
<p><em>ICH GLAUB ICH KOTZ so hieß nicht nur die Kolumne vom ehemaligen Mitstreiter Tomasso, so geht es auch mir, täglich, immer öfter. Stündlich, sozusagen. Und damit meine ich jetzt gar nicht die Scheisse die täglich durch die Nachrichtenkanäle gespült wird, von den andauernden Attentaten geistig umnachteter religiöser Fanatiker bis zu der Verschwendung von Millionen Euros oder anderer Währungen für unsinnigen Quatsch oder eben in die eigene Tasche. Und die ganze andere Gülle an Nachrichten die man dazwischen noch mitbekommt &#8211; hab ihr gehört, Ken &amp; Barbie haben sich getrennt&#8230;. Nein, ICH GLAUB ICH KOTZ wenn ich mir die Musiklandschaft ansehe. </em> <span id="more-142"></span></p>
<p>Hier meine ich nicht die Mainstream-Musiktagesgeschäft Industrie, weil es mich halt nicht interessiert ob ein Tim Renner seinen &#8220;Kampf&#8221; aufgibt oder ob ein Thomas M. Stein gefeuert wird. Auch wenn ich zugeben muss das im Nachfeld dann doch ganz sympathische Texte in der Tages/Wochenpresse auftauchten die sich mit der Thematik auf &#8220;professinonelle&#8221; Weise beschäftigten. Hüettlin im &#8220;Spiegel&#8221;  bekleckerte sich zwar nicht grade mit Kritik am Business, dafür sagt aber Niemczyk in der &#8220;taz&#8221; wirklich klare Worte: &#8220;Mit dem derzeitigen Personalexodus verschwindet &#8211; rein strukturell betrachtet &#8211; auch die Generation der Puffgänger und Föhnfrisuren im Popgeschäft&#8221; und Bruckmaier in der &#8220;Süddeutschen&#8221; bringt eine klasse  Analyse des Tonträgermarktes aus historischer Sichtweise &#8220;Das gesungene Wort in seiner aufgezeichneten Form befand sich also von Anfang an in den Händen von Krämern und Technokraten, denen es herzlich egal war, was aus den Trichtern ihrer Talking Machines trötete.&#8221; Besorgt euch mal die Artikel, kann ich empfehlen. Kommen wir aber zu dem Teil der Musiklandschaft den ich meine, die Szene, oder meine Szene oder wie auch immer. Ihr wisst schon: Punk, Hardcore, Underground. Hier war ja noch nie Platz für Krämer und Puffgänger &#8211; zumindest sollte der hier nicht sein. Aber der Reihe nach: Band, Konzert,  Label, Fanzine. Das sind die 4 Hauptausdrucksformen im Musik-Underground mit denen Gefühle, Wut, Ideen, Meinung, Revolution, Andersein, Haltung, Politik, Kreativität, Leben, Ethos und Spass zum Ausdruck gebracht werden. Warum gründet man eine Band? Weil man Bock hat Musik zu machen und der Welt mitzuteilen was sich im Kopf abspielt, oder um die Hörer vor den Kopf zu stossen. Warum veranstaltet man Konzerte? Weil kein anderer die Bands die man gerne sehen will macht, oder weil man Konzerte in einem nichkommerziellen Rahmen, dem Rahmen einer Gegenkultur machen will, weil man dabei Spass hat. Warum gründet man ein Label? Weil man Bock hat wirklich geile Bands, die sonst keinen interessieren, Bands mit einer Message und einem Anspruch an kreativiät unter die Leute zu bringen  und zwar ohne sich an geltende Regeln zu halten. Warum macht man ein Fanzine? Weil man Bock hat seine Meinung kund zu tun, Leuten Bands, Künstler, Themen näher zu bringen über die sonst nirgends berichtet wird, weil man Lust hat auf kreativtiät und Spass über Musik zu schreiben. Letztendlich dreht es sich immer um das selbe: Herzblut und Leidenschaft gepaart mit Charakter und Stil für etwas was einem wichtig ist. Zeit und Geld investieren in die Kunst, die Idee. Das klingt ja erstmal alles prima, im Laufe der Zeit geschieht dann mit der investierten Zeit und dem Geld was &#8211; oder eben nicht, aber das ist ja sowieso erstmal nebensächlich &#8211; es geht ja um, sagen wir mal: das Projekt. Sollte man denken, leider scheint auch unsere Szene immer mehr von &#8220;Krämern und Puffgängern&#8221; durchzogen zu sein. Das ist nichts neues, dennoch kotz es mich immer noch und grade derzeit an. Band, Konzert,  Label, Fanzine all das kann man nämlich auch aus einem anderen Grund machen, einer Hauptintention: Geld verdienen -und das ist die falsche Motivation. Denn wenn Geld an erster Stelle steht dann stehen Gefühle, Wut, Ideen, Meinung, Revolution, Andersein, Haltung, Politik, Kreativität, Leben, Ethos und Spass allerhöchstens an zweiter Stelle und meistens kommt nach Geld erstmal Geld, dann lange nichts und &#8211; wenn überhaupt &#8211; erst dann alles andere.<br />
Hey, versteht mich nicht falsch, ich hab erstmal nichts gegen junge, oder alte Jung- Unternehmer die erstmal (oder mittlerweile) ans Geld verdienen denken, aber diese Rendite-Typen sollen sich aus der Szene verpissen. Genausowenig hab ich was gegen Bands die mit ihrer Musik Kohle verdienen oder Labels damit das sie Musik veröffentlichen &#8211; wenn sich das so entwickelt &#8211; umso besser. Das sind dann meist die Leute mit Charakter, Geschmack und Stil &#8211; während die Geschäftsleute eben erstmal an Geld denken und dabei bleibt alles andere auf der Strecke. Aber der Geschäftsmann muss ja Geschäfte machen und deshalb macht er immer weiter, egal wie, Hauptsache im Geschäft bleiben.<br />
Es gab wohl noch nie soviele Bands wie heute, aber noch nie gab es so viele &#8220;Punk&#8221;-Bands bei deren Gründung schon daran gedacht wurde davon mal zu leben und reich und berühmt zu werden &#8211; dementsprechend ist die Zahl vollkommen überflüssiger Bands heute auch so hoch. Denn ihre Intension ist Berühmtheit und Reichtum und nicht individuelle kreativität. Ausserdem machen die meisten Bands viel zu früh Cds, bzw. proben nicht lange genug, bevor sie sich auf die Bühne wagen. Viele Bands sollten mal länger im Übungbunker bleiben und Demos für ihre Freunde aufnehmen, bevor eine weitere unausgegorne &#8220;echte&#8221; Scheibe rausgebracht wird. Etwas anders sieht es auf dem Fanzine &#8220;Markt&#8221; aus, hier scheinen sich die &#8220;Krämer&#8221; nicht so recht zu trauen, da kein schnelles Geschäft möglich ist bzw. der Markt abgedeckt und aufgeteilt ist. (im Internet sieht das wieder anders aus, aber das lass ich hier mal weg) Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wenige, aber doch immer wieder. Ich mein, mal ehrlich, wenn sich junge Leute heutzutage vornehmen ein &#8220;Musikfanzine&#8221; zu machen und sofort dran denken wie und ob sie damit Geld verdienen, oder gar damit ihren Lebensunterhalt finanzieren wollen &#8211; dann muss doch Müll dabei rauskommen &#8211; oder eben nur ein weiteres &#8220;Mainstreamblatt&#8221; in diesem Fall könnte es einem egal sein, überflüssig ist es aber dennoch. Und die Konzerte? Im letzten Trust wurden für den Zeitraum ab Februar über 150 Tourneen angekündigt. Alle Bands, von Underground bis zu Alternative an Spielorten von Stadthalle bis ins kleinste Dorfjuz. Selbstgebucht oder von sogenannten &#8220;Agenturen&#8221; &#8211; allein im letzten Heft sind das über 30 dieser &#8220;Agenturen&#8221; -deutlich am meisten (im vergleich zu Labels und Fanzines, am meisten gibt’s natürlich Bands) und es scheint auch das in der Rubrik Konzerte die Anzahl an &#8220;Krämern&#8221; am höchsten ist &#8211; warum? Liegt auf der Hand, weil man hier &#8211; vermeintlich &#8211; am schnellsten Geld verdienen kann und sich im günstigsten Fall auch noch profilieren kann &#8211; denn, der Krämer ist ja auch Kaufmann und somit was besonderes. Und so machen dann unzählige Bands Musik, finden immer Krämer die aus den falschen Gründen die Musik veröffentlichen oder die Band auf Tour schicken und das wird dann begeleitet von der gesamten Musikpresse und schon haben wir, was keiner will. Musikbusiness &#8211; wo es sicher auch mal nicht ums Geld geht, aber eben immer vorrangig. Die Frage ist ja auch was diese ganzen Musik-Krämer qualifiziert, wie werden Bands für das Label, die Tour oder das Heft ausgewählt? Die Antwort ist ganz einfach &#8211; nichts, niemand braucht eine Qualifikation &#8211; wäre ja auch noch schöner, wenn man zuerst ne Lehre machen müsste um in einer Punkband zu spielen oder die Scheibe &#8216;ner befreundeten Band rausbringen will. Dennoch, weil die Krämer Geld verdienen wollen gibt es so viele überflüssige Bands, Labels und logischweise auch Konzerte. Und weil es den Geschäftsleuten auch egal ist mit wem sie wie zu welchen Bedingungen arbeiten &#8211; Hauptsache der Umsatz läuft &#8211; wird das ganze beliebig. Von loyalität ist höchtens im zusammenhang mit Geld die rede. Es kommen immer mehr Krämer hinzu und alle sind schön am verkaufen. ICH GLAUB ICH KOTZ, kann ich dann hier nochmal einwerfen. Durch diese Beliebigkeit gibt es keine Grenzen mehr, Genrefremde Krämer (hallo Alcopopsverkäufer, Zigarettenverkäufer, Sportartikelverkäufer &amp; co) kommen ins Spiel und plötzlich ist die &#8220;Punkband&#8221; umgeben von Aktiengesellschaftern und spielt dennoch im &#8220;alternativen&#8221; Juz. Das ist nun wirklich ein grosser Haufen scheisse, denn hier wachsen Dinge zumsammen, die nicht zusammengehören. Da sie aber letzendlich alles nur Krämer sind, macht es schon Sinn das die alle zusammengehören &#8211; nur eben leider auf kosten unserer Szene. Gefühle, Wut, Ideen, Meinung, Revolution, Andersein, Haltung, Politik, Kreativität, Leben, Ethos und Spass bleiben auf der Strecke, was zählt ist im günstigsten Fall neben dem Geld noch der Spass &#8211; aber letztendlich machen doch alle nur ihren Job. Ich wollte noch nie jemand auf einer Bühne sehen der das was er da tut in erster Line als seine Arbeit betrachtet. Geld mit seiner Leidernschaft zu verdienen ist wieder was anderes, nur damit mich niemand falsch versteht. Wichtig ist die Reihenfolge der Prioritäten. Ich will wieder mehr Charakter, mehr Ehrlichkeit, weniger Geschäftsmänner in der Szene. Bands müssen verstehen das sie nicht &#8211; nur weil sie Musik machen &#8211; auch ein &#8220;recht&#8221; haben ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Labels müssen wieder mehr Geschmack beweisen und Bands die aus Geschäftsleuten bestehen gleich rausfiltern, damit die nirgendwo landen, oder eben da wo sie hingehören, bei der Musikindustrie. Dann gibt es auch nicht mehr so viele Konzerte mit überflüssigen Rendite-Typen als Veranstalter die Unmengen von Bands hierherspülen die letztendlich auch nichts anderes wollen als Geld verdienen. Oder anders, weniger Labels und weniger Veranstalter bedeutet auch automatisch weniger schlechte Bands &#8211; die sich im günstigsten Fall dann auflösen und mit Aktien handeln, oder so. Genau, alle die alles aus den falschen Gründen machen hören damit jetzt auf, oder verpissen sich ins Musikbusiness. Vielleicht brauchen die dort eine neue Generation von &#8220;Puffgängern und Krämer&#8221; &#8211; wir hier brauchen die nämlich in jedem Fall nicht. ICH GLAUB ICH KOTZ!<br />
Wer sind diese windigen Typen überhaupt, sind das die Kinder von Essner und Ackermann, oder eher deren potentielle Nachfolger? </p>
<p>TORSTEN </p>
<p>VON INNEN NACH AUSSEN </p>
<p>Neulich habe ich mal wieder ALMOST FAMOUS gesehen, ein ganz hervorragender film wie ich finde, aber das soll hier nicht das thema sein. Vielmehr wurde ich an etwas erinnert, über das ich mich schon länger mal auslassen wollte. Das verhältnis musiker vs fan nämlich, sowie der universelle irrglaube, man könne als fan, fanziner oder anderweitig bekloppter eine real existierende freundschaft zu jenen menschen aufbauen, denen man mehr als einmal durch die halbe republik nachgereist ist. gerne wird sich ja zum beispiel eingebildet, man sei down mit dieser oder jener band, da man im band bus auf tour mitgefahren ist, seit jahren die shows oder die ganze tour bucht, immer mit herzerwärmenden begrüßungsriten empfangen wird, den eigenen namen auf irgendwelchen THANK YOU listen wieder findet, schon seit jahr und tag auf der gästeliste steht, ständig sülz wie MY BEST FRIEND aufgetischt bekommt und mehr als einmal so viel backstage bier in sich hinein geschüttet hat, wie die ganze band zusammen nicht. Klar, ihr seit total down mit  XXXX (hier die band deines vertrauens eintragen). Nur was bedeutet das unterm strich?  Darf man dieses ´down sein´ tatsächlich mit jener art von freundschaft verwechseln, wie man sie zum beispiel in seinem engsten sozialen umfeld pflegt? Ich denke nicht. Natürlich klingt das immer gut vor anderen, wenn man seine mickrige wenigkeit damit aufzupolieren versucht, dass man sagt: „Hey, band xy spielt heute im xyxz. Das sind freunde von mir“. So so , das sind also freunde von dir. Interessant. Melden die sich denn mal bei dir außerhalb einer tour? So ganz von selbst meine ich, ohne ´business´ bezogene hintergründe versteht sich. Bekommst du hier und da e-mails oder wirst angerufen? Nein, natürlich nicht! Wenn überhaupt ein lebenszeichen von deinen ´freunden´ kommt, dann ist es, darauf gebe ich dir brief und siegel, eine Reaktion auf eine von dir initiierte kontaktaufnahme. Oh, du meinst bei dir sei das aber ganz anders. in diesem fall gibt es nur drei möglichkeiten: </p>
<p>A) Du bist zu blind zu erkennen wie es wirklich ist.<br />
B) Du bist teil der business- oder underground infrastruktur und somit auch zu blind.<br />
C) Du stellst tatsächlich die ausnahme dar, die bekanntlich noch jede regel zu bestätigen wusste. </p>
<p>Machen wir uns also nichts vor. Freundschaften, wirkliche freundschaften, entstehen nicht zwischen tür und angel. Sie entstehen nicht auf tour, wo man schnapsnasig ein bis zwei wochen mit einander um die häuser zieht, und auch nicht in der virtuellen welt, wo man mal ein interview macht oder anderweitig kontakt pflegt. Vor allem aber entstehen freundschaften nicht mit leuten, für die man, wir erinnern uns an FIGHT CLUB, ein ´single serving friend´, ein ´einwegfreund´ ist. jemand, der einem für eine absehbare, fest definierte zeit das gefühl von sozialer geborgenheit verschafft. Quasi die tankstelle mütterlicher nestwärme… in stadt A darfst du diesen job übernehmen, möglicherweise auch in stadt B,  so du denn die mühsal auf dich nimmst, auch dort präsent zu sein. Was ist aber mit den restlichen buchstaben des alphabets? Dort wirst du durch andere tankwarte ersetzt, ob es dir gefällt oder nicht, ob du es einsiehst oder nicht, es ist so, glaub´s mir. du bist lediglich eine nette erinnerung, ein weiteres glied in einer endlosen kette aus tourbekanntschaften, die in ihrer essenz so bedeutsam sind wie jährliche urlaubsphotos. Verstaubt, vergilbt, vergessen und bestenfalls hin und wieder mal hervorgekramt, um mit den worten ´…ach weißt du noch, damals…´ genau so schnell wieder ad acta gelegt zu werden wie der schnee von gestern.  Out of sight out of mind eben. Wirklich verwunderlich ist das natürlich nicht. Für eine band heißt es schließlich: rein in die stadt – raus aus der stadt – rein in die stadt – raus aus der stadt –  rein…  ein routinierter kreislauf, bei dem es gilt, die anflüge von isolation und tristesse so gut es geht durch örtliche zugehörigkeitsgefühle in den hintergrund zu drängen. Du bist also nur mittel zum zweck, der buddy, der die lebensqualität erhält. Ein bisschen so wie der animateur auf einer billigen partyinsel im mittelmeer. Ein wirkliches interesse an dir, deinem leben, deinen aktivitäten, deinen gefühlen, deinen ansichten, deinen ängsten, deinen perspektiven etc. besteht auf dauer nicht. Alles ist beschränkt auf die kurze zeit des gemeinsamen exzesses. Und das, obwohl du so viele gemeinsamkeiten siehst zwischen dir und der band. Diese texte, die genau das sagen, was du fühlst und denkst. Diese musik, die besagte inhalte perfekt zu tragen weiß. Dieser impuls, der dich tief innen pakt und dir weiß machen will, dass du und die menschen hinter dieser musik im wirklichen leben die besten freunde sein könnten. Ich kann dazu nur sagen, mach dir nichts vor. Du bist fan, du liebst das was andere tun. Du bist glücklich mit einer band auf den putz hauen zu können, gemeinsam mit ihnen dinge zu erleben: für kurze zeit dazuzugehören. Es gibt keinen grund dich dafür zu lieben oder gar eine freundschaft mit dir aufzubauen. Man mag dir vielleicht das gefühl geben, respektiert zu werden, aber das ändert auch nichts daran, dass es sich zu 99,99% um eine reine zweckgemeinschaft handelt, die, abhängig von deinen infrastrukturellen szene aktivitäten, von beiderseitigem nutzen sein kann. abseits der musik aber bist du als freund irrelevant. Und wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist, dann wären auch die musiker ohne ihr schaffen für dich kaum einen pfifferling wert. Überhaupt ist dies eine recht interessante frage, die man sich mal bei all seinen ´freundschaften´ stellen sollte. Was bleibt unterm strich noch übrig, wenn man die offensichtliche gemeinsamkeit, das eigentlich bindende element, ausklammern würde? es sollte mich nicht wundern, wenn das ergebnis bei vielen ziemlich erschreckend ausfällt. Plötzlich nämlich erkennt man, auf welch wackligen bzw. fragwürdigen füßen eine so genannte freundschaft doch steht. Mitunter tun sich sogar abgründe auf, die so manche beziehung auf einen reinen kosten/nutzen effekt beschränken. Frei nach dem motto, wenn ich kontakt zu dir halte, bringt mir das diesen und jenen vorteil. Alles nicht unbedingt verwerflich, nur hat das eben mehr mit vernetzung und positionierung als mit freundschaft zu tun. jeder bringt sich in stellung, sucht sich das spotlight, dass ihm am vorteilhaftesten erscheint, gut getarnt als freundschaft natürlich. Im günstigsten fall geschieht dies noch aus einer unbewussten wie grenzenlosen naivität heraus. Meistens jedoch dürfte es eiskaltes egoistisches kalkühl sein. Ich hatte auch gerade wieder so ein erlebnis in New York, wo ich jemanden aus einer band nach etlichen jahren der funkstille wieder getroffen habe. Es folgte natürlich das übliche geschwalle von HEY MAN,  GOOD TO SEE YOU. HOW ARE YOU? WE NEED TO STAY IN TOUCH. SEND ME AN E-MAIL blablabla… ach ja? müssen wir wirklich in touch bleiben? So wie die letzten 6 jahre, in denen du dich auch nicht gemeldet hast, obwohl nun nichts leichter gewesen wäre, als kontakt mit mir aufzunehmen?&#8230; Nee schon klar, jetzt wo du eine neue band hast, müssen wir selbstverständlich unbedingt kontakt halten. Vor allem weil du gerade erfahren hast, dass ich noch immer regelmäßig meinen senf in ein fanzine ergieße. Ich hab´s so dicke, das glaubt kein mensch. Dieser ganze mist, diese substanzlosen szene- oder partybekanntschaften mit ihrer auf momentaufnahmen beschränkten halbwertzeit von mikrosekunden, sollen abhauen, verschwinden, einfach weg damit.<br />
Ich spreche hier übrigens immer noch von der punk und hardcore szene, die oftmals für sich in anspruch nimmt, persönlicher strukturiert zu sein als der ganze mainstream rotz. Ganz schön traurig eigentlich, dass dem nicht so ist. oder anders herum gesagt, dass die in ihr aktiven kräfte sich diesbezüglich einen scheiß vom rest der welt unterscheiden.<br />
So, und nun erzähl mir doch noch mal mit welcher tollen band du gerade befreundet bist… </p>
<p>&#8230;WALK TOGETHER ROCK TOGETHER&#8230; </p>
<p>Epilog<br />
HWM Konzert Bielefeld JZ Kamp 09.03.2004. eine einzige katastrophe: rockidiotenscheisse für 14€ eintritt! wir sind nach 20 minuten abgehauen. Axel wäre glaube ich schon früher gegangen. die vorband namens Christiansen war auch unerträglich. wollten sich so bewegen wie Omar und Cedric von At the Drive-In und waren doch nur hartrockstümpah. beim ersten song fand ich´s noch interessant, weil es etwas hätte werden können, was es letztlich nicht war: gut nämlich&#8230; egal, viel schlimmer:  HWM haben ihre songs verändert und hatten nahezu perfekten ROCK sound. jetzt weiss ich endlich was die leute bei der letzten platte meinten, wenn sie von stadion rock sprachen. diesmal wars genau das: rockmüll. da war nichts, kein funke, kein feuer, keine verbindung zwischen band und publikum. alles wirkte zwanghaft bemüht, künstlich zusammengeflickt mit pritt. nur hält pritt eben nicht sonderlich gut, was die band bereits während des ersten songs komplett in ihre bestandteile zerbrechen ließ. schon komisch, denn eigentlich wollte ich das konzert ja gut finden und bin positiv in den abend gegangen. hatte zuvor sogar nochmal die alten platten gehört, die ihre wirkung nicht verfehlten. ich war bereit für eine satte prise ungeschliffener herzlichkeit, in froher hoffnung, meinen kleinen arsch ordentlich gerockt zu bekommen. letztlich hat es das wohl nur noch schlimmer gemacht, denn ich hatte erwartungen. das ist echt ´n scheiss gefühl. du stehst da, kennst die songs und versuchst reinzukommen. aber es klappt nicht. ein krampfhaftes mitwippen folgt aufs nächste und du weißt genau, dass du eigentlich gerade gar nichts spürst. du denkst, es liegt an dir und schaust zu deinem nächsten rüber. das gleiche bild. ratlose verzweiflung, die das bemühen nicht verbergen kann, den alten jahrelang erspielten credit über das jetzt und heute zu stellen. vergeblich, es klappt nicht. die realität ist mächtiger als verklärende nostalgie, und plötzlich wird dir klar, dass der einzige noch mögliche weg der heimweg ist die band haben wir übrigens den ganzen abend nicht gesehen, das erste mal in mehr als 40 konzertabenden. man lief sich nicht über den weg und wir haben auch nicht nach ihnen gesucht, warum auch&#8230;<br />
Es ist schon eigenartig wie man plötzlich kritisch anfängt alte beziehungen auf ihre eigentliche bedeutung hin zu überprüfen, wenn absehbar ist, dass man sein soziales umfeld in naher zukunft verlassen wird. Ich schreibe dies, um noch einmal deutlich zu machen, dass es nicht enttäuschtes oder gekränktes ego war, was zu dieser kolumne geführt hat. Schon gar nicht war es das HWM konzerterlebnis, denn es fand weit nach der eigentlichen kolumnenniederschrift statt. Seltsamerweise braucht es aber anscheinend wirklich diese situation von ´ablaufender gemeinsamer zeit´, um bestimmte denkprozesse in gang zu setzen. Klar, ich hätte in Bielefeld eigeninitiativ nach der band suchen können. Schließlich haben wir in den letzten jahren verdammt viel spaß miteinander gehabt. Nur warum hätte ich das tun sollen. Ich war schließlich mit Axel unterwegs, also jener person, die man gemeinhin als BESTEN FREUND bezeichnet. Wir hatten einen super abend, haben uns unterhalten, gekrökelt, noch mehr unterhalten usw. Sprich, keiner von uns brauchte ablenkung vom anderen, oder war auch nur ansatzweise geneigt, das was wir hatten durch die präsenz dritter zu verwässern. Wir haben uns aufs wesentliche konzentriert und uns nicht in irgend welchem zeitvertreiberischen firlefanz verloren. Und genau dieses wesentliche ist es, was mir wohl schon sehr bald sehr fehlen wird. Es wird nicht mehr so leicht sein mit Axel auf den putz zu hauen, mit Daniel Coyote Ugly zu gucken, Destinys Child zu hören oder auf den Kaliberg zu krabbeln, mit Anja tee zu trinken, bei Dolf an einem sonntagmorgen auf der couch mit einem polnischen porno neben mir aufzuwachen, der gerüchten zu folge ein tschechischer spielfilm mit RICHTIGER handlung sei, mit Olli und Addy volltrunkene filmabende zu zelebrieren, mit Ulf und Eileen autobahnraser zu imitieren, mit Mirko fussballassi zu sein oder bei Schlupp´s Martin ganz einfach nur gegen Werdah zu stänkern. Der verlust all dessen ist teil meiner ängste, die mich in letzter zeit immer häufiger schlecht schlafen lassen. Die trullah aus´m fernsehen hat natürlich trotzdem recht, wenn sie täglich verkündet, dass alles gut wird. Nur ändert das eben auch nichts daran, dass man vieles überdenkt, wenn einem die zeit buchstäblich zwischen den fingern zerrinnt… </p>
<p>Kommando Rotation:<br />
These Arms Are Snakes – This Is Meant To Hurt You (Jade Tree / CD)<br />
Pretty Girls Make Graves – New Romance (Matador / CD)<br />
On The Might Of Princess – Sirens (Revelation / CD)<br />
Shai Hulud – With Blood Ill… (Revelation / CD)<br />
Aeronauten – Zu gut für diese Welt (Lado / CD)<br />
Challenger &#8211;   …Lethal Doses (Jade Tree / CD)<br />
Kristofer Aström – Northern Blues (V2 / CD)<br />
Grails – The Burdon Of Hope (Neurot / CD)<br />
Envy – A Dead Sinking Story (Pias / CD)<br />
Denali – The Instinct (Jade Tree / CD)<br />
Black Eyes – s/t (Dischord / CD) </p>
<p>Kommando Flimmern<br />
Verschwende Deine Jugend (Benjamin Quabeck)<br />
A Tale Of Two Sisters (Kim-Ji Wun)<br />
Donnie Darko (Richard Kelly)<br />
Spider (David Cronenberg)<br />
25th Hour (Spike Lee) </p>
<p>Uncoolster HC/Punk Fact der Saison<br />
Ein deutscher underground booker geht dazu über, shows per höchstgebot zu vergeben. Welcome to ebAGE&#8230; </p>
<p>FU©.T32 </p>
<p>DANIEL </p>
<p>Montag vor zwei Wochen traf ich mich mit einem alten Freund, wir tranken Bier und Apfelwein, redeten über persönliches Unglück hier und ungewisse Zukunft dort. Ich kenne ihn seit über 20 Jahren und auch wenn wir uns in den letzten Jahren seltener sahen war unser Gespräch offen und beiderseits wohlgesonnen. Er war Zeit seines Lebens großer Fussballfan und -spieler, wobei Letzteres durch einen Kreuzbandriß und wenn ich mich richtig erinnere noch weitere Knieprobleme beendet wurde, spielte aber immerhin mal mit dem derzeitigen deutschen Außenminister und hat ihn garantiert auch einmal umgetreten. Auch als Kind war er ständig im örtlichen Stadion, so dass es mich nicht verwunderte, dass er im Rahmen seines Jurastudiums auch Arbeiten über Fussball und rechtliche Probleme bei Spielertransfers ausleuchtete. Da er sehr zielstrebig und erfolgsorientiert denkt war es zwar schon eine große Überraschung, aber kein Ding der Unmöglichkeit, dass er mit 30 Lenzen dann den Weg in das Business fand und dort an einer verantwortlichen Stelle sein Hobby zum Berufsumfeld gemacht hat. Da stand ich also wie schon so lange immer noch mit meinem Bier vorm Stadion und Freunde hatten den Laden schon infiltriert. Ich nahm an, dass dies nicht von Fehler sein könne, da ich zwar keinerlei Interesse an den daraus sogar für mich vielleicht erwachsenden Vorteilen beanspruchen wollte und will, sondern so hier und da ein paar kleine ‚Zusatzinformationen’ über die ach so heile Welt des Profisports erhaschen zu können. Nicht, dass ich damit selbst ein Teil davon werden würde, aber eine gewisse Informiertheit, die auch meinem persönlichen Hang zum runden Leder (ein Jever ins Phrasenschwein) unterstreichen könnte.<br />
So hörte und höre ich interessiert den Aussagen meines alten Freundes, der mich selbstredend bediente und mit einigen großen Schnorren nach Hause torkeln ließ. Wie er da so saß und von Notwendigkeiten erzählte, mit den unterschiedlichen Interessensgruppen zu jonglieren, welchen Bärendienst wer wem erwies und welche Zeitung aufgrund der Schmutzkampagne gegen Verantwortliche mit ganzseitigen Anzeigen der anderen Verantwortlichen geschmiert wurden. Daß mein Lieblingsspieler eine menschliche Katastrophe sei, dass konnte er mir auch berichten, glücklicherweise wusste ich davon bereits durch einen anderen Freund, der mit selbigem Star die Schulbank drückte und selbigen auf der ein oder anderen Reunion-Feier sah. Also sagte ich meinem Gegenüber, dass es demzufolge besser sei, an diese Details nicht zu denken, ginge es doch irgendwo um die Freude am Fussballgucken, die Emotionen, die kollektive Erfahrung, den Lärm (mit Ohrstöpseln, wie ich bereits den Zeilen diese Gazette anvertrauen durfte) und &#8211; das Bier. Die üblichen Kritikersprüche aus christlichen oder linksseitigen Zirkeln seien hier erwähnt, dass man echtes ‚Erfahren’ in einem solch passiven Moment nicht verinnerlichen könne: Ja, ich mache lieber Kopfballtore selber als sie mir anzuschauen, nur um Euch zu beruhigen. Daß man so schnell nach dem Spiel auseinander ginge, dass kein Hahn nach einem krähen würde, wenn man dort nicht mehr hinginge: Alles richtig, alles gehört, alles unwichtig.<br />
Was bleibt ist ein gefühlsmäßiges Hoch, welches man sich aber, wie mein Gegenüber mir glaubhaft versicherte, die Klospülung herunterjagen könne, habe man erst seine Position erreicht. Mit jedem Härchen Information, die den genauen Ablauf des Brot-und-Spiele-Prinzips bloßstellt, verliere man das bisschen Glanz in den Augen, welches nach dem Marsch durch die Institutionen noch übrig geblieben sei.<br />
Das leuchtete mir sofort ein. Und da ich mich hier dann erst einmal als Individuum mit keinem übermäßigen Hang zur Selbstkasteiung betrachte, bedeutet dies, in Zukunft um meinen Kumpel fachspezifisch den weitest möglichen Bogen zu machen. Mit jedem in der Bildzeitung veröffentlichten Gehaltsdetail eines brasilianischen Superstars fällt meine Hochachtung vor der sportlichen Leistung, und wenn sie nicht bei mir fällt, weil ich neulich im Spiegel gelesen habe, welch kolossale Netzwerke in ihrer Heimat diese meist aus der Gosse stammenden Schnicker unterhalten, so wird sie es bei Dir tun, wenn Du erfährst, wie ein rattenschwänziger Spielerberater zur persönlichen Bereicherung einen eher tumben Star zum Bankdrücker der Konkurrenten gemacht hat oder welche Vorlieben deutsche Linienrichter im Rotlichtmillieu verspüren.<br />
Ich habe mich bei unseren Diskussionen entschlossen, dem Fussball weiter treu zu bleiben und meine Ignoranz der Wahrheit gegenüber meiner Freude beim Erleben zu opfern. Dies scheint mir der einzige Weg, mit Freude alt zu werden und mich nicht nervtötenden Theorie-Zerfleischungen über sweat-shop produzierte Hi-tech Fussballschuhe zu ergehen. Trinkpartner sagte, dass er in Zukunft gerne im gleichen Millieu arbeiten möchte, in dem er schon soviel für sich erreicht habe, aber doch ein wenig weiter weg vom Fussball, der läge ihm zu sehr am Herz, und der Einblick in die echte Welt wirke oft sehr verstörend und abschreckend. Das kann ich gut verstehen. Eben habe ich Torsten diese Kolumne testlesen lassen, aber er meinte, dass niemand darauf kommt, dass dies hier von Musik handelt. Deshalb habe ich das jetzt noch angefügt. </p>
<p>Der zärtliche Zyniker II </p>
<p>   29. Jan. 04<br />
Spiegel Online auf Linie: &#8220;Ein fusionierter französischer Pharmagigant könnte es endlich mit den Amerikanern aufnehmen.&#8221; </p>
<p>Ein neues Jahr, und abgesehen von Dingen wie anderen, höheren Beiträgssätzen für Versicherungen und der erstmaligen Veranlagung (doch, so heißt es wohl) beim Finanzamt hat sich nichts geändert, zumindest nicht deswegen. Geändert haben sich in den letzten zwei Monaten immerhin wieder einmal meine Einkommensverhältnisse. Prekärer sind sie geworden. Gestern brachte ich deswegen wieder einmal CDs aus dem Haus und ward sie nur mit Mühe los. Weil der Tauschtarif immer noch günstiger als die Barauszahlung war, zog ich es vor, ein wenig altes Vinyl mitzunehmen. Das Damens &#8220;Marshmallow Conspiracy&#8221;, Dylans &#8220;Desire&#8221;, &#8220;Rockin&#8217; Ethereal&#8221; von der Jack Brewer Band, eine Compilation von Hourglass (eine Band von Duane und Gregg Allman vor der Allman Brothers Band), &#8220;Tantamount To Treason&#8221; von Michael Nesmith, der auf der Rückseite statt Liner Notes lieber schreibt, wie man daheim Bier brauen kann, und &#8220;Iron Path&#8221; von Last Exit waren mein Lohn. &#8220;Desire&#8221; ist nicht so gut wie &#8220;Blood On The Tracks&#8221;, aber immerhin singt Emmylou Harris darauf. Mit Dylans Stimme klingt sie nicht so ätherisch, wie wenn sie mit Gram Parsons sang, dessen Organ auch weit weniger markant war.<br />
&#8220;Arbeit Sonne Freiheit&#8221; steht über einem Gartentor im Parzellengebiet zwischen großer und kleiner Weser, durch das ich neulich spazierte. Von wegen Ficken und besoffen sein&#8230;<br />
Die unfreiwillige Askese macht mich wahnsinnig &#8211; manchmal jedenfalls fast. Dylan hörend fällt mir ein, dass ich mal dem einen Amendt gegenüber an so einem Tischchen im Zug saß, wie er gerade die Korrekturfahnen für ein Buch über Dylan durchging. &#8220;Blood On The Tracks&#8221; beginnt, mir ans Herz zu wachsen.<br />
&#8220;Wo steht der Dollar denn?&#8221;, fragt einer der Geschäftsmänner nebenan und schaut konzentriert auf einen Punkt einige Parsec überm Horizont. Es entspinnt sich eine Diskussion über die Konsequenzen des aktuellen Kurses für das eigene Geschäft. Ich höre einerseits extrem unauffällig zu, weil ich Kopfhörer aufhabe (um Dylan zu hören), verstehe aber auch nur wenig (weil ich Dylan höre).<br />
Diesmal schien die Sonne auf die Schneeflecken, die es überall in der Stadt gab. Und ich musste nur wenig draußen herumlaufen. Und hatte trotz der ganzen Drinks gestern, drei Merlot nach dem Interview, drei Vodka im Anschluss, und eine halbe Flasche Crianza aus Navarra, keinen nennenswerten Kater heute Morgen. Jedenfalls war Berlin bei weitem nicht so deprimierenswert wie beim letzten Mal.<br />
Jetzt kommt &#8220;You&#8217;re A Big Girl Now&#8221;, und das ist so ein verdammt schöner Song, dass ich versucht bin, ihn mir immer wieder anzuhören, Augen zu. &#8220;Our conversation was short and sweet&#8230;&#8221;<br />
Einerseits sind diese Ge-chef-tsleute ja nicht anders als ich unterwegs, weil sie nämlich Geld verdienen müssen. Andererseits haben wohl die meisten ein anderes Verhältnis zu ihrer und Arbeit im Allgemeinen. Von der Wichtigkeit des eigenen Tuns überzeugt fällt ihnen die ganze Scheiße wahrscheinlich leichter als mir.<br />
Die verspiegelten Fenster des ICE auf meiner Seite warfen das Sonnenlicht, das ungefähr von Osten oder Süden kam, direkt zurück auf den Wald am Schienenstrang, der ansonsten ganz schwarz und weiß da lag, dürr und transparent, kaum imstande überhaupt Licht zu halten (und es sogar wieder zu reflektieren &#8211; sonst hätte ich es nicht gesehen&#8230;).<br />
(stone) </p>
<p>DIETMAR </p>
<p>Es war wie Geburtstag und Weihnachten zusammen &#8211; wie damals als  Kind, als man noch ganz aufgeregt war, obwohl man doch sowieso schon wusste, welche Geschenke es geben würde, weil man vorher die elterlichen Schränke durchsucht hatte. Dennoch war die Freude groß. Auch diesmal wusste ich, was es geben würde. Und vor allem, dass ich vor dem &#8220;Auspacken&#8221; noch 32 Kisten von je neun Kilo aus dem Auto in meine Hinterhof-Wohnung tragen müsste. Aber das machte die Aufregung nur umso größer. Da war sie also, die erste CD auf meinem neuen Label, völlig &#8220;antizyklisch&#8221; (ich bin ja jetzt Labelboss, da darf ich solch ein Wort wählen) mitten in die Krise der Musikindustrie hinein gegründet.<br />
Ein eigenes Label: Das wollte ich schon so lange haben. Als ich vor gut fünf Jahren das erste Mal At The Drive-In veranstaltete, dachte ich nur, &#8216;die müsste man jetzt fragen, ob sie nicht eine Single auf deinem noch zu gründenden Label machen wollen&#8217;. Naja, ich habe noch ein halbes Jahrzehnt gebraucht, und vielleicht eine historische Chance vertan, tatsächlich damit Geld verdienen zu können&#8230; Es blieb stattdessen bei dem Wunsch, der wohl nie Wirklichkeit werden würde.<br />
Und dann kam ich tatsächlich durch einen simplen Satz in einer Mail zu meinem vierten, vermutlich genauso unbezahlten Nebenjob. &#8220;Am liebsten würde ich euch ja anbieten, dass ich die Platte rausbringe&#8221;, schrieb ich Melée, der Sängerin von Psycho-Path, als sie mir vor ziemlich genau einem Jahr davon erzählte, dass ihr Ausflug in Major-Label-Gefilde schneller als gedacht endete. Da war die Industrie tatsächlich schon mitten in der Krise, und Universal in Berlin warfen rund 150 Leute an einem Montag einfach so vor die Tür, nachdem sie ihnen Monate vorher noch den Umzug aus Hamburg bezahlt hatten. Klar, dass sie sich da von jeder kleinen Band trennen wollten. Also stand die Band, deren Demo ich damals schon seit ein paar Wochen rauf und runter gehört hatte, plötzlich ohne Label da. Und ich nutzte die Chance &#8211; erst etwas gedankenlos (wie sollte ich das alles bezahlen?), aber dann ganz bewusst.<br />
