March 14th, 2007

Bremen Bouncer (#86 / 2-01) Damien

Posted in kolumne by andreas

Bremen Bouncer

Hallo, ich bin Damien, 27 Jahre alt und “Bouncer” oder von mir aus nennt es Türsteher bzw. Security. Jawohl, ich bin einer von diesen dummen, aufgepumten Proleten, die zu dämlich für ‘nen vernünftigen Job sind (sogar diesen Bericht mußte so ‘ne Tusse für mich schreiben, hähä). Einer von diesen Riesenmachos, die sich in der Disco die ganzen Perlen unter den Nagel reißen, die dazugehörigen Typen rausschmeissen und die Miezen auf der Disco-Toilette knallen. Und natürlich mach ich diesen Job nur, weil ich so gerne Leute verdresche, denn reden kann ich mit meinem eingeschränkten Intellekt natürlich auch nicht so gut.

Also irgendwie geht das Leben eines Türstehers anscheinend komplett an mir vorbei. Wo sind die Schlägerein, wo sind die Miezen, wo sind Wein, Weib und Gesang. Liegt es vielleicht daran daß ích zu gebildet für diesen Job bin (und sogar diesen Mist selber tippe.) oder daran daß ich gar keinen Bock habe, mich ständig aufzuregen und jemanden von der Platte zu putzen. Oder vielleicht daran, daß ich in erster Linie meinen Job mache anstatt den Stelzbock zu miemen und ständig nur ans Stöpseln zu denken.

Auf jeden Fall führt mich dieser Job zu Events der Spitzenklasse und in Situationen die realsatirischer nicht sein könnten. Der perfekte Nebenjob für Soziologen.

So hatte ich vor einiger Zeit das prickelnde Vergnügen beim Britney Spears-Konzert in der Bremer Stadthalle zu Arbeiten und eine Masse von über 10.000 Menschen durch primär zwei Schleusen zu blocken. Dabei trat vor allem ein Menschenschlag unangenehm im Erscheinung: Militante Mütter. Ständig zeternd über die ach so schlechte Organisation (jede dieser Diplom-Hausfrauen hätte das alles natürlich viel besser hinbekommen) drängelten sie zum wohl der eigenen Schöpfung ihre Leidensgenossinnen sowie deren Schöpfung hemmungslos beiseite. Es regierte das Gesetz des Jungels. Und Mogli drohte zwischen Balu und Shir-Khan beim Kampf um den besten Ast zerquetscht zu werden. Auch mußte des öfteren der eigene kleine Sprößling als Begründung zur Bevorzugung bei der Bearbeitung der Massen herhalten. Die Frage aber, wie man denn überhaupt mit einer 6-jährigen Göre diese Schlacht verantworten kann, blieb offen. Da muß man als Erzeuger wohl mal konsequent sein. Den Frust über die eigene Inkonsequenz bekamen natürlich die Ordner zu hören. So schoben sich keifende Mamis (die sich natürlich mit ihren Kindern beim Blocken der Ordner nicht auseinanderhaken wollten) durch die Schleusen und stießen schier furchteregende Drohungen von sich wie: “Das kommt in’n Zeitung, das sach ich ihnen!” Auf amüsante Leserbriefe “in’n Zeitung” wartete ich vergeblich. Maulhelden!

Eine Veranstaltung der ganz andren Art fand am im November in einer Großraumdiskothek in der Bremer Neustadt statt und zwar die Deutschland-Premiere des 6ten Teils der amerikanischen Motocross-Videoserie “Crusty”. Zu diesem Anlaß fanden sich Akteure und Anhänger dieser Sportart aus ganz Deutschland in der auf den Karten verlangten “schrillen Abendgarderobe” ein. Soll heißen: Jede/r da vor’m Club sah aus, als ob er/sie grade aus der Klappse entlaufen wäre. Im auf der anderen Straßenseite geparkten Party-Bus irgendeines exclusiven Klubs hatten sich die Herrschaften schon kräftig aufgeheizt, so daß bereits vor Einlaß eine quirlige Menge von überdrehten “Schwachsinnigen” vor Tür rockte. Drinnen bot sich ein Bild des Grauens: Die noch nie mit solchem Publikum konfrontierten Angestellten rannten aufgeschreckt wie die Hühner durch den Laden, die Angst in den Augen beteten einige das Vater Unser und regten eine Standleitung zur Security an, während sich euer Damien schmunzelnd in die Ecke setzte, weil er genau wußte, daß die von einigen erwartete Saalschlacht ausbleiben würde. Als dann der Schlagbaum zum Einlaß hochging und sich die Bardamen in ihren Schützengräben (auch Tresen genannt) verschanzten, mußte das Personal denn auch feststellen, daß der erwartete Feind keinesfalls kampfeswillig war, sondern nur feiern wollte. Hart, aber herzlich. Und so entwickelte sich ein ganz besonderer Partyabend mit cooler Metal- und Alternative Musik und allgemein herrlicher Stimmung. Sehr schön auch, wie bei der Präsentation des Videos die waghalsigsten Stunts, die übelsten Crashs und die blutigsten Verletzungen lautstark mit einem Meer von Satanszeichen gefeiert wurden. Crazy…but not Insane!!!

