(#88 / 6-01) Jobst
Jobst
vor ein paar tagen hat mich eine bekannte angerufen mit der ich zusammen examen gemacht habe. wir hatten zu der zeit ein paar arbeitsgruppen zusammen und hatten uns gut verstanden. ich glaube ich hatte mich damals ein bißchen in die verguckt, aber unsere wege haben sich dann relativ bald wieder getrennt und wir hatten bis auf sehr sporadische kurze emails dann 1 ½ jahre keinen kontakt zueinander. nun ja, wie das halt so ist. naja, ostersonntag rief sie dann halt aus heiterem himmel an, wir haben nett geplaudert und uns für den abend für kino und saufen verabredet. war auch alles ok bzw. nicht so spektakulär, daß ich jetzt groß was davon erzählen könnte (obwohl ich es schon recht spannend fand, wie sie als job fast bei einem natürlich total seriösen „kultur-begleitservice“ als hostess angefangen hätte – mit der festen überzeugung, daß sie da nur so ins theater oder zur oper gehen muß… leider hat sie dann kurz vorher einen rückzieher gemacht, hihi).
eine wichtige sache ist diesen abend alledings doch passiert: mir ist aufgefallen wie verdammt schnell die zeit vergeht und das alles irgendwie eigenartig ist. mich mit ihr zu treffen war irgendwie als wenn wir uns eine oder 2 wochen nicht gesehen haben. total „normal“ – erschreckend normal geradezu.
aber tut sich in 1 ½ jahren denn so viel?
scheinbar nicht. ich bin mir gerade nicht so sicher, ob ich es positiv oder negativ finde, daß menschen in 1 ½ jahren einerseits meist gar nicht so spannende dinge erleben und andererseits sich kaum bzw. gar nicht merklich verändern…. ich bin ja schon froh, daß ich in vielen dingen nicht groß anders bin, auch wenn sich meine lebensumstände durch 40-stunden-job (im gegensatz zum studi-lotterleben vorher) ganz schön geändert haben. bin froh, daß ich viele ideale nicht aufgegeben habe; daß ich nicht denke arbeit & 2er-beziehung ist das wichtigste im leben; daß ich nicht aufgegeben habe, zu versuchen dinge anders zu machen; bin froh darüber, daß ich nicht den spaß darin verloren habe, mit meinen kleinen bands kleine kon-zerte zu spielen, platten zu veröffentlichen und einen austausch mit anderen zu haben; daß ich mich immer noch wie ein depp über coole neue platten oder solche, die ich schon lange haben wollte, freuen kann; daß sich mein leben nach wie vor um viel mehr dreht als fressen, ficken, fernsehen (wobei ich an dieser stelle nochmal betonen möchte, daß essen echt das geilste im leben ist und ich da auch nichts drauf kommen lasse. prinzipiell hab ich auch nicht unbedingt was gegen ficken und fernsehen, aber ihr wißt ja was ich meine…). etc. pp…
andererseits ist es dann schon schade, daß auch viele der unsicherheiten und unzufriedenheiten in meinem leben noch genauso unverändert sind; daß ich nach wie vor immer noch nicht ansatzweise einen plan habe, wie mein leben weiterverläuft bzw. weiterver-laufen soll; daß ich mich immer noch viel zu oft allein und fertig fühle; daß mir noch viel zu oft langweilig ist; daß ich zu oft nichts mit mir allein anzufangen weiß;…
und ich hab das gefühl, daß das in 1 ½ jahren und wohl auch in 15 jahren noch genau sein wird.
c´est la vie.
TRUST gibt es jetzt also seit 15 jahren. hat sich in dieser zeit so viel verändert? im heft? am grund-prinzip´? an den personen, die das heft machen? an den personen, die im heft sind? an der musik? an der gestaltung?
auf all diese fragen gibt es wahrscheinlich 1000 verschiedenen antworten, die sich bestimmt oft wider-sprechen und deswegen trotzdem alle ihre richtigkeit haben. abhängig von der sichtweise und der person, die sie ausspricht.
um ein kleinen teilaspekt dieser frage ansatzweise zu beantworten, hatte ich vor ein paar leute, die im ersten heft interviewt waren für dieses heft wieder zu inter-viewen. ihnen dieselben fragen wieder zu stellen. leider hat sich von RAW POWER niemand auf die fragen zurückgemeldet, aber im heft findet ihr ein interview mit winni, der früher bei TU DO HOSPITAL gesungen hat und heute grafiker in san francisco ist. wie gesagt: ein winziger teilaspekt des großen universums, das tendenziell vom TRUST berührt wird.
es ist eine seltsame und eigenartige welt.
an dieser stelle zum abschluß noch ein paar worte zu DURANGO 95. im review ist zwar eigentlich das wichtigste zur lp gesagt, aber dennoch… lange hat mich keine band mehr musikalisch und menschlich so begeistert wie eben DURANGO 95. mag sein, daß das auch daran liegt, daß ich einen teil der bandmitglieder schon seit jahren kenne, aber auch wenn ich von der quasi-vorgängerband SOMA schon fan war (wie leider viel zu wenige), so haben DURANGO 95 doch in jeder hinsicht mehr zu bieten. das ist „ehrliche“ musik von losern wie du und ich. gleichzeitig musik für jeden und niemanden und deswegen definitiv „the sound-track of my life“. könnten eigentlich so richtig gut bei einem größeren publikum ankommen. da sind nicht nur bei den HWM-mäßigen parts durchaus hit-qualitäten zu erkennen. gleichzeitig sind DURANGO aber viel zu weit von „der masse“ entfernt, um denen zu gefallen. 13 lieder in 19 minuten schwankend zwischen früh-80iger-hardcore und altem england-punk mit immer genug melodie und rotzigkeit spre-chen eigentlich für sich. und „destroy fuck you“ ist eben auch ein brillianter titel (der natürlich zur zeit nur platz 2 hinter STACKs „konkret lichtge-schwindighkeit“ einnimmt) und drückt genau die richtige „fuck you“-attitüde aus, die nicht mehr ganz junge hc/punk-kids mit genug rückschlägen und enttäuschungen des lebens haben. diese sympathie und coolness spiegelt sich auch in den texten von D95 wider. aber genau diese coolness ist es die DURANGO 95 wahrscheinlich daran hindern wird, richtig „groß“ zu werden. „too sexy for the people“? – wahrscheinlich ist es genau das. aber vielleicht täusche ich mich auch und D95 werden doch die neuen über-flieger der hc/punk-szene. das wäre schön.
habt spaß.
XjobstX
TOP 10 Mai 2001
1. DURANGO 95 – destroy fuck you lp
2. I DEFY – live & demo CD
3. Country im allgemeinen & John R. Cash im speziellen
4. COCK SPARRER – shock troops lp
5. R. KELLY – r docd
6. STACK – konkret lichtgeschwindikeit 10“ (schon wegen dem titel)
7. JAN DELAY – searching for the jan soul rebels cd
8. STIFF LITTLE FINGERS – inflammable material lp
9. MAX REBO KIDS – live
10. THE JONES – gravity blues cd
Leave a comment
You must be logged in to post a comment.