Ein ganzes Jahr dauerte es danach, bis die CD endlich fertig wurde; wo ich das hier schreibe, sind es noch zwei Wochen hin, bis sie tatsächlich auch in den Läden steht. Ich ahnte ja, dass es viel Arbeit werden würde, solch eine CD zu veröffentlichen &#8211; so viel hätte ich dann doch nicht gedacht. Da muss ich an einem Samstagabend stundenlang das Artwork nach Fehlern durchchecken, weil das Booklet nun in den Druck soll. Meine Freunde sind da stattdessen im Franken oder im Wild at Heart. Dann ruft Andreas (von Exile On Mainstream / Southern Records), ohne den das alles nicht möglich wäre, weil er mir bei wirklich allem hilft, freitags an, ich möge doch bis zum  Montag 70 CDs brennen, damit wir ausländische Vertriebe bemustern können. Und das mit meinem Brenner, der es mit gutem Willen mal auf achtfache Geschwindigkeit bringt. Also hab ich mich das ganze Wochenende hingesetzt, leere CDs in den Brenner gesteckt und die fertigen auf einen langsam größer werdenden Haufen gelegt. Ständig klappt irgendetwas nicht und löst sich dann mit einigem Bemühen doch in Wohlgefallen auf. Auch jetzt, so kurz vor Veröffentlichung, sind noch einige Probleme zu lösen, und ich ahne schon, dass das danach nicht besser wird.<br />
Trotzdem: Das Gefühl, das eigene Logo zum ersten Mal auf so einer CD zu sehen, ist unbeschreiblich. Zu hören, dass die Band mit der bisherigen Arbeit absolut zufrieden ist, entschädigt für alle Mühen. Und dann die ersten Rezensionen zu bekommen und zu lesen, dass ich nicht der einzige bin, der die Platte toll findet, ist Balsam fürs Ego. Vor ein paar Monaten hatte ich noch gesagt, dass ich mir kaum vorstellen kann, noch eine Platte zu veröffentlichen. Schließlich musste ich ja fünf Jahre auf die erste warten; warum soll es nun schneller gehen? Aber nun gibt es schon mehr Bands, die mich interessieren würden, als ich machen könnte&#8230; Im Spätsommer oder Herbst die nächste &#8211; das ist jedenfalls der Zeitplan. Und ich weiß, dass ich da genauso aufgeregt sein werde.<br />
*<br />
Ich habe nach meiner letzten Kolumne einige nette E-Mails bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe, die ich aber aus verschiedenen Gründen (Berlinale-Stress, die Technik) bislang nicht beantwortet habe. Dennoch vielen Dank an diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, mir zu schreiben. Das hat mir eine Menge bedeutet! </p>
<p>Dietmar </p>
<p>Playlist:<br />
(abgesehen von der Psycho-Path natürlich <img src='http://www.trust-zine.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  ) </p>
<p>Big Boy Crudup &#8211; &#8216;Crudup&#8217;s After Hours&#8217; CD<br />
Boxcar Satan &#8211; &#8216;Upstanding And Indigent&#8217; CD<br />
Pilot To Gunner &#8211; &#8216;Get Saved&#8217; CD<br />
90 Day Men &#8211; live im Wild at Heart<br />
Pläne machen für meine erste USA-Reise seit acht Jahren&#8230; </p>
<p>PUT ON YOUR SHITKICKERS AND KICK SOME SHIT </p>
<p>Sie muss unbedingt noch eine Postkarte an ihre Grossmutter abschicken. Die arme Frau hat ja sonst nichts zu lesen. Die Schlange im Postamt will derweil kein Ende nehmen. Beamte sind eine Spezies; in keinem Land der Welt grundsaetzlich anders. Drehen dir das „Schalter nicht besetzt“-Schild zur vollen Stunde ins Gesicht und lassen abrupt den Stempel fallen, weil die Zeit fuer die gewerkschaftlich geregelte Kekspause gekommen ist. Meine Zeit in dieser Stadt hingegen laeuft unaufhaltsam ihrem Ende entgegen. Der Schneesturm hat sich ein wenig gelegt, doch noch immer ist es bitterkalt. Menschen eilen gesenkten Blickes von A nach B, waehrend meine Hand sich um eine Flasche Brooklyn-Lager in brauner Papiertuete krallt, die Augen immer wieder die Uhr suchen und ich, wie ein gehetztes Tier in einem scheinbar grenzenlosen Kaefig, die Strasse auf- und abmarschiere. „Komme nie zu spaet“, schiesst es mir durch den Kopf, TOM WAITS auf seinem „Alice“-Album, „welch’ Glueck, stets einen passenden Song parat zu haben.“ Kurz muss ich an den chinesichen Undercover-Hilfspolizisten von gestern Nacht denken, der mich ruede anrempelte und am liebsten gleich eingebuchtet haette, weil ich ihm und seinem Vorgesetztem um halbzwei in der Fruehe in der U-Bahn-Station des Time-Square rauchend und trinkend ueber den Weg lief. Ihm auf seine Bemerkung, dass ich mich in Deutschland respektierlicher benehmen wuerde, entgegnete, dass er dort wahrscheinlich kein Polizist, sondern Koch gewesen sei. Da zuckten die Haende schon gewaltig in Richtung Handschellen. Oh, Bruder, in welchen geistigen Gefilden befindet du dich so manches Mal?  „I am a free citizen of the European Community“, hoerte ich meine Stimme fremdartig von der nahegelegenen Rolltreppe zurueckhallen. Wann ich die Stadt zu verlassen gedenke, wurde ich vom Vorgesetzten gefragt und ich musste nicht zweimal ueberlegen. „Gleich Morgen!“, worauf er mich beiseite zu einem Muelleimer fuehrte und mir ins Ohr raunte, „Du unterschreibst mir jetzt diesen Strafbescheid. 100 Dollars. Was Du damit machst, bleibt Dir ueberlassen. Greifen wir Dich hier noch mal auf, bedeutet das U-Bahn-Verbot. You’re banned from the underground! Gute Nacht.“ Wieder schaue ich auf meine Uhr. Frage mich, „sind das die kleinen persoenlichen Revolten, die da bleiben“, frage mich, wann sie endlich aus dem Postamt kommt, noch Zeit fuer ein letztes Bier ist, wir lieber Taxi oder doch U-Bahn nehmen sollten, ich eigentlich gar nicht zurueck will, was passiert, wenn ich den Rueckflug einfach sausen, Job und Gleichschritt, Gleichschritt und Job sein lasse, frage mich, welche Anzeichen wohl der Himmel birgt, schaue hinauf, sehe nur Wolken, schaue hinab auf den Gehweg und kann gerade noch einem ueppiggen Haufen Hundekots aus dem Wege gehen. Zwei Stunden spaeter sitze ich als letzter Eintrudelnder in der Abendmaschine nach Europa. Als Zeitueberbrueckung bis zum servierten Abendmahl und bevor das Atlantik-ueberbrueckende Hollywood-Programm anlaueft, bieten die Bordmonitore Allgemeinwissensfragen zum Mitraetseln an. Ich scheitere schon am ersten Hindernis:<br />
„Welches Land hatte 1903 seine erste Nacktenkolonie? a) USA b) Frankreich c) Peru d) Deutschland  ? </p>
<p>Was Dich auch rocken koennte: </p>
<p>DEPARTMENT OF EAGLES – „The Whitey On The Moon UK“ LP<br />
PROBOT – DLP<br />
FIREWATER – live im „Cox 18“/Mailand/22.02.03<br />
RED EYED LEGENDS – s/t LP<br />
ONEIDA – live im „Velvet“/bei Pordenone/26.02.03<br />
THE FALL  &#8211; „The Real New Fall: Formerly Country On The Click“ LP<br />
URSULA RUCKER  &#8211; „Silver Or Lead“ DLP<br />
CATTLE DECAPITATION – „To Serve Man“ LP<br />
JOHNNY CASH – „Unearthed“ 5-CD-Box </p>
<p>Tom Dreyer</p>
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		<title>#106 / 06-04</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:13:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF 
Irgendwann im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass ich mich hier an dieser Stelle immer mal wieder wiederhole. Also hier über Dinge schreibe, über die ich schonmal geschrieben habe. Vor langer Zeit wollte ich das abstellen und mich nicht wiederholen, was ja aus meiner Sicht auch Sinn macht, aber eben nur aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>DOLF </strong></p>
<p><em>Irgendwann im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass ich mich hier an dieser Stelle immer mal wieder wiederhole. Also hier über Dinge schreibe, über die ich schonmal geschrieben habe. Vor langer Zeit wollte ich das abstellen und mich nicht wiederholen, was ja aus meiner Sicht auch Sinn macht, aber eben nur aus der. Ansonsten macht es nämlich keinen Sinn. Es ist ja nicht so das alle (oder nur ein Teil, bzw. wenn dann ist das ein verschwindent kleiner) das Trust regelmässig seit 1986 lesen, bzw. mein Geschreibe hier (sollte das jemanden interessieren, alle Kolumnen seit # 1 sind auf der homepage zu finden). Vielmehr ist es so das immer wieder neue, junge Leute dabei sind und für die will dann eben alles hin und wieder wiederholt werden. Denn, woher sollten sie denn wissen was mich so beschäftigt, bzw. was ich mitteilen will und ich will ja das die Leser wissen was mich beschäftigt und ihnen natürlich was mitteilen. </em> <span id="more-143"></span></p>
<p>Vielleicht kennt ihr das ja von der Jugendzeitschrift &#8220;Bravo&#8221;, da wird im Aufklärungsteil auch immer alles wiederholt: das man von Zungenküssen nicht schwanger werden kann, das onanieren nicht dumm macht, usw, usw. Und da ja Jugendliche heutzutage nicht auf die Welt kommen und automatisch wissen das sie verhüten sollen, können sie ja auch nicht wissen was ich hier die letzen 17 Jahre so geschrieben habe. Deshalb ist es dann für den Leser im günstigsten Fall neu, wenn ihm erzählt wird das Blink 182 oder Donuts eben nichts mit Punk zu tun haben. Oder aber eben einfach &#8220;mainstreampunk&#8221; sind, welcher aber mit den Ursprüngen nichts mehr gemeinsam hat und deshalb uncool ist, auch wenn einem die ganze Medienlandschaft erzählen will das es genau das Gegenteil ist. Oder das viel zu hohe Eintrittspreise bei Konzerten auch für den Arsch sind [An dieser Stelle sei bemerkt das man die neuen Euro Preise, nicht mehr an den alten DM Preisen messen darf. Wenn also heute im Juzi um die Ecke ein Konzert 5-7 Euro kostet, im Club eine Ecke weiter 8-14 und in der Halle dann 10-18 Euro, dann sind das nicht 14, 28 oder gar 36 DM. Sind es natürlich schon, aber die DM ist entwertet und der Euro ist nunmal da...] und man da deshalb nicht hingehen sollte. Neu vielleicht auch das ich finde das man sich vegetarisch ernähern sollte, nicht so sehr wegen den armen Tieren (von mir aus auch wegen denen), sondern viel mehr weil es gesünder ist und einfach nicht notwendig. Und die dutzenden von anderen Dingen die ich hier so schon aufgeschrieben hab. Aber keine Angst, ich spul das hier jetzt nicht nochmal alles ab. Vielmehr gewöhne ich mich daran das ich mich auch gerne immer mal wieder wiederholen darf. Denn, solange sich die Scheisse da draussen nicht ändert, gibt es auch keinen Grund sich hier nicht zu äussern. Nur weil sich Dinge nicht ändern, heisst das ja nicht das man nicht gegen sie anschreiben kann. Finde ich. Obwohl es natürlich auch nicht einfach ist, stellte ich mir vor ich wäre grade 14-16 und würde den Punk für mich entdecken und da sind dann Leute da die &#8220;alles&#8221; schon kennen und meinen es besser zu wissen. Würde ich auf die hören? Oder mir denken die scheiss Erwachsenen (auch wenn sie mir erzählen: &#8220;I&#8217;m gonna stay young &#8217;till I die&#8221;) sind eben nur das: scheiss Erwachsene. Ich weiss es nicht, glaube aber das es eine komische Sache ist. Es gab halt noch nie so viele Erwachsene die sich nicht wie Erwachsene verhalten, glaube ich zumindest. Aber das ist ein anderes Thema.<br />
Ist euch aufgefallen das wir hier immer noch nur Anzeigen von Firmen im Heft haben die auch wirklich was mit Musik zu tun haben? Oder andersherum gefragt, ist euch aufgefallen das die Mainstreammusikmagazine zum Teil massiv Werbung von Firmen drin haben, die mit Musik nun so gar nichts zu tun haben? Ich will das erstmal gar nicht werten, frage mich nur ob das noch zunimmt, bzw. was geschieht wenn es abnimmt. Oder ob wir in absehbarer Zeit auch im Trust Anzeigen von Firmen haben werden die mit Musik, oder Punk so gar nichts am Hut haben? Da kommt dann die Frage des &#8220;Kultursponsorings&#8221; wieder ins Spiel&#8230; aber auch das ist wieder ein anderes Thema.<br />
Schlussbemerkungen:<br />
- 35 Stunden Woche, mehr Arbeit für alle &#8211; hies es vor vielen Jahren mal. Heute sagen die Politiker das 42 Stunden gearbeitet werden muss damit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Und die Konjuktur springt nicht an &#8211; keine Wunder, wenn die Leute keine Kohle mehr haben. Nimmt irgendjemand die Politiker überhaupt noch ernst?<br />
- Unterstützt den Underground, denkt nicht mainstream! </p>
<p>VON INNEN NACH AUSSEN </p>
<p>In der letzten ausgabe, gab es eine dvd besprechung an der sich sowohl intern als auch extern etwas die gemüter/ansichten/wasauchimmer rieben. Ich verzichtete bei der rezension auf die nennung des enthaltenen markennamens im release-titel. ´schlimmer noch´: ich hatte ursprünglich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der name redaktionell entfernt wurde, obwohl es ´nur´ meine wenigkeit war, die sich an den im folgenden zu beschreibenden dingen störte. Zur erinnerung hier noch einmal die rezension: </p>
<p>“THE [...Markenname entfernt..] RESISTANCE TOUR VOLUME I &#8211; RC0 PAL DVD * WÜRDE ICH HIERFÜR GELD BEZAHLEN?: ich denke, der umstand,  dass ich gleich zum “würde ich dafür&#8230;“ teil übergehe, spricht bände. mit der bloßen veröffentlichungsnotiz ist dieser 140 minütigen konzertmixgrütze aus biohazard, agnostic front, hatebreed usw. nämlich schon deutlich mehr ehre zu teil geworden, als ihr eigentlich zusteht. alleine der tour name treibt mir den kalten schweiß auf die stirn. da haben sich ganz offensichtlich mal wieder irgendwelche marketing clowns eines US amerikanischen rucksack konzerns gedacht, RESISTANCE  ist immer gut, und selbst wenn nicht, dann verkauft es sich wenigstens prächtig. hardcore soll das sein, ja?! oh man, haut blos ab&#8230;“ </p>
<p>ganz dazu passend trudelte inzwischen noch ein weiteres, ähnlich gelagertes problemprodukt bei mir ein. Begleitet wurde es bizarrerweise von einem promotionzettel aus dem hause www.11pm.de, welcher die frage aufwirft, ob  Mirkos labelaktivitäten lediglich eine tarnoperation für groß angelegte realsatire attacken sind. Nahezu sprachlos ob den hier offenbarten ignoranten, blauäugigen und verqueren sozio-politischen ansichten, deren suggerierte begriffsdefinition von ´neutrale ware´ und ´ausbeutung´ mich in kaltem grausen erschaudern lässt, habe ich auch diese neuerliche ´rezension´ zu meiner kolumne hinzugefügt. </p>
<p>[markenname entfernt] PROPUNKROCKER3 &#8211; CD + RC0 PAL DVD<br />
ein auszug aus dem begleitenden promowisch gefällig? “&#8230;ein kleines wort an dieser stelle noch zum thema ´sponsoring´ an all jene schreiber dort draussen, die meinen, pp3 deshalb verreißen zu müssen, weil sich ein bekannter rucksack-hersteller am projekt beteiligt:<br />
natürlich sind musik-sponsoring und die damit verbundenen firmeninteressen immer zu hinterfragen und ich würde definitiv nie den ´mc donalds propunkrocker´ herausbringen&#8230; eastpack  ist eine firma, die eine neutrale ware herstellt und damit keinem weh tut. im gegenteil: obwohl in ´ärmeren´ ländern wie indien produziert wird, sorgen die dortigen fabriken für überdurchschnittlich hohe verdienste (bei eastpack verdienen die leute weit mehr als in den nike fabriken nebenan!), also von ausbeutung keine spur. zudem: wenn diese firma mit ihrem geld dafür sorgt, dass die DVD/CD für 12,- anstatt für 20,- euro verkauft werden kann, (inter)nationale newcomerbands ein größeres publikum erreichen können usw, dann ist das doch 100% zu würdigen! ganz ohne eigene interessen eastpacks geht das natürlich nicht ab, aber ich finde, das gleichgewicht wird gewahrt und es geht auf jedenfall in ordnung (verglichen zu anderen gesponsorten cds/events/wasauchimmer!)&#8230;“ </p>
<p>Zum eigentlichen thema: persönlich finde ich die derzeitige tendenz mehr als bedenklich, ich möchte fast sagen: zum kotzen, dass sich große konzerne mit einem sehr geschickten schachzug ein immer heller werdendes spotlight in unserer gesellschaft zu erkaufen versuchen. Ein spotlight, dass weit über den bisher gekannten grad normaler werbung hinausgeht. Aus dem niedersachsenstadion wird da zum beispiel die  ´FINANZBERATER´ arena, aus dem volksparkstadion die ´INTERNETANBIETER´ arena. Wann wird das weser stadion zum ´BIERBRAUER´ colloseum, wann der bremer schlachthof zum ´ALCOPOPS´ center, wann die Capri Bar zur ´SCHWEDEN VODKA´ pinte? Corporate Identity in all ihren blühenden auswüchsen ist in der westlich-kapitalistischen gesellschaft natürlich kein ganz neues phänomen, da braucht man sich keiner illusion hinzugeben. Gerade in den USA ist diese seuche schon seit vielen jahren verstärkt zu beobachten. es gibt kaum ein neues veranstaltungszentrum oder eine neue sportarena, ohne dass diese den namen eines großen konzerns trägt. Erstaunlicherweise geht die industrie mittlerweile davon ab, sich ausschließlich auf den breiten massenmarkt zu konzentrieren. Ihre deutlich spürbaren bestrebungen, selbst noch  im kleinsten marktsegment ein identifikationspotential zu installieren, reichen schon bis in die randbereiche der hardcore- und punk szene. Und da das TRUST, oder besser gesagt meine person als teil von ihm, mit derlei manipulationsgebaren nicht gerade konform geht, sollten wir uns eben weigern, marketingstrategische unterstützungsarbeit zu leisten, wenn ein adaptierter virus versucht, sich nun auch in alternativen wie unabhängigen strukturen einzunisten.  Werbung und der ganze daran hängende rattenschwanz von steuerungsmechanismen ist ja duchaus legitim, manchmal sogar auf bizarre art und weise entertainment in sich selbst. Nur trat werbung eben bisher immer recht isoliert, als solche einfach zu erkennen, auf. Sie gab nie vor, teil von etwas zu sein. Sie stand immer ein bisschen außen vor.  Man konnte wegschalten, sie überblättern, an ihr vorbei lesen, geistig abdriften: sie eben schlichtweg ignorieren so gut es ging. Klar, auch product placement ist nichts neues, ganz gleich ob man da die werbebanner in einigen veranstaltungsorten, die ascher in der kneipe oder die sonnenschirme im biergarten nimmt. Trotzdem hat dies eine gänzlich andere qualität, als das so genannte ´kultur-sponsoring´ dieser tage. Diverse konzerne bemühen sich immer stärker darum, die grenze zwischen werbung und unterhaltung, zwischen marketingmaßnahme und real-life verflechtung aufzuheben. Was seinerzeit bei Günter Masts kräuterlikörverbrechern* und der Braunschweiger Eintracht noch jämmerlich scheiterte, stellt heutzutage kein problem mehr dar. firmen bezahlen nicht länger ausschließlich für werbung, sondern werden durch das erkaufen von kulturstätten und –veranstaltungen selbst zum identifikationsmittelpunkt. Sie treten durch den aufgedrückten namensstempel ihrer unternehmung aus dem schatten der missachteten grauen maus heraus und suchen sich ein wolliges plätzchen im unterbewußtsein unseres täglichen lebens. Sie gehören plötzlich dazu und keiner weiß so genau wieso, weshalb, warum: wer nicht fragt bleibt dumm&#8230;  Schon bald geht man vielleicht nicht mehr in den coolen club xy, sondern in den ´AMI COWBOYFLUPPEN´ club, der ganz nebenbei das an diesem ort geformte lifestyle- und lebensgefühl  auf den eigenen markennamen überträgt, ohne dass man es wirklich mitbekommt. Die emotionale bindung zwischen einem wie auch immer gearteten coolness gefühl und dem damit verbundenen fassbaren oberbegriff sollte man nämlich nicht unterschätzen. Nehmen wir doch nur mal als beispiel das new yorker CBGB´s. ein klangvoller name, mit dem mehr als eine szene die welt verbindet. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was es für eine katastrophe gewesen wäre, wenn dieser laden zum zeitpunkt X**  von einem trendunternehmen jeglicher identität beraubt worden wäre, oder anders formuliert: die vorhandene identität unter das joch berechenbarer markt-eruierungen gestellt hätte. Wieder den bogen zum TRUST bzw. dem anstößigen review schlagend, wird da mal eben aus einer egalen proll metal veranstaltung eine ´RUCKSACK RESISTANCE TOUR´, die aufgrund ihrer, für das TRUST zwar belanglosen, jedoch für den ordinären pöbel zugkräftigen bands, die titelgebende corporate identity auf tausende junger geschmacksversager zu streuen weiß, wie die letzte grippe welle husten und heiserkeit. Bei den in diesem speziellen fall beteiligten bands vom schlage Biohazard, Agnostic Front, Hatebreed etc. bewegen wir uns zwar maximal, wenn überhaupt, im absoluten graubereich von selbstbestimmung und unabhängigen strukturen, was aber letztlich auch nichts daran ändert, dass berührungspunkte durchaus vorhanden, oder zumindest von einer seite, welche nicht die unsere  ist, gesucht werden. Da wird sich mal eben schnell hardcore auf die fahnen geschrieben, ohne sinn und verstand. Und wenn verstand, dann bestenfalls ein kühler geschäftspolitischer, denn RESISTANCE, HARDCORE und DAGEGEN lassen sich anscheinend immer noch sehr ertragreich zu markte tragen. Ertragreich genug jedenfalls, um als firma ein interesse daran zu haben, mit diesen begrifflichkeiten eine liaison einzugehen, die den eigenen marken- oder produktnamen im tagesgeschehen einer bestimmten szene=käuferschicht etabliert. schlimmer noch, durch die positionierung von firmenbezeichnungen in tournee-, release- oder location-namen wird eine symbiose zwischen konzern und akquirierten szeneeigenschaften/-eigenarten geschaffen bzw. suggeriert, die nichts, aber auch gar nichts mit der realität zu tun hat. und komme mir doch jetzt bitte niemand mit dem löchrigen argument, dass der begriff ´resistance´ seit jahr und tag der name einer eastpack produktlinie ist. es geht hier um den verwendungszweck, um den explizit gesuchten umsatzfördernden  kontext, also um die dahinter stehenden bestrebungen und nicht um die begrifflichen ursprünge im marketinggeflecht eines großkonzerns. interessant ist in diesem zusammenhang auch mal ein blick hinter die kulissen von Eastpack. Auch wenn sich, und das kann ich gar nicht deutlich genug herausstellen, die kritik nur exemplarisch und nicht exklusiv an diesem unternehmen festmacht, bietet die firma doch alle merkmale eines wunderschönen paradebeispiels groß angelegter  manipulationsstrategien. Dass es sich bei Eastpack nicht um den unabhängigen 3-4 mann kellerkrämer handelt, war zumindest mir von vorneherein klar. Dass man aber zum selben mutterkonzern gehört wie auch  North Face, Jansport, Lee,  Wrangler etc. überrascht mich schon. Und wer nun, wie wir es nachfolgend getan haben, einen blick auf die homepage der VF Corporation wirft, der sollte mit lichtgeschwindigkeit erkennen, wieso punk und hardcore in keinerlei hinsicht  berührungspunkte zu solchen unternehmungen aufweisen: </p>
<p>VF Corporation is the world´s largest apparel company. For over 100 years, we´ve grown by offering consumers high quality, high value branded apparel. Our leading brands in jeanswear, intimate apparel, outdoor and specialty apparel span virtually every channel of distribution. By understanding consumer needs and working in partnership with our retail customers, our goal is to be the world´s most responsive apparel company.<br />
Our Long Term Financial Objectives<br />
·       Sales growth 6%<br />
·       Return on capital 17%<br />
·       Operating margin 14%<br />
·       Debt to capital ratio below 40%<br />
·       Dividend payout of 30%<br />
Our Core Strategies<br />
·       Build a portfolio of strong brands that deliver great value to consumers.<br />
·       Target our brands to reach a variety of consumer segments across all retail channels.<br />
·       Grow our international presence.<br />
·       Lead the industry in responsive service.<br />
·       Maintain conservative financial policies. </p>
<p>In anbetracht solcher tatsachen stehen wir also zwangsläufig vor der notwendigkeit, uns mit dem neuen marketing konzept bestimmter trendorientierter hippsterfirmen auseinanderzusetzen. Ein konzept, welches wie gesagt sehr geschickt versucht, nicht mehr isolierter außenseiter oder gönnerhafter hintergrund-mäzen  zu sein, sondern als assimiliertes element volle szene credibility zu erhalten, um diese dann geschäftsträchtig in umso schwärzere zahlen zu verwandeln. Spätestens hier muss ich eindeutig sagen: HAUT AB! Ihr habt als firma mit selbstbestimmter infrakstruktur und der dahinter stehenden einstellung so viel gemein, wie der papst mit der hamburger reeperbahn. Auch wenn teilweise zwar leider schon das gegenteil bewiesen ist, will natürlich trotzdem niemand bestreiten, dass ihr vielleicht als menschliche individuen ganz ok seid, coole ansichten vertretet und die fahne des hardcore/punk seit annodazumal hoch haltet, obwohl ihr euch als angestellte einer firma an den hier kritisierten vorgängen beteiligt. Ich arbeite schließlich, von einem punk/hardcore standpunkt aus betrachtet, auch für einen zweifelhaften laden und kann ´manchmal´ ganz nett sein. Trotzdem wäre es doch ein irrsinn, meinen arbeitgeber, welcher unverhohlen zu den gewinnlern von monkey boys waffengängen zählt, als finanzier in unabhängigen strukturen installieren zu wollen. Des weiteren mögen eure produkte ja durchaus einem gewissen qualitätsstandard genügen. Wer 30 jahre garantie auf seine waren gibt, dem billige ich schon ein gehobenes maß an vertrauen in die eigene produktpalette zu. Darum aber geht es wie gesagt gar nicht. Es geht um das erkaufen von credebility, dem scheinheiligen dazugehören wollen und anbiedern aus rein wirtschaftlichen  gründen. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit dem armuts-argument, dass ohne euren support bestimmte veranstaltungen erst gar nicht möglich wären. Es ging vor euch und es wird nach euch gehen. Und alles, was ohne euch nicht gehen sollte, braucht außer unternehmen, die auf biegen und brechen neue märkte erschließen wollen, sowieso kein mensch. Noch mal deutlich: unabhängige kultur braucht keine selbsternannten gönner und förderer. Jedenfalls nicht solche, die als unternehmung weder den entsprechenden idealistischen unterbau vertreten, noch sonst in irgendeiner art und weise gemeinsamkeiten mit ihrem anvisierten operationsgebiet aufweisen. Ohne dies als persönlichen angriff auf bestimmte personen formulieren zu wollen, sage ich daher bezogen auf eure firmen noch einmal deutlich: VERSCHWINDET und nehmt all diejenigen mit, die auf label, zine oder tourbasis gleichgültig mit euch kooperieren, weil ihnen vielleicht die leckeren promotion schmankerl so gut gefallen, die ihr ihnen, natürlich gänzlich ohne multiplikationsintention, kostenlos anheim stellt! Die konsequenz, die sich für mich in punkto TRUST aus all dem ergibt, ist eindeutig. Firmennamen von schuh-,  rucksack-, oder sonstwasherstellern, die zum teil eines album-, video- oder dvd titels gehören, werden ab sofort konsequent mit einem entsprechenden vermerk aus meinen rezensionen gestrichen. Es sei denn, es handelt sich um parodistische glanzleistungen wie Mark Brubacks 7“ ´Burn Down Nike Town´. Sicherlich könnte man auch dazu übergehen, bestimmte releases gar nicht zu besprechen. Nur woran soll ich dann noch meinen unmut über derlei mist festmachen? Soll ich das feld jenen überlassen, denen sowieso alles latte ist? Dem Ox vielleicht oder etwa seinen alternative pendants Intro und Visions? Ganz bestimmt nicht! Für meine person kann ich also ohne umschweife sagen, dass das TRUST euch keinen millimeter operationsfläche bieten wird, es wird euch nicht umarmen, nicht akzeptieren und selbst in solch belanglosen randnotizen wie reviews nicht dulden! Das TRUST ist kein kooperationspartner, keine naive hure, die man für die eigenen belange billig auf den strich schicken kann. </p>
<p>in dem zusammenhang darf ich vielleicht auch noch einmal an eines der ersten trust cover erinnern, welches eine sehr schöne satire auf die größte amerikanische ´besatzerbrause´ zierte. In diesem sinne: </p>
<p>&#8230;.GÜLLE ZU GÜLLE&#8230;. </p>
<p>Kommando Rotation<br />
These Arms Are Snakes – This Is Meant To Hurt You (Jade Tree / CD)<br />
Ornette Coleman – Complete Science Fiction Sessions (Sony / CD)<br />
Pretty Girls Make Graves – New Romance (Matador / CD)<br />
On The Might Of Princess – Sirens (Revelation / CD)<br />
Ornette Coleman – Skies Of America (Sony / CD)<br />
Guyana Punch Line – Direct Action (Prank / CD)<br />
Challenger &#8211;   …Lethal Doses (Jade Tree / CD)<br />
Hella – The Devil Isn´t Red ( 5RC / CD)<br />
Black Eyes – s/t (Dischord / CD) </p>
<p>Kommando Flimmern<br />
Disco Godfather (Rudy Ray Moore)<br />
Terror Firmer (Loyyd Kaufman)<br />
Turkish Star Wars (Cetin Inanc)<br />
Made in Britain (Alan Clarke)<br />
Onibaba (Kaneto Shindo)<br />
Elling (Petter Naess) </p>
<p>Coolster HC/Punk Fact der Saison<br />
Axel reißt bei einer ´HOCHGLANZZEITUNGS PARTY´ in Hannover,  bei der auch Muffpotter zum tanze spielen, in bierseliger rebellion das überlebensgroße stoffbanner eines tabak sponsors von der wand, worauf vom tipper gleich nochmal 2 neue weizen als belohnung organisiert werden&#8230; </p>
<p>* er schmeckt mir nicht der meisterjäger, insofern ist die beschreibung „verbrecher“ noch sehr milde und zurückhaltend formuliert. </p>
<p>**wer hier doppeldeutigkeit erkennt, spielt durchaus einen öffnenden pass in den freien raum, den es sich zwecks weiterführender betrachtung lohnen würde, per direktabnahme sofort ins gegnerische tor zu semmeln. </p>
<p>FU©.T32 </p>
<p>PUT ON YOUR SHITKICKERS AND KICK SOME SHIT </p>
<p>„If there ever was an excuse for nuclear war, it’s Washington DC.“<br />
(Sample von der neuen TRANS AM-LP „Liberation“)<br />
„Ein 2:0, 3:0 gegen Werder reicht nicht aus, wir werden die Bremer vom Platz blasen, eliminieren.“<br />
(Ulli Hoeness vor dem Bayern-Spiel gegen Werder Bremen)<br />
„Il fumo invecchia la pelle“<br />
(Warnschrift auf einer Zigarettenpackung) </p>
<p>ROSEN AUF DEN WEG GESTREUT </p>
<p>Ihr muesst sie lieb und nett behandeln<br />
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!<br />
     Ihr muesst mit Palmen sie umwandeln,<br />
     getreulich ihrer Eigenart!<br />
              Pfeift eurem Hunde, wenn er klaefft -:<br />
              Kuesst die Faschisten, wo ihr sie trefft! </p>
<p>Wenn sie in ihren Saelen hetzen,<br />
sagt: „Ja und Amen – aber gern!<br />
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!“<br />
Und pruegeln sie, so lobt den Herrn.<br />
               Denn Pruegeln ist doch ihr Geschaeft!<br />
               Kuesst die Faschisten, wo ihr sie trefft. </p>
<p>Und schiessen sie -: du lieber Himmel,<br />
schaetzt ihr das Leben so hoch ein?<br />
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!<br />
Wer moechte nicht gern Opfer sein?<br />
             Nennt sie: die suessen Schnuckerchen,<br />
             geben ihnen Bonbons und Zuckerchen …<br />
Und verspuehrt ihr auch<br />
In eurem Bauch<br />
             den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft -:<br />
             Kuesst die Faschisten, kuesst die Faschisten,<br />
             kuesst die Faschisten, wo ihr sie trefft -!<br />
(Kurt Tucholsky) </p>
<p>Derzeitiger Treibstoff: </p>
<p>DEPARTMENT OF EAGLES – „Whitey on the moon U.K.“ LP<br />
TRANS AM – „Liberation“ LP<br />
CONSTATINES – „Shine a light“<br />
NOMEANSNO &amp; ZU – live in Pordenone<br />
FROM MONUMENT TO MASSES – „The impossible leap in one hundred simple Steps.“ LP<br />
SV WERDER BREMEN – live im Olympia-Stadion/Muenchen/08.05.05<br />
und immer wieder KINGS OF LEON – „Youth &amp; Young Manhood“ 2xEP<br />
NELS CLINE &amp; DEVIN SARNO – Buried on Bunker Hill“ CD<br />
AN ALBATROSS – „We are the lazer Viking“ EP </p>
<p>Tom Dreyer </p>
<p>Zärtliche Zyniker </p>
<p>April 2004 &#8211; Tower, Bremen, spärliches Publikum. Ich kenne sie kaum wirklich, das dafür aber schon ziemlich lange. Immer wieder trafen wir uns an der metaphorischen Straße, auf dem Weg zu einem schnelleren, besseren Leben. Angekommen sind wir bis heute nicht. Vielleicht, das könnte sein, ist es nicht zuletzt genau die persönliche Historie, die das, was die da machen, für mich hörenswert werden lässt.<br />
Als ob der Bandname genau für diese Platte, diesen Abend gemacht worden wäre&#8230; So nackt steht das Gesamtding da, so real ist die Erschöpfung dieser Band, bzw. die von W., dem mit Z. ein guter Freund beseite steht. In Berlin vor ein paar Monaten haben sie sich beinahe wie ein altes Paar gestritten. Sie waren schon immer eine sehr klare Band. Der ungebrochene Gitarrenpop vom Anfang, der sicher auch ironische Größenwahnsinn von später &#8211; und schon damals, auf dieser Platte, die einem tragischen Ereignis zwischen Menschen gewidmet war, über das W. damals hatte nicht reden wollen mit mir, gab es einen Song, den sie auch gestern spielten, in dem es heißt: &#8220;It&#8217;s not fair / see what life has done&#8221;. Gerechtigkeit. Die durchaus moralische Vorstellung von dem, was nicht ist, wie es sein soll. Aber in einem solchen Duktus vorgetragen, dass diese moralische Attitüde zumindest nicht vorgab, keine zu sein. Ehrlichkeit. Und gleichzeitig &#8211; kein Widerspruch &#8211; gab es von ihnen einen ätzenden Blick auf das sie umgebende Geschäft, die Menschen, die sie &#8211; zwar wohl auch moralisierend aber inhaltlich korrekt &#8211; als Feinde begriffen, ungeachtet der Tatsache, dass vielleicht auch sie lediglich den Erfolg vermissten und letztlich dessen Ausbleiben anderen zur Last zu legen geneigt sind. Vor diesen Verhältnissen wollen sie sich in die Arme der Liebe retten, die sie als flüchtiges Wesen kennen gelernt haben. &#8220;Sehnsucht ist die einzje Energie&#8221;, heißt das bei Blixa Bargeld. Ich muss nachdenken, ob ich mich dem anschließen möchte, konzediere aber jederzeit die Tröstlichkeit des Gedankens in einer trostlosen Welt, die nicht mit Naturnotwendigkeit trostlos ist. W. und Z. sind wahrscheinlich keine Kommunisten, wahrscheinlich wettern sie gegen Haider und nicht gegen Wahlen. Vielleicht ist ihre Kritik so demokratisch, wie die der meisten Bürger.<br />
Am Ende singt W. &#8220;Orange Dolphins&#8221;, der Text von einem &#8220;Menschen geschrieben, der nicht mehr lebt&#8221;. &#8220;I always wanted to sleep forever&#8221;, beginnt der Song. Die Erschöpfung, damals von einem ausgesprochen, der sie vielleicht wirklich qua Eigenentschluss auflöste in das, was eine Freundin mal mit pathetischer und enervierender Hartnäckigkeit &#8220;Freitod&#8221; nannte. Noch im Tode frei &#8211; denke an Milva: &#8220;Freiheit in meiner Sprache heißt &#8216;Lieber Tee&#8217;&#8230;&#8221;<br />
Die gute Nachricht:<br />
10 cm = 2000 Euro: Große Männer verdienen mehr<br />
Und es kommt doch auf die Größe an. Eine neue Studie zeigt, dass sich eine stattliche Statur im Berufsleben deutlich auszahlt. Ein Wirtschaftsforscher hat präzise berechnet, wie viel jeder Zentimeter Körpergröße an Bruttolohn bringt<br />
(Spiegel Online, 26. April 2004)<br />
Ich würde ja glatt nichts mehr verdienen, ja gar draufzahlen, wäre ich nur zehn Zentimeter kleiner&#8230;<br />
Und nun, ein paar Wochen später ist Werder Meister und draußen drehen sie durch, als hätten sie gerade erst entdeckt, was man mit einer Autohupe machen kann &#8211; ich frage mich, was am Fußball ist, das ganz normale Bürger zu einer doch immerhin ordnungswidrigen Verhaltensweise veranlasst. Über die Strenge schlagen. Die Vertreter des Gewaltmonopols drücken ein Auge zu. Sie wissen, dass das nicht als Akt der Insubordination zu verstehen ist. Als ich kleiner war, wanderte ich durch ein Rom voll wahnsinniger Römer, die gerade irgendeinen ähnlichen Sieg feierten und dachte mir allen Ernstes, dass das auch etwas Schönes habe und so ganz anders als im kühlen Norden&#8230; </p>
<p>stone</p>
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		<title>#108 / 10-04</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:14:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF 
Wir haben das Jahr 2004, gibt es keine Überlebenden mehr, gibt es keinen Nachwuchs? Gibt es nur noch Horden von Konsumenten die sich Punk (ich nehm jetzt mal das Wort der Einfachheit halber, meine auch Underground, Hardcore, usw.) auf die Fahne, bzw. die Visitenkarte schreiben. Gibt es keine Leute mehr die Dinge aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>DOLF </strong></p>