Ende November hatte ich die Gelegenheit mein erstes Metal-Konzert seit über zehn Jahren zu erleben. Ich hatte mich bei Rob Halford auf die Gästliste geschlichen (ach ja, noch ein weitere Punkt: Türsteher kommen überall umsonst rein und können natürlich überall jeden umsonst reinbringen, was sie aber nur bei heißen Flittchen machen [siehe oben]!). Falls sich jemand nicht erinnert: In den achziger Jahren war Rob Halford der Sänger der britischen Heavy-Metal-Legende “Judas Priest” und ist daher für einige immer noch ein Gott, doch ob daß nach dieser Tour immer noch so sein dürfte, ist fraglich. Doch dazu gleich. Im Vorprogramm spielten die nicht minderlegendären Overkill (wer früher mal seine Zeit mit Metal verbracht hat weiß Bescheid) die mit ihren alten Hits wie “Rotten to the Core” ihren Auftritt ins pasable retteten. Besonders ins Auge viel mir dabei die Frisur des Sängers Bobby Blitz. Kann ich mich noch daran erinnern mit meiner Mutti heftigste Dispute über die Länge meiner vorderen Haartracht (auch “Pony” genannt) ausgefochten zu haben, von wegen “nicht über die Augen” (Standpunkt Mutti), so endete der ‘Pony’ des Herrn Blitz bereits kurz nach dem er begonnen hatte, und zwar so nach 1-2 cm. Dieses in verbindung mit einer ansonsten lockig-wallenden Mähne sah so dermaßen bescheuert aus, das ich es an dieser Stelle einfach mal erwähnen mußte (Sorry, daß ich euch die Zeit stehle, ihr Nörgler). Aber dann: Rob Halford. Hat er sich die Eier nur abgeklemmt oder sich ganz von diesen Utensilien getrennt. Was da so Gesangstechnisch rüberkam klang wie ein vor sich hinwürgender Oskar Mazerat. Die Musik bestand aus eintönigem Mid-Tempo-Metal, wie er langweiliger wohl nicht sein kann. Keine Speed-Granate ala “Freewheel Burning” weit und breit. Mal abgesehen von der unfreiwillig komischen Bühnengarderobe, bleibt nur noch zu erwähnen, das der Mann einen Telepromter auf der Bühne hatte, an dem er seine Texte ablesen konnte. Die dadurch sehr nach vorne gebeugte Haltung, ließ einem ständig das Bedürfnis entwickeln dem Mann sein Renten-Scheckheft zu geben. Aber meine Freunde, lustig war’s allemal bis zu einem gewissen Punkt.

Der Held der vergangen Monate war ohnehin Michael Mittermeier, welcher Anfang Dezember für zwei Gastspiele in Bremen weilte. In der Nacht nach seinem ersten Gig trieb sich Herr Mittermeier in einer unserer Viertel-Szene-Kneipen herum (das “Szene” soll hier mal nicht dieses klebrige Synomym für “Hip” oder “Trendy” sein, sondern eben Szene) und hat sich dort gepflegt betrunken. Davon erzählte er seinem Publikum im improvisierten Zugabeteil der zweiten Show am näxten Abend und erwähnte dabei noch eine weitere ebenfalls sehr schöne Viertel-Kneipe. Nun saß in den ersten Reihen so eine elitäre Kuh die wohl noch nie in ihrer Lieblings-Eliten-Trendy-Stadtillustrierten von diesen Kneipen gelesen hat und sich anscheinend dachte: “Ich bin so trendy. Was Ich nicht kenn, kann garnicht in dieser Stadt sein.”. Von hinten hörte man nur einen unverständlichen Zwischenruf, den der Akteur auf der Bühne sogleich auf mieseste Art nachäffte: “In welcher Stadt bist Duuuu denn gewesen?”, nur um gleich darauf zurückzufeuern “Ja,Ja, Dörthe, Du gehst nur in die Super-Clubs”!!! Dazu sollte man wissen, das der Name Dörthe eine Standartbeleidigung seines Programms ist. Großes Gelächter also im Publlikum. Aber Mittermeier zeigte sich alsbald versöhnlich “Aber is schon OK. Das sind unsere Kneipen.” Haarscharf erkannt Michael. Erinnere mich bei deiner näxten Visite mal daran, daß ich dir noch einen ausgeben wollte.