<p><em>Wir haben das Jahr 2004, gibt es keine Überlebenden mehr, gibt es keinen Nachwuchs? Gibt es nur noch Horden von Konsumenten die sich Punk (ich nehm jetzt mal das Wort der Einfachheit halber, meine auch Underground, Hardcore, usw.) auf die Fahne, bzw. die Visitenkarte schreiben. Gibt es keine Leute mehr die Dinge aus Leidenschaft oder dem Drang nach Veränderung tun, sondern nur noch um in erster Linie Geld zu verdienen, bzw. in zweiter Linie Spass zu haben. Ist die Hülle einer Lebenseinstellung tatsächlich nur noch im Mainstream als Umsatzanheizer zu gebrauchen? Wo ist der Kern, der alte Harte, bzw. wo sind die jungen Sprossen die der neue Kern sind oder zumindest werden könnten? Man kann ja schon so ein wenig frustriert sein, heutzutage &#8211; zumindest wenn man zu denen gehört die den Wald entdeckt und die Strassen gebaut haben. </em> <span id="more-144"></span></p>
<p>Die &#8220;Straßen&#8221; die heute wie selbstverständlich von Leuten be(ausge)nutzt werden für die sie am Anfang nicht bestimmt waren. Aber hey, so ist das, man muss mit dem Monster leben das man selbst mitkreiert hat. Findet wieder jemand das ich mich wiederhole? Korrekt! Muss sein. Wissen andere nicht, wovon ich spreche? Fragt nach!<br />
Halb schlapp gelacht hab ich mich hingegen mal im August, als das MMF (Music Managers Forum) in London  &#8211; im Jahre 2004 &#8211;  zu dem Schluss  gekommen ist das ihnen die ganzen Umsonst CD-Beilagen bei allen möglichen Print-Publikationen ein Dorn im Auge sind, denn:  &#8221; Konsumenten erhielten so den Eindruck, Musik sei nichts wert, ein Wegwerfprodukt.&#8221; Und sie empfehlen nun &#8211; im Jahre 2004 &#8211; das alle ihre Klienten keine Songs mehr für beigelegte CDs freigeben. Unglaublich, das sind also nun die &#8220;Profis&#8221;, die überhauptnix Merker, und dann, wenn alles zu spät ist, wenn die Musik für den Grossteil der Leute nämlich tatsächlich nichts mehr wert ist, weil die Industrie es verpennt hat, dann kommen sie auf einem Forum &#8211; im Jahre 2004 &#8211; zu einer Erkenntnis die so offen auf der Kralle liegt&#8230;. warum das Trust wohl keine beigelegte Cd hat könnt ihr euch wohl hoffentlich denken und es ist bestimmt nicht weil es nicht &#8220;im Interesse der Musikindustrie&#8221; ist. Und gehört hier eigentlich in dem Zusammenhang auch gar nicht her&#8230;. aber man kann so schön weiterspinnen. Man stelle sich vor, wenn in ein paar Monaten tatsächlich KEINE Cds mehr den entsprechenden Gazetten beiliegen würden! Was dann? Deutlich weniger Leute würden die &#8220;reinen&#8221; Hefte kaufen, der Verkaufspreis müsste nach unten angepasst werden (wenn nicht, kaufen die Leute es noch weniger) und ebenso die Anzeigenpreise und der ganze Printmarkt würde wieder komplett durcheinandergewirbelt und auf irgendeinem &#8220;Forum&#8221; würde dann irgend ein ganz schlauer &#8220;Medienprofi&#8221; feststellen das die Leute die gedruckten Hefte wohl noch nie wirklich wegen dem dort stattfindenden Journalismus bzw. den Inhalten gekauft haben, sondern nur wegen der beigelegten Cd, dies wohl ein Fehler war (nämlich ein Produkt, durch den Anreiz eines völlig anderen Produktes zu verkaufen &#8211; leg deinem Fanzine eine Kiste umsonst Bier mit bei und du &#8220;verkaufst&#8221; Fanzines ohne Ende&#8230;) und man jetzt wohl wieder versuchen müsse sich eine Leserschaft/Zielgruppe neu aufzubauen &#8211; oder so. Das ist mir sowieso alles latte und bringt mir letztendlich nur Spass den Affen zuzugucken. Beim Trust ging es eben noch nie in erster Linie darum den potentiellen Käufer zum Konsum anzuregen. Nur scheint das heutzutage nicht mehr so viele Leute zu interessieren&#8230; well, dann ist das eben so, fuck it. Aber aufgegeben hab ich lange nicht! Leider ist aber eben die Vermittlung &#8220;unserer Sache&#8221; again &#8211; im Jahre 2004, nicht mehr so leicht. Wenn man als Konsument Zeitschriften, Plattenfirmen, LiveLäden, Bands, Booking Agenturen, usw. usf. nur noch als das betrachtet was sie natürlich auch sind &#8211; aber eben nicht nur &#8211; Dienstleister, Serviceleister, die einem Musik, Spass, Getränke, Informationen und Unterhaltung  präsentieren, weil das eben ihr &#8220;Job&#8221; ist. Mann, es gibt so viele von diesen Dienstleistern, das es kein Wunder ist das diejenigen die das ganze aus anderen Gründen machen schwerer zu erkennen sind.Und das es den meisten Leuten mittlerweile egal ist, ob sie ein Produkt kaufen das geschaffen wurde um es zu verkaufen oder ob sie was erstehen das aus anderen Beweggründen entstanden ist. Das die Leute keinen Unterschied mehr sehen ob sie in einem Club der nur dafür eröffnet wurde um damit Geld zu verdienen, gehen, oder in ein Juz, wo Leute ein Konzert veranstalten weil sie da Bock drauf haben, usw. usf. Könnte man beliebig weiterführen. Findet wieder jemand das ich mich wiederhole? Korrekt! Muss sein. Wissen andere nicht, wovon ich spreche? Fragt nach!<br />
Ach, da ich es grade benutzte BELIEBIG, es scheint alles ist heutzutage beliebig. Keiner hat mehr ne eigene Meinug die vertreten wird, geschweige denn einen eigenen Plan an dem Festgehalten wird. Aber ich schweife ab, was ich ja immer sehr gern tu!<br />
Wo sind die Entwicklungen wenn man sie braucht? Leider ist ja die Aufgabe der AntiFa (für den Fall das Leute mitlesen die mit der Abkürzung nichts anfangen können: steht für Anti Faschistisch) ja weder hier in Deutschland, geschweige denn im Rest der Welt erledigt. Derzeit könnte ich mir aber mindestens genauso dringend eine AntiFu (das ist neu, deshalb hier eine kurze Erklärung für alle: steht für Anti Fundamentalistisch) vorstellen. Und zwar natürlich aus den Reihen der Damen und Herren Muslims, hier in Deutschland und im Rest der Welt. Und nicht nur bei denen &#8211; weil es da grade so akut ist &#8211; ich sehe die AntiFu auch gegen verbohrte Christen und orthodoxe Juden zu Felde ziehen und dem ganzen anderen Gesocks da draussen. Mann müsste da natürlich vorsichtig sein, sonst kämpft einer der grade noch von AntiFa&#8217;s verfolgt wurde, plötzlich auf der Seite der AntiFu&#8217;s, unberechtigt natürlich. Aber im Ernst, das ist nicht meine Aufgabe, hier irgendjemand zu sagen wie er mit  irrgeleiteten seinesgleichen umzugehen hat, das müssen alle selbst rausfinden. Würde mich halt nur freuen wenn sich das endlich mal entwicklen würde und zur Abwechslung in die richtige Richtung! Findet wieder jemand das ich mich wiederhole? Korrekt! Muss sein. Wissen andere nicht, wovon ich spreche? Fragt nach!<br />
Schliessen will ich mit dem irgenwo aufgeschnappten Satz über den jeder mal nachdenken sollte:<br />
&#8220;In einem Job den man wirklich liebt, arbeitet man keinen Tag seines Lebens&#8230;.&#8221;<br />
So gesehen habe ich in meinen Leben noch nicht viel gearbeitet, dafür umso mehr getan&#8230;&#8230;.. </p>
<p>DIETMAR<br />
Die Geschichte war etwas peinlich. Ein flüchtiger Bekannter von mir, der noch gar nicht so lange in seiner Firma tätig war, hatte sich auf dem Computer auf seinem Arbeitsplatz ein Programm zum Filesharing installiert. Und so lud er Tag ein, Tag aus nebenbei ein paar Lieder illegal aus dem Netz. Sogar nachts lief der Computer &#8211; bis ihn irgendwann der Technikchef seiner Firma dabei erwischte. Da war der Ärger dann groß, alle Mitarbeiter wurden ermahnt, das bloß nicht zu tun, und der Bekannte hatte Glück, weil er gerade ein paar Tage aus der Probezeit war.<br />
Einige Wochen vorher: Endlich kam die lang erwartete  neue Converge-CD als Promo ins Haus. Lange währte die Freude aber nicht: Alle paar Minuten quatscht irgendein Idiot in die Musik rein &#8211; die CD sollte so unbrauchbar gemacht werden fürs Filesharing. Leider wurde sie damit auch unhörbar, und eigentlich sollte man die Promo-CD als &#8220;Sammlerstück&#8221; schon aus Prinzip auf Ebay zum Verkauf anbieten. Genützt hat es der Band ohnehin nicht (und ihr neues Label Epitaph legt Wert darauf,  dass die Band diese &#8220;Voice over-Version&#8221; gefordert hatte). Die CD war noch nicht an Schreiberlinge verschickt, da war &#8220;You Fail Me&#8221; offenbar bereits im Netz zu finden. Was wiederum die Mär von den &#8220;bösen Journalisten&#8221; widerlegt. Es sind offenbar ganz andere, die Musik vorfristig ins Netz stellen.<br />
Dabei birgt das illegale Laden aus dem Internet natürlich weiterhin seine Gefahren &#8211; aus den USA hört man immer wieder von Prozessen, und auch hierzulande werden große Plattenfirmen immer aggressiver gegenüber Downloads. Und da, wer im Netz nach Songs sucht, Spuren hinterlässt, ist die Möglichkeit durchaus vorhanden, dass man dabei erwischt wird.<br />
Aber vermutlich ist es bald nicht mehr der Download aus dem Internet, mit dem Songs getauscht werden. Seit ein paar Jahren schon besitze ich (als Apple-Nutzer) einen iPod. Das Schöne an dem Gerät: Man braucht im Auto keine Kassetten mehr. Ein Adapter reicht, und schon ist der iPod an die Anlage angeschlossen. Und selbst wenn man ein älteres Modell besitzt, kann man ein paar Tage lange fahren, ohne dass sich auch nur ein Lied wiederholen würde. Ich habe damals daraufhin sämtliche Tapes aus dem Autos verbannt. Da war schließlich meistens eh nur Musik drauf, die ich mal interessant fand, aber schon länger nicht mehr hören wollte. Auf den iPod hingegen konnte ich gleich die neuesten CDs ziehen.<br />
Das Ärgerliche an dem Gerät: Lieder lassen sich  nicht vom iPod zurück auf den Computer ziehen. Theoretisch. Praktisch gibt es nämlich auch dafür Software. Und dann wird das Kopieren ganz einfach: Den mp3-Player an einen Computer, wo das entsprechende Programm installiert ist, anschließen und die Lieder rüberziehen. Dann nur noch den anderen Player an den Computer verbinden, und die Songs auf dessen Festplatte kopieren. Mehr ist nicht nötig. Erledigt ist das Ganze in wenigen Minuten (und es dauert auch nur dann so lange, wenn man gleich mehrere Alben kopiert).  Man braucht halt nur eine Person, die eine CD auch tatsächlich besitzt, so wie früher eben, als man Kassetten tauschte. Nur komfortabler und mit besserer Soundqualität.  Aber vor allem die fehlende &#8220;Kontrolle von oben&#8221; wird diesen Weg vermutlich irgendwann mal zu dem üblichen machen, um an Alben zu kommen.<br />
Ich steh der Kopiererei zwiespältig gegenüber. Einerseits ist es sehr &#8220;praktisch&#8221;, sich so ein Album zu besorgen.  Man kann sogar hinterher eine CD mit den Liedern brennen. Und ich kenne auch eine Menge Leute, die sich sehr viel Musik kaufen und sich Songs aus dem Netz laden. Die hören dann sozusagen vorher &#8220;Probe&#8221;, um sicherzugehen, dass man das Album wirklich haben will, dass man sich später vielleicht doch noch kauft. Oder man merkt, dass die neue CD der Band XY eigentlich ziemlich langweilig ist und 17 Euro rausgeworfenes Geld wären.<br />
Andererseits bin ich als Kleinstlabel-Betreiber darauf angewiesen, dass sich die CDs, die ich veröffentliche, gut verkaufen (was jetzt nicht heißen soll, dass es mir egal ist, ob Leute sich hinterher über eine gekaufte Platte ärgern, weil sie sie dann doch nicht gut finden).  Und &#8220;gut verkaufen&#8221; heißt in diesem Rahmen eben: Es macht einen gravierenden Unterschied, ob seine Veröffentlichung 1000 mal verkauft wird oder eben nur 900 mal &#8211; das kann dann schon der Unterschied zwischen Verlust und Break-even sein. Und wenn tatsächlich 100 Leute irgendwo auf dieser Welt &#8220;meine&#8221; CD nur deswegen nicht gekauft haben, weil sie sie aus dem Netz gezogen haben, dann würde ich die doch ganz gerne fragen, ob sie sich bewusst sind, dass gerade kleine Bands und kleine Labels auf Unterstützung angewiesen sind. Wenn Metallica ihre Fans verklagen, ist das ziemlich peinlich. Ob die eine Million Dollar mehr oder weniger haben, macht eigentlich keinen Unterschied. Das heißt für die Herren Rockstars offenbar schon, sonst würden sie nicht die Leute vor Gericht zerren.<br />
Aber vermutlich übertreibe ich hier; vermutlich haben sich nur ein paar Dutzend Menschen die Lieder meiner einen bisherigen Veröffentlichung aus dem Internet runtergeladen. Und überhaupt: Es gibt viel schlimmere Dinge &#8211; Zahlungsmoral zum Beispiel. Ich war vor dem Start meines Labels so naiv zu glauben, dass ich nicht so lange auf Geld warten muss, auf Geld, das letztlich für die nächste Veröffentlichung bestimmt ist. Während die beiden Hauptvertriebe da überhaupt kein Problem machen, gibt es andere, kleinere, die auf eine mehr oder weniger freundliche Mail mit dem Kernsatz &#8220;Wann kommt das Geld???&#8221; ein lapidares &#8220;nächsten Montag&#8221; antworten. Das nervt. Und da interessiert mich dann nicht mehr so richtig, ob ich eine CD weniger verkaufe wegen eines Downloads. Aber trotzdem: Immer schön daran denken &#8211; wer Bands und Indielabels unterstützen will, kauft gefälligst die Platten. Verstanden? <img src='http://www.trust-zine.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  </p>
<p>dietmar </p>
<p>Hier läuft zurzeit:<br />
Isis -&#8221;Panopticon&#8221;<br />
R.L. Burnside &#8211; &#8220;A Bothered Mind&#8221;<br />
Temptations &#8211; &#8220;Get Ready: Best Of&#8221;<br />
Lounge Lizards &#8211; s/t</p>
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		<title>#109 / 12-04</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:15:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF
Karierre Punk? &#8211; Neulich beim Arbeitsamt (bzw. Bundesagentur für Arbeit&#8230;).
Die beiden Figuren &#8220;Junger Mensch&#8221; (JM) und Arbeitsamtberater (AB) sprechen über die Zukunft von JM. 
AB: In welche Richtung wollen sie denn gehen, haben Sie da schon eine Ahnung?
JM: Klar, Punk! 
AB: Tja, früher wären sie mit so einer Aussage unvermittelbar, aber heutzutage ist ja [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>DOLF</p>
<p>Karierre Punk? &#8211; Neulich beim Arbeitsamt (bzw. Bundesagentur für Arbeit&#8230;).<br />
Die beiden Figuren &#8220;Junger Mensch&#8221; (JM) und Arbeitsamtberater (AB) sprechen über die Zukunft von JM.</strong> </p>
<p><em>AB: In welche Richtung wollen sie denn gehen, haben Sie da schon eine Ahnung?<br />
JM: Klar, Punk!</em> <span id="more-145"></span><br />
AB: Tja, früher wären sie mit so einer Aussage unvermittelbar, aber heutzutage ist ja alles ganz anders. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht in welche Richtung sie ihre Karriere ausrichten wollen.<br />
JM: Mir egal, Hauptsache Punk, was haben sie mir denn da anzubieten?<br />
AB: Nun, da gibt es verschiedene Berufsbilder, das kommt so ein wenig auf sie drauf an&#8230;.<br />
JM: Naja, ich bin mit Internet und Handy aufgewachsen, ebenso mit der Überzeugung das ich sowieso der coolste bin.<br />
AB: Ok, dann steht ihnen ja alles offen. Da wäre zuerst Mal die &#8220;Punk Band&#8221;, es wäre hilfreich wenn sie mehrere Instrumente beherrschen &#8211; notfalls auch nicht &#8211; da kann man tricksen. Dann könnte es sein das sie ihr Aussehen dem entsprechenden Punk-Trend anpassen müssen, oder sich so bescheuert kleiden, das man denken muss sie kreeiren grade einen eigenen Trend&#8230;<br />
JM: Was ist mit Tattoos, muss ich mich pickern lassen oder tuns auch ein paar Piercings&#8230;.<br />
AB: Tattoo schadet nicht, aber helfen tut es heutzutage auch nicht mehr wirklich, weil ja &#8216;jeder&#8217; tätowiert ist. Das grössere Problem seh ich eher in ihren Zukunftsaussichten in einer &#8220;Punk Band&#8221;, denn, diese Tips bekommen ja nicht nur sie von mir, sondern die werden überall gegeben, deshalb gibt es einen gewissen Überschuss an &#8220;Punk Bands&#8221;. Aber letztendlich ist immer noch für eine Platz, man weiss ja nie wie der Markt reagiert und zumindest zum kurzfristigen Geldmachen könnte eine Punkband zumindest der richtige Einstieg sein.<br />
JM: Aber was muss ich denn da für Musik machen&#8230;.<br />
AB: Da orientieren Sie sich einfach am Musik-TV und der Musikpresse, ob es dann Punk ist oder nicht, spielt letztendlich keine Rolle, Sie verkaufen es ja als Punk.<br />
JM: Ich glaube verkaufen liegt mir auch eher, als irgendwas selbst zu machen. Was geht denn da noch in Richtung Punk?<br />
AB: Also was immer geht ist ein sogenanntes Online-Fanzine.<br />
JM: Hä, was ist das denn?<br />
AB: Na das ist letztendlich nur eine Website, die über andere Punk Produkte informiert. Da müssen Sie halt viel tippen und ein wenig Website basteln können. Wenn Sie dann noch ein paar ihrer Geschäftspartner als Werbebannerkunden gewinnen können, dann wird das auch schön bunt und&#8230;<br />
JM: Aber was soll ich denn da schreiben, mir fällt doch gar nichts ein.<br />
AB: Das macht doch nichts, der Kontent wird ihnen ja sozusagen vorgegeben, von den anderen Punkfirmen, Plattenrezensionen können sie aus den den Cds beiligenden Promozetteln leicht verfremdet übernehmen und ansonsten hangeln sie sich halt an den Releaseplänen der Plattenfirmen lang. Hin und wieder kann auch mal eine echte News dabei sein, aber soviel passiert ja nicht. Also ausserhalb von Verkauf und ihre Hauptaufgabe ist ja nicht zu informieren, sondern den Konsum anzukurbelen und Geld verdienen.<br />
JM: Jetzt weiss ich wo ich Fanzine schonmal gehört hab, ist das nicht eigentlich eine Art Zeitschrift.<br />
AB: Ja, richtig, aber das war eher früher mal, die gibt es auch heute noch, aber da rate ich Ihnen von ab.<br />
JM: Warum denn, nicht das ich das machen würde, aber würde mich mal interessieren&#8230;<br />
AB: Naja, die Kosten sind viel zu hoch und es lohnt den Aufwand nicht wirklich, ausserdem ist es in der Regel nicht umsonst wie ein Online Fanzine, und die Leute dann dazu zu animieren etwas zu kaufen, ist halt einfach schwieriger. Ausserdem ist der Druck Markt sowieso schon überlaufen, aber das führt zuweit. Ich kann ihnen davon einfach nur abraten, also, wenn dann Online.<br />
Also wenn sie unbedingt was &#8220;herstellen&#8221; wollen, dann wäre vielleicht Plattenfirma was für sie.<br />
JM: Muss man da richtig arbeiten?<br />
AB: Ja, schon ein wenig, aber man hat dann auch gleich einen anderen Status im Punkgeschäft, wenn man ein Label &#8211; so der Fachbegriff&#8230;<br />
JM: Ja, das weiss ich..<br />
AB: Na umso besser, dann haben sie ja schon ein Vorwissen. Leider bieten wir ja noch keine Kurse in die Richtung, wie kommt es das sie sich ein wenig auskennen?<br />
JM: Naja, ich lese halt ein paar Musikzeitschriften, gucke TV und war auch schonmal auf ein paar Konzerten.<br />
AB: Sehr gut, dann sind wir auf der richtigen Spur für ihre Zukunftplanung. Also, beim Label brauchen sie etwas Eigenkapital, können aber auch indem sie geschickt Sponsoren werben bzw. mit Kooperationspartner zusammenarbeiten massig Geld sparen&#8230;<br />
JM: Ja, klingt ja interessant, aber irgendwie ist das nichts für mich, ich find Cds eh blöd, da sind ja immer gleich mehrere Stücke drauf von derselben Band&#8230;.<br />
AB: Naja, dann wäre vielleicht Promoter was für sie?<br />
JM: Ja, hab ich auch schonmal gehört.. was ist das denn genau?<br />
AB: Naja, da müssen sie einfach Musik/Cds promoten, die an Leute schicken und sie davon überzeugen das die sie sich anhören oder aber zumindest was drüber schreiben, es senden oder sonst irgendwie featuren.<br />
JM: Kann ich mir denn aussuchen was ich promoten will?<br />
AB: In der Theorie schon.. aber in der Praxis ist es dann schon so das der eigene Geschmack in Hintergrund treten muss. Wenn sie einen Auftrag bekommen, dann muss der auch gemacht werden. Egal ob sie hinter dem Produkt stehen oder nicht. Letztendlich ist das auch egal, da sie ja sowieso immer sagen das sie hinter dem Produkt stehen&#8230; aber das sind Details, das kommt dann mit der Berufserfahrung.<br />
JM: Hmm, was gibt’s denn da sonst noch?<br />
AB: Ja, sie könnten sich auch als Booker versuchen und eine Agentur gründen.<br />
JM: Oh, Agentur klingt gut, das macht sich bestimmt auch gut auf der Visitenkarte&#8230;<br />
AB: Ja, klar, sie können sich ja dann auch als Agent bezeichnen, das klingt zumindest besser als Promoter.<br />
JM: Stimmt, wäre ja wirlich doof, Verkäufer.. oder noch schlimmer &#8220;Einsetzer&#8221; das ist ja gar kein richtiges Deutsch. Aber muss ich denn dafür besonders qualifiziert sein?<br />
AB: Nein, sie finden ja alles im Internet.<br />
JM: Aber wie finde ich die richtigen Bands?<br />
AB: Naja, sie haben ja eine Website, dann finden die Bands die sonst niemanden finden schon sie. Da wird zwar am Anfang nicht viel gehen, aber vielleicht haben sie ja auch mal Glück und es bleibt was hängen was etwas grösser wird oder sie können jemandem was abluchsen, das geht ja auch, ist ja nicht verboten. Ansonsten machen sie eben so viel wie möglich, erstmal zählt hier Quantität vor Qualität. Und dann mit der Zeit &#8211; eine gewissen dreistigkeit vorausgestzt &#8211; pendelt sich das dann schon ein. Es gibt da zwar noch keine wirklich statischtisch geprüften Zukunftsprognosen, aber was ist heute schon sicher.<br />
JM: Puh, ich glaube das würde mir ein wenig viel werden, mit den ganzen unterschiedlichen Bands und den Ländern, ich war ja selbst noch nicht so viel und oft im Ausland&#8230;<br />
AB: Naja, da können sie auch noch lokaler Veranstalter werden, das ist zwar teilweise schon überlaufen, aber es gibt ja auch immer neue Agenten und die suchen immer Leute mit denen sie zusammenarbeiten können. Da werden Sie am Anfang zwar nicht so viel verdienen, aber es wäre ein Anfang.<br />
JM: Sonst, gibt’s aber nichts mehr?<br />
AB: Naja, sie könnten auch noch einen Mailorder aufziehen, aber so wie ich sie einschätze ist ihnen das zuviel, ich könnte ihnen das natürlich ausführlicher&#8230;<br />
JM: Ne, das genügt mir erstmal. Ich muss nochmal auf die Qualifikation kommen&#8230;<br />
AB: Keine Sorge, ich denke ihr Ego ist gross genug um alle Voraussetzungen zu erfüllen.<br />
JM: Aber ich hörte, früher, da war Punk ne Einstellung, nicht das ich da jetzt Vegetarier werden muss oder aus der Kirche austreten&#8230;.<br />
AB: Nein, nein, das war früher mal, vergessen sie das, es gibt da zwar immer mal wieder neue Leute, aber die meisten gehen dann doch nach einer Zeit den graden Weg des Geschäfts und die paar alten von früher.. die spielen in einer modernen Geschäftswelt keine Rolle&#8230; zumindest nicht für sie.<br />
JM: Naja, nicht das ich mich da irgendwie einschränken muss, mit eigener Meinung hab ich es auch nicht so, also, schon, aber natürlich nicht Konsequent&#8230;.<br />
AB: Das ist genau richtig, Konsequenz steht ihnen in dem Bereich Punk eh nur im Weg.<br />
JM: Naja, das klingt ja alles ganz gut. Ich lass mir das mal durch den Kopf gehen&#8230;.. Ich hätte da dann noch ein paar Fragen zu einer Karrierelaufbahn als Bänker generell&#8230;.<br />
AB: Oh, tut mir leid, das ist zwar vom Prinzip ähnlich, aber da müssten sie einen Termin mit meinen Kollegen machen. Das ist nicht meine zuständigkeit.<br />
JM: Ok, danke.</p>
<p>Und das nächste Mal komme ich dann hoffentlich dazu kurz zu erklären woran man coole bzw. uncoole Bands erkennt &#8211; obwohl ich doch schon so ein wenig hoffe das die meisten der Leser das wissen&#8230;.</p>
<p>STONE</p>
<p>DER ZÄRTLICHE ZYNIKER</p>
<p>Die Kolumne fält dieses Mal aus. Andere, wichtigere Dinge müssen getan werden. Es sei im Folgenden ein Dreischritt versucht, um darzustellen, worum es sich bei diesen handelt, wobei im Ergebnis der Einleitungssatz notwendig obsolet gemacht werden wird. Soviel zu Schritt eins.<br />
Um den zweiten anzudeuten, borge ich mir die Worte aus einem Song von Toby Keith und Chuck Cannon, der auf dem neuen Album von Willie Nelson zu finden ist, das heute Morgen mit der Post kam.</p>
<p>Tired</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Only missed six days and nights<br />
on twenty years of workin&#8217;<br />
Money went to taxes and these<br />
bills I&#8217;ve paid on time<br />
The raise I got six months ago<br />
don&#8217;t meet the cost of livin&#8217;<br />
Selling my body for those nickels<br />
and these dimes</p>
<p>The smell of Becky&#8217;s coffee rolled<br />
me out of bed this mornin&#8217;<br />
I showered and I shaved and<br />
dressed and pulled my work boots on<br />
Walked in the kitchen, she was<br />
starin&#8217; out the window<br />
The way she said &#8220;good mornin&#8217;&#8221;<br />
made me ask, &#8220;Is<br />
somethin&#8217; wrong?&#8221;</p>
<p>Chorus:<br />
She said &#8220;I&#8217;m tired, I woke<br />
up tired<br />
Life is wearin&#8217; me smooth down to<br />
the bone<br />
No rest for the weary, you just<br />
move on<br />
I guess we&#8217;ll just keep going &#8217;til<br />
we&#8217;re gone<br />
And I&#8217;m tired, Lord, I&#8217;m tired&#8221;</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Nelsons Stimme ist brüchig geworden, als trüge er nicht vor allem einen Cowboy-Hut, sondern die Last von Rebecca und Jackson aus diesem Song. Nur zu gern würde ich jemandem einen Slogan schenken, der in wenigen Worten Wesentliches über Hartz IV sagt. Wer Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze. Dass mir keiner einfällt, hat unter anderem mit dem weiteren Grund für das gleichsame Ausbleiben einer Kolumne und somit Schritt drei zu tun. Ich habe mich entschieden, hier etwas persönlicher zu werden, weshalb die meisten von euch an dieser Stelle das Lesen einfach einstellen können. Und nun zu dir,</p>
<p>Geliebte Freundin,<br />
du bist weit entfernt von mir, wenn du diese Zeilen liest, und ich könnte kitschig werden, wenn ich an dich denke. Ungefähr so: Zwischen all den Freunden, auf den Straßen, die sind, wie die meisten Straßen sind, im Regen, wenn der Nebel vom Meer aufzieht und sich um hölzerne Häuser schmiegt, sehe ich dein Gesicht. Höre ich deine Stimme. Erinnere mich an die Dinge, die du mir sagtest. Deine Fragen. Könnte ich nur die Antwort auf sie alle geben&#8230;<br />
So bleibt, was ist. Die Freude darauf, dich schon bald wieder zu sehen. Und was dann sein wird.<br />
Ich umarme dich,<br />
dein stone</p>
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		<title>#111 / 04-05</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2007 12:15:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Dolf
Grade zum ersten Mal die &#8220;Barnett Strike 9&#8243; zur Hand genommen, vegetarische Munition (grosse weisse Bohnen) gegriffen und jagt auf das Taubenpärchen gemacht, damit die gleich schon von beginn an wissen woher der Wind weht&#8230; Mit anderen Worten: Ich stelle mir vor der Winter ist vorbei. Was ist geschehen. Eine ganze Zeit lang war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<strong>Dolf</strong></p>
<p><em>Grade zum ersten Mal die &#8220;Barnett Strike 9&#8243; zur Hand genommen, vegetarische Munition (grosse weisse Bohnen) gegriffen und jagt auf das Taubenpärchen gemacht, damit die gleich schon von beginn an wissen woher der Wind weht&#8230; Mit anderen Worten: Ich stelle mir vor der Winter ist vorbei. Was ist geschehen. Eine ganze Zeit lang war ich damit beschäftigt schlau aus dem Buch &#8220;Drink as much as you want and live longer&#8221; und den dahinterstehenden Theorien zu werden. Hey, wenn man mal 40 ist, dann muss man auch etwas gesünder saufen. Leider war das Buch bzw. die von dem Autor vertretene Theorie nur teilweise schlüssig, sonst hätte ich euch das hier ausführlich reingedrückt. Nur soviel: Mit dem trinken aufhören und weniger trinken sind nicht die einzigen Optionen. Man kann auch weitertrinken. Täglich viel Wasser trinken (ist ja nicht grade eine neue Erkenntnis) und nicht zum Trinken Essen und auch nicht dannach. Ich glaub viel kürzer kann man es nicht zusammenfassen. Falls es jemanden interessiert, etwas mehr als ich hier sag und viel weniger als im Buch steht bei www.21stcenturydrinker.com (falls die noch online sind) für Leute denen es ernst ist.<br />
Ansonsten dachte ich mir das jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist mal das Snowboarden auszuprobieren, hat auch Spass gemacht, mal sehen ob ich wieder regelmässig in irgendwelche Wintersportregionen fahr.</em> <span id="more-146"></span></p>
<p>Und, bevor ich mir hier wieder alles neu formuliere, ist mir folgender Text wieder eingefallen der, mit anderen, in dem 1997 erschienenen Sampler &#8220;The Sound &amp; the Fury&#8221; im Booklet abgedruckt war. Es geht da um die &#8220;Problematik&#8221; der deutschen Alternativ Rock Bands. Jetzt, knapp 10 Jahre später kann man fast das gleiche 1 : 1 auf die meisten in- und ausländischen sogenannten Punk/Hardcore/Emo-Bands übertragen. Lest selbst! Und denkt mal drüber nach! </p>
<p>Warum werden einheimische Alternativ-Rock-Bands die englisch singen schlechter behandelt als Bands des gleichen Genres aus den Usa oder Gb?<br />
Weil die meisten Medien, Plattenfirmen, Booker und letzendlich auch die Hörer keinen eigenen Geschmack haben. Und deshalb nicht in der Lage sind eine gute Band aus D-land einer schlechten aus Usagb vorzuziehen. Das ist für deutsche Alternativ-Indie-Rock-Bands ein Problem.<br />
Aber, völlig subjektiv und unter uns: Ich mag eigentlich keine &#8220;Alternativ-Indie-Rock-Bands&#8221;, weder die aus den Staaten, noch die von der Insel &#8211; da ist es doch nur logisch das ich mit der deutschen Version ebensowenig anfangen kann. Sicher, Ausnahmen gibt es auch hier, aber das sind im Vergleich zu der Masse an Alternativ-Indie-Rock(ab sofort hier nur noch &#8220;Air&#8221; genannt)-Bands nur wenige. Sehr wenige! Die klassische Air -Band soll von mir aus in ihrem Übungkeller verrotten und niemals das Tageslicht erblicken.<br />
Erschwerend hinzu kommt für mich auch noch das viele dieser Bands begonnen haben in &#8220;kleinen&#8221; Punk/Hc-Strukturen emporzukommen &#8211; sie haben nicht daran teilgenommen, sondern nur das kleinere Übel gewählt &#8211; nämlich in kleinen versyphten Läden zu spielen anstatt überhaupt nicht, in kleinen Fanzines erwähnt zu werden statt keiner Beachtung in den großen Blättern, auf kleinen Labels Platten veröffentlicht, anstatt überhaupt keine Veröffentlichung zu haben. Mit dem Ergebnis das bestimmte Punk/Hc-Kanäle völlig verstopft wurden, verstopft von &#8220;Air&#8221;-Bands die mit dem drumherum, das bei Punk/Hc immer dazugehört, nichts zu tun haben. Sinnentleerte Musik von selbsternannten Musikern die im schlimmsten Fall auch noch meinen Künstler zu sein. Leute die nichts zu sagen haben, keine (oder andere) Ideale kennen, und meist nur ein Ziel verfolgen &#8211; ihre Musik zu spielen.<br />
Elitär? Bestimmt nicht! Ich habe nichts gegen Menschen die nichts zu sagen haben und nur ihre Musik machen wollen &#8211; aber dann doch bitte woanders. Sollen sich selbst eine Szene aufbauen oder so konsequent sein und eben den &#8220;Rock-Weg&#8221; gehen und der ist für 95% der Bands ohne Erfolg. Man stelle sich vor jede Idioten-Rock-Band aus den verschiedenen Pfarrhäusern und Jugendclubs der Republik käme auf die Idee das jetzt viele Leute ihnen zuhören müßten &#8211; nein danke! Ja ich weiss, viele dieser Musiker sind doch echt nette Menschen &#8211; ist auch besser so, aber viele von denen sind a) nur nett und das genügt nicht und b) meinen auch noch mit ihrem Hobby Geld verdienen zu müssen. Für jeden nochmal langsam, weil das ja in Vergessenheit geraten ist:<br />
Musik ist ein Hobby.<br />
Und wo steht geschrieben das jeder Geld dafür bekommt der tut was ihm Spass macht (was machen andere um Spass zu haben? Fernsehen, Briefmarkensammeln, Ficken&#8230; &#8211; und bekommen alle Geld dafür? &#8211; Also!). Abgekürzt, ich erwarte von &#8220;Air&#8221;-Bands überhaupt nichts, wenn hin und wieder eine gute dabei ist &#8211; ok. Scheissegal woher die kommt. Ansonsten verhält es sich mit dem &#8220;Problem&#8221; wie oben beschrieben. Außerdem ist die Maxime: Wenn die Musik geil ist und die Leute was drauf haben: super! Im Zweifelsfall lieber nicht so gute Musik und dafür fitte Leute &#8211; &#8220;tolle&#8221; Musik von unfitten Leuten gibt es leider viel zu häufig. Das nur so unter uns&#8230;</p>
<p>Dietmar</p>
<p>Jetzt hat mich also doch noch eine mittel-ernste Erkältung erwischt. Wäre auch sonst etwas verwunderlich gewesen &#8211; ohne diese Begleiterscheinung geht bei mir keine Berlinale zu Ende. Zu viele Filme, die zu Texten verarbeitet werden wollen, lassen halt nur bedingt Schlaf zu, und das honoriert mein Körper damit, dass er sich den erstbesten Erkältungsvirus einfängt. Sei&#8217;s drum, das ist es auch dieses Jahr wieder Wert gewesen, dass ich mir all die Filme anschauen konnte.<br />
Zwei Dokumentationen hatten mich besonders neugierig gemacht: &#8220;Verschwende deine Jugend.doc&#8221; von Jürgen Teipel und &#8220;The Devil And Daniel Johnston&#8221; von Jeff Feuerzeig. Dass Teipel sein interessantes Buch irgendwann mal in einen Film lassen würde, war zwangsläufig. Das Thema &#8211; Punk und New Wave in Deutschland bis zum Ausbruch der Neuen Deutschen Welle, die Tsunami-artig viele guten Ansätze zerstörte &#8211; bietet sich für einen Film einfach an. Aber so? &#8220;Verschwende deine Jugend.doc&#8221; (der Datei-Anhang soll die Dokumentation von dem fast gleichnamigen Spielfilm absetzen) ist ein Hörbuch mit Diaschau. Es gibt nicht ein bewegtes Bild zu sehen, nur Fotos von dem jeweiligen Menschen, den wir da hören.<br />
Es wird noch schlimmer: Teipel hat nicht mal neue Interviews für den Film geführt; er benutzt die Aufnahmen, die ihm schon für das Buch zur Verfügung standen &#8211; mit allen Unzulänglichkeiten wie Kellnerinnen, die dazwischenfragen und so. Irgendwo hab ich einen Artikel gelesen, wo der Autor das als Vorteil hinstellt. Ich würde solch eine Äußerung als Vorwärtsverteidigung interpretieren.<br />
Ein drittes Manko: Es gibt kaum Musik zu hören. Auch das muss man erst einmal sacken lassen: Da macht einer einen Film über die Musikszene in Deutschland vor 20 bis 25 Jahren, aber zu hören gibt es vielleicht vier Lieder. Andreas Dorau darf lange über &#8220;Fred vom Jupiter&#8221; reden, aber Teipel verlässt sich darauf, dass jedem Zuschauer das Lied sofort präsent ist. Mag ja sein, dass die Verwertungsrechte immens teuer gewesen wären, aber dann hätte sich der Filmemacher einen anderen Weg suchen müssen.<br />
So wie die Ausrede, es gibt ohnehin kaum gefilmtes Material aus der Zeit, das er hätte verwenden können, nicht zieht. Denn er hätte das Wenige, was vorhanden ist, verwenden können. Und er hätte Blixa Bargeld, Gudrun Gut oder Andreas Dorau sicherlich problemlos nochmal zum Interview bitten können, um sie dabei zu filmen. Jürgen Engler wohnt in Austin, Texas, das mag komplizierter sein. Aber nicht unmöglich.<br />
Da bleibt wohl nur die Erkenntnis, dass es sich Teipel viel zu einfach gemacht hat. Tut euch also einen Gefallen und investiert euer Geld nicht in eine Karte, falls &#8220;Verschwende deine Jugend.doc&#8221; in einem Kino in eurer Nähe laufen sollte.<br />
Falls da allerdings gerade &#8220;The Devil And Daniel Johnston&#8221; zu sehen sein sollte, guckt euch lieber den Film an. Unbedingt. Natürlich hat dieser Dokumentarfilm über den manisch-depressiven Musiker weit bessere Voraussetzungen. Erst einmal ist Regisseur Jeff Feuerzeig ein professioneller Filmemacher, der zuvor auch schon eine Doku über Half Japanese gedreht hat.<br />
Zudem haben Daniel Johnston und seine Familie offenbar immer schon einen Hang gehabt, alles irgendwie aufzuzeichnen. Da gibt es etwa frühe, witzige Kurzfilme des High-School-Boys Daniel, der damit beweist, dass er nicht nur ein talentierter Musiker und Zeichner ist. Und selbst als Daniel Johnston das kleine zweisitzige Flugzeug seines Vaters zum Absturz gebracht hat (das kommt davon, wenn man beim Flug Comics über &#8220;Caspar The Ghost&#8221; liest, der einen Fallschirm besitzt), lässt es sich die Familie nicht nehmen, vor der Maschine, die in irgendwelchen Baumwipfeln hängt, zu posieren. As Sonic Youth mit ihm die Freiheitsstatue besuchen, malt Johnston seine typischen Zeichnungen an die Wände und wird prompt verhaftet. Auch das gibt es als Tonband-Dokument zu hören. Einen Film über den seltsam-verschrobenen Musiker und seine fragilen Lieder zu machen, erweist sich also als viel einfacher.<br />
Aber damit wäre nicht erklärt, warum &#8220;The Devil And&#8230;&#8221; ein toller Film ist: Jeff Feuerzeig zeigt etwa ein Interview mit Gibby Haynes von den Butthole Surfers und filmt ein Mann während einer Zahnbehandlung. Der Bohrer ist gerade abgesetzt, da erklärt Haynes, dass er Johnston niemals LSD gegeben habe. Durch Szenen wie diese wird aus einem interessanten Thema (das liegt &#8220;Verschwende deine Jugend.doc&#8221; schließlich auch zugrunde) ein toller Film. Ein Interview mit Feuerzeig folgt in einer späteren Ausgabe, und dann weiß ich hoffentlich auch, wann und wo der in Sundance ausgezeichnete Streifen in Deutschland zu sehen sein wird.</p>
<p>Dietmar</p>
<p>Außer Filmen hat mich das hier auch noch umgehauen:<br />
Red Sparowes &#8211; &#8220;At The Soundless Dawn&#8221; CD<br />
John Coltrane &#8211; &#8220;A Love Supreme&#8221; CD<br />
Angela McClusky &#8211; &#8220;The Way Things Are&#8221; CD<br />
Chris Abani &#8211; &#8220;GraceLand&#8221; (Buch)<br />
Sage Francis -&#8221;A Healthy Distrust&#8221; CD<br />
Girls Against Boys &#8211; live</p>
<p>Arbeitskreis Stimmung (Jan)</p>
<p>Erst viel später habe ich verstanden, daß einer der besten Songs von Bob Marley, „Trenchtown Rock“, mit der schönen Textzeile „One good thing about music when it hits you, you feel no pain“, doch wahr ist. Obwohl: einige Ereignisse im Zusammenhang mit „Musik hören und davon getroffen werden“ können vielleicht doch betroffen machen, zumindest leicht, und sei es auch nur deswegen, weil man aus manchen Situationen nicht unbedingt als aufgeklärtes Subjekt hervorgeht, daß nach alter Hardcore- Manier völlig rational die Lage checkt und handelt&#8230;<br />
„Na klar, wir können dich nach Leverkusen bringen, liegt ja auf unserem Weg nach Düsseldorf an der Ausfahrt und ist kein Problem“, meinten die Jungs von „The Used“ aus dem Sauerland, die mir damit einen großen Gefallen taten. Durch die Mitfahrgelegenheit in ihrem Bandbus sparte ich das Taxigeld, daß man normalerweise investieren muß, um die Konzerte von Punkbands in dem beschaulichem Konzertort „Megaphon“ im Bergischen Land zu besuchen. Noch zwei Bier in den Bus rein genommen und ein recht angeschlagener junger Mensch in allerbester Freitag-nachts- um-1:30-Stimmung freute sich schon auf einen gut gefüllten Kühlschrank, um nach einer kleiner Verköstigung nebst musikalischer Untermalung recht schnell einzuschlafen.<br />
Aber wie sagt es der Volksmund: Man hat´s nicht leicht, aber leicht hat´s einen.<br />
Auf der Autobahn kurz vor der Ausfahrt Leverkusen hieß es dann plötzlich „ach nee, wir können hier doch nicht rausfahren, wir müssen dem Bus der Düsseldorfer Hauptband hinterher fahren, weil wir bei denen pennen.“ Na ist doch kein Thema, ich hüpfe einfach hier unter der Autobahnbrücke raus, denn wenn ich mich nicht irre &#8211; und ich irre mich nie &#8211; , dann ist das hier der Leverkusener Südring über der Brücke, den ich einfach 10 Minuten ablaufen muß und dann zu Hause bin. Danke aber nochmals für das Mitnehmen, schönen Abend noch, tschööö. Ich sah den Bandbus abfahren und marschierte die Treppen der Autobahnbrücke hoch.<br />
Als ich mich ungefähr 3 Stunden später im Spiegel betrachtete, habe ich auch verstanden, warum mich die Mitarbeiter der Mc Donalds Filiale etwas seltsam, ich meine sogar fast belustigend, bei meiner „einen Cheeseburger und eine Cola“- Bestellung angegrinst haben. Wann sieht man schon mal einen jungen Menschen mit ziemlich vielen Blättern in den damals noch langen Dreadlocks ? Das alles kam daher, daß ich feststellten mußte, daß ich mich nicht auf dem Südring, sondern auf einer weiteren Autobahnbrücke befand. Genaugenommen auf dem Autobahndreieck A3 Autobahnkreuz Leverkusen, von dem aus das Leverkusener Fußballstadion ersehbar war. Hinter mir, vor mir und neben mir waren nur Autobahnspuren zu sehen. Der Weg ins sichere Leverkusen führte nur durch eine sehr dornige Hecke, die ich aber stagedive-gewohnt mich durchrollend ohne Probleme durchkämmte. Daher dann auch die Blätter in den Haaren.<br />
Die vorher noch erforderliche Überquerung der einspurigen Autobahn-Zufahrtsstraße erforderte allerdings einiges mehr von meinen Nerven, vor allen Dingen, als genau in dem Moment, wo ich drüber lief, ein Auto ebenfalls auf mich zukam. Der Rentner hinterm Lenker blickte mich entsetzt an. Eigentlich unverständlich für mich: noch nie einen Jugendlichen rasch über die Autobahnspur huschen sehen?<br />
Unverständlich in diesem Zusammenhang auch die sich einige Monate später, mitten im einer schönen Sommernacht, ereignete Geschichte von einem jungen Menschen, der sich auf dem Weg von der Kneipe mit alten Iron Maiden-Klassikern zum gemütlichen beisammen sitzen bei Freunden mit alten Hardcore-Klassikern an dem Nachtschalter der Tankstelle noch schnell Bier und Zigaretten kaufen will. Da die Bestellung wirklich ungelogen circa genau 104 Minuten braucht, kann man es im Nachhinein auch ziemlich genau nachvollziehen, daß, in Anbetracht der wirklich miserablen hygienischen Situation, wozu leider auch das Nichtvorhandensein einer entsprechenden Toilettenmöglichkeit gehört, es völlig einleuchtend ist, einfach das Bedürfnis nach eben solcher Bedürfnis sein und bestimmte Sachen einfach laufen zu lassen und dabei noch mit möglichst lässiger Miene die bestellten Sachen am Nachtschalter zahlen.<br />
Nachher kann ich mir ja immer noch einfach recht viel Bier über die Hose schütten und den Freunden, die einen ob der nun nassen aber eben noch trockenen Shorts, erstaunt mustern, irgendwas erzählen von wegen „ja ja, Rad fahren und Bier trinken, da geht immer was daneben&#8230;“.<br />
Avanti dilletanti!<br />
Jan</p>
<p>Sebastian</p>
<p>So ich sitz hier am Rechner und stopf ungesundes Futter in mich rein, während es draußen schneit, als läge Nürnberg kurz vorm Nordpol.<br />
Eigentlich der perfekte Zeitpunkt mit nem neuen Projekt anzufangen: ner eigenen Kolumne. Die Idee schlummert schon ne Weile in der Pipeline, ist aber eines ums andere Mal dem Endspurtstress vor Redaktionsschluss zum Opfergefallen. (irgendwann muss man ja den Mist, auf den man eigentlich keinen Bock hat mal besprechen.).<br />
Kurz zuvor hab ich über neuerschienene Platten sinniert, die zwar eigentlich nix neues sind, die man aber dann doch ganz gerne mal auflegt, schlicht und ergreifend weil sie einfach nicht ins aktuelle Trendschema passen. Da freu ich mich halt einfach mehr über ne 0815 Boston HC Scheibe, als die 876. Metalcore, den 648 HotHotHeat oder Blood Brothers-Aufguß oder kack Indierock, am besten mit deutschen Texten, damit man das Elend auch wirklich versteht.<br />
Apropos Metalcore: Mir ist vor kurzem mal wieder ne Scheibe von My Hero Died Today in die Finger gekommen. Gut, das ist nicht das, was aktuell unter Metalcore verstanden wird, aber nah dran. Das war ja schon recht cheffig, was die da zusammengezimmert haben. Und dann kommt irgendwann die E**-Welle, die Herren meinen auf einmal langweiligen Indierock spielen zu müssen und nehmen noch nen andere Hoffnungsträger (Sabeth) mit ins Grab. Man kann Jettison (um die geht´s grad) bestenfalls noch zugute halten, dass sie den Schritt recht früh vollzogen haben, als der Hype noch nicht absehbar war – mehr aber auch nicht.<br />
Na ja, jetzt haben sie – glaub ich – so nen Semi-Industriedeal, dafür interessiert sich niemand mehr so recht für sie. Dumm, dass jetzt der Metalcore gross ist – da würd ich mal sagen: Arschgefickt! *Break*<br />
Heut hat ja der Grosse Cowboy sein Stelldichein in Mainz geben. Ist es mir ja schon ein Rätsel, was er da will. Aber vielleicht wurde extra diese Stadt ausgesucht, damit der Schaden nicht so groß ist, falls doch jemand auf die Idee käme den Laden in die Luft jagen zu wollen.<br />
Aber eigentlich wollte ich mich ja über was anderes aufregen. Da will man beim Brunchen ein wenig fernsehen und fängt natürlich am Anfang an, sprich bei der ARD. Was sieht man, leere Strassen, Bilder von Bullen und so spannende Geschichten. Dazu ne Stimme aus dem Off, die einem erzählt, was man eh selber sieht, nämlich dass grad gähnende Langeweile herrscht – nur dass es natürlich mit viel mehr Worten geschieht, weil die Sendezeit ja irgendwie totgeschlagen werden muss. Also weiter zum ZDF. Da gibt´s die gleichen Bilder, dafür jedoch ne weibliche Stimme. Interessanter wird’s aber davon auch nicht. Irgendwann kommt man dann bei Phönix an&#8230; dort wird einfach der Käse der ARD gleich komplett parallel gesendet. Und so ging das scheinbar ne ganze Weile. Das Gute daran ist, dass ich wenigstens weiss wo die GEZ-Gebühren landen, die ich nicht zahle&#8230; *Break*<br />
So, ich hab grad eben die letzten Reviews eingehackt. Schon schlimm, womit so alles Ressourcen vergeudet werden&#8230; Ok, es ist ja noch nicht mal alles zum Kotzen – daraus ließe sich wenigstens was Unterhaltsames stricken. Schlimm ist das Mittelmaß, das seine Einfallslosigkeit nur allzu oft auf den Rezensenten überträgt. Aber ich denke, darüber lass ich mich ein andermal aus&#8230; (Über das Thema haben sich aber eigentlich eh schon genügend Leute ausgelassen – ohne Erfolg)<br />
Schöne Grüße, Sebastian</p>
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		<title>#112 / 06-05</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 15:03:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jörg</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	 DOLF
Die Welt wird zu 95% von völlig bescheurten Menschen bewohnt, das sah man wieder ganz deutlich als Millionen nach Rom fuhren weil der Past abgenippelt war. Traurig. Und damit mein ich nicht den Tod des alten Mannes!
Ich will heute auch gar nicht so viel schreiben, steht ja schon genug im Heft. Aber ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<span id="more-234"></span><strong> DOLF</strong></p>
<p>Die Welt wird zu 95% von völlig bescheurten Menschen bewohnt, das sah man wieder ganz deutlich als Millionen nach Rom fuhren weil der Past abgenippelt war. Traurig. Und damit mein ich nicht den Tod des alten Mannes!<br />
Ich will heute auch gar nicht so viel schreiben, steht ja schon genug im Heft. Aber ein paar Sachen wollte ich dann doch los werden&#8230;.<br />
Das weltweit in der ganzen Musikindustrie überall Leute entlassen wurden und werden sind ja alte Neuigkeiten.. Aber habt ihr mal dran gedacht was diese ganzen &#8220;ex-major label A&#038;R&#8221; Leute nun machen? Einige von denen werden sich selbstständig machen und versuchen &#8220;unabhängige&#8221; Labels zu gründen&#8230; wie die dann betrieben werden und was für Intuitionen dahinterstecken liegt ja wohl auf der Hand&#8230; passt auf!<br />
Da ja jetzt wieder die Zeit dieser unsäglichen Grossveranstaltungen beginnt, zu denen mir auch nichts neues mehr einfällt richte ich doch einen Apell an alle kleinen Veranstalter &#8220;Bitte nennt Konzerte wo viel zu viele Bands auftreten nicht Festivals!&#8221; Danke!<br />
Weil &#8220;die Linke&#8221; sich jahrzehntelang sträubte eine vernünftige Haltung zu einer objektiven &#8220;Ausländerkritik&#8221; einzunehmen ist dieses Thema jetzt komplett von &#8220;den Rechten&#8221; eingenommen. Schade ist das, für alle. Denkt mal drüber nach.</p>
<p><strong>STONE<br />
Der zärtliche Zyniker</strong></p>
<p>&#8220;VERZICHTEN&#8221; stand ein paar Monate in großen Pappmaché-Lettern auf dem Domshof. Ich wollte immer das &#8220;VER&#8221; umtreten, damit nur noch &#8220;ZICHTEN&#8221; dastünde. Ich mag den Verzicht nicht. Er verlangt, von einem Bedürfnis zurückzutreten, von dem ich mich gar nicht, auch nicht aus Vernunft, distanziert habe. Gleichwohl verzichte ich, eher öfter als nur oft genug. Aus aufgeherrschter Notwendigkeit. Deswegen ärgere ich mich, wenn die Rede vom Konsumverzicht ist, gar von Konsumterror. Wo bleibt er nur? Wenn es da einen Terror gibt, ist es doch vielmehr einer der Beschränkung. Überhaupt muss man es erstmal hinkriegen, den Konsum, der hier gemeint ist, dingfest zu machen. Eigentlich ist Konsum doch nichts weiter als Verbrauch. Ich konsumiere Wasser, Brot, Wein, Pasta, Strom und ein paar Dinge mehr. Aber der Konsumkritiker meint dies nur zum Teil, denn er kennt zwei Sorten von Konsum. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse, die sich wiederum nur sehr willkürlich von anderen Bedürfnissen trennen lassen. Denn weniger geht immer. Wo fingen hörten also dir Grundbedürfnisse auf? Zweitens den Konsum in seinem Sinne, den wir auch &#8211; er ist ebenso willkürlich definiert, denn er beginnt da, wo die Grundversorgung jeweils aufhört &#8211; Luxus nennen dürfen. Am besten gleich &#8220;überflüssigen Luxus&#8221;, weil es so schön pleonastisch ist. Wie ein weißer Schimmel. Wie Gewaltherrschaft.<br />
Was dem einen, was dem anderen zugezählt wird, folgt keiner sachlichen, dem Konsum eignenden Logik, sondern verdankt sich dem Interesse, den eigenen Konsum als mustergültig darzustellen und das darüberhinaus gehende als unnötig zu schmähen. Sonst könnte man auch kaum von Konsumverzicht als Konzept sprechen. Ist doch mein täglicher Konsum der in Warenform auftretenden Gebrauchsgüter von Verzicht gekennzeichnet, weil er durch das zu allem Überfluss auch noch recht schmalen Geld begrenzt ist, das ich für meine Arbeit bekomme. Von zwei Seiten wird nun mein Konsum kritisiert. In der Zeitung steht, ich konsumierte zu wenig und müsse meinen Konsum steigern, für die Volkswirtschaft und also das Allgemeinwohl. Von der anderen Seite sagt man mir, ich möge ihn reduzieren, weil er Schaden anrichte und der Kapitalismus durch ihn erst möglich werde. So oder so behauptet beides, nicht nur die Unternehmen, sondern das ganze System seien abhängig von meinem Geld. Wenn einer nichts mehr verkauft, geht er pleite, das stimmt schon.<br />
Aber müsste ich dann nicht gleich ganz verzichten? Auf alles? Sonst machten ja immer noch die Wohnungsbesitzer, die Banken, die Bäcker, die Stadtwerke, die Straßenbahn (mein Konsumverzicht erstreckt sich schon bis auf das Auto), die Winzer und Brauer und Kollegen ihr Geschäft. Ich muss deren Waren weiter konsumieren, sonst verrecke ich. Ich kann ja nicht mal selbstversorgend aufs Land ziehen. Auch dafür bräuchte ich Geld. Die Produktion läuft weiter. Ihre Herstellung impliziert Schaden an den Menschen und der Umwelt als ihrer Existenzgrundlage. Aber wer hat den Schaden immer, wenn er und sie verzichtet? Der und die Verzichtende. Auch über Verzicht führt er kein venünftiges Wirtschaften herbei. Die Schäden bleiben. Wollte man sich aber an der Wirtschaftsweise zu schaffen machen, läge man sofort über Kreuz mit der freiheitlichen Grundordnung, die es jedem nach seinen Mitteln gestattet, sich als freier Konkurrent aufzuführen. Ein Konsumverzicht ändert daran nichts. Bei einem sich andeutenden Zusammenbruch der Wirtschaft käme das Gewaltmonopol in Form seiner Vetreter auf ganz andere Ideen, als den Werktätigen die Produktionsmittel zu überlassen.<br />
Würde wenigstens der Kapitalismus ein &#8220;besserer&#8221;, wenn die Menschheit nicht mehr &#8220;konsumiert&#8221;? Dann wäre er gerade jetzt (spätestens nämlich seit Hartz IV) auf dem besten Wege. Armut in der dritten Welt, Kriege für Öl (und wenn, dann bestimmt nicht für eure Autos), Umweltverschmutzung, GAUe, das Ozonloch (weil ihr euch ja verdammt nochmal immer den Iro richten müsst!)&#8230; Als würden die hergestellten Güter bei Nichtverkauf in arme Länder verschenkt, anstatt vernichtet zu werden. Und wenn sie gar nicht mehr hergestellt würden, weil ihre Produktion sich für den Besitzer der Produktionsmittel nicht mehr lohnte, gäbe es sie gar nicht. Natürlich fallen Konsumkritikern auch immer ein paar Produkte ein, ohne die man gut und gern auskommen kann. Panzer gehören übrigens nicht dazu. Die werden genauso wenig deshalb gebaut, um der vermeintlichen Konsumsucht der Insassen von Industriestaaten die Ressourcen zu sichern, die ihren angeblich hemmungslosen Konsumdrang ermöglichen, wie Kriege geführt werden, damit freie Bürger zu ihrem Privatvergnügen über Autobahnen fahren können.<br />
Die Dinge, die angeführt werden, sind Tand, wie es ihn vielleicht wirklich nur im Kapitalismus gibt. Und die Glühbirne, die nicht nach ein paar Monaten durchbrennt, wird vor allem deswegen nicht gebaut, weil sonst ein Geschäft damit schwerlich zu machen wäre. Aber das meiste trifft auf einen Bedarf, und wenn es einer der Reproduktion ist. Weil man sich nach der Arbeit, auf die man angewiesen ist, ablenken möchte. Wer drinsteckt in der Mühle, wird sich nur bei Gefahr des Durchdrehens zu Hause auf den Boden setzen und darüber nachdenken wollen, was ihn so umgibt und er und sie den ganzen Tag getrieben hat, weil er auf TV, Kino, Alkohol oder was es sonst noch gibt, verzichtet. Die Rückkehr zu einem einfacheren Leben, wo man sich selbst die Beeren von den Sträuchern pflückt, das Holz für das Feuer hackt (denkt mal an die Bäume!), sich winters Socken strickt (die armen Schafe!), im kleinen Garten Kräuter anbaut und sich ohne Fernseher einen glücklichen Menschen preist, weil man Unterhaltung nicht konsumiert sondern selbst besorgt, wäre also ein Fortschritt? Doch wieder den ganzen Tag buckeln, um über die Runden zu kommen und schließlich jung zu sterben? Und die Umwelt &#8211; die wird auch dann noch aus dem Gleichgewicht geraten, das ohnehin reine Ideologie ist. Wann soll es das gegeben haben? Vor dem ersten Lagerfeuer?<br />
Als praktische Kapitalismuskritik taugt das alles nicht. Sich selbst die eigene Armut schönzureden, funktioniert hingegen mit einer Konsumkritik ganz hervorragend. Man will es gar nicht, was die anderen (die schon wieder&#8230;) da kritiklos hamstern und herunterwürgen. Das (und wenig mehr) hebt einen hervor aus der Masse geldgeiler Konsumenten. Oder es kommt gleich ganz hart als elitärer Standpunkt von Menschen, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht von eigener Lohnarbeit ernähren müssen (bei manchen legt sich das, sobald die Apanage von Vati ausbleibt). Denen sind vor allem die ein Gräuel, die sich keineswegs aussuchen können, ob sie arbeiten, denen ein Strick daraus zu drehen ist, dass sie eben arbeiten und das bisschen Geld dann unverschämterweise auch noch ausgeben. Primitive Menschen also, mit denen man sich keinesfalls auf eine Stufe begeben möchte. Hier trifft man sich ohne es zu wollen mit den anderen Verzichtsmoralisten und will doch nichts mit ihnen zu tun haben, weil die es nicht freiwillig tun. Wie gesagt hat beides mit einer vernünftigen Kritik am Kapitalismus, mit dem ernsthaften Interesse, sich mit Wesen und Wirken dieser Wirtschaftsform und der dazugehörigen Herrschaft zu tun. Wer sich damit beschäftigen möchte, findet ab und an auch in diesem Heft ein paar Hinweise und Orientierungshilfen. Auf Verzichtsmoral hingegen verzichte ich wirklich gern. Aus ganz vernünftigen Gründen.<br />
Und sonst? Es war Himmelfahrt. Ich habe Jesu gesehen. Ein schönes Konzert.<br />
stone</p>
<p><strong>DANIEL</strong><br />
Ich will doch gar kein Interview mehr mit denen führen. Das haben wir schon alles gehabt, es war von mäßigster Qualität und außerdem ist bei einem wiederholten solchen Unterfangen völlig unklar, ob meine Begeisterung für die Musik dieser Band auch zu Euch transferierbar ist. Was tun, wenn die müde und gelangweilt von der letzten Platte, die ihre beste sei, und der aufregenden Zusammenarbeit mit dem Produzenten, na gut, in diesem Falle ist ihr Sänger der Produzent, diese Antwort wäre uns also allen erspart geblieben, berichtet? Vom Trust würdet ihr unter Umständen etwas bohrender Fragen nach Lieblingscocktails erwarten, vielleicht auch ein Ergründen der Zusammenhänge, warum bei dieser Band einfach alle Plattencover, alle Singlerückseiten, alle nicht vorhandenen Beipackzettel häßlich sind. Oder geheime Rezepte erfahren, wie man weit mehr als ein Jahrzehnt zusammenbleiben kann, Musik lebt und dabei auch noch gut ist. Vielleicht auch etwas über Grassroots Politik im Staate des Gouvernators erfahren oder die genaueren Details des Songs ‚California Lights’, von dem mir nur bekannt ist, daß er von einem Loch im Zaun zwischen den USA und Mexiko handelt, der von braven Bürgern entdeckt bis zum Eintreffen der Grenzpatrouillen von ersteren mit den Scheinwerfern ihrer Autos bewacht wurde. Fürwahr, kein schlechter Songtitel.<br />
Aber eigentlich will ich doch nur das Gefühl mit Euch teilen, wie es ist, wenn ich fröhlich glücklich betrunken im ersten Stock meiner Stammkneipe stehe, um aus den Boxen die heisere Stimme von Speedo donnern zu lassen, wenn er nach dem letzten Refrain lakonisch ‚live from camp x-ray’ auf dem ersten Stück der gleichnamigen Rocket from the Crypt LP, die vor zwei oder drei Jahren herauskam, ins Mikro schneidet. Mann, ich bin zwar nicht mehr so jung, aber immer noch beknackt genug, aus lauter Ergriffenheit bei so einer wundervollen Platte feuchte Augen zu bekommen (dazu bedarf es selbstredend eines gewissen Quantums Bier) und das Lied danach gerade noch einmal zu hören. Danach würde am ehesten der wundervolle Track auf den RFTC split 7“ mit den GetUpKids passen…, der mit der Zeile ‚we have been here forever’ beginnt &#8212;-<br />
Und dabei hat die Band schon so Großes gemacht, strafte alle nörgelnden quengelnden AJZ Puristen Lügen, als sie ihre stärkste Aufnahme auf einem Major Label herausbrachten, nur um nach zwei schwachen Werken jetzt auf einem mittelgroßen Label (Vagrant) zu veröffentlichen. Also keine Opfer sabbliger Industrieschmocks! Großes weiß auch ihr Umfeld zu produzieren, die neue Sultans CD – ich persönlich möchte auf eine LP hoffen – schlägt im Moment gnadenlos alles, so man sich denn damit abfinden kann, daß hier nichts anderes geliefert wird als Rockmusik mit großer Partytauglichkeit, die es vielleicht sogar schafft, eine größere Nachhaltigkeit zu erzielen als ach so komplexe Soundstrukturen auf ach so wichtigen Labels. Letztere schaffen eine Verweildauer von einem Monat bei Dir, vielleicht zwei Monaten bei einem durchgeknallten Fanzine-Schreibern und danach eine Alterungsperiode in einem Plattenschrank, die eines Grand Cru Classé erster Kategorie würdig wäre. So gesehen ist der alte Schlachtruf nach tatsächlicher Ernsthaftigkeit, Kompromißlosigkeit und Ausdauer hier eher erfüllt als bei denen, die uns auf emotionale Tiefe oder kluge Gesellschaftskritik in ihren Texten hinweisen, das Licht des nächsten Jahres aber nicht mehr sehen werden.<br />
Über die Nachhaltigkeit einer Platte über den Augenblick hinaus – also weg vom ‚Hit’-Aspekt, wie ihn auch Media Control nicht besser definieren kann – da will ich doch hin. Welche drei Platten werden denn noch in zehn Jahren Bestand bei mir haben, oder auch bei anderen, wenn man denn so fragt? Ist das wichtig? Ja, für mich schon, denn ich erfreue mich an anhaltenden Dingen mehr als an schnell vergangenen, so man denn einen Drink an der Bar außen vorläßt. Eine Aufnahme, die sich einfach weigert, je von meinem Plattenteller verschwinden zu wollen. Der Beweis für mich, nicht immer nur in einer Hitparaden-ähnlichen Kategorie (Hit &#8211; kein Hit) zu denken. Das ist förderlich, wenn man hier oder da mal Platten auflegt, aber ob das jetzt Destiny’s Child oder Leftover Cräck sind macht bei dieser Problematik gar keinen Unterschied mehr: Beide haben Hits.<br />
Der Satz für meinen Herausgeber:<br />
Muß natürlich denjenigen, die vorgeben, ohne Message keine positive Rezeption von Musik erfahren zu können, beipflichten, daß es schöner wäre, wenn die inhaltliche Brillanz mit großer Musik verbunden werden kann. Dies klappt leider eigentlich nie, obwohl die neue Favez LP … auch so ne Band, wo ich richtig schwach werden kann.<br />
Rocket from the crypt stehen da völlig abseits, verleugneten zu jedem Zeitpunk lyrischen Anspruch (ganz nach dem Talking Heads Slogan, daß Gesang vor allem dazu diene, Leute länger an Musik zu binden, als es im Instrumental möglich wäre) und dennoch wären sie auf der Party, die ich nach dem Lottogewinn werfen werde, der Headliner- echt Jungs, ihr würdet nach Frankfurt fliegen und erst einmal drei Tage ausschlafen und nach der Party dürft ihr auch noch ne Woche oder so hier Urlaub machen, ich versprech’s.<br />
Hoffnungslos verfallen: Daniel</p>
<p><strong><br />
JAN</p>
<p>Reisefieber</strong><br />
Bei vielen Sachen muß man sich echt fragen „warum?“ und „brauche ich das?“. Bei dem Interview mit dem Ex-Ehemann von Nadja Auerman aus einer Februar-Ausgabe der Bild am Sonntag bleiben allerdings keine Fragen offen:<br />
„Woran ist Ihre Ehe gescheitert?<br />
Da spielen sicherlich viele Faktoren eine Rolle. Man kann sich verschiedene Theorien zurechtlegen.<br />
Welche trifft in ihrem Fall zu?<br />
Wahrscheinlich kann man das ohne weiteres gar nicht sagen.<br />
Sprechen wir also über den Zeitpunkt, an dem Sie gemerkt haben, daß diese Beziehung nicht mehr funktioniert.<br />
Das ist schwer zu sagen. Das kann ich zeitlich gar nicht fest machen.<br />
Hat sich einfach zu ergeben?<br />
Wahrscheinlich war es so.<br />
Wieder reif für eine neue Beziehung?<br />
Ich kann es nicht sagen, ich weiß es auch nicht.“<br />
Ich kann es sagen, denn ich weiß, daß der erotischste Mann im Independentbereich Evan Dando ist. Und das die sieben schlechtesten Kolumnennamen „Das wäre auch zu einfach“, „A cheap holiday in other people´s misery“, „Infantile Regression“,<br />
„Oi oi oi und Appelwoi“, „Wurst- Case- Szenario“, „Tä tä! Tä tä! Tä tä!“ und „Lassen Sie mich, Arzt, ich bin durch“sind.<br />
Nach dem ich mich einen ganzen Samstag Nachmittag über die bescheuerte Vegan Straight Edge Kolumne von Mack Evasion im Heartattack Fanzine # 44 aufgeregt habe, las ich im Maximum Rock´n´Roll ein wirklich gutes Statement zum Thema Edger: „The goal is not to have a clear mind, the main idea should be a clear mind to achieve a goal.“ Genau darum geht es. Und wie in so vielen anderen Bereichen ist es auch beim Straight Edge so, daß sich Mittel und Ziele in einer sehr ungünstigen Art und Weise vertauscht haben. War am Anfang der Bewegung das Ziel, wieder Sachen zu machen, also Konzerte in DIY Tradition, eigenes Label etc., und dafür sich fit zu halten, wurde es dann ein Selbstzweck, drogenfrei zu sein. Wozu? Darum.<br />
Dieses Phänomen taucht in so vielen Bereichen auf: geht es den heutigen Punkbands darum, kreative Musik mit Aussage zu machen oder geht es um die Kohle? Geht es bei einem Fanzine machen um die Aussage oder geht es um eine Heftpublikation, wo die vielen Artikel zwischen den Anzeigen nur stören? Geht es um eigene Meinung, einen Standpunkt, oder um die Anzeigenkunden-Beruhigungsstrategie durch gute Punktzahlvergabe?<br />
Geht es bei politikwissenschaftlichen Statistiken darum, damit etwas zu beweisen oder geht es darum, eine Statistik zu erstellen? Geht es darum, alles zu machen, was technisch möglich ist oder sollte es nicht darum gehen, dass zu machen, was sinnvoll, was zu gebrauchen ist?<br />
Als Erklärungsversuch für „immer diese Widersprüche“ finde ich den Ansatz aus der Kritik der Politischen Ökonomie überzeugend: Geld wird getauscht gegen Waren, um mehr Geld als am Anfang zu haben. Sinn Fragezeichen.<br />
Diese Verdrehung von Mitteln und Zweck, also die Verselbstständigung des Mittels zum Zweck, hängt damit zusammen, daß das marktwirtschaftliche System auf einem verkehrten Grundmechanismus basiert. Produkte werden in erster Linie nicht dafür hergestellt, damit sie für die Menschen etwas bringen, das sie zu irgendwas nützlich und zu gebrauchen sind. Produkte werden in erster Linie hergestellt, damit man damit Profit machen kann, erst in zweiter Linie ist es wichtig, daß man diese Produkte auch noch für irgendwas verwenden kann.<br />
Ebenfalls überzeugend der Ansatz von George Best, der englischen Kickerlegende, dessen Sohn der Lover der Tochter von Mick Jaggers (wichtige Nebeninformation Nummer 1) ist: „Ich habe die Häflte meines Geldes für Frauen und Alkohol ausgegeben, den Rest habe ich sinnlos verprasst.“<br />
Mit das Schönste beim Musikhören finde ich die Erinnerung daran, wann man die Band und deren Songs zum ersten Mal gehört hat. Lustigerweise treten dann immer die gleichen Bilder aus vergangenen Zeiten auf. Meine beinahe schönste Verknüpfung von Musik und der Situation, in der ich damals war, als ich die Musik zum ersten Mal bewußt gehört habe, sind die Songs von den ersten zwei Green Day Platten. Bei „I was there“ oder „At the liberay“ freue ich mich immer: 1995 habe ich im Sommer mit Freunden auf einer grünen Wiese hier im Bergischen Land zum ersten (und letzten) Mal Baseball gespielt. Nachher haben wir Musik gehört und eine sehr hübsche und intelligente Frau, die unglücklicherweise nicht das gleiche für mich empfunden hatte, legte die Songs auf, die seitdem für mich untrennbar mit den Assoziationen Sommer, Baseball, dieser Frau und 17 sein verbunden sind. Fast schon „Stand by me“-esk, was übrigens ein wunderschöner Film ist. Als ich den zum ersten Mal vor zwei Jahren gesehen habe, habe ich dann doch das ein oder andere Tränchen verdrückt. Zum Glück gibt es dann doch wieder Songs, die einen so richtig motivieren können, denn wie die Superband Stefanie Hertel mit ihrem Bläser Stefan Mross schon gesungen haben: „Über jedes Bacherl geht a Brückerl.“ On with the bodycount, würde Ice-T völlig zu Recht sagen.<br />
Kommt alle zum Konzertwochenende am 7.10. und 8.10., wo es ein Trusttreffen und nette Konzerte, u.a. im AJZ Bahndamm Wermelskirchen, geben wird. Das war die wichtige Nebeninformation Nummer 2.<br />
Ich wünsche euch allen ein schönes Leben.<br />
Lieben Gruß<br />
Jan</p>
<p><strong>SEBASTIAN<br />
Is dat denn noch Punk?!?!</strong><br />
So, da soll noch mal wer sagen, dass man nicht´s lernt, wenn man brav seine Nachrichten schaut oder seine Zeitung liest. Immerhin konnte ich erfahren, dass es beim Kapitalismus im allgemeinen und in der Wirtschaft im besonderen, nur darum geht, Geld zu scheffeln. Ich muss gestehen, so ein wenig war ich ob dieser Erkenntnis schon überrascht. Aber wie sagt meine Oma immer: Man lernt nie aus (nicht, dass ich sie das schon mal hätte sagen hören, aber egal).<br />
Bleiben wir in der wunderbaren Welt der Politik: Vor ein paar Wochen fand im Nürnberger K4 das 2. Beat.Em.Down Festival statt, ausgewiesenermassen ein Anti Fascist Rock Action Festival. Über 800 zahlende waren am Ende da und haben antifaschistische Rock-Action gemacht (zum Beispiel „besoffen in der Ecke liegen“). Aber bei Bands wie Popperklopper fällt es natürlich leicht „voll boliddisch“ zu sein und zusammen mit Los Fastidios dem Kapital den Kampf anzusagen. Obwohl, was so ein echter Klassenkämpfer ist, der ist ja gar nicht reingegangen, weil 15,- EUR an der Abendkasse natürlich voll die kapitalistische Abzocke ist – klar! Wobei ja diese Kollegen selbst bei 3,- EUR Konzerten noch umsonst rein wollen. Der Abschuss, war aber der Typ, der sich an nem Buttonstand beschwert hat, dass die Dinger 75 Cent kosten würden. Schließlich wüsste er ja, dass die Material kosten nur bei 25 Cent liegen würden und es schon ne Sauerei ist, dass der Verkäufer volle 50 Cent einsteckt! Immerhin bringt uns dies die Erkenntnis, dass Deppen durchaus in der Lage sind zu rechnen. Die Vermutung, ob diese Fertigkeit beim Kohleschnorren am HBF erworben wurde lass ich mal in den Raum gestellt darum geht´s auch gar nicht.<br />
Aber um mal die Ehre unserer bunthaarigen Freunde zu verteidigen (ich will die ja gar nicht pauschal abwatschen): das ist ja weder eine Iro-spezifische Erscheinung, noch eine neue. Alles soll am besten nix Kosten, aber man will optimal versorgt sein. Egal, ob´s jetzt Konzerte sind (von denen es nie genug und schon gar keine guten gibt, außerdem sind die alle völlig überteuert), der Lebensmittelladen (lieber beim Discounter ekliges Billigfutter) nebenan oder irgendwelche Fachgeschäfte (Beratung ja, aber gekauft wird bei Ebay oder online – ist ja billiger).<br />
Klar hau ich auch nicht die Kohle auf den Kopf wie´n Doofer. Und ja, ich schau auch, dass ich die Dinge zu nem vernünftigen Preis bekomme. Und noch mal ja, auch ich bin ein Konsument und konsumiere fast den lieben langen Tag. Geht ja fast nicht anders. Klar kann man in ner Höhle wohnen und selber angebaute Wurzeln futtern – Spass macht das aber nicht!<br />
Aber vielleicht wäre es nicht verkehrt, ein wenig darüber nachzudenken, was man konsumiert – und warum. So, das war jetzt das Wort zum Sonntag, aber falls Ihr es noch nicht bemerkt haben solltet: der HC/Punk kann manchmal ein ganz schöner Predigerverein sein&#8230;<br />
Liebe Grüsse,<br />
Sebastian<br />
PS.: Ach ja, eines ist mir beim Beat.Em.Down auch noch aufgefallen: diese Punkers kranken bisweilen an einem argen Humordefizit.<br />
Meine Wunschliste:<br />
- V/A – Welcome To Venice LP<br />
- Botch – American Nervoso LP<br />
Falls die bei jemandem rumstehen und verstauben, bitte eine kurze Mail an Sebastian@trust-zine.de</p>
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		<title>#115 / 12-05</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 15:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jörg</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF
Erinnert sich noch jemand daran das ich ich im letzten Monat noch auf den &#8220;Abschluss&#8221; wartete? Deshalb also hier jetzt die Geschichte, die beinahe schon in der letzten Ausgabe erschienen wäre. Dann wäre sie auch noch &#8220;topaktuell&#8221; gewesen &#8211; nicht das dies in dem Fall hier von Wichtigkeit wäre &#8211; denn just die Woche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<span id="more-235"></span>DOLF</p>