Bereits im Sommer trug sich folgende Situation zu, als ich mal wieder meiner Bouncer-Standart-Arbeit in einer Bremer Großraum-Disse nachging. Da bahnte sich so ein Typ seinen Weg durch die Heerscharen williger Frauen, die mich nun mal so umgeben, ach Quatsch. Zurück zur Realität. Ich sitz da so am Ausgang und langweile mich, da kommt so’n Typ auf mich zu, und sagt mir so ganz beiläufig er habe einen Notarzt bestellt. Klar, jeder Diskothekenbesucher bestellt mal so’n Notarzt. Auf die erstaunte Frage nach dem Grund erläuterte er vollkommen trocken und emotionslos, daß seine Freundin an der hinteren Theke zusammengebrochen sei. Als ich meinen Kollegen darum bat, doch mit dem Herrn mitzugehen um sich um seine Freundin zu kümmern, erwiderte dieser nur, daß das nicht möglich sei. Auf die Frage nach dem Grund erläuterte er mir, daß wir als Securitys nur zu zweit in die Halle gehen sollen. Manchmal hat man als Türsteher das Gefühl nur von Gestörten umgeben zu sein.

Wie ihr schon sicher bemerkt habt, tobt in den Diskotheken seit geraumer Zeit eine zweite Punk-Rock-Welle. Die Green Days sind heute “Blink 182″, aber Goldfinger sind immer noch da und covern 7 Seconds “99 Red Ballons”. Auch in meiner Großraum-Disse läst es sich der DJ auch auf einer ordinären Tanznacht am Samstag nicht nehmen besagte Interpreten in sein Repertoire zu nehmen. Vor einigen Wochen hab ich es ihm dann verboten. Ich sagte ihm, daß ich diese Musik hier nicht mehr hören will, daß sei hier schließlich keine Punk-Rock-Disco. Als er mich fragte warum und er dachte, ich mag diese Musik, mußte ich ihm folgendes erklären: “Da liegt doch kein Taugen drin. Kuck mal, diese ganzen Bankangesetellten und Hausfrauen in spe können sich da doch garnich richtig zu bewegen. Die blamieren sich doch nur.” Ich glaube, er hat’s nicht begriffen, denn er spielt den Kram zuweilen immer noch.

Apropros Trend: In letzter Zeit treten vermehrt junge Männer mit Walter-Frisur in Erscheinung. Manch einer von Euch mag sich noch an Walter erinnern. Jenem elitären, kleinen Muttersöhnchen aus der zweiten Big-Brother-Staffel. Der Typ mit der mit chemischen Hilfsmitteln auf zerzaust gestylten Frise (eine Marktlücke auf die bemerkenswerterweise Laboratoire Garnier bereits mit einem Produkt eingestiegen ist). Und nun rennen immer mehr von diesen Retorten-Walters durch die Discos, die komischerweise auch genau dem Typ des BB-Originals entsprechen. Auf wild getrimmte Snobs. Und genau hier erklärt sich für mich der Grund für die steigende Population diese Haartracht: Die ideale Frisur um sich abends als freches, leicht wildes Früchtchen zu geben und sich am näxten Morgen mit ordentlichem Kopfschmuck in die Bank zu stellen. Denken Sie mal drüber nach….

Ein Werbespot bei dem ich jedes mal in den Fernseher springen möchte, weil ich berufsmäßig mit dieser Menschengattung zu tun habe, ist der Debitel-Spot mit den beiden Skatern. Während der eine in der bekannt coolen und rumposenden Art über seine Vertragsgewohnheiten referiert, was in einer total idiotischen Handnachstellung der Buchstaben A, O und L gipfelt, rollt der andere langsam auf ihn zu. Nachdem der erste endlich sein beschissenes Maul hält, kurz bevor man wirklich Amok läuft, kommt der Zweite bei ihm an und fragt ihn, wo er den sein Hirn habe. Rein rethorisch sicher eine sehr gute Frage, aber nicht, wenn der Tonfall mindestens genauso cool ist und denken läßt, daß der Typ eine ganze Wiese weggeraucht haben muß. Auf jeden Fall sehe ich bei diesem Spot immer den imaginären Schriftzug einer Kleinraum-Disco, vor der ich stehe und die von ignoranten Milchgesichtern dieser Bauart im höchsten Maße frequentiert wird. Dann träume ich von mir wie ich mir einen dieser Sackhosentäger zur Brust nehme und ihn knirschend Frage: “Na, hast Du deinen Internetzugang auch über AOL.” Natürlich mit dem Handzeichen.

Wenn ich mal was fordern dürfte, dann das diese sogenannten Stadtzeitungen dazu verdonnert werden, auch mal negative Wahrheiten zu verbreiten. Nicht nur dieses ewige Gesülze in Ankündigungen oder Eventberichten welche “Partycrowd” wie wann danct, chillt, sich ein Stell-Dich-Ein gibt, groovt oder in VIP-Areas plaudert. Nein, auch mal die simple Wahrheit, z.B. warum es mit der einen oder anderen Veranstaltung(-sreihe) Probleme gibt oder gab oder warum sie ganz abgesetzt werden mußte. Oder ganz einfach auch mal kritischer mit so manchem Menschenschlag umgehen. Das wär doch echt mal ganz was Neues. Ich mach da schon mal den Anfang und erzähl euch beim näxten Mal die ganze Wahrheit über “Fubu”. Macht Euch auf was gefasst. Ich hör die PC-Ecke jetzt schon schreien.

Bis die Tage Damien Satanson

Für Loben oder Dampf ablassen oder nur so: damiensatanson@yahoo.de

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