<p>Erinnert sich noch jemand daran das ich ich im letzten Monat noch auf den &#8220;Abschluss&#8221; wartete? Deshalb also hier jetzt die Geschichte, die beinahe schon in der letzten Ausgabe erschienen wäre. Dann wäre sie auch noch &#8220;topaktuell&#8221; gewesen &#8211; nicht das dies in dem Fall hier von Wichtigkeit wäre &#8211; denn just die Woche vor Erscheinen von TRUST 114 hat in Hannover eine Zweigstelle von &#8220;Dignitas&#8221; eröffnet, an dem Montag war ich auf dem Weg nach Augsburg, da am Dienstag die Beisetzung meiner Mutter stattfand. Somit ging die erste deutsche Pressewelle an mir vorbei, bzw. konnte ich die größtenteils gequirlte Scheisse dann einen Tag später nachlesen. Für die Leute die sowas nicht mitbekommen: &#8220;Dignitas&#8221; ist eine Sterbehilfe-Organisation aus der Schweiz. Dort ist die passive Beihilfe zum Sterben in bestimmten Fällen legal. Hier in Deutschland ist das Thema leider völlig tabuisiert und natürlich ist Sterbehilfe auch nicht erlaubt. Es ist zwar erlaubt sich umzubringen, aber wenn man dabei erwischt wird, kommt man in die Psychatrie. Ebenso ist es nicht illegal jemand beim Suizid &#8220;zu helfen&#8221; (natürlich nicht aktiv!) &#8211; dabei macht man sich aber dennoch schuldig, da es unterlassene Hilfeleistung ist und somit ist man doch wieder schuldig. Faktisch ist es nicht legal, auch wenn die § einem vorgaukeln wollen das es das schon sein könnte. Selbstmord ist ein ernstes Thema, weil es eine entgültige Entscheidung ist &#8211; muss also wohl überlegt sein. Das es erstmal wichtig ist den Leuten, deren Gründe nicht wirklich gut sind, zu helfen ihren Plan wieder zu verwerfen ist ja wohl hoffentlich klar. Darum geht es bei dem Thema auch nicht. Es geht um menschenwürdiges Sterben, bzw. um menschenunwürdiges Leben. Jetzt fragt man sich &#8220;wer&#8221; das denn entscheiden soll. Das kann immer nur jedes Individium für sich selbst entscheiden und es darf nie von Leuten über andere entschieden werden (das hatte dieses Land ja schonmal). Normalerweise sagen ja die meisten normal denkenden Menschen &#8220;Klar, wenn jemand nicht mehr leben will und gute Gründe hat, dann soll er sich eben umbringen&#8221;. Das ist die Theorie. Die Praxis ist wenn deine Mutter dich anruft und sagt das sie sterben will. Als sich meine Anfang des Jahres telefonisch mit ihrem Anliegen bei mir meldete, dachte ich mir &#8220;ja, ja abwarten&#8221;, mit der Zeit wurde mir aber klar das es ihr ernst war. Todernst. Nachdem ich sie nochmal besucht hatte und einige Gespräche führte (im Vorfeld hatte ich schon mit vielen guten Freunden über das Thema gesprochen, die mich nach bestem Wissen und Gewissen unterstützten &#8211; oft war da aber &#8220;nicht viel&#8221;, weil niemand mit der Thematik Erfahrung hat) wurde mir klar, es ist ihr Wunsch das ich sie nach Zürich bringe damit sie sich dort unter der Aufsicht von &#8220;Dignitas&#8221; selbst töten kann. Schluck. Ich soll meine Mutter nach Zürich bringen und dann zusehen wie sie ein Glas mit Natrium-Pentobarbital trinkt und kurz darauf stirbt? Ja. Das war ihr Wunsch. Meine Mutter war ja nur 26 Jahre älter als ich, also noch nicht wirklich &#8220;alt&#8221;. Leider war sie aber an Rollstuhl gefesselt, also konnte sie den Weg nach Zürich nicht allein gehen&#8230; soll man seiner Mutter einen der letzten Wünsche aussschlagen? Natürlich nicht. Vor allem dann nicht, wenn man davon überzeugt ist das sie für sich die richtige Entscheidung getroffen hat, auch wenn es noch so traurig ist. Die Realität ist eben oft traurig und soll man von einem Menschen verlangen, nur damit es &#8220;für die anderen&#8221; nicht so traurig ist, weiterzuleben? Nein. Leben erhalten um jeden Preis ist eine überholte Einstellung, eben nicht um jeden Preis, wenn der Patient nicht mehr will, dann muss er das Recht haben und ebenso wie andere nicht entscheiden können wer wann stirbt kann in so einem Fall kein anderer Entscheiden das es weitergehen soll. In der Schweiz gibt es ja schon seit 40 Jahen Exit, das ist auch eine Sterbehilfeorganisation mit vielen 10.000 Mitgliedern, allerdings alles Schweizer, da sich Exit drauf beschränkt die Sterbehilfe nur Schweizern anzubieten. Was also tun, wenn man sich töten will, aber zum einen vielleicht keinen Internetanschluss hat um sich über die neuesten und sichersten Methoden zu informieren (so wie es wohl bei vielen alten Leuten der Fall ist) oder aber einfach Angst davor hat, weil es schief gehen kann. Man glaubt ja gar nicht wie viele Selbstmorde nicht klappen und die Leute dannach unter den Folgen noch mehr zu leiden haben. Und vor den Zug werfen ist auch asozial, zum einen sind mit dieser zwar ziemlich sicheren Methode schon einige Lokführer frühzeitig pensioniert worden, weil sie ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten, zum anderen ist es auch nicht besonders schön für die Leute die den Kram dannach einsammeln müssen und sauber machen. Glaubt mir, ich hab das schonmal gesehen. Aber hier geht es gar nicht darum wie man sich tötet, sondern vielmehr darum das man eigentlich keine vernünftige Möglichkeit hat, sein Leben selbst, sicher und schmerzfrei zu beenden. Dafür gibt es &#8220;Dignitas&#8221;, auch in der Schweiz und noch keine zehn Jahre lang. Die bieten die Sterbehilfe auch für Nicht-Schweizer an. Super Sache. Kostet eine Stange Geld, aber dafür übernehmen die auch die ganzen Formalitäten bis zur Urnenüberführung. In der Schweiz waren die schon immer umstritten, Stichwort: &#8220;Sterbetourismus&#8221; Soweit so gut. Die letzten Tage mit meiner Mutter waren komisch und schön, eine krude Mischung. Mein Bruder war auch angereist, da sie auch ihn darum gebeten hatte. Da es nur ein paar hundert Meter vom Hotel in die Gertrudstraße waren konnten wir kurz vor dem Termin los. Ein ziemlich abgeschrabbeltes, unansehliches Haus, aber immerhin eine Sterbebegleiterin die einen kompetenten Eindruck machte. Nochmalige Aufklärung meiner Mutter über ihr Vorhaben, noch ein paar Unterschriften. Eine gute Stunde später trank sie den Giftbecher &#8211; natürlich selbst. Noch ein kurzer Impuls aus dem Gehirn, vermutlich aus dem Sprachzentrum. Dann legte sie sich ruhig hin, hustete noch ein paarmal, schloss irgendwann die Augen, die Atmung wurde flacher und nach ca. 5 Minuten war sie tot. Mein Bruder und ich saßen sprachlos daneben. Aber was soll man auch schon sagen, es wahr ihr Wunsch. Dann kamen nacheinander Polizei, Staatanwaltschaft, Gerichtsmediziner und abschließend die Totengräber. Den Rest des Tages verbrachte ich mit alten Freunden aus Zürich, für deren Unterstützung ich mich auch nochmal bedanken will. Das war der eine Teil der Geschichte, eine Erfahrung wie man sie nirgendwo sonst machen kann, das wünsche ich auch niemanden, letztendlich bin ich aber irgendwie gestärkt aus der Sache rausgekommen und auch klar. Hilfreich dabei war sicherlich das Verhältnis zu meiner Mutter, welches gut aber nicht innig war. Was ich aber noch berichten wollte war was ganz anderes&#8230;. denn im Nachhinein erfuhr ich aus gut unterrichteter Quelle so einige Unzulänglichkeiten, die ich euch nicht vorenthalten will. Denn es ist eben leider so, das man &#8220;Dignitas&#8221; nicht uneingeschränkt empfehlen kann. Das geht damit los, was für Leute da teilweise arbeiten. So wurden wir von einem Arzt durch die Gegend gefahren, der seine Zulassung verloren hatte &#8211; er ist Päderast. Das Haus in der Getrudstrasse wird praktisch nur von Prostituierten und Junkies bewohnt (weil ja niemand eine Nachbarschaft haben will wo ständig der Totengräber kommt), was mich jetzt so nicht störte, aber doch ein wenig unglücklich gelöst ist. Dann hörte ich von Sterbegeleitern die mit Bierfahne auflaufen, oder, noch besser, dem Toten dann Morphium aus dem Gepäck klauen, weil sie selber ein Drogenproblem haben. Ganz schrecklich die Geschichte eines Begleiters der es wohl eilig hatte und nicht lange genug wartete bis der Tod eingetreten war&#8230; und das entscheidende Telefonat ein paar Minuten zu früh führte. Dummerweise waren Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin zufällig direkt ums Eck, stellten noch fest das die Patientin lebte und ab mit ihr ins Krankenhaus, wo sie noch 3 Wochen im Koma lag. Oder administrative &#8220;Fehler&#8221; wie sie überall tagtäglich vorkommen aber eben hingenommen werden. Wenn z.b. der Name des Toten nicht mit dem Etikett auf der Giftflasche übereinstimmt, oder ein ganz anderer Name auf dem Rezept steht. Zu all dem kommt dann noch, das die Preise letztendlich überteuert sind und sich der &#8220;Dignitas&#8221; Generalsekretär Ludwig Minelli immer wieder Vorwürfen ausgesetzt sieht, sich an der Geschichte zu bereichern. Letztendlich ist mir das egal. Aber es geht natürlich nicht. Es ist hier wie &#8220;überall&#8221; sobald Geld ins Spiel kommt, ist es vorbei mit der ansich guten Idee&#8230; in diesem Fall der Sterbehilfe. Denn dann haben die beteiligten Menschen einfach nicht mehr in erster Linie im Kopf das es darum geht, schwerkranken Menschen die nicht mehr weiter leiden wollen, zu helfen. Sondern es geht eben ums Geldverdienen.<br />
In letzter Zeit häufen sich auch die Vorwürfe Richtung &#8220;Dignitas&#8221; das sie zu leicht &#8220;grünes Licht&#8221; (also das ja zum begleiteten Suizid) geben, bzw. dieses auch bei psychisch Kranken tun&#8230;. das ist nochmal ein ganz anderes Thema, aber ähnlich brisant.<br />
Alles in allem kann man sagen das offensichtlich bei &#8220;Dignitas&#8221; nicht ganz sauber gearbeitet wird, wie man ja auch schon verschiedenen Medien entnehmen konnte&#8230; haltet die Augen offen, da passiert noch einiges an Enthüllung!<br />
Hier sei noch gesagt das es überhaupt kein Problem darstellen darf das eine begleiteter Suizid Geld kostet. Oder das es gar ein moralisches Problem wäre mit dem Tod von Menschen &#8220;Geld zu machen&#8221;. Ich finde es viel schlimmer das mit Schwerkranken, die in Krankenhäusern liegen und Intensiv behandelt werden, jeden Tag immer und immer wieder viel Geld verdient wird. Und was da für eine Lobby dahintersteht kann sich jeder selbst denken&#8230;..<br />
Letzendlich geht es darum sich mit dem Thema vernünftig auseinanderzusetzten und hoffentlich in Zukunft überall in Europa Einrichtungen zu schaffen die frei von finanziellen und sonstigen Zwängen Menschen die nicht mehr Leben wollen helfen zu sterben &#8211; dies natürlich unter einer funktionierenden Kontrolle.<br />
Zum Abschluss noch diese kleine Geschichte: Anfang des Jahres war eine Filmcrew vom Zdf/Hallo Deutschland bei meiner Mutter um einen Kurzbeitrag über ihr Schicksal zu drehen (also über ihre Krankheit, ihre Situation usw. hatte nichts mit dem Sterbewunsch zu tun). 2 Tage nach der Beisetzung kam der Beitrag, mit einer leicht geänderten Anmoderation &#8220;Katharina Hermannstädter ist tot&#8230;..&#8221;. Somit ging die Nachricht des ablebens meiner unglaublichen Mutter auch nochmal eben über das Zdf.<br />
Was das alles mit Musik zu tun hat, nichts natürlich, aber Hardcore ist es dennoch.</p>
<p>Der zärtliche Zyniker</p>
<p>Big in Japan<br />
Zwei Wochen Japan &#8211; aufregend, to say the least. Vorbereitung mit Reise- und Sprachführer, letzteres aussichtslos. Nach Nagoya soll es gehen. Fast niemand, den ich kenne, war je in Japan, geschweige denn Nagoya. Im Internet finde ich das Urteil, die Zeit, die der Schnellzug &#8220;Shinkansen&#8221; dort halte, sei die Zeit, die die meisten Menschen in Nagoya verbrächten &#8211; und das genüge eigentlich auch. Auch wenn Expo ist, während ich dort bin. Es sei teuer, ist zu hören, jemand weiß immerhin, wo man in Tokyo billig technische Geräte kaufen kann. Und Sabine, die schon da ist, sieht wenig von Nagoya, weil sie eine Ausstellung vorbereiten muss und der Taifun in der Nähe vorbeizieht und man nicht hinauskann und und und.<br />
Also hinfliegen. Was ist das immer langweilig. Ich schaue mir in Hamburg noch Wilco an und laufe durch den Regen vorbei an Sex-Shops, Dönerbuden, Sexshops, Spielhallen, Dönerbuden und Sexshops.<br />
Am nächsten Morgen am Flughafen treffe ich mich mit einer Freundin zum Frühstück, die mich später, als ich schon vorm Zöllner stehe, noch einmal anruft und fragt, was sie meiner Meinung nach den kommenden Sonntag wählen sollte. Ich sage: &#8220;Gar nichts&#8221;. Sie fragt warum. Ich schaue dem Zöllner ins Gesicht. &#8220;Weil es nicht dein Mittel ist.&#8221; Was er wohl glaubt? &#8220;Und wenn ich doch etwas wählen will?&#8221; Dann solle sie etwas nehmen, was garantiert nicht hineinkomme, das würde sie vor enttäuschtem Idealismus bewahren. Sie sagt, so habe sie sich das auch gedacht. Für den Flug nach London kriegen wir nur ein Tüte mit Plastiksandwiches. Irgendein Stress zwischen Fluggesellschaft und Cateringfirma. Dann nach Tokyo. Zuerst ist alles noch ganz normal. Irgendwelche Leute aus irgendwelchen Ecken der Welt rennen emsig herum, telefonieren, kaufen Zugtickets, wollen ihre Anschlussflüge erwischen oder begrüßen jemanden, der sie abholt. Mich holt niemand ab, ich muss weiter nach Nagoya. Noch sprechen die Leute Englisch, die Schilder sind immer auch in lateinischen Buchstaben gedruckt, man kann an jeder Ecke Geld aus dem Automaten ziehen. Der Zug nach Nagoya kostet ein Schweinegeld, dafür braucht der Shinkansen gerade mal eine Stunde und 45 Minuten für die Strecke, die in etwa der Distanz Berlin &#8211; Bremen entspricht. Und halten tut er auf dem Weg nur einmal. In Yokohama, einem Vorort von Tokyo, wie es mir vorkommt. Dass es mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes ist, lese ich erst später. Stadt fliegt an mir vorbei. Sie hört gar nicht auf, außer dass zwischendurch mal ein Reisfeld kommt, aber das ist auch Stadt, im Norden erheben sich dann die Berge, aber es ist diesig, weshalb man davon nicht so viel sieht. Der Schaffner kommt ins Abteil, verbeugt sich vielfach und geht dann seinem schmutzigen Handwerk nach. Als ich in Nagoya aussteige, merke ich erst, wie heiß es hier ist. Nach einer Weile erreiche ich endlich jemanden unter der Nummer, der einzigen, die ich habe, und warte vor dem Bahnhof. Sie hat sich schon so an den körperlosen Umgang der Japaner miteinander gewöhnt, dass sie mich zuerst nicht in den Arm nimmt oder gar küsst. Später erzählt sie mir von einem japanischen Pärchen, dass sich nach monatelanger Trennung das erste Mal wiedersah und lächelnd voreinander einen kuriosen Hüpftanz ausführte. Das höchste der Gefühlsäußerung.<br />
&#8220;Hinab in die weißen Schlünde der Unterwelt&#8221;, wie es mein alter Kumpel Horst einmal nannte, fuhren wir, ab in die Vorstadtbahn, die nach Nishiharu fährt, welches von den Deutschen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde, Delmenhorst getauft.<br />
Die Hitze, diese ganzen Menschen, die nicht aussehen wie wir, alle viel kleiner sind als ich und mich mit Neugier mustern (und manchmal vielleicht auch mit Widerwillen, als ich einmal mein schulterfreies Herrenunterhemd trage). In Nagoya am Bahnhof habe ich vielleicht noch drei weitere Langnasen, Gaijin oder wie immer sie die anderen nennen, gesehen. In Nishiharu? Keine. Außer meiner Liebsten natürlich und den anderen Deutschen, die hier an einem Kunststudentenaustausch teilnehmen.<br />
Die nächsten Tage helfe ich Sabine, ihre Ausstellung zu vollenden und gewöhne mich so langsam an diese komischen kleinen Leute, die sich ständig verbeugen &#8220;wie ein Reishalm im Wind&#8221;, wie es mein Sprachführer poetisch formuliert. Ein paar Ausflüge in die Stadt, der Flohmarkt, auf dem es ganz ungeniert Pornos zu kaufen gibt, allerdings ausschließlich mit asiatischen Darstellerinnen, zum Teil vielleicht eigentlich zu jung dafür, das nimmt man möglicherweise hier nicht so genau. Rohes Rind, komische Bohnen, Hühnerherzen (wie ihr wisst, überlebt auch der Vogelgrippevirus das ganze Kochen und Grillen nicht), Sake, japanisches Bier, das so einigermaßen trinkbar ist, nette Irakaras, das japanische Pendant zur hiesigen Eckkneipe, in denen es zu den Drinks auch immer kleine Snacks gibt, natürlich nicht umsonst. Außer der Toilettenbenutzung ist hier nichts umsonst. Aber immerhin die. Ein Zeichen für den relativen Wohlstand in Japan? Anderes zumindest scheint darauf zu deuten: Weniger Zäune und Schlösser und Ab- und Ausschluss zumindest der vordergründigen Art. Die Obdachlosigkeit hält sich in Grenzen, gebettelt wird nicht, aber das kann schließlich auch andere Gründe haben &#8211; wie dass es vielleicht verboten ist. Oder es ist noch die Hilfsbereitschaft, die hier &#8211; womöglich Gebot der Höflichkeit, trotz ihrer prinzipiellen Verlogenheit eine bisweilen angenehme Sache &#8211; durchgesetzt ist. Die gehen wirklich einen Kilometer mehr mit dir, um dich vor dem Postamt abzustellen, nach dem du sie gefragt hast. Und ein Gastwirt rief eigens per Mobiltelephon einen Bekannten an, der Englisch konnte (zumindest besser als der Wirt mitsamt Belegschaft), auf dass der uns die Speisekarte erkläre. Unzählige Höflichkeitsfloskeln, mehrere Funklöcher und einige Missverständnisse später, und zur Freude des gesamten Lokals hatten wir einen Berg Köstlichkeiten auf dem Tisch und ließen es uns wohlgehen.<br />
Die Ausstellung wurde jedenfalls mit einem Riesenfest eröffnet. Es ist nämlich nicht so, dass alle Japaner keinen Alkohol vertragen. Es sind nur einige. Und auch die lassen sich manchmal durchaus hinreißen, es trotzdem zu tun. Sie trinken allerdings ganz allgemein weniger als wir. Dafür haben sie Schirme dabei, die wechselweise gegen den Regen oder die Sonne aufspannen, und wenn sie Rad fahren, zwingen sie die Schirme in eine eigens dafür angebrachte Halterung am Lenker.<br />
Nachdem die Feierlichkeiten vollbracht waren &#8211; es ging heiter zu &#8211; luden einige Professoren noch in ein Lokal namens Mr. Bonbon, wo einer von ihnen sich glatt schlafen legen wollte. Schuhe ausziehen ist übrigens obligatorisch, sobald man ein Lokal betritt. Man bekommt dann Schlappen zugewiesen, manchmal gibt es noch eigens Schuhe für die Toilette.<br />
Nach der Pflicht kam die Kür: Wir erkundeten die Umgebung. Nach Inuyama ging der erste Ausflug. Dort gibt es ein Schloss, einen Tempel und Kormoranfischer, die ihre dressierten Kormorane des Nachts nach Fischen jagen lassen. Und einen Affenzoo mit Achterbahn. Fahrräder kann man sich umsonst ausleihen. Allerdings sollte man dafür nicht allzu groß sein. Am nächsten Tag fuhren wir nach Gujo-Hachiman, wo gepflasterte Straßen, hölzerne Häuser, mehrere Bergflüsse und ein Jungbrunnen sich ins hohe Tal ducken.<br />
Ein weiterer Abend in Nishiharu endete beinahe fatal. Endlich einmal wollten wir in das Lokal um die Ecke, das mit einem in Deutsch geschriebenen Schild lockte: &#8220;Bar und Restaurant&#8221;, dazu ein Bitburger-Logo. Wir hinein, an die Bar gesetzt und erstmal Bier bestellt. Eine kuriose Choreographie fand statt. Ganz offensichtlich wollten wir Bier, sonst hätten wir keines bestellt. Da waren die Gläser, dort die Flasche. Und anstatt nun einzugießen, was wir begehrten, lächelte die Frau hinterm Tresen uns an und goss nicht. Nickte nur fragend und wir nickten antwortend. Der Trick: Du musst ihnen die Gläser hinhalten, schräg, sebstredend, sonst tun sie es nicht. Und sich selbst einzuschenken, schickt sich schon gar nicht. Der Mann neben mir sagte etwas, das die Dame hinter der Bar übersetzte. Ich sei &#8220;handsome&#8221;. Und ich sagte brav &#8220;arrigato&#8221;. Dann bekamen wir eine Schüssel mit etwas stark Gurkenartigem vorgesetzt, das wir nicht zu essen wagten. Wer weiß, es war vielleicht eine jener gefürchteten Seegurken, die angeblich der Chinesen schärfste Waffe gegen Fremde sind. Dann ging das Singen los. Wir waren nämlich in einer Karaoke-Bar gelandet. Wir wurden bedrängt, bekamen ein Verzeichnis von der Dicke eines Telefonbuchs, das sogar &#8220;Angel Of Death&#8221; von Slayer beinhaltete. Wir einigten uns schließlich auf &#8220;House Of The Rising Sun&#8221;. Das passte schließlich ins Land der aufgehenden Sonne. Wir wurden gefeiert, auf Händen getragen, sie küssten uns die Füße. Sie wollten wissen, wer wir waren, woher wir kamen, wohin wir gingen. Die Besitzerin des Etablissements konnte nur unter Einsatz des eigenen Lebens davon abgehalten werden, Harakiri zu begehen, weil wir erzählt hatten, dass wir am nächsten Tag nach Tokyo wollten. Sie sei einsam, sagte ihre Kollegin aus Indonesien, die auch hinter der Bar arbeitete. Es wurden Lokalrunden für die ersten Deutschen geschmissen, die sich in die Bar verirrt hatten, seit man sich erinnern konnte. Ein Gast war selbst vor vierzig Jahren in Deutschland gewesen. Er wusste, was es bedeutet, ein Fremder zu sein. Ich sang für sie alle &#8220;Have You Ever Seen The Rain&#8221;, das hatte ich noch von den Minutemen im Ohr. Sie gerieten außer Rand und Band. Die thailändische Frau, die vor der Bar, nun ja, arbeitete? Sie wollte mit mir etwas von den Carpenters singen. Sie hing an mir, wie es nur eine Betrunkene kann. Meine Liebste eröffnete ihr den Blick auf meine behaarte Brust, worin sie sich verfing. Sie flehten um eine Zugabe. Sie bekamen eine erschütternde Fassung von &#8220;Under The Bridge&#8221;, die sie dann allerdings schon etwas routinierter bejubelten. Zu Abschied &#8211; es musste ja doch sein &#8211; gaben uns die Damen noch Geleit bis vor die Tür, allerdings nicht bevor sie uns ein Sümmchen abgeknöpft hatten, das unverschämt zu nennen kaum untertrieben wäre. Aber wie das so ist: Sie rechnen es einem bei Nachfrage stets akribisch und so plausibel vor, dass Widerstand zwecklos ist. Betrunken gingen wir heim ins Heim.<br />
Am nächsten Tag, es blieben mir nur noch vier, ging es dann endlich nach Tokyo, wo wir Etsuko besuchen wollten, die meine Liebste in Tabor kennen gelernt hatte. Aber darüber erzähle ich euch vielleicht nächstes Mal mehr.<br />
(stone)</p>
<p>Dietmar</p>
<p>Ich möchte erst gar nicht zurückblättern in alten Trust-Ausgaben &#8211; ich weiß ohnehin, was ich damals geschrieben habe. Ich kann mich auch noch genau entsinnen, wie stolz ich darauf war, als ich endlich mein Label starten konnte. Und mein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Auch wenn es durchaus sein könnte, dass es damit weitergeht &#8211; mittlerweile bin ich ziemlich ernüchtert.<br />
Vielleicht hätte ich auch auf meinen Bauch hören sollen, als ich mit Psycho-Path über einen Vertrag verhandelte. Wem das zu böse, zu geschäftlich klingt: Ich halte Verträge grundsätzlich für eine gute Sache, solange sie dem Zweck dienen, schriftlich etwas zu fixieren, was nicht vergessen gehen soll. Sonst hat womöglich jede eine andere Erinnerung, und der Streit bricht los. Also schreibt man lieber auf, wer was bezahlt und ab wann man sich die Einnahmen aus den Verkäufen teilt. Beide unterschreiben das, und fertig ist der Vertrag. (Das ist mir auch bei Konzerten lieber, es ist schon vorgekommen, dass ein süddeutscher Hardcore-Booker seiner Band andere Garantien aufgeschrieben hat als vereinbart. Da zeig ich dann lieber einen Vertrag vor.)<br />
Trotzdem: Zweieinhalb Monate über einen Vertrag zu reden, das kam meinem Bauch verdammt lang vor. Ständig kamen Nachforderungen, und als ich eine Bedingung stellte und was verlangte, wurde das mit einer bösen E-Mail der Sängerin quittiert. Musste das so sein? Andererseits wollte ich unbedingt diese Platte machen, ich wollte ein Label starten, hatte es in meiner Gesprächigkeit auch schon jedem erzählt, der es hören wollte, und einigen, die es gar nicht unbedingt interessiert hätte. Und außerdem: War ich nicht mit der Band befreundet, sollte ich so etwas wie Böswilligkeit nicht von vorne herein ausschließen? Mein Bauch war damals ganz schön weise und ich ziemlich blöd. Zumal mich diese &#8220;Vertragsverhandlungen&#8221; auch gesundheitlich runterzogen, ich damals &#8211; zum Glück zum bislang letzten Mal &#8211; echte Depressionen bekam. Da hätte ich die Reißleine ziehen müssen, und zwar ganz unbedingt. Dennoch sagte ich meinem Bauch, er soll jetzt endlich mal den Mund halten.<br />
Das Album erschien &#8211; und entwickelte sich zu einem ziemlichen Flop (es ist also kein Wunder, wenn der geneigte Leser die Platte noch nicht gehört hat). Das Album ist durchaus gut, keine Frage. Ich jedenfalls habe die CD damals rauf und runter gehört. Trotzdem hätte ich mir vielleicht denken können, das aus &#8220;Désinvoltura&#8221; kein echter Renner werden würde. Warum hätte es auch anders sein sollen, in diesen Zeiten der CD-Brennerei und des Downloadings &#8211; wer kauft sich da schon das erste in Deutschland erhältliche Album irgendeiner slowenischen Band?<br />
Natürlich hätte es auch ein bisschen besser laufen können, hätten Psycho-Path in Deutschland getourt. Aber für eine erste Tour, kurz nach Veröffentlichung der Platte, fanden sich nicht genügend Veranstalter. Also spielte die Band in Berlin und in Prag und fuhr dann wieder nach Hause. Schuld war &#8211; &#8220;natürlich&#8221; &#8211; der Tourbooker, sagte die Band, und wollte einen anderen. Ich schlug einen anderen vor, doch das Ergebnis im September war ganz ähnlich: Es gab zwei, drei Shows in Deutschland, und das war&#8217;s dann auch. Langsam wurde die Band ungehalten, erzählte mir von den blöden, ignoranten Deutschen, die eine Band nur deswegen nicht hören, weil sie aus Slowenien kommt (halt, warf ich vorsichtig ein, vielleicht ist es genauso ignorant, alle deutschen Musikhörer gleichzusetzen). Und überhaupt: Warum habe ich ihnen, schrieben sie, denn schon wieder solch einen schlechten Booker vorgeschlagen, der seine Arbeit nicht gut macht? Komisch, dass beide Booker mit anderen Bands viel mehr Erfolg haben. Könnte es an der Band selber liegen?<br />
Ich habe das damals noch nicht begriffen, auch wenn ich das aus meiner Erfahrung als Konzertveranstalter schon hätte können müssen: Bands gehen mit Niederlagen ganz anders um. Es geht ja schließlich um ihr ganz persönliche kreative Arbeit, die da ignoriert wird oder zumindest nicht die Anerkennung findet, die eine Band glaubt verdient zu haben. Das geht dann ganz tief ins Persönliche, bis hin zu der Frage, ob man vielleicht nicht gut genug ist.<br />
Als Außenstehender hat man es einfacher: Läuft ein Konzert nicht, kann man nach logischen Erklärungen suchen. Es war vielleicht zu heiß, um in einen Club statt in den Biergarten zu gehen. Oder es war so kalt, dass die potenziellen Besucher lieber Zuhause eine DVD gucken. Oder es spielen morgen Hot Water Music für 20 Euro in der Stadt, und die Leute sparen sich deswegen heute die sieben Euro für die noch nicht so angesagte Hardcore-Punk, die eigentlich viel aufregender ist als das letzte HWM-Album. Und so weiter. Oder auf eine CD-Veröffentlichung bezogen: Vielleicht hätte es doch ein Label gebraucht, das 10.000 Euro in die Werbung steckt, in der Hoffnung, das was kleben bleibt. Vielleicht (mit Sicherheit) ist das Visions nicht so wichtig, wie es gerne möchte, und ein Artikel in dem Heft bringt nur bedingt was. Oder die Leute haben einfach keine 15 Euro mehr, um sich das Album einer unbekannten Band zu kaufen, weil in dieser Woche drei Platten von Bands erscheinen, die überall abgefeiert werden, und sie die unbedingt kaufen müssen. Vielleicht hätte die Band aber auch nicht monatelang so viele Ecken und Kanten an ihrem Sound abschleifen müssen, dass am Ende irgendwie jeder das Demo besser findet. Wer weiß. Das Geld ist nun eh verbrannt, woran es auch letztlich lag.<br />
Für eine Band ist das nicht so einfach. Da wird dann alles dafür getan, den Schuldigen wonanders, beim Label, zu suchen: Warum hast du nicht mehr für Promotion getan? (Naja, ich hab doch&#8230;) Warum gibst du uns nicht 500 Euro für eine Touranzeige in England? (Weil ihr dort 20 CDs verkauft habt, und ich nochmal 80 CDs obendrauf verkaufen müsste, um das Geld wieder einzuspielen.) Warum gibst du das Album auf halbem Wege auf? (Mach ich ja gar nicht, aber wenn der Vertrieb 800 CDs Retour schickt, weil die Läden sie partout nicht &#8211; auch nicht zum Sonderpreis &#8211; verkaufen können, hat die wohl irgendjemand anderes aufgegeben. Jemand der mehr vom Geschäft weiß.)<br />
Und so kam es, dass irgendwann die Freundschaft zerbrach. Vielleicht war es auch gar keine, vielleicht war ich tatsächlich nur Mittel zum Zweck, nämlich die einzige verbliebene Möglichkeit, ein Album herauszubringen, weil sonst keiner Interesse hatte. Das wäre vielleicht sogar okay gewesen, wenn wir alle damit Geld verdient hätten. Aber eigentlich wäre es auch das nicht: Eigentlich wollte ich immer ein Label machen, wo ich gute Musik von Freunden veröffentliche. Nicht nur einfach gute Musik von irgendjemanden. Aber natürlich auch nicht die schlechte Musik von Freunden. Deswegen bleibt da auch ein bitterer Beigeschmack. Und das Gefühl, etwas gelernt zu haben: Das nächste Mal höre ich auf meinen Bauch und breche solche Aktionen rechtzeitig ab.</p>
<p>Dietmar</p>
<p>Playlist für den Herbst:</p>
<p>Sopranos &#8211; DVD-Boxen<br />
Angela McCluskey &#8211; &#8216;The Things We Do&#8217; CD<br />
Wolf Parade &#8211; &#8216;Apologies To The Queen Mary&#8217; CD<br />
Naked Raygun &#8211; alles</p>
<p>STUFF IT<br />
KAPITALISMUSDEBATTE TEIL 2:</p>
<p>Aber damit nicht genug! Zunächst hatten wir ja klammheimlich gehofft, die arrogante und selbstverliebte Tonträgerindustire würde an ihrer eigenen Profitgier ersticken. Leider kam dann das Jamba Spar-Abo und der Rest der Telephon-Kli(ü?)ngelei, der unseren Freunden bei der Sony etc. den Arsch gerettet hat. Offensichtlich von Mutter Natur aus mit hochinnovativen Visionen gerüstet beschließt die Branche nun gerade:<br />
„1. Der Veröffentlichungstag von Tonträgern wird von Montag auf Freitag verlegt.“<br />
Wir sind begeistert und fragen an dieser Stelle, ob ein andauerndes Vorverlegen der VÖ-Termine – vgl. Auszahlungstermin der Renten an die ältere Bevölkerung und dessen Verlegung nach hinten zur Rettung des Staatshaushaltes – zu einer Beschädigung des Raum-Zeit-Kontinuums führen wird, da dann tatsächlich die Hits von morgen bereits letzte Woche veröffentlicht worden sein werden. Ebenso brillant vermeldet Sony/BMG die zweite Säule der Strukturreform:<br />
„2. Die Verkaufscharts werden anstatt freitags bereits donnerstags veröffentlicht.“<br />
Erst einmal sind wir begeistert, wie einfach das Leben doch erfolgreich durchzuführen ist.<br />
Da wir alle aufgrund unserer vermaledeit guten Vorbildung wissen, daß die Verkaufscharts sowieso nur sehr wenig mit verkauften Exemplaren und sehr viel mehr mit Schmiergeldern, Radio und Video-Airplay in Verbindung zu bringen sind, stellt sich die Frage, was das denn nun soll. Die Auflösung bietet uns natürlich wieder unsere Freundin von der Sony:<br />
„Für die Arbeit der Promotionabteilungen bedeuten die Neuerungen u.a. eine Verschiebung einiger Abläufe: So werden neue Produkte künftig statt bisher montags ebenfalls (…) am Freitag bemustert &#8211; auch hier ab 23.09.05. Möglicherweise möchten sie die Veränderungen, die in den nächsten Wochen unter dem Motto &#8220;Freitag ist Musiktag&#8221; kommuniziert werden, mit eigenen Aktionen begleiten, um die Musikfans (bzw. ihre Hörer, Leser und Zuschauer) auf den neuen VÖ-Tag einzustimmen?“<br />
Stellt sich die Frage, wann denn nun ein guter Musiktag sei, wo doch Montag mal Kinotag war, jetzt aber Mittwoch ist – und ob man nicht die ganze Woche Musik hören sollte… und ob tatsächlich Menschen dann am freitags in die Paläste stürmen, um neue Silberling als erste im Hinterhof zu besitzen. Und ist das aber letztlich latte, statt dessen freuen wir uns mit der Arbeiterschaft des Branche, die nun bereits das Tagwerk des Montages am Freitag erledigen konnte und daher montags zuhause bleiben sollte – finden wir zumindest – bei vollem Lohnausgleich.<br />
NASENPROBLEME im Rock Teil 1,2 und 3:<br />
In Berlin hat ein Ramones-Museum eröffnet, das habet Ihr sicher alle mitbekommen. Da gibt es dann einen Original Bühnenhandschuh von Joey (‚oh-oh-oh / sha-la-la-la / I don’t care) oder „eine Original-Bühnenjeans von Johnny Ramone“ (müffel…), „die Sneaker von Marky Ramone“ (müffel zweiter Teil) und hoffentlich rein gar nichts von CJ Ramone (wer war das noch gleich?) zu bewundern. Das erinnert uns an Jon Waters gescheiterten Versuch, das Geruchskino einzuführen, da – sollten sich unsere Nasen noch richtig entsinnen – dann das ganze Kino nach dem Furz gerochen hat, der die anderen Gerüche dominierte.<br />
Sinnvoller wäre es natürlich gewesen, die Ramones zu Lebzeiten zu Dottore Hans Richard Hoffmann zu schicken. Uns alten Allesfressern natürlich längst geläufig, hat sich jener mit einer neuen Marketingkampagne ins Rampenlicht gequetscht. Was das mit den Ramones zu tun hat? Nun, „Stars, Prominente und Spitzenführungskräfte können sich nun in Piemont einer speziellen Kokain-Therapie unterziehen, um der gefährlichen Droge zu entkommen. Bereits zahlreiche Prominente Italiens haben sich in der Privatklinik Centro Ippocrate von Doktor Hans Richard Hoffmann wegen Ihrer Kokainsucht behandeln lassen.(…) Der Klinikaufenthalt wird den individuellen Ansprüchen angepasst: Die wählbaren Kategorien reichen von Standard über Luxus bis Exklusiv, die ausgesuchten Mahlzeiten entsprechen ebenfalls den Wünschen des einzelnen Patienten. (…) Das ganzheitliche Behandlungskonzept umfasst u. a. Laserohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll, ein Wellness und Fitnessprogramm zur weiteren Entgiftung. Verschiedene psychotherapeutische Methoden werden situationsadäquat eingesetzt. (…) Die Kosten einer Behandlung belaufen sich pro Woche ab € 5000 plus Extras. Die Therapiedauer richtet sich nach der individuellen Situation (…) „ Gerade letzteres scheint im Hinblick auf die Kosten natürlich ein entscheidender Faktor zu sein. Die Teilnahmegebühren an Dottore Hoffmanns Therapie dürften die Sieger des INNOVATION ROCKS Bandwettbewerbs wahrscheinlich noch nicht aufbringen können. Unsere stille Hoffnung, die subtile Lobby-Plattform ‚Forum Neue Soziale Marktwirtschaft’, die ansonsten ja jedes denkbare Medium bestens unterminiert hat, sei an diesem Klasse-Slogan schuld, wurde leider entkräftet, als wir dankenswerterweise erfahren durften, daß unser aller Superkonzern Siemens dahinter steckt, genauer dessen „Brandingplattform www.si-q.com“. Wir wissen leider nicht, worum es sich bei einer Brandingplattform im Genaueren handelt, aber eine gewisse Angst vor den körperlichen Schmerzen der ‚Modern Primitives’ entlockt uns ein ‚Autsch’. Worum geht’s? „Es werden sich Bands aus den Mitgliedsstaaten der EU um die 20 Votingplätze bewerben (…). Hier kämpfen die neuen musikalischen Talente um die Gunst der Besucher und der Fans und versuchen möglichst viele Stimmen zu sammeln, denn am Ende werden die besten Vier in einem Finale in München Ende Januar vor einer ausgewählten Jury ihr Können und eigenen Stil unter Beweis stellen.“ Sofort horchen wie auf, wenn das böse Wort ‚Jury’ fällt und betrachten Schindl- , pardon, Siemens Liste des Grauens:<br />
-Mario Thaler &#8211; Produzent, Verhalf in seinem Uphon Studio bei Weilheim schon u.a. The Notwist, Slut, Sportfreunde Stiller, Conic und Console zu gutem Sound.<br />
-Gregor Stöckl &#8211; Ehemaliger Geschäftsführer von Virgin Records und jetzt A&#038;R Manager bei Pirate Records.<br />
-Rainer Schaller &#8211; Girarrist der Band Slut und Pelzig.<br />
-Stephanie Schönberger &#8211; JOY-Magazin Ressort Leitung Musik<br />
-Natascha Augustin &#8211; A&#038;R Warner/Chappell Music Publishing<br />
-Achim Bogdahn &#8211; Bayern 2 – Zündfunk<br />
Hier fällt vor allem auf, daß alle Jury Mitglieder – den Ramones somit nicht unänhlich – ihre besten Tage eigentlich hinter sich gelassen haben dürften. Vom Geschäftsführer zum A&#038;R Manager, von den Notwist zu Console, vom Zündfunk zum Zündfunk, gut auch wir sind nicht immer Herr der Lage.<br />
KEINE GEWALT KEINE GEWALT KEINE GEWALT Vol. 1<br />
&#8220;our idea is to bring our interests in music, blood sports and survival to a radio program&#8221;<br />
Wenn das kein Zitat ist, welches uns Althippies vor Angst am Kamin erschaudern läßt! Die Pressemitteilung erläutert das Konzept:<br />
Phil Anselmo(Superjoint Ritual) , Scott Kelly (Neurosis) &#038; Eugene Robinson (ein jahrelanger Fighter).<br />
Scott Kelly übernimmt die musikalische gestaltung und wird außerdem news und interwies zum thema bloodsports beitragen. musikalisch werden sowohl alte als auch aktuelle erscheinungen im underground metal, punk und noise gefeatured.<br />
Eugene Robinson, ein praktizierender kämpfer der seit jahren im “kampf spiel” mitmischt und auch für das magazin “Grappling” die monatliche &#8220;Damage Ink&#8221; kolumne schreibt, wird sich auf die NHB, gemischte martial arts, und street fighting konzentrieren.<br />
Phil Anselmo, eine “encyclopedia of boxing knowledge” wird sich um alle belange des guten alten boxens kümmern.<br />
Eigentlich dachten WIR immer, daß die Mitglieder von Neurosis fürs Haschrauchen und ähnliches Tätigkeiten taugen, nicht notwendigerweise aber fürs Survival (oder doch? I and I survive?). Schillernd die Person des Eugene R., eines echt miesen Masserfaggers, der sich in den Ghettos der Nord- Und Südhalbkugel einen schaurigen Ruhm erarbeitet hat. Wir ersparen uns eine genaue Nennung der Internetseite, schließlich ist das Verlinken von solch bösem, unartigen Zeugs garantiert irgendwo unter Strafe gestellt.<br />
Wer auch mit solchem Müll belästigt wird, darf es vertrauensvoll an pj1@gute-stute.com schicken.</p>
<p>What part of „amount of shit“ you don´t understand?</p>
<p>95% aller Menschen, die studieren, sind scheisse. 95% aller Menschen, die Lohnarbeit machen, sind scheisse. Fünfundneunzig Prozent aller Menschen, die Männer sind, sind genauso Mist wie 95% aller Menschen, die Frauen sind. 95% aller Menschen, die sich vegetarisch ernähren, 95% aller Menschen, die HCSKAREAGGAERASTAFARISCHLAGER-HEAVYTECHNOELECTRO-GRIND-SURFMOSHPSYCHOBLITYCOREGABBA-PUNKHIPHOPSLAYERACDC-Musik hören, 95% aller Menschen, die Konzerte in AJZ´s veranstalten dito. Fünfundneunzig Prozent aller Menschen, die gleichgeschlechtliche Liebe bevorzugen, sind scheisse. Fünfundneunzig Prozent aller Menschen, die aus anderen Nationen kommen, fünfundneunzig Prozent aller Menschen, die Behinderungen haben, sind scheisse. 95% Prozent aller Menschen, die aus finanziell schwachen Schichten kommen sind genauso scheisse wie 95% aller Menschen, die aus reichen Schichten kommen, und genauso scheisse wie 95% aller Menschen, die eine weiße oder eine schwarze oder eine sonstige Hautfarbe haben. 95% aller Eltern sind scheisse, genauso wie fünfundneunzig Prozent ihrer Kinder. 95% aller Geschwister = Mist. 100% aller rechtsradikalen denkenden und handelnden Menschen sind Mist. 5% aller Menschen, die Eltern sind, sind toll. 5% aller Uni Profs sind super. 5% aller HC Bands und Punk Bands früher und heute sind super. 5% der Menschen, die sich vegetarisch ernähren sind super. 5% der Menschen, die Lohnarbeit als Polizist machen, sind super. 5% aller derjenigen, die sich vegan ernähren, sind super. 5% aller Fanzines sind gut. 5% aller Labels sind toll. 5% aller Frauen sind super. 5% aller Männer sind super. 5% aller behinderten Menschen, Lesben, Schwulen, AIDS Kranken, Flüchtlingen, Migranten, sind super. 5% aller Menschen, die studieren, sind super, 5% der Menschen, die Lohnarbeit machen, sind super. Und was macht man mit den anderen 95%? Akzeptieren. Und was heißt überhaupt „super“? Kritikfähigkeit, geerdete Menschen, im positiven Sinne „normale“ Menschen, die normal behandelt werden wollen und andere normal behandeln. Mit Respekt. Gleichberechtigung. FITT IN DER BIRNE. ALLES andere, die Hautfarbe, die Behinderung, die Kurz- oder Weitsichtigkeit ihrer Augen, ihr Geschlecht etc,, ist Egal, bzw. macht sie weder besser (im Sinne von positiven Rassismus) oder schlechter (im Sinne von Rassismus). Merkt euch das! Und handelt danach! Seid Teil des Problems oder Teil der Lösung und die Entscheidung dafür dauert nicht „5 Seconds“, wie es MC 5 1969 noch meinten, sondern z.B. bei mir mal eben 27 Jahre, bis ich in der Lage gewesen bin, soweit wie hier im Denken konsequent zu kommen. Wenn ein Bandkollektiv aus Kolumbien im Leverkusener AZ auftritt, und alle so gutmenschenartig dazu tanzen, weil „Die sind ja so nett“ und „kommen alle aus dem harten Ghetto“ und wenn diese Band im Hintergrund sicherlich wichtige Videoprojektionen über die imperialistische US amerikanische Drogenpolitik in Kolumbien laufen lassen, dann kann ich mir diesen idyllischen Haufen maximal 15 Minuten angucken, ohne mir zu denken, daß bei meiner eigener Band im Hintergrund eine Videoprojektion mit Pornos von Gina Wild laufen muß, allerdings ist die Idee nur in der Theorie gut, denn man denke an die australische Band Rupture, die vor einer Hakenkreuzflagge aufgetreten sind, um zu provozieren, aber so einfach geht´s auch wieder nicht. 95% deren, die diese zeitlose Kolumne lesen, denken, daß der Verfasser menschenverachtend und intolerant ist. 5% wissen, daß der Verfasser eine begrenzte Auswahl an Zahlen getroffen hat, die nie in einer sozialwissenschaftlich empirisch durchgeführten Statistik auftauchen werden und daß eine realistische Sicht der Dinge wichtig ist. 5% wissen, daß Tolerant sein der Kern der Erziehung im Kapitalismus ist: man soll zu allen und jedem tolerant sein, immer Ja sagen, immer gut drauf sein, immer positiv denken, immer immer immer. Und man soll bloß keine Werturteile fällen, denn sonst würde man gar nie mehr die Rolle ausfüllen können, die man seit Kindergarten / Schule / Uni oder Ausbildung im Betrieb / im Leben jeden Tag in die Fresse gedrückt bekommt: Schnauze halten und kaufen. Bloß nicht nachdenken, daß man viele Sachen nicht braucht, weil sie totaler Schund sind. Fange nie an aufzuhören. In der Endsumme ergeben alle 5% aller oben aufgeführten super Menschen insgesamt wieder 100%. The Kids are the future, you can see it in their eyes, we must overcome this world if a better world is to survive. Rock for light and flex your life! Talk – action = 0. Action without thinking = 0. Think and act and think about your acts and act bewusster. Dazu paßt auch folgende hübsche Rand-Anekdote: zwei ausgeführte Interviews fürs Trust wurden abgelehnt: mit Willi Wucher führte ich Ende April diesen Jahres in Dinslaken ein schönes und geerdetes Gespräch. Trust intern wurde jedoch bekundet, daß man sich sicher ist, daß “Bodychecks“ doch mehr war, als eine nach rechts offene Skinheadband und letztendlich es halt nicht interessant ist, ein Willi Wucher Interview im Trust zu haben, was ich allerdings sehr interessant gefunden hätte, ein eher dem Plastic Bomb (vom Musikgeschmack her) zuzuordnendes Interview im HC-Heft Trust zu haben. Aber akzeptiert. Nicht akzeptieren konnte ich das am selben Abend im Tourbus von Rambo neben dem AZ Mühlheim an der Ruhr geführte Interview mit eben jenen Rambo, polit-hc aus USA. Mitten im Interview bekundete der Sänger seine Antipathie gegen die Raucher in den europäischen Konzertsälen so vehement, dass ich meinte: “if you can&#8217;t stand that people in europe smoke inside clubs, then don&#8217;t tour in europe“. Er verdeutlichte mir dann den Effekt, den Zigarettenrauch auf ihn als Nichtraucher hat, in dem er mit spontan den Inhalt seiner Bierflasche über dem Kopf entleerte. Leider war ich zu dicht, um das Interview konsequent abzubrechen, aber mal ehrlich: das Bild war schon gut, nur, bei Drogen die nicht so einen direkten Effekt auf den haben, der diese Droge nicht nimmt, sind aber doch ganz andere Effekte zu konstatieren, als das heisere Rostkehlchen: wenn wir alle Heroin nehmen würden, dann hätte Rambo eher das Problem, dass ihr Tourbus wegen Beschaffungskriminalität geklaut werden würde. Rauchfreie Konzerte unterstütze ich als Raucher selber, wenn es denn darum gehen sollte. Aber hey, es gibt auch sowas wie social skills oder eben keine und Rambo, finde ich jetzt, haben keine. Am witzigsten ist doch, dass man so eine Aktion von Willi Wucher erwarten würde, der völlig geerdet rüber kam, und nicht von der Politfraktion. But that&#8217;s life, ya know? Never judge a book by its cover.<br />
Ich wünsche euch ein schönes Leben.<br />
Lieben Gruß<br />
Jan Röhlk</p>
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		<title>#116 / 02-06</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2007 15:07:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jörg</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	 DOLF
        Ich bin mir nicht mehr ganz sicher wo ich meine erste Freundin (mit der ich auch Sex hatte, die frühpubertären Knutschereien lassen wir mal aussen vor) kennenlernte, ob irgendwo an der Schule oder auf einem Schulball &#8211; wo Musik gespielt wurde&#8230; aber schliesslich ist das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<span id="more-236"></span> DOLF</p>
<p>        Ich bin mir nicht mehr ganz sicher wo ich meine erste Freundin (mit der ich auch Sex hatte, die frühpubertären Knutschereien lassen wir mal aussen vor) kennenlernte, ob irgendwo an der Schule oder auf einem Schulball &#8211; wo Musik gespielt wurde&#8230; aber schliesslich ist das auch schon 26 Jahre her. Dafür kann ich für alle anderen meiner ehemaligen Partnerinnen ganz klar sagen das ich die ohne die Musik (bzw. das drumherum) nicht kennengelernt hätte. Ebenso verhält es sich mit meiner jetzigen langjährigen Partnerin. Ohne Punk &#8211; keine Chance, wie lernt man denn aus Ausgburg jemanden in Bremen kennen. Damit will ich sagen: zu Sex &#038; Musik kann ich nicht so viel sagen, weil ich das eine mit dem anderen kaum verbinde, das heisst: wenn ich Musik höre hab ich eigentlich keinen Sex und wenn ich Sex hab, höre ich normalerweise keine Musik. Vielleicht sollten wir das mal wieder versuchen &#8211; vielleicht ist der Sex ja dann &#8220;anders&#8221;&#8230;. auch wenn ich das stark bezweifele. Für mich heisst es eher &#8220;Sex durch Musik&#8221;, auch wenn das kein Masterplan war, sondern sich so ergeben hat&#8230; die alte Mär von &#8220;Ich mach ein Fanzine, also bekomme ich Frauen&#8221; ist wohl ziemlicher Quatsch.<br />
        Wir haben diesemal viele Gastkolumnenbeiträge, viel für euch zum lesen, also fasse ich mich kurz.<br />
        Tschüss.</p>
<p>        Der zärtliche Zyniker</p>
<p>        Aus den Steinbrüchen des Claude Cerbere<br />
        Die angenehmste Art des Sexuallebens, wie C. fand, war, ein paar Freundinnen zu haben, die außerdem Geliebte sind. Sie schauen ab und an vorbei, zum Frühstück, oder man trifft sich zufällig beim Ausgehen, vielleicht geht er einfach mal bei ihnen vorbei, mal sie bei ihm, so in der Art. Zur Zeit sieht eigentlich alles ganz gut aus. Mit seinen vier oder fünf derzeitigen Liebschaften verbindet ihn neben einer grundsätzlichen starken Sympathie der Wunsch nach Sex ohne Ansprüche und Verpflichtungen, die sowieso moralischer Natur wären, weil aus einem Geschlechtsverkehr ersteinmal keine Ansprüche resultieren. Wie sollte das auch sein?<br />
        Einige dieser Freundinnen pflegen eine feste Beziehung und unterhalten ihr Verhältnis zu C. aus einer gewissen Abenteuerlust heraus, denn für manche Menschen zählt nicht nur das Ding, in diesem Falle das Vögeln an sich, sondern die Wahl des Partners hierfür kennt auch noch andere Kriterien: Dass C. es beispielsweise nicht so sehr mit der Treue hält, macht ihn zusätzlich interessant. Wahrscheinlich hat das mit dem problematischen Gedanken zu tun, dass das, was viele wollen, auch mehr wert sein muss, was C. (unter anderem angesichts seiner musikalischen Vorlieben) nicht für richtig erachten kann.Er ist allerdings zu faul, seine Beziehungen daraufhin zu untersuchen. Und so fährt er mit Susann an einem sonnigen Tag an die See, geht an einem anderen Tag mit Charlotte essen, wobei er, wie er zuzugeben durchaus bereit wäre, ein gewisses, nicht unbedingt sehr ehrenwertes Vergnügen daran hat, von seiner jeweiligen Begleiterin ausgehalten zu werden.Verliebt sind C. und seine Freundinnen eher selten ineinander, es geht einfach nur um den Spaß, den man miteinander haben kann. Keine Komplikationen, wofür denn auch? Davon gab es schon genug in anderen Sphären des Lebens.<br />
        Trotzdem er sein Sexualleben eigentlich als ziemlich in Ordnung bezeichnen würde, was ja zu einer gewissen Zufriedenheit führt, muss C. jetzt feststellen, dass er sich verliebt hat. Dabei hat er doch noch nicht einmal mit dem Mädchen geschlafen, kennt sie kaum. Nun hat er sie seit einer Woche nicht gesehen und sich, nach einem albernen Wutausbruch, damit auch nicht weiter beschäftigt. Schade ist es halt, ziemlich schade, aber&#8230;Er hantiert gerade mit dem Teekessel durch die Gegend, hat eine mittlere Hüsker Dü aufgelegt, da klingelt es an der Tür. Er geht die Treppe runter und sieht durchs Glas jeansumhüllte Beine und erkennt im weiteren Verlauf seines Treppabsteigens S. Endorphine machen sich auf den Weg, seinen Gehirnwindungen eine reinzuhauen, Worte verheddern sich in den Ganglien und ihr Geruch weckt angenehme Reminszenzen. Arbeiten hatte sie müssen (die leidige Spätschicht&#8230;) und ist deshalb auch nirgendwohin ausgegangen, will einfach nur mal so vorbeischauen.Durchsichtige Beiläufigkeit auf beiden Seiten, er bietet ihr einen Tee und einen Platz auf dem Sofa an, sie erzählt von den Trinkern und deren Sprüchen auf dem Job, von den Vorarbeitern und den Pin Ups in den Spinden, C. verwirrt sie mit Zwischenfragen und macht noch mehr Tee, der späte Nachmittag wird zum frühen Abend, und das locker auf dem Sofa parlierende Duo mutiert zu einem Wesen mit vier Armen und vier Beinen.Auf der gegenüber liegenden Seite des Hofes bellt ein Köter, ein Gör&#8217; kreischt nach Mama oder irgendetwas anderem, ich lege meine Jazz-Cassette ein. John Coltranes Saxophonlitaneien übertönen den Lärm von draußen. Wir küssen uns, beginnen nach und nach, uns die Kleider zu entfernen. Langsam, sehr langsam nähern wir uns dem erstrebenswerten Zustand völliger Nacktheit, unsere langen schwarzen Haare unentwirrbar ineinanderfließend, sie beißt mir in die Rippen, während sie langsam an meinem Körper herabgleitet. Ihre Haut riecht nach Körper, nach allem, was die Poren hergeben, ein starker Geruch. Ich schiebe meine Hand zwischen den Stoff ihrer Hose und ihre Haut, taste nach dem, was irgendwie zwar immer gleich, aber doch jedesmal wieder interessant ist, wie wird es da genau aussehen, sich anfühlen, riechen, schmecken, wenn der Saft an ihren Schenkeln klebt, wie werden ihre Brüste aussehen, diese hier sind wohl üppig, schwer, die Haut ist karamelfarben, ihre Brustwarzen sind dunkel und richten sich gerade auf als sie meinen Schwanz leckt, und ich ihre Möse ausschlürfe, auch hier ein schwerer, starker Geschmack, keine von diesen Gutgewaschenen, die noch nach Seife schmecken. Ich versuche, nicht abzuspritzen, ich will mit dieser Frau ficken, da hebt sie ihren Ofen von meinem Gesicht und setzt sich auf meinen Schwanz. Langsam vögelt sie, sie ist laut, sie ist nass, sie wird schneller und ich versuche, sie zurückzuhalten, weil ich den Augenblick verlängern will, diesen Fick (es könnte schließlich der letzte sein, theoretisch, jedes Mal). Irgendwann verspüre ich in der Leistengegend den kommenden Erguss, dann mit dem ganzen Körper alles und nichts. Wir liegen schlaff da, für den Moment ziemlich zufrieden, berühren uns überall und wenn sie meinen Schwanz anfasst oder meine Haut in dessen Peripherie, erschaudere ich, weil es kitzelt.<br />
        Wir rauchen Zigaretten.<br />
        Wir reden.<br />
        Alles geschieht sehr, sehr langsam.<br />
        Wir haben keine Pläne bis zum nächsten Fick.<br />
        Während wir so, langsam und diffus, von allem möglichen sprechen, sagt sie, dass sie pissen muss und ich stecke meinen Finger zwischen ihre Schenkel. Ich stelle fest, dass sie dort immer noch unglaublich nass ist und deshalb setzen wir gleich noch eine neue Runde an, die ein bisschen länger dauert, als die erste. Wieder schreit sie, als ich sie, diesmal von hinten, vor dem großen Spiegel stoße. Durch ihre Beine hindurch greift sie nach meinen Eiern, wir sehen uns im Spiegel an. Brüllen, Stöhnen. Ich komme.Das Nachglühen lässt uns in ein zufriedenes Dämmern hinübergleiten, in dem wir uns aneinanderreiben um die Hitze unserer Haut zu absorbieren.<br />
        Er sah mit sprudelnden Sinnen und einem dämlichen Grinsen in die Zukunft (Tom Robbins)<br />
        Jetzt geht sie die Treppe runter, geht die Straße runter (es ist wohl vier Uhr, morgens), und ich bin ausgefickt, draußen regnet es, zumindest hat es das noch vor kurzem, die Reifen der Autos verursachen dieses spezielle, leicht klebrige Geräusch, wenn sie über den nassen Asphalt rollen. Und der Himmel hat schon wieder mehr Blau als Schwarz. Zwischen Wolkenfragmenten geht ein Mond unter, der aussieht, als habe er auch schonmal bessere Nächte gehabt, aber es ist schließlich nur ein Haufen Geröll, und was geht der mich an. Morgens finde ich heraus, dass an meinen Händen immer noch der Geruch des Mädchens klebt, an meinem Schwanz auch, beim Frühschiss steigt er, alles überdeckend, in meine Nase, und es ist sehr befriedigend, auch wenn es sich nur um Erinnerung handelt (jetzt schon), was daran wirklich berauschend ist. Aber selbst das reicht, um sich einigermaßen gefestigt der Beschäftigung mit den profaneren Aspekten der Existenz widmen zu können&#8230;Am nächsten Morgen stelle ich mit einem flüchtigen Blick aus dem Fenster fest, dass es regnet, also lege ich mich wieder hin und verbringe den Tag, nachdem ich nicht mehr schlafen kann, mit der Lektüre und Überarbeitung einiger Kurzgeschichten, die ich im Winter aus meinen Urlaubserinnerungen geschnitzt hatte. Später hole ich mir einen runter, weil es mich unerträglich geil macht, von meinem schönsten Ferienerlebnis zu lesen. Die Geschichte einer schwülen Sommernacht, die ich in einem Hotelzimmer an der Algarve mit einer Frau teilte. Eigentlich war nichts zwischen uns gelaufen, bis ich mitten in der Nacht davon aufwachte, dass sie mir die Unterhose hinuntergezogen hatte und begann, mit meinem bald steifen Schwanz zu spielen. Als die Frau, die ich auf der Zugfahrt hierher kennen gelernt und, wie ich glaubte vergeblich, angebaggert hatte, merkte, dass ich wach war, nahm sie ihn in den Mund und begann langsam daran zu lutschen, mit der Zunge daran entlang zufahren. Ich legte mich auf den Rücken, und sie kniete zwischen meinen Beinen. Sie legte sich meinen Schwanz ans Gesicht, stülpte dann wieder ihre Lippen darüber, ihre üppigen Brüste schwangen mit einer leisen Berührung über meine Eier und immer wenn ich fast abspritzte, hörte sie auf, wartete, bis sie weitermachen konnte. Als aber auch das kaum noch möglich war, glitt sie an meinem Körper hoch, zog mich auf sich und nahm dann meinen Schwanz in die Hände und legte ihn zwischen ihre Brüste, die sie daraufhin zusammenpresste und ich fing an, sie zu vögeln, einmal musste sie noch ihre rechte Brust nachfassen, dann legte sie den Kopf zurück und schloss die Augen. Ich sah fasziniert zu, wie mein Schwanz ab und zu mit der Spitze zwischen den Hügeln hervorschaute, dann konnte ich nicht länger an mich halten und ergoss mich über ihre Schultern, den Hals und das Gesicht in einem nicht endenden Strom, dann sank ich aufs Bett und schlief bis in den späten Morgen.&#8221;Eigentlich wollte ich ja nicht um acht kommen, aber jetzt tue ich es doch,&#8221; sagt die Frau, die um acht hatte kommen wollen. Jetzt ist sie da, und ich bitte sie auf mein Sofa beim offenen Fenster, durch das Reste der Nachmittagssonne dringen, wo man von unten die Tochter der Nachbarn mit ihrer wohl besten Freundin gackern hört. S. legt &#8220;Vitalogy&#8221; von Pearl Jam auf, dreht lauter, und wir brüllen uns eine Weile an, bis sie die Musik wieder leiser dreht. Und wir reden über Bücher, Filme, völlig unstringent, ziellos, ich liebe es schon, diese Stimme zu hören &#8211; dunkel, voll, schwer, mit dem Ausdruck einer wohligen Trägheit. Dieses Gesicht zu sehen. Bedenklich, denke ich bei mir. Ich bin verliebt. Bedenklich, weil ich nicht weiß, was in diesem schönen Kopf vor sich geht. Ich könnte versuchen es herauszufinden.Dieses Lachen, heiter, unhysterisch &#8211; die Nys aus &#8220;Stille Tage in Clichy&#8221; hätte so besetzt werden müssen (Chabrol hat da, und nicht nur in diesem Punkt schwer versagt) und wir können uns auch darauf einigen, dass seine Verfilmung völlig missraten ist &#8211; wir küssen uns.Eine Flasche Prosecco, die ich geschenkt bekommen habe von einer Ladeninhaberin um die Ecke, nachdem ich einmal in einem Plausch über die Rolle der Gewerkschaften in diesem Lande übereinstimmend mit ihr zu einem vernichtenden Urteil gekommen war, steht auf der Fensterbank.Ich entkorke sie und wir trinken den kühlen und trockenen Inhalt der Flasche. Meine Ladeninhaberin meinte es gut mit mir. S. sitzt auf meinen Knien und fasst mir zwischen die Beine. Nach einer Weile öffnet sie meine Hose und holt meinen Schwanz heraus, der sich freudig ihrer Berührung entgegenstreckt. Ich schließe die Augen und lehne mich zurück.Dann fühlt es sich auf einmal anders an und ich sehe nach, was die Ursache dieses merkwürdigen Gefühls ist. Ein Speichelfaden hängt von ihren Lippen (oh, diese Lippen) bis zu meinem Schwanz hinunter, und ich sehe, wie sie meinen Schwanz lächelnd, mit geschlossenen Augen einreibt.Sie neigt ihren Kopf herab und nimmt Johnny Thursday in den Mund, ihre Brüste berühren meine Eier. Sie zieht mich und dann sich aus (die ganze Zeit mit meinem Schwanz im Mund, auch während sie die Schuhe auszieht). Dann gießt sie ein wenig von dem moussierenden Wein auf meinen Schwanz, es kitzelt und sie lutscht ihn gemächlich ab. Der Geruch ihrer Möse klebt an meinen Fingern und ich sauge ihn ein. Dann ist sie nackt. Sie steigt auf und ich gleite langsam in sie hinein, laut stöhnend. Wenn dieser Fick nicht zu Ende gehen könnte.<br />
        Langsam!<br />
        Wir schauen uns an auf meinem roten Sofa und lachen und &#8220;Gut ist gar kein Ausdruck,&#8221; wie sie es ausdrückt.<br />
        Sie gibt mir Wein, eine Zigarette, zündet auch sich eine an, sagt:<br />
        &#8220;Wein und Zigaretten&#8230;&#8221;, lacht versonnen und sie meint, dass das geil ist, und ich denke, dass sie verdammt nochmal Recht hat. Wir ficken immer noch (die ganze Zeit), während es draußen dunkler wird. Eine ganze Zeit später müssen wir beide pissen.Und wir liegen auf dem Sofa herum, und sie, die auf mir liegt, schläft auf mir ein. Meine Beine verlieren das Gefühl und ich trage sie auf mein Bett, wo ich eng an ihrem Körper gleich ihr einschlafe. Ein paar Mal in der Nacht wache ich auf und schaue im blassen Nachtlicht, berühre, was da neben mir schläft (die erste Frau die schnarcht), küsse sie.Sie warten in der Küche darauf, dass der Kaffee durchgelaufen ist. Sie blättert, nackt, in ACID herum. Sie liest vor: &#8220;Kein Kerl vögelt seine Alte bis zum Bauchnabel, es sei denn, er ist &#8216;n Stierkämpfer&#8221;. Sie schaut zu ihm rüber und meint mit einem Lächeln: &#8220;Das stimmt nicht. Oder bist du &#8216;n Stierkämpfer?&#8221; Wir lecken uns am Körper ab, sie setzt sich auf meinen Oberschenkel und reibt ihre Pussy, bis sie immer feuchter wird. Ich bekomme eine schmerzhafte Erektion, und sie setzt sich darauf &#8211; er ist von gestern noch wund &#8211; und fragt, ob es weh tut, und ich sage ihr, dass das nichts ausmacht. Und wir ficken, bis ich alles was noch in mir ist verliere. Zigaretten, ein Rest des Weins von gestern Nacht. Barfuß laufen wir dann in der Hitze herum, gehen hinunter zum Fluss und hängen &#8216;rum. Die Sonne treibt mir Schweißperlen auf die Stirn, die sie küsst. Wir sind albern, sehr albern, wie Teenager, die wir beide nicht mehr sind. Jetzt entflohen diese Worte meinem Mund, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatten, hinterließen Verwirrung auf ihrem Gesicht. &#8220;Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass du mich liebst.&#8221; Was aber ist denn schon die Liebe? Ich bin verliebt, natürlich ist das nicht zu leugnen. Aber Liebe? &#8220;Ich würde so etwas nie sagen,&#8221; sagt sie. &#8220;Selbst, wenn es der Wahrheit entspräche.&#8221; Ah, lässt mich im Ungewissen, wo ich nicht einmal wissen will, wie das Spiel steht. Sie kennt vielleicht die törichten Aspekte von derlei Mitteilungen und spielt mit anderem Einsatz. Egal! Wichtiger war mir, ihr einen Eindruck meines Zustandes zu vermitteln. Ich lag bei dir und wir waren ineinander vercuntet und du riefst meinen Namen während wir fickten und dann sagte ich es, wobei es nicht unbedingt um eine große Begriffschärfe ging, ich wollte nur meinem Überschwang Worte geben. Jedenfalls war es ganz einfach und hatte kein Frack- oder Sacksausen zur Folge, es verströmte wie das Sperma, was sie gerade aus mir heraus gepumpt hat und nun tröpfelnd auf meinem Körper und dem Bett verteilt, während sie über mich hinweg nach den Zigaretten fischt, floss dahin im Strom postkoitaler Befindlichkeiten. Sie beugt sich herüber küsst mich ihre hängenden Gärten streifen gleich tiefliegenden Wolken meine Brustwarzen, die sich aufrichten und sich empören, keine Augen zu haben. Später unter der Decke rieche ich immer wieder den schweren süßen Duft ihrer Möse, der den feuchten Regionen zwischen unseren Beinen entsteigt. Bei jeder Bewegung ein olfaktorischer Gruß aus dem Schmelztiegel. Wichtiger (jetzt, jedenfalls) als alle anderen Botschaften, weil unstrittiges Faktum, auch wenn sie es nicht riechen kann, wegen ihres Schnupfens, dessentwegen sie auch schnarcht, kein Produkt eines Hirns.Vorhin, vor ungefähr zwei Stunden, gebrauchte S. nach unserem Fick das Wort &#8220;Magie&#8221;, aber ist das nicht ein ebenso fragwürdiges Konstrukt wie die Liebe? Wie so oft steht sie um fünf in der Früh auf, um in die Fabrik zu gehen, die Oberfläche von Kühlschränken zu polieren, die nicht ihr gehören (was sollte sie auch mit so vielen Kühlschränken?).<br />
        Was this your celebrated summer?<br />
        Was that your celebrated summer?<br />
        Was dann kommt? Was weiß denn ich. Dann ist halt klar (möglicherweise, zumindest), dass du fort bist. Dann brauche ich nicht nach dir Ausschau zu halten, am Fluss, zu versuchen dich zu erreichen, auf dich zu warten, wenn du wieder eine Stunde zu spät kommst &#8211; ich hasse es, zu warten &#8211; muss mich um dieses und jenes kümmern, nicht um diese Teenager-Emotionen, dann und wann ein Blick zurück, spätestens, wenn die Band unser Lied spielt, vielleicht schreibe ich selbst eins, oder zwei.<br />
        Jedenfalls muss ich dann aufstehen, und die Realität wird durch mehr als nur ein bis zwei Veränderungen gekennzeichnet sein. Ein Zurück wird es nicht geben, was bis morgen nicht geschieht, wird nicht mehr geschehen. Das Bild ist fast fertig, es fehlen noch ein paar Dinge, aber die brauchen nicht viel Zeit. Vielleicht noch einmal zwei nackte Körper in enger Umarmung, die in einer feuchten, warmen Mulde sich ineinanderdrängen, einige Küsse und dieses Lächeln, und ihre Haare an meinem Arsch, mein Finger in ihrem Arsch, meine Zunge zwischen ihren Lippen, ihre Haare zwischen meinen Zähnen und der Geruch in meinen Haaren, auf dem ganzen Gesicht und an meinen Händen (ich bade meine Hände in Unzucht). Deine Brüste um meinen Schwanz, mein Schwanz in deinem Mund. Langsame Bewegungen, zuckendes Fleisch und Hirn. Eine Zigarette und Rotwein.<br />
        celebrating every day the way she thought it should be(now i dont know what to do when pink has turned to blue) -<br />
        Dann wirst du in deine Jeans klettern, die eng und an den richtigen Stellen zerschlissen sind, ohne Unterhose, und, ciao, die Treppe runter, durch die Tür gehen, slack, slack, slack die Straße runter. Und vielleicht bin ich auch nur in die Idee verliebt, die ich von ihr habe, eine Idee aus meinem Kopf. Vielleicht passen dein Körper und die Dinge die du sagst und tust, zu gut zusammen mit diesen heißen Tagen im Mai und dem Regen im Juni, wer weiß das schon so genau.<br />
        stone</p>
<p>        Hardcore Calevfornia<br />
        „Some balls are hold for charity and some for fancy dress, but when they are hold for pleasure, that´s the balls that I like best“<br />
        (AB/BA)</p>
<p>        Vorspiel<br />
        Why is this masterpiece of literature you hold in your hands while thinking about stealing this issue from the train station you just stand in in English? Well, this column should came out as a contribution to the DIY Files Section in the Punk Planet Fanzine which never happened. I was in California in 2004 and when i made my way up to the Gilman Street in Berkeley, it struck my mind that I could write something for the DIY Files Section inside Punk Planet which had topics like how to make a fire and something like that. As I am not that geschickt in constructing anything, it came to my mind that there is definitely one thing i know about and which is related to DIY (and to this trust special issue about sex and music). I wrote the original part of this column directly after it hit me, in an internet cafe in Berkeley, and in 2 hours (hey, English is not my first language) wrote down everything what came to my mind. Before going into the topic, I have to say that I thought about writing about my best or worst sex experience. Well, some people of the trust were not sure if that will interest anybody out there so I make it short and will only say that my best sex experience was definitely not my first time. That special event happened shortly after my 18th birthday (see, i am old school and did not have real sex experience before that, only usual petting stuff) and took place where it should always take place: in the bed of my parents while they were on holidays.<br />
        What happened you ask? Well, let me say it in this way: it was wild, it was great, it was dirty, it was rough, it was dirty talking, it was soo supercool that you can not imagine it even in your wildest dreams – and the soundtrack to this could have been the song “you suffer“ from Napalm Death. Hey, that was a cool joke right? So, it was above all one thing: short. And very verkrampft. Things got better but that´s another story i will not tell now. Maybe it will occur during the Lektüre of this article that you may think “how is that possible that he is writing so openly about so intimate things like Selbstbefriedigung ? Is he a big Selbstdarsteller who hides the whole day behind his Computer while surfing on the hun.com or what?“ Well, while i indeed often sit behind my computer and surf on certain sides, let me tell you, that I think YOU could also write about things probably way better than i can – just do it. And don’t forget to send it to the Trust Fanzine, right?<br />
        Get wet<br />
        You think it is ridiculous to write about masturbation because that is not a typical punk theme?<br />
        Do you know what? I am so fucking tired about reading for the 1000th time about your band, your records, your shows and your absolutely nothing-to-say lyrics repeating the cliche sex-drugs-and-rocknroll without any own ideas. Music is important, right, but Punk is not only about making different music. I think it is important and political not-to-view the bullshit “woman gets fucked by a horse“ or “gang bang“ movies. It is fact that most porn movies are sexist-crap because they reduce both sexes on functional objects (the male as the always willing, always active hot sex machine, the woman as the passive one with strong lesbian tendencies and always ready to eat your cum).<br />
        But I can not hide the fact that some erotic literature, erotic paintings, a few erotic thrillers, hell, even some music (“Je t’aime“ from Serge Gainsbourgh, the female moaning&#8230;what a song) and a very few hardcore porn movies turn me on. You know, you can burn down all xxx porn-stores and boycott all newspapers with pictures of naked bodies. But even if you boycott and destroy everything, you can not ignore that people are having sex, often with themselves, and when they do this, that they think of erotic fantasies or imaginations. Should Punk not take a stand to this ?<br />
        Thing is: we all like Punkrock (music), right? Punk was and is about to change and challenge the mainstream and their established opinions and stereotypes – in music, in sexes and gender, in trying to find new ways of nutrition (vegan), in a new look on drugs (straight edge), in politics, paintings, photos shooting, independent literature. Well, and in sex and in this particular case, masturbating too. You got it, „let’s talk about sex, baby, let’s talk about you and me“, let’s try to share our opinions about a thing you could call a modest try for a progressive and leftist view on erotic.<br />
        Some people say that the difference between erotic and porn is that erotic uses the feather and porn the whole chicken. Maybe, but sometimes, you need the one and sometimes you need more.<br />
        The ugly, the bad and the good way to mastrubate DIY on a scale from 0 (ugly) to 10 (good) from a male point of view<br />
        The ugly 0<br />
        Going into a porn-video store in Chinatown in San Francisco (on holidays in early 2004), inserting 3 dollars into that slot of the video cabin after closing the door and zapping through the porn movies while masturbating. See, the actors never kiss each other, they only fuck each other. And when they speak they use this ridiculous dirty talking. Enlighten humans (enlighten in both meanings, emancipated people and people who know about sex) should not talk in this hate-speech-way. Is that not interesting? I thought so.<br />
        0,5 Going into a large video-store, watching all the video covers and masturbating inside the porn section. Well hidden while wearing shorts. Yeah, jump in the fire!<br />
        0,8 Or visiting a nude girls bar on the Ramblas in Barcelona after getting real heavy into alcohol, watching live sex on stage. 18 years old young’s who just finished their high school maybe deserve it.<br />
        1 Reading hustler and stuff and masturbating while flipping through the pages. I buy a porn-magazine once or twice a year after a heavy drinking night, “read“ it for a few days and throw it away after “using it“. Hey, please, just because I speak offensive about a vorgang that everyone reading this, layouting this and buying this does but komischerweise only few talked about, i am not interesting in your story about this topic. Maybe if your name is alfred e. neumann oder pamela anderson, i make an ausnahme.<br />
        The bad 2<br />
        At age 13 sitting on your carpet in your room and right before the highlight of your action, your mother enters through your unlocked door with your just-washed clothes? No good.<br />
        3 Somebody else could help you? Well, DIY means also DIT, do-it-together, when it comes to organize a show or so, but in this case I prefer to DIA, do-it alone.<br />
        4 You start with a really good picture in your head like the last time you had sex with your girl friend, or you imagine you will get intimate with the nice bartender you saw yesterday or with that woman you just saw at the bus-stop. And then, some picture from a real ugly situation or a face which you definitely can not stand comes into your mind and it stands right there and will not go away. Forget it, see you next time. By the way, not-wearing a bra and wearing the belt from your bag in a diagonal way from your right shoulder to your left hip is not erotic.<br />
        5 Thinking of your sister, your mother or the girl-friend of your best friend while starting is definitely a wrong start.<br />
        6 You are for 4 weeks on holiday with a good (male) friend and you stay in a hostel and experience the whole day together the new towns and lets say, you even sleep in the same bed because of the lower prices and they only have this one particular bedroom. This situation can force you to go in a restaurant rest-room where you can take your time. But you know, this one minute pleasure in a restroom and cleaning all up with toilet paper is not the best atmosphere, I guess. Maybe masturbating at the restroom of your work-place is the only thing which is intelligent during your work. But also not the best thing in life, you know?<br />
        7 Masturbating while standing in front of the mirror and watching yourself in the mirror? Can be worth a try, for you maybe, but this is not my preferred way.<br />
        8 Just try it with pure imagination and try not to use your hand during getting a hard-on. That can work pretty well, although sure, you later need a hand, some spitt or a little hot water to tighten things up. But that’s all needs you need, forget about that gel-stuff.<br />
        The good 9<br />
        Make it slow and intense. Take your time, maybe 1 or 2 hours. Do it at the evening or in the night. It is cool if you can hear the slight sound of ocean waves and palm trees but that’s not the most important thing. I would say never any music, but there are two songs which could serve as a nice soundtrack on a low volume level. That would be that instrumental song Albatross by Fleetwood Mac and the Simon and Garfunkel Song, The Condor pasa. The best timing would be in my opinion after a long shower or a hot bath. Lay down on your bed, dressed in your night-clothes which would be the usual short and T-shirt combination for me, close your eyes and try to get into your nicest fantasy. Maybe you start to turn on while thinking of your admired girl sitting directly at the opposite of your bed and she watches you masturbating and does it for herself too but you both do not touch each other? Undress yourself slowly and touch yourself. When you really start sweating and your mind builds weird fantasy picture you are on the right side of the track. Slower it down if you almost can not hold and then let it go. To moan is not my thing. Oh, and eat that shit? No way man. Just because mainstream porno industry tells us that all woman have a pleasure in sucking the cum, I talked about that with female friends and some agreed that this is propaganda. Maybe your friends tell you something different.<br />
        10<br />
        Hey, do you always start with the end of the book when reading? No? Well, why here? Always remember, do it right in the opposite way like Leslie Nielsen. You know that he said once “ I like my sex the way i play my basketball, one on one with as little dribbling as possible“. I would say, the more dribbling, the better it gets.<br />
        Like Fear’s Lee Ving said: just kidding’. Oh, und ich dachte, ich lege die Latte für Kolumnen mal was höher – JA JA JA, schon gut. Ich wünsche euch ein schönes Leben!<br />
        Jan Röhlk</p>
<p>        DIETMAR<br />
        Ich hatte kürzlich einen höchst seltsamen Traum: Zunächst saß ich in einem dunklen Theater (zweite Reihe, rechts) und schaute mir an, wie der Teufel einen Mann seine eigene Rippe essen ließ. Das fand ich allerdings gar nicht erschreckend, sondern völlig normal &#8211; als würde ich mir irgendeinen Kinofilm anschauen. Später dann muss ich wohl einen Mann umgebracht haben, aber ich weiß nicht mehr wie. Es geschah noch ein zweiter Mord, aber jemand sagte mir, dass da wer anderes verdächtigt werde. Ich glaubte dieser Person nicht; ich war überzeugt, dass ich da auch der Täter sein und dies irgendwann rausfinden würde. Ich war aber zugleich überzeugt, kein Unrecht getan zu haben &#8211; die Morde waren notwendig. Ich musste trotzdem fliehen &#8211; durch ein Reisfeld, wo ich viele Vietnamesinnen bei der Arbeit sah, die mich anlächelten. Komisch nur, dass ich überzeugt war, dass dieses Lächeln falsch war und die scheinbar netten Asiatinnen mit meinem Verfolger (der der Böse war) zusammenarbeiten würden. Zum Schluss wollte ich mich in einer Großstadt von einem Wolkenkratzer stürzen, was mir schon im Traum ziemlich idiotisch vorkam: Ich hab zwar keine richtige Höhenangst, genieße auch jede Fernsicht, aber ich habe Angst vor dem Runterfallen. Das konnte also nur scheitern. Verstanden hab ich diesen Traum bis heute nicht.<br />
        *<br />
        Wenn ich abends ins Fitnessstudio gehe, stelle ich meinen Wagen oft im Parkhaus ab &#8211; das Studio befindet sich in Neukölln in einem Einkaufszentrum, und ringsherum ist es oft nicht leicht, das Auto abzustellen. (Und ich habe bei der Kälte keine Lust, die U-Bahn zu nehmen.) Über dem Fitnessstudio befindet sich ein Kino, an dem ich auf dem Weg vom Parkhaus vorbei komme. Ich mag das, ich genieße den Geruch von frischem Popcorn, der sich dort überall ausbreitet. Ich glaube sogar, dass der Geruch eine zusätzliche Motivation ist, sich zwei Stunden zu quälen. Irgendwie erinnert mich das Popcorn an einen glücklichen Teil meiner Kindheit. Auch das ist eigentlich Unsinn, ich habe noch nie viel Popcorn gegessen.<br />
        *<br />
        Sprechen wir von Wärme: Noch nie wie in diesem Winter hatte ich das Gefühl, ich brauche Wärme so dringend. Eigentlich hätte ich mit Erscheinen dieser Ausgabe gerade aus Mexiko zurückkehren wollen, aber das hat nicht geklappt. Stattdessen werd ich also hier durchhalten müssen. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen freiwillig in den Ski-Urlaub fahren. Ich bin also Zuhause, niste mich hier ein und erspare mir viele schlechte Konzerte. Ein bisschen fühl ich mich dabei, als würde ich nach einer langen Krankheit erst ganz vorsichtig auf die Beine kommen. Wer weiß.<br />
        *<br />
        Ich habe meinen Nichten und meinen Neffen noch nie etwas zu Weihnachten geschenkt; das haben meine Schwestern immer gegenseitig gemacht. Und ausgerechnet in dem Jahr, wo sie das aufgeben, den Kindern der anderen Schwestern etwas zu geben, fang ich damit an. Also habe ich in diesem Jahr Bücher für die älteren gekauft und Utensilien für einen Kaufladen für die jüngste Nichte. Aber am meisten Spaß hat es gemacht, für meinen Neffen etwas von Playmobil auszusuchen. Damit habe ich damals auch gerne gespielt, und ich war begeistert, was es heutzutage alles gibt: Sogar an das Toilettenhäuschen für Bauarbeiter haben die gedacht! Das hab ich dann aber doch nicht gekauft, damit kann mein Neffe wohl noch nichts anfangen. (Und es möge mir jetzt keiner mit dem Wort Konsumterror kommen, darum geht es nicht. Abgesehen davon konsumiere ich gerne: Wenn ein Buch, eine DVD oder eine CD erscheint, die ich haben möchte, kaufe ich mir die auch. Warum auch nicht?) Plötzlich macht es Spaß, den Onkel zu spielen, vielleicht auch, weil die Kinder mich in diese Rolle drängen. Früher hab ich das abgelehnt.<br />
        *<br />
        Kürzlich hatte ich ein paar Stunden Physiotherapie, nachdem die Schmerzen in meinem Nacken aufgrund all der Arbeit vor dem Computer überhand genommen hatten. Die Massagen taten weh, aber die Schmerzen hallten auch noch über Stunden nach. Das muss so sein, sagte mir die nette Masseurin, die ein halbes Jahr älter war als ich. Denn der Körper hatte es sich in seiner schlechten Position relativ gut eingerichtet, und nun wehrt er sich, weil man ihm eine neue aufzwingt. Das konnte ich nachvollziehen.<br />
        Dietmar Stork</p>
<p>        JOBST<br />
        Sex und Musik sind für mich keineswegs Gegensätze, aber doch irgendwie Dinge, die nicht so richtig zusammenpassen. Ich find generell beides gut und habe sowohl Spaß an Sex als auch an Musik, nichtsdestotrotz läuft bei mir selten beides zusammen. Während ich Musik höre oder mache habe ich keinen Sex und während ich Sex habe läuft eigentlich nie Musik. Ich kann gar nicht so genau erklären, warum das bei mir so ist und würde auch nicht sagen, dass ich diese Trennung für unumstößlich halte. Jedenfalls bin ich weder der Typ, der durch Musik zu Sex stimuliert wird, noch jemand den Sex dazu stimuliert besondere Musik zu hören. Und das habe ich anscheinend auch mit meinen bisherigen Sexualpartnern geteilt. Da ich in Sachen Sexualität tendenziell eher ein Softi bin, kann ich mir auch nur schwer vorstellen vernünftige Musik dabei zu hören. HC/Punk ist einfach fehl am Platze und extra zum Beischlaf eine softe CD mit nichtssagenden Texten einzulegen ist dann doch etwas zu cheesy…<br />
        Aber das ist ja bei allen Leuten unterschiedlich. Eine der beklopptesten und doch beindruckendsten Sex und Musik-Stories habe ich vor einigen Jahren gehört. Und zwar habe ich mit meiner Band in einer süddeutschen Kleinstadt ein Konzert mit einer lokalen Proll-Metal-HC-Band gespielt. Namen tun hier nichts zur Sache. Jedenfalls hingen wir vorher wie üblich in einer Art Backstage-Raum ab. Wir waren auf Tour und hatten eine lange Fahrt aus, ich glaube, Spanien hinter uns. Dementsprechend gerädert hingen wir also in den Seilen, redeten nicht viel und ließen uns von dem Gespräch, das die Proll-HC-Typen untereinander führten, berieseln. Offensichtlich hatte die Band gerade ihre ersten Aufnahmen gemacht und waren unglaublich von ihrer eigenen Band begeistert, was den, wie sich später herausstellte, Sänger der Band dazu veranlasste, folgende Geschichte zum Besten zu geben: „Alter, unsere Aufnahmen sind so fett, ey! Ich hab mir die heute morgen beim Poppen mit meiner Alten reingezogen. So geil. Und als ich dann fertig war bin ich nackt, noch mit Votzenschleim am Schwanz, auf dem Balkon und hab unsere Songs voll aufgedreht! Das isch das Allergeilste!!!“ Zustimmendes Nicken vom Gitarristen und ungläubig-schockierte Gesichter bei uns! Auch wenn ich die Offenheit des jungen Mannes sehr schätze, so war mir das zu dem Zeitpunkt doch ein Hauch zu viel Information. Jedenfalls konnte ich während ihres Auftritts die Augen nicht von dem Sänger lassen und konnte ebenso wenig umhin, ihn mir splitterfasernackt auf seinem Balkon vorzustellen, noch mit seinen und den Körperflüssigkeiten seiner Freundin am Genital und voll befriedigt von gerade stattgefundenen Geschlechtsverkehr. Nee, schön war das nicht. Dennoch habe ich so einen selbst-verliebten Umgang mit sich selbst und seiner zudem wirklich miserablen Musik so nicht wieder erlebt. Fiel mir aber eben zum Thema Sex und Musik wieder ein.<br />
        Was andere MusikerInnen zum Thema Punk und Sexyness denken, kann man nach wie vor in Urtes und Bennis großartiger Photoausstellung „More Than Music!?“ nachlesen (Fehler! Textmarke nicht definiert.). Für Guy von Fugazi sind Punk und Sexyness beispielsweise „Twins“, wohingegen Duane Peters zu dem Thema nur folgender Satz einfällt: „A hole in the wall can be sexy, on the road!“<br />
        Ansonsten bin ich dann erstmal raus für heute.<br />
        Freue mich wieder an Bord des Trust-Mutterschiffes zu sein.<br />
        In Hochachtung,</p>
<p>        Jobst</p>
<p>        Under my thumb?<br />
        Ein Dialog zwischen zwei Seelen in einer Brust</p>
<p>        Als Trust mich fragte, ob ich einen Beitrag über Sex ´n` Rock ´n` Roll schreiben möchte, sagte ich spontan zu. Und dann ließ ich mir das Thema durch den Kopf gehen. Was gar nichts brachte. Im Bauch tat sich schon eher etwas. Und als ich da genauer hin hörte, meldete sich plötzlich doch der Kopf. Und protestierte heftig. Wenn es nur dabei geblieben wäre, okay. Dann hätte ich mir gesagt, das Leben ist halt widersprüchlich, und die Menschen sind es auch. Ich eingeschlossen. Aber so einfach war das nicht. Ist es nicht. Denn der Konflikt spielt sich nicht nur zwischen Kopf und Bauch ab. Nein, die Schlacht wird in meiner Seele ausgetragen. (Doch, doch, so etwas wie eine Seele gibt es. Ich weiß es aus eigener Erfahrung.) Die spaltet sich nämlich, sobald es um dieses Thema geht, in zwei sehr unterschiedliche Seelen. Die eine, die ich Rock-Ingrid nenne, wird sozusagen von den Vibes und Riffs gespeist, die das Thema in meinem Bauch vibrieren lässt. Die andere ist durch und durch feministisch und sympathisiert in dieser Angelegenheit eher mit dem Kopf. Ich nenne sie hier Polit-Ingrid. Und versuche mal, die Fetzerei wiederzugeben, die diese beiden Ingrids sich in Sachen Sex ´n` Rock ´n` Roll„ liefern:<br />
        Rock-Ingrid: Rockmusik ist Sound gewordener Sex, ganz klar. Wenn ich meine Lieblingsbands, sagen wir mal die Stones, die Doors, die Velvet Underground höre, dann fährt mir die Musik direkt in die Zonen unter dem Bauchnabel.<br />
        Polit-Ingrid: Findest du das nicht seltsam? Das ist doch absolut männlicher Sex. Hart, aggressiv, fordernd. Und so weit ich weiß, bist du eine Frau.<br />
        Rock-Ingrid: Na und? Wer sagt denn, das Frauen ihre Sexualität nicht auch aggressiv und fordernd erleben und ausleben können? Wenn mich die Musik so direkt antörnt, dann muss sie ja wohl mit etwas in mir korrespondieren, oder?<br />
        Polit-Ingrid: Da frage ich mich jetzt aber: Womit? Die Art von Sexualität, die in der Rockmusik rüberkommt, ist doch untrennbar mit Frauenverachtung verbunden. Da geht es nicht um deine Sexualität, da geht es nicht um die sexuellen Begierden und Bedürfnisse von Frauen. Da geht es nur um die des Mannes. Der Typ und nur der Typ ist derjenige, der fordert und der sich auch nimmt was er will. Und den Frauen, die ihm zuhören, verklickert er genau das: Ich nehm dich, wann und wie ich will.<br />
        Rock-Ingrid: Ach, komm. Da gehören schließlich zwei dazu.<br />
        Polit-Ingrid: Ach ja? Und was ist mit all den kreischenden Mädchen, die in Ohnmacht fallen, wenn Herr Jagger nur die Lippen aufwirft? Was ist mit den ungezählten Groupies, die alles mitmachen, nur damit sie in das Bett ihres Gottes dürfen? Erzähl mir nicht, das wäre selbstbestimmte Sexualität. Die Musiker gehen davon aus, dass Frauen ihnen zur Verfügung zu stehen haben. Das drücken sie in der Musik aus. Und das kommt leider an bei Frauen, die das offenbar ähnlich sehen, warum auch immer. Weil sie vielleicht keine Chance hatten, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln. Und die Rockmusik und das Gehabe der Musiker bestätigen sie auch noch in ihrer unbewussten Unterwerfung. Und wenn es nur Frauen wären! Viele von diesen Scheißkerlen lassen sich 13-, 14jährige Mädchen ins Hotelzimmer bringen.<br />
        Rock-Ingrid: Einverstanden. Das kotzt mich genauso an, wie dich. Wenn ich schon nur in der Stones-Biographie lese: Hugh Hefner hat Jagger, Richards und Co in sein Penthaus einladen, zusammen mit einem Haufen &#8220;Häschen&#8221;, die Mädelz voll auf Downers, die Jungs voll auf Koks, und dann ging die Post ab, dann bin ich restlos abgetörnt.<br />
        Polit-Ingrid: Also?<br />
        Rock-Ingrid: Also was?<br />
        Polit-Ingrid: Warum lässt du dich dann trotzdem von der Musik, die sie machen, antörnen?<br />
        Rock-Ingrid: Wegen der Musik. Ich behaupte mal, die ist unabhängig von der Machoscheiße, die die Musiker ausagieren. Die Musik, die Janis Joplin oder Patti Smith gemacht haben, ist auch nicht anders. Rockmusik drückt Gefühle aus, die unabhängig vom Geschlecht sind. Wut, Begierde, Intensität. Etwas, das so archaisch ist, so tief in den Eingeweiden steckt, dass man es mit Worten nicht zu fassen kriegt. Sondern eben nur mit Musik ausdrücken kann. Das hören und spüren Frauen ebenso wie Männer. Es gibt ja nicht nur die Groupies. Es gibt nicht nur Frauen, die sich wünschen, bei den Jungs von der Band im Bett zu landen. Es gibt auch Frauen, die diese Musik als ihre Musik hören und empfinden, die sich nicht zu Füßen der Band sehen, sondern mit auf der Bühne. Als ich jung war, hat mich diese Musik angetörnt, weil ich sie als meine Musik wahrgenommen habe, als Ausdruck von etwas, das in mir eingesperrt ist und raus will, etwas, das sich endlich befreien und austoben will. Das war nicht nur Sexualität, das war noch viel mehr, das war Rebellion, die Lust, wild und intensiv zu leben, alle Grenzen zu überschreiten. Und vor allem war es etwas, das Mädchen nicht zustand. Das wir nicht ausdrücken, nicht ausleben durften, das wir am besten gar nicht hätten empfinden sollen. Und somit war die Rockmusik auch ein Mittel, um aus dem Gefängnis unserer beschissenen Frauenrolle auszubrechen.<br />
        Polit-Ingrid: Das hast du jetzt aber schön gesagt. Du hast nur leider die dazu gehörigen Texte vergessen, Schätzchen. Was passiert denn in deinen archaischen Eingeweiden, wenn Mick Jagger dir erklärt, dass er dich &#8220;under my thumb&#8221; hat? Oder den &#8220;Midnight Rambler&#8221; besingt, einen Frauenmörder? Oder wenn Jim Morrisson sein &#8220;Baby&#8221; auffordert: &#8220;get down on your knees!&#8221; Oder wenn Lou Reed vorschlägt, &#8220;you better hit her&#8221;?<br />
        Rock-Ingrid: Ja, ja, ja. Du hast ja Recht. Die Texte sind ganz oft die hinterletzte sexistische Scheiße.<br />
        Polit-Ingrid: Und sie sind von der Musik nicht zu trennen.<br />
        Rock-Ingrid: Weiß ich nicht. Ich bin nicht so schizophren, dass ich diese Songs mitsingen und dazu abtanzen kann. Aber es gibt ja genügend andere. Guck mal, im Blues gibt es dasselbe Phänomen. Die Musik geht dir total unter die Haut. Und die Texte lassen dich oft genug aus der Haut fahren, weil sie so frauenverachtend sind. Aber Billie Holiday und die anderen Ladies haben auch Blues gemacht, mit genau derselben Musik. Und der Rock hat seine Wurzeln im Rhythm and Blues. Vielleicht ist es ja das: Ursprünglich ist das eine Musik, in der die Unterdrückten, die Sklavinnen und Sklaven ihre Sehnsüchte, ihre Wut, ihre Verzweiflung und ihre Rebellion ausgedrückt haben. In der sie das ausgelebt haben, was ihr ganz Eigenes war, das, was ihnen ihre Herren nicht wegnehmen konnten, an das die gar nicht herangekommen sind. Und genau das schwingt noch mit in den Rhythmen, im Beat der Rockmusik. Wenn Machos die machen, dann versehen sie die mit Machotexten und spielen sie mit Machogehabe. Wenn Frauen die machen, dann machen sie ihr Ding damit. Der Kern der Musik bleibt von den geschlechtsspezifischen Interpretationen unberührt.<br />
        Polit-Ingrid: Du redest es dir gerne schön, was?<br />
        Rock-Ingrid: Dann sag mir mal, was bei dir abgeht, wenn du die alten Scheiben von Patti Smith hörst? Die kommt genau da her, vom harten Rock, von den Stones, von den Velvet, die hat genau den Rock gemacht, den du als männlich und frauenverachtend anprangerst. Aber wenn du Patti Smith hörst, dann passiert mit dir genau das, behaupte ich mal, was bei mir passiert, wenn ich Rockmusik höre. Right?<br />
        Polit-Ingrid: Eins zu null.<br />
        Rock-Ingrid: Und noch was: Der Jan von Trust hat mir eine Kassette zusammengestellt mit Punk-Sachen. Da sind ein paar drunter, die musikalisch superklasse sind, wo man die Wurzellinie rausspürt, vom schwarzen Rhythm and Blues zum Rock zum Punk (auch wenn Punkies das jetzt vielleicht wütend leugnen würden &#8230;), und das – jetzt halt dich fest! – mit 1a Texten, die das reine Gegenteil von frauenverachtend sind. Es geht also. Die Punks sind ja jünger als &#8220;meine&#8221; Altmachos, die noch nichts gerafft haben von wegen Frauen sind Menschen und keine Fickmaschinen. Dig it?<br />
        Polit-Ingrid: Das muss ich mir erst mal anhören, bevor ich dazu einen Kommentar abgebe.<br />
        Tja. Und dann zogen sie sich unter ihre Kopfhörer zurück. Polit-Ingrid hörte die Punk-Kassette, Rock-Ingrid ihr altes Bananenalbum. Als Rock-Ingrid kurz die Augen aufmachte, sah sie Polit-Ingrid wild abtanzen. Und als Polit-Ingrid kurz die Kopfhörer abnahm, hörte sie Rock-Ingrid „Scheiße!!!„ schreien.</p>
<p>        Ingrid Strobl</p>
<p>        If You Wanna Be Bisexual, You Gotta Know The Score</p>
<p>        I walk into TRIPLE X PEEPLAND, one of the few remaining mid-town sexshops. Mayor Mussolini has ground the rest under his police plunger. After looking at what&#8217;s new in Orientalia, I approach the counter. The businessmen casually browsing the scat rack back away as I pass. The Indian (turban, not feather) looks if surprised. &#8220;Where are the bisexual films?&#8221; I ask him. &#8220;Oh, you mean two girls and a guy?&#8221; he says. &#8220;They&#8217;re right over there in the European section. Next to the water sports, where it says, TWO GIRLS.&#8221; &#8220;But I&#8217;m not talking about two girls,&#8221; I tell him. &#8220;Oh, you mean two guys and a girl.&#8221; he says. &#8220;Those are in the Men&#8217;s Corner in the basement.&#8221; Trying to remain calm, I shake my head. &#8220;No,&#8221; I say, &#8220;I don&#8217;t mean two guys and a girl. I mean everything. I want videos with two boys, two girls, a boy and a girl, the whole kit and caboodle!&#8221; His heavy eyebrows lower in a frown. &#8220;I&#8217;m sorry.&#8221; He says, &#8220;We have nothing like that. You need to go to a special place.&#8221; Mentally sending HIM to a special place, I leave the store unsatisfied. Later that night, I mention my dilemma to the bisexual email list. It&#8217;s not a unique incident, I learn. Unique or not, I want to have my cock and eat it too! Since humanity is just more or less closeted bisexuals, you&#8217;d think the porno world would have more to offer. I do have a couple bisexual films of my own. BI COASTAL stars blond Cara Lott, whose small breasts save her from the hideousness that plagues most porno blondes. She&#8217;s come to California from the East Coast. She&#8217;s looking for her husband who ditched her in New York. To support herself on the trip, Cara lands a job with a local porno company. Then comes the casting couch. Chez femme boss, Cara shows her stuff. &#8220;Mmmm, now play with yourself. Let&#8217;s see you enjoy it.&#8221; The boss enjoys it, but doesn&#8217;t really get tongue in groove. That&#8217;s the lesbo scene. The rest of the movie is a series of homo, het, and two guys and a girl &#8220;bi&#8221; stuff. Most of the time, the guys don&#8217;t look like they&#8217;re enjoying Cara very much. Ugh! Ugh! Ugh! Jerkjerkjerkjerkjerk. Aahhh! There&#8217;s one ugly 80s-style mustachioed clone (the &#8220;husband&#8221;). The other guys are just too attractive to be at all heterosexual. One member of the bi-list offers a reason. Most het males in the U.S. tend to be pretty homophobic, so any hint of male/male contact is &#8220;fag&#8221; stuff. The homophobia is so rampant that the males in het porn believe that if there ever were even a rumor of their having had male/male contact they&#8217;d be shunned in the &#8220;mainstream&#8221; porn market. This is apparently not true. Het porn mainstay Peter North got his porn acting start in gay films as Matt Ramsey, and that fact has not had much affect on his career. But at any rate, none of the &#8220;mainstream&#8221; male leads (even the ones who are actually bi) will act in the things. So the men in the bi flicks are all pulled from the ranks of gay films, as are the producers, directors, etc. The result is that the films are made by people who are, mostly clueless about what a bi male would find stimulating. They&#8217;re basically gay films where some of the guys don&#8217;t have penises. Sometimes they put strap-ons on &#8216;em so there isn&#8217;t even that difference. Ah, so now we see a possible reason for the split at the porno shop. Also in my collection is BI BI EUROPEAN STYLE. The producers supposedly filmed this atrocity on location at a sex club in Amsterdam. The &#8220;actors and actresses&#8221; are certainly Dutch. Except for a black guy and a long-haired blond with too many muscles, the males are not particularly attractive. There is one good-looking female, but her interaction with other females is almost non-existent. It&#8217;s a boring video with a lot of bored-looking people screwing boredly. I picked up a copy of HOT BI SUMMER for $4.00. I paid too much. It looks like it&#8217;s simply cut from other movies. Bedroom scene one: bi. Bedroom scene two: lesbo. Bedroom scene three: het. (With an ugly mustachioed guy. What is it with hetporn and facial hair???) Bedroom scene four: homo. You get the idea. The only thing in this film&#8217;s favor is there are non-white girls. The boys are ok-looking, but they don&#8217;t seem to be enjoying what they&#8217;re doing. One blond guy gets fucked and sucks the bologna. A more macho guy fucks the blond and the girl. He also munches the carpet and allows himself to be sucked (not to orgasm) by the blond guy. BFD! Lots of self-considered hets will take a boy blowjob once in awhile. Yuck! On the internet was a review of the movie THE HILLS HAVE BIS. The review starts &#8220;One thing that&#8217;s lacking in porn is humor.&#8221; Wow! Say that again! The reviewer reports that the movie stars the bi-ubiquitous Sharon Kane. The plot concerns feuding parents, a bisexual son, his hillbilly fiancee and her redneck family. The move introduces Moist Towelette as &#8220;Muff.&#8221; Ah porn names, you gotta love &#8216;em. Let me know if you find a copy. The most famous bi movies are the BI AND BEYOND series. I haven&#8217;t seen any of these. My impression is that they just make bidom a freak show, mixing it with fake hermaphrodites and Siamese twins. There is a bi-film, however, that stands penis and vagina above the rest. It was released in the 70s, just after the theatrical premier of DEEP THROAT. The director, Radley Metzger, later went on to direct what many consider the best porn film ever, MISTY BEETHOVEN. This move, however, was SCORE. The version of SCORE that made it to the theaters was the softcore one. In fact, one reviewer called it &#8220;softcore&#8217;s last stand.&#8221; That&#8217;s the version I saw. It was amazing. Metzger based the movie on an off-Broadway play by the same name. The director describes the original and how he changed it: In the play, there&#8217;s a black-out when the couples decide to do it. That was a kind of &#8220;Hollywood&#8221; resolution to a shocking situation. To sit and see, five feet away from you, a woman seducing a young girl and a man seducing another man simultaneously in two different rooms, and going from one to the other within the dialogue, was in and of itself very, very shocking. I saw it twice. You could hear people&#8217;s pulses, there was such a tension in the room. But at the moment it happens, the lights go out and everyone yells &#8220;Bingo!&#8221; We used &#8220;Bingo&#8221; as more of a springboard. You&#8217;re able to do more things in film; you have many more devices. It all finally resolves itself, but in the non-Jane Withers idiom. [Note: I don't get the reference. --MB] It&#8217;s not just: &#8220;well, we all had that mad weekend, and now let&#8217;s thank God our lives are straightened so we can all watch Robert Young on TV.&#8221; It&#8217;s like the sophisticated comedy of the Thirties. You might say it&#8217;s Private Lives with what they really had in mind. A voice-over at the movie&#8217;s start tells you it takes place, &#8220;in the lush little land of Plenty, in the enviable state of Affluence, bordering on Decadence to the north and the state of Euphoria to the South. There, nestled deep within the Erogenous Zone is the peaceful city of Leisure, resting snugly on the western shore of the Idle Sea. In this lazy but lovely town, the people of Leisure labored and lived and laughed and loved and loved some more, though their love had nothing to do with the archaic idea of romantic love, which was the subject of many a cautionary tale told by the wary citizens.&#8221; The name of the movie comes from a game played by the protagonist and his wife. They try to seduce the tourists or the phone repairman&#8211; or most anyone else. They score a point for each successful seduction. Though the movie is softcore, it is very funny &#8220;I love your bedroom, it&#8217;s so&#8230; lived in.&#8221;, very erotic (especially the young woman, escaping from her Catholic upbringing), and very artfully done, with mirrors, camera angles, and music that, with another topic, would pack the art houses. Apparently, there is a hardcore version of the same film. An email correspondent wrote: You must have seen the &#8220;expurgated&#8221; version of &#8220;Score.&#8221; The original is anything but softcore. The original has close-up shots of oral and anal sex, etc. BUT, the whole movie was done very artfully, on the Yugoslav coast, before it became dangerous and was only beautiful, with its whitewashed houses and gorgeous sea. I imagine you DO know that the blond male star of the movie, Cal/Calvin Culver, went on to do many gay porn flicks as &#8220;Casey Donovan.&#8221; He was a hot item back in the 70s and was featured on the cover of the VERY avant-garde entertainment magazine, &#8220;After Dark,&#8221; a couple times. He died in Key West of AIDS several years ago&#8211;I discovered recently. I guess he was one of those who was enjoying sex without &#8220;rubbers&#8221; when they were really needed and people didn&#8217;t know it. Poor baby. We&#8217;ve lost lots of them. (No, not the rubbers, you silly guy.) I originally saw the Uncut version in Ohio about 1972 and then the CUT (nasty editing which diminished the film&#8217;s entire character) in then blue-nosed Toronto a year or two later. Isn&#8217;t it amazing how a bit of catering to the prudes can ruin a piece of art? Yup. Director Radley Metzger wanted to go further with this film. He had already done softcore. This was AFTER Deep Throat, so he could be more blatant, he thought. He talks about the ending: Well, the picture I just finished, SCORE, culminates in a double seduction-one swinging, sort of bisexual couple seducing a younger, more innocent, latent couple-which we did in a kind of parallel way. And, as it was shot in 1972, I was able to take the scenes further than I ever have before, because there&#8217;s this muscle of Puritanism which is just relaxing-like the girl&#8217;s muscle in Deep Throat! There seems to be a general relaxation of muscles in &#8216;72! And so the stuff goes into a category&#8230;I don&#8217;t know what name you&#8217;d give it, but I think it is beyond soft core. How much of it remains, how much can be seen in the final film-well, that remains to be seen, because we&#8217;re in the editing stage now. Evidently, it was edited twice. SCORE is really bisexual. The main characters both brag &#8220;I&#8217;d fuck a porcupine if it suited me.&#8221; The seductions show that ANYONE will fuck a porcupine under the right circumstances. There&#8217;s a shitload of pot and poppers. More seventies than any boogie night nostalgia. You won&#8217;t see that in the Puritan-nouveau porn made since the 80s. It&#8217;s a classic, but just try to find it. Even Kim&#8217;s Video doesn&#8217;t have it&#8211; and they have everything! Metzger&#8217;s films, however, are coming back. An earlier film, THE ALLEY CATS, was just re-released by First Run Features here in New York. This black and white film exploits a strange combination of art, disco and lesbianism. The First Run version seems censored, though. The trailer at the end shows a lot more that the actual film. First Run has also released Metzger&#8217;s French lesbian story, THERESE AND ISABELLA. I just hope they&#8211; or someone else will think to even the SCORE.<br />
        *******<br />
        [Notes: If you're interested in joining the bisexual email list, send an email message to: listserv@brownvm.brown.edu. In the subject line and the body of the message you should write only: subscribe bisexu-l. For a good source of bi-films-- and one that puts them in their own category, try Radvideo at http://www.radvideo.com. If you can get the unexpurgated version of SCORE, contact me. Actually, anyone can contact cyberly at: god@MykelBoard.com. I'm slow in answering email, but I do answer.]</p>
<p>        by Mykel Board</p>
<p>        (taken from Fehler! Textmarke nicht definiert., first printed in the Porn Review Zine Bni (Fehler! Textmarke nicht definiert., reprint with Permission)</p>
<p>        Warum alles beginnt!<br />
        Die meisten Musiker sind nicht besonders attraktiv, im üblichen Sinne&#8230; kein Spruch. Das beste Beispiel sind diese beiden Afro-Vögel von Mars Volta. Der eine schielt völlig debil durch seine fette Hornbrille und der andere steht auch eher windschief in der Gegend rum. Und trotzdem, wenn die beiden die Bühne betreten, verwandeln sie sich schlagartig in Sexsymbole und zumindest ihre weiblichen Fans sind drauf und dran kräftig los zu kreischen, als wären sie wieder zurück in der ersten Reihe eines TAKE THAT Konzerts. Klar sie reißen sich zusammen, wär auch echt uncool, aber jucken tuts schon im Kehlchen, das merkt man gleich. Komisch, denkt sich da der aussenstehende Beobachter. Weder das Aussehen, noch die eher unbeholfenen Bewegungen, noch die doch sehr schwierige, kantige und keinesfalls eingängige Musik dieser beiden schrägen Vögel lässt sich guten Gewissens als &#8220;sexy&#8221; bezeichnen. Noch ein gutes Beispiel. Eine der schönsten und zierlichsten Frauen die ich kenne ist erklärter MADBALL Fan!! Und vor allem findet sie den Bassisten schick? Übrigens einer der größten Dumpfbacken und Kotzbrocken unserer Zeit. Versteh ich nu die Frauen nicht oder was ist hier los??? Gehen wir das Problem doch mal von der anderen Seite an. Vor ein paar Jahren bekam ich eines der ersten THE DONNAS Promofotos in die Finger. Das Foto war Schwarz/Weiß, schlechte Kontraste, leicht unscharf und die Mädels sahen, mit Verlaub, unglaublich scheiße aus. Irgendwie roch das ganze übelst nach US-Provinz. Die Protagonistinnen schön oldschool-degeneriert, so wie man sich die Amis eben in den frühen 80ern gern vorgestellt hat/ oder wollte. Für mich jedenfalls ein Grund mir das Foto über den Schreibtisch zu hängen, allerdings eher aus ironisch motivierten Beweggründen. 2 Jahre später feierten die &#8220;THE DONNAS&#8221; ihre ersten Erfolge und sangen von 40 Jungs in 40 Nächten und Bekannte die ihre Konzerte besuchten schwärmten mir von den &#8220;Hotties&#8221; vor die sie da auf der Bühne antrafen. Wie geht das denn?, dachte ich mir da und sah mir immer wieder skeptisch dieses alte, gruselige Promo-Foto an? Nun könnte ich es mir leicht machen und alles mit der banalen Erklärung abtun: &#8220;Erfolg macht Sexy&#8221;. Mmmm, na ja, sind wir doch mal ehrlich. Die Karrieren von Mars Volta, The Donnas oder auch Madball sind nicht unbedingt die grossen Erfolgskarrieren des Musikgeschäfts. Relativ gesehen, eher Regionalliga. Nun hab ich ja auch selbst eine eher bescheidene musikalische Karriere hinter mir und auch ich habs an eigenem Leib erlebt. Die eher begehrten Mädchen in meiner Teenagerwelt waren für mich unerreichbar und ausschliesslich für die Sportasse, Söhne Wohlhabender oder Manta fahrende Zufrühabgänger reserviert. Bis zu dem Zeitpunkt an dem der junge Archi zum ersten mal einen auf seiner Gitarre zum besten gegeben hat. Dabei war die Qualität meiner Darbietung zweitrangig. Und scheisse sah ich sowieso aus. Aber wie aus heiterem Himmel fand sich noch am selben Abend meine Zunge im Hals einer Schönheit wieder, von der ich nicht im Traum erwartet hätte, dass sie mir jemals die Hand zum Gruss oder was auch immer geben wird. Der Umstand, dass meine Gitarre seither meine &#8220;Masche&#8221; war, hat aus mir einen kompletten &#8220;Anmachkrüppel&#8221; gemacht. Ich musste mein Leben lang keine Frau anbaggern, weiss auch gar nicht wie man so was macht und hab eine Schweineangst davor es mal tun zu müssen. Aber es motiviert mich weiter Gitarre zu spielen und wenn man sich mal an den stetigen Beziehungsflow gewöhnt hat entwickelt man auch zunehmend kreative und musikalisch, handwerkliche Ambitionen. Denn, je kreativer, verwirrter, sonderlicher, tiefgründiger man sich gibt, desto interessierter und haltloser werden die Verehrerinnen. Komische Sache das, aber wenn man sich diese dämlichen 08/15 US-Highschool-Teenager-Filme mal ansieht und reflektiert, eigentlich auch ein Grund um sich so richtig zufrieden ins Fäustchen lachen zu können. Mann muss wahrlich kein heldenhafter, todesmutiger Jungweltveränderer und Tennagerführer sein um beim anderen Geschlecht gegen die Footballasse und Bürgermeisterkids zu punkten. Ne Gitarre tuts auch. Und &#8220;by the way&#8221;, bei allen bedeutungsschwangeren Statements die &#8220;ernsthafte&#8221; Musiker immer so von sich geben. Immer schön dran denken wo denn eigentlich wirklich die Motivation für das ganze Theater herkommt.<br />
        Bussi!!<br />
        Archi Alert</p>
<p>        SEX und MUSIK<br />
        Musik ist für manche Menschen fester Bestandteil ihres Lebens &#8211; genauso wie Sex einen großen Raum des täglichen Lebens einnimmt &#8211; aber eben nur bei manchen Menschen. Es gibt welche, die hören viel Musik, und es sind da jene, die haben viel Sex. Und dann ist da die Gruppe, die wenig Sex hat, genauso wie es Spezies gibt, die sich überhaupt nicht für Musik interessieren&#8230;<br />
        Nun die Gleichung aufzustellen, wer sich nicht für Musik interessiert, der habe auch keinen Zugang zu körperlicher Zweisamkeit, wäre nicht angebracht. Aber das Sex und Musik eng miteinander verknüpft sind, kann schon behauptet werden. Beispiele? Nun, in die Disco wird schließlich nicht nur gegangen um zu tanzen, sondern auch, um einen Partner des anderen (oder auch gleichen) Geschlechts kennen zu lernen. Ob nun für einen One-Night-Stand oder für den Rest des Lebens, sei dahingestellt. Oder man lädt seine neue (Kontaktanzeigen)Bekanntschaft zum näheren Kennen lernen in ein Restaurant &#8211; im Hintergrund läuft anheimelnde Musik; oder es ist gar eines jener Etablissements, in denen ein Stehgeiger an den Tisch kommt, um den frisch Verliebten etwas vorzuspielen. Die Musik begleitet die Liebenden besten (oder schlimmsten) falls bis zum Traualtar:<br />
        Hochzeitsmarsch, Ave Maria, Kirchenglocken.<br />
        Und ist Sex nicht sogar die Triebfeder der Musik? Ist es so abwegig, sich vorzustellen, dass seit den alten Klassikern Mozart und Wagner Künstler zur Feder greifen, um ihrer Liebsten zu imponieren. Überhaupt handeln doch fast alle Texte der Rock- Pop- und Schlagermusik von der Sehnsucht, der Liebe, vor allen Dingen von der Unerfüllten. Angefangen bei den Bluesern, die nur deshalb so blue sind, weil die Angebetete sie verlassen hat, womöglich noch mit einem Anderen! Fortsetzend im Rock`n Roll, der in Metaphern umschreibt, an was alle denken: be bop a lula! Endend bei der deutschen Schlagerschnulze, in der heute wie vor über dreißig Jahren `die Sehnsucht brennt`, aber so gut wie nie die Betten&#8230; `Ja aber!´ höre ich da die Stimme des kritischen Lesers, was ist mit den Protestliedersängern, dem Punkrock, den drogengeschwängerten Liedern der Velvet Underground, dem aggressiven Hardcoretechno von Atari Teenage Riot? Keine Rede von Liebe, Romantik, Sex&#8230; Hier darf ich Sigmund Freud bemühen: Sublimierung nennt sich das &#8211; Ersatzbefriedigung. Drogen als Ersatz für Austausch von Zärtlichkeiten, wildes Kriegsgeheul anstelle liebevoller Worte&#8230; Womit ich nicht behauptet haben will, daß Künstler wie Lou Reed oder Alec Empire keinen Sex hätten. Bewahre! Aber vielleicht sind sie ja auf der Suche nach etwas, das jenseits des Menschlichen, des Körperlichen sich befindet, und ansatzweise in den Klängen energetischer Musik zu finden ist: das Göttliche! Ausgenommen hiervon sind sämtliche Nazi-Skin-Krawall-Kapellen, die zwar auch irgendwo sublimieren (weil diese Gruppe keine Liebe kennt), aber das Göttliche ihnen genau so fern ist wie das Menschliche&#8230;<br />
        In diesem Sinne: make love and music (but no war)</p>
<p>        Christian Kruse</p>
<p>        Sex und Musik<br />
        Zu dem Thema &#8220;Musik &#038; Sex&#8221; könnte einem VIEL einfallen &#8211; oder auch nix von großer Bedeutung. Hier das was mir ganz spontan dazu einfiel: Musik ist (wie alle Dinge im Leben) KEINE FRAGE des Geschmacks, sondern der persönlichen Erkenntnisse und des Erfahrungsstandes. Die Frage des Geschmacks stellt sich nicht &#8211; Es gibt nur GUTE, weniger gute und SCHLECHTE Musik. Egal welcher Art und Couleur. Es gibt guten und schlechten<br />
        Punk, gute und schlechte Volksmusik&#8230; Was letztlich als gut oder schlecht bewertet wird, hängt davon ab inwieweit man sich in der Materie auskennt. Ich hab z.B. keine Ahnung von Techno &#8211; traue mir also nicht zu, in der Sparte Werturteile fällen zu können&#8230; Wer bisher in seinem Leben nur LIMP BIZKIT oder LINKIN PARK gehört hat, findet PAINT IT BLACK gut &#8211; Hat man aber zuvor schon mal was von MINOR THREAT oder NEGATIVE APPROACH gehört, sind PAINT IT BLACK schlichtweg schlecht!<br />
        Wer noch nie in einem guten Restaurant war, glaubt auch das Tiefkühlpizza gut schmeckt. Genauso verhält es sich mit Sex. Wer noch nie richtigen Sex hatte, hält wahrscheinlich auch Ficken für genauso gut. Eignet man sich nun ein größtmögliches Wissen an (ein Allumfassendes kann es nicht geben), stellt sich erstaunlicherweise heraus, dass die Anzahl der Frauen bei den &#8220;Guten&#8221; überproportional höher ist, als bei den &#8220;Schlechten&#8221;! Warum das so ist (und auch so sein MUSS), darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen.<br />
        Gruß,<br />
        Armin / X-Mist Records</p>
<p>        Kurze Geschichte von Geschlechtsverkehr und lauter Musik<br />
        Heute nacht hatte ich Sex mit Angela Merkel. Quietschend, laut und heftig. Es war gar nicht mal so schlecht, wie man meinen könnte, und ich will das Thema jetzt weder beschönigen noch bis ins Detail auswalzen. Geschlechtsverkehr ist eine private Angelegenheit, die ich nicht jeder und jedem zu Gehör bringen möchte. Angela trug an diesem Abend ihr apricot-farbenes Kostüm, mit dem sie im Wahlkampf nicht nur einmal für Aufsehen gesorgt hatte, und sie fiel mir auf dieser Party, zu der mich wohlmeinende Bekannte eingeladen hatten, nicht einmal besonders auf.<br />
        Berühmte Personen waren schließlich genug anwesend. Ich erkannte Arnold Schwarzenegger, dessen polterndes Lachen immer dann besonders laut durch den Raum brüllte, wenn er auf seinem Bizeps Sektgläser zu dünnen Blondinen mit tief ausgeschnittenen Kleidern balancierte. Ich sah Günter Grass, der mit einer rothaarigen Frau, die auffallend geschminkt war, eng tanzte, im raschen Kreis über eine Tanzfläche aus spiegelndem Parkett, die unvermeidbare Pfeife im Mund; immerhin konnte der Dichterfürst dabei nicht reden. Unter dem Gelächter der Umstehenden hätte man auch nicht gehört, wenn er den »Butt« komplett rezitiert hätte. Und ich nahm Edmund Stoiber wahr, der in einer Ecke saß, eine handschriftliche Tabelle vor sich, in die er immer wieder, nachdem er einem raschen Blick durch den Raum geworfen hatte, neue Einträge kritzelte.<br />
        Die Musik kam nicht vom Band, was für die Qualität der Veranstaltung sprach. Auch kein DJ terrorisierte das anwesende Volk mit seinen Vorstellungen von moderner Tanzbewegung. Stattdessen wurde die musikalische Untermalung von einem Mann in weißem Anzug gesungen, der auf einem schlecht gestimmten Klavier herumhämmerte: Dieter Bohlen schmetterte die größten Hits von Modern Talking in den Raum; als ich kam, sang er gerade »You&#8217;re My Heart You&#8217;re My Soul«. Es klang herzzerreißend, ich glaubte tausend Geigen schwingen zu hören, und ich spürte geradezu die feuchten Augen einiger junger Bundestagsabgeordneten, die zu den Beinen des Barden lagerten und ihn voller Heilsverlangen ansahen.<br />
        An der Theke hörte ich die Musik zwar ebenfalls. Hier war das Brausen der Gespräche aber so laut, daß sie in den Hintergrund trat und ich den Diskussionen der Anwesenden lauschen konnte. Sie sprachen über Politik und Kultur, über Fußball und Ernährung, über all die Dinge, die Menschen in bundesrepublikanischen Bürgereinrichtungen zu interessieren haben. Ich stand neben ihnen, fühlte mich ausgeschlossen, gähnte vor mich hin und trank ein Bier nach dem anderen.<br />
        Bis diese Frau in ihrem apricot-farbenen Kostüm neben mir stand und mir mit feinem Säuseln fragte, ob ich mich denn langweile. Ich bejahte, sie schenkte mir einen tiefen Blick, und wir verschwanden gemeinsam.<br />
        Es wurde ein angenehmer Abend, nur als sie mir beim Geschlechtsverkehr ein aufforderndes »Nun mach schon, mein Hengst!« zurief, wurde ich langsam mißtrauisch. Immerhin wieherte ich nicht zur Antwort, aber mich verwirrte vor allem, daß sie so eindeutig sächselte. Für eine Politiker, die in Hamburg geboren und in der Uckermark aufgewachsen war, klang das zu falsch und zu aufgesetzt.<br />
        Erst als Helmut Markwort vom FOCUS und Kai Dieckmann von der BILD-Zeitung gemeinsam auftauchten, sich neben uns stellten und unter lautem Kichern ihre Fotos mit kleinen, silbern blitzenden Digitalkameras schossen, erkannte ich, daß ich in eine Falle gelaufen war. Irgend etwas stimmte hier nicht, irgend etwas war falsch – der Klassenfeind hatte mich überrumpelt und wollte mir ans nackte Fleisch. Im Blitzen der Digi-Cams wurde mir mein bleicher Bauch und all die anderen Schönheitsfehler in einem Maße bewußt, der mir überhaupt nicht gefiel.<br />
        Erschüttert wachte ich aus diesem Alptraum auf. Kalter Schweiß zog einen feuchten Film über meine Stirn, meine Achselhöhlen fühlten sich verklebt und schmierig an. Ich atmete kräftig durch, richtete mich im breiten Ehebett auf und machte das Licht an.<br />
        Doris lag neben mir. Als sie aufwachte, zeigte sie viel Zahnfleisch. »Du hast schlecht geschlafen, Gerhard«, sagte sie liebevoll.<br />
        Ich nickte nur. Der Alptraum schlug mir auf den Magen.<br />
        »Dann schlaf jetzt schön weiter«, flüsterte sie. »Morgen wird alles gut.« Sie lächelte verführerisch. »Und dann färbe ich dir auch wieder die Haare, mein Tiger.«<br />
        Klaus N. Frick</p>
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		<title>#117 / 06-07</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Mar 2007 12:26:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jörg</dc:creator>
				<category><![CDATA[kolumne]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	DOLF
Ist euch schonmal aufgefallen wie AUSDRUCKSSTARK fast alle Bands heutezutage sind? Egal ob das beim Schulbandwettbewerb, im TV oder auf vermeintlich &#8220;alternativen&#8221; Veranstaltungen ist? So gut wie alle Bands bringen sehr stark  zum Ausdruck: &#8220;Wir wollen mit unserer Musik Geld verdienen, deshalb versuchen wir die Musik zu machen von der wir glauben das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<span id="more-22"></span><strong>DOLF</strong></p>
<p>Ist euch schonmal aufgefallen wie AUSDRUCKSSTARK fast alle Bands heutezutage sind? Egal ob das beim Schulbandwettbewerb, im TV oder auf vermeintlich &#8220;alternativen&#8221; Veranstaltungen ist? So gut wie alle Bands bringen sehr stark  zum Ausdruck: &#8220;Wir wollen mit unserer Musik Geld verdienen, deshalb versuchen wir die Musik zu machen von der wir glauben das viele Leute sie mögen werden&#8221; Das ist leider total langweilig und man wünscht sich wieder mehr Bands die Musik aus Leidenschaft machen und nicht gleich von Tag 1 davon träumen mit ihrer Scheisse Geld zu verdienen. Verüblen kann man es ihnen aber nicht, es ist halt einfacher Scheiss Musik zu machen, jene die die Leute &#8211; aus Gründen die ich wirklich schon lange nicht mehr nachvollziehen kann &#8211; gut finden und damit Kohle zu verdienen, als irgendwie anders. Ich sage ja schon seit Jahren das die Leute keinen eigenen Geschmack mehr haben, das ist jetzt auch wissenschaftlich nachgewiesen &#8211; danke.</p>
<p>Kommen wir nochmal auf diese Einstellung der meisten Bands zurück, die führt natürlich auch dazu das ich das was sie machen auch als genau das betrachte &#8211; Arbeit. Also wenn Bands da oben auf der Bühne hart arbeiten, nur um damit Geld zu verdienen &#8211; dann langweilt mich das in der Regel. Ich mein, wem schaut man denn schon gern beim arbeiten zu &#8211; gut, wenn ein talentierter Handwerker was wirklich gut macht, kann man da mal zusehen, aber auf Dauer ist das halt langweilig &#8211; für mich zumindest. Und wie gesagt, ich sagte talentiert! Gerne würde ich jetzt sagen &#8220;Leute, macht was ihr wollt&#8221;, ich befürchte aber das die dann sagen würden: &#8220;das ist genau das was wir wollen Musik machen um Geld zu verdienen&#8221;. Aber ohne mich als Zuhörer!</p>
<p>Schon irre, da existiert dieses Heft seit beinahe 20 Jahren und fast nichts hat sich in der Musikszene geändert &#8211; bzw., wenn dann zum schlechteren. Bravo Menschen, grossartige Leistung! Da wundert es dann auch nicht das auch alles andere bald nicht mehr funktionieren wird. Denn eine bestimmte Einstellung herrscht ja in allen Gesellschaftschichten vor. Wie dem auch sein, ich freue mich, wie jedes Jahr, in jedem Fall mal auf den Frühling und die Wärme.</p>
<p><strong>JAN </strong></p>
<p>Einnmal den blauen Drum-Tabak, die Bildzeitung und die gelben Gizeh-Blättchen, bitte.</p>
<p>Fake Split &#8211; Interview mit THE NOTHINGS BETWEEN THE EARS, der Pop -Garagenfuzzband aus Solingen / Köln, und VEGANE EICHE, einer veganen linksradikalen Straight Edge Hardcore Band aus Münster, die auch mal was von Slime covert<br />
Und Straight Edger L. Usche und Sänger von VEGANE EICHE und Rock´n´Roller Mario Nett, gleichzeitig Gitarist bei den Kölnern The NOTHINGS BETWEEN THE EARS, zog ich diesmal vor das Mikrophon. Beide Bands und Menschen gibt es nicht – oder irgendwie schon. Zu Oft. Ihr Bands: lasst euch mal was neues einfallen. Wir Fanziner: mehr nachhaken. Und vergesst nicht den „Sound Advice“ von der ersten YUPPICDE: „always remember, greed is a noble emotion. Beat down those who get in your way because they will learn a valueable lesson from the experience. And Trust Lies. Yes You YOU STUPID FUCKING MORON.“</p>
<p>So, schön, daß ihr euch Zeit für ein Gespräch mit dem Trust nehmt; was war der beste Witz, den ihr in letzter Zeit gehört habt?<br />
Mario Nett: Oh je, schwierige Einstiegsfrage, wir waren ja letztens auf einer 4 Tages Tour in Spanien und in einem echt total durchgeknallten Garagenbarladen, so ähnlich wie das Wild at heart in Berlin, nur mit noch mehr Elvis Totenköpfen, na ja, und geiles Konzert und Bierschlacht und so, und nen völlig wahnsinniger 45 jähriger The Who Fan hat uns nachher erzählt, wie es da 1985 so war bei dem ersten Konzert von Violent Headache.</p>
<p>L. Usche: Coole Einstiegesfrage, ich war jetzt mehr so auf die Klassiker „Band – Besetzung &#8211; Veröffentlichungen“ eingestellt.</p>
<p>Der kommt noch.</p>
<p>L: Der schlechteste Witz, den ich letzter Zeit gehört habe? Jan Röhlk. Definitiv. Oder warte mal; kennst den: kommt Mann zum Arzt. Fragt Arzt: Wie sind sie hier hingekommen? Sagt Mann: Na, auf zwei Beinen.</p>
<p>Habt ihr eigentlich was zu sagen mit euer Musik?</p>
<p>Beide: Wie jetzt? Ne Aussage, und selber Texte machen oder wie?</p>
<p>Ja.<br />
Beide: Nein.</p>
<p>Hmh, warum macht ihr dann Musik?<br />
M: Weil es uns Spaß macht, weil man geile Touren machen kann, weil es Spaß macht, andere gleichgesinnte zu treffen, weil man so dem Alltagstrott entfliehen kann und weil man durchaus hübsche Girls kennenlernen kann und viel frei saufen kann.</p>
<p>L: Weil wir durch Insted, Youth of Today, No for an Answer inspiriert worden sind, selber Musik zu machen. Weil wir durch RKL zum skaten animiert worden sind. Weil wir durch Shelter Hindus wurden. Weil wir immer den Scheiß gefressen haben, denn andere uns hingestellt haben und wie halt jeder Arsch heute Musik machen kann, machen wir halt auch Musik. Macht Sinn oder?</p>
<p>Nö. Aber machen ja fast alle heute so, was, ach, lassen wir’s. Sprechen wir mal über eure neuesten Outputs: ihr habt eure neue 7&#8243; auf joghurtfarbenem Vinyl mit roten Einsprengseln und zwei exklusiven Covertracks von „The Arsch“ (die keiner kennt ausser die Bandmitglieder selber, stammen aus dem Detroit der End 70iger und machen überraschenderweise Musik wie MC 5 und New York Dolls) und von „The Scheiss der Hund Drauf“ aus Birmingham, der Stadt, aus der auch Black Sabbath und Napalm Death kommen, aber diese hier zelebrierten schon in den 60 igern Power Mod Pop (wobei ich bei dem neuerdings für als positiv bewertetem Wort Mod an Exploited´s „Fuck the Mods“ denken muß)&#8230; auf jeden Fall &#8230;. kommt die Single auf Screaming Languste raus. Und, wie läufts?<br />
M: Na super. Ist gut weggegangen, natürlich nicht soo gut wie unser Split Toaster mit den skandinavischen Schweinerockern „The Hellam Arsch Und seh in echt so doof aus wie auffem Cover“, aber das ist ja auch logisch, bei dem Charterflug&#8230;.</p>
<p>Jut, und ihr habt euren ersten Longplayer nach 3000 Splitsingles schon draussen, er ist auf 135 verschiedenen Labels erscheinen und jetzt auch auf Reflections in farbigem Vinyl draußen. Kompliment übrigens für die schicke Coverversion von Youth of Todays „We´re peinlich till the bone“. Wie läuft´s?</p>
<p>L: Na super. Ist gut weggegangen,  natürlich nicht soo gut wie unser Split Toast mit den brasilianischen Grundgöttern „The Crust is a must Und seh in echt so doof aus wie in echt“, aber das ist ja auch logisch, bei dem nicht vorhandenen Charterflug&#8230;.</p>
<p>Tja, was muß man machen als Konzertveranstalter, damit ihr auftretet?<br />
M: Frauen, Drogen und nen Plattenschrank mit Fuzz für nachher zum Auflegen. Und so um die 550 Euro wären schon ok, machen das ja auch schon lange, da muss jetzt auch mal ein wenig rum kommen, so eine Band kostet ja auch ne Menge, und natürlich hätte man sich sein Hobby kostengünstiger machen können, aber wir denken halt oft nicht nach.<br />
L: Veganes essen,&#8230;</p>
<p>Spritgeld, frei saufen und Pennplätze, ja ja. Man, habt ihr nicht mal was neues zu erzählen?<br />
Beide: nö.</p>
<p>Na ja. Dann mal danke fürs Zuhören und ich wünsche euch ein schönes Leben. Noch´n Gruss ans Trust Leserpublikum?</p>
<p>M: Danke für das Interview, checkt mal www.www.ww und kauft unseren Scheiss. See Ya! DRUGS ARE FUN!</p>
<p>L: Danke für das nette Interview. Stay true till death do us part, fette probs an Jan für das Interview und respektiert eure Szene. Go VEGAN!</p>
<p>Allerletzte Frage: würdet ihr dem Slogan „IT`S OKAY NOT TO THINK“ zustimmen?</p>
<p>Beide: Oh Mann, hör ma auf mit den soziologischen Fremdwörtern, denken ja, ich bitte dich, das haben die Menschen mal gemacht, aber heute macht das doch keiner mehr.</p>
<p>Ja wie, aber ist nicht denken das was den Menschen &#8230;vom Tier&#8230;?<br />
Beide: Quatsch.</p>
<p>Ach so.</p>
<p>Beide: Siehste</p>
<p>Ja.<br />
Beide: Und was?</p>
<p>Nen Riesen Haufen Scheisse.<br />
Beide: Ey, sollen wir dem mal aufs Maul hauen?</p>
<p>Aber eben meintet ihr doch noch von wegen Szene respektieren?<br />
Beide: Du bist nicht mehr Teil der Szene.</p>
<p>Will ich vielleicht auch nicht?<br />
Beide: Ach so.</p>
<p> Gespräch: Jan Röhlk</p>
<p><strong>DANIEL</strong></p>
<p>Und das Geräusch von durch die Luft fliegenden Bierflaschen, bevor sie an der Resopal-platten-verkleideten Wand aufschlagen, um nach diesem elastischen Stoß unter Verlust ihres Restinhalts auf den roten Sitzbezügen aus Plastikleder auszurollen.</p>
<p> Ich bin weit davon entfernt, aufgrund der politischen Vergangenheit oder Gegenwart ein Urteil über die Befindlichkeit eines Volkes ab initio auszustellen. Allerdings haben die Russen es mir nicht einfach gemacht. Zunächst durfte ich wegen eines Visumsantrages zwei Stunden nach Bonn fahren, um dort nach einigen Irrungen vom zuständigen Beamten mit einer Zahlungsanweisung in der Hand und dem Hinweis, selbige erst am Tage der Abholung der Pässe am Bankschalter des Konsulats zu erfüllen, entlassen zu werden. Kurz fragte ich ihn, ob eine Einzahlung nicht auch noch am heutigen Tage möglich wäre, woraufhin er antwortete: „Dies ist ein demokratisches Land“. Wer wollte ihm widersprechen.</p>
<p>Moskau.</p>
<p>Da hatte ich nun meinen Hut im Flugzeug vergessen und wollte nach Passieren der Zollkontrolle selbigen wiedererlangen. Nachdem die Auskunft mich in den ersten Stock schickte, dort jemand mich dann zur Gepäckaufbewahrung und dann zum Fundbüro schickte, ich mein Anliegen erklärte, damit in Richtung Polizei geschickt wurde, von selbiger ans Fundbüro verwiesen die dortige Verantwortliche laut donnernd erläuterte, daß es meinen Hut dort nicht gäbe und auch spätere Anrufe aus dem Hotel an unterschiedliche Anschlüsse der Aeroflot im Sande verliefen, hatte ich bereits einen vernünftigen Eindruck vom Zustand der öffentlichen Ordnung in Russland erhalten. Dieser sollte sich nicht mehr grundlegend ändern. Jetzt wirft man gerade dem Amerikaner vor, aufgrund seiner unglaublichen Freundlichkeit im Alltagsleben ein besonders oberflächlicher Mensch zu sein. Stellt sich eigentlich die Frage, warum eine deutsche Motzfresse von großem Intellekt und tiefster Tiefgründigkeit gekennzeichnet sein sollte. Wie dem auch sei, was in Amerika vom Touristen in die eine Richtung als störend empfunden wird, schafft der ehemalige Gegenspieler in die anderen Richtung genauso spielend. Da sehe ich im Hinterkopfe gerade die Betroffenen des Frankfurter Nordends aufschreien, die um die Historie wissend natürlich viele verschiedene Erklärungsmuster haben, weswegen ich doch nichts anderes zu erwarten hätte, zumal ich ja auch ein reicher Westler bin und die ganze Problematik ja nicht fassen könne. Mir egal, so viele Ellenbogen habe ich physisch noch nie gespürt und irgendwann eben in der U-Bahn nicht besonders belustigt selber mitgemischt.</p>
<p>Der Zug sollte den Moskauer Bahnhof, an dem alle Züge gen Sibirien fahren, gegen 22 Uhr verlassen. Wir waren ein wenig spät dran, weil ein ehemaliger Arbeitskollege, gebürtiger Moskauer, uns noch in seine Wohnung geladen hatte, wo uns seine Frau mit dem Satz ‚Bier oder Schnaps’ begrüßte. Kurzum, wir kamen etwa 15 Minuten nach Einfahrt des Zuges am Bahnsteig an, hatten allerdings noch genügend Zeit, unsere Rucksäcke gen Abteil zu wuchten. Die sogenannte hektische Betriebsamkeit im fahlen Schein einer weit entfernten Laterne war im vollen Gange. Gerne hätte ich mit einem Baltika 3 – der Standardwaffe im russischen Bierwesen – zugeschaut, aber unser Abteil war komplett belegt. Mit Waren in Kartons, mit Waren in Taschen, mit Waren in den uns allen von Flohmarkthändlern wohlbekannten riesigen Plastikbeuteln in weiß-rot-blau, in die zur Verstärkung weitere Plastikstreifen eingenäht sind und die so zum Zerreißen nicht taugen. Es war mir völlig unklar, wie so viel Ware in so kurzer Zeit so geschickt in einem leeren Abteil gestapelt werden konnte. Inzwischen in grundsätzlichen Verhaltensmustern geschult, fauchte ich die ausräumenden, ehemaligen Einräumer an und warf auch den ein oder anderen Karton in den Gang, was teilnahmslos zur Kenntnis genommen wurde. Innerhalb der kommenden fünf Tage im Zug sollte ein eigener Mikrokosmos entstehen, dessen Beschreibung den Rest dieser Kolumne füllen wird.</p>
<p>Unser Abteil liegt neben dem Restaurantwagen, der von einer resoluten Russin mit eiserner Hand geführt wird. Ihr Hang zum Nippes ist allen Besuchern offenbar, so schmücken jeden Tisch ein paar Plastikblumen in noch viel häßlicheren Vasen und es gibt eigentlich keinen leeren Fleck an der Wand, überall hängen bunte Bildchen und hier auch noch ein Häkeldeckchen. Die meiste Zeit des Tages verbringt sie mit der Vorbereitung der drei Mahlzeiten für die Gruppenreisenden aus der ersten Klasse. Diese scheinen alle über einen Reiseleiter zu verfügen, der dann die entsprechenden Menüpläne diskutiert und selbstredend in US$ vorab zahlt, wobei keine abgenutzten Scheine akzeptiert werden. Einer von ihnen trägt den ganzen Tag einen kleinen Aktenkoffer, der vermutlich mit den Pässen und Visas seiner Gruppe gefüllt ist, mit sich herum und ruft so den Spott der herumlungernden Zweiteklassefahrer hervor.</p>
<p>Das Bier kostet 40 Rubel, den zweifachen Kioskpreis, ist dafür aber ziemlich kalt. Leere Flaschen werden seitens der Cheffin an einem Spalt zwischen den Waggons gen Schwellen gestoßen. Mir ist unklar, warum sich nach einhundert Jahren Eisenbahn und drei oder vier Zügen pro Richtung und Tag die Scherben zwischen den Gleisen nicht so akkumuliert haben, daß ein Bierflaschen-Räumfahrzeug die Gleise entlang tuckern muß. Vielleicht gibt es das ja auch.</p>
<p>Neben den Zuggästen aus der ersten Klasse, die ausnahmslos Touristen wie wir sind, gibt es in der zweiten Klasse einen erstaunlich hohen Anteil an Mongolen. Zum einen mag dies kaum verwundern, fährt der Zug nach Ulan Bataar, der mongolischen Hauptstadt, zum anderen sind aber gerade diese Mongolen mit den Paketen und Kisten und Taschen und Kartons beschäftigt. Am Morgen nach unserem polternden Einzug klopft es an der Tür. Eine Gruppe Mongolinnen versucht höflich und freundlich, uns in Zeichensprache auf den Verbleib weiterer Waren in unserem Abteil aufmerksam zu machen. Nach einigem hin und her lasse ich sie herein und sie schlagen sofort die Decken zurück, kraxeln auf die Betten und beginnen mit dem Vierkantschlüssel, mit dem die gesamte Eisenbahn zu demontieren scheint, die Deckenventilation aufzuschrauben. Es entfaltet sich ein großer Raum, vielleicht einen knappen Meter in der Höhe, der sich oben an unser Abteil anschließt. Eine der Frauen ist bereits fast vollständig darin verschwunden und gibt an die unten Wartenden Karton nach Karton weiter. Und ist völlig schleierhaft, wie man so viel Gepäck in so kurzer Zeit dort so professionell stapeln kann. Nachdem auch dieses Fach geräumt, erläutert die Wortführerin uns, daß auch noch über der eigentliche Gepäckablage, die nur vom jeweiligen Abteil aus zugänglich den Gang im Wagen überspannt, noch mehr Waren befindlich wären. Eigentlich sah ich dort nur unsere Rucksäcke, aber nach deren Entnahme zückt sie wieder den Vierkantschlüssel und beginnt unverzüglich mit der Abnahme einiger Blenden, hinter denen sich wieder mit Pappkartons in dichtester Packung gefüllte Hohlräume öffnen. Der Höhlenforscherin wird ein Besenstiel gereicht, da auch sie nicht in die hintersten Ecken vordringen kann, und sie beginnt mit dem Herumstochern.</p>
<p>Und dann dachten wir, alles sei vorbei, alle Vierkantschrauben wieder geschlossen, aber sie kamen nochmals vorbei. Weil ein Paket fehlte. Welches sie auch recht schnell mit dem Besenstiel orten konnten und uns damit endgültig von ihrer hohen Professionalität überzeugen konnten. Es gab eine klare Hierarchie aus einfachen Tragekräften bis hin zur Abteilungs- bzw. Abteilsleiterin und über allem thronte die Zugleiterin, eine an Zigarette im Mundwinkel wie auch Weste im Camouflage-Look kaum zu übersehende Mittvierzigerin, die niemals ein Paket oder dessen Inhalt berührte.</p>
<p>Um den geneigten Leser, der inzwischen gemerkt hat, daß hier wenig Punkrockplatten oder Hardcore-Konzerte beschrieben werden, nicht länger in Unwissenheit zu wiegen. Es handelt sich um eine mongolische Händlerbande, die an den Haltestellen der Eisenbahn in Sibirien chinesische Textilien an die dortige Bevölkerung verkauft.</p>
<p>Das funktioniert in etwa wie folgt. Der Zug wird seitens der Händler vor der Einfahrt nach Moskau ‚präpariert’, will sagen vollgeladen. Angeblich in Jekatarinburg, aber daß mag ich nicht beurteilen. Daher war es auch kein Wunder, daß unser Abteil so voll war – das wäre in dem kurzen Aufenthalt nicht möglich gewesen. Dann fahren die Händler quer durch Rußland und bei jedem Halt fliegt die Tür auf und sofort werden Drahthalter, an denen vier oder fünf Jacken hängen, außen vor die Zugfenster gehängt, der Laden ist geöffnet. Das Betreten des Zugs durch Kunden findet nicht statt und wird durch die auf der Lohnliste stehenden Wagen-Betreuerinnen, Provodnizas, überwacht. Auf einigen Bahnsteigen konnte man sich kaum noch bewegen, weil alles über und über mit Menschen und Waren quoll, Papi also die Familie zum großen Shopping Trip ausführte, während andere menschenleer waren. Dies wurde seitens eines kanadischen Reisejournalisten, mit dem ich unter ein paar Flaschenhälsen hängenblieb, damit erklärt, daß die lokale Polizei den Zutritt zum Bahnsteig verbieten würde, weil sie selber auf der Lohnliste derjenigen stünde, die die Mongolen ihrer Tätigkeit entheben und durch ihr eigenen Warenimperium ersetzen wollten. Je weiter östlich wir fuhren, desto voller wurden die Bahnsteige. Allerdings war das Warenangebot für den Reisenden, der sich im Irrglauben befindet, daß verhuschte russische Mütterchen ihre karge Rente aufbessernd Pilzpasteten und selbstgebrannten Heidelbeerschnaps verkaufen, immer das gleiche: Hier ein Kiosk da eine Verkäuferin mit einem vollgeladenen Bollerwagen – und alle die gleichen Produkte. So langsam fingen wir an, daß heutige Rußland zu verstehen und was passiert, wenn zwar an jeder Ecke mindestens ein Soldat steht, aber dieser nur unzureichend bezahlt wird.</p>
<p>Gerade hier zeigte sich, wie unvorbereitet wir doch in den Zug gestiegen waren, da es in jedem Waggon zwei Klos gab, in denen man mit einigen Verrenkungen und etwas lauwarmem Wasser aus dem Hahn auch eine Körperwäsche vollziehen kann. Das hätte auch gut klappen können, wenn das eine Klo nicht nur für besondere Gäste zugänglich war &#8211; geschickt konnte ich mich das ein oder andere Mal zwischen den privilegierten Gästen morgens um sechs Uhr dreißig dort einkehren. Im Anschluß hieran schimpfte die Provodniza mit mir, aber gemäß der allgemeinen Lethargie versuchte ich nur, durch sie hindurchzuschauen und trollte mich. Den Rest des Tages war das Klo abgeschlossen, was zu erheblichen Wartezeiten beim nachmittäglichen Stuhlgang führte. Leider hatte unser Sprachführer keine passende Übersetzung für die Frage:</p>
<p>&#8220;Werte Frau, wie viele Monatsgehälter muß ich ihnen auf den Tisch blättern, damit wir auch ihr schönstes Zimmer nutzen können?&#8221; Aber leider sind wir es gewohnt, daß an Produkten Preisaufkleber hängen.</p>
<p>Ein Freund, der es zu meinem vorletzten Geburtstag gut mit mir meinte, schenkte mir das Buch &#8220;Die Reise nach Petuschki&#8221; von Wenedikt Jerofejew, bei dem es simpel gesagt um eine Sauftour in einem russischen Zug geht. Ist wohl auch neu übersetzt worden, wobei dann das hübsche Cover des leider verstorbenen Bernd Pfarr nicht mehr zu sehen ist. Ansonsten zwangsläufig das bestmögliche Buch für diese Reise. &#8220;Mir gefällt das. Es gefällt mir, daß das Volk meines Landes so leere und vorstehende Augen hat. Es erfüllt mich mit dem Gefühl legitimen Stolzes. Man stelle sich vor, wie die Augen dort sind. Wo man alles kaufen und verkaufen kann &#8230; tief in ihren Höhlen versteckte, verborgene, habgierige und verängstigte Augen (&#8230;) so sehen die Augen aus in der Welt des Mammon&#8230; Und im Vergleich mein Volk &#8211; was für Augen! Fortwährend nach außen gedreht, aber ohne jede Anspannung. Ohne jeden Sinn, aber dafür &#8211; welche Potenz! (Welche Potenz des Geistes!) Diese Augen verkaufen nicht. Sie verkaufen nichts, und sie kaufen nichts. Was immer mit meinem Land passieren würde. In Tagen des Zweifels, in Tagen erdrückender Unsicherheit, in Zeiten der Prüfung und Heimsuchung &#8211; diese Augen zucken nicht mit der Wimper. Sie lassen den lieben Gott walten. Mir gefällt mein Volk.&#8221;</p>
<p>Man hätte natürlich auch weniger poetisch beschreiben können, daß die meisten Leute, die ich dort sah und &#8220;traf&#8221;, wenig Freundliches an sich hatten und im Zweifelsfall viel daran legten, als komplette Arschlöcher durchzugehen.</p>
<p>Abends schlossen wir uns zumindest pro forma von innen in unser Abteil ein, wobei die Verriegelung durch einen Vierkantbolzen geschlossen wurde, wie man ihn auch in der heimatlichen S-Bahn findet. Aus diesem Grund hatte auch jeder Mongole, Chinese, Russe oder Kasache an Bord einen solchen Schlüssel. Zumindest sollte es diejenigen abschrecken, die sich auf dem Heimweg vom Restaurantwagen in der Tür irren sollten. Am dritten oder vierten Morgen im Zug entschlossen wir uns, im Restaurantwagen ein paar Spiegeleier zu uns zu nehmen. Als wir den Wagen betraten, saß darin ein halbes Dutzend Mongolen, die in der vorherigen Nacht noch nicht zur Ruhe gekommen waren und die dumpf in ihre Bierflaschen starrten, wobei der Füllungsgrad einzelner Anwesender stark variierte. Wir bestellten unser Essen, nachdem wir den eigentlich schönsten Tisch wegen gröberer klebriger Spuren der vergangenen Nacht zugunsten eines näher an den Mongolen gelegenen Tisches ablehnten. Die Bedienung sah entgegen ihren frohen Gemüts sehr angespannt aus und als dann nach Erhalt des Essens sich ein älterer Berg von betrunkenem Mongolen neben Anja auf ihre Bank quetschen wollte, sich quasi auf sie setzte, wobei er sie allerdings überhaupt nicht zur Kenntnis nahm, bis sie ihn versuchte von der Bank zu schieben, schien alles noch überschaubar. Bevor er seinem Missmut Ausdruck verleihen konnte, eilte ein jüngerer Mongole herbei, zog ihn von der Bank weg und setzte sich quasi als Bewachung neben uns, wobei er uns nett zulächelte und wir sehr glücklich über seine Anwesenheit waren. Der Volltrunkene gesellte sich wieder zu seinem besten Kumpel und die beiden forderten neues Bier, welches die Bedienung aus Angst vor einer Eskalation auch prompt servierte. Und dann flog die erste Flasche, surrte an unseren Köpfen vorbei, die sie auch nicht treffen sollte, und schlug gegen die Resopalplatte über dem von uns zunächst avisierten Tisch. Was auch die klebrigen Flecken dort erläuterte, da offensichtlich schon die ein oder andere Flasche diesen Weg geflogen war. Bei der zweiten Flasche zogen wir uns schnellstens in unser Abteil zurück, wobei auch die Bedienung flüchtete und mit den vier mongolischen Polizisten, die aus völlig unerklärlichen Gründen in Uniform ein Abteil bewohnten (wir befanden uns ja weiterhin in Russland), wobei unsere Erklärungsversuche ihrer Anwesenheit von &#8216;Lehrgang in Moskau&#8217; bis &#8216;Payroll der Mafia&#8217; reichten. Diese betraten dann den inzwischen abgeschlossenen Restaurantwagen und nahmen sich ihrer beiden Landsleute an. Der eine musste die folgenden Stunden zwischen zwei Wagen auf dem Boden hocken und durfte sich dabei nicht bewegen, was er zu meiner Überraschung auch tat. Seinem Freund erging es nicht so gut, da dieser in das Abteil der Polizisten geführt wurde. Danach habe ich beide Delinquenten nicht mehr gesehen, wahrscheinlich wurden beide verprügelt und bei der nächst besten Gelegenheit in einem sibirischen Provinzknast abgegeben.</p>
<p>Ein zerfallenes Weltreich wie das Russische verfügt über ein bemerkenswertes Selbstverständnis. Wenn man per Bahn aus dem selbigen in Richtung nächsten Dritteweltland ausreisen will, nehmen sich die lokalen Behörden doch sechs bis sieben Stunden Zeit dafür, wobei es immerhin einen Verkaufsstand am südlichen Ende des Bahnhofsareals gibt. Dort gibt es einen Kühlschrank mit Bier. Papstjever wäre nicht er selber, würde es ihm nicht gelingen, völlig akzentfrei &#8216;twa pivo chaludni&#8217; zu ordern (&#8216;zwei Bier kalt&#8217;), wobei die ansässige Matronin mit einem &#8216;chaludni njet&#8217; diesen grundsätzlichen Akt der Völkerverständigung im Keim erstickte. Ihre Geschäftstüchtigkeit lenkte sie eher auf das Verkaufen von Wodkaflaschen der zweitbilligsten Kategorie an diverse westliche Reisegruppen, wobei wirklich unklar war, warum diese reichen Menschen solch einen Schund gesoffen haben.</p>
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